Vom 22. bis zum 24. Januar wird die Zweite Nationalversammlung der Partei FARC stattfinden, bei der 380 Delegierte zusammentreffen werden. Die Versammlung beabsichtigt, eine Reihe von Punkten anzusprechen, darunter die Ernennung eines neuen gesetzlichen Vertreters, die Vorbereitung des nächsten Wahlkampfes und die Änderung des Namens und des Logos der Partei. Doch zuvor werden die Spaltungstendenzen immer größer.
Bekanntlich wurde die Partei FARC im Rahmen der Umsetzung des im November 2016 unterzeichneten Friedensabkommens gegründet, damit die ehemaligen Guerillakämpfer ihre politischen Ziele ohne den Waffengebrauch fortsetzen konnten. Zu diesem Zweck wurde die offizielle und legale Partei gegründet, öffentliche Mittel standen zur Finanzierung zur Verfügung, ein Zentrum für politisches Denken und Analysieren wurde eingerichtet und eine parlamentarische Quote von 10 Abgeordneten zugewiesen.
Dabei gab es von Anfang an Probleme, die sich in der zurückliegenden Zeit verschärft haben. Nun ziehen sich drei bekannte Führungspersonen, die im Dissens zur Parteilinie stehen, von der Nationalversammlung zurück. Die Senatoren und Mitglieder des Nationalen Politischen Rates der Partei, Victoria Sandino und Benkos Biohó, haben einen Brief von Joaquín Gómez unterzeichnet, in dem sie die Einberufung der Außerordentlichen Versammlung in Frage stellen. Sie warnen, dass dieses Treffen im Widerspruch zum Geist des Friedensabkommens und der revolutionären Tradition steht.
Die Unterzeichner kündigten an, dass sie nicht aus der Partei FARC ausscheiden werden, aber das rechtliche Schritte unternommen werden, um dieses Treffen zu stoppen, das nur die Teilnahme von 230 von insgesamt 1200 Parteidelegierten garantiert. „Die politische Debatte erfordert Garantien und Demokratie. Deshalb werden wir uns nicht an dieser undemokratischen Versammlung beteiligen, die an manipulierte Mechanismen gebunden ist, die Mitglieder und Parteigründer ausschließt, die sich weiterhin dem Friedensabkommen verpflichtet fühlen.“
Seit geraumer Zeit beklagen interne FARC-Mitglieder, dass es eine Elite von Führungspersonen gibt, die sich undemokratisch verhalten und vor allem Kritiker ausschließen. Zudem geht es dieser Elite vor allem um die Partei und ihre Posten und nicht um das zerfallende Kollektiv der ehemaligen aufständischen Bewegung. So gab es immer wieder Kritik, dass die Umsetzung des Friedensabkommens, die fehlenden Sicherheitsgarantien und die noch 300 Inhaftierten nur ungenügend zur Sprache kamen.
Laster und schlechte politische Praktiken tauchten bald auf, es ging um Bevorteilung von hörigen Personen, Vetternwirtschaft und politischen Opportunismus, die die eigenen Ideale der entwaffneten Guerilla verrieten und im Gegensatz zum historischen und kollektiven Gedächtnis des revolutionären Widerstands standen. Zu erwähnen sind hierbei der Verzicht auf die theoretischen Grundlagen einer revolutionären Organisation wie Marxismus-Leninismus, um eine neoliberale Vermischung anzunehmen, nur um durch eine verallgemeinernde Rhetorik und individualistisches Spiel eine Koinzidenz mit den politischen Fraktionen der herrschenden Parteien im nationalen politischen System zu schaffen.
Durch die Spaltung und die Unzufriedenheit in der Partei gerät sie an den Rand des politischen Kampfes und verliert mehr und mehr ihre Legitimität. Es ist abzusehen, dass die Partei bei den nächsten Wahlen keine große Rolle spielen wird, und da sie bisher ja schon nur ein Schattendasein bei den Wahlen fristete, dürfte aufgrund der öffentlichen Schlammschlacht ein Zerfall drohen, sollten die quotierten Abgeordnetenplätze endgültig wegfallen. Es ist schade zu sehen, wie das Ziel eines gemeinsamen, kollektiven und politischen Kampfes nun mehr und mehr zerbricht.
Alternativen gibt es bisher keine. Die einen wenden sich enttäuscht ab und gehen ihren Weg der individuellen Wiedereingliederung in das zivile Leben. Andere Personen widmen sich den neu entstandenen sozialen und politischen Prozessen jenseits der Partei zu, die im Zuge der Krise in der Partei entstanden sind. Andere greifen wieder zu den Waffen, weil sie erkennen, dass der Friedensvertrag von den letzten beiden Regierungen immer mehr zerrissen wurde.
Nicht nur die Partei FARC hat derzeit mit unzähligen konzentrierten Angriffen auf ihre Webseite zu tun, wie sie selbst mitteilte. Auch wir als Kolumbieninfo können derzeit aufgrund einer Sperrung den Twitter-Account nicht mehr nutzen. Weitere Twitter-Accounts wurden von der FARC-EP, Zweites Marquetalia, und ihr nahestehender Organisationen gesperrt.
Friedensprozess: Ein Schritt vorwärts, zwei zurück. Eine Illusion, die zu einer Katastrophe wurde
In einer kurzen Mitteilung verurteilte die Partei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes – FARC die Ermordung des ehemaligen Guerillakämpfers Duván Arled Galíndez Nadia, die am Samstag, dem 2. Januar, abends in Cartagena del Chairá (Caquetá) geschah.
In Deutsch übersetzter Neujahrsgruß der FARC-EP, Zweites Marquetalia:
Das westliche Koordinierungskommando besteht aus den Guerillakolonnen Dagoberto Ramos, Jaime Martínez, Adan Izquierdo, Franco Benavides, Urías Rondón und M. Ruiz und hat sein Operationsgebiet unter anderem in Valle del Cauca, Cauca und Nariño. Das Koordinationskommando und die Kolonnen unterzeichneten nicht das Friedensabkommen mit der Regierung unter Santos und stellen sich historisch in die Tradition des bewaffneten Kampfes der FARC-EP. Es steht in enger Verbindung zu den Einheiten im Osten unter der Ersten Front Armando Ríos und anderen Strukturen der Guerilla.
Übersetzung bzw. Antwort im Rahmen eines Kommuniqués der FARC-EP, Zweites Marquetalia, an Piedad Córdoba, die unter anderem an die aufständische Organisation appellierte, mit dem bewaffneten Kampf aufzuhören:
Es ist selten, dass in den großen nationalen Medien Berichte von Augenzeugen abgedruckt werden, die sich in gewisser Hinsicht positiv über das Auftreten der Guerilla äußern. Denn die kolumbianischen Massenmedien berichten häufig eigentlich nur die Version des Staates und seiner Sicherheitskräfte. So werden unreflektiert die Versionen von „Drogenterroristen“ und „Kriminellen“ übernommen, um der aufständischen Bewegung jegliches politische Auftreten abzusprechen. Umso erstaunlicher, dass in der größten Tageszeitung Kolumbiens „El Tiempo“ Anfang Dezember ein Artikel erschien, der sich mit der Festnahme sowie Freilassung von zwei Händlern befasst, die kurzzeitig verschwunden waren.
Der argentinische Internationalist Facundo Morales Schoenfeld, der unter dem Kampfnamen „Camilo“ oder „Camilo El Argentino“ als politischer Kommandeur in der Eliteeinheit der ehemaligen FARC-EP, der mobilen Kolonne Teófilo Forero, diente, ist nun nach seinem Haftaufenthalt in Bolivien wieder zurück in seinem Heimatland Argentinien. Nach den sozialen Protesten gegen den Putsch an Evo Morales vor einem Jahr wurde er am 11. November 2019 bei Santa Cruz festgenommen und war seitdem über ein Jahr inhaftiert. Dabei verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Mehrere soziale Bewegungen und Organisationen, aber auch sein Heimatland, setzten sich für die Rückführung von Facundo Morales Schoenfeld ein.
Vor vier Jahren war der Frieden ein großes Wunschbild für die Kolumbianer. Die Regierung unterzeichnete mit der aufständischen Organisation FARC-EP einen komplexen und für seine verschiedenen zu vereinbarenden Punkte einen außerordentlichen Friedensvertrag. Die FARC-EP legten die Waffen nieder, vollzogen den Wandel zu einer legalen Partei und hofften auf elementare Erfüllung von Punkten wie die Reformierung der Agrarpolitik, die Substitution von illegalen Pflanzen wie Koka oder die politische, physische und juristische Sicherheit für ihre Mitglieder. Als Partei wollte die neue FARC einen politischen und gesellschaftlichen Wandel anstreben, immer unter dem Kontext der Beendigung der Gewalt und der Aufarbeitung des Konfliktes.
Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zum Tod von Diego Maradona und Fidel Castro:
Vor einer Woche veröffentlichte die Tageszeitung El Espectador, später dann auch andere Zeitungen, eine Nachricht, auf die das Land zwei Jahre warten musste. Es geht um die Vorwürfe gegen Jesús Santrich und auch Iván Márquez im Zusammenhang mit Drogenhandel. Jesús Santrich war als Unterhändler und Mitglied der FARC-EP am Friedensprozess beteiligt und in Havanna, dem Verhandlungsort der Friedensgespräche zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung.