Der Bruderkrieg in der FARC-EP – Teil II

Einige Medien berichten erneut über den Konflikt und „Bruderkrieg“ der FARC-EP im Cauca. Im Mittelpunkt stehen Veröffentlichungen von Fotografien von sehr gut ausgestatteten Guerillakämpfern der Front Carlos Patiño der sogenannten dissidentischen FARC-EP, die zum Westlichen Koordinationskommando gehört. In diesem Koordinationskommando sind diverse Strukturen der FARC-EP unter einem einheitlichen Kommando zusammengefasst. Diese sind den Strukturen der FARC-EP im Osten um die Erste Front Armando Ríos und anderen Fronten wie der 7. oder 27. Front sehr nahe, die unter dem Kommando von Gentil Duarte stehen.

Die nun veröffentlichten Fotos stammen aus dem südlichen Cauca, wo die Front Carlos Patiño operiert. Es sind rund zwanzig Guerilleros mit modernen Gewehren, Stiefeln, neuen Uniformen und gepanzerten Helmen. Die Front konnte in den letzten zwei Jahren mit ihrem Bestehen, genauso wie andere Strukturen der FARC-EP, gegenüber dem ELN Boden gut machen, doch nun zeigt sich ein weiteres Mal der Bruderkrieg zwischen den unterschiedlichen politisch-militärischen Ausrichtungen der FARC-EP. Im Konflikt steht die Front Carlos Patiño mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, um die Kommandanten Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa.

Veröffentlicht wurden die Fotos zuletzt vor zwei Tagen auf der Facebook-Seite der Front Carlos Patiño. Zu sehen sind auch Kommuniqués, wie bereits hier von uns auf Kolumbieninfo vom Westlichen Koordinationskommando übersetzt. In den Kommuniqués distanziert sich die Front von Angriffen gegen soziale Aktivisten in der Gemeinde Argelia, betont aber den Kampf gegen ELN und die FARC-EP, Zweites Marquetalia. Die FARC-EP um Iván Márquez, Jesús Santrich und El Paisa trat bisher eher politisch auf und konnte nur wenige Strukturen mit militärischer Schlagkraft für sich gewinnen. Doch nun scheint auch im Cauca Bewegung in die Neuordnung zu kommen.

Seit mehr als zwei Monaten kämpft die Front Carlos Patiño gegen die andere FARC-EP um die territoriale Kontrolle. Anscheinend konnte dabei die FARC-EP, Zweites Marquetalia, Strukturen aufbauen und vor allem ihren Einfluss politisch und militärisch ausbauen. Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass Márquez und Santrich hier im Cauca sind. Gemeint ist wohl eher ihre politisch-militärische Arbeit, denn die Personen selbst. Doch unter der Hand wird berichtet, dass Teile der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos, die eigentlich größte Struktur der FARC-EP und eigentlich zugehörig zum Westlichen Einheitskommando, zu der auch die Front Carlos Patiño gehört, von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, absorbiert wurde.

Doch genaues zu erfahren ist oft schwierig, da sich alle im bewaffneten Konflikt verorteten Akteure, also staatliche Sicherheitskräfte, unterschiedliche FARC-EP-Kräfte, ELN, Paramilitärs und andere Drogenbanden sehr bedeckt halten. Ein Ziel des Paramilitarismus und der stattlichen Sicherheitskräfte ist zum Beispiel das systematische Ermorden von linken Aktivisten, um Panik und Chaos in der Bevölkerung zu schüren und um die politisch-militärische Arbeit der linken Guerilla zu entpolitisieren. Erbittert wird aber um jedes Dorf, jeden Zugang zu Ressourcen von den unterschiedlichen Akteuren gerungen. Leidtragend ist die lokale Bevölkerung in diesem Krieg, in dem die Akteure und Kräfte manchmal im Nebel der westlichen Kordilleren verschwinden. Fakt ist nur, die FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat im Cauca Fuß gefasst und dies könnte ihr ein enorm wichtiges Territorium an Rückzugsraum, politischer Initiative, aber auch an finanziellen Ressourcen ermöglichen.

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