Die Operation Artemisa

Nachfolgend dokumentieren wir ein Kommuniqué der FARC-EP – Zweites Marquetalia, geschrieben duch den Kommandierenden Aldinever Morantes, zur militärischen Operation der Streitkräfte gegen Bauern, was Kolumbieninfo bereits am 28. Februar thematisierte.

Mit dem durchschlagenden Namen „Operation Artemisa“ hat der Staat einen abscheulichen Plan ins Leben gerufen, um arme Bauern, die seit Jahren im Grenzgebiet der Departements Caquetá, Meta und Guaviare leben und arbeiten, das Land und Vieh gewaltsam zu stehlen. Der Vorwand, Nationalparks zu schützen und zu verteidigen, ist nichts anderes als ein Feigenblatt, das den zynischen Zweck dient, eine Handvoll gieriger Landbesitzer sowie Öl- und Tourismusunternehmer zu bevorzugen.

Artemisa ist eine offensichtliche Terroroperation des Staates. Mit Bombardierungen und Maschinengewehrfeuer und dem Abfeuern von Tränengas aus Hubschraubern, mit Verwundeten und Gefangenen und dem Verbrennen von Häusern wollen sie die Zivilbevölkerung in diesen Gebieten um jeden Preis vertreiben. Sie nahmen Frauen, Kinder und ältere Menschen aus Lozada, Guayabero, El Tapir, El Rubí, Platanillo, Cerritos… Dies kann nicht als Verteidigungs- und Sicherheitspolitik bezeichnet werden, sondern als Politik der Enteignung und der verbrannten Erde.

Bei dieser berüchtigten Verfolgung der Armen des Landes machte es dem Staat nichts aus, Viehdieb zu werden. Tausende von Rindern wurden den Bauern von der Polizei gestohlen, was vom schmutzigen Staatsanwalt Néstor Humberto Martínez angeregt wurde, der immer wieder lügte und sagte, dass diese Rinder von der FARC stammten. Neben einem nicht reumütigen Korrupten ist er auch gaunerhafter Viehdieb. Dieser Autoritätsmissbrauch muss die Solidarität aller Kolumbianer mit der schikanierten Bauernbevölkerung wecken.

Sie zogen es vor anzugreifen, anstatt das zu erfüllen, was in Havanna in Bezug auf die Bevölkerung in nationalen Naturparks vereinbart wurde. Bauern sind ehrenwerte Menschen, die immer bereit sind, die Umwelt zu schützen, Parkgrenzen in Zonen forstländliche Aktivitäten zu verwandeln und auf jeden Fall bereit sind, mit der Regierung vereinbarte Lösungen zu suchen. Aber nein. Der Staat ist immer auf der Seite der Gefräßigen nach Land.

Dann kamen die Brände in der Serranía de la Macarena, die den Dissidenten der FARC zugeschrieben wurden, aber in Wirklichkeit die kriminellen Hände ehrgeiziger Viehzüchter waren, die das Feuer entzündeten und die ihre Haciendas erweitern wollten. Sie verbrennen den Wald in der Nähe von Caño Cristal, um das exklusive Tourismusgeschäft für sich zu nehmen. Die Regierung ist verrückt nach dem Ertrunkenen stromaufwärts zu suchen. Wurde Bessudo untersucht? Ein einzelnes Haciendero aus Uribe in La Macarena hat 1.700 Hektar.

Sie sind verflucht. Sie brauchen Weideflächen für ihre Kühe und verbreiten dazu falsche Nachrichten.

Berge Kolumbiens, März 2020

FARC-EP

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Rebellion ist das unveräußerliche Recht der Völker

Es nähert sich der 26. März, ein Tag, den die aufständische Bewegung zum Tag des universellen Rechts der Völker auf den bewaffneten Aufstand deklariert hat. Warum ist so ein Tag mit diesem thematischen Hintergrund wichtig?

Die Rebellion und der Aufstand sind das unveräußerliche Recht der Völker, wenn sie für ihre Gerechtigkeit kämpfen. Dabei sind die Menschen, und in unserem Falle das Land Kolumbien, nicht nur berechtigt, sondern es ist auch ihre Pflicht, gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei zu kämpfen. Sie sind faktisch durch das Recht der Armen legitimiert, sich für ihre Ideale einzusetzen und strukturelle Ungerechtigkeit sowie strukturelle Gewalt zu verhindern. Dies geschieht natürlich häufig nicht auf pazifistische Art und Weise. Häufig ist es die herrschende Klasse, die Oligarchie, die den Kampf der Armen und Unterdrückten disqualifiziert, ihn wiederum unterdrückt sowie repressiv und gewaltvoll gegen ihn vorgeht. In diesem Kontext entsteht eine aufständische Bewegung.

Die Bolivarische Bewegung in Kolumbien und die Guerilla haben das Datum des 26. März auserwählt, weil an diesem Tag im Jahr 2008 der ehemalige FARC-EP-Kommandeur Manuel Marulanda Vélez gestorben ist. Der natürliche Tod ereilte ihm im Dschungel, der ihn beschützte und sein Verbündeter war. Hier in den Bergen und im Dschungel entstand mit seiner Hilfe die revolutionäre Volksarmee, dessen Begleiter Manuel Marulanda Vélez 60 Jahre lang war. Der 26. März ist somit auch eine Hommage an einen wahren Kommandeur der revolutionären Guerilla-Kriegsführung und der Freiheit. Sein Leben lang stand er im Dienst für das Neue Kolumbien, zur Patria Grande und für den Sozialismus. Der 26. März ist auch heute noch der Tag, der uns vor Augen führt, wofür wir kämpfen. Ob in Kolumbien oder anderswo auf der Welt.

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Gefängnisaufstände mit Toten in Kolumbien

In Kolumbien ist es nach Protesten zu zahlreichen Aufständen in den Gefängnissen gekommen. Die Gefangenen befinden sich in sehr prekären Situationen, es gibt eine starke Überbelegung, eine ungenügende Nahrungsmittelversorgung und zudem kaum Zugang zum Gesundheitssystem. Durch die Ankündigungen im Rahmen der Eindämmung des Corona-Virus, keine Besuche mehr zuzulassen und durch den ungenügenden Schutz, wurde durch die Nationale Gefängnisbewegung der Protest erklärt. Die Besuche von Familien und Freunden mit der Lieferung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Dingen ist für viele im Gefängnis lebensnotwendig, aufgrund der ungenügenden Versorgung durch die staatliche Gefängnisverwaltung (INPEC).

Viele Stunden nach den gewaltvollen Ereignissen im Gefängnis La Modelo in Bogotá informierte die Justizministerin Margarita Cabello über die Ereignisse, bei denen 23 Menschen starben und 83 verletzt wurden, eine Zahl, die laut der Nationalen Gefängnisbewegung höher sein könnte. Auch sieben INPEC-Beamte sind verletzt worden. Nach Angaben der Gefängnisbewegung waren sowohl die Morde als auch die Verletzten das Ergebnis gewalttätiger und exzessiver Aktionen der INPEC-Beamten, also der Sicherheitskräfte. Diese sagten, dass es während der Unruhen zu einem Fluchtversuch gekommen sei.

Am 18. März 2020 rief die Nationale Gefängnisbewegung die Insassen aller Gefängnisse zu einem Cacerolazo zusammen, der schließlich am Abend des 21. März stattfand. Ein Cacerolazo ist ein lautstarker Protest, bei dem vor allem mit Kochlöffeln auf Töpfe geschlagen wird. Mit den Protesten sollte demonstriert werden, dass das Eindringen bzw. die Verbreitung des Corona-Virus in den Gefängnissen die Inhaftierten stark bedroht und nur ungenügende Maßnahmen ergriffen wurden. Viele Bewegungen aus der kolumbianischen Linken machten ebenfalls auf die Situation in den Gefängnissen aufmerksam.

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Interview mit Andrés París über FARC und Gründung von Corpo-Reconciliación

Andrés París gilt als einer der größten Kritiker der aktuellen Partei FARC, aus der er als ehemaliger Kommandant selbst kommt. In dem Interview [1] erfahren wir etwas über den anderen Weg der Wiedereingliederung, abseits der Parteirichtlinie wie Ecomún, sowie über den Zustand der Partei, die aus der ehemaligen Guerilla FARC-EP im Rahmen des Friedensabkommens entstand und welches nur geringfügig umgesetzt wird.

Im September 2019 wurde ein Video [2] veröffentlicht, in dem man wichtige ehemalige Kommandeure der FARC-EP bei einem Treffen in Neiva, Huila, mit dem Hohen Rat für Stabilisierung, Emilio Archila, und dem Direktor der Agentur für die Wiedereingliederung und Normalisierung, ARN, Andrés Stapper, sah. Hinter dieser Initiative standen ehemalige Guerilleros aus der Richtung von Andrés París, von Sonia und Fabián Ramírez. Entwaffnete Personen aus dem ganzen Süden, genauso wie aus dem Osten, Tolima und der Kaffeeachse, nahmen an diesem Treffen teil. Bei diesem Treffen wurde klargestellt, dass die staatlichen Garantien für ehemalige Kämpfer und die Vorteile der Wiedereingliederung nicht davon abhängen, ob sie der FARC-Partei angehören oder nicht, in der immer mehr Demobilisierte nicht vertreten sind. Nach diesem Treffen kam die Arbeit zur rechtlichen Gründung dieses Vereins, die am 30. November letzten Jahres durchgeführt wurde.

Jetzt, am Dienstag, dem 17. März, fand die Auftaktveranstaltung von Corpo-Reconciliación statt. Die Veranstaltung fand in der Aula Máxima der Universität Universidad Colegio Mayor de Cundinamarca (Calle 28 # 5B-02, Bogotá D.C.) statt. Die Veranstaltung wird vom Präsidenten der Corpo-Reconciliación, Omaira Rojas (Sonia), und der Rektorin der Universität, Olga Lucía Díaz, geleitet. Seitdem der Vorschlag einer Gründung angekündigt wurde, die Wiedereingliederung über andere als die von der FARC-Partei eingerichteten Kanäle anzustreben, gab es diejenigen, die sie in Frage stellten und vehement kritisierten. Um mehr über die Idee von Corpo-Reconciliación zu erfahren, haben wir einen seiner Gründer, Andrés París, interviewt.

Was ist Corpo-Reincorporación?

Corpo-Reincorporación ist eine juristische Vereinigung, eine anerkannte Vereinigung ehemaliger Kämpfer, die wir im Rahmen der in Havanna vereinbarten Vereinbarung mit dem Prozess der Wiedereingliederung in das zivile Leben verknüpft haben. Dieser Prozess wurde aufgrund der Nachlässigkeit der Regierung zusammen mit der Fahrlässigkeit der FARC-Führung ins Leben gerufen, die Hunderte, Tausende von Ex-Kombattanten am Rande des Vergessens liegen ließen.

13.300 ehemalige Kämpfer haben den Frieden unterzeichnet. Die Regierung musste den Weg einhalten, auf dem festgelegt wurde, dass die Ressourcen für die Wiedereingliederung an Ecomún geliefert werden, die durch die Vereinbarung geschaffene Genossenschaft für die Wiedereingliederung. In den Büros der ARN werden jedoch mehr als 9.000 Kämpfer einzeln behandelt, nicht durch Ecomún, was den kollektiven Charakter der Wiedereingliederung verletzt. Dieser kollektive Charakter würde theoretisch die Parteistruktur stärken.

Ecomún hat weder die Ressourcen noch die Befugnisse der Regierung. Dies ist teilweise auf die Politik von Pastor Alape zurückzuführen, die es den Ressourcen der Wiedereingliederung ermöglicht hat, nicht über Ecomún, sondern in private NGOs, die gerade gegründet werden, einzudringen, und damit stirbt Ecomún.

Wen gruppieren Sie in Corpo-Reincorporación?

Wir haben rund 2.000 ehemalige Kämpfer vertreten, die aufgrund der Aufgabe der Wiedereingliederungszonen gegangen sind. Die Erwartung steigt derzeit in dem Maße, wie die Verschlechterung der Partei zunimmt. Wir sind die Hoffnung der Marginalisierten, die Schwierigkeiten haben, sich wieder dem zivilen Leben anzuschließen, wie es in den Vereinbarungen heißt. In Bogotá zum Beispiel finden wir heute mehr als 900 ehemalige Kämpfer. Sie nahmen massiv an unserem Gründungstreffen am 30. November 2019 hier in Bogotá teil.

Es gibt Leute, die argumentieren, dass dieses Projekt die FARC-Partei spalten würde. Welche Meinung verdienen diese Kommentare?

Dies ist ein Protestprojekt, das eng mit der Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer zusammenhängt. Es ist weder ein politisches Projekt noch eine Teilung der FARC-Partei. Wir sind nicht gespalten, aber es ist sicher, dass die Partei uns vergessen hat, und aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns zu organisieren, indem wir unsere Bürgerrechte ausüben. Viele von uns, die Teil dieses Prozesses sind, sind Mitglieder der FARC-Partei. Zum Beispiel bin ich von der nationalen Führung.

Es gibt Sektoren, die uns zur Rechtfertigung für die Schwächung der Partei machen wollen, aber die Krise, die die Partei durchmacht, liegt in der Verantwortung der gegenwärtigen Führung, der Timochenko vorsteht, nicht bei uns.

Leider hat der Vorsitzende der FARC-Partei, Timochenko, bekannt gemacht, dass wir Spalter sind und dass wir Teil des Dissidenten sind. Das sind nur Verleumdungen. Deshalb machen wir Carlos Antonio Lozada und Timochenko für das verantwortlich, was mit uns passieren kann. Es ist so, dass sie bereits begonnen haben, unsere Mitglieder zu töten. Zum Beispiel ist die Genossin Astrid Conde, die zu Coagropaz [eine Teilstruktur] in Huila gehörte, das erste Mitglied von uns, dass getötet wurde [Astrid Conde wurde am 5. März im Sektor Tintal im Viertel Kennedy, Bogotá, von einem Killer ermordet]. Unsere Mitglieder in den Zonen stehen unter dem gleichen Druck wie die übrigen ehemaligen Kämpfer.

Wie spiegelt sich die Krise der FARC-Partei wider?

Die Krise der Partei spiegelt sich in der Tatsache wider, dass die Zahl der Parteimitglieder von mehr als 13.000 auf nur 2.600 gefallen ist. Viele dieser Mitglieder sind wegen dieser Aufgabe in die Städte gegangen, was einen weiteren Einfluss hat, denn dann hört die FARC-Partei auf, ein Vorschlag von Bauern zu sein. Zusätzlich zum physischen Liquidationsprozess wird die Partei von der gegenwärtigen Führung ideologisch und politisch transformiert. Sie nehmen ihren revolutionären, radikalen, bolivarischen Charakter weg und bilden eine Partei von Teilen der liberalen Partei mit Teilen des Santismo [Santos war der ehemalige Präsident von Kolumbien, der den Friedensprozess vollzog]. Die Partei ist völlig ihres leninistischen Charakters beraubt und zu einem sozialdemokratischen und liberalen Kauderwelsch geworden.

Glauben Sie, dass diese Krise eine Lösung haben kann?

Die Partei befindet sich derzeit an einem Punkt, der nicht neu erfunden oder neu gemacht werden kann. Die marginalisierten Sektoren warten auf das endgültige Schicksal der Partei, aber ihr Schicksal ist besiegelt: Sie hat aufgehört, eine revolutionäre Partei zu sein und es scheint, dass die Absicht des führenden Kerns darin besteht, sie zu beenden, genau wie sie die Parteistrukturen und den Patriotischen Marsch [linke Sammlungsbewegung Marcha Patriótica] beendet haben .

Der politische Raum, den die FARC in Jahrzehnten des Widerstands aufgebaut hat, ist dennoch nicht verschwunden. Von hier aus ist es an der Zeit, Vorschläge zu erstellen, die diesmal aus rechtlichen Gründen die historischen Ziele dieses großen Vorschlags aufgreifen.

Das Friedensabkommen, das wir erzielt haben, war sehr eingeschränkt, das wirtschaftliche und soziale Problem wurde fast nicht berührt, die Doktrin der Streitkräfte blieb intakt. Die Partei, die aus diesem politischen Raum hervorgeht, muss all diese unbehandelten Themen anfassen und sich auch dem Kampf stellen, um alles zu fordern, was verletzt wurde. Dies war nicht nur bei der FARC der Fall. Der gemeinsame Nenner dieser Regierung ist es, alles nicht einzuhalten, nicht nur bei uns.

Mehrere unzusammenhängende Sektoren haben für die Neuorganisation dieses revolutionären Projekts gekämpft, aber wir werden es diesmal nach dem Gesetz tun. Es gibt andere Menschen, die die Wiedergeburt der FARC aus einer anderen Form des Kampfes hervorgebracht haben, von denen, die unter Waffen geblieben sind, und von denen, die sie wegen der Nichteinhaltung wieder aufgenommen haben. Aber wir suchen die Wiedergeburt dieses Projekts aus der Legalität.

Welche Perspektiven sehen Sie für dieses neue politische Projekt?

Wir glauben, dass, obwohl gesagt werden kann, dass die revolutionären Vorschläge von Marquetalia aus dem Jahr 1964 gestorben sind, sie jetzt mit den tiefgreifenden sozialen Umwälzungen in Kolumbien wiederbelebt werden. Die politische Landschaft ist voller Möglichkeiten für den Wiederaufbau der revolutionären Avantgarde. Die Menschen haben Richtungen, die in dieser Phase gestärkt wurden. Wir glauben, dass ein Teil dieses Wandels im politischen Spektrum Kolumbiens dem bewaffneten Kampf zu verdanken ist, sowie dem Einfluss, den die Menschen aus den Verhandlungen erhalten haben, zusätzlich zu dem, was international geschieht, wo sie auch trotz der Schwierigkeiten und Widersprüchen, auch neue Kräfte entwickeln. Wir müssen uns jetzt inmitten dieser Möglichkeiten organisieren.

[1] Interview: https://rebelion.org/nosotros-no-nos-dividimos-el-partido-nos-ha-olvidado/

[2] Video: https://www.youtube.com/watch?v=VDGe9VIPH8Y&feature=emb_logo

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An die Einwohner von Puerto Rico (Caquetá) und Algeciras (Huila)

Übersetzung eines Kommuniqués von Einheiten der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Oscar Montero alias El Paisa in den Gebieten von El Pato:

Im Namen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, grüße ich mit Zuneigung alle Einwohner, die ihre Lebensprojekte in den Gemeinden Puerto Rico (Caquetá) und Algeciras (Huila) durchführen.

Nach dem Verrat des Staates an dem Friedensabkommen von Havanna kehrten wir in die wunderschönen ländlichen Gebiete dieser Gemeinden zurück, um gemeinsam weiterzumachen, mit mehr Eifer und Entschlossenheit, für ein Neues Kolumbien mit Frieden und einem anständigen Leben für alle, mit Arbeit, Gesundheit, Bildung, gute Straßen, Wirtschaft; ein Land ohne korrupte Politiker und Gangster und ohne weitere Ermordungen von sozialen Führern und Führerinnen zu kämpfen.

Wie das FARC-EP-Manifest, Zweites Marquetalia, sagt, wird es keine Steuereinziehungen für wirtschaftliche Zwecke geben, wir werden den Dialog mit Geschäftsleuten, Viehzüchtern, Kaufleuten und den reichen Menschen des Landes priorisieren, um auf diese Weise ihren Beitrag zum Fortschritt der ländlichen und städtischen Gemeinden zu suchen. Wir werden weiterhin dieselbe Guerilla sein, die die Umwelt, den Dschungel, die Flüsse und die Fauna schützt, wie es die Kolumbianer kennen, und wir werden nicht aufhören, die weltweiten Bemühungen der Vernunft, den Klimawandel zu stoppen, zu fördern. Verlassen sie sich auf unseren heftigen Widerstand gegen das Fracking, das unser Grundwasser verschmutzt.

Die Kompanie Compañia Fernando Díaz der Kolonne Columna Teófilo Forero von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, operiert bereits in der Gemeinde Puerto Rico (Caquetá) unter dem Kommando des Genossen Ferney Trujillo, während dies in den Bergen und Tälern von Algeciras (Huila) die Einheit Oscar Mondragón macht.

Für die FARC-EP, Zweites Marquetalia

OSCAR MONTERO, El Paisa

Februar 2020

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Politische Erklärung zum Plenum der Partei FARC

Übersetzung des Kommuniqués der Partei FARC zu ihren abgehaltenen Plenum:

In den Tagen des 6. und 7. März haben wir in Tocaima (Cundinamarca) unser Plenum des Nationalen Rates des Volkes mit der Teilnahme von 66 seiner Mitglieder, die aus dem ganzen Land kamen, in einer Atmosphäre der Kameradschaft und der Bestätigung zum Zweck der internen Einheit. Neben der Analyse von Aspekten der aktuellen politischen Lage war das Plenum für die Vorbereitung für die Zweite Nationalversammlung des Volkes und die Erörterung der verschiedenen internen Fragen zuständig.

Wir stellen die Betonung der rechten Politik der Duque-Regierung mit einer größeren Resonanz auf die extremsten Bereiche des faschistischen Hofes fest, was besorgniserregender ist, wenn man die offensichtliche Schwäche und Inkompetenz der Regierung betrachtet, die sie noch aggressiver machen und zu autoritärer Versuchung führen kann.

Diese Politik findet im Bereich der Außenpolitik, im Umgang mit dem System der Vereinten Nationen, in der Unterwerfung unter die geopolitischen Interessen der Vereinigten Staaten und der Rechten in der Region, insbesondere in der Behandlung der Beziehungen zu Venezuela und Kuba; in dem Anspruch, das neoliberale Modell zu vertiefen, unter anderem durch die Orchestrierung der Reformen, wie der Arbeits- und Rentenreform oder durch die Vertiefung des Bergbau-Energie-Extraktivismus und vor allem durch die Kanalisierung des Landes auf dem Weg einer erneuerten Version der „Demokratischen Sicherheit“ von Uribe.

Andererseits warnen wir vor einer Verschärfung der Situation politischer Gewalt, die sich in einem echten, anhaltenden, systematischen Blutbad gegen Führer, gegen soziale Anführerinnen, Menschenrechtsverteidiger, gegen ehemalige Guerillakämpferinnen und Guerillakämpfer äußert.

Die Korruptionsskandale, die die Öffentlichkeit erschüttern und die tiefe Krise der Politik und Legitimität aufdecken, zerfressen das kolumbianische politische System. Odebrecht, der von Aída Merlano aufgedeckte faule Topf der Politik, neben der Enthüllung des Zugangs von schmutzigem Geld und dem Kauf von Stimmen im Wahlkampf des derzeitigen Präsidenten, sind nur einige der herausragendsten unter vielen anderen, die man täglich kennen lernt.

Gleichzeitig schätzen wir die Entstehung eines neuen politischen Moments, der in die Kontinuität des Friedensabkommens eingeschrieben ist und durch die Herausforderung einer sehr vielfältigen und heterogenen sozialen und politischen Bewegung mit einer breiten Öffentlichkeit an das Klassenherrschaftsregime gekennzeichnet ist Repertoire von Ansprüchen, und viele von ihnen mit antisystemischen Merkmalen und Inhalten. Das Plenum legte größten Wert auf die Arbeit und Unterstützung zum Beitragen der Kontinuität dieses Protest- und Mobilisierungsprozesses.

Gleichzeitig schätzen wir die Entstehung eines neuen politischen Moments, der in die Kontinuität des Friedensabkommens eingeschrieben ist und durch die Herausforderung des Klassenherrschaftsregimes durch eine sehr vielfältige und heterogene soziale und politische Bewegung gekennzeichnet ist, mit einem breiten Repertoire von Forderungen, und viele von ihnen mit anti-systemischen Eigenschaften und Inhalt. Die Plenartagung legte größten Wert auf die Arbeit und Unterstützung, um zur Kontinuität dieses Prozesses des Protests und der Mobilisierung beizutragen.

Ebenso schätzen wir angesichts der Wahlen von 2022 die Notwendigkeit zum Aufbau einer großen demokratischen Konvergenz für eine neue Regierung beizutragen.

In Bezug auf die Umsetzung des Friedensabkommens bekräftigen wir unsere Analyse nicht nur in Bezug auf die Nichteinhaltungen von Präsident Duque, sondern auch in seinen wiederholten Bemühungen, das, was durch eine Vortäuschungsstrategie getarnt wurde, abzubauen oder zu verzerren. Der Weg der Perfidie ist der, den die gegenwärtige Regierung gewählt hat, also bestätigt sich das Gegenteil. Im Gegensatz dazu hat die soziale Unterstützung für das Friedensabkommen jedoch auch durch so wichtige Prozesse wie „Verteidigen wir den Frieden“ und das erklärte Engagement der lokalen Regierungen für die Umsetzung und Wiedereingliederung zugenommen, genauso wie die relevante Rolle der internationalen Gemeinschaft, die ihre zentrale Bedeutung im Umsetzungsprozess bekräftigt.

Das Plenum bestätigt unser Engagement für einen vollständigen, stabilen und dauerhaften Frieden für Kolumbien. Aus diesem Grund lehnen wir die von der Regierungspartei angekündigten Ansprüche ab, Gesetzesvorlagen zu fördern, mit denen die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) zerstört werden soll, die sich hinter der offensichtlichen Verteidigung der Opfer und ihren dunklen Absichten verstecken. In diesem Sinne appellieren wir an den gesunden Menschenverstand des Kongresses der Republik, damit diese Projekte, die den Aufbau des Friedens ernsthaft gefährden würden, nicht gedeihen.

Am Internationalen Frauentag begrüßen wir alle Kolumbianerinnen, die durch ihre Arbeit täglich zum Aufbau der Nation beitragen.

Nationaler Rat des Volkes
Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes – FARC
8. März 2020

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Internationaler Frauenkampftag

Heute, zum Internationalen Frauenkampftag, präsentieren wir Ausschnitte aus einem Kommuniqué der unter Waffen stehenden FARC-EP Zweites Marquetalia:

 

Für diejenigen von uns, die für eine neue Welt kämpfen, in der soziale Gerechtigkeit herrscht, Solidarität, die Souveränität der Völker, die Würde der großen Mehrheit des Volkes; eine Welt, in der die Menschen die Plünderung ihres Territoriums und die Zerstörung der Natur, die letztendlich das Leben selbst ist, nicht fürchten müssen; für diejenigen von uns, die für diese möglichen Utopie träumen und kämpfen, ist der Internationale Frauenkampftag immer eine Gelegenheit zum Nachdenken und Gedenken an einen bedeutsamen Meilenstein.

Für uns ist der 8. März ein Symbol für alle Kämpfe der Frauen im Laufe der Geschichte und ein Beweis für den eisernen und wesentlichen Charakter der Schlachten, die seitdem genau für den Aufbau einer neuen Welt geführt wurden und dass eine Welt der Gerechtigkeit und Solidarität, frei von Ausbeutung und Plünderung, nicht möglich ist ohne die Befreiung von Frauen, die historisch der patriarchalischen Unterdrückung, der rücksichtslosen Ausbeutung des Kapitalismus, der kolonialen und imperialen Kriegen und heute der unersättliche Plünderung des Neoliberalismus ausgesetzt sind. Ohne der Befreiung der schweren und spezifischen Ketten, die Frauen unterdrücken, wird es keine Befreiung von der Gesellschaft geben.

Heute möchten wir insbesondere den Frauen, die Bestandteil des historischen Projektes der FARC-EP sind, den größten Respekt zollen. Ohne unsere Kämpferinnen und ihren Widerstand, ohne den Mut und dem Geheimnis unserer Milizionärinnen und Mitgliederinnen der PCCC, ohne die unermüdliche Tätigkeit von Frauen in Aufgaben wie Funkkommunikation, Krankenpflege, politischer und militärischer Ausbildung, in Truppenführung, in der Arbeit auf dem Feld und des Essens, dem Bau der Lager und ihrer gesamten Infrastruktur und noch viel mehr, die alle Aktivitäten umfasst, die es beinhalten, eine militärpolitische Organisation aufrecht zu erhalten, eine kommunistische Partei, die in einer rebellischen von Frauen geprägten Guerilla aufgewachsen ist… ohne sie alle und ihr Engagement und ihre Arbeit wäre es nicht möglich gewesen, das immense Erbe aufzubauen, das die FARC-EP heute bedeutet, ein Erbe voller Erfahrung, Geschichte und Heldentum. Wir begrüßen und umarmen sie an ihrem Tag mit Zuneigung und Dankbarkeit.

Es ist am 8. März nicht möglich, den Frauen der FARC-EP Tribut zu zollen, ohne sie auf alle arbeitenden und kämpferischen Frauen des kolumbianischen Volkes auszudehnen, die sich immer widersetzt haben und die sich heute in der ersten Linie des sozialen Protests gegen Unterdrückung erheben werden. Deshalb möchten wir alle kolumbianischen Mütter und Frauen grüßen, die nicht nur ihre Arbeitskraft verkaufen und ihre Familien damit aufrechterhalten, sondern auch die Arbeit des Haushalts übernehmen, in formell und informell Art und Weise, unter den schlimmsten Bedingungen, haben Frauen ihr Leben darin aufgezehrt und in der Praxis das Ruder der Gesellschaft übernommen. Und es ist der richtige Zeitpunkt, um die Frauen der Welt in ihre Begrüßung mit einzubeziehen. Ehre den Behüterinnen der Menschheit!

Wir möchten heute die Frauen des Landes, die in der Vergangenheit Opfer der grausamen Enteignung des Landes mit Blut und Feuer durch den Staatsterrorismus geworden sind, grüßen. Wir senden unsere Umarmung an die Frauen der indigenen Völker, an den Widerstand der indigenen Frauen und an die Rebellion der Frauen der schwarzen Gemeinschaften, die alle Opfer der Plünderung ihrer heimatlichen Gebiete, der Diskriminierung und des Verlassens des Staates sind, der nur durch Militarisierung vorhanden ist, um das Kapital einiger weniger transnationaler Unternehmen zu schützen.

Mit den Friedensdialogen von Havanna, die die Hoffnung auf eine politische Lösung des Konflikts weckten, die das Recht auf kritische politische Ausübung implizierte, die Garantie, nicht getötet zu werden, sowie andere wichtige Veränderungen für das kolumbianische Volk, wie eine integrale ländliche Reform, Beendigung des Paramilitarismus, einem System von Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Nichtwiederholung und anderen Dingen beinhalteten, erwachte auch bei den Frauen der FARC-EP und bei verschiedenen Organisationen der Frauenbewegungen der Wille die Rechte der kolumbianischen Frauen durchzusetzen. Produkt dieses Prozesses war der Gender-Unterausschuss, der als ersten und grundlegenden Schritt erreichte, dass der Gender-Ansatz in die verschiedenen Aspekte des Friedensabkommens einbezogen wird.

Leider war die staatliche Perfidie gegen das Abkommen dafür verantwortlich, Träume und Bemühungen zum Aufbau einer egalitären und gerechten Gesellschaft zu zerstören. Diese Heimtücke wird aufrechterhalten und vertieft, was sich nicht nur auf bestimmte Vereinbarungen auf der Grundlage des Gender-Ansatzes auswirkt, sondern auch auf die Gesamtheit der vereinbarten Vereinbarungen. Die ETCRs wurden ihrem Schicksal überlassen, und was in Bezug auf Wiedereingliederung und produktive Projekte erreicht wurde, ist auf die Bemühungen der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer zurückzuführen, die täglich getötet werden und heute zu der skandalösen und tragischen Zahl von mehr als 180 getöteten Genossen seit der Unterzeichnung des Abkommens im Jahr 2016 führen.

Glücklicherweise wehen die Winde des Kampfes: All dies zwang viele ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer, sich in bewaffneten Rebellionen gegen die Unterdrückung wieder zu erheben und das Zweite Marquetalia hervorzubringen, eine historische Entscheidung, die sowohl einen wichtigen Bruchpunkt gegen die staatliche Perfidie als auch gleichzeitig eine Tatsache darstellt, die die Kontinuität des Kampfes materialisiert, in dem Frauen mit ihrem Mut und Engagement eine transzendentale Rolle gespielt haben: Die Würde kämpferischer Frauen spiegelte sich erneut in der Geschichte wider, durch die Unterstützung, die sie dem wiedergeboren Marquetalia gegeben haben.

Unsererseits verpflichten wir uns als Männer, unsere Position der permanenten selbstkritischen Reflexion zu vertiefen und unser Bestes zu geben, um die Kämpfe der arbeitenden und rebellischen Frauen zu unterstützen, die auch unsere sind. Als Frauen werden wir weiterhin mit hoch erhobenem Kopf kämpfen und die Solidarität zwischen uns stärken. Das Zweite Marquetalia schlägt nicht das „weibliche Paradies“ vor, sondern eine Gesellschaft, in der die Werte und Stärken der Frauen führend sind. Weil es die einzige Möglichkeit ist.

FARC-EP Segunda Marquetalia

FARC-EP Zweites Marquetalia

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Kalender der Partei FARC

Liebe Genoss*innen und Internationalist*innen!

Aus Kolumbien haben wir diesen Kalender als PDF-Datei der Partei FARC bekommen, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Das Jahr ist zwar schon etwas fortgeschritten und eigentlich stehen wir nicht so auf solche Online-Gimmicks wie Kalender oder ähnliches, doch auf der anderen Seite sind einige der Bilder wirklich gut, werden unsere ehemaligen großartigen und im Kampf gestorbenen Kommandierenden abgebildet sowie wichtige Daten der aufständischen Bewegung abgebildet. Also, druckt euch den Kalender aus und hängt ihn gut platziert auf.

Link zum KALENDER

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Spannungen und Militarisierung in La Macarena

Die Region La Macarena sowie ihre Naturparks Tinigua und Picachos im südwestlichen Teil der Provinz Meta sind seit jeher Regionen, die von einer starken Organisierung der Bauernschaft und auch als dominiertes Territorium der Guerilla gelten. Viele Jahrzehnte lebte die lokale Bevölkerung und mit ihr die Guerilleras und Guerilleros der FARC-EP vom Staat verlassen in dieser Region und setzten mit ihrer Organisierung und dem Aufbau eigener halbstaatlicher Strukturen sowie Regeln des Zusammenlebens eigene Akzente. Zu diesen Organisationen zählt heute zum Beispiel ASCAL-G. Ab den 1980er Jahren war die Region stark vom Koka-Anbau geprägt. In einer vom Staat verlassenen Region häufig das einzige Anbauprodukt – neben der Viehzucht, das Geld erwirtschaftete.

Die Organisationen der Bauern und Kolonisten, die dieses Land besiedelten, sahen dies kritisch, versuchten aber ebenso wie die Guerilla den Geldfluss auch in eine soziale Infrastruktur zu lenken. Die Guerilla zum Beispiel besteuerte den Kokaverkauf und nutzte die finanziellen Mittel zum Bau von Wegen und Straßen sowie für soziale Einrichtungen. Zudem gaben sie Handlungsanweisungen für das Zusammenleben heraus. Bäume durften nicht gefällt werden oder mussten bei Fällungen in dreifacher Zahl wieder angepflanzt werden, juristische Streitigkeiten wurden geregelt, die Bauern angehalten, durch den Anbau von Obst und Gemüse für die Selbstversorgung zu sorgen und durch freiwillige Arbeit dem Gemeinwohl zu dienen.

Immer wieder kam es zu Angriffen von Polizei und vor allem des Militärs auf diese Regionen, die diese als Bastion der Guerilla ansahen, ohne jedoch für positive sozioökonomische, ökologische und politische Entwicklungen zu sorgen. Der Staat war einzig und allein durch seine Militarisierung präsent, die besonders in der Zeit unter dem rechten Präsidenten Uribe für starke Konflikte, Kriegszustand und Repression sorgte. Das Militär wurde als ein Besatzungsheer angesehen, die sich wiederum nicht um die Rechte der lokalen Bevölkerung scherte. Stattdessen vertraute die Bevölkerung auf die eigenen Regeln des Zusammenlebens und auf die Guerilla als Schutzmacht.

Aktuell gibt es wieder Angriffe von Polizei und Militär auf die lokale Bevölkerung. Klar, auch die Guerilla ist weiterhin in dieser Region präsent und verteidigt ihr Territorium. Doch in den Medien wird propagandistisch von Waldbränden berichtet, die kämpfende Einheiten der dissidentischen FARC gelegt hätten. Ziel der Brände wäre die Rodung von großen Waldflächen, um Anbauflächen für Koka zu schaffen. Natürlich kann im Einzelfall auch so etwas nicht ausgeschlossen werden, doch die Vernichtung großer Flächen steht im Widerspruch zu den Zielen der lokalen Bevölkerung und der aufständischen Bewegung, die damit ihre Lebensgrundlage (reichhaltige natürliche Ressourcen) und ihren Schutzraum (Wald und Savannen als Schutz der Guerilla) vernichten würden.

Unter dem Namen Plan Artemisa gibt es einen Militärplan der kolumbianischen Armee, der laut eigener Propaganda dem Umweltschutz dient. Es darf nicht vergessen werden, dass Kolumbien tatsächlich von großen ökologischen Problemen und Waldvernichtung betroffen ist. In Wirklichkeit ist es jedoch ein Militärplan, der auf Angriffe gegen die Guerilla zielt und Gebiete unter die Staatsgewalt bringen soll, die nach ihrer Auffassung an die Guerilla sowie an autonom handelnde Bauernorganisationen gefallen sind. Die militärischen Auffassungen stehen dabei konträr zu den Interessen und Gepflogenheiten des Zusammenlebens der lokalen Bevölkerung.

Auch hier in der La Macarena gibt es ökologische Probleme und das wissen die dort beheimateten Organisationen. Es ist jedoch nicht die lokale Bevölkerung für die Schäden verantwortlich zu machen, sondern vor allem Großgrundbesitzer und transnationale Konzerne. Diese Aspekte werden von der Regierung und der Armee verschwiegen. Oftmals zahlen Großgrundbesitzer arme Leute in anderen Landesteilen Kolumbiens, damit sie sich in Regionen wie La Macarena aufmachen, dort Land in Besitz nehmen und es urbar machen, um Koka anzubauen oder exzessive Viehwirtschaft zu betreiben. Nach Jahren sollen dann die Ländereien mit ihren Einnahmen per Titel an die Großgrundbesitzer gehen. Es sind jene, die später häufig Paramilitärs für ihre Interessen einsetzen.

Auch wirtschaftliche Interessen der Konzerne spielen eine große Rolle. Auch sie versuchen, häufig über Strohmänner, Land zu kaufen, um vor allem die natürlichen Ressourcen auszuplündern. In der La Macarena betrifft es vor allem das Erdöl. Die lokale Bevölkerung wird vor vollendete Tatsachen gestellt und oftmals bleiben sie mit den sozioökologischen Problemen allein. Diese Ursachen spielen in der öffentlichen Darstellung aktuell keine Rolle. Stattdessen werden die Guerilla und die lokale Bevölkerung gebrandmarkt und werden ökologische und militärische Interventionen durchgeführt, ohne die Realitäten der lokalen Bevölkerung anzuerkennen. Naturschutz kann auch mit Menschen geschehen, die Guerilla hat es in ihren Gebieten jahrzehntelang bewiesen. Studien zeigen, dass mit der Waffenniederlegung und Aufgabe ihrer Gebiete erst der Weg zur Umweltzerstörung frei wurde, da nun die Schutzmacht fehlte.

Seit dem 18. Februar wurden massive Landungen von Armee und Polizei in der Region beobachtet. Sie führten wahllose Kontrollen auf den Landstraßen durch und schikanierten die Bevölkerung. Am 20. Februar gab es in dem Dorf El Rubi schwere Kämpfe, wobei unter anderem zwei Soldaten getötet wurden. Die Kämpfe fanden mit Guerillaeinheiten der 40. Front der FARC-EP statt. Anschließend folgten wahllose Verhaftungen in der Zivilbevölkerung, seit Jahren ein repressives Mittel des Staates zur Einschüchterung der Bevölkerung. Oftmals wird ihnen Kollaboration mit der Guerilla angedichtet. Am 22. Februar versammelten sich rund 300 Bauern in Caño Juan und El Tapir, um über Proteste gegen die Militarisierung zu beratschlagen. Diese Versammlungen wurden massiv von Polizei und Militär angegriffen. Hinzukommende großflächige Brände, durch kämpferische Handlungen ausgelöst, sorgten für die erste große Berichterstattung.

Am folgenden Tag, am 23. Februar, kamen mehr als 1500 Personen der Region zusammen und in den folgenden Tagen erreichte die Zahl sogar 3500 Personen. Sie blockierten Wege, es gab Demonstrationen und Aktionen sowie große Versammlungen zum Diskutieren. Es solidarisierten sich hunderte von Personen aus San Vicente del Caguán sowie anderen Orten der Provinzen Meta und Caquetá. Doch immer wieder gab es Festnahmen und Überflüge von Hubschraubern und Bombern in den Dörfern. Zwischenzeitlich wurden von der Zivilbevölkerung Soldaten festgenommen. Vielen Einwohnern sind die Zeiten aus den 2000er Jahren bekannt, als die Region Kriegsgebiet war und die Armee Tausende von Bauern verschwinden ließ. Später tauchten sie in Massengräbern wieder auf, wie zum Beispiel rund 2000 Leichen auf dem Friedhof des kleinen Städtchens La Macarena. Seit dem 26. Februar ist eine Menschenrechtskommission angekommen, die die Situation etwas beruhigen konnte.

Mittlerweile wird die Solidaritätswelle für die Bauern immer größer. Zu den Aktionen in der Provinz Caquetá, wie in den Gemeinden El Doncello und Puerto Rico, kommen auch Spendenaktionen und Versammlungen in der Hauptstadt Bogotá hinzu. Vor allem wird auf eine Umsetzung des Friedensabkommens hingewiesen, was unter anderem eine Agrarreform und Programme zur Substitution von illegalen Pflanzen wie Koka enthält. Nur Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur, sowie das Anerkennen der lokalen Selbstverwaltung, können die Situation befrieden. Sonst werden die Spannungen weiter zunehmen und sich auch die dissidentischen Guerillaeinheiten weiter positionieren und Zulauf in ihren hier aktiven Fronten 1, 7 und 40 haben.

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Aufruf an die internationale Gemeinschaft, Stoppen wir die Vernichtung des Friedens

Übersetzung eines Kommuniqué der Partei FARC anlässlich der extrem bedrohlichen Sicherheitslage und der systemtischen Ermordung von linken Kräften und ehemaligen Guerillakämpfer*innen:

Angesichts der gegenwärtigen Morde, die das ganze Land plagen, rufen wir die Organisation der Vereinten Nationen (UNO), den nordamerikanischen Senat, das Europäische Parlament, das Zentralamerikanische Parlament, seine Heiligkeit Papst Franziskus, den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Kirchen und glaubensliebende Friedensgemeinschaften, alle Regierungen und demokratischen Völker der Welt, Intellektuelle und Menschenrechtsorganisationen auf internationaler Ebene auf, um von der kolumbianischen Regierung Garantien für Demokratie und Leben zu fordern.

Wir haben das endgültige Friedensabkommen von Havanna, Kuba, unterzeichnet, in der Hoffnung, den Grundstein für ein menschenwürdiges Leben für alle Kolumbianer zu legen. Wir haben die Opfer in den Mittelpunkt dieses Abkommens gestellt und kämpfen dafür, die staatliche Vernachlässigung, die einen großen Teil des Landes betrifft, zu beseitigen und damit die strukturellen Ursachen anzugreifen, die den Konflikt ausgelöst haben.

Wir leiden jedoch weiterhin unter der Verfolgung und dem Mord, die das Leben von 186 Ex-Guerilleros und Ex-Guerilleras und etwa 800 sozialen Anführern und Anführerinnen, Menschenrechtsverteidigern, Lehrern und Lehrerinnen, Führern von Landrückgabe und der Substitution von illegalen Pflanzen gekostet hat.

Wir haben das Wort gehalten, unsere Waffen niederzulegen, wir sind nicht allein, wir haben die Begleitung der überwiegenden Mehrheit des kolumbianischen Volkes ohne parteipolitische, religiöse oder ideologische Unterschiede gespürt sowie der internationalen Gemeinschaft und der Garantenländer, was uns zum Optimismus aufruft, um unsere Bemühungen zu verstärken, aus dem Morast des Krieges herauszukommen, für die Umsetzung des Abkommens zu kämpfen und zum Aufbau eines neuen Landes für zukünftige Generationen beizutragen.

Wir haben immer geglaubt, dass es schwierig ist, Frieden zu schaffen, aber wir haben den Willen, mit all unserer Kraft in dieser Sache weiterzumachen. Da diese Morde und Vertreibungen den Weg des Friedens noch komplizierter machen, wenden wir uns an Sie, um diese Vernichtung zu stoppen, die unser Land mit Blut und Gewalt bedeckt.

Wir werden mit Ihrer Hilfe weiterhin zum Frieden in Kolumbien beitragen. Diese schrecklichen Verbrechen schüchtern uns nicht ein oder erschrecken uns, noch halten sie unsere Träume von einem Land für alle auf.

NATIONALER POLITISCHER RAT

ALTERNATIVE REVOLUTIONÄRE KRAFT DES VOLKES – FARC

Bogotá, 26. Februar 2020

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