Duque muss gehen

Duque muss gehen – Politische Erklärung der FARC-EP, Zweites Marquetalia

Der Traum der Kolumbianer, eine gute Regierung zu haben, hört nicht auf und zeigt sich von Mal zu Mal mit mehr Kraft, als Notwendigkeit, die dringend ein öffentliches Bewusstsein erfordert.

Diese vier Jahre Duque im Namen Uribes sind ein Fluch, der unsere Zukunft auf die irrationalste und absurdeste Weise beschädigt. Als wir uns die falsche Hoffnung machten, es wäre möglich, ein neues Zeitalter des Friedens zu beginnen, hat die Regierung Duque-Uribe die Zerstörung des schönsten Traums der Kolumbianer zum Hauptziel ihrer Strategie gemacht. Ein paar Irre, die gegen den gesunden Menschenverstand handeln und die nicht mehr nur das Land in Brand stecken sondern unter dem Einfluss Washingtons auch die Nachbarschaft.

Dieser Krieg, den wir erleben, ist ein Krieg, der uns von kriminellen Köpfen aufgezwungen wird, die glauben, dass sie, indem sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihre Schrecken lenken, die Verantwortung von Alvaro Uribe Vélez für jahrzehntelange staatlich geförderte paramilitärische Gewalt für immer in der Grube der Straflosigkeit und des Vergessens versenken und gleichzeitig die Wahrheit über seine Allianz mit dem Drogenhandel in den Hintergrund rücken können. Drogenhandel und Paramilitarismus, um an die Regierung zu kommen, um die Justiz zu behindern, die Staatskasse zu bestehlen, um der Korruption, der gewaltsamen Landenteignung und der Unverschämtheit, nur zum Nutzen der Mächtigen zu regieren, freien Lauf zu lassen. Uribe sollte auf dem Altar seines Herzens Kerzen anzünden, zum Dank an Pablo Escobar, Ochoa Vásquez und Chapo Guzmán… und an die Regierung der USA, die ihn beschützt.

Das Land weiß genau, dass Iván Duque dank des Geldes aus dem Kokainhandel zum Präsidenten der Republik gewählt wurde, das der Mafioso und Geldwäscher „El Ñeñe Hernández“(1), Freund Uribes und Freund Duques, von Generälen der Drogenbekämpfung und anderen, die ihm Luftwaffenflugzeuge für sichere Reisen zur Verfügung stellten, eingesammelt hat… Sie verfolgen den Kleinbauern, der Koka anbaut und arm ist, voller Hass, aber umarmen gleichzeitig den Kapo, singen und tanzen mit ihm und laden ihn in den Präsidentenpalast ein. Die aktuelle Regierung hat ihre Seele mit Drogenhandel, Wahlbetrug und Stimmenkauf infiziert und ihre Hände mit Blut befleckt.

Duque muss vorzeitig die Präsidentschaft der Republik verlassen, weil er ein illegitimer Mandatsträger ist, weil das höchste Amt der Nation zu groß für ihn ist,  weil er das Chaos verbreiten will, indem er das Gleichgewicht der Staatsgewalten durch Missachtung und öffentliche Infragestellung von Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zerstört, weil er die sozialen Mobilisierungen, die das Land heute erschüttern, zusammenschießen lassen will und weil Kolumbien keine Diktatur will.

Keine Nachsicht mehr mit Iván Duque. Wir müssen der Tyrannei, der Inkompetenz und der schlechten Regierungsführung die Tür verschließen. Das Coronavirus, das ihn vor der Explosion des Zorn und der Entrüstung des Volkes auf den Straßen bewahrt hatte, taugt nicht mehr dazu, die Unzufriedenheit des Volkes zu beschwichtigen, und noch viel weniger seine langweiligen und abgeschmackten täglichen Fernsehauftritte.

Seine scheinheiligen Worte sind nutzlos, wenn die Regierung, statt den Armen in der Quarantäne und ohne Nahrung zu helfen, den Unternehmern hilft, die alles besitzen. Die Regierung hat nicht einmal kostenlos Masken in den popularen Vierteln verteilt.

Jetzt will er, dass Samson stirbt und dass alle Philister sterben,  um seinen politischen Führer Álvaro Uribe vor Gefängnis und gerichtlicher Bestrafung zu retten, nicht so sehr wegen seines Status als Zar der falschen Zeugen, sondern wegen seiner Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb ist er so besessen davon, den Gerichtshof zu sprengen und will eine Justizreform, die es ihm ermöglicht, einen institutionellen Bereich zu schaffen, der seinem politischen Kapo Straffreiheit sichert und sich seiner Anwaltskanzlei des Teufels ergibt.

Die Wahrheit ist, Kolumbien will keine faschistische Regierung, sondern eine wirklich demokratische, inklusive Regierung des Volkes und für das Volk; eine neue demokratische Koalitionsregierung, die den vollständigen Frieden ohne Verrat garantiert sowie Landtitel für Bauern, die politische Reform und eine Außenpolitik des Friedens und der Brüderlichkeit mit Lateinamerika und der Karibik; eine Regierung mit sauberen Händen, die mit der Beseitigung des Krebsgeschwürs der Korruption beginnt, die auf die Studenten, die Frauen, die Indigenen, die Schwarzen, die LGTBI- Bevölkerung und die anderen diskriminierten Sektoren hört, die Gesundheit der Bevölkerung wiederherstellt und radikale soziale Maßnahmen durchführt, um die Menschen aus der Armut zu befreien.

Da wir aus der schlimmsten Zeit der Pandemie raus sind, müssen wir mit Demonstrationen, Kundgebungen und cacerolazos auf die Straßen zurückkehren, um die Unzufriedenheit eines ganzen Volkes gegen die schlechte Regierung herauszuschreien. Verlangen wir das Ende der Repression, die verfassungsgemäße Respektierung des sozialen Protestes, die Bestrafung der hochrangigen Staatsfunktionäre, die das Massaker an wehrlosen Bürgern in Bogotá am 9. September veranlasst haben, das Ende der Auslöschung von sozialen Anführerinnen und Anführern und von Ex-Kombattanten, es sind seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens bereits  über tausend Tote.

Fordern wir die vollständige Aufklärung des „Ñeñe-Politik“-Komplotts, und verlangen, dass Duque wegen der Finanzierung seiner Kampagne mit Mafiageldern vom Präsidentenamt zurücktritt.

Absetzung aller mit den kriminellen Geldern Ñeñe Hernández Korrumpierten, die heute mit der Exekutive, der Legislative und der Judikative verbunden sind, angefangen bei der Vizepräsidentin Marta Lucía Ramírez, wegen ihrer Verbindungen zum Paramilitarismus und mit dem Mafioso und Geldwäscher „Memo Fantasma“(2). Keine Straffreiheit mehr für Álvaro Uribe, den gewalttätigen Landenteigner und Urheber der entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschheit, wie Massaker und falsos positivos.

Verlangen wir auch das Ende der Straflosigkeit mit exemplarischen Verurteilungen der Familien Char und Gerlein (2) und aller Verbrecher, die sich mittels Wahlbetrug und Stimmenkauf in der Politik gehalten haben. Gefängnis und Verlust der politischen Rechte für diejenigen, die Aída Merlano (3) Cárcel gemeldet hat.

Einheit, Einheit, Einheit aller Kolumbianer für eine neue Regierung, und für das Aufblühen des Friedens mit sozialer Gerechtigkeit.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

Edison Romaña, Oscar Montero, Aldinever Morantes, Walter Mendoza, Jesús Santrich, Iván Márquez

28. September 2020

 

(1) Der ermordete brasilianische Drogenboss José Guillermo Hernández alias Neñe hatte erklärt, den Präsidentschaftswahlkampf von Iván Duque und seinem Regierungsbündnis mit Stimmenkauf mitfinanziert zu haben.

(2) Memo Fantasma ist einer der mächtigsten kolumbianischen Paramilitärs und Dealer. Er soll aktuell unbehelligt von der Justiz als reicher Geschäftsmann in Madrid leben

(3) Die Gerleins und Chars gehören seit über 100 Jahren zu den mächtigsten Familien der Karibikküste. Mit dem jüngsten Sohn Alejandro, dem Ex-Bürgermeister der nördlichen Großstadt Barranquilla, streben die Chars an, den nächsten Präsidenten Kolumbiens zu stellen. Ein weiterer Sohn, Arturo, soll Senatspräsident werden. Den Chars gehört in der Region ein Wirtschaftsimperium. Ähnlich ist es bei den Gerleins. Roberto Gerlein war über 40 Jahre lang pausenlos Senator oder Minister. Sein Bruder Julio und dessen Kinder leiten das Bauunternehmen Valorcon, ein wichtiger Auftragnehmer staatlicher Bauaufträge.

(4) Die nach Venezuela geflüchtete kolumbianische Ex-Senatorin Aída Merlano hat Details eines Korruptionsgeflechts enthüllt, das Präsident Iván Duque und seinem Amtsvorgänger Juan Manuel Santos (2010-2018) zum Wahlsieg verholfen hat

 

Kommuniqué der FARC-EP im Original

 

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Duque muss gehen

Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee

Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee, als eine Front der FARC-EP-Front 20 professionelle Soldaten in den Bergen Caucas entwaffnete.

Wenig beachtet von den Medien, denn Schläge gegen die Armee passen nicht in das Bild der heldenhaften kolumbianischen Sicherheitskräfte, ereignete sich eine Operation in den Bergen Valle del Caucas, bei dem Kämpfer der Kompanie der FARC-EP Adán Izquierdo in Moralia, Gemeinde Tuluá, rund 20 Berufssoldaten festsetzten, die zu einer sogenannten humanitären Minenräumbrigade gehörten. Die Soldaten wurden von den Guerilleros entwaffnet, ihre Gewehre eingezogen und sie dann anschließend nach einer Belehrung freigelassen.

In zwei Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, spricht der Kommandant der FARC-EP und sagt, dass die Guerilla das Leben der Soldaten respektieren wird, während diese auf dem Boden eines Lagers liegen. Der Kommandant fügte hinzu, dass es eine Lüge ist, dass es in diesem Gebiet Antipersonenminen gibt. „Hier sind 17 Kämpfer. Sie sind alle Berufssoldaten verschiedener Bataillone. Sie dienen der humanitären Minenräumung in der Gegend, in der wir nie zum Minenlegen gekommen sind. Und die Zivilbevölkerung weiß, dass hier nicht gemint wurde.“

„Wir haben gelernt, dass es sich oft um falsche Positive handelt [falsos positivos sind gefälschte positive Ergebnisse der Armee, bis hin zu angeblichen im Kampf getötete Guerilleros, die jedoch in Wahrheit einfache Zivilisten sind]. Sie legen Minen und machen das ganze Schauspiel, um den Bericht zu geben, dass ja `ein Minenfeld´ gibt, nur damit sie ihren Job nicht wegnehmen. Wir verstehen die Situation eines jeden von euch. Einige tun es nicht, sie legen keine Minen und sie melden keine Minen. Aber die meisten tun es.“

„Dies ist ein landesweites Programm und sie lassen sie hier, damit die FARC sie töten kann, das war’s. Weil eure Chefs und Kommandeure sich nicht um euch kümmern. Wir haben einige von euch getötet und wisst ihr, was sie tun? Sie gehen in eine andere Stadt und rekrutieren die armen Leute, was das Traurigste ist. Wir werden das Leben respektieren, solange sie mit uns bei der Information zusammenarbeiten und uns alles Administrative geben, was sie haben. Wir sind die Kompanie [Compañía] Adán Izquierdo der FARC-EP.“

Der Vorfall wurde von der Armee heruntergespielt, zum Beispiel, dass es sich um eine Gruppe unbewaffneter Soldaten gehandelt habe. Aber dies ist eine Lüge, denn in einer Region, wo die FARC-EP präsent ist und in einem Bürgerkriegsland gibt es kein unbewaffnetes Militär. Stattdessen ist das Militär derzeit präsent, weil es die Bevölkerung nicht vor den Massakern schützt, paramilitärische Gruppen freien Lauf lässt und Zivilisten ermordet, wie zuletzt eine Frau im Cauca.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee

Jorge Vive, La lucha sigue – In Erinnerung

Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia:

Jorge Vive, La lucha sigue – In Erinnerung
Jorge lebt, der Kampf geht weiter – In Erinnerung

Hier ist er; er kämpft weiter für die neue Heimat im Zweiten Marquetalia… Sechzig Tonnen Bomben, die die Luftwaffe vor zehn Jahren auf sein Guerillalager in La Macarena abgeworfen hatte, reichten nicht aus, um ihn zu töten. Jorge Vive. Die Stärke seiner Liebe zum Volk nährt die nationale Empörung, die gegen schlechte Regierungen explodiert und sich auch in den Bergen mit Anstand manifestiert.

Die Tyrannei des Nariño-Palastes ist nicht ewig. Die Mobilisierung aller sozialen und politischen Ausdrucksformen des Landes unter dem Banner einer neuen Regierung ist die transformative Macht, die einzige Kraft, die den Kolumbianern wahre Demokratie, Frieden und würdevolles Leben garantieren kann.

Für Jorge, den lieben Mono Jojoy, unser Gefühl der Zuneigung, das nie aufhört. Danke Bruder, dass du uns gelehrt hast, solidarisch zu sein, Guerilleros wie der Che zu sein, dass du deine Gabe mit den Menschen geteilt hast, deine Zärtlichkeit mit Kindern, dein Beispiel der Menschlichkeit, deine Freude und deine Beharrlichkeit im Kampf, die fähig ist, Berge zu bewegen.

Wir werden siegen, Jorge! Venceremos!
FARC-EP, Zweites Marquetalia

 

Kommuniqué der 41. Front Cacique Upar der FARC-EP, Zweites Marquetalia:

Jojoy hasta siempre – Jojoy für immer!

Gesundheit Jojoy, Guerillero aus der Ebene und den Anden! Zwischen Licht und Schatten, zwischen Bergen und Stadtvierteln, zwischen Vogelgezwitscher und Bergblumen, zwischen Schießpulver und Idealen … verbreitet sich die Erinnerung an Mono Jojoy wie ein gerechter Kriegsschrei, der den Armen der Erde Frieden mit Anstand bringen wird.

Romaña teilte uns auf dem Kommandantentreffen im August 2019 kurz vor unserer Abreise mit, um den Wiederaufbau der Fronten 19, 41 und 59 in der kolumbianischen Karibik voranzutreiben, dass, als Genosse Jorge vom Feind getötet wurde, in jenen Tagen ein Treffen des Generalstabs des Ostblocks durchgeführt wurde. Nach einem langen Arbeitstag war der Nachmittag angebrochen und die Kommandeure zogen sich zu ihren Ruheplätzen zurück, die in verschiedenen Lagern voneinander entfernt waren. Die Nacht brach herein und am frühen Morgen, gegen 02:00 Uhr, als Jorge sicherlich bei Kerzenlicht arbeitete, wie er es jeden Tag tat, begann das Bombardement, das ihm das Leben kostete.

Der Befehl lautete, das Lager des Guerillakommandanten „von der Karte auszulöschen“. Der militärische Geheimdienst hatte es geschafft, einen elektronischen Apparat einzusetzen und deshalb waren sie sich über den Ort ihres Ziels sicher. Das Gelände wurde zerstört, als Tausende Kilo Sprengstoff vom Himmel fielen. Acht weitere Kämpfer kamen bei dem Bombenangriff ums Leben. Und egal wie sehr sie versuchten, mit Blei durchzubrechen, die Guerilleros und Guerilleras, die Genosse Jorge begleiteten, schafften es nicht, ihn aus den Ruinen des Bunkers zu entfernen, unter dem er begraben war. Als sie nach acht Tagen Kampf einen zweiten Versuch unternahmen, hatten sie ihn bereits weggebracht.

Der Tod hatte die Höhen des Berglandes berührt und seine Schatten fielen mit dem Gewicht der Trauer, um die Tage zu verdunkeln. Es gab vier Monate intensiver Kämpfe, in denen die Krieger von Manuel Marulanda Vélez aus der Schmiede des Zorns dieses Fragment der Geschichte mit Ehre entzündeten. Und es gibt das Beispiel, dass die FARC-EP-Mitgliederschaft, Zweites Marquetalia, heute nach dem Schein dieser Schmiede, dieser Flamme, dieses Gebirgslichts aufgreift.

Mit der Schale aus aufständischem Ton in unseren Händen stoßen wir aus jedem Punkt des gemeinsamen Landes an, indem wir den Wein der Rebellion für das Neue Kolumbien trinken, die rote Heimat des von unseren Helden und Heldinnen vergossenen Blutes.

Weil sich die Respektlosigkeit gegenüber den Tyrannen, die uns regieren, vervielfacht, lebe die Erinnerung an Mono Jojoy!
Weil wir der Yankee-Einmischung ein Ende setzen wollen, lebe die Erinnerung an alle Gefallenen!
Für die Einheit der Guerilla und der Bevölkerung gegen die Oligarchien und gegen den Imperialismus lebe die FARC-EP Zweites Marquetalia!

Gonzálo Ortíz und Jesús Santrich

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Jorge Vive, La lucha sigue – In Erinnerung

Überblick zum bewaffneten Konflikt

Von der Stiftung Pares gibt es derzeit einen kurzen Überblick über das Agieren der bewaffneten Organisationen in Kolumbien. Darin wird auch die Ausdehnung der FARC-EP bzw. der interne Konflikt zwischen den beiden sich als FARC-EP bezeichnenden und auf das historische Erbe aufbauenden Strömungen, auf der einen Seite kommandiert von Gentil Duarte und anderen, auf der anderen Seite von Iván Márquez und anderen Kommandierenden, eingegangen. So hat das Wachstum der beiden Strömungen der FARC-EP dazu geführt, dass es vermehrt Konfliktsituationen und Eskalation zwischen beiden Strukturen gibt. Eine Vereinigung der Strukturen von gentil Duarte um die Erste Front und der Struktur um Iván Márquez und Jesús Santrich konnte bisher nicht erfolgen. Ziel der beiden Strukturen war es, je nach eigener Lage und Situation eine Neukonfiguration der Reste der FARC-EP zu erreichen und neue Strukturen im ganzen territorialen Raum aufzubauen.

Klar erkennbar ist noch der vor allem militärische und wirtschaftliche Nachteil von Iván Marquez und der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Derzeit finden die meisten Eskalationen um territoriale Macht im Südwesten Kolumbien statt, wenn auch Strukturen des Zweiten Marquetalia im Osten Kolumbiens und an der Grenze zu Venezuela beheimatet sind, während Gentil Duarte im Süden und Osten über eine starke Präsenz verfügt. Wenn auch die Zahlen der Stärke der jeweiligen Strukturen der FARC-EP mit Vorsicht zu genießen sind, so wird jedoch klar erwähnt, dass Gentil Duarte trotz der derzeitigen Überlegenheit eher die Gefahr sieht, an Einfluss zu verlieren, da die Strukturen um das Zweite Marquetalia teilweise auch militärisch versuchen, um Kontrolle zu übernehmen. Geringe Befürchtungen at er jedoch in den Regionen Meta, Caquetá und Guaviare, wo sich der territoriale Einfluss von Gentil Duarte wesentlich gefestigt hat.

Konflikte gibt es derzeit vor allem im Westen, wo es laut verschiedener Quellen ein Zerbrechen der Front Oliver Sinisterra gab, die in der Provinz Nariño mit 350 Kämpfern agierte. So soll ein Teil der Kämpfer die Loyalität zu Gentil Duarte erklärt haben und ein anderer teil soll sich unter dem Komamndo von Iván Márquez und dem Zweiten Marquetalia begeben haben. Ähnliche Konfrontationen gibt es derzeit auch im Arauca und Norte de Santander mit Teilen der 10. Front Martín Villa und der 33. Front Mariscal Sucre, wenn auch der Kommandant der dissidentischen 33. Front zuletzt klar machte, dass er auf Seiten von Duarte steht. Undurchsichtig und kaum Erwähnung in dem Bericht der Stiftung Pares findet die Situation im Cauca. Zwar hat Gentil Duarte mit den dortigen dissidentischen Strukturen ein loses Bündnis geschlossen, so dass sich das Westlichen Koordinationskommando auf seine Seite schlug, doch zuletzt gab es immer wieder Meldungen und Kommuniqués des Zweiten Marquetalia, die auch hier von einem Eindringen in den Einflussbereich zeugen. Sollte sich dies bestätigen, wäre zumindest der wichtige illegale Zweig der Ökonomie für den Aufbau einer schlagkräftigen Guerilla erreicht, der bisher fehlt.

Klar erwähnt wird jedoch das fehlende politische Bewusstsein und die fehlende Verankerung in der Bevölkerung. In der alten sich entwaffneten FARC-EP wurden ganz klar auch die politischen Aspekte in den Vordergrund der politisch-militärischen Arbeit gestellt und eine enge Beziehung zu den sozialen Bewegungen und zur Bevölkerung hergestellt. Diesen Grad können die derzeitigen Strukturen der neuen FARC-EP nicht erreichen. Zum einen, weil ihnen wahrscheinlich auch die Kader fehlen, zum anderen, weil ihr Auftreten derzeit eher als gewaltvoll, der illegalen Ökonomie und der Machtkonsolidierung- bzw. Erweiterung ausgerichtet ist. Hingewiesen wird auch auf die fehlende Hierarchie in der FARC-EP, die es der Politik schwer macht, an die Organisation anzuknüpfen. Oftmals führen die losen und autonom agierenden Strukturen b zw. Fronten ein Eigenleben, dass sich schwer kontrollieren lässt und dass die Bevölkerung nicht als Interessenvertretung ansieht, so wie es vorher der Fall war.

Derzeit soll es laut Pares rund 30 Strukturen der dissidentischen FARC-EP im gesamten Land geben. Präsent sind diese in 113 Gemeindebezirken in 19 verschiedenen Provinzen, wobei Cauca, Nariño, Norte de Santander, Guaviare, Meta, Putumayo und Antioquia die höchste Präsenz aufweisen. Hierbei ist ein Wachstum seit 2016 festzustellen, seit dem der Friedensprozess unterzeichnet wurde und dem sich die Erste Front Armando Ríos mit 300 Kämpfern entgegenstellte. Von 1600 Kämpfern im Jahr 2018 sind nun schon 2600 für Mai 2020 erreicht. Wichtig zu erklären ist, dass sich die Zahl vor allem aus neuen Rekrutierungen zusammensetzt und nicht die sich im Wiedereingliederungsprozess befindlichen ehemaligen FARC-Kämpfer betrifft. So sind noch 94% der 13510 sich entwaffneten Kämpfer im Wiedereingliederungsprozess, was eine Zahl von 12767 bedeutet.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Überblick zum bewaffneten Konflikt

Kolumbien ist zu einem großen Friedhof geworden

Eine neue Welle der Gewalt und Massaker hat Kolumbien fest in seiner Hand. Junge Menschen, Bauern, Linke und Andersdenkende sind diese Opfer der „kollektiven Morde“, wie Präsident Duque die Massaker und die systematische Auslöschung der Opposition beschönigt. Das Wort Massaker vermeidet er, obwohl die taten genau das sind. Sie erinnern an die schlimmen Jahrzehnte, als Kolumbien inmitten des Bürgerkrieges stand und paramilitärischer Terror alltäglich war.

Schon nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zeichnete sich ab, dass außer der ehemaligen aufständischen Bewegung FARC und den einfachen Menschen des Landes, die ehemals herrschende Clique und Oligarchie kein Interesse an Frieden, Fortschritt und Veränderungen haben. Es begann, wie damals in den 1980er Jahren mit der linken Partei Unión Patriótica, ein systematisches Morden von ehemaligen Guerillakämpfern und linken oppositionellen. Diametral dazu stand kein Interesse des Staates für Sicherheit zu sorgen, geschwiege denn das Friedensabkommen umzusetzen.

Nun schellen die Alarmglocken. In den zurückliegenden Wochen häufen sich die Massaker in allen Regionen des Landes, vor allem jedoch dort, wo sich die ehemalige FARC-EP nach ihrer Waffenniederlegung und dem Friedensprozess zurückgezogen hat und wo nun paramilitärische Strukturen das Vakuum füllen. Auch wenn die Urheber der Massaker nicht immer gleich zu benennen sind, Regionen wie Antioquia oder Bolívar stehen klar unter ihrem Einfluss. Es scheint, dass in Kolumbien nicht nur die Pandemie herrscht, sondern auch die Massaker, die immer wiederkehrender werden.

Warum nun diese Welle immer tödlicher und blutiger wird, lässt sich nur schwer sagen. Es sind sicherlich mehrere Faktoren, die dafür verantwortlich sind. Zum einen ist da das Nichtagieren des Staates und seine nicht vorhandene Verfolgung der Taten und fehlende Schutzmechanismen. Paramilitärische Gruppen, gedeckelt und unterstützt von rechten Politikern, Großgrundbesitzern, Wirtschaftsunternehmen und teilweise auch durch die staatlichen Sicherheitskräfte, fühlen sich sicher in ihrem Treiben ermuntert.

Zu den rechten Politikern gehört der ehemalige Präsident Alvaro Uribe Veléz, der als Unterstützer des Paramilitarismus gilt und unter anderem deswegen vor einer Anklage steht. Derzeit ist er inhaftiert. Ist auch deswegen die systematische Gewalt im gesamten Gebiet ausgebrochen? Immer wieder gibt es Enthüllungen, die zeigen, wie stark die kolumbianische Politik mit dem Paramilitarismus verbandelt ist. Hierfür hat sich längst das Wort Para-Politik etabliert.

Gerade Regionen wie Antioquia, Cauca, Nariño, Norte de Santander, Bolívar und Putumayo sind von der Gewalt betroffen. Über 55 Massaker im Jahr 2020 im ganzen Land sind eine eindeutige Sprache. Betroffen sind vor allem Regionen, in denen kriminelle Banden und paramilitärische Gruppen ihren Einfluss vergrößern wollen. Einher geht dies mit Gewalt gegen jene, die sich für einen Ersatz der illegalen Pflanzkulturen, also zum Beispiel Koka, einsetzen und im Substitutionsprogramm mitmachen.

Die sozialen Aktivisten und die linke Opposition sind die einzigen im Land, die Veränderungen herbeiführen können und in der Bevölkerung Gewicht haben. Daher sind sie das bevorzugte Ziel des paramilitärischen Terrors, der die Interessen der Großgrundbesitzer, der transnationalen Konzerne und der Oligarchie gegen linke Ideen und Transformationen verteidigt. Kein Wunder also, dass es anhaltende Diskussionen über die vielleicht zu vorzeitige Entwaffnung, den nur spärlich umgesetzten Friedensprozess und die Rückkehr einer bewaffneten FARC-EP gibt.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Kolumbien ist zu einem großen Friedhof geworden

Ein Jahr FARC-EP – Zweites Marquetalia

In der Zeitschrift und dem Webportal Semana gab es am Wochenende einen Artikel über die Szenarien und die aktuelle Situation der FARC-EP, zweites Marquetalia und dem Konflikt mit anderen Organisationen, auch im Kontext des Bruderkrieges gegen die FARC-EP unter Gentil Duarte. Wir haben in den zurückliegenden Wochen bereits mehrmals über den sogenannten Bruderkrieg in der FARC-EP geschrieben, wollen euch aber die wichtigen Auszüge aus dem Artikel von Semana präsentieren, der abschließend einen guten Überblick gibt, auch von den Massenmedien die Informationen immer mit Vorsicht zu genießen sind.

Im letzten Jahr, als am 29. August die Erklärung von Iván Márquez, Jesús Santrich, El Paisa, Romaña und anderen hochrangigen Kommandierenden zur Gründung der FARC-EP, zweites Marquetalia, erfolgte, gab es mehrere Szenarien für den sozialen und bewaffneten Konflikt in Kolumbien. Durch das Gewicht und die Bekanntheit ihrer Kommandierenden gab es die Befürchtung, dass sich große Teile der schon dissidentischen FARC-EP unter Gentil Duarte der FARC-EP, Zweites Marquetalia, anschließen würden. Doch das Szenario einer sich vereinten großen Guerillaorganisation hat sich bisher nicht erfüllt.

Auch ein Zusammenkommen mit dem ELN, der anderen linken Guerillaorganisation, fand bisher nicht statt, wie von einigen vermutet wurde. Andere wiederum, und dies war bisher auch das Wahrscheinlichste, dachten, dass die neue FARC-EP zwar hochrangige und politische Kommandierende haben, aber keine Basis bzw. keine militärischen Strukturen im Hintergrund. Im Vergleich zu den FARC-EP um die 1., 7., 27. und 40. Front im Osten und dem Westlichen Koordinationskommando war die FARC-EP, Zweites Marquetalia, tatsächlich schwach aufgestellt. Doch nun zeigt sich, dass eine Veränderung stattfindet und sich die FARC-EP, Zweites Marquetalia, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch militärisch und territorial konsolidiert und wächst. Auch wenn sie noch nicht der größte Akteur sind.

Schätzungen aus den staatlichen Sicherheitskräften gehen mittlerweile von rund 1000 Personen aus, die der FARC-EP, Zweites Marquetalia, angehören. Rund 3000 gehören zur anderen FARC-EP um Gentil Duarte und dem Westlichen Koordinationskommando. Doch die Präsenz des Zweiten Marquetalia hat sich vom Osten in den Westen erhöht. Nun haben sie Strukturen in den Provinzen Nariño, Cauca, Antioquia, Casanare, Vichada und Arauca. Zu den ersten Strukturen, die sich dem Zweiten Marquetalia angeschlossen haben – neben den bereist bestehenden Strukturen im Osten Nahe der Grenze zu Venezuela, gehörten die 18. Front „Román Ruiz“ in Antioquia (wir berichteten am 27. September 2019 darüber) und auch die 28. Front „José María Córdoba“ aus Casanare und Boyacá wenige Wochen vorher.

Gespräche zwischen Iván Márquez und Gentil Duarte sind bisher nicht erfolgreich gewesen. Zwar wurde Gentil Duarte Platz angeboten, doch schließlich wollte er sich denjenigen nicht unterordnen, die die Ideale der FARC-EP mit dem mittlerweile gescheiterten Friedensprozess verraten hatten. Zudem hatte Gentil Duarte nun in den drei Jahren eine schlagkräftige Armee um sich und wollte seinen Einfluss nicht mit anderen teilen. Dies ist auch der heutige Stand zwischen den beiden „Bruder-Strukturen“ der FARC-EP. Schlimmer noch, in verschiedenen Regionen kämpfen beide gegeneinander um die Macht.

Ein Beispiel dafür zeigt sich derzeit im Cauca im Westen des Landes. Hier gibt es Gerüchte, dass die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Walter Mendoza neue Strukturen aufbaut und es Verhandlungen mit Strukturen der anderen FARC-EP gibt. Auch aus Nariño wird berichtet, dass hochrangige Kommandierende des Zweiten Marquetalia vor Ort sind, um Strukturen aufzubauen. So soll laut staatlichen Sicherheitskräften El Paisa verantwortlich sein, um Teile der ehemaligen Front Óliver Sinisterra, die ehemals stärkste Struktur im Süden, zu sammeln und für ihr revolutionäres Projekt zu gewinnen. Ebenso gibt es Versuche, den Einfluss im Osten zu vergrößern. So gab es Kämpfe in Arauca zwischen Kämpfern der 10. Front, zu gentil Duarte gehörend, und Kämpfern des Zweiten Marquetalia.

Es kann abschließend festgehalten werden, dass ein jahr nach der Erklärung zur Gründung der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zwar noch nicht die größte Guerillaorganisation entstanden ist und es auch keine Vereinigung mit dem Kommando der bereits bestehenden dissidentischen Strukturen der FARC-EP um Gentil Duarte gab, doch sie haben es geschafft, in einem Großteil des Territoriums präsent zu sein und Hunderte von neuen Kämpfern sowie neue Strukturen zu gewinnen. Damit ist das Zweite Marquetalia langfristig zu einer ernsten Gefahr für Gentil Duarte geworden, bei dem sich das Kräfteverhältnis derzeit immer weiter, wenn auch langsam, verschiebt.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Ein Jahr FARC-EP – Zweites Marquetalia

Der Bruderkrieg in der FARC-EP – Teil II

Einige Medien berichten erneut über den Konflikt und „Bruderkrieg“ der FARC-EP im Cauca. Im Mittelpunkt stehen Veröffentlichungen von Fotografien von sehr gut ausgestatteten Guerillakämpfern der Front Carlos Patiño der sogenannten dissidentischen FARC-EP, die zum Westlichen Koordinationskommando gehört. In diesem Koordinationskommando sind diverse Strukturen der FARC-EP unter einem einheitlichen Kommando zusammengefasst. Diese sind den Strukturen der FARC-EP im Osten um die Erste Front Armando Ríos und anderen Fronten wie der 7. oder 27. Front sehr nahe, die unter dem Kommando von Gentil Duarte stehen.

Die nun veröffentlichten Fotos stammen aus dem südlichen Cauca, wo die Front Carlos Patiño operiert. Es sind rund zwanzig Guerilleros mit modernen Gewehren, Stiefeln, neuen Uniformen und gepanzerten Helmen. Die Front konnte in den letzten zwei Jahren mit ihrem Bestehen, genauso wie andere Strukturen der FARC-EP, gegenüber dem ELN Boden gut machen, doch nun zeigt sich ein weiteres Mal der Bruderkrieg zwischen den unterschiedlichen politisch-militärischen Ausrichtungen der FARC-EP. Im Konflikt steht die Front Carlos Patiño mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, um die Kommandanten Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa.

Veröffentlicht wurden die Fotos zuletzt vor zwei Tagen auf der Facebook-Seite der Front Carlos Patiño. Zu sehen sind auch Kommuniqués, wie bereits hier von uns auf Kolumbieninfo vom Westlichen Koordinationskommando übersetzt. In den Kommuniqués distanziert sich die Front von Angriffen gegen soziale Aktivisten in der Gemeinde Argelia, betont aber den Kampf gegen ELN und die FARC-EP, Zweites Marquetalia. Die FARC-EP um Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa trat bisher eher politisch auf und konnte nur wenige Strukturen mit militärischer Schlagkraft für sich gewinnen. Doch nun scheint auch im Cauca Bewegung in die Neuordnung zu kommen.

Seit mehr als zwei Monaten kämpft die Front Carlos Patiño gegen die andere FARC-EP um die territoriale Kontrolle. Anscheinend konnte dabei die FARC-EP, Zweites Marquetalia, Strukturen aufbauen und vor allem ihren Einfluss politisch und militärisch ausbauen. Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass Márquez und Santrich hier im Cauca sind. Gemeint ist wohl eher ihre politisch-militärische Arbeit, denn die Personen selbst. Doch unter der Hand wird berichtet, dass Teile der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos, die eigentlich größte Struktur der FARC-EP und eigentlich zugehörig zum Westlichen Einheitskommando, zu der auch die Front Carlos Patiño gehört, von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, absorbiert wurde.

Doch genaues zu erfahren ist oft schwierig, da sich alle im bewaffneten Konflikt verorteten Akteure, also staatliche Sicherheitskräfte, unterschiedliche FARC-EP-Kräfte, ELN, Paramilitärs und andere Drogenbanden sehr bedeckt halten. Ein Ziel des Paramilitarismus und der stattlichen Sicherheitskräfte ist zum Beispiel das systematische Ermorden von linken Aktivisten, um Panik und Chaos in der Bevölkerung zu schüren und um die politisch-militärische Arbeit der linken Guerilla zu entpolitisieren. Erbittert wird aber um jedes Dorf, jeden Zugang zu Ressourcen von den unterschiedlichen Akteuren gerungen. Leidtragend ist die lokale Bevölkerung in diesem Krieg, in dem die Akteure und Kräfte manchmal im Nebel der westlichen Kordilleren verschwinden. Fakt ist nur, die FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat im Cauca Fuß gefasst und dies könnte ihr ein enorm wichtiges Territorium an Rückzugsraum, politischer Initiative, aber auch an finanziellen Ressourcen ermöglichen.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Der Bruderkrieg in der FARC-EP – Teil II

Ehemaliger Kommandant der FARC-EP getötet

Am 29. August wurde in den Nachmittagsstunden der ehemalige Kämpfer und Kommandant der FARC-EP Jorge Ivén Ramos in dem Dorf Palmachica in der Gemeinde Santa Rosa im südlichen Teil der Provinz Bolívar getötet. Jorge Ivén Ramos war Mitglied des Nationalrats der Partei FARC, Mitglied des territorialen politischen Rates vom Magdalena Medio und Teil des Programms für die Substitution der illegalen Pflanzen. In der ehemaligen Guerilla FARC-EP war er der Kommandant der 37. Front, die in den Montes de Maria operierte. Hier war er bekannt durch seinen Kampfnamen Mario Morales.

Die Partei FARC forderte die internationale und nationale Gemeinschaft auf, die Sicherheit der Friedensunterzeichner zu gewährleisten. „Es ist unrecht, dass Fälle wie diese weiterhin im gesamten Staatsgebiet mit dem mitschuldigen Eindruck der Regierung geschehen, wir fordern weiterhin die Einhaltung des Abkommens im Friedensabkommen.“ Mit der Ermordung von Jorge Ivén Ramos sind bereits 225 Friedensunterzeichner der ehemaligen Guerilla ermordet worden. Hinzu kommen weitreichende Bedrohungen, Vertreibung und ständige Gewalt, die die ehemaligen Kämpfer in ganz Kolumbien erleiden müssen.

Neben Wilson Saavedra, der als Kämpfer der 21. Front und Kommandant der Kolonne Víctor Saavedra Ramos am 14. Mai 2019 im Valle del Cauca ermordet wurde, sind nun zwei Kommandierende der ehemaligen FARC-EP während des Friedensabkommens getötet worden. Ein Kommuniqué des Wiedereingliederungsortes, der ETCR Juan Carlos Castañeda, berichtet, dass Ramos am 28. August aus dem Dorf, in dem er lebte, wegfuhr, weil er Informationen über Vereinbarungen mit der nationalen Regierung brauchte. Auf dieser Fahrt wurde er in der Nähe des Dorfes Palmachica in der Gemeinde Santa Rosa von bewaffneten Männern der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) festgehalten, gefesselt und anschließend getötet.

Abschließend äußerte der Nationale Rat als hohes Gremium der Partei FARC in einem offenen Brief an die ELN den Schmerz und vor allem die Unverständnis über die Ermordung ihres Genossen von der Guerilla ELN:

„Wir erinnern uns, dass wir seit mehr als 6 Jahren in der Lage sind, unversöhnliche Differenzen mit euch beizulegen, die der Krieg uns auferlegt hat, und wir beschlossen, eine Zukunft gemeinsamer Arbeit zu zeichnen, um demokratische Veränderungen zu erreichen und das heilige Recht auf Frieden in Kolumbien zu verwirklichen. Das begangene Verbrechen wirkt sich nachteilig auf die Festigung des vollständigen Friedens aus. Heute freuen sich die Feinde des Volkes über diese schmerzhaften Ereignisse.

Wir sind davon überzeugt, dass die gesamte Organisation, die Sie vertreten, effektiv reflektieren wird, um zu verstehen, dass der Krieg nicht gegen die Söhne und Töchter des Volkes gerichtet ist, geschweige denn gegen diejenigen, die revolutionäre Prinzipien verkörpern. Die Zukunft unseres Landes kann nichts anderes sein als die der Versöhnung und des Friedens mit der sozialen Gerechtigkeit.“

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Ehemaliger Kommandant der FARC-EP getötet

Der Bruderkrieg in der FARC-EP

Mehrmals haben wir versucht zu verdeutlichen, warum es innerhalb der ehemaligen aufständischen Bewegung FARC-EP, unterschiedlich agierende und sich auch bekämpfende Strukturen gibt, die nun wieder zu den Waffen gegriffen haben. Klar differenzieren werden muss hier zwischen den beiden Linien der FARC-EP, die unter dem Kommando der Frente Primero Armando Ríos [1. Front Armando Ríos] und auch im Westen unter dem neu entstanden Westliches Koordinationskommando auf der einen Seite sowie der Organisation Zweites Marquetalia auf der anderen Seite entstanden sind.

Erstgenannte haben sich bereits während des Friedensabkommens von der Verhandlungslinie der FARC-EP entfernt und bereits vor dem Friedensschluss verkündet, dass Erbe der FARC-EP als bewaffnete Organisation fortzuführen. Um die 1. Front scharten sich viele andere Personen (Guerillakämpfer und Milizionäre), so dass weitere Fronten entstanden sind. Auch im Westen (Cauca, Nariño) gab es Strukturen, die sich dem Friedensschluss verweigerten und zuerst nebenher agierten. Erst vor einem Jahr ist mit dem Westliches Koordinationskommando ein einheitliches Kommando der verschiedenen Gruppen entstanden, dass gute Kontakte zu den Strukturen der 1. Front im Osten des Landes unterhalten.

Die Organisation Zweites Marquetalia ist von Guerillakämpfern und vor allem ehemaligen hochrangigen Kommandierenden entstanden, die am Friedensprozess beteiligt waren und erst im Zuge der Nichteinhaltung von Seiten der Regierung und dem Erkennen der Farce eines sogenannten Friedensabkommens wieder zu den Waffen gegriffen haben. Hierunter befindet sich neben dem ehemaligen Verhandlungsführer Iván Márquez auch Jesús Santrich, El Paisa oder Romaña, allesamt bekannte Kommandierende. Bisher tritt das Zweite Marquetalia vor allem im politischen Kontext auf und hat nur wenig militärische Schlagkraft.

Im Gegenteil dazu haben erstgenannte Strukturen im Osten wie die Fronten 1, 7 und 40 sowie im Westen unter dem Koordinationskommando eine enorme militärische Schlagkraft aufgebaut, die es ihnen ermöglich, vor allem im Südwesten im Cauca und Nariño, sowie im Osten und Südosten wie in Caquetá, Meta, Guaviare und Putumayo wieder politische und militärische Kontrolle zu übernehmen. Auseinandersetzungen zwischen den bewaffneten Organisationen, wie dem ELN, den Paramilitärs, aber auch der FARC-EP, zweites Marquetalia, bleiben da nicht aus. Leidtragend ist häufig die Zivilbevölkerung inmitten dieser Kämpfe und territorialen Auseinandersetzungen.

Ein am 14. August veröffentlichtes Kommuniqué beschreibt aus Sicht des Westlichen Koordinationskommandos die inhaltlichen politischen Differenzen zwischen den ehemaligen Strukturen aus der FARC-EP. Originale Fragmente des Kommuniqués sind schraffiert:

Aus dem Kommuniqué mit Namen Notwendige Klarheiten:

Es ist offensichtlich, dass diejenigen, denen wir heute gegenüberstehen, mit den Streitkräften gegen unsere Organisation FARC-EP verbündet sind, nicht nur im Bereich der militärischen Konfrontation, sondern auch im Bereich der Propaganda, alle versuchen, dem Prinzip der Nazi-Propaganda treu zu bleiben: „Eine tausendmal wiederholte Lüge wird zur Wahrheit.“ Damit wollen sie unsere Arbeit als revolutionäre Organisation verzerren und uns als Drogenhändler, Paramilitärs, Kriminelle bezeichnen, wobei sie denselben Diskurs der nationalen Regierung, des Militärs und der Polizei verwenden. Wissend, dass die Gemeinschaften, durch die wir uns bewegen und von denen wir uns täglich ernähren, nicht auf ihre Täuschungen hereinfallen, denn unsere Arbeit unterstützt uns.

Um die Wahrheit zu würdigen und mit Respekt und der Ernsthaftigkeit, die die Gemeinschaften verdienen, möchten wir einige Dinge aufklären, die unsere militärischen Aktionen gegen die Gruppe, die sich Segunda Marquetalia [Zweites Marquetalia] nennt, gegen diejenigen, die behaupten, von der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) zu sein und gegen die paramilitärischen Gruppen im kolumbianischer Westen, rechtfertigen:

Zu unserer Konfrontation mit der Organisation Zweites Marquetalia:
Das Zweite Marquetalia ist eine Organisation, die im September letzten Jahres gegründet wurde und von jenen geleitet wurde, die bis zum Ende Förderer und Unterzeichner des „Friedensabkommens“ waren und sich jederzeit der Täuschung bewusst waren: Verstöße gegen die ehemaligen Kämpfer und das kolumbianische Volk und trotzdem haben sie diese Vereinbarung unterschrieben. Wir haben versucht, uns mit ihnen zu vereinen, aber ihr Chef Ivan Márquez gab vor, dass unsere mehr als vierjährige Organisationsarbeit an seine anderen Chefs übergeben werden musste, die nur daran gewöhnt sind, Truppen zu befehligen und die das Scheitern der FARC-EP in ihren Händen hielten. Sie sind Komplizen durch Handlung oder Unterlassung und müssen sich vor dem kolumbianischen Volk verantworten. In der vergangenen Woche haben wir bewaffnete Konfrontationen gegen diese Gruppe abgehalten und werden sie auch weiterhin führen. Wir können nicht offenzulassen, dass sie kommen und Kolumbien sagen, dass sie die FARC-EP sind, als sie genau diejenigen waren, die versucht haben, unsere revolutionäre Organisation zu zerstören.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Iván Márquez klar, dass sie nicht die Militär- und Polizeikräfte konfrontieren wollen, einer populistischen Position, die die Realität leugnet. Wie kann man den Streitkräften nicht konfrontieren, wenn sie diejenigen sind, mit denen die kolumbianische Regierung das Volk unterdrückt und ermordet? Wie kann man so tun, als würde man die Oligarchie angreifen, ohne sich zuerst den Militär- und Polizeikräften zu stellen, die ihr Schutzschild sind? In der jüngsten Erklärung der Organisation Zweites Marquetalia im Cauca heißt es: „Die einzig gültige Auferlegung wird immer auf der Finanzierung der Rebellion beruhen … was für die multinationalen Unternehmen gilt, die unseren Reichtum plündern.“ Wir können nicht mit einer Organisation gemein sein, die ein Komplize bei der Zerstörung der Umwelt und gemeinsamer Güter wie Wasser und Wälder wird und alle Widerstandsaktionen des kolumbianischen Volkes gegen multinationale Unternehmen ignoriert. Wir können einer Organisation nicht zustimmen, die behauptet, farianisch [die farianische Kultur ist die Guerilla-Kultur] zu sein und unserer Bolivarischen Plattform widerspricht. Wir stehen gegen das Zweite Marquetalia, das öffentlich erklärt, dass sie sich den Streitkräften nicht stellen und Vereinbarungen mit multinationalen Unternehmen treffen werden.

Es folgen klarstellende Äußerungen zum ELN und zu den paramilitärischen Gruppen. Zum Ende wird noch einmal ein Rundumschlag präsentiert:

Wir, die FARC-EP, die im Comando Coordinador de Occidente [Westliches Koordinationskommando] umfasst sind und dem kolumbianischen Staat niemals Waffen übergeben haben und noch weniger Teil der Farce des Friedensabkommens waren, möchten klarstellen, dass wir weiter kämpfen, das es normal ist, dass sie schlecht von uns reden, der kolumbianische Staat hat es immer getan und jetzt verbünden sich diese Gruppen, aber die Gemeinschaften wussten immer, wer wir sind und wie wir handeln, wir haben keine Angst vor dem Propagandakrieg. Wir bitten um Ruhe, lassen uns nicht von Gruppen einschüchtern, die nicht in Gebieten anwesend sind, wie das ELN in Algeria und El Tambo. Stoppt nicht eure wirtschaftlichen Aktivitäten, die es euch ermöglichen, eure Familien mit Essen zu versorgen. Ihr könnt normal weiterarbeiten. Wir sind auf eurer Seite und werden zusammen mit euch das neue Heimatland aufbauen wo all die Sorgen, die Bauern, Indigene und Schwarze leben, verschwinden.

Volk und Würde, Manuel Marulanda lebt, der Kampf geht weiter!

Comando Coordinador de Occidente
Columna Móvil Jaime Martínez
Columna Móvil Dagoberto Ramos
Columna Móvil Franco Benavides
Columna Móvil Urías Rondón
Frente 30 Rafael Aguilera
Frente Carlos Patiño
Frente Ismael Ruíz
Compañia Adan Izquierdo
Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee FARC-EP

Originalkommuniqué in Spanisch (PDF-Dokument)

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Der Bruderkrieg in der FARC-EP

Verschärfter Konflikt in Kolumbien – weitere Massaker im Süden

Nach dem schon in den zurückliegenden Tagen verschiedene Massaker in Kolumbien stattgefunden haben, ereignete sich nun in der Gemeinde Samaniego in der Provinz Nariño ein weiteres gravierendes Massaker. Auch wenn derzeit die Umstände noch nicht klar sind, so muss zumindest festgestellt werden, dass sich der Konflikt im Land weiter verschärft und die Gewalt zunimmt. Besonders die südwestliche Region in Kolumbien ist von der Gewaltzunahme betroffen. Nun wurden acht junge Menschen in einem Landhaus von vermummten unbekannten Personen niedergeschossen.

Dies ist das dritte gewaltvolle Ereignis in der Provinz Nariño in weniger als einer Woche. Am vergangenen Dienstag verbreiteten sich über den Messengerdienst WhatsApp ein Video, das zeigt wie in dem Gebiet von Magüí Payán (Nariño) Personen der paramilitärischen Struktur Cordillera Sur der Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) zwei Guerilleros der Kolonne Franco Benavides von der FARC-EP ermorden. Bereits am 9. August wurden zwei Schüler, die sich auf dem Weg zu einer Schule befanden, einer von ihnen minderjährig, in der Gemeinde Leiva im Norden der Provinz von paramilitärischen Kräften ermordet.

Bei den acht Opfern handelte es sich um Jugendliche im Alter zwischen 17 und 26 Jahren. Die überwiegende Mehrheit von ihnen waren Studenten. Sie haben sich in einem Landhaus getroffen, um dort gemeinsam zu feiern. Zuvor gab es Drohungen, unter anderem von der ELN, dass aufgrund der Corona-Pandemie keine Feiern stattfinden dürfen und sich die Menschen an die auferlegten Ausgehbeschränkungen zu halten haben. Nicht nur die ELN, auch andere bewaffnete Organisationen schränken derzeit durch Kommuniqués und Drohungen das öffentliche Leben stark ein. Gut möglich also, dass hier ein Exempel statuiert werden sollte.

In der Provinz Nariño gibt es eine Vielzahl von bewaffneten Gruppen, die in den verschiedenen Gemeinden um die militärische Vorherrschaft kämpfen. Darunter sind neben der staatlichen Sicherheitskräften Gruppen der dissidentischen FARC-EP, des ELN, der Paramilitärs und auch kriminelle Banden. Selbst die dissidentischen Gruppen der FARC-EP unterteilen sich in verschiedene Fraktionen, die sich untereinander bekämpfen. Ursächlich für den bewaffneten Konflikt ist neben der Armut und der ungerechten Landverteilung auch die Abstinenz des Staates, der ein Vakuum hinterlassen hat.

Die Massaker reihen sich zudem ein in einen großen Vertrauensverlust des Staates, der nicht für die Sicherheit seiner Landsleute garantieren kann. Schlimmer noch, oft findet eine verdeckte bis offene Zusammenarbeit mit paramilitärischen Kräften statt. So gab es am vergangenen Dienstag in der Nähe einer Schlucht im armen Stadtteil Llano Verde im Osten Calis ein Massaker an fünf Jugendlichen, bei dem gerade erörtert wird, in wieweit die Polizei in diesen Fall involviert ist. Vor allem im ländlichen Bereich versuchen sich neu bewaffnende Guerillaorganisationen wie die FARC-EP ein Gegengebilde zu Staat und Paramilitarismus aufzubauen. Eine Vielzahl von Gruppen hat sich dem Friedensprozess der entwaffneten FARC mit der Regierung entfernt, da dieser nicht eingehalten wird.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Verschärfter Konflikt in Kolumbien – weitere Massaker im Süden

Jacobo Arenas – großer Revolutionär Kolumbiens

Heute erinnern wir an Jacobo Arenas, einem großen Revolutionär Kolumbiens. Er trat bereits in den 1950 Jahren der Kommunistischen Partei Kolumbiens (KP) bei, war Teil der Gewerkschaftsbewegung und später Mitbegründer und politische Führungsperson der FARC-EP. Zur aufständischen Bewegung kam er durch die Anordnung des Zentralkomitees der KP Kolumbiens zusammen mit Hernando González Acosta, um die Guerilla politisch zu stärken und zu unterstützen, die sich zunehmend der staatlichen Repression ausgesetzt sah. Mit Hilfe der USA wollte die kolumbianische Regierung, die sich politisierten Bauern in ihren kleinen selbständigen Gebieten vernichten.

Am 27. Mai 1964 erfolgte der Angriff der hochgerüsteten kolumbianischen Armee gegen die Bauernrepublik Marquetalia. Die sich bewaffnenden Bauern waren jedoch bereits in Kenntnis gesetzt und zogen heimlich ab. Doch statt die kommunistisch beeinflussten Bauern zu vernichten, passierte gegenteiliges. In der Folge trafen sich die unterschiedlichen Gruppen von Bauern, vereinten sich und verabschiedeten ein einheitliches revolutionäres Agrarprogramm. Die revolutionären Bauernbewegungen aus den verschiedenen kolumbianischen Regionen hatten nun ein erstes Manifest mit gesamtpolitischen Zielen, aus der schließlich die Guerilla FARC-EP erwuchs.

Jacobo Arenas war als politischer Kopf maßgeblich an der Entstehung und weiteren Entwicklung der FARC-EP beteiligt, um sie zu einem revolutionären Volksheer umzugestalten. Strategisch wichtig hierfür war die Siebte Konferenz der FARC-EP im Jahr 1982. Mit der Art und Weise des Schreibens von Jacobo Arenas entstanden nicht nur Statuten, Normen, Reglementierungen, Kommandos usw., sondern auch eine Vielzahl von Kommuniqués, Dokumenten, Chroniken, Gesprächsaufzeichnungen, Poesie und mehrere Bücher. Bekannt wurden seine politische Theorie und Ansichten nicht nur in der Zeit der Friedensverhandlungen mit dem Präsidenten Betancur, nein, auch heute werden seine Erkenntnisse weiterhin studiert.

Am 10. August 1990 starb er, einer der großen Revolutionäre Kolumbiens, während eines Zusammentreffens des Sekretariats des Zentralen Generalsstabs der FARC-EP an einem Herzinfarkt. Seine Arbeiten, besonders im Kontext der Friedensverhandlungen, haben heute wieder Aktualität. Auch wenn er stets für den Frieden war, so glaubte er nach seinen Erfahrungen aus dem Friedensprozess mit der Regierung Betancur, der Gründung der Unión Patriótica und der anschließenden systematischen Vernichtung von linker Opposition sowie Nichteinhaltung seitens der Regierung, nicht mehr an den Frieden mit der kolumbianischen Regierung. Eine Position, die stark an heutige Befürchtungen und Denken erinnert.

Anbei dokumentieren wir das Kommuniqué der aufständischen Bewegung FARC-EP, Zweites Marquetalia, die sich nach der Enttäuschung über den Friedensprozess wieder dem bewaffneten Kampf und dem Vermächtnis von Jacobo Arenas verschrieben hat.

Kommuniqué:

Jacobo Arenas, In Erinnerung

Heute, am 10. August, 30 Jahre nach seinem Abgang, zollen wir dem Kommandanten JACOBO ARENAS, dem unvergesslichen politischen Führer der FARC-EP, einen Tribut der Liebe.

„Mit eurer Begleitung sollte der Krieg nicht so hart sein“, sagte Manuel Marulanda Vélez, als er ihn und Hernando González Acosta am 17. April 1964, wenige Tage vor der militärischen Aggression des Staates auf die bäuerliche Region von Marquetalia, zum bewaffneten Kampf begrüßte.

Seitdem leitete Jacobo Arenas neben Manuel die politische und militärische Strukturierung der FARC und die territoriale Ausweitung der Rebellen. Die glitzernden Spuren seines aufständischen Lebens spiegeln sich in sieben Guerillakonferenzen wider, die uns zeitlich die Meilensteine des Agrarprogramms der Guerilla bieten; die umfassende Ausbildung von Kämpfern in Spezialschulen; die Ausarbeitung der Statuten, Vorschriften und Befehlsnormen, die die Organisation regeln; seine führende Rolle im Friedensdialog von La Uribe, aus dem die politische Bewegung Unión Patriótica hervorging; seine außergewöhnliche Idee, das Bolivarische Volkstreffen zu schaffen, eine Organisation, die seiner Ansicht nach die nationalen Grenzen überschreiten sollte, um den Kampf für soziale Gerechtigkeit und die endgültige Unabhängigkeit unseres Amerikas zu vereinen; und zusammen mit den Manuels (Marulanda von der FARC und Pérez von der ELN) und Francisco Caraballo von der EPL war er der Gründer der Guerillakoordination Simón Bolívar. Der Kommandant brachte sein Samenkorn auch in die Gestaltung des Strategieplans der FARC-EP oder der Bolivarischen Kampagne für ein Neues Kolumbien ein.

Ohne Zweifel hat Jacobo die FARC für immer mit dem Gedanken und der strategischen Vision des Befreiers Simón Bolívar verbunden. Seine Idee war es, in den Bergen eine vervielfältigte Version von `El Ser Guerrero del Libertador´ zu drucken, ein Buch von General Álvaro Valencia Tovar, das sein Studium in allen Guerilla-Strukturen und Fronten vorschreibt. Wir sind Bolivarianer seit langer Zeit.

Jacobo Arenas war ein außergewöhnlicher und sehr aktiver politischer PR-Mann. Direkt oder über das „rote Telefon“, mit dem die FARC mit dem Nariño-Palast kommunizierte, sprach er mit Präsidenten der Republik, Richtern, Kongressabgeordneten, Generälen der Armee, sozialen und politischen Führern, Akademikern, Künstlern, Studenten und mit besonderer Zuneigung, mit dem einfachen Volk, auf der Suche nach einem nationalen politischen Abkommen, das zum ersten Mal die Schaffung einer echten Demokratie und eines Friedens mit sozialer Gerechtigkeit für Kolumbien ermöglichen würde.

Die Achte Konferenz der FARC, die im weiten Dschungel von Guaviare stattfand, nahm in seiner Erinnerung den Namen `Comandante Jacobo Arenas, Estamos cumpliendo!´an.

Jacobo lebt im Herzen der Guerilleros der FARC-EP und im Gedächtnis der einfachen Leute.

FARC-EP – Zweites Marquetalia

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Jacobo Arenas – großer Revolutionär Kolumbiens

Ehemaliger Präsident Uribe festgenommen

Gegen den ehemaligen Präsidenten Uribe und Teile seiner Familie laufen seit Jahren mehrere Verfahren wegen sogenannter Para-Politik, das heißt, unter anderem Verbindungen zu rechten paramilitärischen Gruppen gehabt zu haben. Mittels der Para-Politik wurden systematisch rechte paramilitärische Personen und Strukturen aufgebaut, um sie in Politik und Wirtschaft zu verankern und die Guerilla sowie Linksoppositionelle zu bekämpfen. Zudem hat Uribe ein militärisches Geheimdienstnetzwerk unterstützt, welches über Jahre Journalisten, Politiker und Gewerkschafter ausspioniert haben soll. Zuletzt hat Uribe in seinen anhängigen Gerichtsverfahren Zeugen bestochen, um Unwahrheiten zu sagen. Von Seiten linker Gruppen und Organisationen, wie der unter Waffen stehenden Guerilla oder der aus dem Friedensabkommen zwischen der aufständischen Organisation und kolumbianischer Regierung herausgegangenen Partei FARC gab es positive Äußerungen dazu. Wir dokumentieren dazu das Kommuniqué der Partei FARC, die sich in den zurückliegenden Jahren starken Angriffen der rechten Partei von Uribe, dem Centro Democrático (Demokratisches Zentrum), ausgesetzt sah und die maßgeblich die „falsche“ Meinungsbildung zum Friedensabkommen und der Volksabstimmung bestimmt hat.

Kommuniqué:

Lassen Sie den Obersten Gerichtshof seine Arbeit fortsetzen

Das von der Prüfungskammer des Obersten Gerichtshofs gegen Senator Álvaro Uribe Vélez angeordnete Maß an Freiheitsentzug ist ein Beweis dafür, dass das Oberste Gericht trotz unangemessenen Drucks unabhängig gehandelt hat.

Das Verfahren gegen Senator Uribe Vélez muss gemäß den in den geltenden Vorschriften festgelegten Verfahren fortgesetzt werden. Wir fordern, dass der Oberste Gerichtshof seine Arbeit fortsetzen darf. Wir vertrauen auf die endgültige Entscheidung und rufen dazu auf, sie zu respektieren.

Während der Friedensgespräche, die wir fünf Jahre lang mit dem kolumbianischen Staat in Havanna geführt haben, wurden die Einladungen an Senator Uribe wiederholt, um über die Fragen von Frieden und Gerechtigkeit zu sprechen, wobei immer eine negative Antwort erhalten wurde. Wir haben geglaubt, dass die Formel des umfassenden Systems von Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Garantien der Nichtwiederholung am besten geeignet ist, um nationale Versöhnung und Harmonie zu finden.

Wir glauben, dass die nationale Regierung und ihre Partei, das Centro Democrático, schlecht handeln, wenn sie die Handlungen des Justizsystems und seiner Institutionen in Frage stellen und innerhalb ihrer Argumente auf Angriffe gegen das Friedensabkommen, die Bedingungen der politischen Wiedereingliederung und unsere Vertretung im Kongress der Republik zurückgreifen.

Wir schließen Rache aus und feiern nicht das Unglück anderer. Wir halten an unserer Überzeugung fest, dass sich ein neues Kolumbien inmitten so vieler Feindseligkeiten öffnet.

Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes FARC

Bogotá DC, 4. August 2020.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Ehemaliger Präsident Uribe festgenommen