Front Jaime Martínez baut soziale Kontrolle aus

Die Nationale Menschenrechtsorganisation hat im Jahr 2024 seine bisher fünfte Frühwarnung herausgegeben. Es handelt sich um eine Warnung für die Bevölkerung in der Großgemeinde Jamundí, Provinz Valle del Cauca, die nur eine Stunde von der Millionenstadt Cali entfernt liegt. Die Menschenrechtsorganisation hat diese Warnung herausgegeben, nachdem mehrere Radfahrer auf der Straße von Cali nach Jamundí inmitten einer illegalen Straßensperre von der FARC-EP aufgehalten worden sind. Dass jedoch die aufständische Bewegung ihrerseits die Kontrolle in einer Region ausübt und Kontrollen durchführt sowie beobachtet, wer sich in ihrem Territorium aufhält, ist jedoch nicht neu. Ebenso wird in der Warnung angegeben, dass die FARC-EP mit ihrer Front Jaime Martínez, öffentlich durch Transparente, Geschenke und Patrouillen seht präsent ist.

Die politisch-militärische Kontrolle hält die Front Jaime Martínez vor allem über die ländlichen Gebiete. Die soziale Kontrolle wird über Regeln festgelegt, die für die Bevölkerung verankert sind. Dies können ungeplante Straßensperren auf den Straßen sein, Mobilitätsbeschränkungen wie das Fahren ohne Helm oder auch die Ausweispflicht, bei der Karten und Registrierung von der Guerilla vorgenommen werden. Eine spezielle Karte, die über die lokalen Aktionsräte der Dörfer mit ausgegeben werden, führen die Bewohner als Nachbarn der Region aus. Wer diese Karte nicht besitzt, der gilt als verdächtig. Die Guerilla ist das Gesetz, so die lokale Bevölkerung, bei der klar erkennbar ist, wo die Guerilla ihre Präsenz hat. Banner, Plakate und Graffitis verkünden von der Front Jaime Martínez. In der Nacht gilt eine Ausgangssperre, die Häuser müssen Kalender der FARC-EP anbringen und Geschäfte die Revolutionssteuer bezahlen.

Doch es werden auch Straßen durch die Guerilla gebaut und Aufgaben für die soziale Infrastruktur erledigt. Für die lokale Bevölkerung sind die Einschränkungen eben auch mit Sicherheit und Unterstützung verbunden, in einer Region, wo der Staat nicht präsent ist und die Guerilla viele Aufgaben übernimmt. In den Häusern in der ländlichen Gegend von Jamundí sind die Propagandabroschüren und Kalender gut sichtbar. An den Schulen sind Bilder der Kommandanten angebracht und Kinder bekommen Fußbälle, Hefte, Tassen und T-Shirts der Guerilla geschenkt. Benannt ist die Front nach dem ehemaligen Guerillero Jaime Martínez, der im Jahr 2014 starb. Alias Mayimbú übergab dieser Front den Namen, als er Kommandant des im entstehenden Westblocks der FARC-EP war, die nun dem Zentralen Generalstab untergeordnet ist und in den Regionen des nördlichen Cauca und südlichen Cauca del Valle als eine der wichtigen Strukturen des Westblocks Kommandant Jacobo Arenas operiert.

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Verhandlungsdelegation des Zweiten Marquetalias

Für die bald beginnenden Friedensverhandlungen zwischen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Iván Márquez und der kolumbianischen Regierung sind nun die Verhandlungsführer für die aufständische Bewegung bekannt. Dies wurde in einem Schreiben von letzter Woche deutlich, welches die Regierung veröffentlichte. Bereits Anfang Februar gaben beide Seiten bekannt, in Friedensverhandlungen gehen zu wollen. Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, ist die zweite Fraktion der FARC-EP, die sich dem Zentralen Generalstab unter dem Kommando von Iván Mordisco gegenübersteht.

Unter den Namen der Verhandlungsführer befindet sich unter anderem José Aldinever Sierra, alias Zarco Aldinever, der ehemalige Kommandant der 53. Front der alten sich entwaffneten FARC-EP. Diese Front agierte in den Provinzen von Cundinamarca und Meta. Ebenso unter den Namen befindet sich der Kommandant José Vicente Lesmes, alias Walter Mendoza, der vor allem in Zentral- und Westkolumbien mit der ehemaligen FARC-EP operierte. Er ist einer der historischen Kommandanten und gründete die mobilen Kolonnen als neues Operationsfeld. Hier gehörte er unter anderem zum Westblock der Guerilla.

Auch Alberto Cruz Lobo, alias Enrique Marulanda, ein Sohn des legendären Oberkommandierenden Manuel Marulanda Vélez, ist in dem Dokument aufgelistet. Ebenso wie die anderen Kommandierenden, war er zuerst im Prozess der Wiedereingliederung der alten FARC-EP in das zivile Leben beteiligt, bevor er wieder zu den Waffen griff. Zudem ist Giovanny Andrés Rojas, alias Araña, einer der Verhandlungsführer. Er ist der Kommandierende der Bolivarischen Grenzkommandos im Süden Kolumbiens, die sich mit der FARC-EP unter Iván Márquez zusammenschlossen. Diese entstanden ursprünglich als autonome Struktur von ehemaligen Paramilitärs und Guerilleros in der Provinz Putumayo.

William Danilo Malaver, alias Gerson González, taucht auch in der Liste auf. Er ist einer der Kommandierenden der Kolonne Vladimir Estiven die in der Provinz Meta operiert. Sie ist eine der ersten Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Mit Luis André Figueroa, alias Popeye, ist eine weitere Person in der Verhandlungsdelegation, die aus dem Ostblock der alten FARC-EP kommt. Alias Popeye war Kommandant der 42. Front, die damals in der Provinz Cundinamarca operierte. Mit Allende Perilla Sandoval, alias Allende, gibt es eine der führenden Köpfe aus der aktuellen Struktur der Guerillakoordination des Pazifiks, die vor allem in Nariño präsent ist und sich dem Zweiten Marquetalia alliiert hat.

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Bewaffneter Streik im Süden beendet

Gestern haben die Bolivarischen Grenzkommandos, die sich der FARC-EP – Zweites Marquetalia – angeschlossen haben, in einem Kommuniqué die Aufhebung des sogenannten bewaffneten Streikes erklärt. Ein bewaffneter Streik bedeutet, dass eine bewaffnete Organisation Restriktionen für die Bevölkerung verkündet. In diesem Fall war es das Verbot der Mobilität für die lokale Bevölkerung und die lokalen Transportunternehmen, was vor allem die Beweglichkeit auf den Flüssen als Verkehrsadern betraf. So durften die Flussschifffahrtsunternehmen in Caquetá, teilweise auch in Putumayo, keinen Verkehr durchführen.

Mit 27 Tagen war es einer der längsten bewaffneten Streiks in den letzten Jahren, was zudem das Leben von mehr als 5000 Menschen betraf, die vom Verkehr und öffentlichen Leben abhängig sind.  So durften auch keine Waren transportiert werden. In ihrem Kommuniqué rechtfertigten die Grenzkommandos diese Aktion als „bewaffnete Verteidigung des Territoriums“ angesichts der Expansionsversuche der Front Carolina Ramírez des Zentralen Generalstabs der FARC-EP, die sich im gegenseitigen territorialen Kampf befinden. Obwohl die Grenzkommandos ihren Ursprung in Putumayo haben, gab es eine Expansion nach Caquetá, was zu Konflikten führte.

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Kämpfe um territoriale Macht statt Frieden

Das Jahr 2024 scheint im Kontext eines Totalen Friedens mit vielen Herausforderungen zu beginnen. Aktuell kommt ein Friedensprozess mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez hinzu. Bereits seit letztem Jahr gibt es den Friedensprozess mit der FARC-EP, Zentraler Generalstab, unter der Führung von Iván Mordisco. Dabei wird klar, dass es nur wenig Fortschritte gibt und die Situation in den ländlichen Gebieten sehr komplex ist. So gewinnen die bewaffneten Organisationen ihre Hoheit am Verhandlungstisch zurück, obwohl sie noch vor einem Jahr eine untergeordnete Rolle hätten spielen können. Auch die Sicherheitslage bleibt prekär. Kleinere Auseinandersetzungen, aber auch Kämpfe und Morde, nehmen zu, besonders zwischen den bewaffneten Akteuren.

Einerseits sind die Strukturen der FARC-EP, besonders des zentralen Generalstabs, in bestimmten Gebieten des Landes stärker geworden und die Auseinandersetzungen zwischen ihnen mit ELN und FARC-EP, Zweites Marquetalia, über die territoriale Kontrolle haben erheblich zugenommen. Doch auf der anderen Seite gibt es einen Rückgang der meisten Indikatoren für negative humanitäre Auswirkungen und ein Rückgang der Kämpfe mit den staatlichen Sicherheitskräften. Zugenommen hat jedoch die Dynamik der bewaffneten Organisationen, deren Hauptziel es ist, ihre Herrschaft inmitten der Dialoge und Verhandlungen mit der Regierung aufrechtzuerhalten und auszuweiten.

Kämpfe um die territoriale Herrschaft zwischen dem Zentralen Generalstab und der ELN in Arauca und Cauca sind aufgeflammt. In der Provinz Nariño gibt es Kämpfe zwischen dem Zentralen Generalstab und dem Zweiten Marquetalia, ebenso im Süden von Caquetá und in Putumayo zwischen den Grenzkommandos, alliiert mit dem Zweiten Marquetalia, und der Front Carolina Ramírez der FARC-EP, Zentraler Generalstab. Es sind gar neue Konfliktgebiete entstanden, wie etwa im Nordwesten von Caquetá und Huila. Dort drängen Strukturen des Zentralen Generalstabs vor, was zu Kämpfen und Morden in der Gegend von Pato-Balsillas und auch in Huila führte.

Wie sieht es aktuell aus mit der territorialen Macht der FARC-EP, Zentraler Generalstab, aus, die sie im Zuge des Friedensprozesses ausbauen konnten? In den Provinzen Guaviare, Vaupés und Amazonas gibt es eine klar erkennbare Machtstellung der 1. Front Armando Ríos ohne nennenswerten Gegner. In Valle del Cauca, Tolima und Teilen von Huila haben die Kompanie Adán Izquierdo sowie die neuen Fronten Ismael Ruiz und Darío Gutiérrez ihre Macht im letzten Jahr bis heute erreicht. Auch im Süden von Meta und in weiten Teilen von Caquetá hat der Block Jorge Suárez Briceño eine Machtstellung. Hier ist klar erkennbar, dass durch diverse politisch-militärische Aktivitäten die FARC-EP, Zentraler Generalstab territoriale Macht besitzt.

Der Expansions- und Konsolidierungsdruck der FARC-EP, Zentraler Generalstab, führt jedoch zu teilweise harten Konflikten in diversen Regionen. Auch wenn es im Norden von Cauca quasi eine Dominanz der FARC-EP gibt, so sind zuletzt Kämpfe zwischen der Front Dagoberto Ramos und der Kompanie Juan Carlos Chilhueso der ELN gemeldet worden. Kämpfe gibt es auch zwischen der Front Carolina Ramírez gegen die Grenzkommandos in Putumayo, der Front Iván Díaz gegen die Kolonne Teófilo Forero des Zweiten Marquetalia in der Ostkordillere, aber vor allem auch in Nariño zwischen der Front Franco Benavides und der ELN sowie der 30. Front, der Mobilen Kolonne Urías Rondón und der Mobilen Kolonne Alán Rodríguez gegen die Kräfte des Zweiten Marquetalia.

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Gustavo Petro bei Sicherheitskonferenz

Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz, die in der süddeutschen Stadt mit der Teilnahme von fast 50 Staats- und Regierungschefs begann, hielt der kolumbianische Präsident Gustavo Petro seine Rede, in der er das Problem des Krieges ansprach, welches überall in der Welt fortbesteht, während Kolumbien versucht, den Dialog und die Friedensbildung zu fördern. Immerhin kommt Petro mit Erfahrung, in seinem Land versucht er mit der Guerilla und ihren verschiedenen Organisationen einen Friedensdialog. Darunter befinden sich die beiden verfeindeten Organisationen der FARC-EP.

„In einer Welt, die über Krieg spricht, spricht Kolumbien über Frieden“, sagte Petro, der die Eröffnungsdebatte der Veranstaltung in Anwesenheit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres und anderer Regierungschefs eröffnete. „Wenn Sie wissen wollen, was ich darüber denke, wie man sich versöhnen kann und wie man diese Idee sogar auf globaler Ebene umsetzen kann, dann muss ich sagen, dass wir soziale Gerechtigkeit schaffen müssen“, sagte Petro.

Der kolumbianische Regierungschef erklärte, dass sich Kolumbien seit 75 Jahren in einem bewaffneten Konflikt befinde: „Es gibt keine Nation auf der Welt, die sich selbst erhalten und aufbauen kann, indem sie sich 75 Jahre lang selbst tötet“, fügte er hinzu und sagte, dass die Gründe dafür darin lägen, dass es eines der sozial ungleichsten Länder der Welt sei und ein „schändliches Regime“ geerbt habe und „antidemokratische Strukturen in der Wirtschaft, in der Mentalität und in der Gesellschaft“ hinterlassen habe.

Gustavo Petro, der selbst Mitglied der Guerilla M-19 war und daher bestens mit dem bewaffneten Konflikt und seinen Folgen vertraut ist, versucht seit seiner Amtszeit den totalen Frieden in Kolumbien zu vollziehen. „Wenn Sie wissen wollen, was ich darüber denke, wie wir uns versöhnen können und wie wir diese Idee sogar auf eine globale Ebene projizieren können, dann muss ich sagen, dass wir soziale Gerechtigkeit schaffen müssen“, betonte Petro.

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Regierung beginnt Friedensprozess mit Zweites Marquetalia

Es war ein Paukenschlag an diesem Freitag, als sowohl die kolumbianische Regierung als auch die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez Friedensgespräche verkünden. Sie sind sich einig „über die Notwendigkeit, einen geordneten, zügigen, rigorosen und respektvollen Friedensprozess zu führen, der der kolumbianischen Gesellschaft Frieden und Sicherheit gibt“, so das gemeinsame Kommuniqué. Damit versucht Präsident Gustavo Petro seine umfassenden Friedensbemühungen zu vertiefen, in dem er die andere Organisation der FARC-EP an den Verhandlungstisch holt. Seit dem letzten Jahr gibt es bereits Friedensgespräche mit dem Zentralen Generalstab der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco. Beide Seiten stehen verfeindet gegenüber und sehen sich je in der Tradition der alten FARC-EP, die 2016 in einem Friedensprozess die Waffen niederlegte.

In einem gemeinsamen Kommuniqué, das vom Hohen Kommissar für den Frieden, Otty Patiño, und Iván Márquez selbst unterzeichnet wurde, kündigten die beiden Parteien die formelle Einleitung eines Prozesses sozio-politischer Dialoge an, „um unverzüglich Vorabvereinbarungen zur Deeskalation des Konflikts und zur Durchführung von Transformationen für den sozialen und ökologischen Aufbau des Territoriums, die Festlegung der Agenda und der Verhandlungsprotokolle zu entwickeln.“ Sie bitten auch Kuba, Norwegen und Venezuela – die als Vermittler an den Dialogen der Regierung mit anderen bewaffneten Gruppen teilgenommen haben – um „ihre guten Dienste für die Entwicklung dieses Prozesses“, sowie um die Begleitung durch Carlos Ruiz Massieu, den Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs in Kolumbien sowie der katholischen Kirche.

Sie verpflichten sich „alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um das Leben der Kolumbianer zu würdigen und zur Lösung der Probleme beizutragen, die die Bedingungen der menschlichen Existenz betreffen.“ Gleichzeitig stellen sie fest, dass „das Leben und die Sicherheit“ aller Akteure, die sich für den Friedensprozess engagieren, „ohne Nichteinhaltung oder Einschüchterung“ garantiert werden müssen, um „das notwendige Vertrauen zu schaffen und die gegenteiligen und wiederkehrenden Praktiken derjenigen, die den kolumbianischen Staat regiert haben, zu überwinden.“ Bemerkenswert: Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bekräftigt sofort ihre Verpflichtung, keine Verhaftungen aufgrund finanzieller Interessen durchzuführen. Diese Entscheidung schließt sich anderen an, die von der Guerillagruppe ELN und der anderen FARC-EP bereits getroffen wurden.

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, ist eine politisch-militärische Organisation, die in mindestens fünf Regionen Kolumbiens präsent ist. Sie veröffentlichte ihr Gründungsmanifest am 29. August 2019, als Iván Márquez, Jesús Santrich, Romaña, El Paisa und andere bekannte ehemalige Guerillakommandeure ankündigten, dass sie trotz der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der Regierung zu den Waffen zurückkehren würden. Der Wiederbewaffnung dieser Gruppe ehemaliger Guerillakommandanten ging der Versuch voraus, eine einheitliche Organisation zu schaffen, der auch diejenigen angehören sollten, die das endgültige Abkommen nicht unterzeichnet hatten, darunter Iván Mordisco und Gentil Duarte. Doch außer Annährungen kam hier kein Bündnis zustande, man ging im Bruderkrieg auseinander. Heute stehen sich beide Akteure feindlich gegenüber, mit gegenseitigen Anschuldigungen.

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Bruderkonflikt der FARC-EP im Süden

Unsicherheit prägt derzeit die Mobilität der lokalen Bevölkerung in den Provinzen Caquetá und Putumayo im Süden Kolumbiens. Denn obwohl die FARC-EP, Zentraler Generalstab, mit ihrer Front Carolina Ramírez einen bewaffneten Streik mittels eines Kommuniqués an die Öffentlichkeit negierte, gibt es Angst aufgrund der Auseinandersetzungen und Gerüchte um den Konflikt zwischen den beiden verfeindeten Guerilla-Strukturen der FARC-EP. Die Konflikte gibt es seit einigen Jahren, sind jetzt aber erneut aufgeflammt.

Zum einen handelt es sich um die Front Carolina Ramírez, eine Front, die dem Zentralen Generalstab unter Iván Mordisco zugehörig ist. Sie ist dem sogenannten Südostblock zugeordnet, der noch die Mutterfront Iván Ríos in Guaviare, Vichada, Vaupés, Guainía und Amazonas besitzt. Dabei agiert die Front Carolina Ramírez zwischen Caquetá und Putumayo vor allem rund um den Fluss Caquetá. Ihren Ursprung hat sie in der 1. und 7. Front und sich später in zwei unterschiedliche Blöcke aufgespalten (Südostblock und Ostblock).

Zum anderen gibt es die sogenannten Bolivarischen Grenzkommandos, die sich der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter Iván Márquez angeschlossen haben. Bei dieser Struktur haben sich ehemalige Guerilleros und Paramilitärs zusammengeschlossen. Ihren Ursprung haben sie in der Provinz Putumayo im Grenzgebiet zu Ecuador. Doch in den letzten Jahren gab es einen stetigen Versuch des Vordringens hinein in die nördlich gelegene Provinz Caquetá.

Die Grenzkommandos mit ihrem Kommandanten Araña wurden den Ufern des Flusses San Miguel in Putumayo gegründet, wo sie ihre bewaffneten Aktionen mit der Übernahme von Gebieten begannen, die historisch zum Südblock der alten FARC-EP gehörten. Sie haben sich jedoch derart ausgebreitet, dass sie nun auch in die Provinz Caquetá und in Gebiete der Provinz Amazonas vorgedrungen sind.

Im Mai 2023 versicherte der Kommandant Araña, dass die Gruppe zum Dialog mit der Regierung im Rahmen der Bemühungen um einen vollständigen Frieden bereit sei. Araña erklärte, man sei bereit, die Gebiete zu begrenzen und Konfrontationen zu vermeiden. So wolle er seine Einheiten von Caquetá nach Putumayo verlegen. Doch zu einem Dialogtisch, wie mit dem Zentralen Generalstab, ist es zwischen dieser Guerilla und der Regierung bisher nicht gekommen. So verging die Zeit weiter, ohne dass Fortschritte oder einen Rückzug gab.

Dieser nicht vollzogene Rückzug in die Provinz Putumayo sorgt nun für den seit Wochen aufflammenden Konflikt in dieser Region. So verstärkte die Front Carolina Ramírez ihre Aktivitäten, muss jedoch diplomatisch vorgehen, immerhin befindet sich der Zentrale Generalstab in Friedensgesprächen. So sind die Gemeinden vor allem im Süden von Caquetá derzeit in einer angespannten Lage in diesem Bruderkonflikt der Guerilla.

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Zweites Marquetalia zollt Piedad Córdoba Dank

In einem Kommuniqué bedankt sich die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung des Kommandierenden Iván Márquez bei der verstorbenen Senatorin und Friedenskämpferin Piedad Córdoba, die vor zwei Wochen in der Millionenstadt Medellín verstarb und bedauert ihren Tod zutiefst. Es ist nur logisch, dass jene Organisation der FARC-EP unter Iván Márquez den Dank zollt, denn immerhin bestanden sowohl unter der alten FARC-EP mit dem Kommandierenden Márquez und Cordoba, als auch zwischen Márquez und Venezuela – bis heute – starke Beziehungen. Mit Piedad Cordoba verlässt eine aufrichtige Friedenskämpferin die Erde gen Himmel. Aufgrund ihres Einsatzes und ihrer Kontakte zur Guerilla sah sie sich permanent den Angriffen von Rechts und Justiz ausgesetzt. Wir dokumentieren ausschnittsweise aus dem Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, vom 20. Januar.

„Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bedauert zutiefst den Tod von Senatorin Piedad Córdoba in der Stadt Medellín.

Wir zollen Piedad unsere aufrichtige Ehrerbietung, einer Frau, die konsequent für den Frieden in Kolumbien gekämpft hat, für die Befreiung der militärischen und polizeilichen Kriegsgefangenen der FARC-EP und auch der politischen Gefangenen in den Bergen, eine humanitäre Arbeit, bei der sie die außerordentliche und entscheidende Unterstützung von Hugo Rafael Chávez Frías, dem charismatischen Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, erhielt.

Als Kongressabgeordnete hatte Piedad immer ein offenes Ohr für die Armen in Kolumbien und stärkte die Stimme der sozialen Organisationen, die für ihre Rechte kämpften.

Ihr und dem bolivarischen Kommandeur ist es zu verdanken, dass 305 Soldaten und Polizisten, die in den Dschungeln der Aufständischen gefangen gehalten wurden, sowie einige führende Politiker wohlbehalten in die Freiheit zurückkehrten.

Das Land erinnert sich an den Kontrast zwischen dieser großmütigen Haltung und der niederträchtigen Geste des damaligen Präsidenten Andres Pastrana, der nur 14 in staatlichen Gefängnissen inhaftierte Guerilleros freiließ.

Wir werden uns an Piedad Córdoba als eine Frau erinnern, die sich unermüdlich für die Sache der Armen einsetzte, den Frieden aushandelte und den Austausch von Kriegsgefangenen zwischen den Parteien erreichte.“

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Konflikt zwischen Fronten in Valle del Cauca

Das Beispiel der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordsico, auch Zentraler Generalstab genannt, zeigt wie schwierig teilweise die interne Kontrolle über Einheiten der FARC-EP ist. So kam es in den zurückliegenden beiden Monaten zu Auseinandersetzungen zwischen der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez und der Front Adán Izquierdo, ebenso dem Zentralen Generalstab der FARC-EP zugehörig. Hierbei ging es vor allem um die territoriale Kontrolle bestimmter Gebiete sowie das Auftreten der Guerilleros. Zuletzt musste sogar die Mobile Kolonne Jacobo Arenas die Front Adán Izquierdo zur Raison bringen und Partei für die neugegründete Front ergreifen.

In einem Kommuniqué vom 19. November des letzten Jahres tritt erstmal medial die neue 57. Front in Erscheinung. Sie operiert in einem Gebiet nördlich der Millionenstadt Cali im ländlichen und bergigen Raum in der Provinz Valle del Cauca. In der Nähe ist der südliche Teil der Provinz Chocó. Auch die Kaffeezone ist nicht weit entfernt. Bisher gab es dort keine klaren Strukturen der FARC-EP, immer wieder mal war es Einflussgebiet der Adán Izquierdo, jedoch nicht das Hauptoperationsgebiet. So stieß die Front in ein Gebiet vor, wo sie sich neu aufbauen musste, aber auf alte Strukturen vor Ort zurückgreifen konnte. Sie sollte dem politisch-militärischen Block Magdalena Medio Kommandant Gentil Duarte zugeordnet werden, welcher mit seinen zahlreichen Strukturen in Zentralkolumbien agiert.

Die Front Adán Izquierdo erschien zuerst Anfang des Jahres 2020 im Norden der Provinz Valle del Cauca und hier besonders in den Gemeinden Tuluá, Buga und Sevilla. Sie war dem Westblock der FARC-EP untergeordnet. Der Konflikt dieser beiden Strukturen betrifft also eine Region, in der sich beide Fronten verorten, jedoch unterschiedliche weisungsberechtigte Blöcke haben und zudem anders politisch-militärisch auftreten. Die 57. Front wird von Oscar García und Ángela Izquierdo angeführt. Ángela Izquierdo ist einer der Sprecherinnen der Guerilla während der Friedensgespräche zwischen FARC-EP und kolumbianischer Regierung.

Erstaunlich ist es jedoch, dass die 57. Front nicht mehr dem Westblock angegliedert wird, sondern dem Block Magdalena Medio Kommandant Gentil Duarte, der sein Operationsgebiet weiter im Nordosten hat. Ob der generell schon starke Westblock damit eine Front abgibt, um den anderen Block poltisch-militärisch besserzustellen und damit ein noch größeres Ungleichgewicht der Blöcke zu verhindern, ist etwas Spekulation. Fakt aber ist, dass es innerhalb der Front Adán Izquierdo, die richtigerweise eine Kompanie ist, Probleme mit Disziplin und dem Auftreten gegenüber der Zivilbevölkerung gab.

So musste die Mobile Kolonne Jacobo Arenas mehrmals mittels Kommuniqués Partei für die neue Front ergreifen und der neugegründeten 57. Front auch militärisch Beistand leisten. Zudem wird an die revolutionäre Verantwortung appelliert. Es ist von Diebstahl die Rede und von Grenzüberschreitung der Kommandierenden bei der Eintreibung von Geldern. In den alten Zeiten der FARC-EP wurden solche Vergehen hart sanktioniert. Auch aktuell ist es interessant, dass ein interner Konflikt bis an die Öffentlichkeit gerät. Sichtbar ist allerdings, dass es für eine große politisch-militärische Organisation oftmals nicht einfach ist, in ihren Strukturen für Ordnung zu sorgen und zudem noch strukturelle Änderungen vorzunehmen, die Interessensgebiete von unterschiedlichen Fronten in einem Territorium betreffen.

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Einschüchterung der Polizei war Fehler

Die aufständische Bewegung FARC-EP, Zentraler Generalstab, hat am Wochenende auf X (ehemals Twitter) den Besuch von zahlreichen bewaffneten Guerilleros in der Polizeistation von Cumbitara (Provinz Nariño) und die Einschüchterung der Polizei durch Mitglieder als einen „Fehler“ angesehen. Dabei sollen die Guerilleros der Front Franco Benavides der Polizei mitgeteilt haben, dass sie hier die lokale Kontrolle haben und durch den Ort patrouilliert sein. Dies wurde anschließend vom kolumbianischen Verteidigungsminister und auch der kolumbianischen Massenmedien kritisiert. Dabei ist dies nichts Außergewöhnliches, denn in den ländlichen Regionen ist die Guerilla im Alltagsleben präsent.

„Wir sind selbstkritisch und berichten, dass in den vergangenen Tagen einige unserer Guerilla-Einheiten, die seit mehreren Monaten mit den Paramilitärs in dieser Region kämpfen, aufgrund von taktischen Mobilitätsfehlern in die Gemeindehauptstadt von Cumbitara eingedrungen sind (…) Wir erkennen an, dass dies ein Verstoß gegen die Protokolle des Abkommens war, aber wir betonen auch, dass es dank unseres Engagements für den Frieden in Kolumbien offensichtlich war, dass sie zu keinem Zeitpunkt physisch oder verbal angreifen wollten“, heißt es in der Erklärung auf X.

In einem Kommuniqué vom 26. Januar berichtet die FARC-EP zudem von zahlreichen Verstößen des Militärs gegen das Waffenstillstandsabkommen. Hierbei geht es um Vorfälle in den Provinzen Arauca, Bolívar, Cauca, Nariño und Valle del Cauca. In diesem Kontext prangern sie angebliche Allianzen zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der anderen Organisation der FARC-EP, dem Zweiten Marquetalia, an. Zuletzt gab es wieder Auseinandersetzungen um territoriale Kontrolle. Außerdem fordern sie in dem Kommuniqué auch die Freilassung gefangener Guerilleros und Zivilisten.

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Propagandaaktionen und Besorgnis

In der zurückliegenden Zeit sind Transparente der FARC-EP in der Gemeinde Silvania in der Provinz Cundinamarca in Zentralkolumbien aufgetaucht. Die Transparente gehören zu einer Front Jhon Linares des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño, die unter dem Kommando von Iván Mordisco steht. Bisher ist diese Front noch nicht in Erscheinung getreten. Interessant ist der Aspekt, dass diese Region, die Hochebene des Sumapaz, in den Zeiten der „alten“ FARC-EP zwar immer auch Einflussgebiet der Guerilla war, seit 2002 aber kaum noch Kontrolle ausgeübt wurde. Nun scheint sich die Guerilla hier wieder festigen zu wollen.  Die Region des Sumapaz liegt nur 44 km von der Hauptstadt Bogotá entfernt.

Ebenso für Aufsehen sorgten andere Propagandaaktionen der Guerilla in dieser Woche. So haben Mitglieder der Front Darío Gutiérrez des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño in der Provinz Huila Schulmaterial an Kinder verteilt. Bei den Schulsachen handelt es sich um Schuhe, Schuluniformen, Schachteln mit Stiften, Schulheften und anderen Gegenständen. Zudem gab es Videos in diesen Tagen von 20 Guerilleros der Front Franco Benavides aus dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas aus der Kleinstadt Cumbitara, Provinz Nariño. Diese patrouillierten dort und sollen die örtliche Polizeistation aufgesucht haben. Alldies verdeutlicht die territorialen Machtansprüche der Guerilla in den ländlichen Regionen, rief aber Besorgnis in den Massenmedien hervor.

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Mord an Friedensunterzeichner und seiner Eskorte

In der Provinz Huila hat sich am Wochenende ein schwerwiegender Vorfall ereignet. So wurde der Friedensunterzeichner und ehemalige FARC-Kämpfer José Enrique Roa Cruz zusammen mit zwei Männern seiner Sicherheitseskorte während eines Treffens in einem Dorf der Gemeinde Pitalito entführt. Später fand man zuerst die Leichen der beiden Leibwächter, dann auch die Leiche des Friedensunterzeichners. Roa war Mitglied der Kommission zur Überwachung, Förderung und Überprüfung der Umsetzung des Friedensabkommens (CSIVI) und war der territoriale Verbindungsmann in der Provinz Huila.

Unklar sind die Hintergründe, warum Jorge Enrique Roa Cruz ermordet wurde. Es gibt Gerüchte, auch von nationalen Institutionen unterstützt, dass er sich als Mitglied der bewaffneten Organisation FARC-EP, Zweites Marquetalia, ausgab. Demzufolge könnte es eine Aktion der konkurrierenden FARC-EP, Zentraler Generalstab sein, die vor allem die Randregionen Huilas zur Provinz Cauca kontrolliert, wo das Treffen stattfand. Sollte wirklich eine Mitgliedschaft im Zweiten Marquetalia geäußert worden sein, wäre die der Grund der Aktion, bei der vermutet wird, dass es durch Personen der Front Ismael Ruiz verübt worden ist.

Tomás Ojeda, Mitglied des Verhandlungstisches der FARC-EP des Zentralen Generalstabs, zu der auch die Front Ismael Ruiz gehört,  sagte: „Wir weisen die Ereignisse, die sich im Dorf Guacacallo, Gemeinde Pitalito, ereignet haben, entschieden zurück, wo sie von Mitgliedern der Bande ‚Márquez‘, einer Hochburg der Zweiten Marquetalia, die noch immer in dieser Provinz operiert, abgefangen wurden. Wir lehnen jede Verbindung unserer Strukturen zu dieser Tat kategorisch ab und fordern Sie als Beweis und Garantie auf, die entsprechenden Überprüfungen bei den zuständigen nationalen und internationalen Stellen vorzunehmen.“

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