Die sich dem Friedensvertrag entfernten und sich neu bewaffneten Guerillaorganisationen der FARC-EP wie das Comando Coordinador de Occidente (Westliches Koordinationskommando) oder FARC-EP, Segunda Marquetalia (Zweites Marquetalia), haben erneut in unterschiedlichen Kommuniqués verdeutlicht, dass Militär und paramilitärische Gruppen zusammenarbeiten, um die Bevölkerung zu terrorisieren und damit indirekt die Guerilla anzugreifen. Ziel ist das Schüren von Angst und die Delegitimation der politisch-militärischen Organisation der Guerilla innerhalb der Bevölkerung. Wir beichteten bereits mehrmals über Kommuniqués, wie zuletzt Mitte Juni die Front der FARC-EP „Carolina Ramírez“, die klarstellte, dass es „bewaffnete Strukturen” gebe, die „in vielen Fällen den Namen und das Logo unserer Organisation verwenden, um die Bevölkerung der Provinz anzugreifen“. Diese seien in Wirklichkeit „Narco-Paramilitärs im Dienst des Mafiastaates.“
Es ist ein altbewährtes Mittel in Kolumbien, dass paramilitärische Strukturen genutzt werden, damit sich der Staat mit seinen Sicherheitskräften wie Armee und Polizei nicht die Hände schmutzig machen muss. So erfolgen paramilitärische Angriffe und Operationen häufig im Beisein von staatlichen Sicherheitskräften oder werden zumindest geduldet. Auffallend ist, dass paramilitärische Operationen oftmals in Gebieten stattfinden, in denen eigentlich auch das Militär durch Stützpunkte präsent ist. Die Mobilisierung und Bewegung können somit nur durch Kenntnisse der staatlichen Sicherheitskräfte erfolgen. Die beiden großen Strukturen der neuen „alten“ FARC-EP, die wieder unter Waffen sind und sich gegenseitig (noch) als militärische Ziele betrachten, haben aktuell wieder auf Verbindungen und Bündnisse zwischen der Armee und paramilitärischen Gruppen hingewiesen.
Ein Kommuniqué gab die FARC-EP, Comando Coordinador de Occidente, Mitte Juli mit dem Titel „Über gemeinsame Operationen zwischen Paramilitärs und der Armee in Nariño“ heraus, in dem über die Eroberung von Gebieten von paramilitärischen und kriminellen Gruppen berichtet wird. Dies betrifft vor allem die Regionen in den Gemeinden Magüi Payán und Ricaurte in Nariño sowie Argelia im Cauca. Herausgebende Struktur ist die dort operierende mobile Kolonne Franco Benavides. Dabei sollen von der Armee Boote eingesetzt worden sind, um paramilitärische Einheiten zu transportieren. Zudem soll eine Gruppe von 12 Paramilitärs über mehrere Wochen eine Schule im ländlichen Gebiet von Ricaurte okkupiert haben, die dann aber von der Guerilla zurückerobert wurde. Die getöteten 11 Paramilitärs wurden anschließend als ermordete Zivilisten in den Medien präsentiert.
Ebenfalls zur Provinz Cauca gab auch die FARC-EP, Zweites Marquetalia, vor wenigen tagen ein Kommuniqué mit dem Titel „Anklage zur Situation im Cauca“ heraus. Darin heißt es: „Der militärische `Geheimdienst´ hat in Cauca ein Todeslabor eingerichtet, dessen Vorgehensweise darin besteht, falsche Aussagen im Namen von Rebellenorganisationen zu machen, die überall Kriege, militärische Ziele, Ausgangssperren, Verbote und Drohungen erklären. Tag und Nacht arbeitet ein Team von `Geheimdienst´-Psychopathen daran, das Chaos zu verbreiten und die Provinz mit Blut zu überfluten. Sie versuchen, bewaffnete Organisationen zu konfrontieren, um sich gegenseitig zu zerstören, Angst und Furcht in der Bevölkerung zu erzeugen, und ziehen dann aus dem Hut eines Zauberers die Bösen heraus, eine Nebelkerze, die sie brauchen, um weiterhin auf die vom Staat am meisten gehassten sozialen Führer zu schießen.“
Und weiter: „Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat niemanden im Cauca bedroht und wird auch niemanden bedrohen, keinen sozialen Führer, keinen politischen Akteur oder die indigenen Völker und ihre Autoritäten, mit denen Manuel Marulanda Vélez und Jacobo Arenas in der Vergangenheit einen Vertrag unterzeichnet haben, eine Vereinbarung, die den Respekt der FARC für die heiligsten und bodenständigsten dieser indigenen Völker zum Ausdruck bringt.“ Dies betrifft vor allem den Aspekt, dass die von den Medien genannte Kolonne „Vladimir Stiven“, die im Cauca, im Westen Kolumbiens, angeblich für gewalttätige Auseinandersetzungen sorgt, ihr Operationsgebiet laut Guerilla FARC-EP im Osten des Landes hat. Ähnliche Vorfälle wurden zuletzt auch aus Algeciras im Osten von Huila gemeldet, wo angeblich die Einheit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, mit dem Namen „Óscar Mondragón“ für eine Gewaltwelle verantwortlich sein soll. Auch hier gibt es Meldungen, dass es sich um paramilitärische Strukturen handeln könnte.
Zum 70. Geburtstag des Revolutionär, ehemaligen Guerillakämpfers und politischen Gefangenen Simón Trinidad soll es internationale öffentlichwirksamkeite Aktionen geben, die in verschiedenen Ländern koordiniert werden. in Deutschland gibt es das Komitee zur Freilassung von Simón Trinidad, dass auf der Webseite unter anderem zu Aktionen bei Twitter aufruft. Die internationalen Kampagne für seine Freilassung plant weitere Aktivitäten, um seine Rückführung und Freilassung zu erwirken.
Auch wenn die Partei FARC zuletzt vor allem mit negativen Nachrichten wegen einer potentiellen Spaltung und durch die Unzufriedenheit ihrer Mitglieder in der öffentlichen Wahrnehmung auffiel, so gibt es nun ein deutliches Zeichen aus der kolumbianischen Politik für die Anerkennung ihrer Oppositionspolitik. Diese Auszeichnung, also die Benennung von Criselda Lobo Silva zur Vizepräsidentin, darf jedoch nicht über die großen Schwierigkeiten hinwegtäuschen, die in der Umsetzung des Friedensabkommens, aber und auch in der Politik der Partei FARC vorhanden sind.
In der ländlichen Region der Gemeinde Algeciras in der Provinz Huila hat die Gewaltwelle, die schon in den letzten Monaten zu beobachten war, nun ihren Höhepunkt mit einem Massaker, aber auch mit der Verhaftung von einem Anführer der dissidentischen Struktur der FARC-EP, Zweites Marquetalia, erreicht, der in der Nacht zuvor von Armee und Polizei gestellt wurde.
Am gestrigen Tag berichtete die Partei FARC über den erneuten Mord an einem ihrer Mitglieder. Damit wurden bisher 217 ehemalige Kämpfer der FARC seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens ermordet. Letztes Opfer ist der 32 Jahre alt gewordene Fredy Fajardo Ávila, der in der Gemeinde La Uribe in der Provinz Meta lebte. Er befand sich im Prozess der Wiedereingliederung in das zivile Leben. Wie viele andere auch wurde er in der zurückliegenden Zeit von Unbekannten bedroht.
Die Partei FARC hat eine neue aktualisierte Liste ihrer ermordeten Friedensunterzeichner, also ihrer sich in das zivile Leben wiedereingliedernde Mitglieder, veröffentlicht. Diese zeichnet nun 214 ermordete FARC-Mitglieder seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens auf.
Am 15. Juli werden die Friedensunterzeichner*innen, wie die sich in das zivile Leben wiedereingliedernde ehemalige Kämpfer*innen der FARC genannt werden, von dem Dorf Santa Lucía in der Gemeinde Ituango aus mit der geordneten Verlagerung ihrer Wiedereingliederungszone (ETCR) beginnen und in das Dorf La Fortuna in der Gemeinde Mutatá umziehen. Diese Entscheidung wurde zwischen dem Rat der Wiedereingliederung der Farc (CNR) mit der nationalen Regierung, der Provinzregierung aus Antioquia und der Mission der Vereinten Nationen in Kolumbien beschlossen. Nach dem Mord an 11 ehemaligen FARC-Mitgliedern und zwei Familienmitgliedern, sowie den permanenten Bedrohungen in Ituango entschied sich das Kollektiv der FARC bei einer Versammlung im Januar, die Zone zu verlassen. Die Situation der Quarantäne sorgte außerplanmäßig für eine Verlängerung ihres ungewissen Zustandes.
Die Führung der Partei FARC trennt sich nun endgültig von ihren schärfsten Widersachern. Bereits vor einigen Tagen trennte sich die Partei auf Beschluss des Vorstandes von vier namhaften Personen, die in der Vergangenheit immer wieder die Politik, die Führungsebene und vor allem den Vorsitzenden Rodrigo Londoño kritisiert hatten. Hierbei handelt es sich um Andrés Paris, Fabián Ramírez, Benedicto de Jesús González und Pablo Atrato. Eine Mehrheit von sieben zu fünf Stimmen der Parteiführung stimmte für ihren Ausschluss, was die Spaltung der Partei und ehemaligen aufständischen Bewegung vorantreiben wird.
In einem Kommuniqué der aufständischen Bewegung FARC-EP, Zweites Marquetalia, widmet sich Iván Márquez wiederholt dem sogenannten Krieg gegen die Drogen:
Die Region La Macarena, zwischen den beiden Provinzen Meta und Caquetá gelegen, ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. Zum einen widersetzen sich seit Monaten mehrere tausend Bauern den militärischen Operationen der staatlichen Sicherheitskräfte gegen die erzwungene Zerstörung von illegalen Kokapflanzen, zum anderen gibt es militärische Kämpfe zwischen der unter Waffen stehenden dissidentischen FARC und dem kolumbianischen Militär. So wurden gestern sechs Soldaten bei einem nächtlichen Angriff der 40. Front der FARC getötet.
Die Zahl der seit dem im Jahr 2016 abgeschlossenen Friedensabkommen zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung getöteten ehemaligen Guerillakämpfer*innen hat nun die Zweihundert erreicht. Einer der wichtigen Punkte im Friedensabkommen und zur Waffenniederlegung waren Sicherheitsgarantien auf physischer und juristischer Ebene für die Mitglieder der ehemaligen Guerilla FARC-EP. Nun zeigt sich, weder das Friedensabkommen wird adäquat umgesetzt, noch gibt es Sicherheitsgarantien für die ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer.