Zwischen Frieden und Krieg

In einem Kommuniqué per Video hat sich der Kommandierende des Westblocks Jacobo Arenas der FARC-EP, Zentraler Generalstab, an die Öffentlichkeit gewandt. In dem kurzen Video verdeutlicht Andrés Patiño die Bereitschaft, den Friedensprozess mit der Regierung fortzusetzen. Zuletzt war es deutlich ruhig aus dem Westblock geworden, Delegierte fehlten sogar bei einem außerordentlichen Treffen zwischen der nationalen Regierung und dem Zentralen Generalstab in San Vicente del Caguán. Seit der Aufkündigung des Waffenstillstandes durch die Regierung sind in Cauca, Nariño und Valle del Cauca schwere Kämpf ausgebrochen. Die Zukunft der Friedensgespräche im Allgemeinen wurde damit fraglich.

Der Kommandierende des Westblocks hoffe, so das Kommuniqué, die Verhandlungen wieder in Gang bringen zu können und wies darauf hin, dass die Organisation auf die am wenigsten schmerzhafte Lösung zur Behebung der strukturellen Probleme, die den Konflikt in Kolumbien hervorrufen, setzt: die politische Lösung. Patiño sagte in dem Video außerdem: „Wir teilen der Friedensdelegation und Präsident Gustavo Petro mit, dass wir uns voll und ganz unserer nationalen Führung des Zentralen Generalstabs unterordnen, an dessen Spitze unser Kommandant Iván Lozada [alias Iván Mordisco] steht.“ Im Kommuniqué wird jedoch die Strategie der Regierung Petro und an die Rolle des Verteidigungsministers Iván Velásquez in dem laufenden Prozess stark kritisiert.

Zuletzt gab es gar Bedenken über Spaltungen in der aufständischen Organisation, nicht nur durch ein Kommuniqué der Guerilla selbst, sondern auch durch in Interview von Alexander Díaz Mendoza, alias Calarcá Córdoba, der Kommandierender von östlichen Strukturen im Land ist und ebenso Teil des Zentralen Generalstabs der FARC-EP. Unterdessen laufen die Kampfhandlungen weiter, auch Festnahmen von Guerillakämpfern werden gemeldet, so aus der Provinz Caquetá. Dass die Kämpfe das ganze Land betreffen zeigt der Tod von alias Alexa, Kommandantin aus dem Osten, die inmitten von Kämpfen zwischen den Streitkräften und den Fronten Martín Villa, Atanasio Girardot und der 45. Front in der Provinz Casanare starb.

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Kommuniqué der FARC-EP

Wir dokumentieren ein aktuelles Kommuniqué der FARC-EP, Zentraler Generalstab, unter dem Oberkommando von Iván Mordisco zur aktuellen Situation in Kolumbien und in der Zuspitzung der Kämpfe zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der Guerilla FARC-EP:

Mitteilung an das kolumbianische Volk

7. April 2024

Mit großem Bedauern müssen wir dem kolumbianischen Volk mitteilen, dass die Regierung unter den derzeitigen Bedingungen militärischen Aktionen Vorrang vor einem zivilisierten Dialog eingeräumt hat. Außerdem sollte die Bevölkerung wissen, dass die Angriffe gegen die FARC EP in diesem Jahr noch nicht aufgehört haben. Mitten in diesem Waffenstillstand haben wir Angriffe der Streitkräfte auf nationaler Ebene erlebt, von denen viele in Abstimmung mit paramilitärischen Kräften, Márquez [Guerilla unter Iván Márquez] und anderen kriminellen Strukturen erfolgten. Wir haben nur dann auf Angriffe reagiert, wenn das Leben unserer Einheiten in Gefahr war, was dazu führte, dass unsere Kameraden inhaftiert, verwundet und getötet wurden.

Selbst nach entsprechenden Beschwerden bei einer Regierung, die auf taube Ohren stößt, und angesichts des Aufschreis der Zivilbevölkerung mussten wir zu entscheidenden Schlägen gegen die paramilitärischen Kräfte ausholen, wie im Departement Nariño, wo wir eine große Zahl von Paramilitärs getötet und aus der Region vertrieben haben. Das ist eine Aufgabe, die die Streitkräfte wahrnehmen sollten.

Die Regierung sollte den Angriffen ein Ende setzen und den Feinden des Friedens und ihrer Regierung nicht die Möglichkeit geben, den Krieg zu eskalieren. Aber entgegen jeder Logik haben sie nicht nur die allgemeinen Angriffe und die Demütigungen gegen die Befehlsebene fortgesetzt, sondern auch Operationen gegen das Gebiet des Westblocks Jacobo Arenas und des Zentralblocks Isaías Pardo und andere Einheiten auf nationaler Ebene angeordnet. Angesichts dieser Situation steht für uns die Solidarität mit unseren Genossen an erster Stelle.

Unsere Moral, Ethik und revolutionären Prinzipien zeigen uns, dass inmitten von Schwierigkeiten die Solidarität am stärksten zum Ausdruck kommen sollte; wir werden die Genossen der Blöcke und Fronten der FARC EP auf keinen Fall ihrem Schicksal überlassen, auch der letzte Guerillakämpfer muss von der nationalen Führung respektiert und vertreten werden. Sie können über die FARC EP sagen, was sie wollen, dass unsere Antwort ein Akt der Feigheit ist, dass sie uns erledigt haben und anderen Unsinn, den sie den Militärs in den Medien auftragen. Sicher ist, dass wir nur aufgrund der Solidarität und Zuneigung des Volkes unsere Aktionen aufrechterhalten können und nur aus Liebe zum Volk werden wir weiter für das neue Kolumbien kämpfen. Wir glauben nicht an kosmetische Veränderungen, die darauf abzielen, die Privilegien der Mörder des Volkes unangetastet zu lassen, wir sind Revolutionäre, die strukturelle Veränderungen anstreben, die es dem Volk ermöglichen, in Würde zu leben.

Wir sagen den Kolumbianern, dass sie aufhören sollen, die Lügen der Medien zu glauben, und verstehen, dass wir die Streitkräfte nicht angreifen, weil wir mit den Uribisten-Schweinen [Uribe war ein rechter Präsident in Kolumbien] übereinstimmen, sondern weil wir uns legitim verteidigen und unsere Prinzipien nicht verkaufen. Es ist traurig zu sehen, wie mit den Träumen der Kolumbianer in einem Kongress der Republik gespielt wird, in dem sich einige korrupte Leute gegen die Veränderungen aufdrängen, es ist traurig, wie ein paar Senatoren mit Vorschlägen zur Reform des Gesundheitswesens, der Renten und der Justiz enden. Es muss das Volk sein, das die strukturellen Veränderungen mit Gewalt durchsetzt und darauf werden wir auch weiterhin setzen.

Wir sagen dem kolumbianischen Volk, dass wir uns bemüht haben, einen Frieden mit sozialer Gerechtigkeit aufzubauen. Wir haben uns um einen zivilisierten Dialog mit der Regierung bemüht, aber die militärische Aggression verschließt die Türen, ebenso wie die Suche nach Strategien, um uns zu spalten, von Seiten der Beamten, die dazu da sind, Frieden zu schaffen. Das ist nicht seriös.

Angesichts des Angriffs auf unseren Westblock Jacobo Arenas, den Zentralblock Isaías Pardo und andere Einheiten auf nationalem Gebiet bitten wir die Bürger auf nationalem Gebiet, sich nicht in der Nähe von Militärpatrouillen, Bataillonen, Polizeistationen oder anderen bewaffneten Regierungseinheiten aufzuhalten und nicht an diesen Orten zu schlafen, nicht in Militärtransporte einzusteigen, und wenn sie gebeten werden, sie in ihrem Fahrzeug mitzunehmen, ist es besser, ihnen die Schlüssel zu geben und sie später einzufordern. Es ist besser nicht weniger als 500 Meter von diesen Militäreinrichtungen oder Konvois entfernt zu bleiben, nicht durch verlassene Guerillalager zu gehen, denn das Mindeste, was wir wollen, ist, dass Zivilisten in diesem Bruderkrieg, der uns aufgezwungen wurde, fallen. Ebenso fordern wir die patriotischen Militärs und Polizisten auf, die Befehle zum Angriff auf die Soldaten der Revolution nicht auszuführen. Es ist an der Zeit, sich gegen die Oligarchie zu vereinen, die die Veränderungen, die das Land braucht, nicht zulässt.

Petro [aktueller kolumbianischer Präsident] sagen wir, dass wir uns nur mit dem Schweigen der Waffen gegenseitig zuhören können und dafür ist es notwendig, einen vorübergehenden bilateralen Waffenstillstand mit nationalem Charakter wiederherzustellen.

Menschen und Würde: Manuel Marulanda lebt, der Kampf geht weiter!

Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens FARC EP

Zentraler Generalstab

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Schwere Kämpfe in verschiedenen Regionen

Die Aufkündigung des Waffenstillstandes der Regierung mit der FARC-EP hat zu schweren Kämpfen in verschiedenen Regionen des Landes geführt. Besonders betroffen ist der Südwesten des Landes mit den Provinzen Cauca, Valle del Cauca und Nariño. Aber auch aus angrenzenden Provinzen wie Tolima oder Huila werden Kämpfe gemeldet. So sind bei Kämpfen zwischen der Armee und der Front Rodrigo Cadete der FARC-EP, Zentraler Generalstab, mindestens zwei Soldaten getötet worden. Die Kämpfe fanden am gestrigen Samstag in der Gemeinde Garzón statt. Aus Huila wurden ebenfalls Kämpfe in der Region La Plata registriert, hier durch die Front Ismael Ruíz.

Bereits am Freitag wurde mindestens ein toter Polizist bei einem Angriff der FARC-EP in Piendamó aus der Provinz Cauca gemeldet. Hinzu kamen zahlreiche verletzte Polizisten, als die Guerilla eine Polizeieinheit in einem Bus auf dem Weg von Cali nach Popayán angriff. Dieser Angriff reiht sich ein in eine Reihe von Kämpfen im Südwesten. So wurden Angriffe und Kämpfe aus Cali, Jamundí, Suárez, Cajibío und Tumaco bestätigt. Im Südwesten ist der Westblock Kommandant Jacobo Arenas aktiv, mit dem der Waffenstilstand durch die Regierung aufgekündigt wurde. Die Kämpfe fanden wohl aber nicht nur zwischen der Guerilla und den staatlichen Sicherheitskräften statt, sondern auch mit anderen bewaffneten Akteuren.

In der Gemeinde Argelia im Süden der Provinz Cauca gab es laut sozialen Aktivisten Kämpfe zwischen der hier operierenden Front Carlos Patiño der FARC-EP, Zentraler Generalstab, mit der Armee, die von der Gruppe Los Pocillos unterstützt wurden. Dies ist eine paramilitärische Gruppe, die bereits des Öfteren mit der Armee kooperierte. Argelia ist eine besonders umkämpfte Region, denn sowohl staatliche Sicherheitskräfte, als auch ELN in Kooperation mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, wollen hier die Dominanz der FARC-EP unter Iván Mordisco mit dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas brechen. Das die Armee mit paramilitärischen Gruppen alliiert ist, deckten in den letzten Jahren zahlreiche unabhängige Quellen auf und berichteten selbst hohe Militärs.

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Friedensprozess soll weitergehen

Die Regierung und die FARC-EP, Zentraler Generalstab, bekannt als Estado Mayor Central (EMC), haben am Freitag angekündigt, dass sie die Friedensverhandlungen fortsetzen werden. „In Übereinstimmung mit den durchgeführten Bewertungen wurde vereinbart, die Gespräche fortzusetzen und die eingegangenen Verpflichtungen zu bekräftigen“, heißt es in dem Dokument, das auf der außerordentlichen Sitzung am Donnerstag in San Vicente del Caguán, Provinz Caquetá, unterzeichnet wurde.

Die Ankündigung zur Fortführung des Prozesses erfolgt trotz der beiden Sprengstoffanschläge und meherer Angriffe auf Polizeistationen und Militäreinheiten, die von der FARC-EP durchgeführt wurden. So gegen eine Zentrale der Armee in Cali, gegen eine Polizeistation in Jamundí (Provinz Valle del Cauca) und gegen die staatlichen Sicherheitskräfte Der dritte Anschlag in Tumaco (Provinz Nariño). Zahlreiche Kämpfe wurden zudem aus der Provinz Cauca gemeldet.

Das Treffen in Caguán, einem historischen Gebiet der ehemaligen FARC-EP, war vor einigen Tagen eine Ankündigung der Guerilla über die Schaffung eines neuen zentralen Blocks innerhalb ihrer militärischen Struktur vorausgegangen, der in Huila, Tolima, Quindío und Valle del Cauca operieren wird. Das Treffen, bei dem die Delegierten aus Cauca und Arauca nicht anwesend waren, war auch das erste, das nach der regionalen Aussetzung des Waffenstillstands in Nariño, Cauca und Valle del Cauca und nach der harten Konfrontation zwischen Präsident Gustavo Petro und Iván Mordisco, dem Oberkommandierenden der aufständischen Bewegung, stattfand.

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Zentralblock der FARC-EP gegründet

Es ist ein Paukenschlag, war aber abzusehen, um die neuen Strukturen besser zu koordinieren. Inmitten der wachsenden Spannungen mit der kolumbianischen Regierung nach ihrem Bruch des Waffenstillstandes im Südwesten Kolumbiens hat der Zentrale Generalstab (EMC)der FARC-EP eine neue übergeordnete politisch-militärische Struktur verkündet, den Zentralblock Kommandant Isaías Pardo. In einer Videoerklärung wird die Gründung als Reaktion auf das Scheitern des Waffenstillstands erklärt. Damit sollen die neuen Strukturen und Fronten in vier strategisch wichtigen Provinzen im Herzen Kolumbiens gefestigt werden.

Unter der Führung von alias Marlon Vásquez, der diese neue Struktur kommandieren wird, positioniert sich der Zentralblock Kommandant Isaías Pardo als direkte Antwort und in Solidarität mit dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas, weil gegen diesen eine große Militäroffensive betrieben wird. Dieser neue Block, der nach Angaben der FARC-EP aus mindestens fünf neuen Fronten besteht, soll in den Provinzen Valle del Cauca, Huila, Tolima und Quindío operiert werden. Der Name Isaías Pardo wird zu Ehren eines der Mitglieder der ersten Bauernorganisationen, aus welcher die FARC Mitte des letzten Jahrhunderts hervorging, genommen.

Iván Jacobo Idrobo Arredondo, auch bekannt als Marlon Vásquez, ist einer der engsten Vertrauten von Iván Mordisco, dem Oberkommandierenden des EMC. Zuvor war er zum Kommandierenden des Westlichen Koordinationskommandos ernannt worden, das im Südwesten operierte, also genau dort, wo aktuell in der Mitte der Friedensgespräche zwischen der Guerilla und der Regierung von Präsident Gustavo Petro der Waffenstillstand ausgesetzt wurde. Nach Angaben von Marlon Vásquez ist die Gründung eine Reaktion auf die Eskalation der Gewalt gegen die Guerilla durch die Armee und in Solidarität mit den aufständischen Einheiten.

In seiner Erklärung vergleicht Vásquez die Aussetzung des Waffenstillstands mit historischen Momenten in der Geschichte der Guerilla, die sie dazu gebracht haben, ihre Struktur seit ihrer Gründung zu überdenken. Er verweist auf Ereignisse wie die Militäroffensive gegen 48 Bauern im Mai 1964, das Scheitern der Caguán-Gespräche im Februar 2002 und die Ankündigung von Militäroperationen gegen die erste Front Armando Ríos im Jahr 2016. In einer an die Gemeinden und die verschiedenen Sektoren der Gesellschaft gerichteten Botschaft wirbt der Kommandant der Aufständischen für organisatorische Initiativen mit dem Ziel, die Lebensbedingungen in den genannten Provinzen zu verbessern.

Obwohl sie ihre Bereitschaft bekunden, die Friedensgespräche mit der nationalen Regierung fortzusetzen, wird berichtet, dass sich der EMC in einer internen Diskussion befindet, um eine Entscheidung bezüglich der Gespräche zu treffen. „Unser Wille zum Frieden bleibt ungebrochen, wir werden uns immer für die am wenigsten schmerzhafte Lösung des sozialen und bewaffneten Konflikts in Kolumbien einsetzen: die politische Lösung“ so Vásquez in dem Kommuniqué. Bereits vor wenigen Tagen hat die Regierung und der Zentrale Generalstab angekündigt, sich am 28. März zu einer außerordentlichen Sitzung vom 3. bis 6. April in San Vicente del Caguán, Caquetá, zu treffen. Danach finden, so Stand heute, weitere im Friedensprozess vereinbarte Treffen statt.

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Kämpfe mit Guerilla nehmen zu

Die Operationen der staatlichen Sicherheitskräfte gehen in verschiedenen Landesteilen weiter, nicht nur in den Provinzen, wo der Waffenstillstand von Seiten der Regierung aufgekündigt wurde. Besonders betroffen sind jedoch die ländlichen Regionen in der Provinz Cauca und der Süden der Provinz Valle del Cauca. So wurden zuletzt Kämpfe zwischen der FARC-EP, Zentraler Generalstab, aus der Gemeinde Suárez gemeldet, wo sich Armee und die Front Jaime Martínez schwere Kämpfe leisten.  Auch aus der Gemeinde Jamundí werden Kämpfe gemeldet, hier mit der Front Jaime Martínez. Aus Toribío wurden Kämpfe mit der Front Dagoberto Ramos bekannt.

Schwere Kämpfe gab es auch im Süden der Provinz Cauca. Hier rückte das Militär in die Region Argelia vor, wo von Seiten des Zentralen Generalstabs (EMC) der FARC-EP die Front Carlos Patiño operiert. Zwar wurden Teile von El Plateado besetzt, doch die Grundstruktur der Guerilla des EMC nicht getroffen. Stattdessen gab es Tote und Festnahmen gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez. Dies betraf die Struktur Diomer Córtez, wo es schwere Verluste gab.

Schwere Kämpfe und Verluste für den EMC der FARC-EP ereigneten sich hingegen in der Provinz Tolima, wo die staatlichen Sicherheitskräfte ein Camp der Front Ismael Ruiz ausfindig machten und angriffen. Neben diversen toten Guerilleros gab es auch zahlreiche Festnahmen, unter anderem einige Kommandierende, Ob dies das Ende dieser Front ist, bleibt abzuwarten. Festnahmen von anderen Guerilleros gab es auch aus anderen Regionen des Landes. Inwieweit die Guerilla dadurch geschwächt wird, ist nicht sicher. Es werden zwar Kämpfe aus den ländlichen Gebieten gemeldet, doch strategisch hat sich die Guerilla auch in andere Gebiete zurückgezogen.

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Kein Interesse an Frieden und Friedensabkommen

Der am Dienstag von einer internationalen Menschenrechtsexpertin vorgelegte Bericht über die Hindernisse bei der Umsetzung des Friedensabkommens und den Fall Jesús Santrich enthält neben aufklärenden Fakten auch einige Empfehlungen für den kolumbianischen Staat und die internationale Gemeinschaft, wie die Umsetzung des Abkommens von 2016 und die Ermittlungen im Fall der ehemaligen FARC vorangebracht werden können.

Das Dokument erkennt die Fortschritte bei der Umsetzung des mit der im Jahr 2016 unterzeichneten Abkommens und sich entwaffneten FARC an, benennt jedoch mindestens sechs Hindernisse, darunter die rechtliche Instabilität für ehemalige FARC-Kämpfer, das Wiederaufflammen der Gewalt und die Notwendigkeit eines hohen Amtes zur Koordinierung und Leitung der Umsetzung des Abkommens von Havanna.

Der Bericht enthält auch Bemerkungen zu der Klage, die die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) gegen die Generalstaatsanwaltschaft wegen der Verhaftung des ehemaligen FARC-Kämpfers Jesús Santrich eingereicht hat, sowie zur Schwächung des Vertrauens in das Friedenstribunal. In dem Bericht werden weitere Einzelheiten zu diesem Vorfall genannt, und es heißt, dass im Fall von Santrich ein Agent provocateur eingesetzt worden sein soll.

Wir erinnern uns, dass der Fall Santrich und die Verfolgung und potenzielle Verhaftung von anderen ehemaligen Kommandierenden wie Iván Márquez, einer der Gründe war, dass sich die FARC-EP wiederbewaffnete. Hinzu kam, wie im aktuellen Dokument auch beschrieben, die mangelnde Umsetzung des Vereinbarten und gar das fehlende Interesse an dem Abkommen für Misstrauen unter den ehemaligen Kämpfern sorgte. Probleme in der Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpfer sorgten dafür, dass sich einige Personen wieder der neuen FARC-EP anschlossen.

Der Aufschrei über dieses Dokument und die mangelnde Umsetzung des Friedensabkommens hält sich in Kolumbien jedoch in Grenzen. Stattdessen wird ein kriegsrhetorischer Kurs geführt, darauf schießt sich die Öffentlichkeit und die Medien lieber ein. Das grundlegende Probleme wir Landbesitz, soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit sowie Korruption und mangelnde politische Transparenz nicht angegangen werden, wird auch zukünftig dafür sorgen, dass bewaffnete Akteure und Organisationen überleben werden.

Medien und Öffentlichkeit berichten lieber darüber, dass die FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco ein Krankenwagen und eine Ambulanzstation der Bevölkerung spendiert haben. Dies geschah in El Tambo, Provinz Cauca, wo neben den lokalen Gemeinden auch die FARC-EP Geld sammelte und ein Delegierter der Verhandlungsdelegation Nelson Enrique Ríos, alias Gafas, an dem Akt der Übergabe teilnahm. Bereits zuvor entscheid sich die Bevölkerung in der Provinz Caquetá, den Namen einer Schule nach dem ehemaligen Kommandanten Gentil Duarte zu benennen. Dies spiegelt den Rückhalt der Bevölkerung für die Guerilla, aber auch die staatliche Verachtung für die ländlichen Regionen wider, in der die Guerilla diese Funktion übernimmt.

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In Erinnerung an Manuel Marulanda Vélez

In einem Akt der Erinnerung haben Dutzende Guerilleros des Westblocks Kommandant Jacobo Arenas aus dem Südwesten Kolumbiens trotz des Drucks der staatlichen Sicherheitskräfte, nachdem der Waffenstillstand aufgekündigt wurde, dem 2008 verstorbenen Guerillahelden Manuel Marulanda Vélez gedacht. Seit seinem Tod wird in der kolumbianischen Guerilla dieser Tag des 26. März als internationaler Tag des universellen Rechts auf die bewaffnete Rebellion praktiziert. Dieser Tag, in Gedenken an den Tod des Genies des Guerillakrieges und der internationalen Solidarität Manuel Marulanda Vélez, soll Tag als ein Tag der Würde und des Kampfes gedacht werden.

In Kolumbien, majestätisch schön mit dem großen Kordilleren der Anden, seinen unterschiedlichen Klimazonen und seinem unglaublichen Reichtum an Flora und Fauna, ebenso reich an natürlichen Ressourcen und einer lebendigen Kultur, gibt es aber auch seit Jahrhunderten den Kampf um die Unabhängigkeit und die Verbesserung des Lebenssituation. Manuel Marulanda Vélez war einer der Helden des Kampfes um soziale Gerechtigkeit in Kolumbien. Er machte aus dem Einfachen eine Wissenschaft, die es noch heute anzuwenden gilt; er machte aus dem Einfachen eine der bis heute existierenden starken Guerillakräfte.

Er übertraf die strategischen, operativen und taktischen Fähigkeiten der Menschen der nationalen und ausländischen Militärakademien um ein Vielfaches. Keine kolumbianische Regierung und keine ausländische Macht konnte die Guerilla besiegen. Es war in den 60 Jahren seiner revolutionären Laufbahn, seines Lebens, erfolgreich. Kolumbien muss sich transformieren, damit Frieden und soziale Gerechtigkeit herrscht. Genosse Manuel Marulanda Vélez hat die FARC-EP mit ausreichenden wissenschaftlichen Elementen für den revolutionären Krieg und die Suche nach einer politischen Lösung des sozialen und bewaffneten Konflikts ausgestattet.

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Schlagabtausch zwischen Regierung und FARC-EP

Die Entscheidung der Regierung, die Militäraktion gegen die FARC-EP, Zentraler Generalstab, wieder aufzunehmen, wirft ihre Schatten voraus. Einzelne Gefechte werden bereits gemeldet und zudem gibt es neben dem militärischen Schlagabtausch hitzige Wortgefechte über die Medien zwischen den Akteuren. Präsident Petro versicherte, dass die FARC-EP „Bauernführer töten, das Volk ermorden und von Revolution sprechen“. Und weiter: „Welche Revolution oder was zum Teufel? Sagen sie die Wahrheit, hören Sie auf, das Andenken an Manuel Marulanda Vélez zu benutzen, der es wenigstens gewagt hat, eine echte Revolution zu machen“, so der Präsident. Er nutzt damit das Narrativ, dass die Guerilla keine politischen Ziele hätte, sondern sie Drogenterroristen seien.

Außerdem bezeichnete er Mordisco als einen „Gauner im Gewand eines Revolutionärs“. Die Kritik richtet sich jedoch gegen die Guerilla der FARC-EP als gesamte Organisation. Petro sagte, dass sie zwei Wege zur Auswahl haben: einen im Dienste der Bevölkerung oder den des Drogenhandels, der eine Verfolgung durch den Staat nach sich ziehen würde. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In seinem X-Account antwortete Iván Lozada, alias Iván Mordisco, als Oberkommandierender der FARC-EP auf die Anschuldigungen von Präsident Petro und versicherte, dass er „sie verraten“ habe. „Gustavo Petro beschuldigt mich, ein Gauner zu sein und die Erinnerung an Manuel Marulanda zu benutzen. Als wir ihn bei seiner Kampagne unterstützten, waren wir keine Gauner. Er hat nicht nur uns verraten, sondern auch die Menschen, die ihn wegen seines fortschrittlichen und friedlichen Diskurses unterstützt haben, während er heute für Krieg und Kapitalismus wirbt“, so Iván Mordisco.

Die Anordnung, den bilateralen Waffenstillstand mit der FARC-EP teilweise auszusetzen, hat die Gemeinden der Provinz in einen Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen verwandelt. Tausende Soldaten sind zusammengezogen worden, um vor allem die Mutterstruktur der FARC-EP, die Front Dagoberto Ramos im Norden und Osten der Provinz Cauca zu bekämpfen. Aus der Front sind viele andere Strukturen der Guerilla entstanden, deswegen gilt sie als Mutterfront. Ihren Ursprung hat sie in der alten 6. Front der FARC-EP. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Front Dagoberto Ramos über ausreichende militärische Kapazitäten verfügt, um Armee und Polizei in diesem Teil des Landes zu destabilisieren. Diese Front wendet die alten Taktiken des Guerillakriegs an und ist in der Lage, die Armee offen zu konfrontieren. Ihre politisch-militärische Macht beruht auf ihrem ausgedehnten Netz von Milizionären, die sich leicht unter die Zivilbevölkerung mischen, um Soldaten und Polizei anzugreifen.

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Die Guerillastrukturen des EMC im Südwesten im Fokus

Durch die einseitige Aussetzung des Waffenstillstandes durch die kolumbianische Regierung ist der Friedensprozess und vor allem der Südwesten Kolumbiens mit seinen Guerillastrukturen in aller Munde. Es geht um das Agieren der Strukturen gegen die Bevölkerung, deren sozusagen ein Bruch des Waffenstillstandabkommens vorgeworfen wird. Tatsächlich sind diese Strukturen wesentlich autonomer, als die im Osten des Landes. Ihre Verpflichtung zu einem Friedensprozess ungenau. Hinzu kommt, dass sich einige Regionen im Südwesten des Landes im permanenten Konflikt mit anderen bewaffneten Akteuren befinden, während im Osten eine Dominanz der FARC-EP unter Iván Mordisco herrscht. Der Umgang mit der Bevölkerung ist anders, vor allem auch gegen die Bevölkerungsgruppen der Indigenen, die eigene Regeln des Zusammenlebens haben und sich eher nicht denen der Guerilla unterwerfen. Aber der Umgang ist auch abhängig vom Kommandanten einer Struktur. Viele Faktoren, die in so einem komplexen Konflikt eine Rolle spielen.

Nichts desto trotz sollte bei all der Aufregung nicht vergessen werden, dass die Ursache zwar in der versuchten Rekrutierung eines minderjährigen Indigenen durch die Guerillafront Dagoberto Ramos liegt, der Höhepunkt aber in der Festnahme von zwei Guerillakämpfern, darunter ein Kommandant, durch die indigene  Bevölkerung liegt, was dann zu einer Befreiung und Angriff der Guerilla auf die Zivilbevölkerung führte. Schon seit dem Auftreten der Guerilla in der von indigenen bewohnten Provinz Cauca gibt es Konflikte mit der Zivilbevölkerung, und hier vor allem mit den Indigenen, die ihre Streitpunkte in Autoritäten, Landbesitz und Regeln des Zusammenlebens haben. In der letzten Zeit spitzte sich dieser Konflikt zu, ob gleich auch in den Reihen der Guerilla indigene Personen kämpfen. Hinzu kommt der bereits oben erwähnte Konflikt mit anderen Akteuren, bei der oftmals die Zivilbevölkerung der Kollaboration mit dem jeweils anderen Akteur verdächtigt wird.

Dabei sind die Strukturen der FARC-EP, Zentraler Generalstab, schon seit Jahren in der Region aktiv und teilweise bestehen diese auch aus Kämpfern der alten FARC-EP, die sich seit 2016 entwaffnet und im Prozess der Wiedereingliederung ist. Doch wir schauen einmal etwas genauer auf den Zentralen Generalstab und auch auf den Südwesten. Der Zentrale Generalstab der FARC-EP, „Estado Mayor Central – EMC“ kann als Weiterführung oder auch Dissidenz der alten FARC-EP betrachtet werden, weil seine wichtigsten Kommandierenden dem Friedensabkommen von 2016 nicht beigetreten sind. Dies ist der Unterschied zur anderen neueren Fraktion der FARC-EP, dem Zweiten Marquetalia, die eine wiederbewaffnete Organisation sind, weil ihre Kommandanten dem Abkommen beigetreten sind. Beide Fraktionen sind aber gleichermaßen komplex in ihrer bisher kurzen Geschichte und führen sich jeweils als die authentische FARC-EP.

Die Geschichte wird beim EMC jedoch in ihrem Diskurs deutlich. Laut dem Kommuniqué der 1. Front vom Juni 2016 lehnte sie das Abkommen ab, weil es die wirklichen Probleme auf dem Land nicht löse, weil es nur die Entwaffnung und Demobilisierung der ausgelöschten FARC-EP zum Ziel habe und weil sie nicht darauf vertraue, dass das Abkommen umgesetzt werde. Wenn sie heute über die Gründe für ihre Existenz sprechen, verweisen sie auf die strukturellen Bedingungen, die den bewaffneten Konflikt ausgelöst haben und nicht mehr auf ihre Skepsis gegenüber der Umsetzung. Das Zweite Marquetalia begründete ihre Gründung mit dem Fehlen rechtlicher Garantien seitens des Staates und mit den Verzögerungen bei der Umsetzung. Sie entstanden erst später und ihr Oberkommandierender Iván Márquez war sogar der Verhandlungsführer, weswegen ihm sogar vom EMC Verrat an der revolutionären Sache vorgeworfen wird.

Das Wachstum des EMC verlief ziemlich linear, da die Organisation keine größeren Rückschläge erlitt, weder bei der territorialen Ausdehnung noch bei der Zunahme ihrer Kämpfer. Als die Fronten 1, 7, 16, 40, 62 und Acacio Medina im Osten des Landes im Jahr 2016 gegründet wurden, hatten sie schätzungsweise zwischen 400 und 600 Mitglieder. Jetzt hat sie über 3500 Mitglieder. In einer ersten Phase, zwischen 2016 und 2018, wurden die genannten Fronten koordiniert und dann durch die Fronten 10 und 28 zwischen Arauca und Casanare ergänzt. Zwischen 2019 und 2020 wurden dann die Strukturen im Südwesten des Landes aufgebaut, es kam ebenso die 33. Front in Catatumbo hinzu. Weitere Strukturen folgten vor allem im Süden und Westen Kolumbiens, vor allem auch in den Provinzen Cauca, Nariño und Valle del Cauca, wo aktuell der Waffenstillstand ausgesetzt ist. Hier erfolgte die Eroberung neuer Regionen vor allem auf militärischem Weg und vor allem gegen andere Akteure.

Der EMC begann als bewaffnete Organisation im Südwesten mit unterschiedlichen noch nicht miteinander agierenden Strukturen. Die Verbindungen zwischen ihren Kommandierenden waren brüchig, die Verbindungen zu einigen lokalen Gemeinschaften jedoch stark. Im Allgemeinen spalteten die damals neuentstehende FARC-EP die soziale Basis der ehemaligen FARC-EP: Ein Teil unterstützte den Friedensprozess und blieb in der Nähe der politischen Partei Comunes der ehemaligen Guerilla. Ein anderer Teil nutzte die Gelegenheit, um seine Unabhängigkeit zu erklären. Ein anderer Teil entschied sich dafür, eine direkte Beziehung zur Dissidenz aufzubauen. Und ein wiederum anderer Teil musste akzeptieren, dass der Krieg tatsächlich weiterging und eine kurze Phase der Ruhe zu Ende ging. Inmitten dieses Szenarios schufen die Strukturen Koalitionen von Befehlshabern, wobei jeder Befehlshaber über ein lokales Netzwerk verfügte, welches er mobilisierte, um ein gewisses Maß an Unterstützung durch die Gemeinschaft zu erreichen.

Um schließlich weiter zu wachsen, verbündete sich diese Koalition von Kommandierenden mit anderen Einheiten in anderen Teilen des Landes, etwa im Süden und an der venezolanischen Grenze, wodurch die horizontalen Verbindungen zwischen ihnen zunahmen. Es entstand eine Vereinigung der Strukturen. Mehrere dieser Einheiten im Südwesten hatten wichtige Verbindungen zu einigen Gemeinden, was ihre eigene Stärke und Expansion erklärten. Als beispielsweise 2018 die spätere Front Carlos Patiño in Argelia auftauchte, lehnten die Gemeindemitglieder und -anführer ihre Präsenz in dem Gebiet zuerst ab, so dass sie sich zurückziehen musste. Später, im Februar 2020, konnte sie jedoch in El Plateado und Umgebung eindringen und der ELN die Kontrolle entreißen, da die ELN nicht in der Lage war, die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen und die Bevölkerung müde von der ELN und ihrem Agieren war. Die Bevölkerung begrüßte sozusagen das erneute Eindringen der FARC-EP, die hier bereits vor dem Friedensprozess mit der 8. und 60. Front operierte.

Ein ähnlicher Prozess fand so bei der Front Franco Benavides in den Bergen Nariños statt. Die lokale Bevölkerung suchte Schutz vor paramilitärischen Gruppen und der Struktur Cordillera Sur, die damals Schrecken unter der Bevölkerung verbreitete. Es war nach dem Rückzug der FARC-EP im Kontext des Friedensprozesses ein Vakuum in vielen Landstrichen entstanden, welches von paramilitärischen Gruppen und ELN aufgesaugt wurde. Nun wollte die Bevölkerung, nach dem der Staat die Regionen weiterhin im Stich ließ, die alte Autorität zurück. Der Kontakt zwischen alten Strukturen der FARC-EP und auch ihren Milizionären, die weiterhin Teil der Zivilbevölkerung waren, riss also nie ab. So ist es zu erklären, dass zum Beispiel mithilfe anderer Guerillastrukturen die Regionen zurückgeholt wurden. Die Front Jaime Martínez unterstützte die Front Carlos Patiño bei der Rückeroberung in Argelia. Eben jene Struktur unterstütze auch die Front Franco Benavides.

Viele der Einheiten, die sich dem Projekt der Neubelebung der FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco angeschlossen haben, sind im Grunde genommen wieder bewaffnete Strukturen aus Guerilleros und Milizionären, die dann aber selbstverständlich neue Leute rekrutieren konnten. Sie standen vor großen Herausforderungen bei der Wiederherstellung einer sozialen Basis und der Sicherung von Waffen und Finanzen, während sie gleichzeitig versuchten, militärische Konfrontationen zu vermeiden, die sie in Gefahr bringen könnten. Aufgrund ihrer Kriegserfahrungen und der Mobilisierung von Gruppen ehemaliger Kämpfer konnten sie jedoch Wege finden, diese Probleme zu überwinden, sei es durch versteckte Waffen- und Gelddepots, normalisierte Verbindungen zu Gemeinschaften und ihren Familien oder Kontakte zu illegalen Wirtschaftsnetzen. Gentil Duarte entsendete alias Jhonier in den Westen, der schließlich die vorhandenen Strukturen zusammenführte und das Westliche Koordinationskommando schuf.

Die Zentralisierung durch Jhonier, der aus dem südlichen Guaviare im Osten des Landes kam, war ein Meisterstück. Man gewährte den Strukturen im Südwesten die noch heute vorherrschende Autonomie, trotzdem führte man sie dem Zentralen Generalstab (EMC) unter. Diese Diskrepanz im Agieren ist aktuell wieder besonders sichtbar. Heute besteht der Westblock Jacobo Arenas aus folgenden Strukturen mit ihrem Gründungsjahr: Front Jaime Martínez (2018), Front Dagoberto Ramos (2018), Front Carlos Patiño (2019), 30. Front Rafael Aguilera (2019), Kolonne Adán Izquierdo  (2020), Front Franco Benavides (2020), Mobile Kolonne Urías Rondón (2020), Front Ismael Ruíz (2020) sowie die Mobile Kolonne Alan Rodríguez (2022). „Óscar Sandoval alias Andrés Patiño oder El Mocho ist der Kommandant des Westblocks Jacobo Arenas. Er war Mitglied der ehemaligen FARC-EP seit 2010 und in der Mobilen Kolonne Jacobo Arenas. Im EMC war er ehemaliger Kommandant der Front Carlos Patiño.

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Waffenstillstand im Südwesten ausgesetzt

Präsident Gustavo Petro hat am Sonntag die Aussetzung des bilateralen Waffenstillstands mit dem Zentralen Generalstab der FARC-EP in der Provinzen im Südwesten Kolumbiens ausgesetzt. Dies betrifft den Westblock Kommandant Jacobo Arenas der FARC-EP, die in den Provinzen Cauca, Nariño und Valle del Cauca operieren. Sie gehören zu den kampfstärksten Strukturen der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco. Zwar agieren diese Strukturen teilweise auch in den Provinzen Huila und Tolima, diese sind jedoch von der Entscheidung ausgeschlossen.

Die Entscheidung traf der kolumbianische Präsident Petro aufgrund der Angriffe von Strukturen des Westblocks auf die indigene Bevölkerung in der Provinz Cauca. Laut dem vom Verteidigungsminister Iván Velásquez unterzeichneten Dekret gilt der Waffenstillstand somit nicht mehr in den oben genannten Provinzen. Das Dekret ordnet „die Wiederaufnahme der offensiven militärischen und polizeilichen Operationen ab dem 20. März 2024, 00:00 Uhr, gegen die Strukturen des Zentralen Generalstabs“ an.

Der Konflikt im Südwesten verschärfte sich zusehends, nicht nur zwischen den bewaffneten Akteuren und der Zivilbevölkerung, es gab auch immer wieder Kämpfe zwischen FARC-EP und der ELN sowie der mit ihr verbündeten Zweiten Marquetalia. Nach dem Versuch der Rekrutierung einer minderjährigen indigenen Person aus einer Schule in Toribio, Cauca, durch die FARC-EP, gab es eine Reaktion der indigenen Wache, die daraufhin zwei bekannte Guerilleros festnahm. Dies sorgte für einen Angriff von Guerilleros der Struktur Dagoberto Ramos auf die indigene Gemeinde im Dorf La Bodega, bei der eine Person getötet und andere verletzt wurden.

Just an diesem Wochenende sollte es auch ein regionales Friedenstreffen von Delegationen der Regierung und der FARC-EP in der Schlucht von Micay geben, einer Bastion der Guerilla. Am Sonntag trafen Sprecher beider Seiten hier im Osten Caucas ein, um die Einhaltung der Vereinbarungen zu überprüfen und die vom Konflikt betroffenen Gemeinden anzuhören. Nun wird abzuwarten sein, wie die Guerilla reagiert. Schon einmal, im Mai 2023, gab es die regionale Aussetzung des Waffenstillstands als die Front Carolina Ramírez in bewaffnete Aktionen verwickelt war.

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Vierte Runde der Friedensgespräche beendet

Am gestrigen Sonntag endete nach einer Woche der vierte Zyklus der Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-EP, Zentraler generalstab, unter dem Kommando von Iván Mordisco. Die Gespräche fanden diesmal in San José del Guaviare in der gleichnamigen Provinz statt. Die in diesem dritten Zyklus erzielte Vereinbarung umfasst sechs Punkte: Partizipation, thematische Agenda, territoriale Umgestaltung, soziales und ökologisches Engagement, Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Einrichtung einer Rechtskommission und Sicherheitsgarantien. Darüber hinaus haben die beiden Akteure die Entwicklung humanitärer Maßnahmen „im Zusammenhang mit der Verhütung bewaffneter Konflikte, der Rückkehr der Zivilbevölkerung und der Schaffung humanitärer Korridore“ in ihren Einflussgebieten eingeleitet.

Die beiden Delegationen bewerteten den zweiten Bericht über die Überwachung des Waffenstillstands und trafen mehrere Vereinbarungen, darunter territoriale Veränderungen in den Provinzen Caquetá, Meta, Guaviare und der Region Catatumbo. Auch die Provinzen Norte de Santander, Bolívar und Antioquia haben eine Priorität. An der Abschlussveranstaltung nahm auch Óscar Ojeda, alias Leopoldo Durán, Leiter der Friedensdelegation der FARC-EP, teil, der die Bedeutung einer transformativen Agenda für ökologische und soziale Gerechtigkeit unter breiter Beteiligung der Bevölkerung hervorhob. Andrey Avendaño, ein weiterer Sprecher der FARC-EP, sagte, dass während des vierten Zyklus die thematischen Linien der Verhandlungsagenda festgelegt wurden, ein wesentlicher Punkt für den Fortschritt der Gespräche.

Der Vorschlag, den die FARC-EP der Regierung vorgelegt hat, umfasst Themen wie das Wirtschaftsmodell für strategische Wirtschaftssektoren, internationale Beziehungen, humanitäres Völkerrecht, Jugend und ein Querschnittsthema, das eine nationale Strategie gegen Korruption beinhaltet. Die Friedensdelegation wies auch darauf hin, dass zu den zentralen Achsen des Wandels die Beteiligung der Gemeinden, die Diskussion über Landbesitz und -eigentum sowie die Auswirkungen auf die Umwelt gehören. Ebenso ausgewertet wurde das Abkommen für El Plateado, Provinz Cauca. Auch hier sollen spezielle territoriale Entwicklungen geschehen. Im Micay, wor El Plateado liegt, hat die FARC-EP mit ihrer Front Carlos Patiño die territoriale Macht.

Zu den unmittelbaren Aktivitäten in den Monaten März und April gehörte die Durchführung von Veranstaltungen zum sozialen Dialog in den Provinzen Nariño, Putumayo und Arauca, wo die FARC-EP ebenso sehr präsent ist. Sieben Dokumente mit elementaren Punkten wurden besprochen. So ein Kommunikationsprotokoll zur Vermeidung von Zwischenfällen und bewaffneten Kontakten zwischen dem Zentralen Generalstab und den Sicherheitskräften während des bilateralen Waffenstillstands. Das zweite ist das Protokoll für die Pädagogik der Friedensgespräche und des Prozesses. Es gibt ein Abkommen über die territorialen Veränderungen in Caquetá, Meta und Guaviare sowie Catatumbo. Das sechste verabschiedete Dokument ist ein Abkommen über die Gemeinsame Kommission für Rechts- und Sicherheitsgarantien. Zudem gibt es Vereinbarungen zur Überwachung.

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