Kritische Stimmen zum Jubiläum des Friedensabkommens

In den Medien mehren sich die kritischen Stimmen zum fünfjährigen Jubiläum des Friedensabkommens zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung. Neben der aufständischen Bewegung FARC-EP, Zweites Marquetalia, die in einem Kommuniqué ihre Ablehnung zu dem Friedensabkommen begründete, meldeten sich auch namenhafte Personen aus der ehemaligen Guerilla zu Wort. So äußerte sich bereits der ehemalige Kommandant des militärischen Südblocks der FARC-EP, Fabián Ramírez, zu dem Konflikt mit der heutigen Partei Comunes und zu den Widerständen, sowohl bei den Friedensgesprächen als auch in der Umsetzung.

In diesem Kontext gab es auch ein Interview mit Joaquín Gómez, ehemaliges Mitglied des Sekretariats der FARC-EP und eine der kritischsten Stimmen innerhalb der Partei Comunes. Auch er war Kommandant im Südblock der FARC-EP, neben dem Ostblock eine der schlagkräftigsten Strukturen der Guerilla. Seiner Auffassung nach wartet das Friedensabkommen fünf Jahre nach seiner Unterzeichnung noch immer auf seine vollständige Umsetzung und die sich in einem kritischen Zustand befinde. Unter Santos gab es den Willen zur Umsetzung des Friedensabkommens zu sehen, während unter der neuen Regierung neben Blockaden und Änderungen des Umsetzungsprozesses vor allem auch eine öffentliche Positionierung gegen den Frieden stattfinde.

So sagt Joaquín Gómez, dass es in Kolumbien keine Sicherheitsgarantien für die Ausübung der Politik der Oppositionskräfte gibt. Dasselbe geschieht in den Bedingungen der Mobilisierung und des sozialen Protestes. Es gibt eine historische Verlängerung systemischer und sozialer Gewalt, das Zeigen die Zahlen der ermordeten Friedensunterzeichner und sozialen Aktivisten. Joaquín Gómez, bekräftigte die Verpflichtung, die die Mitglieder der ehemaligen FARC-EP mit der endgültigen Vereinbarung eingegangen sind. Doch statt den bewaffneten Konflikt von allen Seiten auf zu arbeiten findet eine historische Verurteilung der bewaffneten Rebellion und der Guerilla statt, sie auf einen kriminellen Apparat zu reduzieren und ihre Mitglieder zu demütigen.

Unter anderem stellte der ehemalige Guerillakommandant selbstkritisch fest, dass die sorgfältige und beschleunigte Waffenabgabe zu dem Stand der Umsetzungen von heute geführt hat. Dies bedeutet, ebenso wie es Fabián Ramírez sagte, dass die Waffenniederlegung richtig war, aber die Abgabe der Waffen als verlorenes Druckmittel angesehen werden kann. Viele Kommandierende aus der ehemaligen FARC-EP waren der Ansicht, dass man die Waffen erst nach Jahren abgeben wollte und nach einem bestimmten Stand der Umsetzung. Letztendlich konnte man sich gegen einige Personen aus der Führungsebene aber nicht durchsetzen, teilweise heute leitende Personen in der Partei Comunes. Doch dadurch wurde das wichtigste Druckmittel der Guerilla aus der Hand gegeben.

Fabián Ramírez wird in seinem Interview deutlicher. Es gab Leute, die davon sprachen, der Guerilla eine Frist von mindestens 10 Jahren bis zur endgültigen Waffenabgabe zu geben. Es sollte vorher eine totale Amnestie geben. Er macht einen Teil des damaligen Sekretariats verantwortlich, die in ihrem Eifer besetzt waren, Positionen im Kongress einzunehmen. Dies führte dazu, dass die Waffen abgegeben, aber das Abkommen nicht eingehalten wurde. Die Waffen als Druckmittel waren weg und es gab keine Amnestie für alle. Sie konnten Verbrechen für Guerilleros erfinden oder juristische Inszenierungen durchführen und dafür kam man dann erneut ins Gefängnis.

Ramírez und andere hochrangige Kommandierende der Guerilla wie Andrés París waren anerkannte Gegner von Rodrigo Londoño, alias‘ Timochenko‘. Deshalb wurden sie im Juni letzten Jahres aus der Partei Comunes ausgeschlossen. In der Auseinandersetzung ging es vor allem um ideologische Punkte und das Führen der Partei. Neben Joaquín Gómez gab es auch zahlreiche andere prominente ehemalige Kommandierende der FARC-EP und späteren Partei Comunes, die ausgeschlossen wurden. Heute spielt die Partei nur noch ein Schattendasein und viele andere Projekte der Wiedereingliederung haben sich parallel dazu entwickelt. Andere wie Jesús Santrich, Oscar Montero und Iván Márquez haben mit der Struktur „Zweites Marquetalia“ wieder zu den Waffen gegriffen.

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Friedensunterzeichner werden in La Macarena vertrieben

Während Kolumbien in der Öffentlichkeit den 5. Jahrestag des Friedensabkommens feiert, wird im ländlichen Gebiet La Macarena einmal mehr deutlich, wie fragil der Frieden ist. Während Politiker und Prominente den Frieden loben, griffen am 18. November bewaffnete Gruppen das kollektive Sicherheitssystem der Friedensunterzeichner in einem Dorf in dem Gebiet von La Macarena an und setzten es in Brand. Dort befindet sich eine ehemalige Wiedereingliederungszone für ehemalige Guerilleros der FARC-EP, die seit ihrem Bestehen der Gefahr von sich wieder bewaffneten Gruppen der FARC ausgesetzt sind. Das Gebiet La Macarena, im Dreieck der Provinzen Caquetá, Meta und Guaviare gelegen, ist seit jeher eine Bastion der aufständischen Bewegung. Sie ist derzeit das Epizentrum des sogenannten südöstlichen Blocks um Gentil Duarte Iván Mordisco. Sie sind hier unter anderem mit der 1., der 7. und der 16. Front aktiv. Unter ihrem Kommando steht auch die Front Kommandant Jorge Briceño, ein Zusammenschluss aus Personen der alten Fronten 7, 40 und 62, die ihr Aktionsgebiet in La Macarena hat.

Der Zulauf in diese in den Medien als dissidentische Gruppen der FARC bezeichneten Strukturen kommt aber nicht von ungefähr, sondern hat mit dem fehlenden Vertrauen in den Staat, mit der Sicherheitslage und der Nichterfüllung des Abkommens zu tun. Es ist also eine Spirale in einem komplexen Konflikt. Von der neuen aufständischen FARC-EP werden die Friedensunterzeichner nicht mehr als Gesinnungsgenossen, sondern als Verräter und Kollaborateure angesehen. So kam es zu der Situation wie im Yarí, also dem Gebiet im südlichen La Macarena. Die sich verschlechternde Sicherheitslage der Bevölkerung, die Tatsache des Angriffs und der Druck der bewaffneten Gruppen haben nun dafür gesorgt, dass sich über 100 Familien, darunter viele Kinder, zu einer kollektiven Zwangsumsiedlung in die Gemeinde El Doncello in Caquetá gezwungen sahen. Damit steht die Existenz der Wiedereingliederungszone Urías Rondón auf dem Spiel, aus der die Vertriebenen kamen.

Daraufhin kam es in der Kleinstadt El Doncello zu einem Treffen mit mehreren Institutionen, darunter Führungspersonen aus der Wiedereingliederungszone, der staatlichen Behörde für die Wiedereingliederung, Mitgliedern aus dem Rat für Wiedereingliederung der Partei Comunes, Mitgliedern aus dem Stadtrat von El Doncello und auch Personen der Zweiten Mission der Vereinten Nationen (UN). Dort wurde auf diese Notsituation eingegangen und die Notwendigkeit zur Umsetzung eines sofortigen humanitären Plans für die Umsiedlung der Gemeinschaft gefordert. Bei dem Treffen wurde deutlich, dass die Schwierigkeit in der nahezu kaum geschehenen Umsetzung des Friedensabkommens hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen liegt, die die Integrität und das Leben der Friedensunterzeichner garantieren sollen. Deutlich wurde, dass es zwar eine übermäßige Militarisierung der Region gibt, diese aber die Sicherheitsprobleme für die Gemeinden und für die Friedensunterzeichner erhöht, weil Benzin ins Feuer gegossen wird und sich die Spirale der Gewalt dadurch nur erhöht.

Immer wieder wird klargemacht, dass eine Militarisierung der ländlichen Region nicht gleich Sicherheit bedeutet, sondern vor allem Repression, Einschüchterung und Stigmatisierung. Häufig führt es dazu, dass sich Personen der aufständischen Bewegung anschließen, die staatlichen Sicherheitskräfte als Okkupationsarmee angesehen wird. Tatsächlich sorgen erzwungene Zerstörungen von illegalen Kulturen wie Koka nicht zur Problemlösung, sondern schaffen neue. Es liegt in der effektiven Umsetzung des endgültigen Friedensabkommens mit alternativen Agrarprogrammen, der Zuteilung von Landbesitz und dem Fördern einer Infrastruktur für die Regionen, um den Konflikt zu minimieren und den Bauern zu helfen. Würde das Friedensabkommen richtig umgesetzt und die Punkte erfüllt werden, dann wäre dem Frieden wesentlich mehr geholfen, als in permanenten Militäroperationen, die hier die einzige staatliche Intervention darstellen.

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Fünf Jahre Friedensabkommen

Zum fünfjährigen Jahrestag des Friedensabkommens der FARC-EP mit der kolumbianischen Regierung ist der UN-Generalsekretär am Montag eingetroffen, um sich mit den Opfern des bewaffneten Konflikts, Regierungsdelegierten und ehemaligen hochrangigen Führern der FARC-EP zu treffen. Der UN-Generalsekretär, António Guterres, wertete seinen Besuch als „Solidarität mit dem kolumbianischen Volk“. Auch der UN-Vertreter in Kolumbien, Carlos Ruiz Massieu bekräftigte, dass die Präsenz von Guterres in Kolumbien „eine Botschaft für das Land ist, auf dem Weg des Friedens und der Versöhnung fortzufahren“.

Am heutigen Dienstag wird sich Guterres mit der Überprüfungsmission sowie mit Vertretern der in Kolumbien anwesenden UN-Agenturen treffen. Zudem besucht er mit dem Präsidenten des Landes, Iván Duque, die Provinz Antioquia, um die ehemalige Widereingliederungszone Llanogrande in der Gemeinde Dabeiba zu besichtigen. Dort kommt es auch zu einem Zusammentreffen mit dem Präsidenten der Partei Comunes, Rodrigo Londoño. Von Seiten der Partei und auch von ehemaligen Guerilleros wurde wiederholt darauf verwiesen, dass die Umsetzung des Abkommens nur schleppend vorankommt und einige Punkte gar nicht adäquat umgesetzt werden.

Am Mittwoch, wenn der fünfte Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensabkommens ist, wird es einen zentralen Festakt geben.  Der Besuch soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation für die kolumbianische Linke und vor allem für die ehemalige aufständische Bewegung mehr als kritisch ist. Der Besuch von António Guterres findet inmitten einer Welle der Gewalt statt, die in den Jahren 2021 mehr als 150 Aktivisten und seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens 1270 sozialen Aktivisten das Leben gekostet hat. In dem polarisierten Land haben die aufständischen Bewegungen wieder Zulauf.

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Gefangener Soldat freigelassen

Während der Staat mit seiner paramilitärischen Praxis im Rahmen der Aufstandsbekämpfung häufig keine Gefangenen machen will und die Freilassung von Guerilleros schon gar nicht zulässt, zeigt die aufständische Bewegung ihre politische Haltung mit der Freilassung von ihren Kriegsgefangenen. So wurde einer Mission aus dem Büro der kolumbianischen Ombudsbehörde, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und der Katholischen Kirche die Freilassung eines Soldaten, der seit dem 4. November in Norte de Santander von Kämpfern der 33. Front der FARC-EP festgehalten wurde, übergeben.

Der kolumbianische Soldat Dayan Leonardo Ávila wurde am Nachmittag des 16. Novembers in einem ländlichen Gebiet der Gemeinde Ábrego übergeben, nur vier Tage nachdem der Soldat Huber Fabián Chogó, in El Tarra, freigelassen wurde. Diese Übergaben unter Vermittlung von internationalen Kommissionen sind keine Seltenheit und verdeutlichen den Willen der aufständischen Bewegung nach einer politischen Lösung des bewaffneten Konfliktes. In der Provinz Norte de Santander, wo sich dieser Vorfall ereignete, ist der bewaffnete Konflikt seit Jahrzehnten aktuell und die aufständische Bewegung stark in der Bevölkerung verankert.

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Online-Veranstaltung mit Politikern aus der ehemaligen FARC-EP

Am Donnerstag, den 18. November 2021, gibt es ab 19 Uhr eine Online-Veranstaltung mit Vertretern der heutigen Partei Comunes, die sich im Rahmen des Friedensabkommens aus der FARC-EP heraus gegründet hat. An der Veranstaltung werden Rodrigo Londoño, Präsident der Partei Comunes, Sandra Ramirez, Senatorin der Partei Comunes und Gabriel Angel, Anwalt der Partei Comunes, teilnehmen. Moderiert wird die Veranstaltung von der „arbeitsgruppe schweiz-kolumbien“, kurz „ask!“, die auch in deutscher Übersetzung stattfindet.

Online: https://us02web.zoom.us/j/82947063942?pwd=aXY1NnRBRlhlK252ZlZaZDNzbk1CQT09

2021 jährt sich die Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC Guerilla (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) zum fünften Mal. Der Grossteil der ehemaligen FARC-Kämpfer*innen hat die Waffen abgegeben und aus der Guerilla wurde eine legale politische Partei, Comunes. Seit der Unterzeichnung spitzt sich jedoch der bewaffnete Konflikt zwischen verschiedenen bewaffneten Akteuren (Guerrilla-Gruppen, paramilitärische Gruppen, kriminelle Gruppen und staatlichen Sicherheitskräfte) in gewissen Zonen wieder zu. Die Implementierung des Abkommens geht nur schleppend voran, u.a. die Agrarreform und die Unterstützung der Bauern für das Ersetzen der Kokapflanzen durch legale Kulturen. Fortschritte machten hingegen die Übergangsjustiz und die Wahrheitskommission, die zur Aufgabe hat, die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Wahrheit über den Konflikt ans Licht zu bringen.

Anlässlich des 5 jährigen Jubiläums der Unterzeichnung des Friedensabkommen lädt die ask! zu einem Austausch mit 3 Vertreter*innen der ehemaligen FARC-EP ein. Themen des Austausches sind der Stand der Umsetzung des Friedenabkommens, die aktuelle Situation in Kolumbien und der Einfluss der Wahlen auf die Umsetzung des Abkommens.

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Blutiger Novemberbeginn für Aktivisten und Friedensunterzeichner

Der Beginn der zweiten Woche des Monats November beginnt mitten in der Gewalt. Am 8. November wurde der soziale Anführer und Aktivist Luis Alberto Ramos Bertel in der Provinz Córdoba ermordet. Zuvor ereignete sich ein Mord an den sozialen Aktivisten und Gewerkschafters Robinson Jiménez in der Gemeinde Puerto Wilches, Provinz Santander. Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden verurteilte an diesem Sonntag die Verübung eines neuen Massakers in Kolumbien, diesmal ereignete sich der Vorfall in der Provinz Putumayo am 5. November, bei dem drei Personen in der Gemeinde Puerto Leguízamo ermordet wurden.

Gestern wurde die Ermordung des ehemaligen Guerillakämpfers der FARC-EP und Friedensunterzeichners Hugo Gilberto Córdoba Yepes bestätigt. Nach den ersten Versionen wurde Hugo Gilberto Córdoba Yepes gegen Mittag in der Gemeinde Samaniego südwestlich von Nariño ermordet. Zwei bewaffnete Männer, die auf einem Motorrad unterwegs waren, schossen dreimal auf ihn, als er sich mitten in einer Motorradwerkstatt befand, wo man sein Motorrad reparierte. Hugo ist nur 37 Jahre alt geworden und war Teil der Wiedereingliederungszone (ETCR) Ariel Aldana in La Variante bei Tumaco in der Provinz Nariño. Vorerst konnten die Behörden die Verantwortlichen der Straftat nicht identifizieren und die Ermittlungen andauern.

Das Institut für Entwicklungs- und Friedensstudien, INDEPAZ, registriert derzeit 41 Morde an Ex-Kombattanten im Jahr 2021 und 290 seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Jahr 2016. Hinzu kommen 150 Morde von sozialen Aktivisten in diesem Jahr.

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10. Jahrestag der Ermordung von Alfonso Cano

Immer wieder gibt es Diskussionen, ob der vor 10 Jahren ermordete Oberkommandierende der FARC-EP, Alfonso Cano, durch die Armee auf Befehl des Präsidenten hingerichtet wurde. Diese Thesen erhalten nun eine erneute Befeuerung durch einige ehemalige Angehörige der FARC-EP, wie Victoria Sandino. Schon 2014 während der Friedensverhandlungen in Havanna sagte Rodrigo Londoño alias Timochenko, dass Alfonso Cano in keinem wehrhaften Zustand gewesen sei und dass sich Präsident Santos dafür verantworten müsse. Auch heute noch ist diese Diskussion aktuell.

So heißt es in einem Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia: „Am 4. November 2011, vor 10 Jahren, wurde der Kommandant der FARC, Alfonso Cano, auf direktem Befehl von Präsident Santos ermordet. `Ich gab den Befehl ihn zu eliminieren, weil wir im Krieg waren und weiter im Krieg sind´, bekannte er bei einem Wahlkampfakt am 13. Juni 2014 in Bogotá. Alfonso war verletzt und nach einem Bombardement der Luftwaffe in den Bergen von Cauca gefangengenommen. Es war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es war kein Tod im Gefecht.“

Alfonso Cano lebt! Der Kampf geht weiter!

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13 Mitglieder der FARC-EP ergeben sich

Am Wochenende (30.10.) haben sich 13 Personen aus der FARC-EP den offiziellen staatlichen Behörden ergeben. Dies vermeldeten mehrere hochrangige Offizielle, wie unter anderem der Hohe Kommissar für Frieden, Juan Camilo Restrepo Gómez, von seinem offiziellen Twitter-Account. Auch verschiedene Medien berichteten darüber. Dass sich Guerilleros den staatlichen Behörden ergeben ist nicht neu, aber dass sich so viele gemeinsam aus einer Struktur den Behörden übergeben, ist allerdings ungewöhnlich.

So haben sich 11 Männer und zwei Frauen aus der Front Franco Benavides in der Gemeinde Guapi im Südwesten der Provinz Cauca ergeben. Die Front Franco Benavides gehört zum Westlichen Koordinationskommando der FARC-EP, einer Dachorganisation verschiedener Strukturen der FARC-EP im Südwesten des Landes, die sich im letzten Jahr militärisch gegen ELN, Paramilitärs und Staat konsolidieren konnte. Zudem übergaben die Kämpferinnen und Kämpfer Kriegsmaterial an die Behörden.

Es ist zu erwarten, dass der Druck von Armee und Polizei in der letzten Zeit in der Region Cañón del Micay die Guerilleros zum Aufgeben bewog. Mit der Aufgabe können die ehemaligen Mitglieder der Guerilla auf staatliche Unterstützung hoffen. Es ist juristisch festgelegt, dass für demobilisierte Kämpfer eine staatliche Unterstützung gewährt wird, zu denen Subventionen und andere Leistungen gehören, wie zum Beispiel finanzielle Unterstützung für den Start von Wohneigentumsprojekten oder beim Aufbau einem wirtschaftlichen Alternativen zum bewaffneten Kampf.

 

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Gefangennahme von Otoniel: Bilder sagen mehr als Worte

Bei der Bekanntgabe der erfolgreichen Operation gegen den meistgesuchten Mann des Landes wiederholte Präsident Iván Duque mehrmals, dass die Festnahme von alias „Otoniel“ der „wichtigste Schlag dieses Jahrhunderts gegen den Drogenhandel in Kolumbien“ sei. Mit dieser Operation sei das Ende des sogenannten Golf-Clans markiert, sagte er über die größte kriminelle und paramilitärische Organisation Kolumbiens unter der Führung des 50-jährigen Dairo Antonio Úsuga „Otoniel“ hinzu. Ohne weiteres mag dies ein wichtiger Schlag der Regierung sein, doch vor allem ist es ein politischer Sieg für eine Regierung, die zuletzt in den Umfragen als sehr gering in ihren Kompetenzen eingeschätzt wurde. Und militärisch sind die kriminellen Banden und paramilitärischen Organisationen damit auf keinen Fall zerschlagen, denn die Verbindung zur Politik, zu den Geschäftsleuten und auch zu den staatlichen Sicherheitskräften ist weiterhin gegeben.

Doch eins ist auch klar. Auch wenn die Streitkräfte und die Polizei mehr als sieben Jahre versuchten, diesen Anführer zu bekommen, ist damit noch lange nicht das komplexe Problem von Drogenanbau und Drogenkonsum sowie das Problem das Paramilitarismus beseitigt. Diese liegen sehr komplex und sind nicht an einer einzigen Person festzumachen, auch wenn sich nun natürlich ein Machtvakuum auftut, dass erst wieder gefüllt werden muss. Doch die Gefangennahme von Otoniel ist damit noch lange nicht das Ende des Golf-Clans und der eben erwähnten Problemlagen. „Otoniel“ wurde etwa 20 Kilometer von Necolí, wo er geboren wurde und seit Ende der 80er Jahre in aufeinanderfolgenden Kriegen operierte, gefangen genommen. Es zeigt sich also, dass sich selbst Personen, die von einer hoch technologisierten Armee mit ausländischer Unterstützung, auf ein breites Unterstützernetzwerk verlassen können. Oftmals reicht dieses bis in hoher Politikerkreise und in die staatlichen Sicherheitsorgane.

Alias „Otoniel“ hat eine lange Karriere in bewaffneten Organisationen hinter sich. Er trat als Minderjähriger in die EPL ein und wurde 1991 im Alter von 19 Jahren demobilisiert. Dann ging er mit seinem Bruder Juan de Dios zu den paramilitärischen Bauernselbstverteidigungskräften von Córdoba und Urabá, die von Carlos Castaño geleitet wurden. Als Teil der paramilitärischen Organisation AUC wurden beide in verschiedene militärische Blöcke gesendet und mordeten unter prominenten rechtsgerichteten Paramilitärs wie alias „Don Mario“. Im Jahr 2005 demobilisierte „Otoniel“ zum zweiten Mal, mitten im Pseudo-Friedensprozess von Álvaro Uribes mit seinen Kumpanen von der AUC. Bald darauf kehrte er mit „Don Mario“ in die kriminelle Welt zurück, in der abtrünnigen paramilitärischen Struktur unter dem Namen Los Urabeños. Nach der Gefangennahme von „Don Mario“ im Jahr 2009 und dem Tod seines Bruders bei einer Operation im Jahr 2012 wurde „Otoniel“ der Kopf der Gruppe, die nun als Clan del Golfo (Golf-Clan) bekannt wurde.

Im Jahr 2017 gab die Regierung von Juan Manuel Santos bekannt, mit „Otoniel“ Kontakt aufgenommen zu haben, um ein Gerichtsverfahren einzuleiten, das letztendlich nicht durchgeführt wurde. In den zurückliegenden Jahren wurden generell immer mehr Fälle der sogenannten „Para-Politik“ bekannt, also der Zusammenarbeit von Politikern mit Paramilitärs. Auch die Zusammenarbeit mit den staatlichen Sicherheitskräften ist seit Jahren ein Thema, gerade im Kontext des Friedensabkommens zwischen der FARC-EP und der Regierung, in dessen Mittelpunkt auch die Aufarbeitung des bewaffneten Konfliktes von Kolumbien steht. Hierzu passen auch Fotos der Festnahme von „Otoniel“, der nicht wie damals der Kommandant Alfonso Cano regelrecht hingerichtet und entstellt wurde, sondern bei dem hochrangige Armeeoffiziere sogar Selfies mit der gefangengenommen und meistgesuchten Person machen. Hier zeigt sich exemplarisch das Verhältnis in der Wahrnehmung und Akzeptanz zwischen Paramilitärs und der Guerilla. Bilder sagen mehr als Worte.

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Vorläufige Festnahme von Granda

Die Mexiko-Reise von Rodrigo Granda (häufig auch als Rodrigo Granada bezeichnet), einem ehemaligen Kommandanten und Mitglied der Internationalen Kommission der FARC-EP, endete Mitte dieser Woche mit seiner Verhaftung und Umkehr nach Kolumbien. Die Einwanderungsbehörde am Flughafen der Hauptstadt Bogotá verweigerte ihm die Einreise zu einem Seminar der linken Arbeiterpartei in Mexico, zu der er eingeladen worden war. Daraufhin beschuldigten Mitglieder der Partei Comunes den kolumbianischen Präsidenten, einen bei Interpol hinterlegten Haftbefehl aktiviert zu haben. Die kolumbianische Regierung teilte mit, dass es sich um ein Ersuchen Paraguays wegen Entführung, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und vorsätzlicher Tötung handelte. Rodrigo Granda hätte darüber bescheid wissen müssen, so die Regierung.

Granda traf mit einer Delegation unter der Leitung von Rodrigo Londoño, Timochenko, dem Vorsitzenden der aus der Guerilla heraus entstandenen Partei Comunes, in Mexiko-Stadt ein. Hier traten die Probleme auf und mit einem Flug zurück nach Kolumbien hatte seine Reise ein jähes Ende. Dieser Vorfall schürt erneut die Angst vor Verhaftungen von ehemaligen Mitgliedern der Guerilla, obwohl sie sich mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens der Prozess der Wiedereingliederung auch in juristischen Fragen unterworfen haben. Der ehemalige Guerilla-Kommandant Carlos Lozada sprach von einer „eindeutigen Verletzung des Friedensabkommens, das sie zerreißen wollen.“ Rodrigo Granda wollte mit einer entsprechenden Erlaubnis der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) reisen, dem Gericht, das für die schwersten Verbrechen des bewaffneten Konflikts zuständig ist und wesentlicher Bestandteil des Friedenabkommens ist.

Paraguay beschuldigt die ehemalige FARC-EP und damit indirekt auch Granda als internationaler Vermittler der Entführung und Ermordung der paraguayischen Staatsbürgerin Cecilia Cubas Gusinky, die 2005 nach fünfmonatiger Entführung tot aufgefunden wurde. Rodrigo Granda erlangte internationale Bedeutung, als er 2004 von kolumbianischen Behörden in Venezuela festgenommen wurde, was zum Abbruch der Beziehungen zwischen den Regierungen von Álvaro Uribe und Hugo Chávez führte. Drei Jahre später wurde er im Rahmen eines humanitären Austauschs freigelassen, der von der internationalen Gemeinschaft organisiert wurde, um Gefangene aus den Händen der FARC-EP zu befreien. Granda sagte, dass die Anschuldigungen gegen ihn wegen des Todes von Cubas „ein Plan“ seien. Jedenfalls dürften sie das Misstrauen in den Friedensabkommen weiter schüren.

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UN-Überwachungsmission besorgt um Sicherheit ehemaliger FARC-Kämpfer

Eine Warnung und Besorgnis äußerten mehrere Offizielle in einem Bericht an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN). Sie forderten auch, dass ausreichend finanzielle Mittel für die Wahrheitskommission in den Haushalt 2022 aufgenommen werden. Diese ist ein wesentlicher Bestandteil des abgeschlossenen Friedensabkommens und soll die Geschichte des bewaffneten Konfliktes beleuchten und veröffentlichen.

Auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York wurde Rechenschaft über die Umsetzung des Friedensabkommens abgehalten. Verantwortlich für diese Aufgabe waren Carlos Ruiz Massieu, Leiter der Überwachungsmission der Vereinten Nationen in Kolumbien, sowie Bibiana Peñaranda und Daniela Soto, die beide mit ähnlichen Aufgaben betreut sind. Massieu betonte vor allem die Gewalt, die in den von Ex-Kämpfern, sozialen Aktivisten und allgemein von den Gemeinschaften bewohnten Gebieten erlebt wird. Er teilte den Vereinten Nationen mit, dass es 296 Morde an wiedereingliederten Personen gegeben habe, ohne klar zu machen, ob diese Zahl die an diesem Donnerstag ermordete ehemalige Kämpferin beinhaltet.

Die am Donnerstag ermordete María Steffania Muñoz Villa ist die zehnte Ex-Kämpferin der FARC-EP, die nach dem endgültigen Friedensabkommen ermordet wurde. Der Tod ereignete sich am Morgen des gestrigen Donnerstages im Dorf Mazamorreros in der Gemeinde Buenos Aires, Provinz Cauca. Mehrere bewaffnete Männer sprachen sie zuerst an und brachten sie dann. Schon ihr Partner Yorbis Valencia wurde am 25. Juli ermordet. In einer Erklärung gab man an, dass in den letzten zwei Wochen bereits am 7. Oktober in Leiva, Nariño, Duberney Gómez und am 9. Oktober Ruber Erney Dorado, in Balboa, Cauca, getötet wurden sowie ein Angriff auf Jhon Jairo Moreno in Popayán am Dienstag stattgefunden haben.

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Bombardierung gegen die 1. Front der FARC-EP

Gegen die 1. Front der FARC-EP Armando Ríos wurde laut Medienberichten durch ein Bombardement ein schwerer Schlag vollzogen. Laut dem Kommandeur der staatlichen Streitkräfte General Luis Fernando Navarro gab es eine Militäroperation in der Provinz Guainía im Osten Kolumbiens. Dabei sollen 10 Guerilleros getötet worden sein, darunter der zweite Kommandant alias Mono Ferley. Die 1. Front Armando Ríos ist eine der wichtigsten Strukturen der FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco. Sie löste sich als erste Struktur der FARC-EP noch während des laufenden Friedensprozesses ab und verkündete das Aufrechterhalten des bewaffneten Kampfes. Der Friedensprozess wurde als Verrat durch die oberen Kommandanten angesehen.

Mit dem frühen Ausscheiden der sogenannten Dissidenten erfolgte eine Restrukturierung der aufständischen Bewegung im Osten Kolumbiens, die sich auch auf weite Teile des Landes ausdehnte. Zu der 1. Front und 7. Front kamen weitere Strukturen wie Teile der 16., 27., 33., 40., 42, 43., und 62. Front hinzu. In den letzten Jahren konnten sie sich nicht nur militärisch, sondern auch politisch-soziale neu organisieren. Dies bedeutet die Organisation des ländlichen Lebens, das Verhindern der Vernichtung von Koka-Pflanzungen ohne Alternativen und das Bekämpfen von paramilitärischen Einheiten und der staatlichen Sicherheitskräfte, die sich als Besatzungsmacht geben und die lokale Bevölkerung drangsalieren.

Ihr Operationsgebiet haben diese Strukturen unter Duarte und Mordisco vor allem im Osten des Landes in den Provinzen Arauca, Norte de Santander, Cauca, Nariño, Putumayo, Valle, Casanare, Amazonas, Huila, Tolima und Meta. Im Südwesten kooperieren sie mit dem Westlichen Einheitskommando. Laut Medienberichten soll es außerdem ein Treffen zwischen dieser Struktur und einer Gruppe der FARC-EP´, Zweites Marquetalia um Iván Márquez“ gegeben haben. Beide sich als FARC-EP bezeichnende Strukturen bekämpfen sich um die territoriale Kontrolle und politische Deutungshoheit als wahre Guerilla FARC-EP gegenseitig. Trotz allem gab es immer wieder Versuche, Einigungen bzw. ein Aufeinander gehen zu erreichen. Bisher ohne Erfolg. Bombenangriffe durch das Militär wie dieser sind eine der grausamsten Formen der Aufstandsbekämpfung.

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