Guerilla verschenkt Blumen

Eine Aktion der 33. Front der FARC-EP hat es wieder einmal in die kolumbianischen Medien geschafft, über die wir ebenso kurz berichten werden. Nicht, dass es etwas besonders wäre, wenn Guerilleros in Interkation mit der lokalen Bevölkerung treten, aber für die kolumbianischen Massenmedien ist dies anscheinend mal wieder eine Meldung wert. Dabei zeigt sich die Guerilla in den Regionen häufig bei bestimmten Jahrestagen und Anlässen, verschenkt vor allem Propagandamaterial sowie andere Kleinigkeiten und klärt über ihre politischen Ziele auf.

In diesem Fall ist vielleicht besonders, dass die 33. Front der FARC-EP unter dem Kommando von alias Jhon Mechas die Aktion in der Gemeindehauptstadt Tibú in der Region Catatumbo in der Provinz Norte de Santander durchgeführt hat, also inmitten eines Stadtgebietes. Bereits vor einigen Monaten sorgten Bilder und Videos für Aufsehen, als Guerilleros im Stadtgebiet und auch vor dem Rathaus von Tibú Propagandaaktionen durchführten. Nun begrüßten sie Jugendliche und Frauen und verschenkten im Rahmen des in Kolumbien zelebrierten Tages der Liebe und Freundschaft Blumen an sie.

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Kommuniqué: Waffenstillstand der FARC-EP

Im Laufe des heutigen Tages wurde der Öffentlichkeit ein Kommuniqué der FARC-EP bekannt, in dem der Oberkommandierende Iván Mordisco einen Waffenstilstand an seine Einheiten befiehlt. Das Kommuniqué, welches vom 22. September datiert und am heutigen 23. September auf dem Propagandakanal der FARC-EP hochgeladen wurde, dauert nur dreieinhalb Minuten, ist aber politisch-militärisch von großer Bedeutung. Zum einen wird darin klar, dass Iván Mordisco als Oberkommandierender tatsächlich lebt und nicht bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Zum anderen wird nun klar, was sich andeutete, dass die Strukturen der FARC-EP um Iván Mordisco, die vor allem im Osten und im Westen sehr stark sind, ihre Angriffe auf die staatlichen Sicherheitskräfte einstellen.

„Die FARC-EP bekräftigt unsere Verpflichtung, mit der nationalen Regierung in ihrer Sondierungsphase offene Dialoge zu führen, um Lösungen für den sozialen und bewaffneten Konflikt zu finden, unter dem unser Land seit Jahrzehnten leidet“, sagt der Oberkommandierende. „Allen Guerillaeinheiten der FARC-EP wurde befohlen, Konfrontationen mit den staatlichen Sicherheitskräften so weit wie möglich zu vermeiden, solange wir nicht angegriffen werden, um ein günstiges Klima zu schaffen und bilaterale Waffenstillstandsvereinbarungen mit der nationalen Regierung einzuleiten, um die von der nationalen Regierung skizzierte soziale, politische und wirtschaftliche Agenda umzusetzen. Wir erwarten Gegenseitigkeit von der Regierung und den Sicherheitskräften“, fügte alias Iván Mordisco hinzu.

Damit wird klar, was wir bereits gestern angedeutet hatten. Die FARC-EP beginnt ihrerseits mit der humanitären Geste und beschließt erstmals einen Waffenstillstand, der wohl demnächst auch auf die staatlichen Sicherheitskräfte ausgeweitet wird. Das Kommuniqué macht es jedoch deutlich, wie schon in den Jahrzehnten davor, handelt es sich zuerst um das Vermeiden von offensiven Aktionen gegen den Gegner bzw. die staatlichen Sicherheitskräfte, also Militär und Polizei. Ein Waffenstillstand ist strategisch für die FARC-EP von enormer Wichtigkeit, da sie dadurch ihre interne Kommunikation ausweiten kann, was vor allem der Kontakt zu den verschiedenen im Landesgebiet zerstreuten Einheiten der Guerilla bedeutet. Nur so kann ein gemeinsamer Weg zu Friedensgesprächen geführt werden. Zudem können strategische politisch-militärische Aufgaben wie politische Arbeit und Ausbildung der Kader ohne Angst vor Militäraktionen durchgeführt werden.

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Steht Kolumbien vor einem Waffenstillstand?

Die letzten Sondierungsgespräche zwischen Guerilla und Vertretern der kolumbianischen Regierung, aber vor allem die diversen Kommuniqués der Fronten und Strukturen der FARC-EP in den zurückliegenden Wochen versprechen nicht nur die Verhandlungsbereitschaft für neue Friedensgespräche, sondern auch einen Waffenstillstand im Land. Dies wäre der erste Schritt zu den Friedensgesprächen, so zeigt es die Geschichte und vor allem die Mitteilungen aus Guerilla und auch Regierung. Tatsächlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit als Geste des Friedenswillens von Seiten der Guerilla zu einem Waffenstillstand kommt, dem sich sicherlich auch die staatlichen Sicherheitskräfte anschließen werden.

Während die Strukturen im Osten um die 1. und 7. Front bereits frühzeitig nach der Präsidentschaftswahl ihren Willen zum Frieden bekundeten und Iván Mordisco als Oberkommandierenden für die Friedensgespräche beauftragten, übermittelten in den zurückliegenden Wochen auch die ihr alliierten Strukturen des Westlichen Koordinationskommandos sowie die Fronten im Norden, wie zum Beispiel die 36. Front in Antioquia, ihre Verhandlungsbereitschaft zum Frieden. Einhergehend wird auf einen bilateralen Waffenstillstand hingewiesen, der von beiden Seiten durchgeführt werden solle. Die Erfahrung zeigt, dass dies tatsächlich einer der Hauptgesten für Friedensgespräche ist.

Bemerkenswert ist, wie breitflächig sich die Strukturen der FARC-EP zu den Friedensgesprächen und einem potentiellen Waffenstillstand äußern. Dies signalisiert eine gute Organisationsstruktur und Kommunikation untereinander und hebt die These auf, dass viele Strukturen der FARC-EP ein Eigenleben entwickelt haben und es keine zentralen Befehlsstrukturen gibt. Im Gegenteil, sowohl im Westen als auch im Osten des Landes wurde zuletzt deutlich, dass es eine gewisse Organisationsstruktur geben muss, wenn auch nicht so wie zu Zeiten der „alten“ FARC-EP vor 2016. Besonders das Westliche Koordinationskommando gab regelmäßig Kommuniqués zu politisch-militärischen Themen heraus und sorgte teilweise für gemeinsame militärische Aktionen.

Doch auch im Norden, wo die Guerilla bei weitem nicht so stark verankert ist, scheint sich zumindest unter der aufständischen Bewegung der Frieden anzudeuten. Die 36. Front der FARC-EP gab unlängst ihre Annahme des von Präsident Gustavo Petro während seines Besuchs in Ituango, Antioquia, vorgeschlagenen multilateralen Waffenstillstands bekannt. „Wir begrüßen den Aufruf zu einem multilateralen Waffenstillstand als humanitäre Geste, und ohne selbst der Frieden zu sein, wie der Präsident sagte, wird er der Situation des wahllosen Krieges, den die Provinz erlebt, enorme Vorteile bringen“, stellte die 36. Front in ihrem Kommuniqué klar. Ein wichtiger Aspekt wird jedoch auch deutlich, um Frieden zu erreichen; die anderen (paramilitärischen) Akteure.

Sie fügen hinzu, dass sie enorme Differenzen „mit den Paramilitärs und den immer noch mit ihnen verbündeten Streitkräften haben, dass ihre Bereinigung ein wichtiger Faktor für die Gewährleistung des totalen Friedens sein wird. Aber trotzdem sind wir bereit, uns unter Vermittlung der Kirche, der Regierung und lokaler und nationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen und der internationalen Gemeinschaft an einen Tisch zu setzen, um mit dem Aufbau multilateraler Waffenstillstandsabkommen zu beginnen.“ Tatsächlich wird ein Waffenstillstand von diesen Faktoren abhängen. Wie reagieren die staatlichen Sicherheitskräfte und wie reagieren Paramilitärs besonders in einer Region wie Antioquia, die von paramilitärischen Strukturen beherrscht wird.

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Sondierungstreffen zwischen FARC-EP und Regierung

Am Wochenende fand zwischen den Gemeinden San Vicente del Caguán und Puerto Rico in der Provinz Caquetá ein Treffen zwischen Mitgliedern der FARC-EP und einer Regierungsdelegation unter der Leitung des Hochkommissars für den Frieden, Danilo Rueda, statt. Neben vier Vertretern der Guerilla, die die östlichen Einheiten rund um die 1. und 7. Front, aber zugleich auch Strukturen im ganzen Land wie das Westliche Koordinationskommando repräsentieren, nahmen an dem Treffen auch der stellvertretender Leiter der Verifikationsmission der Vereinten Nationen in Kolumbien teil. Ziel ist es, einen totalen Frieden mit den bewaffneten Organisationen im Land zu erreichen. Dies hatte der neue Präsident Petro als Ziel für Kolumbien ausgerufen.

Das Sondierungstreffen zielte darauf ab, einen Verhandlungstisch auszuloten. Laut einer nach dem Treffen veröffentlichten gemeinsamen Erklärung einigten sich beide Parteien darauf, dass sie Verhandlungen führen wollen und dass zu diesem Zweck ein bilateraler Waffenstillstand erforderlich ist. Laut der Mitteilung erklärte der Friedenskommissar, was die Regierung unter totalem Frieden versteht und mit welchen Kriterien sie ihn zu verwirklichen sucht. Bei dem Treffen wurden einige Vereinbarungen getroffen, darunter die Unterzeichnung eines Vertraulichkeitsprotokolls für ein Treffen mit den Kommandanten. Die Sicherheit der Guerilla, auch in der Kommunikation mit ihren Strukturen, ist ein wichtiger Aspekt in den Gesprächen.

Die sogenannten dissidentischen Strukturen der FARC-EP hatten sich bereits frühzeitig aus dem Friedensabkommen von 2016 zurückgezogen und die Guerilla zuerst in Caquetá, Guaviare und Meta neustrukturiert. Sie sahen in dem Friedensabkommen zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung keine politischen Vorteile, sondern eher die Unterwerfung und Waffenabgabe, denn eine Gerechtigkeit und Partizipation mit dem Staat. Unter den Kommandierenden, die am Treffen teilgenommen hatten, waren unter anderem alias Calarcá, Kommandant der Front Jorge Briceño, alias ​​Hermes Boyaco als Kommandierender der Front Urías Rondón, alias Alonso 45, Kommandierender der Front Carolina Ramírez und alias Érika, eine weitere Kommandierende.

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Hochkommissar bekräftigt Friedenswille der FARC-EP, Zweites Marquetalia

In einer gestrigen Interview hat der von der Regierung Petro eingesetzte Hochkommissar für den Frieden, Danilo Rueda, den Friedenswillen und Kontakte mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, bekräftigt. So soll Iván Márquez noch leben und es gibt derzeit eine Annäherung der Regierung mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, dessen Oberkommandierender Márquez ist. „Wir können bestätigen, dass er einer von denen ist, die die Botschaften gesendet haben, und dass es eine Gruppe von ihnen gibt, die sich direkt den Vorgesprächen nähern, um die Möglichkeiten eines Dialogs zum Frieden zu erkunden“, sagte er.

Um Iván Márquez und auch das Zweite Marquetalia ist es sehr still geworden. Während sie vorher vor allem durch politische Kommuniqués über ihre Kanäle aufgefallen sind und eine gute Öffentlichkeitsarbeit, war zuletzt kaum noch etwas zu vernehmen, was schon Gerüchte streute, dass die Struktur mit der Erkrankung von Márquez und dem Tod verschiedener Kommandierender nicht mehr richtig handlungsfähig sei. Nun erklärte der Hochkommissar für den Frieden, dass Márquez zwischen „krank“ und „genesend“ sei und dass er nicht direkt mit ihm gesprochen habe, sondern mit Menschen aus seinem engsten Kreis.

Mit der Gründung war die FARC-EP, Zweites Marquetalia, vor allem durch die politische Arbeit aufgefallen, die sie über Webseite, andere Medienkanäle und Kommuniqués in den sozialen Netzwerken durchführte. Militärisch versuchte sie im Land neue Strukturen aufzubauen, scheiterte aber in einigen Regionen an der FARC-EP im Osten und Westen, die unter Iván Mordisco (zuvor Gentil Duarte) eine bessere Verankerung vorweisen konnten. Auch diese Strukturen um die 1. und 7. Front im Osten und dem Westlichen Koordinationskommando haben ihre Bereitschaft für Gespräche zu einem kompletten Frieden erklärt.

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Westliches Koordinationskommando für Frieden

Trotz der anhaltenden Kämpfe im Westen Kolumbiens und starken territorialen Disputen bekräftigen verschiedene Strukturen der FARC-EP, die im Westlichen Koordinationskommando vereint sind, ihre Bereitschaft zum Frieden. Seit Ende August und angefangen mit der Mobilen Kolonne Mobile Kolonne Jaime Martínez vom 25. August, veröffentlichten die Kommandierenden der Front Carlos Patiño, der Front Franco Benavides, der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos, der Kompanie Adan Izquierdo, der Front Rafael Aguilera sowie zuletzt am 8. September der Mobilen Kolonne Urias Rondón ihr Bekenntnis zu Friedensgesprächen. Dies geschah in Videobotschaften, die auf dem Propagandakanal des Westlichen Koordinationskommandos veröffentlicht wurden. Damit werden die Hoffnungen der Bevölkerung im Südwesten weiter genährt, dass sich in der konfliktreichen Region unter dem Präsident Petro wieder ruhige Zeiten durchsetzen werden.

Erstaunlich ist dabei vor allem die Professionalität der Kommuniqués und durch die Vielzahl der Beteiligung der wichtigsten Strukturen der FARC-EP im Südwesten die Hierarchie bzw. die politisch-militärische Organisation des Westlichen Koordinationskommandos, die seit dem Tod von Jhonier im Januar dieses Jahr und dem Tod von Mayimbú im Juni in kürzester Zeit ihre Oberkommandierenden ersetzen musste. Dies zeugt zumindest nach außen von einem hohen Grad an Vernetzung und Zusammenarbeit und widerspricht einigen Aussagen der staatlichen Sicherheitskräfte, dass die Strukturen teilweise untereinander zerstritten sind und eher kriminelle Strukturen als eine revolutionäre Organisation sind. Dieses Aberkennen von revolutionären Zielen und die Stigmatisierung als Drogenbanden sind seit zwei Jahrzehnten eine kommunikative Strategie der Regierungen, um die aufständische Bewegung zu diskreditieren.

Es ist auffällig, dass seit dem Bestehen des Westlichen Koordinationskommandos der FARC-EP, welches in Einheit mit den Strukturen im Osten um Iván Mordisco steht, eine gewisse territoriale Herrschaft der Guerilla in verschiedenen Gebieten entstanden ist und entgegen den ersten Mitteilungen, dass es sich um lose und eher kriminelle Gruppen handelt, eine politisch-militärische Organisation aufgebaut worden ist, die auch den staatlichen Sicherheitskräften und paramilitärischen Strukturen empfindliche Schläge versetzen kann. Zudem ist auffällig, dass Befehlsgewalt und organisatorisches Auftreten auf einem hohen Niveau sind. Dies beinhaltet das Auftreten nach innen, sowie auch das Auftreten nach außen. Während von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, seit einiger Zeit gar nichts mehr zu hören ist, und die Strukturen im Osten unter der 1. und 7. Front eher nach innen agieren, sind vom Westlichen Koordinationskommando regelmäßig Kommuniqués über politisch-militärische Thematiken zu finden.

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Schwerer Angriff der FARC-EP auf Polizeipatrouille

Ein Angriff auf eine Polizeipatrouille im Westen der Provinz Huila hat sieben Polizisten das Leben gekostet. Nach einem Sprengstoffangriff und einem anschließenden Feuerüberfall überlebte nur ein Polizist den Angriff in der Nähe des Dorfes San Luis am vergangenen Freitag. Bisher gibt es zwar noch keine offizielle Bestätigung über die Angreifer, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich hierbei um eine Gruppe aus der Struktur des Westlichen Koordinationskommandos der FARC-EP handelt. In der Gegend operieren zwei Strukturen, die Front Ismael Ruíz und die Mobile Kolonne Dagoberto Ramos.

Die schwere des Angriffs überraschte dabei die Regierung. Sofort eilten Regierungsmitglieder nach Huila und Präsenz zu zeigen. Petro veranlasste als Reaktion auf den Tod von jungen Polizisten, dass Hilfspolizeikräfte ohne Erfahrung nicht mehr in Konfliktregionen eingesetzt werden sollen. Während die Front Ismael Ruíz hauptsächlich in Tolima agiert, ist die Mobile Kolonne Dagoberto Ramos im Cauca angestammt. Beide dehnen jedoch ihre Aktivitäten auch in die Provinz Huila aus. Das Westliche Koordinationskommando gehört derzeit zu den aktivsten Strukturen der FARC-EP und sind mit den Strukturen im Osten unter Iván Mordisco alliiert.

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Schwere Kämpfe zwischen FARC-Strukturen in Nariño

In der Region Magüí Payán in der Provinz Nariño gibt es derzeit schwere Kämpfe zwischen vermutlich zwei Strukturen der FARC-EP. Dabei soll es zu vielen Toten gekommen sein. Die Sicherheitslage ist angespannt, weshalb Informationen nur stückweise nach außen dringen. Unter den Toten sollen vor allem Mitglieder der sich bekämpfenden Strukturen sein. Die lokale Bevölkerung versuchte sich zu schützen, indem sie in ihren Häusern blieb.

Die Kämpfe sollen sich demnach zwischen der Front „Oliver Sinisterra“ und der ehemals 30. Front der FARC-EP, die nun unter dem Namen Mobile Kolonne „Franco Benavides“ firmiert und die dem Westlichen Koordinationskommando zugeordnet ist. Der Front Oliver Sinisterra wird seit dem Tod von alias Guacho keine große politisch-militärische Bedeutung zugemessen. Sie agiert eher als eine lokale kriminelle Struktur.

Die mobile Kolonne Franco Benavides operiert in den Bergen und einigen Teilen des Pazifiks. Die Situation ist der Provinz ist komplex, es gibt unzählige bewaffnete Akteure, darunter ELN, die FARC-EP vom Zweiten Maquetalia und auch paramilitärische Kräfte. Starke Kämpfe gab es in der zurückliegenden Zeit vor allem gegen das Zweite Marquetalia, die häufig mit der ELN kooperieren.

Laut der lokalen Bevölkerung waren unzählige Leichen zu sehen. Es soll auch Verletzte unter der Zivilbevölkerung gegeben haben. Auch aus dem Osten der Provinz, rund um die Region Ipiales, soll es Kämpfe und ein Massaker gegeben haben. Hier sind die Umstände unklar. Es gab aber Aktivitäten von der Front Carolina Ramírez und den verfeindeten Grenzkommandos.

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Ist Iván Mordisco am Leben?

Ein vor wenigen Tagen verbreitetes Kommuniqué der Mobilen Kolonne „Jaime Martínez“, die dem Westlichen Koordinationskommando der FARC-EP untersteht, sorgt nicht wegen der Bereitschaft zum Friedensdialog für Aufmerksamkeit, sondern wegen der Aussage, dass sie sich weiterhin Iván Lozada, alias „Iván Mordisco“, als Oberkommandierenden unterordnen und ihn bevollmächtigen, die Friedensgespräche zu führen. Immer wieder gab es Gerüchte, dass die Aktion der staatlichen Sicherheitskräfte zur Liquidierung des Kommandanten der FARC-EP am 8. Juli dieses Jahr nicht gelungen sei. Kurze Zeit später tauchte eine Videobotschaft von Iván Mordisco auf, in der er seine Dialogbereitschaft zum Frieden mit dem neuen Präsidenten Petro ankündigte. Es wurde damals spekuliert, dass das Videokommuniqué vorher aufgenommen wurde.

In dem Kommuniqué heißt es: „Die mobile Kolonne Jaime Martínez des Westlichen Koordinationskommandos der FARC drückt unsere Unterordnung unter den zentralen Generalstab unter dem Kommando des Genossen Iván Lozada aus, der bereits vor einem möglichen Beginn von Dialogen mit der nationalen Regierung ein bevollmächtigtes Mitglied ist, ein klares Zeichen der Bereitschaft, die strukturellen Probleme des Landes mit politischen Mitteln zu lösen, ein Weg, den wir nie aufgegeben haben.“ Iván Mordisco ersetzte Gentil Duarte als Oberkommandierenden der Strukturen der FARC-EP, die um die 1. und 7. Front im Osten, aber auch mit dem Westlichen Koordinationskommando im Südwesten oder der Front Carolina Ramírez im Süden vereint sind. Es scheint also, als wäre Iván Mordisco weiter am Leben und Kommandierender der FARC-EP.

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Caquetá ist Schauplatz von Auseinandersetzungen

Die südkolumbianische Provinz Caquetá und ihre umliegenden Regionen des Amazonas sind seit Jahrzehnten ein Rückzugsort der Guerilla FARC-EP in der sie ihre politisch-militärische Hoheit auslebt und eigene staatliche Strukturen mit den lokalen Gemeinschaften entwickelt hat. Strategisch wichtig für die Guerilla ist das Gebiet durch die militärisch schwer zu kontrollierenden geografischen Bedingungen, sodass die staatlichen Sicherheitskräfte häufig nur die kleinen urbanen Zentren kontrollieren und gegebenenfalls durch permanente Militäraktionen Stiche gegen die Guerilla durchführen. Die Guerilla ihrerseits kontrolliert größere Gebiete und zieht sich bei Militäraktionen zurück, übt aber insgeheim die politische, soziale und wirtschaftliche Kontrolle aus. Koka ist einer der wichtigen Bausteine im Machtkampf.

Insbesondere die Provinz Caquetá wurde durch den militärischen Artemisa-Plan getroffen, der darauf abzielt, die Umwelt zu schützen und Abholzung durch Neusiedlungen zu unterbinden. Kokapflanzungen sollen zerstört werden und somit der Guerilla der finanzielle Nährboden entzogen werden. Dabei wird jedoch auch die lokale Bevölkerung getroffen. Die Bauern haben durch die Nichtanwesenheit des Staates kaum andere Möglichkeiten zu überleben, als Koka anzubauen. Der Vernichtung der Koka-Pflanzungen und damit der Lebensgrundlage der Bevölkerung wird keine Alternative entgegengestellt. Die Folge der Militäroperationen ist die Stigmatisierung der Bevölkerung, unrechtsmäßige Verhaftungen und Schäden an privatem und gemeinschaftlichem Eigentum. Dies sorgt für großen Unmut und häufig für eine gewisse Sympathie mit der Guerilla.

Früher schützte die Guerilla die Wälder und die Umwelt mit ihren eigenen Regeln. Derzeit ist die Situation etwas konfuser, denn unterschiedliche bewaffnete Akteure und vor allem private Interessen mit kleinen kriminellen Gruppen sorgen dafür, dass es tatsächlich Probleme im Umweltschutz gibt. Mit dem Friedensprozess der alten FARC-EP und ihrer Waffenniederlegung ist ein großer Akteur für Ordnung und Sicherheit von der Bildfläche verschwunden. Auch wenn sich neue Strukturen der FARC-EP etablieren, so sind deren politische Ausrichtung und Strahlkraft wesentlich geringer als in der Zeit vor dem Friedensabkommen. Hinzu kommen neue Auseinandersetzungen um territoriale Kontrolle, die vor allem durch miteinander in Konkurrenz stehende Fraktionen der FARC-EP ausgeführt werden.

So ist seit geraumer Zeit zu erkennen, dass eine bemerkenswerte Zunahme gewalttätiger Konfrontationen und Ereignisse und damit einhergehend eine Verschlechterung der Sicherheitssituation in Caquetá gibt. Seit mehreren Wochen prangern soziale selektive Morde und Tötungen von Gemeindevorstehern, sowie Drohungen und Verschwindenlassen von Personen in den Gemeinden San José del Fragua, Solano, San Vicente del Caguán und Cartagena del Chairá an. Auch in El Paujil, Puerto Rico und La Montañita gibt es auffällige Auseinandersetzungen, was teilweise zu Vertreibung und Angst in den Gemeinden geführt hat. Es fällt auf und wird in den Kommuniqués der sozialen Organisationen deutlich, dass man häufig nicht weiß, welcher bewaffnete Akteur gerade tätig wird.

So gibt es eine Zunahme an vermeintlichen Aktivitäten von Mitgliedern der Kolonne Alfonso Cano, die dem Spektrum der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zugehörig ist. Besonders auffällig ist jedoch, dass Mitglieder der Grenzkommandos (Comandos de Frontera) aktiv sind und von Putumayo im Süden nach oben in die Provinz Caquetá drängen. Seit dem letzten Jahr versuchen sie ihren Einfluss von Putumayo aus über den Caquetá-Fluss auch in San José del Fragua, Solita und Curillo auszubauen und scheuen offensichtlich nicht die Auseinandersetzung mit den Strukturen der FARC-EP um die 1., 7. und 62. Front, die hier ursprünglich in ihrer territorialen Kontrolle angestammt sind. Zuletzt gab es vor allem Auseinandersetzungen zwischen den Grenzkommandos und der 62. Front „Miller Perdomo“.

Interessant ist der Aspekt, dass sich die Grenzkommandos eigentlich als regionale Selbstverteidigungsstruktur gegen andere bewaffnete Akteure in Putumayo an der Grenze zu Ecuador gegründet hatten. In ihrer Formulierung gab es keinen Anspruch auf Expansion. Einzig die Verbundenheit mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, sorgte für Aufsehen. Hier stand sie in schweren Auseinandersetzungen mit der Front „Carolina Ramírez“ der FARC-EP, die wiederum mit der 1. und 7. Front alliiert ist. Nun folgt also eine Expansion nach Norden und damit neue Auseinandersetzungen und Kämpfe, wo vor allem die Zivilbevölkerung die Leidtragenden sind. Nur die Etablierung eines Akteurs würde der Bevölkerung halbwegs Sicherheit verschaffen, abgesehen von den Operationen der staatlichen Sicherheitskräfte.

Artikel zu den Grenzkommandos

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Intensive Kämpfe in Cauca

Die Kämpfe in der westkolumbianischen Provinz Cauca haben in den letzten Wochen an Intensität zugenommen. Zum einen gibt es Kämpfe zwischen aufständischen Bewegungen um die territoriale Hoheit. Zu nennen sind hier die Kämpfe zwischen der FARC-EP mit ihren verschiedenen Strukturen auf der einen Seite und die ELN in Kooperation mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, auf der anderen Seite. Zudem gibt es immer wieder Kämpfe mit den staatlichen Sicherheitskräften und auch paramilitärischen Strukturen. Oftmals ist es für die Bevölkerung nicht eindeutig, mit welchen bewaffneten Akteuren sie es zu tun haben.

Aktuell werden zum Beispiel Kämpfe aus der Gemeinde Caldono gemeldet, wo die FARC-EP mit der mobilen Kolonne Dagoberto Ramos in Auseinandersetzungen mit dem ELN steht. Die Kämpfe hier finden seit letzter Woche statt. Auch in den Gemeinden Bolívar und Sucre im Süden der Provinz gibt es schwere Kämpfe seit mehr als zwei Wochen. Hier kämpfen die FARC-EP mit der Front Carlos Patiño gegen die ELN. Hunderte Personen wurden bisher aufgrund der Kämpfe vertrieben und mussten woanders Schutz suchen. Auseinandersetzungen werden auch aus Santander de Quilichao und Buenos Aires sowie im Westen gemeldet.

Der Konflikt schwelt jedoch seit Jahren, vor allem mit dem Heraustreten von neuen Strukturen der FARC-EP, die sich im Westlichen Koordinationskommando zusammengeschlossen haben. Das Westliche Koordinationskommando ist neben Cauca auch noch in Valle del Cauca, Nariño, Tolima und Huila aktiv. In ihm sind rund 12 Strukturen zusammengefasst, die weite Teile des Landes kontrollieren. Alliiert sind sie mit den Strukturen im Osten des Landes um die 1. und 7. Front. Neben der ELN drang auch die FARC-EP, Zweites Marquetalia, nach ihrem Entstehen in die Gebiete des Cauca vor. Zuletzt hatte das Zweite Marquetalia nur noch durch die Kooperation mit der ELN eine kleinere Kampfkraft.

Zuletzt verlor die FARC-EP, Zweites Marquetalia, an Stärke, was auf die hohe Anzahl an getöteten Kommandierenden und einen Verlust der Deutungshoheit in den Territorien begründet ist. Zudem ist sie mit ihren Strukturen nur durch die Kooperation mit der ELN handlungsfähig. Während es auch bei der FARC-EP um das Westliche Koordinationskommando zu Festnahmen sowie getöteten Kommandierenden und Guerillakämpfern kommt, so ist der Verlust aufgrund der geringen Organisationsstruktur beim Zweiten Marquetalia wesentlich höher. Zuletzt wurden drei Personen in Tolima festgenommen und acht Guerillakämpfer ergaben sich in Cali freiwillig dem Militär.

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Staatliche Sabotageakte gegen das Friedenabkommen

Ein Bericht der kolumbianischen Wahrheitskommission zeigt, dass die Festnahme von Jesús Santrich eine verdeckte Operation der Anti-Drogen-Behörde mit Unterstützung des Staatsanwaltes Néstor Humberto Martínez war, um Iván Márquez zum Wiedereintritt in die Guerilla zu bewegen. Dies besagt der Bericht und bestätigt damit die Vermutungen, die viele linke Kreise hegten. Viele Nadelstiche, wie das Ermorden von ehemaligen Guerillakämpfern im Wiedereingliederungsprozess, die permanente Stigmatisierung von ehemaligen Guerillakämpfern oder das Torpedieren von Wiedereingliederungsprojekten waren bisher bekannt als eine Form der Sabotage. Doch nun wird zumindest auch offiziell bekannt, wie rechte Kreise um den genannten Staatsanwalt in Kooperation mit den staatlichen Sicherheitskräften oder der Anti-Drogen-Behörde (DEA) dafür sorgten, Unruhe zu stiften und das Friedensabkommen zu sabotieren.

In dem 56-seitigen Bericht mit dem Titel „Die Hindernisse für die Kontinuität des Friedensprozesses in Kolumbien“ wird sich unter anderem der wahrscheinlich größten Operation gewidmet, der Gefangennahme von Jesús Santrich und der daraus entstandenen Bildung einer neuen Struktur der FARC-EP mit dem Namen Zweites Marquetalia unter dem ehemaligen Verhandlungsführer Iván Márquez. Die Kommission konnte die Rolle von Marlon Marín, dem Neffen des ehemaligen Verhandlungsführers mit der Absicht herausstellen, seinen Onkel oder, falls dies nicht gelingt, Jesús Santrich dazu zu bringen, sich an einem illegalen Geschäft zu beteiligen, das den Friedensprozess delegitimieren sollte. Ebenso macht das Dokument deutlich, dass die DEA die Operation entworfen hat, die von Marín und einem Oberst der Armee im Ruhestand durchgeführt wurde.

Der Bericht besteht aus drei Abschnitten: Der erste konzentriert sich auf die Auswirkungen der Festnahme des ehemaligen Unterhändlers der FARC-EP, Jesús Santrich. Der zweite Teil zeigt, wie diese Operation geplant und durchgeführt wurde, sowie die Rolle, die Marlon Marín und ein pensionierter Armeeoffizier gespielt haben. Und der dritte Abschnitt befasst sich mit der juristischen Debatte, die zur Gefangennahme des Guerillakommandanten führte, was die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden in eine der schwierigsten Situationen brachte, mit denen sie seit ihrer Gründung konfrontiert war. Der Bericht legt auch die Abschriften der abgefangenen Anrufe offen und stellt klar, dass der Staatsanwalt Néstor Humberto Martínez die Ermittlungsbehörde in den Dienst dieser Operation gestellt hat, bis hin zur Genehmigung der Verwendung von beschlagnahmtem Kokain.

Für die Wahrheitskommission war es wichtig, die politischen Beweggründe für die Festnahme Santrichs durch die Staatsanwaltschaft zu klären. Dem Bericht zufolge löste die Gefangennahme einen neuen Kreislauf der Gewalt aus und gefährdete die Umsetzung des Friedensabkommens. Gleichzeitig drängte er Hunderte von ehemaligen Guerilleros aufgrund der dieser und anderer Sabotageakte zur Rückkehr zu den Waffen. Dadurch sollte der Öffentlichkeit die Botschaft vorgegaukelt werden, dass das Friedensabkommen gescheitert sei. Hiermit wird also deutlich, dass die Beweggründe für die Wiederaufnahme der Waffen von Strukturen der FARC-EP zwar real, aber auch durch staatliche rechte Kreise beeinflusst wurde. Dem Glauben von Santrich und Márquez wurde damals jedoch kein Glauben geschenkt, genauso wie den Gründen, warum der bewaffnete Kampf legitimiert ist.

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