Die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) hat bezüglich Oscar Montero (Hernán Darío Velásquez, alias El Paisa) die Festnahme angeordnet. Diese gilt sowohl national als auch über Interpol. Damit ist Oscar Montero der erste Kommandierende der Guerilla FARC, der wesentliche Bestandteile der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden verliert. Der ehemalige Kommandant der 1993 gegründeten mobilen Kolonne Teófilo Forero kann damit mit einer Gefängnisstrafe, je nach Mitwirkung vor Gericht, zwischen 5 und 20 Jahren rechnen. Zudem verliert er seine finanzielle Unterstützung. Dies ist ein weiterer Schlag gegen den Frieden und seine Vereinbarungen.
Er wurde jedoch nicht gänzlich aus der Friedensgerichtsbarkeit entlassen, stellten die Richter fest. Es gibt keine Beweise, dass er sich dem Friedensprozess entzogen hat und wieder unter Waffen steht. Dies hätte einen kompletten Ausschluss zur Folge gehabt und die Verurteilung in der gewöhnlichen Justiz. So steht Oscar Montero im Fall einer Zusammenarbeit weiterhin eine alternative Strafe offen. Die Richter machten eine entscheidende Bemerkung, denn die getroffene Entscheidung hat keinen dauerhaften Charakter, da sie in Abhängigkeit vom zukünftigen Verhalten von Oscar Montero geändert werden kann.
Durch seine führende Rolle innerhalb der FARC besitzt er auch über ein hohes Potential an Einflussnahme gegenüber anderen Personen, aber auch über viele Informationen, die zur Aufarbeitung des Konfliktes dienen. Es geht also darum, ihm eine erneute freiwillige Positionierung vor der JEP zu ermöglichen, eine frühzeitige Anerkennung der Eigenverantwortung im Rahmen des Konfliktes und um die Wahrheit zum Wohle der Opfer, so das Gericht. Seit Juli letztes Jahr ist Oscar Montero aufgrund von Sicherheitsbedenken, vor allem durch den kolumbianischen Staat selbst wegen fehlender juristischer Sicherheitsgarantien, verschwunden.
Der rechtliche Beistand von Oscar Montero, Wilmer Acosta, betonte, dass die Entscheidung der JEP ein Signal an alle und von großer Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft Kolumbiens sei. Die Situation des Landes im Hinblick auf Frieden und Versöhnung muss bewertet werden. Es gibt keine Beweise dafür, dass alias El Paisa sich wieder den Waffen angeschlossen hat. Der Haftbefehl sollte zurück genommen werden, so der Anwalt. Seine Gründe für das Nichterscheinen vor dem Gericht sind schließlich immer noch aktuell.
Denn obwohl Oscar Montero eine der am besten funktionierenden Wiedereingliederungszonen in Miravalle aufbaute und die lokalen Gemeinden ihm Versöhnung und Aufarbeitung des Konfliktes bescheinigen, gibt es weiterhin Militäraktionen und Infiltration des Geheimdienstes in der Region, obwohl sich die FARC im Frieden befindet und es gegen das Abkommen spricht. Im Fluss Caquetá erschienen gefundene Leichen, es gibt (para-)militärische Einheiten, die den Ansässigen fremd sind und das Gebiet durchstreifen und es gab militärische Überflüge. Hinzu kommen die systematischen Drohungen und Morde gegen die FARC, mehr als 130 ermordete ehemalige FARC-Kämpfer gibt es bereits zu beklagen. Dies alles sowie die mangelnde Wiedereingliederung allgemein spricht nicht für eine Umsetzung des Friedensabkommens und sorgt für Unsicherheit und Pessimismus bei Oscar Montero wie eben auch der FARC insgesamt.
Ein Kommuniqué der FARC zum nationalen Zivilstreik am heutigen 25. April, der vor allem von den progressiven und linken Sektoren des Landes ausgeht und der sich gegen die neoliberale und kriegerische Politik der aktuellen Regierung sowie ihre fehlende Umsetzung des Friedensabkommens wendet.
Ein kurzer Bericht von Sol Ortega auf Mujer Fariana der FARC, frei übersetzt vom Solidaritätsnetzwerk Kolumbieninfo, über die kriminalisierten Koka-Erntehelfer*innen in Kolumbien, die ein ärmliches aber selbstbewusstes Leben führen. Hier noch einmal unser Hinweis, dass die meisten ein würdiges Leben abseits von Koka wünschen, es die fehlende Präsenz und Infrastruktur des Staates aber nicht zulässt. Auch heute noch, mehr als zwei Jahre nach dem Friedensabkommen zwischen der FARC-EP und der Regierung, wird die in einem zentralen Punkt des Abkommens zugesagte Hilfe zur Substitution von Koka-Pflanzen und integrale Agrarreform vermisst.
Brief von ehemaligen Kommandierenden der FARC, aktuell wegen mangelnder Sicherheit und fehlendem Vertrauen in den Friedensprozess an unbekannten Orten in der Klandestinität, zum Jahrestag der Verhaftung des Genossen Jesús Santrich.
Die Bildung und Weiterbildung der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC, aber auch aller am Parteiprojekt interessierten Personen als Parteimitglieder, ist eine der primären Aufgabe der Partei, um diese weiter im Land aufzubauen, aber auch um Allianzen mit anderen progressiven Kräften wie Partei oder sozialen Bewegungen bilden zu können.
Seit nunmehr zwei Wochen hält der indigene Streik, Minga genannt, im Südwesten des Landes, vor allem in Cauca, an. Indigene Gruppen und soziale Bewegungen demonstrieren durch Blockaden der wichtigen Panamericana sowie vielfältige andere Aktionen für das Einhalten der Verpflichtungen seitens der Regierung, die unter anderem die Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten Santos mit der indigenen Dachorganisation CRIC und ONIC abgeschlossen hatten. Zudem demonstrieren sie für den Erhalt des Friedensabkommens und eine zügige Umsetzung, denn Cauca ist eine der am schwersten betroffenen Regionen des sozialen und bewaffneten Konfliktes.
Ein kurzes Statement zur von der Regierung scheinheilig geführten Debatte gegenüber der FARC, obwohl das Thema wichtig ist, aufgearbeitet gehört und den Opfern Anerkennung zugesprochen werden muss.
In Kolumbien kam es am gestrigen Montag zu großen Demonstrationen und Kundgebungen in vielen Städten und Dörfern. Die großen Mobilisierungen fanden im Kontext zur Verteidigung des Friedens, des vereinbarten Abkommens und der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) statt.
Mit seiner Ankündigung, Einwände gegen das Statutengesetzt zur Friedensgerichtsbarkeit JEP zu erheben, macht Präsident Iván Duque deutlich, dass er zum einen deutlich an der Seite der extremen Rechte und der Partei Demokratisches Zentrum (Centro Democrático) steht und zum anderen, dass der Frieden und die Umsetzung des Vereinbarten keinen Wert für ihn hat.
Die südkolumbianische Provinz Caquetá ist eine der Regionen Kolumbiens, die am schwersten vom bewaffneten und sozialen Konflikt betroffen sind und die wiederum dadurch eine wichtige Funktion mit Symbolwirkung in der Friedensbildung einnehmen könnte. Hier gibt es exemplarische positive und negative Beispiele des Konfliktes und in der Friedensbildung, bzw. in der Umsetzung des Friedensabkommens, die nun kurz umrissen werden sollen.
Eine neue Posse im Fall Jesús Santrich, dem ehemaligen Kommandierenden der FARC, der von den USA des Drogenhandels bezichtigt wird und seit April letztes Jahr ohne grundlegende Beweise im Gefängnis sitzt, sorgt für Unruhe. So kam es am Sonntag zur Festnahme von mehreren Personen, darunter beteiligte in der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP), weil sie mittels Geldes als Teil einer Bestechung den Auslieferungsprozess von Jesús Santrich beeinflussen wollten. Schon der Fall Santrich besteht aus großen Fragezeichen und steht für die Torpedierung des Friedensprozesses. Dazu äußerte sich nun der Nationale Politische Rat der FARC: