Nach weiteren Vorwürfen unabhängiger Medien und lokaler Personen, angeführt vom Journalisten Hollman Morris, weiten sich die Diskussionen um eine Bombardierung eines Lagers der FARC-EP in der Provinz Guaviare aus. Bei der Bombardierung und Militäroperation am 2. März gegen die FARC-EP unter Gentil Duarte, durchgeführt von der Armee, herrscht immer noch Unklarheit, wie viele Personen getötet und wie viele Minderjährige unter den Opfern sind. Die Angaben sprechen von bis zu 14 getöteten Menschen und mehreren Festnahmen. Zuletzt wurde fünf Tage nach der Operation ein Lehrer festgenommen, der sich in der Nähe aufgehalten hatte.
Schon seit längerem plant das Verteidigungsministerium einen Schlag gegen Gentil Duarte und seine 1. und 7. Front. Diese sind im südlichen Meta, nördlichen Caquetá und vor allem in Guaviare präsent. Zu den Strukturen zählen bekanntlich auch Personen unter 18 Jahren, die sich den kämpfenden Einheiten und den Milizen anschließen, oder sich in den Lagern für Arbeiten und Schulungen aufhalten. Auf dem Land ist es nichts außergewöhnliches, dass sich junge Menschen, ohne Perspektive, freiwillig oder mit Zwang, der Guerilla anschließen. Das Verteidigungsministerium bezeichnet diese Minderjährigen pauschal als „Kriegsmaschinen“ und die Maßnahmen der Sicherheitskräfte seien legitim.
Dieses Ungleichgewicht im Kampf einer hochgerüsteten Armee gegen eine Guerilla und trotz der technischen sowie geheimdienstlichen Möglichkeiten der Armee, sorgt immer wieder für Debatten, auf diese folgenschweren Bombardierungen zu verzichten. Zu den 16 Massakern, die im Laufe des Jahres in Kolumbien registriert und von paramilitärischen Gruppen durchgeführt wurden, kann diese Operation der Armeeeinheit Omega im Dorf Buenos Aires der Gemeinde Calamar, hinzugefügt werden. Das Traurige an diesem Ereignis ist, dass es sich um einfache Kinder und Jugendliche handelt, die Opfer der Aufstandsbekämpfung des kolumbianischen Staates wurden.
Wie bei dem Massaker in Caquetá vor zwei Jahren, das vom ehemaligen Minister Botero als saubere Operation dargestellt und anschließend nach einer Debatte im Senat, die seine Lügen und falschen Wahrheiten aufzeigte, entlassen wurde, gibt es in diesem Massaker viele lose Fragen, die durch eine detaillierte rechtliche, militärische und politische Analyse geklärt werden müssen. Die Einheit Omega ist ein Parallelkonstrukt, dass außerhalb verfassungsmäßiger und demokratischer Regeln arbeitet. Sowohl im südlichen Meta, in Guaviare als auch in Caquetá ist diese Todesmaschine mit mehr als 30.000 Mann einer der Ausdrucksformen der Aufstandsbekämpfung, das vom Südkommando der Vereinigten Staaten zum Schutz der Interessen der multinationalen Unternehmen in Kolumbien eingeführt wurde.
In diesem riesigen Gebiet mit bedeutenden strategischen Ressourcen für Umwelt und Bergbau sind diejenigen, die ihr Gesetz durchsetzen, präpotente Militärführer, die den Interessen des amerikanischen Imperiums untergeordnet sind. Als Folge dessen gibt es Militäroperationen wie diese, aber auch permanente Repression, Kontrollen, Verhaftungen, Verschwindenlassen von Personen und illegale Anklagen. Grundsätzlich gilt jede/r als Unterstützer der Guerilla, die Bauern werden pauschalisiert als Koka-Bauern bezeichnet.
Nicht nur lokale Gruppen vor Ort und nationale Menschenrechtsorganisationen weisen die Art und Weise des Handelns der Armee stark zurück, Solidarität gibt es auch von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, die eigentlich im Bruderkampf mit der FARC-EP um Gentil Duarte steht. „Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, drückt Gentil Duarte und seinen Guerilleros ihre Solidarität für den Verlust von 15 Jugendlichen bei einem brutalen Bombenanschlag der Luftstreitkräfte im Dschungel von Guaviare im Südosten Kolumbiens aus“, so ein Kommuniqué.
In diesem Mengengelage, wo eine Armee als Besetzungsmacht auftritt und die Menschenrechte verletzt, in der der Statt nur wenig bis gar nicht mit sozialer Infrastruktur präsent ist, wo das Friedensabkommen nicht umgesetzt wird, das unter anderem ein Substitutionsprogramm zum Drogenanbau enthält, in diesem Mengengelage ist es nicht verwunderlich, dass sich die lokale Bevölkerung selbst organisiert und eine Guerilla halbstaatliche Strukturen aufbaut. Die einzige Antwort der kolumbianischen Regierung sind Militäreinsätze und Bombardierungen. Dies führt jedoch dazu, dass sich immer mehr der FARC-EP anschließen.
In einer Erklärung vom gestrigen 8. März der Fronten 19, 59, und 41 sowie dem Kommando Danilo García und der Kommission Bertulfo Álvarez wird die Wiederbelebung des ehemaligen Guerilla-Blocks Martín Caballero von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, verkündet. An dem Treffen vom 4.-6. März waren die Kommandierenden der genannten Strukturen beteiligt, unter ihnen Jesús Santrich. Der Guerilla-Block Martín Caballero operiert an der karibischen Küste und im Magdalena Medio. Benannt ist der Guerilla-Block, den es schon vor der Entwaffnung und vor Abschluss des Friedensvertrages der alten FARC-EP gab, nach dem gleichnamigen im Jahr 2007 getöteten Kommandierenden.

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, erinnert derzeit in Kommuniqués an zwei gefallene Kommandanten aus dem März 2008. Beide Raúl Reyes und Iván Ríos, waren Mitglieder des Zentralen Generalstabs der FARC-EP. Iván Ríos starb durch einen von der Armee in die Guerilla infiltrierte Person am 3. März 2008 und Raúl Reyes bei einem Bombenangriff am 1. März auf ecuadorianischem Territorium. Raúl Reyes war Mitglied des Sekretariats der FARC-EP und Führungsperson der Internationalen Kommission. Anbei die übersetzte Version des Kommuniqués zur Erinnerung an Raúl Reyes:
Die nordöstliche Provinz Arauca ist ein multiplexes Gebiet mit einer landwirtschaftlichen Bedeutung, großen Wasserreserven und Bodenschätzen. Darüber hinaus hat es ein ausgedehntes Grenzgebiet zur Bolivarischen Republik Venezuela. Dies verdeutlicht die geostrategische Referenz sowohl für den Staat Kolumbien selbst als auch für revolutionäre Bewegungen und paramilitärische und kriminelle Banden. Historisch gesehen ist die Bevölkerung hier stark organisiert und die Gemeinschaften verteidigen ihr Territorium und ihr Leben. Doch durch die oftmals selbstorganisierte Politik und durch die Ablehnung der staatlichen Politik, häufig in Form von Militarisierung und Repression, führt diese Opposition zu systematischen Angriffen und Stigmatisierungen durch die Regierungen, was in Massakern, Morden, Vertreibung und Verurteilungen der Gemeinschaften und ihrer Führungspersonen führte.
In einem Kommuniqué des Comando Coordinador de Occidente (CCO), zu übersetzt dem Westlichen Koordinationskommando der FARC-EP, werden die Militäroperationen von der Armee kritisiert, die zu Vertreibungen und Toten in der Region der Gemeinden Argelia, El Tambo und López de Micay führen. In dieser Region im Cauca sind die aufständischen Strukturen der mobilen Kolonne Jaime Martínez und die Front Carlos Patiño der FARC-EP präsent Und von ihnen stammt das Kommuniqué. Sie kämpfen hier gegen staatliche und paramilitärische Strukturen, aber auch gegen das ELN. Das westliche Koordinationskommando steht in enger Verbindung zu den Einheiten im Osten unter der Ersten Front Armando Ríos und anderen Strukturen der Guerilla.

Das Wochenmagazin und Online-Zeitschrift Semana ist seit mehreren Monaten für den Wechsel hin zu einem rechten Medium bekannt geworden. Früher bekannt durch investigativen und kritischen Journalismus, wird heute Propaganda für die rechte Regierung unter Duque gemacht und Meinungsmache betrieben. Im permanenten Ziel sind alle linken und progressiven Kräfte. Aktuell wird eine Reportage über die FARC-EP, Zweites Marquetalia, veröffentlicht, in der Fotos von FARC-Kommandierenden aus Venezuela gezeigt werden und diskreditierende Halbinformationen geschürt werden. Auf der Titelseite heißt es da: „Exklusiv: So bewegen sich Iván Márquez, Santrich, Romaña und El Paisa in Venezuela“; und mittendrin, das Netzwerk Kolumbieninfo.
Die aufständische Organisation FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat sich in den letzten Januartagen mit verschiedenen Kommandierenden zusammengefunden, um Fragen der organisatorischen, politischen und militärischen Organisation zu diskutieren. In Erinnerung an einen ehemaligen hochrangigen Kommandierenden der alten FARC-EP, benannten sie ihr Treffen nach ihm. „Am Ende des erfolgreichen Treffens, mit einer positiven Bilanz, erfuhren wir vom Tod des Genossen Bertulfo Alvarez, Mitglied des Nationalen Sekretariats der ehemaligen FARC-EP und der letzte Kommandeur des Blocks Martín Caballero bis zu den Tagen der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Havanna.“
Die ehemalige FARC-Guerilla und Partei FARC hat in Medellín ihre Zweite Außerordentlichen Nationalversammlung mit etwas mehr als 250 Delegierten beendet. Dabei wurde eine neue politische Stoßrichtung vorgegeben und der Name der Partei geändert. Bei der Versammlung, an der pandemiebedingt nur wenige Delegierte teilgenommen haben und was zuvor von einigen aus der Partei stark kritisiert wurde, wurde eine Namensänderung hin zur „Partei der Gemeinschaft“, bzw. „Partei des Volkes“, gewählt. Damit legt die FARC endgültig ihren aufständischen Namen ab, der laut der Parteioberen dafür verantwortlich war, dass die Partei nicht die politische Anerkennung bekommt, wie sie könnte.
Vom 22. bis zum 24. Januar wird die Zweite Nationalversammlung der Partei FARC stattfinden, bei der 380 Delegierte zusammentreffen werden. Die Versammlung beabsichtigt, eine Reihe von Punkten anzusprechen, darunter die Ernennung eines neuen gesetzlichen Vertreters, die Vorbereitung des nächsten Wahlkampfes und die Änderung des Namens und des Logos der Partei. Doch zuvor werden die Spaltungstendenzen immer größer.
Nicht nur die Partei FARC hat derzeit mit unzähligen konzentrierten Angriffen auf ihre Webseite zu tun, wie sie selbst mitteilte. Auch wir als Kolumbieninfo können derzeit aufgrund einer Sperrung den Twitter-Account nicht mehr nutzen. Weitere Twitter-Accounts wurden von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, und ihr nahestehender Organisationen gesperrt.