Facundo Morales Schoenfeld zurück in Argentinien

Der argentinische Internationalist Facundo Morales Schoenfeld, der unter dem Kampfnamen „Camilo“ oder „Camilo El Argentino“ als politischer Kommandeur in der Eliteeinheit der ehemaligen FARC-EP, der mobilen Kolonne Teófilo Forero, diente, ist nun nach seinem Haftaufenthalt in Bolivien wieder zurück in seinem Heimatland Argentinien. Nach den sozialen Protesten gegen den Putsch an Evo Morales vor einem Jahr wurde er am 11. November 2019 bei Santa Cruz festgenommen und war seitdem über ein Jahr inhaftiert. Dabei verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Mehrere soziale Bewegungen und Organisationen, aber auch sein Heimatland, setzten sich für die Rückführung von Facundo Morales Schoenfeld ein.

Bekannt wurde der argentinische Kommunist und Internationalist durch seine Zugehörigkeit in der FARC-EP. Im Jahr 2002 kam er nach Kolumbien und schloss sich der FARC-EP an. Zuerst war er für die Rekrutierung und die politische Arbeit an den Universitäten, besonders in den Städten Bogotá, Cali, Medellín, Bucaramanga, Neiva und Florencia. Hier gab es Kurse, sprach mit politisch engagierten Personen und nahm an zahlreichen Protesteten teil. Er kam dann zur mobilen Kolonne Teófilo Forero, die neben landesweiten Operationen ihre Bastion in den Provinzen Caquetá und Huila hatte und Basen in der Region El Pato. Er steig zur rechten Hand von alias „El Paisa“ auf, dem Kommandanten der mobilen Kolonne.

Die Unterzeichnung des Friedensabkommens kritisierte alias „Camilo El Argentino“ stark. Er war immer skeptisch gegenüber den Verhandlungen eingestellt und war der Meinung, dass die Vereinbarungen eher den hochrangigen Kommandierenden zu Gute kommen würden und nicht den Guerilleros der Basis. Seine permanente Kritik führte zu Vertrauensverlust in der Kommandoebene. Lokale Bewohner der Region El Pato berichteten zudem von Fehlverhalten von „Camilo“, so dass er in Ungnade fiel. Seinen Prozess der Wiedereingliederung und Entwaffnung vollzog er in der Zone von El Carmelita in der südlichen Provinz Putumayo.

Er verschwand dann von dort und es gab Gerüchte, er würde sich wieder dem bewaffneten Kampf anschließen. Im November letztes Jahr tauchte er dann in den Medien auf, weil er in Santa Cruz von der bolivarischen Polizei festgenommen wurde. Facundo Morales Schoenfeld war als Journalist in der Putschzeit Boliviens unterwegs. Bei Protesten wurde er angeschossen und in einem Krankenhaus identifiziert. Zuletzt war er unter anderem im Gefängnis Chonchocoro inhaftiert, dass viertausend Meter hoch liegt und in den extremen Temperaturen herrschen. Letzte Woche verhängte ein Gericht in La Paz seine Freilassung, der mit dem Coronavirus infiziert war und Nierenprobleme hatte.

Artikel im November 2019 über seine Festnahme

Artikel aus dem Jahr 2012 über Camilo in der Guerilla

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Vier Jahre Frieden und was davon übrigbleibt

Vor vier Jahren war der Frieden ein großes Wunschbild für die Kolumbianer. Die Regierung unterzeichnete mit der aufständischen Organisation FARC-EP einen komplexen und für seine verschiedenen zu vereinbarenden Punkte einen außerordentlichen Friedensvertrag. Die FARC-EP legten die Waffen nieder, vollzogen den Wandel zu einer legalen Partei und hofften auf elementare Erfüllung von Punkten wie die Reformierung der Agrarpolitik, die Substitution von illegalen Pflanzen wie Koka oder die politische, physische und juristische Sicherheit für ihre Mitglieder. Als Partei wollte die neue FARC einen politischen und gesellschaftlichen Wandel anstreben, immer unter dem Kontext der Beendigung der Gewalt und der Aufarbeitung des Konfliktes.

Nach fünf Jahrzehnten bewaffneter Konfrontation zwischen der Regierung und der aufständischen Bewegung, sollten nun Worte folgen. Doch was ist davon übriggeblieben? Was ist mit den netten Worten des ehemaligen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Santos geworden? Schmerz, Trauer, Zweifel und Misstrauen sind von den großen Worten übriggeblieben. Es fing unter Santos und seinen nur rudimentären Umsetzungen des Friedensabkommens an und hört bei einer Regierung auf, für die das Friedensabkommens nichts mehr wert ist, die juristische Intrigen gegen ehemalige Mitglieder und Kommandierende der FARC initiiert und die tatenlos zusieht, wenn ehemalige Guerilleros, Menschenrechtsverteidiger und soziale Aktivisten ermordet werden.

In vielen Landstrichen Kolumbiens, den Regionen, die jahrzehntelang vom Konflikt geprägt waren und die sich mit dem Friedensabkommen ein neues würdiges Leben mit Investitionen des Staates erhofften, regiert weiter der bewaffnete Konflikt und die Ausbreitung von paramilitärischen Gruppen. Mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens begann die Tragödie von nun 244 ermordeten ehemaligen Guerillakämpfern überall im Land und zuletzt in La Guajira. Vor vier Jahren träumte die Guerilla und mit ihr das Land vom Frieden, nach bereits sechs gescheiterten Versuchen. Es war nun der Versuch, endgültig einen stabilen und dauerhaften Frieden zu erreichen. Und es war ein Schritt, der im Interesse der nationalen Aussöhnung, der Wiedergutmachung der Opfer und der Garantie der Nichtwiederholung unternommen wurde.

Mehr als 12.000 Männer und Frauen haben den Krieg hinter sich gelassen, legten ihre über 9000 Waffen nieder, legten ihre Depots mit fast 50 Tonnen Kriegsmaterial und Sprengstoff offen und versuchten vollumfänglich die vereinbarten Verpflichtungen einzuhalten. Ihre Waffen, früher das Druckmittel gegen den Staat, wurden zerstört und die Mitglieder sammelten sich in verschiedenen Wiedereingliederungszonen, um den Prozess zurück in das zivile Leben zu vollenden. Doch nun ist von dem Friedensabkommen und der vereinbarten Punkte, den Garantien für ihre Sicherheit und für ihr Leben, nur noch wenig geblieben. Sie wurden vertrieben, ermordet und in grundlegenden Rechten verletzt, die Wiedereingliederung mitsamt ihren sozioökonomischen Projekten immer wieder torpediert. Es gibt immer noch Gefangene der ehemaligen aufständischen Organisation in den Gefängnissen und es drohen neue juristische Intrigen.

Das Friedensabkommen von Havanna wurde von den Regierungen immer wieder verändert und nicht erfüllt. Der Haushalt für die wirksame Durchführung des Abkommens wurde nicht finanziert. Der Staat spricht mit zwei Sprachen, hat eine falsche Rhetorik. Da ist zum einen auf der internationalen Bühne die Lüge, den Friedensprozess voranzubringen, und auf der anderen Seite die Lüge und der Verrat, der sich im alltäglichen Leben zeigt und dem die Mitglieder der ehemaligen Guerilla, aber auch die einfache Bevölkerung, vor allem auf dem Land, ausgesetzt sind. Wie oft schon bettelte man den Staat und auch die internationale Öffentlichkeit an, dass die vereinbarten Punkte umgesetzt werden?

In diesem Szenario ist es erstaunlich, dass noch immer viele tausende Ex-Kämpfer der Guerilla ihre Wiedereingliederung vollziehen. Es ist aber auch verständlich, wenn die Unzufriedenheit steigt, Wut und Zweifel wachsen und sich immer neue Leute den neuformierenden Strukturen der unter Waffen stehenden FARC-EP anschließen. Die Waffe in der Hand ist nicht nur Druckmittel, sie ist auch Verteidigungsmittel. Es ist verständlich, wenn ehemalige Kämpfer sagen, dass sie den Krieg verabscheuen und sich trotz aller Unzulänglichkeiten in das zivile Leben wiedereingliedern wollen. Es ist aber auch verständlich, wenn aus der Resignation, aus dem Schmerz und der Wut ein neues Gefühl der Tat zur Veränderung erwächst. Denn die Zahl 244 – im Durchschnitt alle fünf Tage ein ermordeter ehemaliger Guerillakämpfer – und das alltägliche Leben zeigen deutlich, was vom Frieden übriggeblieben ist.

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Kommuniqué zu Diego Maradona und Fidel Castro

Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zum Tod von Diego Maradona und Fidel Castro:

Adiós Diego

Die Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, teilen ihren Schmerz wegen Diego Armando Maradonas Abgang mit dem argentinischen Volk und mit all denen, die ihn in der Welt liebten und bewunderten.

Seiner Familie unser tiefstes Beileid und unsere geistige Solidarität. Wir werden uns immer an ihn als einen Mann erinnern, der sich für gerechte Zwecke einsetzt und ein aufrichtiger Freund der von Washington verfolgten Regierungen und Völker ist.

Die Völker haben das Recht, eine soziale Ordnung der Menschlichkeit und Souveränität zu wählen. Wir werden uns an dich erinnern, Diego.

Der Fußballstar wird in Ewigkeit weiter glänzen.

 

Fidel Castro Ruz – ein Mensch, allzu menschlich

Vier Jahre nach dem physischen Verschwinden von Fidel, erinnern sich an diesem 25. November 2020 die Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, mit Respekt und Verehrung an den konsequenten Revolutionär, den großen Führer des 20. Jahrhunderts, der als Vermächtnis der Welt eine Revolution hinterlassen hat, die immer wieder Liebe und Menschlichkeit aus der Karibik ausstrahlt.

Der Stern Kubas am Himmel zeigt den Armen der Erde und der gesamten Menschheit immer die Richtung an, dass es einen Weg gibt, dass eine neue Welt keine Illusion oder Utopie ist. Die Einheit und Solidarität der Völker ist die Kraft, die eine neue Weltordnung auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Gerechtigkeit und Frieden schaffen kann, die das vorherrschende ungerechte und ungleiche System ersetzen wird.

Es ist immer noch möglich, Leben auf dem Planeten zu retten.

Fidel sagte, der Revolutionär sei ein Quijote und er sei sich sicher, dass er, wenn er in dieser Zeit gelebt hätte, dem schrecklichen Monster des Nordens gegenübergestanden hätte. Am Vorabend seiner Abreise forderte er seine Landsleute auf, bis zum letzten Tropfen Blut zu kämpfen, um die Revolution zu verteidigen, falls das Land angegriffen wird.

Im Kampf um die Würde kann es keine Kapitulation geben.

Vielen Dank, Fidel, dass du immer auf der Seite des Friedens in Kolumbien und des Weltfriedens warst.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

  1. November 2020
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Der Komplott gegen Jesús Santrich

Vor einer Woche veröffentlichte die Tageszeitung El Espectador, später dann auch andere Zeitungen, eine Nachricht, auf die das Land zwei Jahre warten musste. Es geht um die Vorwürfe gegen Jesús Santrich und auch Iván Márquez im Zusammenhang mit Drogenhandel. Jesús Santrich war als Unterhändler und Mitglied der FARC-EP am Friedensprozess beteiligt und in Havanna, dem Verhandlungsort der Friedensgespräche zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung.

Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien gab es schnell Vorwürfe von Seiten der Staatsanwaltschaft, die ihn mit Drogenhandel in Verbindung brachten. Damals schon äußerte Jesús Santrich, dass dies ein Komplott sei und die Vorwürfe konstruiert. Auch aus der FARC, nun politische Partei, und anderen Organisationen gab es Kritik an den Drogenhandelsvorwürfen, da Beweise unglaubwürdig erschienen und die Art und Weise der öffentlichen Brandmarkung eine Strategie der Regierung zur Diskreditierung der ehemaligen Guerilla war.

Nun zeigte sich in den Enthüllungen, mehrere Mitschnitte von Gesprächen, warum die Kritik an dem Auftreten der Regierung und ihres Kampfs gegen unliebsame Personen und Organisationen, der häufig illegal und unter Mithilfe von juristischen Inszenierungen passiert, berechtigt ist. Er hinterlässt aber auch Wut und Schmerz, dass ein sich als Rechtsstaat bezeichnendes Konstrukt so hinterlistig agiert und alle ihre zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um den politischen Gegner zu schaden.

Der Generalstaatsanwalt Néstor Humberto Martínez Neira, hauptverantwortlicher der Intrige, äußert sich bisher nicht dazu. Stattdessen werden wohl alle Verantwortlichen ihren Mund halten und keine Stellung beziehen. Der Wut und Schmerz über diese Verlogenheit und versuchte Beschädigung des Friedens bleibt, denn wieder einmal werden die Protagonisten aller Vorrausicht nach nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Dabei ist es notwendig, dass sich in Kolumbien mit diesen Lügen und Täuschungen, die als Ziel immer die Beschädigung des politischen Gegners haben, auseinandergesetzt wird. Und diese Lügen und Täuschungen, dieser Feldzug gegen den politischen Gegner, sorgt dafür, dass das Vertrauen in die Regierung weiter sinkt und sich zum Beispiel wieder der aufständischen Bewegung anschließen. Ob aus Frust oder der Gefahr, auch Opfer einer Verschwörung zu werden.

In diese Reihe von namenhaften Personen reihen sich unter anderem Simón Trinidad, der ohne schlagkräftige Beweise in die USA ausgeliefert wurde, aber auch linke Politiker wie Piedad Córdoba, Gustavo Petro oder eine Vielzahl von ehemaligen Guerillakämpfern oder Anhängern von linken Bewegungen. Die Aktion von Néstor Humberto Martínez, mit den Komplizen der US-amerikanischen Antidrogenbehörde, hat dafür gesorgt, dass Santrich und Márquez wieder zu den Waffen gegriffen haben. Viele andere werden folgen.

Wir verweisen anschließend auf einen weiterführenden Artikel von amerika21.de

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Wir sind der wahre bewaffnete Widerstand der FARC

Eine interessante Reportage hat die Stiftung für Frieden und Versöhnung (Pares) über die Strukturen der FARC-EP im Westen des Landes erstellt und dabei den führenden Kommandanten des sogenannten Westlichen Koordinationskommandos interviewt. Im Cauca sind mit dem Westlichen Koordinationskommando verschiedene Fronten und Strukturen der sich unter Waffen befindlichen FARC-EP entstanden und die eng mit den Strukturen der FARC-EP um die 1. und 7. Front von Gentil Duarte und Iván Mordisco kooperieren. Mittlerweile sind die Berge des Cauca wieder eine Bastion der aufständischen Bewegung geworden.

Die Stiftung für Frieden und Versöhnung mit ihrem stellvertretenden Direktor Ariel Ávila waren dabei in einem Camp der FARC-EP, wo sie in einem ausführlichen Interview den Kommandierenden alias Jonnier sprachen. In dem Lager sind rund 15 Kämpfer der FARC-EP, die aber unterschiedlichen Strukturen angehören. So gehören einige zur Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos und wiederum andere zur Kolonne Jaime Martínez. Dies tragen sie auf ihren Armbinden mit dem Logo der FARC-EP. Jonnier ist ein Mann von kleiner Statur, dickem Körper, dunkel, ruhig mit kleinem Oberlippenbart. Sein Gesicht und seine Art zu sprechen zeigen die Jahre, in denen er mehr als 30 Jahre im Krieg war.

Zum Westlichen Koordinationskommando gehören acht bewaffnete Strukturen: Die Kolonnen Dagoberto Ramos, Jaime Martínez, Franco Benavides und Urías Rondón sowie die Fronten Rafael Aguilera, Carlos Patiño und Ismael Ruiz sowie die Kompanie Adán Izquierdo. Im Kampf stehen sie gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen sowie gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, um Iván Márquez und Jesús Santrich, die bisher vergeblich versuchten im Cauca Fuß zu fassen. Auch die ELN wird in ihrem Vorrücken als Feind angesehen. In der zurückliegenden Zeit konnte das Westliche Koordinationskommando ihr Vormachtstellung im politisch-militärischen Kontext behaupten.

Die acht Strukturen befinden sich im Südwesten Kolumbiens, aber laut dem Kommandierenden haben sie auch Kommunikation mit Strukturen gleichen Ursprungs in Catatumbo und anderen Regionen Kolumbiens. Sie wollen die alte FARC-EP wiederbeleben. Zum Konflikt um die FARC-EP, Zweites Marquetalia, äußert er sich, dass es keine Vereinbarungen zwischen ihnen gibt, sondern die Konfrontation. Iván Márquez und die anderen hochrangigen Kommandierenden kamen sehr arrogant daher und stellten die Forderung, dass sie das Oberkommando wollten. Dabei verteilten sie wenige Truppen auf die Kommandierenden und wollten so ihre FARC-EP aufbauen bzw. über Emissäre ihre Strukturen aufbauen. Bisher sind diese Absichten aus militärischer Sicht erfolglos verlaufen. Vertrauen gibt es nicht, schließlich waren sie aktiv, Iván Márquez sogar als Verhandlungsführer, in den Friedensgesprächen beteiligt, die als Verrat angesehen wurden.

Das auf Spanisch aufgenommen Video-Interview gibt gute Einblicke in das Innenleben der sich als „wahren bewaffneten Widerstand der FARC“ Strukturen der FARC-EP, die wieder bzw. immer noch mit mittlerweile rund 2000 Kämpferinnen und Kämpfern unter Waffen stehen.

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Die Front Armando Ríos – Mutterstruktur der Guerilla im Osten Kolumbiens

Als am 16. Oktober 2012 die Dialoge zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung begannen, waren alle hell auf begeistert. Auch im Osten bei den großen Guerillakontingenten des militärischen Ostblocks waren viele für eine Verhandlungslösung, denn militärisch gab es eine Pattsituation gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und politisch wollte man so der Macht näher kommen. Unzufriedenheit gab es vor allem bei den Kämpferinnen und Kämpfern, die die harte Zeit ab 2003 unter dem Militärplan „Plan Colombia“ erlebte und in den zurückliegenden Jahren ab 2010 die Macht und Initiative gemäß der letzten großen Guerillakonferenz im Jahr 2007 durch eine neue Guerillataktik und politische Arbeit zurückgewinnen konnten. Besonders die Regionen im Westen im Cauca und im Osten, hier in Guaviare, Meta und Caquetá, wurden zu politisch-militärischen Bastionen der FARC-EP.

Die Friedensgespräche zeigten jedoch eine geringere Beteiligung der Basis als erwartet und auch die Guerillakräfte im Osten wurden nicht wie gewünscht in den Prozess einbezogen. Eine Entwaffnung wollte man vor allem nicht, wenn bestimmte Punkte des Friedensabkommens nicht erfüllt wären. Hierzu zählte vor allem die politische Beteiligung, die Umsetzung der Agrarreform und die Sicherheit der Kämpferinnen und Kämpfer. Die Unzufriedenheit in dem Friedensprozess führte im Juni zu Erklärung der 1. Front Armando Ríos, einer sogenannten Mutterstruktur der FARC-EP, aus der viele andere Fronten herausgebildet wurden.

In der Erklärung des Generalstabs des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño ging hervor, dass sich die Front Armando Ríos gegen das Friedensabkommen aussprach. Die Struktur, die sich als abweichend erklärte, wurde von alias Iván Mordisco geleitet, der dem Sekretariat der FARC folgende Erklärung übermittelte: „Wir haben beschlossen, nicht zu demobilisieren, wir werden den Kampf für die Machtergreifung durch das Volk und für das Volk unabhängig von der Entscheidung der übrigen Mitglieder der Guerilla-Organisation fortsetzen. Wir respektieren die Entscheidung derer, die den bewaffneten Kampf aufgeben, ihre Waffen niederlegen und sich wieder dem bürgerlichen Leben anschließen. Wir betrachten sie nicht als unsere Feinde.“

Bereits im Dezember gaben die sich im Friedensprozess befindlichen FARC den Ausschluss von fünf Kommandanten bekannt, die sich dem Friedensprozess entfernt hatten und im Rahmen der Erklärung der 1. Front die Weiterführung der Guerilla organisierten. Herbei handelte es sich um Gentil Duarte, Euclides Mora, John Cuarenta (40), Giovanny Chuspas und Julián Chollo. In der Erklärung heißt es: „Diese Entscheidung ist durch ihr jüngstes Verhalten motiviert, das sie dazu veranlasst hat, unserer politisch-militärischen Linie zu widersprechen.“ Am 21. Dezember erklärte die 7. Front unter dem Kommando von Gentil Duarte die Reorganisation der FARC-EP. Ebenso im Dezember erklärte die Front Acacio Medina, sicher der Reorganisation der Guerilla anzuschließen.

Seit dem findet im Osten Kolumbiens wieder ein revolutionärer Prozess statt, dem sich weitere Fronten aus der ehemaligen FARC angeschlossen haben. Zu der 1. Front und 7. Front kommen noch Strukturen der 16., 27., 33., 40., 42, 43., und 62. Front hinzu. Politisch geht es vor allem um die politisch-soziale Organisation des ländlichen Lebens, das Verhindern der Vernichtung von Koka-Pflanzungen ohne Alternativen und das Bekämpfen von paramilitärischen Einheiten und der staatlichen Sicherheitskräfte, die sich als Besatzungsmacht aufspielen und oftmals gemeinsam kooperieren. In vielen Gebieten des Ostens gibt es eine enge Kooperation zwischen den Dorfräten und der Guerilla FARC-EP.

Dabei wird von den staatlichen Stellen und den Medien häufig der politische Einfluss der Guerillastrukturen verkannt, die sogar Personen für die Wahlen aufstellen können, das soziale Leben im ländlichen Gebiet strukturieren, finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung bieten und ein eigenes System der Rechtsprechung aufrecht erhalten konnten. Nicht unerwähnt soll die Kooperation mit anderen Guerillastrukturen im Land sein, die sich vor allem auf den Westen und das Westliche Koordinationskommando. Somit ist die 1. Front Armando Ríos auch derzeit eine Mutterstruktur im Aufbau der neuen „alten“ FARC-EP.

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Die Hinrichtung von Alfonso Cano

In einem Kommuniqué fordert die unter Waffen stehende FARC-EP, Zweites Marquetalia, Aufklärung und Gerechtigkeit von den Verantwortlichen in Kolumbien, darunter der ehemalige Präsident Juan Manuel Santos, um die Hinrichtung von Alfonso Cano zu untersuchen. Der Oberkommandierende wurde inmitten von Sondierungsgesprächen der FARC-EP mit der kolumbianischen Regierung vom Militär auf Oberbefehl des Präsidenten ermordet. Noch immer fühlen viele linke Kräfte in Kolumbien Trauer um den ehemaligen Hochschulprofessor und politisch charismatischen Kommandanten der FARC-EP, zumal Santos später den Friedensnobelpreis bekam.

Hier einige relevante Passagen des Kommuniqué:

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, würdigt heute posthum mit aufständischer Zuneigung Kommandant Alfonso Cano, der vor 9 Jahren von der Armee nach einem brutalen Bombenangriff der Luftwaffe auf sein Lager in Chirriaderos, einem ländlichen Gebiet der Gemeinde Suárez in Cauca, ermordet wurde.

Alfonso wurde in der Nacht vom 4. November 2011 auf direkten Befehl von Präsident Juan Manuel Santos erschossen. „Ich habe den Befehl gegeben, ihn zu eliminieren, weil wir uns im Krieg befanden und immer noch im Krieg sind“, gab er bei einer Wahlveranstaltung in Bogotá am 13. Juni 2014 vor Fernsehen und Radio zu und zeigte stolz seine Brust für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Kommandant der FARC-EP war im Kampf gefangen genommen worden und befand sich verwundet und unbewaffnet in der Obhut von Armeeeinheiten. Diese Informationen wurden sofort an den Präsidenten der Republik weitergeleitet. In den Nachrichten wurden nur die Luftangriffe und Bodenoperationen erwähnt, nicht jedoch deren Ergebnisse. Währenddessen überlegte Santos mit seinen Generälen, was er mit dem Gefangenen anfangen sollte. Alfonso Cano war sein Gesprächspartner für den Traum, einen Friedensprozess für Kolumbien in Gang zu setzen. Aber der Verrat des törichten Präsidenten war stärker, als wenn er sich vorstellte, dass ein Friedensdialog mit Alfonso Cano am Leben keine Erfolgschance haben würde. So erließ er den Befehl um ihn zu erschießen. Als erfahrener Manipulator der Presse verübte er das Verbrechen spät in der Nacht und verbreitete die Nachricht vom Tod im Kampf gegen den FARC-Kommandanten.

Es gibt keine Seele, die so niederträchtig ist als die dieses ehemaligen Präsidenten. Alfonso, im Kampf gefangen genommen und bereits wehrlos, musste gemäß den internationalen Abkommen so behandelt werden, wie sie den kolumbianischen Staat binden.

(…)

Wir fordern, dass Juan Manuel Santos aufgefordert wird, vor der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden die vollständige und gründliche Wahrheit über diesen Fall zu liefern, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handelt, für das bisher verborgene Beweise gesammelt werden müssen, sowie forensische Untersuchung der Zeugen und Autoren oder Teilnehmer vor Ort, die die Entscheidung getroffen haben, ihn hinzurichten, und die auf Alfonso geschossen haben, nachdem sie zuvor seine Gefangennahme und seinen Zustand der Wehrlosigkeit gemeldet hatten, als er unbewaffnet und verwundet war.

(…)

Der Friedensnobelpreis wird Santos nicht ausreichen, um dieses Verbrechen des Staates zu vertuschen, das auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

04. November 2020

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Schläge gegen die Guerilla

In verschiedenen Landesteilen, besonders jedoch im Westen von Kolumbien, gab es strategische Schläge der kolumbianischen Sicherheitskräfte gegen die aufständische Bewegung. Die Operationen von Geheimdienst, Polizei und Militär führten zu empfindlichen Verlusten bei den verschiedenen Strömungen der sich als FARC-EP bezeichnenden Organisationen. Zum einen gab es einen operativen Erfolg gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bei ihrem Versuch, im Cauca Fuß zu fassen. Zum anderen gegen die unter FARC-EP unter Gentil Duarte und ihm angeschlossene Gruppen, sowohl im Süden als auch im Westen des Landes. Beide Strömungen sehen sich als die Nachfolger der sich entwaffneten FARC-EP, stehen aber im Dissens zueinander und kämpfen jeweils um die politische und militärische Deutungshoheit.

Zu den operativen Erfolgen der staatlichen Sicherheitskräfte gehörte das praktische Ausschalten der FARC-EP um Iván Márquez, ihren Einfluss in der Provinz Cauca zu festigen. So wurde der Anführer mit dem Alias-Namen „Pocillo“ oder „Grande“ Anfang Oktober in Popayán festgenommen. Er befehligte eine Gruppe, die zuletzt zur FARC-EP, Zweites Marquetalia, gehörte und um den Einfluss in der Region gegen seine ehemalige Struktur der FARC-EP „Jaime Martínez“ rang. Seit dem Jahr 2016 befehligte er dissidentischen Strukturen der FARC-EP, die sich zuletzt im Westlichen Koordinationskommando zusammenschlossen und unterstand direkt dem Kommandierenden alias „Mayimbú“, der die Mobile Kolonne Jaime Martínez befehligte.

Doch als alias „Pocillo“ Kenntnis nahm, dass sich um Iván Márquez eine neue FARC-EP bildete, wechselte er Anfang dieses Jahr die Seiten. Iván Márquez und andere Kommandierende entsandten sogenannte Emissäre, die Kontakt zu potenziellen Partnern suchten und sie mit Waffen und Personal unterstützen wollten. So war sein Auftrag nun, die anderen FARC-EP-Strukturen zu bekämpfen um den Einfluss des „Zweiten Marquetalia“ zu erhöhen und im Cauca Fuß zu fassen. Mit ihm wechselten einige andere Kämpfer aus der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos und der Mobilen Kolonne Jaime Martínez die Seiten. Ein Teil von ihnen, 12 Personen, konnten in einer Operation nur eine Woche nach seiner Festnahme ebenfalls im Cauca festgenommen werden. Zwischen den unterschiedlichen Strukturen kam es zu einem „Bruderkrieg“, über den wir berichteten.

Damit dürfte vorerst der Versuch der FARC-EP, Zweites Marquetalia, im Westen des Landes Fuß zu fassen gescheitert sein. Innerhalb dieses Bruderkrieges bzw. mit dem Erscheinen des Zweiten Marquetalia im Cauca festigte sich die Allianz des Westlichen Koordinationskommandos, dem neben der Jaime Martínez und Dagoberto Ramos auch die Front Carlos Patiño und die Kompanie Adan Izquierdo unterstehen. Sie hatten sich zuletzt in einem Bündnis zusammengeschlossen und näherten sich der FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco aus dem Osten des Landes mit ihren Fronten 1, 7 und 27 an. Sie bezeichnen sich als die „wahre“ FARC-EP, da sich bereits während des Friedensprozesses gegen das Friedensabkommen und die Entwaffnung stellten, während die FARC-EP, Zweites Marquetalia, erst später im Rahmen der Nichtumsetzung des Friedensabkommens entstand und ihr Kommandierender Iván Márquez als ehemaliger Verhandlungsführer als „Verräter“ gilt.

Schläge gab es aber auch gegen das erwähnte Westliche Koordinationskommando. So gab es Operationen gegen die Front Adan Izquierdo, die zuletzt mit einer bemerkenswerten Aktion und der Festnahme mehrerer Soldaten auf sich aufmerksam machte. Ihr Ziel ist die Konsolidierung ihres Einflusses in der zentralen Kordillere zwischen Valle del Cauca und Tolima. Zudem gab es eine Operation gegen die Front Carolina Ramírez in der Provinz Putumayo, bei dem einer ihrer hochrangigen Kommandierenden festgenommen wurde. Diese Einheit speist sich aus ehemaligen Kämpfern der 32., 48. und 49. Front sowie neurekrutierten Mitgliedern und ist mit der FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco alliiert. Auch über diese Struktur haben wir bereits in einem Artikel berichtet.

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Pilgerreise für Frieden und Leben in Bogotá angekommen

Hunderte ehemalige Kämpfer der FARC-EP, soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger aus allen Teilen des Landes haben am vergangenen Wochenende in Bogotá ein Ende der Gewalt und Garantien für Politik und Sicherheit für die Gebiete gefordert, aus denen sich die oben genannten Gruppen als Pilgerreisende auf den Weg nach Bogotá machten. Die Pilgerreise stand unter dem Motto „Für den Frieden und für das Leben“ und wurde von vielen solidarischen Menschen begleitet und unterstützt.

Mit dem Thema „Wir sind Unterzeichner des Friedens und wir wollen keine weiteren Toten“ sammelten sich Tausende Kolumbianer auf dem zentralen Platz in Bogotá, der Plaza Bolívar, um die Morde zurückzuweisen und gemeinsam bei der Wiederherstellung der Demokratie und der Umsetzung des Friedensabkommens im Land voranzukommen. Ursprünglich wurde die Pilgerreise von der Partei FARC organisiert, die mit dieser großen Mobilisierung ihre Garantien für Sicherheit und das Recht auf Leben fordern wollten und somit eine größere Öffentlichkeit erreichen konnten.

Zudem hinterließen die ehemaligen Guerilleros in verschiedenen Orten im Land Akte der Versöhnung und des Friedens. Auf den zentralen Plätzen der Städte und Orte gab es kulturelle Veranstaltungen unter Teilnahme von lokalen politischen und sozialen Bewegungen. Die Pilgerreise für den Frieden und das Leben begann am 20. Oktober in der Gemeinde Mesetas, Provinz Meta, mit der Ermordung von Albeiro Suarez. Mit seiner Ermordung, der sich zudem stark für die Wiedereingliederung und den Frieden einsetzte, wurde das Fass der Angst, Betroffenheit aber auch Wut, zum Überlaufen gebracht und die Mobilisierung geplant.

Im laufenden Jahr 2020 sind in Kolumbien bereits 246 soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger sowie 51 Unterzeichner des Friedensabkommens von der ehemaligen Guerilla FARC-EP getötet worden. International wurde die Regierung unter Präsident Duque mehrmals aufgefordert, das Friedensabkommen umzusetzen und sich für das Leben der ehemaligen Kämpfer im Prozess der Wiedereingliederung einzusetzen. Aufgrund der fehlenden Umsetzung steigt die Gewalt im Land an, agieren immer mehr paramilitärische Gruppen und wenden sich auch immer mehr Friedensunterzeichner vom sogenannten Frieden ab.

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Marsch für das Leben und den Frieden

Am 21. Oktober begann ein Marsch, der sogenannte Pilgermarsch für das Leben und den Frieden, von der Gemeinde Mesetas in der Provinz Meta mit dem Ziel der Hauptstadt Bogotá. Ziel des Marsches, der von der Partei FARC, den ehemaligen Kämpfer*innen der Guerilla im Prozess der Wiedereingliederung sowie von sozialen und politischen Organisationen initiiert wurde, ist es auf die bedrohliche Situation der Morde an ehemaligen Guerillakämpfer*innen und an sozialen Aktivist*innen aufmerksam zu machen. Bisher liefen die Teilnahmenden unter anderem durch die Orte Granada und Villavicencio, wo es je ein Programm von kulturellen und politischen Aktivitäten gab. Gemeinsam wollen die Kämpferinnen und Kämpfer aus verschiedenen Landesteilen am zentralen Platz in Bogotá, dem Plaza Bolívar, ankommen.

Warum nun dieses Pilgerreise stattfindet hat einen einfachen, wenn auch traurigen Grund. Nach den bereits hunderten von ermordeten Kämpfer*innen traf es nun vor wenigen Tagen mit Albeiro Suárez eine Führungsperson aus dem Osten des Landes. Mit ihm wurde auch sein Leibwächter getötet. Wie wichtig dieser Marsch und die Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigt sich an der brenzligen Situation des Landes und der Mitglieder der ehemaligen FARC. Erst am Wochenende wurde wieder zwei Personen getötet, eine Person in Balboa in der Provinz Cauca, die andere Person in San Vicente del Caguán in der Provinz Caquetá. Damit wurden nun schon seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens 236 ehemalige Kämpfer*innen ermordet.

Mit der Pilgerreise will die Partei FARC und auch die sich im Prozess der Wiedereingliederung befindlichen Guerilleros ihr Engagement für den Frieden bekräftigen und zugleich auch um Vergebung für die Opfer bitten. Zudem verlangen sie die Umsetzung des Friedensabkommens und Sicherheitsgarantien für die ehemalige Guerilla. Sie wollen eine öffentliche Mobilisierung der Bevölkerung für den Frieden erreichen. Die derzeitige Situation im Land mit dem Anstieg der Gewalt in vielen Landesteilen, neuen Massakern und der systematischen Vernichtung von linken Kräften, erinnert an die 1980er und 1990er Jahre, als vor allem paramilitärische Gruppen in Kooperation mit lokalen und regionalen politischen und wirtschaftlichen Eliten das Land terrorisierten. Die aktuelle Regierung unter Duque, einem Schützling des ehemaligen rechten Präsidenten Uribe, führt eine Politik der Ignoranz und Nichtanerkennung des Friedensabkommens.

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Kommuniqué zur Ermordung von Albeiro und Mandela

Übersetztes Kommuniqué der Partei FARC zu der Ermordung ihrer beiden Genossen Albeiro und Mandela in Meta (südöstliches Kolumbien):

Mit der Ermordung von Jesús Monroy (Albeiro Suarez) und seinem Leibwächter Luis Alexander Largo (Mandela) wurden bereits 234 ehemalige Guerillakämpfer getötet, 146 davon unter der derzeitigen Regierung.

Jesús Monroy war Mitglied der Nationalen Führung unserer Partei, er war an der Spitze des Wiedereingliederungsprozesses in der Provinz Meta und hatte den Rückhalt und die Unterstützung der Gemeinden in der Region gewonnen, die ihn als ihren natürlichen Anführer angenommen hatten. Er war Sprecher der Anhörung der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden am 22. August, um die Sicherheitsprobleme ehemaliger Guerilleros im Osten des Landes zu analysieren.

Luís Alexander Largo war sein Leibwächter, Mitglied des Schutzprogramms der spezialisierten Unterdirektion der UNP. Zwei Männer, die sich entschieden für Frieden und Fortschritt in der Region einsetzten.

Die Mordserie gegen die Friedensunterzeichner findet im Kontext einer Regierung statt, die ein Komplizenschweigen aufrechterhält, sicherlich in der Überzeugung, dass diese Morde ihren Zweck der Verhinderung der Friedenskonsolidierung begünstigen, so wie es das ausdrückliche Streben ihrer Partei ist, des Demokratischen Zentrums.

Diese Morde sind nicht isoliert angesichts des Ansturms gegen die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden, der Wahrheits- und Aufklärungskommission und die Vortäuschung der Umsetzung des Abkommens, das wir angeprangert haben.

Eine Konvergenz der Faktoren hat dazu geführt, dass die extreme Rechte, die heute das Haus Nariño besetzt, mit denen vereint ist, die das Friedensabkommen verraten haben, was die ehemaligen Guerilleros zu einem Ziel von Hass und lausigen Interessen auf beiden Seiten gemacht hat.

Seit 4 Jahren erleben wir einen makabren Tropfen für Tropfen zwischen der warmen Solidarität derer, die den Frieden verteidigen und der beunruhigenden Gleichgültigkeit einiger Sektoren des Landes, die immer noch nicht reagieren, obwohl sie den Frieden vor ihren Augen ermorden. Aus diesem Grund glauben wir, dass die größte Herausforderung für diejenigen von uns, die eine Nation in Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit anstreben, darin besteht, diese gleichgültigen Mehrheiten zu erwecken.

Wir können angesichts dieser Tragödie, die auch das Leben von Hunderten von sozialen Anführern und Menschenrechtsverteidigern mit selektiven Attentaten und Massakern im gesamten Staatsgebiet fordert, nicht unbeweglich bleiben.

Die indigene Minga und der Streik am 21. Oktober zeigen uns den Weg aus der Gleichgültigkeit. Wir müssen mobilisieren, bis wir Millionen sind, die das Ende der Vernichtung fordern, die mit der Selbstzufriedenheit der nationalen Regierung durchgeführt wird.

Nationaler Politischer Rat, Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes, FARC

  1. Oktober 2020
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Zum Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien

Seit mehreren Jahren hat sich in Kolumbien ein Gedenktag etabliert, der den ermordeten und vor allem allgemein der derzeitig inhaftierten politischen Gefangenen gilt. Auch wenn dieser Tag unserer Meinung nach in der zurückliegenden Zeit in Vergessenheit geraten ist, wollen wir kurz innehalten und all jenen gedenken, die für ihr politisches Engagement und ihren politischen Kampf vom kapitalistischen System eingekerkert sind.

Seinen Ursprung hat der Tag aufgrund einer staatlichen Sicherheitsoperation von Armee und Polizei mit dem Namen Anorí in Medellín, bei dem der Gewerkschaftsführer Luis Carlos Cárdenas am 15. Oktober 1973 durch Truppen der 4. Brigade der Armee ermordet wurde. Diese Operation, mit dem Ziel politische Gegner und vermeintliche subversive Kräfte zu eliminieren, war in seiner Durchführung nicht einzigartig. Es sollten weitere Operationen gegen politische Gegner folgen, bei denen nicht wenige getötet wurden.

Es ist eine Sache, ein sozialer Aktivist zu sein, und eine andere, eine Guerillakämpfer zu sein; es kann jeweils eine Gemeinsamkeit von Zielen geben; es ermutigt beide, für eine gerechte und demokratische Gesellschaft zu kämpfen, die den Bedürfnissen der einfachen Menschen dient. In dem Maße, in dem sich der soziale und wirtschaftliche Konflikt verschärft, indem die Ursachen nicht gelöst werden und der Protest und Kampf dagegen zunimmt, bemüht sich der Staat immer mehr, diese Protestausdrücke der sozialen Bewegungen zu zerstören, indem er auf sie die gleichen kriegerischen Modalitäten anwendet wie auf die Guerillaorganisationen.

Der Staat tut dies mit seinen eigenen verschärften Gesetzen, aber auch außerhalb des Gesetzes davon, wie bei der oben genannten Operationen und vielen weiteren hunderten, bei dem einfache Bürger hingerichtet und als im Kampf gefallene Guerillakämpfer präsentiert wurden. Dies sollte den vermeintlichen Erfolg des Staates gegen im antisubversiven Kampf ausdrücken. Seit den 1970er Jahren wird der Kriegszustand vom Staat angewendet, um die soziale Organisation und Proteste zu beenden. Der Staat lässt verschwinden, ermorden, massakrieren, bedrohen und kriminalisieren. Er greift auf immer dieselben Methoden zurück: Er macht juristische Inszenierungen, erfindet Anklagen, kauft Zeugen, erpresst und fälscht Beweise.

Diese antikommunistische Taktik des „inneren Feindes“ lässt er nicht nur gegen die Guerilla, wie der FARC-EP walten, sondern ebenso gegen alle, die sich kritisch gegenüber dem Staat präsentieren, Studierende, Bauern, Indigene, Frauen und all jene, die sich in Organisationen, Kollektiven oder in der Guerilla zusammenfinden. Eine Ausnahme, ob Alter, Geschlecht, Beruf, Herkunft, Ethnie, Organisierungsgrad und so weiter gibt es für den Staat nicht. Es ist ein Feind, es sind alle Terroristen. Der Staat verkennt hierbei den politischen Status aus guten Gründen, da dies bedeuten würde, die vorherrschende Antidemokratie und die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen dieses kollektiven Kampfes anzuerkennen.

Der kapitalistische Staat ist per Definition die Verwaltung des Gewalt- und Rechtsmonopols, um diejenigen zu unterwerfen, die gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufbegehren und die eigenen Eliten reicher zu machen. Wenn bewaffnete Subversion wie im Fall der FARC-EP, sowohl vor dem abgeschlossenen Friedensprozess, als auch heute, auftritt, sieht der Staat wo auch immer, dass seine etablierte Ordnung bedroht ist. Kolumbien war seit jeher ein repressiver Staat, verkleidet in einer Vorzeigedemokratie Lateinamerikas. Doch Tausende Ermordete und Inhaftierte sprechen eine andere Sprache. Neben den Terrorpraktiken der Folter, des Verschwindenlassens, der Massakrierung und des politischen Genozides wie im Fall der Unión Patriótica sind dies vor allem auch die Delegitimierung und Diskreditierung der politischen Akteure.

Der 15. Oktober ist ein Tag des Gedenkens, des Mahnens, aber auch des Kampfes. Neben den unzähligen sozialen und politischen Bewegungen im Land formiert sich die Guerilla neu, neu entstanden aus der Unfähigkeit und des Unwillens der Regierung, den abgeschlossenen Friedensvertrag einzuhalten. Noch immer sind über 170 offiziell akkreditierte Guerillakämpfer im Gefängnis. Stattdessen zieht der Staat mit Hilfe seiner paramilitärischen Kräfte erneut los und mordet im ganzen Land und überzieht das Land mit Verhaftungen und Gerichtsprozessen. Für alle jene Kämpfer, Aktivisten und Inhaftierten wollen wir am Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien innehalten und den Kampf fortführen, für die Freiheit und den Wandel!

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