Interview mit der FARC-EP

Ein Interview der Journalistin Salud Hernández-Mora mit dem politischen Verantwortlichen der FARC-EP in Arauca, welches für die politische Nachrichtenseite „Semana“ in Venezuela durchgeführt wurde, sorgte national und international für Aufsehen. Es ist das erste Interview mit einem überregionalen kolumbianischen Medium, dass mit einem Mitglied der aufständischen Bewegung getätigt wurde. Zum anderen waren natürlich die Themen des Interviews interessant. Die Journalistin sprach mit dem politischen Kommandanten Ernesto, der unter anderem für die 10. Front zuständig ist, nicht nur über den Krieg mit dem ELN in Arauca, sondern auch zum Zustand der FARC-EP und ihren Zielen, über Maduro, Petro und den Konflikt mit den politischen Blutsbrüdern der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Zu den Zielen bekräftigte Ernesto ein hartes Durchgreifen, sogar mit einer Todesstrafe, für die Korrupten, Vergewaltiger und Mörder in der Region. Er kam jedoch auch auf die internen Regeln und Normen zu sprechen und machte deutlich, dass innerhalb der FARC-EP auch gemäß der Statuten Vergehen bestraft werden. Auf politischer Ebene ist dieses Interview ein großer Gewinn für die aufständische Bewegung. So kann die Guerilla in der Öffentlichkeit auch als politischer Akteur wahrgenommen werden und nicht nur, wie sonst in den Massenmedien üblich, als eine so dargestellte und diskreditierte Narco-Bewegung.

Das ganz Interview auf Spanisch beim Magazin Semana gibt es hier

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Konflikt in Arauca durch Angriff des ELN ausgelöst

Der aufflammende Konflikt zwischen den beiden aufständischen Bewegungen ELN und FARC-EP wurde durch den Bruch eines Nichtangriffspaktes ausgelöst. In einem Interview mit Noticias 100.3 und dem politischen Kommandanten für die FARC-EP in Arauca, Ernesto Devia Casanova, der allgemein unter dem Kampfnamen „Ernesto“ bekannt ist, erklärte dieser, dass das ELN am 2. Januar einen Angriff auf ein Lager der FARC-EP in Venezuela verübt hatte. Dieser Angriff von Mitgliedern der ELN-Front „Domingo Laín“ führte dazu, dass der Nichtangriffspakt bzw. das Abkommen über die Koexistenz von 2011 getilgt wurde.

Der Angriff ereignete sich demzufolge in der Nähe von Tres Esquinas, einer Stadt im Bundesstaat Apure an der Grenze zu Kolumbien. Damit wurde der Funken ausgelöst, der schließlich das Feuer des Konfliktes in Arauca entfachte und die laut dem politischen Kommandanten der FARC-EP für mehr als 30 Todesopfer sorgte. Das Abkommen über die Koexistenz wurde 2011 von der „alten“ FARC-EP mit dem ELN abgeschlossen und bisher eingehalten. Bereits in den 2000er Jahren gab es Kämpfe zwischen beiden aufständischen Bewegungen, die zu mehreren hunderten Toten führten. Darauf hin entschlossen sich beide Bewegungen zu notwendigen Maßnahmen, wie dem Abkommen.

Aus unserer Sicht scheint das Interview realistische Inhalte wiederzugeben. Hinzu kommen wahrscheinlich auch das Wachsen der FARC-EP in dieser Region, so dass das ELN um Einfluss fürchtete. Ungeklärt hingegen ist eine Zusammenarbeit des ELN mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Zumindest politisch sind beide eng auch mit politischen Direktiven in Venezuela verknüpft. Ein gemeinsames Agieren gegen die wachsende FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco scheint zumindest möglich. Klar ist, dass die venezolanischen Streitkräfte im letzten Jahr massiv die FARC-EP um Duarte und Mordisco mit ihrer 10. und 28. Front bekämpft haben.

Unterdessen sichert sich die FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco ihr Einflussgebiet im Osten des Landes. Neben der politischen Arbeit gibt es immer wieder Angriffe auf die staatlichen Srukturen, wie zuletzt auf eine Polizeieinheit. Bei einem Angriff der Front „Jorge Briceño“ auf eine Patrouille der Polizei in der kleinen Stadt Lejanías in der Provinz Meta wurden zwei Polizisten getötet. Die Front „Jorge Briceño“ gehört zu einer Vielzahl an Einheiten der FARC-EP um die 1. und 7. Front vor allem in den östlichen Provinzen Caquetá, Guaviare und Meta.

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Schwere Kämpfe in Arauca zwischen FARC-EP und ELN

In der nordkolumbianischen Provinz Arauca, die strategisch wichtig an der Grenze zu Venezuela liegt, sind mit dem Jahresanfang schwere Kämpfe zwischen der FARC-EP und dem ELN ausgebrochen. Beteiligt sind auf Seiten der FARC-EP die 10. und die 28. Front, die in dieser Region ihre historische Präsenz haben. Auf der anderen Seite sind mit dem ELN nach verschiedenen Angaben auch Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, verbündet. Die FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco mit ihrer 10. und 28. Front haben in der zurückliegenden Zeit an Boden gewonnen, vor allem nach dem Tod von Kommandierenden der FARC-EP, Zweites Marquetalia, wie El Paisa und Romaña. Dieser Gewinn an Boden sorgte für Konfrontationen mit dem ELN, die nun um ihren Einfluss in einer ihrer Hochburgen fürchten. Es ist gut möglich, dass es hierbei auch Kontakte und strategische Kooperationen mit dem Zweiten Marquetalia gibt.

Durch den Verlust von Kommandierenden der FARC-EP, Zweites Marquetalia, ist die Einflussnahme der aufständischen Struktur stark zurückgegangen. Schon zuvor waren Konfrontationen zwischen beiden FARC-EP-Nachfolgestrukturen zu beobachten, bei der die FARC-EP unter Duarte und Mordisco mit den Fronten 10 und 28 ihre Einflussgebiete auf allen Seiten der Grenze ausbauen konnte. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten gab es immer wieder mal Bruderkämpfe zwischen den beiden revolutionären Organisationen FARC-EP und ELN in Arauca. Teilweise führte dies zu Verhandlungen und gemeinsamen Abkommen, um die Kämpfe zu beenden. Nach letzten Meldungen gibt es bisher fast 25 Tote, die sich vor allem in den Gemeinden von Saravena und Tame ereignet haben. Seit dem 2. Januar haben regionale Medien und Menschenrechtsorganisationen über die Krise in den ländlichen Gebieten von Tame, Fortul, Saravena und Arauquita in Arauca berichtet.

Unter den Toten, darunter auch venezolanische Staatsangehörige, soll sich mindestens ein Anführer der FARC-EP aus der Region befinden. Angeblich sollen die Kämpfe auf venezolanisches Territorium begonnen haben und dann nach Arauca übergegangen sein. Von Seiten des ELN gibt es bereits ein Kommuniqué zur aktuellen Situation, von Seiten der FARC-EP gibt es noch keine Mitteilungen. Stattdessen meldete sich die Partei Comunes, aus der FARC-EP im Rahmen des Friedensprozesses hervorgegangen, zu Wort: „Gewalt kann kein Ausweg sein, der Dialog muss uns dazu führen, Probleme zu verstehen und zu lösen. In diesem Sinne fordern wir die bewaffneten Gruppen auf, einen Waffenstillstand zu schließen, sich zu einem Gespräch hinzusetzen und diese Welle der Gewalt, die einem revolutionären Prozess nicht förderlich ist, ein für alle Mal zu stoppen.“

Zur Situation vor einem Jahr: Arauca im Fokus der bewaffneten Konfrontation

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An das kolumbianische Volk – Weihnachts- und Neujahresgruß

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, veröffentlichte ein Kommuniqué an das kolumbianische Volk, in dem sie Weihnachts- und Neujahresgrüße senden. Zu dokumentarischen Zwecken veröffentlichen wir Teile in deutscher Übersetzung:

„Wir wünschen dem kolumbianischen Volk, das heldenhaft auf der Straße für seine Rechte gekämpft hat, von Herzen das Beste in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht für das Jahr 2022. Möge der allgemeine Protest gegen die schlechte Regierung, die das Land 2021 erschütterte, als Steigbügel dienen, um eine neue Regierung in der Präsidentschaft zu bilden, die sich sofort mit der Würde der Lebensbedingungen der überwiegenden Mehrheit befasst. Im Kampf um Bürgerrechte kann es keine Atempause oder Waffenruhe geben. Im ungezügelten Kampf um die Menschenwürde, können wir tyrannischen Regierungen nicht erlauben, sich neu zu organisieren und durchzuatmen. Wir müssen dieses Epos beenden, indem wir auf der Straße kämpfen oder an den Wahlurnen kämpfen, was auch immer, bis wir die Errichtung einer alternativen Regierung erreichen, die sich um die Bedürfnisse der Menschen kümmert und die Zukunft einer gerechten neuen Gesellschaftsordnung plant.“

„Wir huldigen alle, in Liebe und Bewunderung, der Rebellion der Jugend, die weder vor der Esmad noch vor der Polizei oder dem von den Behörden tolerierten „Paramilitarismus der guten Leute“ Angst hat.“ (…)

Es folgt eine Auflistung der historischen Orte des Widerstandskampfes der letzten Monate, besonders in den Metropolen und auf die starke Mobilisierung der indigenen Gemeinschaften. Zudem wird auf den Fall des Denkmals des antikolonialen Kampfes hingewiesen, der ein Ort der Jugend für ihren Kampf für mehr Gerechtigkeit war und abgetragen wurde. Dazu: „Die Regierung, die dieses Denkmal ausgelöscht hat, wird nicht in der Lage sein, diesen Hinweis auf die Würde der Helden Unseres Amerikas, die gegen die Unterdrückung gekämpft haben, aus unserem Gewissen zu löschen.“

„Die Leute geben nicht auf, Verdammt! Den Angehörigen und Freunden der mehr als 100 vom Regime auf der Straße ermordeten jungen Menschen, den Verschwundenen und Gefangenen für den Protest gegen die schlechte Regierung, unsere Solidarität und unser Beileid. Sofortige Freiheit für politische Gefangene, die wegen Ausübung des Rechts auf Protest inhaftiert sind. Wir alle sind Lucas Villa, Dilan Cruz und der Rosenkranz der Märtyrer, die in den letzten Monaten gefallen sind und Duques Wirtschaftspolitik abgelehnt haben. Sie alle zeigten uns mit ihrem Kampf und ihrer Entschlossenheit den Weg ins Neue Kolumbien.“ (…)

Das Kommuniqué endet mit diversen Forderungen, die sich vor allem gegen Korruption und Straflosigkeit, gegen einen Drogenstaat, gegen die faschistische Polizei und gegen die Politik für wenige Menschen richten.

„Die Anführer der Aufständischen und die Kämpfer, die angesichts des Kampfes gegen das Regime gefallen sind, führen den Kampf mit uns fort, bis zum Gewinnen!“

FARC-EP, Zweites Marquetalia

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Der Fall des Polizisten Tomás Andrés Blanco Rolón

Zu Weihnachten wurde die kolumbianische Öffentlichkeit darüber informiert, dass der Polizist der kolumbianischen Polizei Tomás Andrés Blanco Rolón in der Gemeinde El Rosario in der Provinz Nariño von Mitgliedern der FARC-EP entführt wurde. Der uniformierte junge Mann wollte nach einer Weihnachtspause zu seiner Arbeit fahren, als der Bus, in dem er sich fortbewegte, von einer Einheit der mobilen Kolonne Franco Benavides der FARC-EP an einem Kontrollpunkt der Guerilla angehalten wurde. Während die Medien wie immer von einer Entführung sprechen, handelt es sich im Kontext des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien um eine alltägliche Situation.

Dabei wird eine Person der staatlichen Sicherheitskräfte, die wesentlich in den bewaffneten Konflikt involviert sind und durch ihre Aufstandsbekämpfung ebenso an zahlreichen Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind, von der aufständischen Bewegung in ihrem Gebiet gefangengenommen und befragt. So wie es die staatlichen Sicherheitskräfte mit Kämpfern der Guerilla auch machen. Der Unterschied ist jedoch, dass die Guerilla häufig in einen politischen Prozess der Freilassung ihrer Gefangenen eintritt, um auf ihre Situation und den bewaffneten Konflikt im Allgemeinen aufmerksam zu machen.

Diesmal mobilisierte jedoch vor allem die Bevölkerung der lokalen Gemeinden. Und dies gab es früher auch häufig in den von der Guerilla kontrollierten Gebieten. Zum einen hat die Bevölkerung kein Interesse an einer Eskalation der Gewalt in ihrer Region, zum anderen steht sie im engen Kontakt mit allen Akteuren, vor allem jedoch mit der aufständischen Bewegung. Doch auch die aufständische Bewegung weiß, dass sie nur überleben kann, wenn sie zu gewissen Teilen mit der Bevölkerung kooperiert und auf ihre Unterstützung hoffen kann. Der Guerillakampf beruht auf diese Symbiose und die Guerilla steht meist an der Seite der Bevölkerung.

Es mobilisierten also Hunderte aus den anliegenden Gemeinden zu den Verantwortlichen der Guerilla. Bereits im Vorfeld erklärte der Polizist in einer von der Guerilla aufgenommenen Videobotschaft die Verhandlungsbereitschaft der Guerilla zur Freilassung ihres gefangenen Polizisten nur wenige Stunden nach dem Vorfall. Dabei sollten militärischer Druck der staatlichen Sicherheitskräfte unterbleiben, um eine Freilassung nicht zu gefährden, sowie politischer Dialog stattfinden. Eine gängige Praxis ei den Freilassungen unter Mithilfe von Kommissionen von Menschenrechtsorganisationen. Der Druck der lokalen Bevölkerung sorgte schließlich für die Freilassung des Polizisten Tomás Andrés Blanco Rolón.

Nur 24 Stunden nach der Gefangennahme erfolgte die Freilassung in einem gesunden Zustand. Was jedoch folgte, war eine militärische Operation der staatlichen Sicherheitskräfte in der Region und die Gefangenenahme von mindestens drei Personen, die vermeintlich zur mobilen Kolonne Franco Benavides gehören sollen. Dieser Bruch des Vereinbarten und die militärische Operation, die auch immer die Zivilbevölkerung beeinträchtigt, sorgte wiederum für eine Mobilisierung der Bevölkerung, um die Militäroperationen zu beenden und die Freilassung der gefangengenommenen Personen zu erwirken.

Dabei wurden auch Soldaten von der lokalen Bevölkerung festgehalten, sowie über die Situation aufgeklärt. Es folgten Kämpfe in der Region zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der aufständischen Bewegung, bei der es auch verletzte Zivilisten gab. Von der lokalen Bevölkerung wird berichtet, dass die Militärs dabei keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nahmen. Diese Situation zeigt eindeutig, auf welcher Seite das Militär und die Polizei stehen und wie wichtig ihnen die Vereinbarungen sind. Es ist das übliche Bild, dass sich das Militär wie eine Besatzungsmacht aufführt und sich alle in Kolumbien ihre eigene Meinung bilden können.

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10. Front positioniert sich zum Fall El Paisa und Romaña

In einem Kommuniqué des Generalstabs der 10. Front „Martín Villa“ der FARC-EP wird erklärt, dass diese Front keine Schuldigkeit für die militärischen Aktionen gegen die beiden Kommandierenden alias El Paisa und alias Romaña hat. Beide hochrangige und bekannte Kommandierende der FARC-EP, Zweites Marquetalia, wurden Anfang Dezember bei einem Angriff getötet. Es wurde darüber spekuliert, ob die 10. Front „Martín Villa“ der Struktur der FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco dafür verantwortlich sind. Beide sich als Nachfolgeorganisationen der FARC-EP bezeichnende Strukturen der FARC-EP stehen in Konkurrenz und gegenseitigen Kampf zueinander, auch im kolumbianischen-venezolanischen Grenzgebiet.

Die 10. Front der FARC-EP ist in der Region um die kolumbianische Provinz Arauca sehr stark verankert, während die Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zumindest militärisch unterlegen sind. Dies drückt sich ebenso in ganz Kolumbien aus. Jedoch sind die politischen Beziehungen zwischen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, und venezolanischen Offiziellen gut ausgeprägt und ist die öffentliche Darstellung durch die politische Strahlkraft des Oberkommandierenden des Zweiten Marquetalia, Iván Márquez, die der militärischen Stärke weit übertreffend. Der Verlust der beiden Kommandierenden El Paisa und Romaña verstärkt diese Diskrepanz.

Nun erklärt die 10. Front, dass sie und keine andere Struktur der FARC-EP an einer Partizipation oder Aktion im Fall der beiden Kommandierenden beteiligt war. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine bilaterale Aktion von Spezialkräften der Aufstandsbekämpfung mit US-amerikanischer Unterstützung handelt. Des Weiteren wird betont, dass es zwar unterschiedliche Auffassungen zum revolutionären Kampf gab, man aber sich nicht gegenseitig töten würde. Ob die genauen Hintergründe zu der Operation jemals aufgeklärt werden, ist unsicher. Aber zumindest ist das Kommuniqué der 10. Front ein klares politisches Statement und auch als ein gegenseitiges Respektieren anzusehen.

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Anschlag auf Flughafen in Cúcuta

Bei zwei Anschlägen auf den Flughafen Cúcuta, Provinzhauptstadt von Norte de Santander, sind zwei Polizisten und eine weitere Person getötet worden. Verdächtigt wird die 33. Front der FARC-EP unter dem Kommando von Javier Alonso Veloza alias John Mechas. Die 33. Front mit dem Namen Frente Mariscal Antonio José de Sucre ist in der Region an der Grenze zu Venezuela sehr umtriebig. Schon seit dem Frühjahr ist diese Front, die der 1. und 7. Front unter Gentil Duarte und Iván Mordisco nahesteht, im Blickfeld der staatlichen Sicherheitskräfte. So verübten sie bereits einen Angriff auf den Hubschrauber des Präsidenten Iván Duque, der auf demselben Flughafen angegriffen wurde. Auch wiederkehrende Angriffe auf die staatlichen Sicherheitskräfte finden statt. Zuletzt gab es auch einen Angriff auf das Hauptquartier der 30. Brigade der Armee und andere Armeestationen im ländlichen Gebiet.  Auch wenn derzeit ein Kommuniqué der Front aussteht, so ist zumindest die Art und Weise und auch die Logistik des Anschlages für die 33. Front durchaus möglich.
Cúcuta und die Provinz Norte de Santander sind bereits seit Jahren ein Epizentrum des Konfliktes. Vor allem die Lage zu Venezuela und das Konkurrieren verschiedener bewaffnetet Strukturen ist hierfür ursächlich.

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Wie sieht es im Südosten Kolumbiens aus?

Nach dem schweren Schlag gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, in der vergangenen Woche, als zwei ihrer bekanntesten Kommandierenden getötet worden sind, ist deutlich geworden, wie labil und abhängig die sich neu aufbauende Guerilla auch in Bezug auf einzelne Personen ist. Zwar kann hier noch nicht von einem Ende des Projektes des Zweiten Marquetalia gesprochen werden, doch der Verlust, gerade beim Aufbau von neuen Strukturen, wird sehr schwer werden. Normalerweise funktioniert eine Guerilla mit ihrer Kommandeursebene so, dass alle Positionen auch wieder zu ersetzen sind. In der alten FARC-EP funktionierte dies in Bezug auf die oberen und mittleren Kommandierenden auch sehr gut. Doch bei einer sich im Aufbau befindlichen Guerilla, die besonders in der Außendarstellung von ihren Kommandierenden und ihrer Erfahrung in der alten FARC-EP profitierte, dürfte das anders sein. Immerhin sind diese Kommandierenden mit ihrem Ruf als alte und erfahrene Kämpfer wie Emissäre in die verschiedenen Regionen ausgesandt worden, um Verbindungen und Strukturen aufzubauen, neue Leute zu rekrutieren und Unterstützungsnetzwerke aufzubauen.

Das Fehlen dieser erfahrenen Leute mit ihrem Ruf dürfte aber die aufständische Bewegung des Zweiten Marquetalia sehr schwächen. Ihr Ansatz war zudem, die Guerilla von oben nach unten aufzubauen, ein Kritikpunkt, der von vielen mit der Guerilla sympathisierenden Personen angebracht wurde. Das eigentliche Ziel, eine gemeinsame neue FARC-EP, also auch mit den Strukturen um Gentil Duarte und Iván Mordisco, aufzubauen, scheiterte früh. Unter anderem auch daran, weil dies aus Sicht der 1. und 7. Front unter Duarte und Mordisco als eine Bevormundung von Kommandierenden angesehen wurde, die zuvor noch durch den Friedensprozess die Guerilla verkauft an die Regierung verkauft und somit die Ideale verraten hatten. Immerhin war Iván Márquez als Oberkommandierender des Zweiten Marquetalia und die anderen, auch getöteten Kommandierenden, an den Friedensgesprächen beteiligt, auch wenn sie sich immer wieder mit Kritik an der Umsetzung von sich hören ließen.

Dieser vermeintliche Verrat an der revolutionären Sache und auch, weil die Strukturen um die 1. und 7. Front bereits vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens betonten, die Waffen nicht niederzulegen und den Kampf fortzusetzen, führte dazu, dass sich die FARC-EP um Duarte und Mordisco im Südosten frühzeitig konsolidieren konnte. Schon immer war die Region der Provinzen Meta, Guaviare und Caquetá ein Epizentrum der aufständischen Bewegung. Es musste also keine neue Bewegung aufgebaut werden, sondern man konnte die bereits vorhandenen Strukturen nur reaktivieren und neue Leute hinzugewinnen. Mit Kommandierenden aus der damaligen mittleren Ebene der alten FARC-EP konnte man zudem auf Personen zurückgreifen, die ebenso jahrelange Erfahrung im politisch-militärischen Kampf hatten, besonders in dieser Region. Im Gegensatz dazu musste die FARC-EP, Zweites Marquetalia, erst neue Strukturen aufbauen und hatte zwar schillernde Kommandierende, aber keine breite Unterstützung in der Basis mit Kämpfern und Milizionären.

Nach dem Bekanntwerden des Fortsetzens des Kampfes der 1. Front scharten sich immer mehr Kommandierende um die 1. Front und erklärten das Weiterführen der Guerilla FARC-EP. Damals waren neben Iván Mordisco und Gentil Duarte auch noch Euclides Mora, John Cuarenta, Giovanny Chuspas und Julián Chollo mit dabei. Im Dezember erklärte die 7. Front unter dem Kommando von Gentil Duarte die Reorganisation der FARC-EP, dem sich zeitnah auch die Front Acacio Medina anschloss. Es folgte eine Neustrukturierung im Südosten Kolumbiens mit Personen aus den ehemaligen Fronten 1, 7, 16, 27, 33, 40, 42, 43, und 62. Heute zählen diese Strukturen im Südosten, die sich auch mit Strukturen aus dem Westen für eine Kooperation verbunden haben, zu den aktivsten im Land, auch wenn sicherlich ihre politische Strahlkraft nicht mit der des Zweiten Marquetalia gleichzusetzen war. Doch in Bezug auf die politisch-militärische Stärke und vor allem der Präsenz in den Territorien sind sie die führende Kraft.

Dies macht sich vor allem in der Kontrolle im Südosten über weite Landstriche deutlich, die nicht nur militärisch kontrolliert werden, sondern auch politisch und wirtschaftlich. Im Kontext der politisch-sozialen Organisation des ländlichen Lebens, das Verhindern der Vernichtung von Koka-Pflanzungen und das Bekämpfen von paramilitärischen Einheiten und der staatlichen Sicherheitskräfte, sind sie hier gut aufgestellt. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Polizei und Militär, die hier faktisch als Besatzungsmacht agieren. Selbst Schläge der Armee gegen ihre Strukturen, wie beim Kommandierenden Rodrigo Cadete, konnte die Guerilla überstehen. Und hier zeigt sich die Festigung der politisch-militärischen Arbeit und inneren Konsolidierung gegenüber denen des Zweiten Marquetalia. Hinzu kommt eine ungefähre Zahl von über 1700 unter Waffen stehenden Kämpfern sowie einem großen Netz an Milizionären und Unterstützern der Region. Während die einen also um ihr Überleben kämpfen, festigt die andere Seite ohne großes öffentliches Brimborium ihre Stärke.

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Schwerer Schlag gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia

Nach dem sehr wahrscheinlichen Tod von Oscar Montero alias El Paisa bei einem Angriff von bisher unbekannten Personen wurde nun auch der Tod von alias Henry Castellanos alias Romaña bekannt. Sollte sich der Tod der beiden Kommandierenden bestätigen, dann ist dies ein schwerer Schlag gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, und ihrem Projekt des Aufbaus einer aufständischen Bewegung. Auch Romaña wurde auf venezolanischem Territorium gefunden und konnte aufgrund einer Narbe identifiziert werden. Laut einiger Quellen tötete man ihn in einem Lager in Taguanes im Bundesstaat Apure, etwa 25 Kilometer von der Grenze zu Kolumbien entfernt.

Auch bei diesem Vorfall konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden, wer für den Angriff verantwortlich ist. Eine Meldung seitens der FARC-EP, Zweites Marquetalia, auch über den Tod von El Paisa blieb bisher aus. In diversen Medien wurde gemunkelt, es könnte sich um einen Angriff der konkurrierenden 10. Front der FARC-EP handeln. Doch auch andere kriminelle Strukturen oder ein organisierter Angriff durch kolumbianische Auftragsmörder oder durch den Geheimdienst sind möglich. Fakt ist jedoch, dass der Tod der beiden sehr bekannten Kommandierenden, die eine lange Biographie in der Guerilla haben, eine enorme Schwächung für die FARC-EP darstellen.

Henry Castellanos Garzón alias Romaña wurde 1965 in der Gemeinde El Castillo in der Provinz Meta geboren, verbrachte seine Jugend in Bogotá und war hier Teil der Kommunistischen Jugend JUCO. In den 1980er Jahren schloss er sich der FARC an und wurde später Kommandant der 53. Front, die besonders in Meta und Cundinamarca operierte und die Hauptstadt als Ziel hatte. Berüchtigt wurde er durch die vielen Kontrollpunkte, die seine Front auf der Hauptverbindungsroute zwischen Bogotá und Villavicencio errichtete. In den 2000er Jahren war er Teil des Generalstabs des militärischen Ostblocks und nahm sogar an den Friedensverhandlungen in Havanna teil.

Mit den beiden getöteten Kommandierenden El Paisa und Romaña bleibt der Oberkommandierende Iván Márquez mit nur noch wenigen Vertrauten zurück. Auch wenn in einer Guerilla jede Position durch andere Personen ersetzt werden sollte, so sind diese beiden Persönlichkeiten auch in der Außendarstellung wichtig für das Zweite Marquetalia gewesen. Immerhin verkörperten sie alte Guerillakommandanten, die bei ihren Truppen beliebt und bekannt waren. Mit Jesús Santrich sind damit wichtige Kommandierende der FARC-EP ausgeschaltet worden, was die Guerilla immens in ihrer Position, sowohl politisch als auch militärisch, schwächt.

Wer nun die Positionen besetzt und wie es mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, weitergeht, ist unklar. Die Positionen könnten von Zarco Aldínever und Wálter Mendoza besetzt werden, ebenfalls alte Kommandierende der FARC-EP, jedoch längst nicht mit so einem Charisma wir die beiden Getöteten. Zarco Aldínever ist seit den 1990er Jahren in der Guerilla aktiv und war zuletzt im Zentralen Generalstab des militärischen Ostblocks. Walter Mendoza ist seit den 1970er Teil der Guerilla im Zentralen und Westlichen Block der FARC-EP in Führungsebenen gewesen. Er gehörte zu den Gründern der sogenannten mobilen Kolonnen der FARC-EP, eine neue militärstrategische Ausrichtung.

Unterdessen sind die Strukturen der FARC-EP um die 1. und 7. Front unter dem Kommando von Duarte und Mordisco in vielen Landesteilen sehr aktiv. So berichteten die Medien über mehrere Fälle der 33. Front in Tibú, Norte de Santander, dass Personen von der Guerilla als Kriminelle und Drogenhändler öffentlich festgenommen und gebrandmarkt wurden. Mit Plakaten wurde die Öffentlichkeit über die Festnahme informiert. Dies sind nach Ansicht der Guerilla Maßnahmen, um die Ordnung in ihren Gebieten herzustellen. In der Region La Macarena, Provinz Meta, gab es einen Angriff auf die Armee, bei der mindestens zwei Soldaten ums Leben kamen.

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Ist alias El Paisa getötet worden?

Es verdichten sich die Informationen, dass Hernán Darío Velásquez alias El Paisa bei einem Attentat in Venezuela getötet worden. Obwohl es bisher keine offiziellen Berichte aus Kolumbien und Venezuela gibt, so berichten mehrere Nachrichtenportale und Geheimdienstquellen, dass El Paisa in einem Hinterhalt gestorben ist. El Paisa gehört zu den Kommandierenden der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Den bisherigen Quellen zufolge ereignete sich der Angriff in Apure, ganz in der Nähe der Grenze zu den kolumbianischen Provinzen Arauca und Vichada. Über weitere Tote oder Verletzte ist nichts bekannt, auch nicht über die Urheber des Angriffs.

In mehreren Medien wurde darüber spekuliert, ob die 10. Front der Struktur der FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco dafür verantwortlich ist. Beide Strukturen der FARC-EP stehen in Konkurrenz und gegenseitigen Kampf zueinander, auch dort im venezolanischen Gebiet. Es könnte jedoch auch ein geheimer Angriff des kolumbianischen Militärs sein. Darüber wurde bereits beim Tod von Jesús Santrich spekuliert. Sollte sich dies bewahrheiten, dann würden sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter verschlechtern, die schon seit Jahren auf einem Tiefpunkt sind und als faktisch nicht vorhanden bezeichnet werden können.

Die 10. Front der FARC-EP ist in dieser Region stark verankert, während die Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zumindest militärisch unterlegen sein dürften. Jedoch sollen die politischen Beziehungen zwischen dem Zweiten Marquetalia und venezolanischen Offiziellen gut ausgeprägt sein. Dies rührt unter anderem von den politischen Verbindungen des Oberkommandierenden des Zweiten Marquetalia, Iván Márquez, der nicht nur Verhandlungsführer bei den Friedensgesprächen war, sondern auch vorher schon als politischer Kommandant innerhalb der FARC-EP ein gutes Netzwerk geflochten hat. Dieser Umstand sorgte auch für Neid bei der 10. Front.

Die Konflikte in der Region und der Kampf zwischen beiden konkurrierenden Strukturen der FARC-EP eskalierte bereits Anfang des Jahres. Tausende Menschen flüchteten damals vor den Kämpfen in die kolumbianische Region. Doch bisher ist wie bereits erwähnt unklar, wer die Täter des Angriffs sind. Jedenfalls dürfte der Tod von El Paisa die FARC-EP Zweites Marquetalia, stark schwächen, gilt El Paisa doch als einer der bekannten Kommandierenden in der Guerilla mit einer langen Kampferfahrung. Ist für die aufständische Bewegung Iván Márquez der politische Kopf, so war El Paisa der militärische Stratege, der mehr als 20 Jahre lang die mobile Kolonne Teófilo Forero befehligte.

Diese Operation reiht sich also in die Liste von weiteren unbekannten Vorgängen und Operationen gegen Kommandierende der FARC-EP ein. Neben Jesús Santrich war es auch Olivio Iván Merchán, alias Loco Iván, der angeblich auf venezolanischem Territorium getötet wurde. Er soll im November 2020 inmitten einer Operation venezolanischen Kampfeinheiten ums Leben gekommen sein, die im Rahmen der Operation Macizo Guayanés mit vier weiteren Guerillakämpfern in der Gemeinde Angostura de Bolívar aufeinandergetroffen sein sollen. Hier gab es bisher ebenso wenig eine offizielle Meldung von staatlichen Stellen, wie nun aktuell.

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FARC-EP bleibt für USA terroristische Organisation

In den letzten Tagen gab es einige mediale Beiträge zur Entscheidung der USA, die beiden kontrahierenden aufständischen Bewegungen der FARC-EP in die Liste der terroristischen Organisationen aufzunehmen. Es handelt sich hierbei um die Bewegung der FARC-EP um Gentil Duarte und seiner 1. und 7. Front, die vor allem im Südosten die Basis hat. Zum anderen geht es um die Bewegung FARC-EP, Zweites Marquetalia, um Iván Márquez. Diese Entscheidung verwundert nicht, schließlich sind die USA schnell dabei, Gruppen als Terroristen zu deklarieren, während man für die ursächlichen Probleme wie Armut, Ungerechtigkeit, Drogenhandel und Korruption selbst mitverantwortlich ist.

Hochrangige Beamte der Regierung von Joe Biden bestätigten, dass die oben genannten Strukturen der FARC-EP in die Liste der Terrororganisationen auf internationaler Ebene aufgenommen wurden. Die kolumbianische Regierung wurde zudem bereits über diese Entscheidung informiert. Die „alte“ FARC, also die heutige Partei Comunes und alle sich im Wiedereingliederungsprozess befindlichen Strukturen sollen hingegen von der Liste genommen werden. Diese Debatte gibt es schon seit länger Zeit. Der aktuelle Präsident Duque bedauerte diesen Schritt und zeigte damit deutlich, was er von dem Friedensabkommen hält.

Für die im Untergrund kämpfenden Strukturen der aufständischen Bewegung ergibt sich jedoch nichts Neues. Mit dem Erscheinen der „alten“ FARC auf der sogenannten internationalen „schwarzen Liste“ unter der Regierung Uribe nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen von Caguán und den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, war der Kampf um die Anerkennung der Guerilla als politischer Akteur und Kriegspartei im bewaffneten Konflikt Kolumbiens ein wesentliches Merkmal der nationalen und internationalen Arbeit der aufständischen Bewegung. Einhergehend gab es die mediale Kampagne, die aufständische Bewegung als terroristische Organisation zu bezeichnen und ihr jeglichen politischen Statuts abzusprechen.

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Kritische Stimmen zum Jubiläum des Friedensabkommens

In den Medien mehren sich die kritischen Stimmen zum fünfjährigen Jubiläum des Friedensabkommens zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung. Neben der aufständischen Bewegung FARC-EP, Zweites Marquetalia, die in einem Kommuniqué ihre Ablehnung zu dem Friedensabkommen begründete, meldeten sich auch namenhafte Personen aus der ehemaligen Guerilla zu Wort. So äußerte sich bereits der ehemalige Kommandant des militärischen Südblocks der FARC-EP, Fabián Ramírez, zu dem Konflikt mit der heutigen Partei Comunes und zu den Widerständen, sowohl bei den Friedensgesprächen als auch in der Umsetzung.

In diesem Kontext gab es auch ein Interview mit Joaquín Gómez, ehemaliges Mitglied des Sekretariats der FARC-EP und eine der kritischsten Stimmen innerhalb der Partei Comunes. Auch er war Kommandant im Südblock der FARC-EP, neben dem Ostblock eine der schlagkräftigsten Strukturen der Guerilla. Seiner Auffassung nach wartet das Friedensabkommen fünf Jahre nach seiner Unterzeichnung noch immer auf seine vollständige Umsetzung und die sich in einem kritischen Zustand befinde. Unter Santos gab es den Willen zur Umsetzung des Friedensabkommens zu sehen, während unter der neuen Regierung neben Blockaden und Änderungen des Umsetzungsprozesses vor allem auch eine öffentliche Positionierung gegen den Frieden stattfinde.

So sagt Joaquín Gómez, dass es in Kolumbien keine Sicherheitsgarantien für die Ausübung der Politik der Oppositionskräfte gibt. Dasselbe geschieht in den Bedingungen der Mobilisierung und des sozialen Protestes. Es gibt eine historische Verlängerung systemischer und sozialer Gewalt, das Zeigen die Zahlen der ermordeten Friedensunterzeichner und sozialen Aktivisten. Joaquín Gómez, bekräftigte die Verpflichtung, die die Mitglieder der ehemaligen FARC-EP mit der endgültigen Vereinbarung eingegangen sind. Doch statt den bewaffneten Konflikt von allen Seiten auf zu arbeiten findet eine historische Verurteilung der bewaffneten Rebellion und der Guerilla statt, sie auf einen kriminellen Apparat zu reduzieren und ihre Mitglieder zu demütigen.

Unter anderem stellte der ehemalige Guerillakommandant selbstkritisch fest, dass die sorgfältige und beschleunigte Waffenabgabe zu dem Stand der Umsetzungen von heute geführt hat. Dies bedeutet, ebenso wie es Fabián Ramírez sagte, dass die Waffenniederlegung richtig war, aber die Abgabe der Waffen als verlorenes Druckmittel angesehen werden kann. Viele Kommandierende aus der ehemaligen FARC-EP waren der Ansicht, dass man die Waffen erst nach Jahren abgeben wollte und nach einem bestimmten Stand der Umsetzung. Letztendlich konnte man sich gegen einige Personen aus der Führungsebene aber nicht durchsetzen, teilweise heute leitende Personen in der Partei Comunes. Doch dadurch wurde das wichtigste Druckmittel der Guerilla aus der Hand gegeben.

Fabián Ramírez wird in seinem Interview deutlicher. Es gab Leute, die davon sprachen, der Guerilla eine Frist von mindestens 10 Jahren bis zur endgültigen Waffenabgabe zu geben. Es sollte vorher eine totale Amnestie geben. Er macht einen Teil des damaligen Sekretariats verantwortlich, die in ihrem Eifer besetzt waren, Positionen im Kongress einzunehmen. Dies führte dazu, dass die Waffen abgegeben, aber das Abkommen nicht eingehalten wurde. Die Waffen als Druckmittel waren weg und es gab keine Amnestie für alle. Sie konnten Verbrechen für Guerilleros erfinden oder juristische Inszenierungen durchführen und dafür kam man dann erneut ins Gefängnis.

Ramírez und andere hochrangige Kommandierende der Guerilla wie Andrés París waren anerkannte Gegner von Rodrigo Londoño, alias‘ Timochenko‘. Deshalb wurden sie im Juni letzten Jahres aus der Partei Comunes ausgeschlossen. In der Auseinandersetzung ging es vor allem um ideologische Punkte und das Führen der Partei. Neben Joaquín Gómez gab es auch zahlreiche andere prominente ehemalige Kommandierende der FARC-EP und späteren Partei Comunes, die ausgeschlossen wurden. Heute spielt die Partei nur noch ein Schattendasein und viele andere Projekte der Wiedereingliederung haben sich parallel dazu entwickelt. Andere wie Jesús Santrich, Oscar Montero und Iván Márquez haben mit der Struktur „Zweites Marquetalia“ wieder zu den Waffen gegriffen.

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