Marsch für das Leben und den Frieden

Am 21. Oktober begann ein Marsch, der sogenannte Pilgermarsch für das Leben und den Frieden, von der Gemeinde Mesetas in der Provinz Meta mit dem Ziel der Hauptstadt Bogotá. Ziel des Marsches, der von der Partei FARC, den ehemaligen Kämpfer*innen der Guerilla im Prozess der Wiedereingliederung sowie von sozialen und politischen Organisationen initiiert wurde, ist es auf die bedrohliche Situation der Morde an ehemaligen Guerillakämpfer*innen und an sozialen Aktivist*innen aufmerksam zu machen. Bisher liefen die Teilnahmenden unter anderem durch die Orte Granada und Villavicencio, wo es je ein Programm von kulturellen und politischen Aktivitäten gab. Gemeinsam wollen die Kämpferinnen und Kämpfer aus verschiedenen Landesteilen am zentralen Platz in Bogotá, dem Plaza Bolívar, ankommen.

Warum nun dieses Pilgerreise stattfindet hat einen einfachen, wenn auch traurigen Grund. Nach den bereits hunderten von ermordeten Kämpfer*innen traf es nun vor wenigen Tagen mit Albeiro Suárez eine Führungsperson aus dem Osten des Landes. Mit ihm wurde auch sein Leibwächter getötet. Wie wichtig dieser Marsch und die Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigt sich an der brenzligen Situation des Landes und der Mitglieder der ehemaligen FARC. Erst am Wochenende wurde wieder zwei Personen getötet, eine Person in Balboa in der Provinz Cauca, die andere Person in San Vicente del Caguán in der Provinz Caquetá. Damit wurden nun schon seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens 236 ehemalige Kämpfer*innen ermordet.

Mit der Pilgerreise will die Partei FARC und auch die sich im Prozess der Wiedereingliederung befindlichen Guerilleros ihr Engagement für den Frieden bekräftigen und zugleich auch um Vergebung für die Opfer bitten. Zudem verlangen sie die Umsetzung des Friedensabkommens und Sicherheitsgarantien für die ehemalige Guerilla. Sie wollen eine öffentliche Mobilisierung der Bevölkerung für den Frieden erreichen. Die derzeitige Situation im Land mit dem Anstieg der Gewalt in vielen Landesteilen, neuen Massakern und der systematischen Vernichtung von linken Kräften, erinnert an die 1980er und 1990er Jahre, als vor allem paramilitärische Gruppen in Kooperation mit lokalen und regionalen politischen und wirtschaftlichen Eliten das Land terrorisierten. Die aktuelle Regierung unter Duque, einem Schützling des ehemaligen rechten Präsidenten Uribe, führt eine Politik der Ignoranz und Nichtanerkennung des Friedensabkommens.

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Kommuniqué zur Ermordung von Albeiro und Mandela

Übersetztes Kommuniqué der Partei FARC zu der Ermordung ihrer beiden Genossen Albeiro und Mandela in Meta (südöstliches Kolumbien):

Mit der Ermordung von Jesús Monroy (Albeiro Suarez) und seinem Leibwächter Luis Alexander Largo (Mandela) wurden bereits 234 ehemalige Guerillakämpfer getötet, 146 davon unter der derzeitigen Regierung.

Jesús Monroy war Mitglied der Nationalen Führung unserer Partei, er war an der Spitze des Wiedereingliederungsprozesses in der Provinz Meta und hatte den Rückhalt und die Unterstützung der Gemeinden in der Region gewonnen, die ihn als ihren natürlichen Anführer angenommen hatten. Er war Sprecher der Anhörung der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden am 22. August, um die Sicherheitsprobleme ehemaliger Guerilleros im Osten des Landes zu analysieren.

Luís Alexander Largo war sein Leibwächter, Mitglied des Schutzprogramms der spezialisierten Unterdirektion der UNP. Zwei Männer, die sich entschieden für Frieden und Fortschritt in der Region einsetzten.

Die Mordserie gegen die Friedensunterzeichner findet im Kontext einer Regierung statt, die ein Komplizenschweigen aufrechterhält, sicherlich in der Überzeugung, dass diese Morde ihren Zweck der Verhinderung der Friedenskonsolidierung begünstigen, so wie es das ausdrückliche Streben ihrer Partei ist, des Demokratischen Zentrums.

Diese Morde sind nicht isoliert angesichts des Ansturms gegen die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden, der Wahrheits- und Aufklärungskommission und die Vortäuschung der Umsetzung des Abkommens, das wir angeprangert haben.

Eine Konvergenz der Faktoren hat dazu geführt, dass die extreme Rechte, die heute das Haus Nariño besetzt, mit denen vereint ist, die das Friedensabkommen verraten haben, was die ehemaligen Guerilleros zu einem Ziel von Hass und lausigen Interessen auf beiden Seiten gemacht hat.

Seit 4 Jahren erleben wir einen makabren Tropfen für Tropfen zwischen der warmen Solidarität derer, die den Frieden verteidigen und der beunruhigenden Gleichgültigkeit einiger Sektoren des Landes, die immer noch nicht reagieren, obwohl sie den Frieden vor ihren Augen ermorden. Aus diesem Grund glauben wir, dass die größte Herausforderung für diejenigen von uns, die eine Nation in Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit anstreben, darin besteht, diese gleichgültigen Mehrheiten zu erwecken.

Wir können angesichts dieser Tragödie, die auch das Leben von Hunderten von sozialen Anführern und Menschenrechtsverteidigern mit selektiven Attentaten und Massakern im gesamten Staatsgebiet fordert, nicht unbeweglich bleiben.

Die indigene Minga und der Streik am 21. Oktober zeigen uns den Weg aus der Gleichgültigkeit. Wir müssen mobilisieren, bis wir Millionen sind, die das Ende der Vernichtung fordern, die mit der Selbstzufriedenheit der nationalen Regierung durchgeführt wird.

Nationaler Politischer Rat, Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes, FARC

  1. Oktober 2020
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Zum Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien

Seit mehreren Jahren hat sich in Kolumbien ein Gedenktag etabliert, der den ermordeten und vor allem allgemein der derzeitig inhaftierten politischen Gefangenen gilt. Auch wenn dieser Tag unserer Meinung nach in der zurückliegenden Zeit in Vergessenheit geraten ist, wollen wir kurz innehalten und all jenen gedenken, die für ihr politisches Engagement und ihren politischen Kampf vom kapitalistischen System eingekerkert sind.

Seinen Ursprung hat der Tag aufgrund einer staatlichen Sicherheitsoperation von Armee und Polizei mit dem Namen Anorí in Medellín, bei dem der Gewerkschaftsführer Luis Carlos Cárdenas am 15. Oktober 1973 durch Truppen der 4. Brigade der Armee ermordet wurde. Diese Operation, mit dem Ziel politische Gegner und vermeintliche subversive Kräfte zu eliminieren, war in seiner Durchführung nicht einzigartig. Es sollten weitere Operationen gegen politische Gegner folgen, bei denen nicht wenige getötet wurden.

Es ist eine Sache, ein sozialer Aktivist zu sein, und eine andere, eine Guerillakämpfer zu sein; es kann jeweils eine Gemeinsamkeit von Zielen geben; es ermutigt beide, für eine gerechte und demokratische Gesellschaft zu kämpfen, die den Bedürfnissen der einfachen Menschen dient. In dem Maße, in dem sich der soziale und wirtschaftliche Konflikt verschärft, indem die Ursachen nicht gelöst werden und der Protest und Kampf dagegen zunimmt, bemüht sich der Staat immer mehr, diese Protestausdrücke der sozialen Bewegungen zu zerstören, indem er auf sie die gleichen kriegerischen Modalitäten anwendet wie auf die Guerillaorganisationen.

Der Staat tut dies mit seinen eigenen verschärften Gesetzen, aber auch außerhalb des Gesetzes davon, wie bei der oben genannten Operationen und vielen weiteren hunderten, bei dem einfache Bürger hingerichtet und als im Kampf gefallene Guerillakämpfer präsentiert wurden. Dies sollte den vermeintlichen Erfolg des Staates gegen im antisubversiven Kampf ausdrücken. Seit den 1970er Jahren wird der Kriegszustand vom Staat angewendet, um die soziale Organisation und Proteste zu beenden. Der Staat lässt verschwinden, ermorden, massakrieren, bedrohen und kriminalisieren. Er greift auf immer dieselben Methoden zurück: Er macht juristische Inszenierungen, erfindet Anklagen, kauft Zeugen, erpresst und fälscht Beweise.

Diese antikommunistische Taktik des „inneren Feindes“ lässt er nicht nur gegen die Guerilla, wie der FARC-EP walten, sondern ebenso gegen alle, die sich kritisch gegenüber dem Staat präsentieren, Studierende, Bauern, Indigene, Frauen und all jene, die sich in Organisationen, Kollektiven oder in der Guerilla zusammenfinden. Eine Ausnahme, ob Alter, Geschlecht, Beruf, Herkunft, Ethnie, Organisierungsgrad und so weiter gibt es für den Staat nicht. Es ist ein Feind, es sind alle Terroristen. Der Staat verkennt hierbei den politischen Status aus guten Gründen, da dies bedeuten würde, die vorherrschende Antidemokratie und die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen dieses kollektiven Kampfes anzuerkennen.

Der kapitalistische Staat ist per Definition die Verwaltung des Gewalt- und Rechtsmonopols, um diejenigen zu unterwerfen, die gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufbegehren und die eigenen Eliten reicher zu machen. Wenn bewaffnete Subversion wie im Fall der FARC-EP, sowohl vor dem abgeschlossenen Friedensprozess, als auch heute, auftritt, sieht der Staat wo auch immer, dass seine etablierte Ordnung bedroht ist. Kolumbien war seit jeher ein repressiver Staat, verkleidet in einer Vorzeigedemokratie Lateinamerikas. Doch Tausende Ermordete und Inhaftierte sprechen eine andere Sprache. Neben den Terrorpraktiken der Folter, des Verschwindenlassens, der Massakrierung und des politischen Genozides wie im Fall der Unión Patriótica sind dies vor allem auch die Delegitimierung und Diskreditierung der politischen Akteure.

Der 15. Oktober ist ein Tag des Gedenkens, des Mahnens, aber auch des Kampfes. Neben den unzähligen sozialen und politischen Bewegungen im Land formiert sich die Guerilla neu, neu entstanden aus der Unfähigkeit und des Unwillens der Regierung, den abgeschlossenen Friedensvertrag einzuhalten. Noch immer sind über 170 offiziell akkreditierte Guerillakämpfer im Gefängnis. Stattdessen zieht der Staat mit Hilfe seiner paramilitärischen Kräfte erneut los und mordet im ganzen Land und überzieht das Land mit Verhaftungen und Gerichtsprozessen. Für alle jene Kämpfer, Aktivisten und Inhaftierten wollen wir am Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien innehalten und den Kampf fortführen, für die Freiheit und den Wandel!

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Duque muss gehen

Duque muss gehen – Politische Erklärung der FARC-EP, Zweites Marquetalia

Der Traum der Kolumbianer, eine gute Regierung zu haben, hört nicht auf und zeigt sich von Mal zu Mal mit mehr Kraft, als Notwendigkeit, die dringend ein öffentliches Bewusstsein erfordert.

Diese vier Jahre Duque im Namen Uribes sind ein Fluch, der unsere Zukunft auf die irrationalste und absurdeste Weise beschädigt. Als wir uns die falsche Hoffnung machten, es wäre möglich, ein neues Zeitalter des Friedens zu beginnen, hat die Regierung Duque-Uribe die Zerstörung des schönsten Traums der Kolumbianer zum Hauptziel ihrer Strategie gemacht. Ein paar Irre, die gegen den gesunden Menschenverstand handeln und die nicht mehr nur das Land in Brand stecken sondern unter dem Einfluss Washingtons auch die Nachbarschaft.

Dieser Krieg, den wir erleben, ist ein Krieg, der uns von kriminellen Köpfen aufgezwungen wird, die glauben, dass sie, indem sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihre Schrecken lenken, die Verantwortung von Alvaro Uribe Vélez für jahrzehntelange staatlich geförderte paramilitärische Gewalt für immer in der Grube der Straflosigkeit und des Vergessens versenken und gleichzeitig die Wahrheit über seine Allianz mit dem Drogenhandel in den Hintergrund rücken können. Drogenhandel und Paramilitarismus, um an die Regierung zu kommen, um die Justiz zu behindern, die Staatskasse zu bestehlen, um der Korruption, der gewaltsamen Landenteignung und der Unverschämtheit, nur zum Nutzen der Mächtigen zu regieren, freien Lauf zu lassen. Uribe sollte auf dem Altar seines Herzens Kerzen anzünden, zum Dank an Pablo Escobar, Ochoa Vásquez und Chapo Guzmán… und an die Regierung der USA, die ihn beschützt.

Das Land weiß genau, dass Iván Duque dank des Geldes aus dem Kokainhandel zum Präsidenten der Republik gewählt wurde, das der Mafioso und Geldwäscher „El Ñeñe Hernández“(1), Freund Uribes und Freund Duques, von Generälen der Drogenbekämpfung und anderen, die ihm Luftwaffenflugzeuge für sichere Reisen zur Verfügung stellten, eingesammelt hat… Sie verfolgen den Kleinbauern, der Koka anbaut und arm ist, voller Hass, aber umarmen gleichzeitig den Kapo, singen und tanzen mit ihm und laden ihn in den Präsidentenpalast ein. Die aktuelle Regierung hat ihre Seele mit Drogenhandel, Wahlbetrug und Stimmenkauf infiziert und ihre Hände mit Blut befleckt.

Duque muss vorzeitig die Präsidentschaft der Republik verlassen, weil er ein illegitimer Mandatsträger ist, weil das höchste Amt der Nation zu groß für ihn ist,  weil er das Chaos verbreiten will, indem er das Gleichgewicht der Staatsgewalten durch Missachtung und öffentliche Infragestellung von Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zerstört, weil er die sozialen Mobilisierungen, die das Land heute erschüttern, zusammenschießen lassen will und weil Kolumbien keine Diktatur will.

Keine Nachsicht mehr mit Iván Duque. Wir müssen der Tyrannei, der Inkompetenz und der schlechten Regierungsführung die Tür verschließen. Das Coronavirus, das ihn vor der Explosion des Zorn und der Entrüstung des Volkes auf den Straßen bewahrt hatte, taugt nicht mehr dazu, die Unzufriedenheit des Volkes zu beschwichtigen, und noch viel weniger seine langweiligen und abgeschmackten täglichen Fernsehauftritte.

Seine scheinheiligen Worte sind nutzlos, wenn die Regierung, statt den Armen in der Quarantäne und ohne Nahrung zu helfen, den Unternehmern hilft, die alles besitzen. Die Regierung hat nicht einmal kostenlos Masken in den popularen Vierteln verteilt.

Jetzt will er, dass Samson stirbt und dass alle Philister sterben,  um seinen politischen Führer Álvaro Uribe vor Gefängnis und gerichtlicher Bestrafung zu retten, nicht so sehr wegen seines Status als Zar der falschen Zeugen, sondern wegen seiner Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb ist er so besessen davon, den Gerichtshof zu sprengen und will eine Justizreform, die es ihm ermöglicht, einen institutionellen Bereich zu schaffen, der seinem politischen Kapo Straffreiheit sichert und sich seiner Anwaltskanzlei des Teufels ergibt.

Die Wahrheit ist, Kolumbien will keine faschistische Regierung, sondern eine wirklich demokratische, inklusive Regierung des Volkes und für das Volk; eine neue demokratische Koalitionsregierung, die den vollständigen Frieden ohne Verrat garantiert sowie Landtitel für Bauern, die politische Reform und eine Außenpolitik des Friedens und der Brüderlichkeit mit Lateinamerika und der Karibik; eine Regierung mit sauberen Händen, die mit der Beseitigung des Krebsgeschwürs der Korruption beginnt, die auf die Studenten, die Frauen, die Indigenen, die Schwarzen, die LGTBI- Bevölkerung und die anderen diskriminierten Sektoren hört, die Gesundheit der Bevölkerung wiederherstellt und radikale soziale Maßnahmen durchführt, um die Menschen aus der Armut zu befreien.

Da wir aus der schlimmsten Zeit der Pandemie raus sind, müssen wir mit Demonstrationen, Kundgebungen und cacerolazos auf die Straßen zurückkehren, um die Unzufriedenheit eines ganzen Volkes gegen die schlechte Regierung herauszuschreien. Verlangen wir das Ende der Repression, die verfassungsgemäße Respektierung des sozialen Protestes, die Bestrafung der hochrangigen Staatsfunktionäre, die das Massaker an wehrlosen Bürgern in Bogotá am 9. September veranlasst haben, das Ende der Auslöschung von sozialen Anführerinnen und Anführern und von Ex-Kombattanten, es sind seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens bereits  über tausend Tote.

Fordern wir die vollständige Aufklärung des „Ñeñe-Politik“-Komplotts, und verlangen, dass Duque wegen der Finanzierung seiner Kampagne mit Mafiageldern vom Präsidentenamt zurücktritt.

Absetzung aller mit den kriminellen Geldern Ñeñe Hernández Korrumpierten, die heute mit der Exekutive, der Legislative und der Judikative verbunden sind, angefangen bei der Vizepräsidentin Marta Lucía Ramírez, wegen ihrer Verbindungen zum Paramilitarismus und mit dem Mafioso und Geldwäscher „Memo Fantasma“(2). Keine Straffreiheit mehr für Álvaro Uribe, den gewalttätigen Landenteigner und Urheber der entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschheit, wie Massaker und falsos positivos.

Verlangen wir auch das Ende der Straflosigkeit mit exemplarischen Verurteilungen der Familien Char und Gerlein (2) und aller Verbrecher, die sich mittels Wahlbetrug und Stimmenkauf in der Politik gehalten haben. Gefängnis und Verlust der politischen Rechte für diejenigen, die Aída Merlano (3) Cárcel gemeldet hat.

Einheit, Einheit, Einheit aller Kolumbianer für eine neue Regierung, und für das Aufblühen des Friedens mit sozialer Gerechtigkeit.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

Edison Romaña, Oscar Montero, Aldinever Morantes, Walter Mendoza, Jesús Santrich, Iván Márquez

28. September 2020

 

(1) Der ermordete brasilianische Drogenboss José Guillermo Hernández alias Neñe hatte erklärt, den Präsidentschaftswahlkampf von Iván Duque und seinem Regierungsbündnis mit Stimmenkauf mitfinanziert zu haben.

(2) Memo Fantasma ist einer der mächtigsten kolumbianischen Paramilitärs und Dealer. Er soll aktuell unbehelligt von der Justiz als reicher Geschäftsmann in Madrid leben

(3) Die Gerleins und Chars gehören seit über 100 Jahren zu den mächtigsten Familien der Karibikküste. Mit dem jüngsten Sohn Alejandro, dem Ex-Bürgermeister der nördlichen Großstadt Barranquilla, streben die Chars an, den nächsten Präsidenten Kolumbiens zu stellen. Ein weiterer Sohn, Arturo, soll Senatspräsident werden. Den Chars gehört in der Region ein Wirtschaftsimperium. Ähnlich ist es bei den Gerleins. Roberto Gerlein war über 40 Jahre lang pausenlos Senator oder Minister. Sein Bruder Julio und dessen Kinder leiten das Bauunternehmen Valorcon, ein wichtiger Auftragnehmer staatlicher Bauaufträge.

(4) Die nach Venezuela geflüchtete kolumbianische Ex-Senatorin Aída Merlano hat Details eines Korruptionsgeflechts enthüllt, das Präsident Iván Duque und seinem Amtsvorgänger Juan Manuel Santos (2010-2018) zum Wahlsieg verholfen hat

 

Kommuniqué der FARC-EP im Original

 

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Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee

Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee, als eine Front der FARC-EP-Front 20 professionelle Soldaten in den Bergen Caucas entwaffnete.

Wenig beachtet von den Medien, denn Schläge gegen die Armee passen nicht in das Bild der heldenhaften kolumbianischen Sicherheitskräfte, ereignete sich eine Operation in den Bergen Valle del Caucas, bei dem Kämpfer der Kompanie der FARC-EP Adán Izquierdo in Moralia, Gemeinde Tuluá, rund 20 Berufssoldaten festsetzten, die zu einer sogenannten humanitären Minenräumbrigade gehörten. Die Soldaten wurden von den Guerilleros entwaffnet, ihre Gewehre eingezogen und sie dann anschließend nach einer Belehrung freigelassen.

In zwei Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, spricht der Kommandant der FARC-EP und sagt, dass die Guerilla das Leben der Soldaten respektieren wird, während diese auf dem Boden eines Lagers liegen. Der Kommandant fügte hinzu, dass es eine Lüge ist, dass es in diesem Gebiet Antipersonenminen gibt. „Hier sind 17 Kämpfer. Sie sind alle Berufssoldaten verschiedener Bataillone. Sie dienen der humanitären Minenräumung in der Gegend, in der wir nie zum Minenlegen gekommen sind. Und die Zivilbevölkerung weiß, dass hier nicht gemint wurde.“

„Wir haben gelernt, dass es sich oft um falsche Positive handelt [falsos positivos sind gefälschte positive Ergebnisse der Armee, bis hin zu angeblichen im Kampf getötete Guerilleros, die jedoch in Wahrheit einfache Zivilisten sind]. Sie legen Minen und machen das ganze Schauspiel, um den Bericht zu geben, dass ja `ein Minenfeld´ gibt, nur damit sie ihren Job nicht wegnehmen. Wir verstehen die Situation eines jeden von euch. Einige tun es nicht, sie legen keine Minen und sie melden keine Minen. Aber die meisten tun es.“

„Dies ist ein landesweites Programm und sie lassen sie hier, damit die FARC sie töten kann, das war’s. Weil eure Chefs und Kommandeure sich nicht um euch kümmern. Wir haben einige von euch getötet und wisst ihr, was sie tun? Sie gehen in eine andere Stadt und rekrutieren die armen Leute, was das Traurigste ist. Wir werden das Leben respektieren, solange sie mit uns bei der Information zusammenarbeiten und uns alles Administrative geben, was sie haben. Wir sind die Kompanie [Compañía] Adán Izquierdo der FARC-EP.“

Der Vorfall wurde von der Armee heruntergespielt, zum Beispiel, dass es sich um eine Gruppe unbewaffneter Soldaten gehandelt habe. Aber dies ist eine Lüge, denn in einer Region, wo die FARC-EP präsent ist und in einem Bürgerkriegsland gibt es kein unbewaffnetes Militär. Stattdessen ist das Militär derzeit präsent, weil es die Bevölkerung nicht vor den Massakern schützt, paramilitärische Gruppen freien Lauf lässt und Zivilisten ermordet, wie zuletzt eine Frau im Cauca.

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Jorge Vive, La lucha sigue – In Erinnerung

Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia:

Jorge Vive, La lucha sigue – In Erinnerung
Jorge lebt, der Kampf geht weiter – In Erinnerung

Hier ist er; er kämpft weiter für die neue Heimat im Zweiten Marquetalia… Sechzig Tonnen Bomben, die die Luftwaffe vor zehn Jahren auf sein Guerillalager in La Macarena abgeworfen hatte, reichten nicht aus, um ihn zu töten. Jorge Vive. Die Stärke seiner Liebe zum Volk nährt die nationale Empörung, die gegen schlechte Regierungen explodiert und sich auch in den Bergen mit Anstand manifestiert.

Die Tyrannei des Nariño-Palastes ist nicht ewig. Die Mobilisierung aller sozialen und politischen Ausdrucksformen des Landes unter dem Banner einer neuen Regierung ist die transformative Macht, die einzige Kraft, die den Kolumbianern wahre Demokratie, Frieden und würdevolles Leben garantieren kann.

Für Jorge, den lieben Mono Jojoy, unser Gefühl der Zuneigung, das nie aufhört. Danke Bruder, dass du uns gelehrt hast, solidarisch zu sein, Guerilleros wie der Che zu sein, dass du deine Gabe mit den Menschen geteilt hast, deine Zärtlichkeit mit Kindern, dein Beispiel der Menschlichkeit, deine Freude und deine Beharrlichkeit im Kampf, die fähig ist, Berge zu bewegen.

Wir werden siegen, Jorge! Venceremos!
FARC-EP, Zweites Marquetalia

 

Kommuniqué der 41. Front Cacique Upar der FARC-EP, Zweites Marquetalia:

Jojoy hasta siempre – Jojoy für immer!

Gesundheit Jojoy, Guerillero aus der Ebene und den Anden! Zwischen Licht und Schatten, zwischen Bergen und Stadtvierteln, zwischen Vogelgezwitscher und Bergblumen, zwischen Schießpulver und Idealen … verbreitet sich die Erinnerung an Mono Jojoy wie ein gerechter Kriegsschrei, der den Armen der Erde Frieden mit Anstand bringen wird.

Romaña teilte uns auf dem Kommandantentreffen im August 2019 kurz vor unserer Abreise mit, um den Wiederaufbau der Fronten 19, 41 und 59 in der kolumbianischen Karibik voranzutreiben, dass, als Genosse Jorge vom Feind getötet wurde, in jenen Tagen ein Treffen des Generalstabs des Ostblocks durchgeführt wurde. Nach einem langen Arbeitstag war der Nachmittag angebrochen und die Kommandeure zogen sich zu ihren Ruheplätzen zurück, die in verschiedenen Lagern voneinander entfernt waren. Die Nacht brach herein und am frühen Morgen, gegen 02:00 Uhr, als Jorge sicherlich bei Kerzenlicht arbeitete, wie er es jeden Tag tat, begann das Bombardement, das ihm das Leben kostete.

Der Befehl lautete, das Lager des Guerillakommandanten „von der Karte auszulöschen“. Der militärische Geheimdienst hatte es geschafft, einen elektronischen Apparat einzusetzen und deshalb waren sie sich über den Ort ihres Ziels sicher. Das Gelände wurde zerstört, als Tausende Kilo Sprengstoff vom Himmel fielen. Acht weitere Kämpfer kamen bei dem Bombenangriff ums Leben. Und egal wie sehr sie versuchten, mit Blei durchzubrechen, die Guerilleros und Guerilleras, die Genosse Jorge begleiteten, schafften es nicht, ihn aus den Ruinen des Bunkers zu entfernen, unter dem er begraben war. Als sie nach acht Tagen Kampf einen zweiten Versuch unternahmen, hatten sie ihn bereits weggebracht.

Der Tod hatte die Höhen des Berglandes berührt und seine Schatten fielen mit dem Gewicht der Trauer, um die Tage zu verdunkeln. Es gab vier Monate intensiver Kämpfe, in denen die Krieger von Manuel Marulanda Vélez aus der Schmiede des Zorns dieses Fragment der Geschichte mit Ehre entzündeten. Und es gibt das Beispiel, dass die FARC-EP-Mitgliederschaft, Zweites Marquetalia, heute nach dem Schein dieser Schmiede, dieser Flamme, dieses Gebirgslichts aufgreift.

Mit der Schale aus aufständischem Ton in unseren Händen stoßen wir aus jedem Punkt des gemeinsamen Landes an, indem wir den Wein der Rebellion für das Neue Kolumbien trinken, die rote Heimat des von unseren Helden und Heldinnen vergossenen Blutes.

Weil sich die Respektlosigkeit gegenüber den Tyrannen, die uns regieren, vervielfacht, lebe die Erinnerung an Mono Jojoy!
Weil wir der Yankee-Einmischung ein Ende setzen wollen, lebe die Erinnerung an alle Gefallenen!
Für die Einheit der Guerilla und der Bevölkerung gegen die Oligarchien und gegen den Imperialismus lebe die FARC-EP Zweites Marquetalia!

Gonzálo Ortíz und Jesús Santrich

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Überblick zum bewaffneten Konflikt

Von der Stiftung Pares gibt es derzeit einen kurzen Überblick über das Agieren der bewaffneten Organisationen in Kolumbien. Darin wird auch die Ausdehnung der FARC-EP bzw. der interne Konflikt zwischen den beiden sich als FARC-EP bezeichnenden und auf das historische Erbe aufbauenden Strömungen, auf der einen Seite kommandiert von Gentil Duarte und anderen, auf der anderen Seite von Iván Márquez und anderen Kommandierenden, eingegangen. So hat das Wachstum der beiden Strömungen der FARC-EP dazu geführt, dass es vermehrt Konfliktsituationen und Eskalation zwischen beiden Strukturen gibt. Eine Vereinigung der Strukturen von gentil Duarte um die Erste Front und der Struktur um Iván Márquez und Jesús Santrich konnte bisher nicht erfolgen. Ziel der beiden Strukturen war es, je nach eigener Lage und Situation eine Neukonfiguration der Reste der FARC-EP zu erreichen und neue Strukturen im ganzen territorialen Raum aufzubauen.

Klar erkennbar ist noch der vor allem militärische und wirtschaftliche Nachteil von Iván Marquez und der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Derzeit finden die meisten Eskalationen um territoriale Macht im Südwesten Kolumbien statt, wenn auch Strukturen des Zweiten Marquetalia im Osten Kolumbiens und an der Grenze zu Venezuela beheimatet sind, während Gentil Duarte im Süden und Osten über eine starke Präsenz verfügt. Wenn auch die Zahlen der Stärke der jeweiligen Strukturen der FARC-EP mit Vorsicht zu genießen sind, so wird jedoch klar erwähnt, dass Gentil Duarte trotz der derzeitigen Überlegenheit eher die Gefahr sieht, an Einfluss zu verlieren, da die Strukturen um das Zweite Marquetalia teilweise auch militärisch versuchen, um Kontrolle zu übernehmen. Geringe Befürchtungen at er jedoch in den Regionen Meta, Caquetá und Guaviare, wo sich der territoriale Einfluss von Gentil Duarte wesentlich gefestigt hat.

Konflikte gibt es derzeit vor allem im Westen, wo es laut verschiedener Quellen ein Zerbrechen der Front Oliver Sinisterra gab, die in der Provinz Nariño mit 350 Kämpfern agierte. So soll ein Teil der Kämpfer die Loyalität zu Gentil Duarte erklärt haben und ein anderer teil soll sich unter dem Komamndo von Iván Márquez und dem Zweiten Marquetalia begeben haben. Ähnliche Konfrontationen gibt es derzeit auch im Arauca und Norte de Santander mit Teilen der 10. Front Martín Villa und der 33. Front Mariscal Sucre, wenn auch der Kommandant der dissidentischen 33. Front zuletzt klar machte, dass er auf Seiten von Duarte steht. Undurchsichtig und kaum Erwähnung in dem Bericht der Stiftung Pares findet die Situation im Cauca. Zwar hat Gentil Duarte mit den dortigen dissidentischen Strukturen ein loses Bündnis geschlossen, so dass sich das Westlichen Koordinationskommando auf seine Seite schlug, doch zuletzt gab es immer wieder Meldungen und Kommuniqués des Zweiten Marquetalia, die auch hier von einem Eindringen in den Einflussbereich zeugen. Sollte sich dies bestätigen, wäre zumindest der wichtige illegale Zweig der Ökonomie für den Aufbau einer schlagkräftigen Guerilla erreicht, der bisher fehlt.

Klar erwähnt wird jedoch das fehlende politische Bewusstsein und die fehlende Verankerung in der Bevölkerung. In der alten sich entwaffneten FARC-EP wurden ganz klar auch die politischen Aspekte in den Vordergrund der politisch-militärischen Arbeit gestellt und eine enge Beziehung zu den sozialen Bewegungen und zur Bevölkerung hergestellt. Diesen Grad können die derzeitigen Strukturen der neuen FARC-EP nicht erreichen. Zum einen, weil ihnen wahrscheinlich auch die Kader fehlen, zum anderen, weil ihr Auftreten derzeit eher als gewaltvoll, der illegalen Ökonomie und der Machtkonsolidierung- bzw. Erweiterung ausgerichtet ist. Hingewiesen wird auch auf die fehlende Hierarchie in der FARC-EP, die es der Politik schwer macht, an die Organisation anzuknüpfen. Oftmals führen die losen und autonom agierenden Strukturen b zw. Fronten ein Eigenleben, dass sich schwer kontrollieren lässt und dass die Bevölkerung nicht als Interessenvertretung ansieht, so wie es vorher der Fall war.

Derzeit soll es laut Pares rund 30 Strukturen der dissidentischen FARC-EP im gesamten Land geben. Präsent sind diese in 113 Gemeindebezirken in 19 verschiedenen Provinzen, wobei Cauca, Nariño, Norte de Santander, Guaviare, Meta, Putumayo und Antioquia die höchste Präsenz aufweisen. Hierbei ist ein Wachstum seit 2016 festzustellen, seit dem der Friedensprozess unterzeichnet wurde und dem sich die Erste Front Armando Ríos mit 300 Kämpfern entgegenstellte. Von 1600 Kämpfern im Jahr 2018 sind nun schon 2600 für Mai 2020 erreicht. Wichtig zu erklären ist, dass sich die Zahl vor allem aus neuen Rekrutierungen zusammensetzt und nicht die sich im Wiedereingliederungsprozess befindlichen ehemaligen FARC-Kämpfer betrifft. So sind noch 94% der 13510 sich entwaffneten Kämpfer im Wiedereingliederungsprozess, was eine Zahl von 12767 bedeutet.

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Kolumbien ist zu einem großen Friedhof geworden

Eine neue Welle der Gewalt und Massaker hat Kolumbien fest in seiner Hand. Junge Menschen, Bauern, Linke und Andersdenkende sind diese Opfer der „kollektiven Morde“, wie Präsident Duque die Massaker und die systematische Auslöschung der Opposition beschönigt. Das Wort Massaker vermeidet er, obwohl die taten genau das sind. Sie erinnern an die schlimmen Jahrzehnte, als Kolumbien inmitten des Bürgerkrieges stand und paramilitärischer Terror alltäglich war.

Schon nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zeichnete sich ab, dass außer der ehemaligen aufständischen Bewegung FARC und den einfachen Menschen des Landes, die ehemals herrschende Clique und Oligarchie kein Interesse an Frieden, Fortschritt und Veränderungen haben. Es begann, wie damals in den 1980er Jahren mit der linken Partei Unión Patriótica, ein systematisches Morden von ehemaligen Guerillakämpfern und linken oppositionellen. Diametral dazu stand kein Interesse des Staates für Sicherheit zu sorgen, geschwiege denn das Friedensabkommen umzusetzen.

Nun schellen die Alarmglocken. In den zurückliegenden Wochen häufen sich die Massaker in allen Regionen des Landes, vor allem jedoch dort, wo sich die ehemalige FARC-EP nach ihrer Waffenniederlegung und dem Friedensprozess zurückgezogen hat und wo nun paramilitärische Strukturen das Vakuum füllen. Auch wenn die Urheber der Massaker nicht immer gleich zu benennen sind, Regionen wie Antioquia oder Bolívar stehen klar unter ihrem Einfluss. Es scheint, dass in Kolumbien nicht nur die Pandemie herrscht, sondern auch die Massaker, die immer wiederkehrender werden.

Warum nun diese Welle immer tödlicher und blutiger wird, lässt sich nur schwer sagen. Es sind sicherlich mehrere Faktoren, die dafür verantwortlich sind. Zum einen ist da das Nichtagieren des Staates und seine nicht vorhandene Verfolgung der Taten und fehlende Schutzmechanismen. Paramilitärische Gruppen, gedeckelt und unterstützt von rechten Politikern, Großgrundbesitzern, Wirtschaftsunternehmen und teilweise auch durch die staatlichen Sicherheitskräfte, fühlen sich sicher in ihrem Treiben ermuntert.

Zu den rechten Politikern gehört der ehemalige Präsident Alvaro Uribe Veléz, der als Unterstützer des Paramilitarismus gilt und unter anderem deswegen vor einer Anklage steht. Derzeit ist er inhaftiert. Ist auch deswegen die systematische Gewalt im gesamten Gebiet ausgebrochen? Immer wieder gibt es Enthüllungen, die zeigen, wie stark die kolumbianische Politik mit dem Paramilitarismus verbandelt ist. Hierfür hat sich längst das Wort Para-Politik etabliert.

Gerade Regionen wie Antioquia, Cauca, Nariño, Norte de Santander, Bolívar und Putumayo sind von der Gewalt betroffen. Über 55 Massaker im Jahr 2020 im ganzen Land sind eine eindeutige Sprache. Betroffen sind vor allem Regionen, in denen kriminelle Banden und paramilitärische Gruppen ihren Einfluss vergrößern wollen. Einher geht dies mit Gewalt gegen jene, die sich für einen Ersatz der illegalen Pflanzkulturen, also zum Beispiel Koka, einsetzen und im Substitutionsprogramm mitmachen.

Die sozialen Aktivisten und die linke Opposition sind die einzigen im Land, die Veränderungen herbeiführen können und in der Bevölkerung Gewicht haben. Daher sind sie das bevorzugte Ziel des paramilitärischen Terrors, der die Interessen der Großgrundbesitzer, der transnationalen Konzerne und der Oligarchie gegen linke Ideen und Transformationen verteidigt. Kein Wunder also, dass es anhaltende Diskussionen über die vielleicht zu vorzeitige Entwaffnung, den nur spärlich umgesetzten Friedensprozess und die Rückkehr einer bewaffneten FARC-EP gibt.

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Ein Jahr FARC-EP – Zweites Marquetalia

In der Zeitschrift und dem Webportal Semana gab es am Wochenende einen Artikel über die Szenarien und die aktuelle Situation der FARC-EP, zweites Marquetalia und dem Konflikt mit anderen Organisationen, auch im Kontext des Bruderkrieges gegen die FARC-EP unter Gentil Duarte. Wir haben in den zurückliegenden Wochen bereits mehrmals über den sogenannten Bruderkrieg in der FARC-EP geschrieben, wollen euch aber die wichtigen Auszüge aus dem Artikel von Semana präsentieren, der abschließend einen guten Überblick gibt, auch von den Massenmedien die Informationen immer mit Vorsicht zu genießen sind.

Im letzten Jahr, als am 29. August die Erklärung von Iván Márquez, Jesús Santrich, El Paisa, Romaña und anderen hochrangigen Kommandierenden zur Gründung der FARC-EP, zweites Marquetalia, erfolgte, gab es mehrere Szenarien für den sozialen und bewaffneten Konflikt in Kolumbien. Durch das Gewicht und die Bekanntheit ihrer Kommandierenden gab es die Befürchtung, dass sich große Teile der schon dissidentischen FARC-EP unter Gentil Duarte der FARC-EP, Zweites Marquetalia, anschließen würden. Doch das Szenario einer sich vereinten großen Guerillaorganisation hat sich bisher nicht erfüllt.

Auch ein Zusammenkommen mit dem ELN, der anderen linken Guerillaorganisation, fand bisher nicht statt, wie von einigen vermutet wurde. Andere wiederum, und dies war bisher auch das Wahrscheinlichste, dachten, dass die neue FARC-EP zwar hochrangige und politische Kommandierende haben, aber keine Basis bzw. keine militärischen Strukturen im Hintergrund. Im Vergleich zu den FARC-EP um die 1., 7., 27. und 40. Front im Osten und dem Westlichen Koordinationskommando war die FARC-EP, Zweites Marquetalia, tatsächlich schwach aufgestellt. Doch nun zeigt sich, dass eine Veränderung stattfindet und sich die FARC-EP, Zweites Marquetalia, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch militärisch und territorial konsolidiert und wächst. Auch wenn sie noch nicht der größte Akteur sind.

Schätzungen aus den staatlichen Sicherheitskräften gehen mittlerweile von rund 1000 Personen aus, die der FARC-EP, Zweites Marquetalia, angehören. Rund 3000 gehören zur anderen FARC-EP um Gentil Duarte und dem Westlichen Koordinationskommando. Doch die Präsenz des Zweiten Marquetalia hat sich vom Osten in den Westen erhöht. Nun haben sie Strukturen in den Provinzen Nariño, Cauca, Antioquia, Casanare, Vichada und Arauca. Zu den ersten Strukturen, die sich dem Zweiten Marquetalia angeschlossen haben – neben den bereist bestehenden Strukturen im Osten Nahe der Grenze zu Venezuela, gehörten die 18. Front „Román Ruiz“ in Antioquia (wir berichteten am 27. September 2019 darüber) und auch die 28. Front „José María Córdoba“ aus Casanare und Boyacá wenige Wochen vorher.

Gespräche zwischen Iván Márquez und Gentil Duarte sind bisher nicht erfolgreich gewesen. Zwar wurde Gentil Duarte Platz angeboten, doch schließlich wollte er sich denjenigen nicht unterordnen, die die Ideale der FARC-EP mit dem mittlerweile gescheiterten Friedensprozess verraten hatten. Zudem hatte Gentil Duarte nun in den drei Jahren eine schlagkräftige Armee um sich und wollte seinen Einfluss nicht mit anderen teilen. Dies ist auch der heutige Stand zwischen den beiden „Bruder-Strukturen“ der FARC-EP. Schlimmer noch, in verschiedenen Regionen kämpfen beide gegeneinander um die Macht.

Ein Beispiel dafür zeigt sich derzeit im Cauca im Westen des Landes. Hier gibt es Gerüchte, dass die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Walter Mendoza neue Strukturen aufbaut und es Verhandlungen mit Strukturen der anderen FARC-EP gibt. Auch aus Nariño wird berichtet, dass hochrangige Kommandierende des Zweiten Marquetalia vor Ort sind, um Strukturen aufzubauen. So soll laut staatlichen Sicherheitskräften El Paisa verantwortlich sein, um Teile der ehemaligen Front Óliver Sinisterra, die ehemals stärkste Struktur im Süden, zu sammeln und für ihr revolutionäres Projekt zu gewinnen. Ebenso gibt es Versuche, den Einfluss im Osten zu vergrößern. So gab es Kämpfe in Arauca zwischen Kämpfern der 10. Front, zu gentil Duarte gehörend, und Kämpfern des Zweiten Marquetalia.

Es kann abschließend festgehalten werden, dass ein jahr nach der Erklärung zur Gründung der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zwar noch nicht die größte Guerillaorganisation entstanden ist und es auch keine Vereinigung mit dem Kommando der bereits bestehenden dissidentischen Strukturen der FARC-EP um Gentil Duarte gab, doch sie haben es geschafft, in einem Großteil des Territoriums präsent zu sein und Hunderte von neuen Kämpfern sowie neue Strukturen zu gewinnen. Damit ist das Zweite Marquetalia langfristig zu einer ernsten Gefahr für Gentil Duarte geworden, bei dem sich das Kräfteverhältnis derzeit immer weiter, wenn auch langsam, verschiebt.

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Der Bruderkrieg in der FARC-EP – Teil II

Einige Medien berichten erneut über den Konflikt und „Bruderkrieg“ der FARC-EP im Cauca. Im Mittelpunkt stehen Veröffentlichungen von Fotografien von sehr gut ausgestatteten Guerillakämpfern der Front Carlos Patiño der sogenannten dissidentischen FARC-EP, die zum Westlichen Koordinationskommando gehört. In diesem Koordinationskommando sind diverse Strukturen der FARC-EP unter einem einheitlichen Kommando zusammengefasst. Diese sind den Strukturen der FARC-EP im Osten um die Erste Front Armando Ríos und anderen Fronten wie der 7. oder 27. Front sehr nahe, die unter dem Kommando von Gentil Duarte stehen.

Die nun veröffentlichten Fotos stammen aus dem südlichen Cauca, wo die Front Carlos Patiño operiert. Es sind rund zwanzig Guerilleros mit modernen Gewehren, Stiefeln, neuen Uniformen und gepanzerten Helmen. Die Front konnte in den letzten zwei Jahren mit ihrem Bestehen, genauso wie andere Strukturen der FARC-EP, gegenüber dem ELN Boden gut machen, doch nun zeigt sich ein weiteres Mal der Bruderkrieg zwischen den unterschiedlichen politisch-militärischen Ausrichtungen der FARC-EP. Im Konflikt steht die Front Carlos Patiño mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, um die Kommandanten Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa.

Veröffentlicht wurden die Fotos zuletzt vor zwei Tagen auf der Facebook-Seite der Front Carlos Patiño. Zu sehen sind auch Kommuniqués, wie bereits hier von uns auf Kolumbieninfo vom Westlichen Koordinationskommando übersetzt. In den Kommuniqués distanziert sich die Front von Angriffen gegen soziale Aktivisten in der Gemeinde Argelia, betont aber den Kampf gegen ELN und die FARC-EP, Zweites Marquetalia. Die FARC-EP um Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa trat bisher eher politisch auf und konnte nur wenige Strukturen mit militärischer Schlagkraft für sich gewinnen. Doch nun scheint auch im Cauca Bewegung in die Neuordnung zu kommen.

Seit mehr als zwei Monaten kämpft die Front Carlos Patiño gegen die andere FARC-EP um die territoriale Kontrolle. Anscheinend konnte dabei die FARC-EP, Zweites Marquetalia, Strukturen aufbauen und vor allem ihren Einfluss politisch und militärisch ausbauen. Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass Márquez und Santrich hier im Cauca sind. Gemeint ist wohl eher ihre politisch-militärische Arbeit, denn die Personen selbst. Doch unter der Hand wird berichtet, dass Teile der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos, die eigentlich größte Struktur der FARC-EP und eigentlich zugehörig zum Westlichen Einheitskommando, zu der auch die Front Carlos Patiño gehört, von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, absorbiert wurde.

Doch genaues zu erfahren ist oft schwierig, da sich alle im bewaffneten Konflikt verorteten Akteure, also staatliche Sicherheitskräfte, unterschiedliche FARC-EP-Kräfte, ELN, Paramilitärs und andere Drogenbanden sehr bedeckt halten. Ein Ziel des Paramilitarismus und der stattlichen Sicherheitskräfte ist zum Beispiel das systematische Ermorden von linken Aktivisten, um Panik und Chaos in der Bevölkerung zu schüren und um die politisch-militärische Arbeit der linken Guerilla zu entpolitisieren. Erbittert wird aber um jedes Dorf, jeden Zugang zu Ressourcen von den unterschiedlichen Akteuren gerungen. Leidtragend ist die lokale Bevölkerung in diesem Krieg, in dem die Akteure und Kräfte manchmal im Nebel der westlichen Kordilleren verschwinden. Fakt ist nur, die FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat im Cauca Fuß gefasst und dies könnte ihr ein enorm wichtiges Territorium an Rückzugsraum, politischer Initiative, aber auch an finanziellen Ressourcen ermöglichen.

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Ehemaliger Kommandant der FARC-EP getötet

Am 29. August wurde in den Nachmittagsstunden der ehemalige Kämpfer und Kommandant der FARC-EP Jorge Ivén Ramos in dem Dorf Palmachica in der Gemeinde Santa Rosa im südlichen Teil der Provinz Bolívar getötet. Jorge Ivén Ramos war Mitglied des Nationalrats der Partei FARC, Mitglied des territorialen politischen Rates vom Magdalena Medio und Teil des Programms für die Substitution der illegalen Pflanzen. In der ehemaligen Guerilla FARC-EP war er der Kommandant der 37. Front, die in den Montes de Maria operierte. Hier war er bekannt durch seinen Kampfnamen Mario Morales.

Die Partei FARC forderte die internationale und nationale Gemeinschaft auf, die Sicherheit der Friedensunterzeichner zu gewährleisten. „Es ist unrecht, dass Fälle wie diese weiterhin im gesamten Staatsgebiet mit dem mitschuldigen Eindruck der Regierung geschehen, wir fordern weiterhin die Einhaltung des Abkommens im Friedensabkommen.“ Mit der Ermordung von Jorge Ivén Ramos sind bereits 225 Friedensunterzeichner der ehemaligen Guerilla ermordet worden. Hinzu kommen weitreichende Bedrohungen, Vertreibung und ständige Gewalt, die die ehemaligen Kämpfer in ganz Kolumbien erleiden müssen.

Neben Wilson Saavedra, der als Kämpfer der 21. Front und Kommandant der Kolonne Víctor Saavedra Ramos am 14. Mai 2019 im Valle del Cauca ermordet wurde, sind nun zwei Kommandierende der ehemaligen FARC-EP während des Friedensabkommens getötet worden. Ein Kommuniqué des Wiedereingliederungsortes, der ETCR Juan Carlos Castañeda, berichtet, dass Ramos am 28. August aus dem Dorf, in dem er lebte, wegfuhr, weil er Informationen über Vereinbarungen mit der nationalen Regierung brauchte. Auf dieser Fahrt wurde er in der Nähe des Dorfes Palmachica in der Gemeinde Santa Rosa von bewaffneten Männern der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) festgehalten, gefesselt und anschließend getötet.

Abschließend äußerte der Nationale Rat als hohes Gremium der Partei FARC in einem offenen Brief an die ELN den Schmerz und vor allem die Unverständnis über die Ermordung ihres Genossen von der Guerilla ELN:

„Wir erinnern uns, dass wir seit mehr als 6 Jahren in der Lage sind, unversöhnliche Differenzen mit euch beizulegen, die der Krieg uns auferlegt hat, und wir beschlossen, eine Zukunft gemeinsamer Arbeit zu zeichnen, um demokratische Veränderungen zu erreichen und das heilige Recht auf Frieden in Kolumbien zu verwirklichen. Das begangene Verbrechen wirkt sich nachteilig auf die Festigung des vollständigen Friedens aus. Heute freuen sich die Feinde des Volkes über diese schmerzhaften Ereignisse.

Wir sind davon überzeugt, dass die gesamte Organisation, die Sie vertreten, effektiv reflektieren wird, um zu verstehen, dass der Krieg nicht gegen die Söhne und Töchter des Volkes gerichtet ist, geschweige denn gegen diejenigen, die revolutionäre Prinzipien verkörpern. Die Zukunft unseres Landes kann nichts anderes sein als die der Versöhnung und des Friedens mit der sozialen Gerechtigkeit.“

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Der Bruderkrieg in der FARC-EP

Mehrmals haben wir versucht zu verdeutlichen, warum es innerhalb der ehemaligen aufständischen Bewegung FARC-EP, unterschiedlich agierende und sich auch bekämpfende Strukturen gibt, die nun wieder zu den Waffen gegriffen haben. Klar differenzieren werden muss hier zwischen den beiden Linien der FARC-EP, die unter dem Kommando der Frente Primero Armando Ríos [1. Front Armando Ríos] und auch im Westen unter dem neu entstanden Westliches Koordinationskommando auf der einen Seite sowie der Organisation Zweites Marquetalia auf der anderen Seite entstanden sind.

Erstgenannte haben sich bereits während des Friedensabkommens von der Verhandlungslinie der FARC-EP entfernt und bereits vor dem Friedensschluss verkündet, dass Erbe der FARC-EP als bewaffnete Organisation fortzuführen. Um die 1. Front scharten sich viele andere Personen (Guerillakämpfer und Milizionäre), so dass weitere Fronten entstanden sind. Auch im Westen (Cauca, Nariño) gab es Strukturen, die sich dem Friedensschluss verweigerten und zuerst nebenher agierten. Erst vor einem Jahr ist mit dem Westliches Koordinationskommando ein einheitliches Kommando der verschiedenen Gruppen entstanden, dass gute Kontakte zu den Strukturen der 1. Front im Osten des Landes unterhalten.

Die Organisation Zweites Marquetalia ist von Guerillakämpfern und vor allem ehemaligen hochrangigen Kommandierenden entstanden, die am Friedensprozess beteiligt waren und erst im Zuge der Nichteinhaltung von Seiten der Regierung und dem Erkennen der Farce eines sogenannten Friedensabkommens wieder zu den Waffen gegriffen haben. Hierunter befindet sich neben dem ehemaligen Verhandlungsführer Iván Márquez auch Jesús Santrich, El Paisa oder Romaña, allesamt bekannte Kommandierende. Bisher tritt das Zweite Marquetalia vor allem im politischen Kontext auf und hat nur wenig militärische Schlagkraft.

Im Gegenteil dazu haben erstgenannte Strukturen im Osten wie die Fronten 1, 7 und 40 sowie im Westen unter dem Koordinationskommando eine enorme militärische Schlagkraft aufgebaut, die es ihnen ermöglich, vor allem im Südwesten im Cauca und Nariño, sowie im Osten und Südosten wie in Caquetá, Meta, Guaviare und Putumayo wieder politische und militärische Kontrolle zu übernehmen. Auseinandersetzungen zwischen den bewaffneten Organisationen, wie dem ELN, den Paramilitärs, aber auch der FARC-EP, zweites Marquetalia, bleiben da nicht aus. Leidtragend ist häufig die Zivilbevölkerung inmitten dieser Kämpfe und territorialen Auseinandersetzungen.

Ein am 14. August veröffentlichtes Kommuniqué beschreibt aus Sicht des Westlichen Koordinationskommandos die inhaltlichen politischen Differenzen zwischen den ehemaligen Strukturen aus der FARC-EP. Originale Fragmente des Kommuniqués sind schraffiert:

Aus dem Kommuniqué mit Namen Notwendige Klarheiten:

Es ist offensichtlich, dass diejenigen, denen wir heute gegenüberstehen, mit den Streitkräften gegen unsere Organisation FARC-EP verbündet sind, nicht nur im Bereich der militärischen Konfrontation, sondern auch im Bereich der Propaganda, alle versuchen, dem Prinzip der Nazi-Propaganda treu zu bleiben: „Eine tausendmal wiederholte Lüge wird zur Wahrheit.“ Damit wollen sie unsere Arbeit als revolutionäre Organisation verzerren und uns als Drogenhändler, Paramilitärs, Kriminelle bezeichnen, wobei sie denselben Diskurs der nationalen Regierung, des Militärs und der Polizei verwenden. Wissend, dass die Gemeinschaften, durch die wir uns bewegen und von denen wir uns täglich ernähren, nicht auf ihre Täuschungen hereinfallen, denn unsere Arbeit unterstützt uns.

Um die Wahrheit zu würdigen und mit Respekt und der Ernsthaftigkeit, die die Gemeinschaften verdienen, möchten wir einige Dinge aufklären, die unsere militärischen Aktionen gegen die Gruppe, die sich Segunda Marquetalia [Zweites Marquetalia] nennt, gegen diejenigen, die behaupten, von der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) zu sein und gegen die paramilitärischen Gruppen im kolumbianischer Westen, rechtfertigen:

Zu unserer Konfrontation mit der Organisation Zweites Marquetalia:
Das Zweite Marquetalia ist eine Organisation, die im September letzten Jahres gegründet wurde und von jenen geleitet wurde, die bis zum Ende Förderer und Unterzeichner des „Friedensabkommens“ waren und sich jederzeit der Täuschung bewusst waren: Verstöße gegen die ehemaligen Kämpfer und das kolumbianische Volk und trotzdem haben sie diese Vereinbarung unterschrieben. Wir haben versucht, uns mit ihnen zu vereinen, aber ihr Chef Ivan Márquez gab vor, dass unsere mehr als vierjährige Organisationsarbeit an seine anderen Chefs übergeben werden musste, die nur daran gewöhnt sind, Truppen zu befehligen und die das Scheitern der FARC-EP in ihren Händen hielten. Sie sind Komplizen durch Handlung oder Unterlassung und müssen sich vor dem kolumbianischen Volk verantworten. In der vergangenen Woche haben wir bewaffnete Konfrontationen gegen diese Gruppe abgehalten und werden sie auch weiterhin führen. Wir können nicht offenzulassen, dass sie kommen und Kolumbien sagen, dass sie die FARC-EP sind, als sie genau diejenigen waren, die versucht haben, unsere revolutionäre Organisation zu zerstören.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Iván Márquez klar, dass sie nicht die Militär- und Polizeikräfte konfrontieren wollen, einer populistischen Position, die die Realität leugnet. Wie kann man den Streitkräften nicht konfrontieren, wenn sie diejenigen sind, mit denen die kolumbianische Regierung das Volk unterdrückt und ermordet? Wie kann man so tun, als würde man die Oligarchie angreifen, ohne sich zuerst den Militär- und Polizeikräften zu stellen, die ihr Schutzschild sind? In der jüngsten Erklärung der Organisation Zweites Marquetalia im Cauca heißt es: „Die einzig gültige Auferlegung wird immer auf der Finanzierung der Rebellion beruhen … was für die multinationalen Unternehmen gilt, die unseren Reichtum plündern.“ Wir können nicht mit einer Organisation gemein sein, die ein Komplize bei der Zerstörung der Umwelt und gemeinsamer Güter wie Wasser und Wälder wird und alle Widerstandsaktionen des kolumbianischen Volkes gegen multinationale Unternehmen ignoriert. Wir können einer Organisation nicht zustimmen, die behauptet, farianisch [die farianische Kultur ist die Guerilla-Kultur] zu sein und unserer Bolivarischen Plattform widerspricht. Wir stehen gegen das Zweite Marquetalia, das öffentlich erklärt, dass sie sich den Streitkräften nicht stellen und Vereinbarungen mit multinationalen Unternehmen treffen werden.

Es folgen klarstellende Äußerungen zum ELN und zu den paramilitärischen Gruppen. Zum Ende wird noch einmal ein Rundumschlag präsentiert:

Wir, die FARC-EP, die im Comando Coordinador de Occidente [Westliches Koordinationskommando] umfasst sind und dem kolumbianischen Staat niemals Waffen übergeben haben und noch weniger Teil der Farce des Friedensabkommens waren, möchten klarstellen, dass wir weiter kämpfen, das es normal ist, dass sie schlecht von uns reden, der kolumbianische Staat hat es immer getan und jetzt verbünden sich diese Gruppen, aber die Gemeinschaften wussten immer, wer wir sind und wie wir handeln, wir haben keine Angst vor dem Propagandakrieg. Wir bitten um Ruhe, lassen uns nicht von Gruppen einschüchtern, die nicht in Gebieten anwesend sind, wie das ELN in Algeria und El Tambo. Stoppt nicht eure wirtschaftlichen Aktivitäten, die es euch ermöglichen, eure Familien mit Essen zu versorgen. Ihr könnt normal weiterarbeiten. Wir sind auf eurer Seite und werden zusammen mit euch das neue Heimatland aufbauen wo all die Sorgen, die Bauern, Indigene und Schwarze leben, verschwinden.

Volk und Würde, Manuel Marulanda lebt, der Kampf geht weiter!

Comando Coordinador de Occidente
Columna Móvil Jaime Martínez
Columna Móvil Dagoberto Ramos
Columna Móvil Franco Benavides
Columna Móvil Urías Rondón
Frente 30 Rafael Aguilera
Frente Carlos Patiño
Frente Ismael Ruíz
Compañia Adan Izquierdo
Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee FARC-EP

Originalkommuniqué in Spanisch (PDF-Dokument)

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