In einem Kommuniqué bedankt sich die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung des Kommandierenden Iván Márquez bei der verstorbenen Senatorin und Friedenskämpferin Piedad Córdoba, die vor zwei Wochen in der Millionenstadt Medellín verstarb und bedauert ihren Tod zutiefst. Es ist nur logisch, dass jene Organisation der FARC-EP unter Iván Márquez den Dank zollt, denn immerhin bestanden sowohl unter der alten FARC-EP mit dem Kommandierenden Márquez und Cordoba, als auch zwischen Márquez und Venezuela – bis heute – starke Beziehungen. Mit Piedad Cordoba verlässt eine aufrichtige Friedenskämpferin die Erde gen Himmel. Aufgrund ihres Einsatzes und ihrer Kontakte zur Guerilla sah sie sich permanent den Angriffen von Rechts und Justiz ausgesetzt. Wir dokumentieren ausschnittsweise aus dem Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, vom 20. Januar.
„Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bedauert zutiefst den Tod von Senatorin Piedad Córdoba in der Stadt Medellín.
Wir zollen Piedad unsere aufrichtige Ehrerbietung, einer Frau, die konsequent für den Frieden in Kolumbien gekämpft hat, für die Befreiung der militärischen und polizeilichen Kriegsgefangenen der FARC-EP und auch der politischen Gefangenen in den Bergen, eine humanitäre Arbeit, bei der sie die außerordentliche und entscheidende Unterstützung von Hugo Rafael Chávez Frías, dem charismatischen Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, erhielt.
Als Kongressabgeordnete hatte Piedad immer ein offenes Ohr für die Armen in Kolumbien und stärkte die Stimme der sozialen Organisationen, die für ihre Rechte kämpften.
Ihr und dem bolivarischen Kommandeur ist es zu verdanken, dass 305 Soldaten und Polizisten, die in den Dschungeln der Aufständischen gefangen gehalten wurden, sowie einige führende Politiker wohlbehalten in die Freiheit zurückkehrten.
Das Land erinnert sich an den Kontrast zwischen dieser großmütigen Haltung und der niederträchtigen Geste des damaligen Präsidenten Andres Pastrana, der nur 14 in staatlichen Gefängnissen inhaftierte Guerilleros freiließ.
Wir werden uns an Piedad Córdoba als eine Frau erinnern, die sich unermüdlich für die Sache der Armen einsetzte, den Frieden aushandelte und den Austausch von Kriegsgefangenen zwischen den Parteien erreichte.“
Das Beispiel der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordsico, auch Zentraler Generalstab genannt, zeigt wie schwierig teilweise die interne Kontrolle über Einheiten der FARC-EP ist. So kam es in den zurückliegenden beiden Monaten zu Auseinandersetzungen zwischen der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez und der Front Adán Izquierdo, ebenso dem Zentralen Generalstab der FARC-EP zugehörig. Hierbei ging es vor allem um die territoriale Kontrolle bestimmter Gebiete sowie das Auftreten der Guerilleros. Zuletzt musste sogar die Mobile Kolonne Jacobo Arenas die Front Adán Izquierdo zur Raison bringen und Partei für die neugegründete Front ergreifen.
Die aufständische Bewegung FARC-EP, Zentraler Generalstab, hat am Wochenende auf X (ehemals Twitter) den Besuch von zahlreichen bewaffneten Guerilleros in der Polizeistation von Cumbitara (Provinz Nariño) und die Einschüchterung der Polizei durch Mitglieder als einen „Fehler“ angesehen. Dabei sollen die Guerilleros der Front Franco Benavides der Polizei mitgeteilt haben, dass sie hier die lokale Kontrolle haben und durch den Ort patrouilliert sein. Dies wurde anschließend vom kolumbianischen Verteidigungsminister und auch der kolumbianischen Massenmedien kritisiert. Dabei ist dies nichts Außergewöhnliches, denn in den ländlichen Regionen ist die Guerilla im Alltagsleben präsent.
In der zurückliegenden Zeit sind Transparente der FARC-EP in der Gemeinde Silvania in der Provinz Cundinamarca in Zentralkolumbien aufgetaucht. Die Transparente gehören zu einer Front Jhon Linares des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño, die unter dem Kommando von Iván Mordisco steht. Bisher ist diese Front noch nicht in Erscheinung getreten. Interessant ist der Aspekt, dass diese Region, die Hochebene des Sumapaz, in den Zeiten der „alten“ FARC-EP zwar immer auch Einflussgebiet der Guerilla war, seit 2002 aber kaum noch Kontrolle ausgeübt wurde. Nun scheint sich die Guerilla hier wieder festigen zu wollen. Die Region des Sumapaz liegt nur 44 km von der Hauptstadt Bogotá entfernt.
In der Provinz Huila hat sich am Wochenende ein schwerwiegender Vorfall ereignet. So wurde der Friedensunterzeichner und ehemalige FARC-Kämpfer José Enrique Roa Cruz zusammen mit zwei Männern seiner Sicherheitseskorte während eines Treffens in einem Dorf der Gemeinde Pitalito entführt. Später fand man zuerst die Leichen der beiden Leibwächter, dann auch die Leiche des Friedensunterzeichners. Roa war Mitglied der Kommission zur Überwachung, Förderung und Überprüfung der Umsetzung des Friedensabkommens (CSIVI) und war der territoriale Verbindungsmann in der Provinz Huila.
Nach einer Woche im dritten Gesprächszyklus der Friedensverhandlungen zwischen der FARC-EP unter Iván Mordisco und als Zentraler Generalstab (Estado Mayor Central – EMC) bekannt sowie der kolumbianischen Regierung haben beide Seiten über Fortschritte berichtet. Die wohl wichtigste Einigung wurde am vergangenen Sonntag bekannt gegeben, als eine sechsmonatige Verlängerung des bilateralen Waffenstillstands verkündet wurde. Das von Präsident Gustavo Petro unterzeichnete Dekret bestätigt die Verlängerung des Waffenstillstands bis zum 15. Juli 2024 und kam einen Tag vor dem Ende des ursprünglich vereinbarten bilateralen Waffenstillstands, der am 16. Oktober in der Kleinstadt Tibú eingerichtet wurde und für drei Monate vereinbart worden war.
In einem Kommuniqué, dass per Video durch die sozialen Netzwerke geht, verkünden die Coordinadora Guerrillera del Pacífico (Guerillakoordination des Pazifiks), eine der wichtigsten Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez sowie eine Front der ELN eine Allianz. Bei der ELN handelt es sich um die Front „Comunero“. Die Allianz betrifft einige Regionen der südwestlichen Provinz Nariño. Während die FARC-EP, Zweites Marquetalia, in den letzten Jahren in der Provinz Nariño ihre Basis ausbauen konnte, hier vor allem in den Gemeinden Barbacoas und Maguí Payán, so musste die ELN Rückschläge einstecken, was vor allem am Ausbau der Strukturen durch die FARC-EP mit ihrem Westblock Kommandant Jacobo Arenas unter Iván Mordisco, aber auch an dem Vormarsch von paramilitärischen Kräften des Golfclans rund um Tumaco und anderen Gebieten zusammenhängt. Die Allianz ist deshalb als strategische Initiative gegen die paramilitärischen Kräfte und ihrem Vorrücken zu sehen. Ein Taktieren der beiden Guerillaorganisationen ist jedoch nicht neu, bereits zuvor gab es in der nordkolumbianischen Provinz Arauca gute Kontakte und auch die frühere sich 2016 entwaffnete FARC-EP hatte mit der ELN in bestimmten Regionen Abkommen geschlossen, um den revolutionären Bruderkampf zu beenden.
In den letzten Tagen gab es Berichte über ein Aufflammen des bewaffneten Konfliktes und Kämpfe in der Provinz Cauca. So berichteten bereits vor einigen Tagen indigene Gemeinschaften, die in der Gemeinde Toribío ansässig sind, dass es im Norden der Provinz in einem Gebiet mit dem Namen Loma Linda Kämpfe zwischen der FARC-EP mit der Struktur Dagoberto Ramos und der ELN gab. Hierbei ging es vor allem um ein Eindringen von Kämpfern der ELN in das Territorium der FARC-EP.
Am gestrigen Freitag, den 5. Januar, wurden Bilder in den sozialen Medien veröffentlicht, die zeigen, wie bei einer Beerdigung eines bekannten Guerrilleros der FARC-EP, Zentraler Generalstab, mehrere Personen den Sarg durch die Straßen der Gemeinde Río Chiquito in der Provinz Cauca begleiten. Auch Mitglieder der FARC-EP selbst sind anwesend.
In einem Neujahrsgruß der Nationalen Leitung der FARC-EP, Zweites Marquetalia, vom 18. Dezember 2023 an das kolumbianische Volk erläutert die Guerilla ihre Wünsche für das kommende Jahr und geht davon aus, dass dieses ein entscheidendes Jahr wird. Zudem gibt es die Aufforderung, dass sich die Bevölkerung organisieren muss, um für Veränderungen zu kämpfen.
Am gestrigen Sonntag hat die aufständische Bewegung Zentraler Generalstab der FARC-EP über ihren X-Account (früher Twitter) ihre Verantwortung für das Massaker vom 22. Dezember in Santander de Quilichao (Cauca) zurückgewiesen, bei dem eine indigene Familie ums Leben kam. Der Vorfall schlug zuletzt hohe Wellen, auch weil die Provinz Cauca derzeit von einer Welle der Gewalt überhäuft wird. Die kurze Erklärungen der FARC-EP, die sich nicht zu allen in den Medien präsenten Schuldzuweisungen äußert, sind eine Reaktion auf die Äußerungen des Verteidigungsministers Iván Velásquez vom Samstag nach einer Sitzung des Sicherheitsrates, in der er die Organisation für die Tat verantwortlich machte. Darin beschuldigte er die Struktur Dagoberto Ramos der FARC-EP für das Massaker.