Facundo Morales und die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden

Vor ein paar Wochen hielt eine Abteilung der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) in Kolumbien eine dreitägige Anhörung ab, um die FARC als verantwortlich für Entführungen anzuerkennen, die als eine der schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen im Land innerhalb des bewaffneten Konfliktes angesehen werden. In einer dringenden Anhörung gab es dann einen Akt der Versöhnung, in der das letzte Sekretariat der FARC-EP, das höchste Gremium der ehemaligen aufständischen Bewegung, einer ausgewählte Gruppe von öffentlich ihren Schmerz und Wiedergutmachung zum Ausdruck gebracht. Immer noch nicht öffentlich diskutiert wird jedoch, dass es über Jahrzehnte eine „Entführungsindustrie“ in Kolumbien gab, an der alle Akteure, also auch Staat, Militär, kriminelle Banden und Paramilitärs, profitierten. Ohne diese Zusammenhänge und einer kompletten Aufarbeitung – auch der Verbrechen aller anderen Akteure und nicht nur der Guerilla, läuft die Sondergerichtsbarkeit vorerst nur auf Rache hinaus.

Ein Teil dieser Widersprüche manifestiert sich auch im Fall von Facundo Molares Schoenfeld, einem internationalistischen Kommunisten und einem ehemaligen FARC-EP-Kämpfer, der Kolumbien nach der Unterzeichnung der Friedensabkommen verließ und in seine Heimat Argentinien zurückkehrte. Als Reporter für regionale Medien und während einer Gesundheitskrise wurde er inmitten eines von der Rechten verübten Staatsstreichs in einem Krankenhaus in Bolivien festgenommen. Er verbrachte mehrere Monate ohne medizinische Versorgung im Gefängnis, wurde zweimal mit Covid19 infiziert und erlitt irreparable Schäden am Herzen. Nach der Machtübernahme von Luis Arce wurde er schließlich freigelassen und kehrte dank der Bemühungen der argentinischen Regierung in sein Land zurück. Als er mit seinem Heilungsprozess beginnen konnte, wurde er von Interpol durch die argentinische Polizei im Haus seines Vaters verhaftet und entführt.

Der Befehl der Auslieferung, also Entführung, wurde von einem Büro der kolumbianischen Staatsanwaltschaft ausgestellt, in der ihm vorgeworfen wurde, während des bewaffneten Konflikts und seiner Teilnahme als Guerillero an einer Entführung eines Lokalpolitikers teilgenommen zu haben. Dies könnte ein Fall ordentlicher Justiz sein und Facundo Morales könnte von der Sondergerichtsbarkeit JEP profitieren, aber seine Inhaftierung verstieß gegen die Vereinbarungen des Friedensabkommens mit der FARC-EP und gegen seinen Status als ehemaliger Kämpfer. In eklatanter Verletzung des verfassungsrechtlichen Charakters der Vereinbarungen hat der argentinische Richter den Antrag auf Freilassung aufgrund seines Status als wieder in das Zivilleben eingegliederte Person nicht akzeptiert und die Möglichkeit einer Auslieferung aufrechterhalten.

Eine Woche nach seinem Prozess in Argentinien kontaktierte die kolumbianische Staatsanwaltschaft die Sondergerichtsbarkeit JEP und akzeptierte, dass es nicht sein Arbeitsbereich sei. Seit Januar 2022 ist Facundo Morales Antrag auf Anerkennung als amnestierter Kämpfer in der JEP und erst vor ein paar Wochen hat dieses Gericht reagiert und anerkannt, was sein Vater seit Monaten fordert: Die ordentliche Justiz kann in diesem Fall nicht handeln, weil Facundo Morales als ehemaliges Mitglied der FARC-EP sowie mit seiner Waffenniederlegung und Registrierung als Kämpfer Teil des bewaffneten Konflikts ist und damit Teil der Sondergerichtsbarkeit. Auch wenn er aus der Provinz Putumayo sang- und klanglos in Richtung Heimat verschwand, so gab es keine weitere Tätigkeit in der Guerilla von ihm. Das Auslieferungsersuchen der kolumbianischen Regierung sollte automatisch annulliert werden.

Die argentinische Justiz ignoriert jedoch weiterhin die Anordnung des kolumbianischen Gerichts. Facundo Morales sollte von sich aus sofort freigelassen und in einem Krankenhaus behandelt werden und hätte niemals in Bolivien oder Argentinien im Gefängnis sein dürfen. Neben dem nicht behandelbaren Herzschaden, für den er in Lebensgefahr schwebt, verlor er bei den staatlichen Entführungen das Augenlicht eines Auges. Es bleibt also abzuwarten, wie die Gerichte weiterhin arbeiten und wir können nur hoffen, dass es bald zu einer Einigung kommt. Der Fall Facundo Morales steht exemplarisch für weitere ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer, die in der Schwebe der Justiz hängen und deren Status als ehemalige Mitglieder der Guerilla eigentlich klar sein sollten. Zumal es von ihnen keine weitere Betätigung an staatsgefährdenden Tätigkeiten gab, sondern sie ihre Bereitschaft an der Aufarbeitung des Konfliktes betonten.

Zu nennen sind hier unter anderem Simón Trinidad, der als hochrangiges Mitglied der FARC-EP 2004 in Ecuador festgenommen und an die USA ausgeliefert wurde. Ihm wird die Beteiligung an der Entführung von drei Amerikanern vorgeworfen. Auch wegen Drogenhandels sollte er angeklagt werden, was jedoch scheiterte. Er ist im Hochsicherheitsgefängnis von Florence, Colorado, inhaftiert. Eine andere Person, die Probleme mit ihrer Anerkennung bzw. mit Interpol hat, ist Tanja Nijmeijer. Sie darf aus Kolumbien nicht ausreisen, ihr Status als ehemaliges Mitglied der FARC-EP zwar klar, doch in Bezug auf ihr weiteres Leben hat die Niederländerin große Probleme. Auch ihr wird die Entführung von US-Amerikanern vorgeworfen. Der Sondergerichtsbarkeit sind also die Hände gebunden, solange Gerichte bzw. Staaten wie die USA an ihrer rachesüchtigen Art und Weise festhalten und nicht an Aufarbeitung, Frieden und Versöhnung.

Mehr zum Internationalisten Facundo Morales hier: Der Weg des Facundo Morales

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33. Front zeigt in Catatumbo Präsenz

In einer großangelegten Kampagne hat die 33. Front der FARC-EP mehrmals Präsenz in der größten Stadt der Region Catatumbo, Provinz Norte de Santander, Präsenz gezeigt. In Tibú patrouillierten Einheiten der 33. Front in Kampfausrüstung innerhalb kürzester Zeit im Stadtgebiet. Bereits am Donnerstag waren Guerilleros der FARC-EP in Armbinden, Uniform und mit Waffen direkt im Stadtzentrum zu sehen. Dabei waren sie auch direkt vor der Stadtverwaltung. Nun, zwei Tage später und nach einer Ankündigung des Verteidigungsministers noch mehr Soldaten und Polizisten in die Region zu entsenden, waren wieder Guerilleros der FARC-EP im Stadtgebiet unterwegs und kontrollierten die Straßen.

In einem Video der 33. Front sagen sie: „Wir sind nur drei Minuten vom Stadtzentrum von Tibú entfernt. Sicherheit bietend in den ländlichen Gebieten dieser schönen Gemeinde. Und wir werden unsere Patrouillen fortsetzen, weil unsere Hauptabsicht darin besteht, das Volk Catatumbos zu schützen, da der Staat diese nicht bietet“, sagte einer der Männer, der sein Gesicht mit einer Sturmhaube verbirgt. Verteidigungsminister Diego Molano befahl bereits nach der ersten Aktion am Donnerstag der Armee, die Sicherheit von Tibú wiederherzustellen. Dies wurde nun ad absurdum geführt.

Die Guerilleros der 33. Front wollen den leeren Raum auffüllen, den der Staat hinterlassen hat, so die Botschaft. So hat der Staat sich nicht um die Verbesserung der Straßen, die Gesundheit der Einwohner und die Bildung von Minderjährigen gekümmert.  An die politischen Verantwortlichen und Minister wenden sie sich: „Wir werden hier weitermachen, bereit zum Kampf und auf die Spezialeinheiten warten, die der Verteidigungsminister entsenden wird. Gewinnen oder sterben.“  Damit werden die Guerilleros deutlich auf die Ankündigung des Verteidigungsministers und verdeutlichen, dass sie teilweise die Hoheit in der Region besitzen.

Bereits am Donnerstagnachmittag herrschte im Zentrum von Tibú Aufregung, weil eine Gruppe schwer bewaffneter Guerilleros in Militärkleidung und Armbändern der FARC-EP durch die Straßen patrouillierte. In den aufgenommenen Videos ist auch zu sehen, wie sie direkt vor der Stadtverwaltung stehen. Sie sendeten eine eindringliche Botschaft, dass sie diejenigen sind, die die Gesetze durchsetzen. Anschließend wurden die Videos und Fotos in den sozialen Netzwerken verbreitet. Kommandiert wird die 33. Front von alias Jhon Mechas, der nach dem Tod von Mordisco und Duarte zu einem der höheren Kommandierenden der FARC-EP aufsteigen wird.

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Ist Iván Mordisco auch getötet worden?

Auch wenn wir normalerweise kein Portal sind, dass Spekulationen füllt, so sind wir doch auch immer wieder auf die kolumbianischen Staatsmedien angewiesen, wenn es um einen schnellen Transport von Informationen zum bewaffneten Konflikt in Kolumbien geht. Nun jedoch müssen wir wieder auf unterschiedliche Quellen zurückgreifen und auch spekulieren, ob Iván Mordisco, der Oberkommandierende der FARC-EP, bei einer Bombardierung am letzten Wochenende getötet wurde. Denn mehrere Medien und Geheimdienstquellen bestätigen an diesem Freitag, dass Iván Mordisco im ländlichen Teil der Gemeinde San Vicente del Caguán in der Provinz Caquetá gestorben ist.

So soll er während einer Operation von Militär und Polizei im Dorf Santa Rita das Leben verloren haben. Die Militäroperation galt dem Oberkommandierenden der FARC-EP und zwei Lagern der aufständischen Bewegung. Bei der Operation starben mindestens 10 Guerilleros. Zudem kam seine Partnerin und ein Teil der Sicherheitsgarde von Mordisco ums Leben. Am Ort fand man wohl persönliche Utensilien des Oberkommandierenden, darunter technische Geräte, Kleidungsstücke und sein Boot. Bei abgehörten Funkverbindungen von Einheiten der FARC-EP soll sein Tod Thema gewesen sein.

Sollte sich der Tod von Iván Mordisco bestätigen, dann wäre das ein schwerer Schlag gegen die Guerilla und zugleich einer von vielen Schlägen in den letzten Monaten, den die Guerilla hinnehmen musste. Mit der 1. Front Armando Ríos verliert eine der wichtigsten Strukturen der FARC-EP ihren politischen Kopf. Die 1. Front Armando Ríos löste sich bereits während des Friedensprozesses von der alte FARC-EP und wurde damals schon von ihm geleitet. Es ist eine sogenannte Mutterstruktur der FARC-EP, aus der viele andere Fronten herausgebildet wurden. Bei der Neustrukturierung der FARC-EP spielte sie eine wichtige Rolle.

Die 1. Front teilte damals dem sich mit der kolumbianischen Regierung verhandelnden Sekretariat der FARC-EP mit: „Wir haben beschlossen, nicht zu demobilisieren, wir werden den Kampf für die Machtergreifung durch das Volk und für das Volk unabhängig von der Entscheidung der übrigen Mitglieder der Guerilla-Organisation fortsetzen. Wir respektieren die Entscheidung derer, die den bewaffneten Kampf aufgeben, ihre Waffen niederlegen und sich wieder dem bürgerlichen Leben anschließen. Wir betrachten sie nicht als unsere Feinde.“ Diesem Kommuniqué vom Juni 2016 schlossen sich mehr und mehr Kommandierende und Guerilleros an.

Mehr als 400 Personen gehören den Strukturen der 1. Front aktuell an. Es bleibt abzuwarten, wer der Nachfolger wird und wie sich die Strukturen und auch die anderen Fronten verhalten werden. Iván Mordisco beerbte die Führungsperson als Oberkommandierender nach dem Tod von Gentil Duarte im Mai dieses Jahres. Er trat der FARC-EP Anfang der 2000er Jahre bei und wurde als Scharfschütze und Sprengstoffexperte ausgebildet. Sein Aktionsradius waren vor allem die Gemeinden Calamar, Miraflores und San José del Guaviare in der Provinz Guaviare. Hier und in den angrenzenden Regionen von Caquetá und Meta befand sich die Basis der 1. Front.

In der zurückliegenden Zeit gab es viele Angriffe auf Kommandierende der FARC-EP. Dies betraf sowohl die FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco mit ihrer 1. Front sowie der FARC-EP, Zweites Marquetalia, um Iván Márquez. Beide Guerillaorganisationen befinden sich im Krieg gegeneinander und beanspruchen gegenseitig, die jeweils wahre FARC-EP zu sein. Einigungsversuche scheiterten bisher. Die FARC-EP um Iván Márquez war zuletzt sogar mit der ELN alliiert. Wer für die Angriffe mit kleinen Spezialkommandos auf die Kommandierenden verantwortlich ist, ist weiterhin nicht hundertprozentig klar. Viel spricht jedoch für Einsatzkommandos von kolumbianischen Söldnern im Auftrag der Armee.

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Neue Struktur der FARC-EP im Süden

Im Juli wurde durch ein Kommuniqué die Ankündigung einer neuen Struktur der FARC-EP unter der Linie von Iván Mordicso bekannt. So kündigt eine Gruppe namens Mobile Kolonne Jhonier Toro Arenas der FARC-EP ihre Präsenz in der Provinz Putumayo, insbesondere in den Gemeinden Villagarzón, Puerto Caicedo, Orito sowie im östlichen Teil der Provinz Nariño an. Die wäre neben der Frente Carolina Ramirez eine nächste Struktur der FARC-EP unter Mordicso.

Die erklärten Ziele der neuen Struktur sind, „den politischen und militärischen Richtlinien des Zentralen Generalstabs der FARC-EP“ zu gehorchen und „die narco-paramilitärischen Apparate zu bekämpfen, die im Bündnis mit der kolumbianischen Söldnerarmee die bäuerlichen Gemeinschaften in eine Welle des Terrors und der Gewalt gestürzt haben.“ Sie orientieren sich damit an die alten Werte und Ziele der aufständischen Bewegung.

Die Struktur zeigte ideologische Nähe zu den Kommandanten Manuel Marulanda und Jacobo Arenas und versicherte, dass sie der ländlichen und städtischen Bevölkerung Ruhe geben werde, da sie nicht gegen die Gemeinden und ihre Führungen angreifen werde.

Die Struktur benennt sich nach dem ehemaligen Kommandieren des Westlichen Koordinationskommandos, der Anfang des Jahres getötet wurde. Zu den Kommuniqués, die ihre Verbreitung in der Region fanden, gab es auch Sprüh-Aktionen von Mitgliedern der Struktur an Gebäuden und Fahrzeugen. Zugleich wurden in dem Kommuniqué erste Regeln für die Gemeinden festgelegt, so zum Beispiel die Einschränkung der Bewegungsfreiheit in der Nacht, um Kontrolle über das Territorium ausüben zu können.

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Ivàn Marquez lebt – Kommuniqué der FARC-EP

FARC-EP, Zweites Marquetalia, versichert in einem am gestrigen 10. Juli veröffentlichten Kommuniqué an verschiedene Medien, dass Iván Márquez lebt. Obwohl es am 30. Juni einen Angriff auf ihn gegeben hat, versichern sie, dass der Guerillakommandant bei guter Gesundheit sei und sich von dem Angriff von vor zwei Wochen erhole. „Wir wenden uns an das kolumbianische Volk und die internationale Gemeinschaft, um zu berichten, dass: Am 30. Juni 2022 wurde Kommandant Iván Márquez, ein Mann, der sich für den Frieden in Kolumbien einsetzt, Opfer eines kriminellen Angriffs, der von Kommandos aus Armee und Polizei durchgeführt wurde“, heißt es dort. Und weiter: „Er erlitt nur leichte Verletzungen und ist bei guter Gesundheit. Aus seinem Schützengraben aus wird er den Kampf der Ideen für ein neues Kolumbien fortsetzen.“ Damit bestätigt die FARC-EP, Zweites Marquetalia, nicht nur, dass der Oberkommandierende lebt, sondern dass der Kampf für die Ideale eines gerechten und friedlichen Kolumbiens weitergeht. Wir haben keinen Zweifel daran, dass hinter diesem Terrorakt die Bluthunde der CIA, der DEA und der Duque-Regierung stecken. Es ist derselbe Modus Operandi, mit dem sie El Paisa Oscar, Edilson Romaña, Gentil Duarte und Jesús Santrich aus verschiedenen Militärgarnisonen und Polizeikommandos ermordeten.“ „Duque und seine Regierung zerstörten nicht nur die Abkommen von Havanna; sie widmeten sich auch dem Export von Söldnern, um Anführer in verschiedenen Teilen der Welt zu töten“, heißt es in dem Kommuniqué der nationalen Direktion der FARC-EP, Zweites Marquetalia, dass von einigen Personen vorgetragen wird und zuerst in der Zeitschrift Cambio veröffentlicht wurde.
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Lebt Iván Márquez noch?

Mehrere kolumbianische Medien, die sich auf Quellen des Geheimdienstes berufen, vermelden, dass Iván Márquez noch lebt. Weder von offiziellen Regierungsquellen, noch von Seiten der aufständischen Bewegung gibt es derzeitig genaue Informationen. Wie wir bereits am Wochenende berichteten, gab es Hinweise auf einen Angriff des Lagers von ​​​​Iván Márquez, Oberkommandierender der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Eine offizielle Bestätigung fehlte jedoch. Nun sollen Quellen geäußert haben, dass er in ein Krankenhaus nach Caracas in die venezolanische Hauptstadt gebracht worden sein. Auch hier sind die Informationen dünn.

Angebliche hochrangige kolumbianische Geheimdienstquellen bestätigten den Medien jedoch, dass die gesammelten Informationen aus dem Nachbarland darauf hindeuten, dass der Oberkommandierende mit schweren Verletzungen nach Caracas verlegt wurde, wo er medizinisch auf einer Intensivstation betreut wird. Das Lager von Iván Márquez lag wohl weit von der Grenze zu Kolumbien entfernt in der ländlichen Gegend von Caicara del Orinoco, Bundesstaat Bolívar. Dort soll sich der Angriff auf das Lager mit Explosivwaffen ereignet haben. Mit im Lager sollen die Sicherheitskräfte der Guerilla, rund 20 Personen, anwesend gewesen sein. Über die Täter gibt es derzeit keine Informationen, sondern viele Spekulationen.

Unter den Gerüchten auf die Täter ist von einem kolumbianischen Militärkommando, einem Angriff der befeindeten FARC-EP um Iván Mordisco, aber auch eigene Leute die Rede. Zwar gibt es eine Fehde zwischen den verfeindeten Strukturen der FARC-EP, doch die letzten Operationen in Venezuela deuten auf Spezialoperationen des Militärs zur Tötung der hochrangigen Kommandierenden hin. Aber auch hier gibt es keine sicheren Beweise. Zuletzt hatte die FARC-EP um Iván Márquez eine strategische Allianz mit der ELN. Es geht vor allem um die politisch-militärische Kontrolle von Territorien, bei der die FARC-EP, Zweites Marquetalia, aufgrund ihrer Schwäche eine Allianz suchen musste.

In der zurückliegenden Zeit konnte die FARC-EP mit ihren Strukturen um Iván Mordisco an Boden gewinnen. Trotzdem gab es auch hier Rückschläge in der Organisation, die wie beim Zweiten Marquetalia, vor allem mit der Tötung von hochrangigen Kommandierenden zu tun haben. Neben Gentil Duarte als Oberkommandierenden starb auch der Kommandierende des Westlichen Koordinationskommandos. Mit dem Verlust ihrer Kommandierenden bei beiden FARC-EP besteht die Gefahr des Verlustes der politischen Ziele und der Verrohung hin zum Banditentum in den einzelnen Fronten und Strukturen, sobald eine einheitliche Koordinierung fehlt oder Kommandierende in immer kürzeren Abständen ersetzt werden müssen.

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Bekannter Friedensunterzeichner und Ex-Kommandant ermordet

Am Montag wurde bekannt, dass mit Ronald Rojas alias Ramiro Durán ein bekannter Friedensunterzeichner und ehemaliger Kommandant der alten FARC-EP ermordet wurde. Dabei soll ihn ein Scharfschütze mit mehreren Schüssen getroffen haben, als sich Ronald Rojas gerade auf seiner Finca im ländlichen Gebiet der Gemeinde Palermo in der Provinz Huila befand. Er verstarb wenig später in einem Krankenhaus in Neiva, der Provinzhauptstadt. Laut dem Institut Indepaz sind in diesem Jahr bereits 22 ehemalige FARC-Kämpfer ermordet wurden.

Ronald Rojas war ein sehr bekanntes Mitglied der aufständischen Bewegung im Süden Kolumbiens. Er war der politische Verantwortliche und zudem Kommandant im Südblock der FARC-EP. Im Zuge des Friedensabkommens war auch er am Verhandlungstisch in Kuba. Später war er der politische Verantwortliche der aus dem Friedensabkommen entstanden Partei Comunes, die er in der Provinz Huila aufbaute. Aus ihr zog er sich jedoch zurück, da er mit der Politik und dem Führungsstil der Partei nicht zufrieden war.

Stattdessen gründete er mit anderen unzufriedenen Kommandanten und Friedensunterzeichnern ein unabhängiges Netzwerk zur Wiedereingliederung von ehemaligen Kämpfern in das zivile Leben, dass sich nicht mehr an die Partei orientierte, von der sie sich nicht mehr vertreten sahen. Er trat unter anderem mit Victoria Sandino und Benkos Biojó aus der Partei aus und organisierte mit vor allem anderen Personen aus dem ehemaligen Südblock in Neiva eine unabhängige Struktur der Wiedereingliederung.

Mit Ronald Rojas verlässt eine bekannte und schillernde Person das politische Bankett im Süden Kolumbiens. Er war hier bekannt für sein Engagement und die Zusammenarbeit mit den populären Organisationen. In den zurückliegenden Stunden meldeten sich schließlich auch zahlreiche Personen und Weggefährten zu seinem Tod und äußerten ihr Bedauern zu dem Verlust. Die Wiedereingliederung und der Friedensprozess erhält damit einen weiteren Rückschlag.

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Iván Márquez in Venezuela getötet

Am gestrigen Tag des 2. Juli verdichteten sich in Kolumbien die Hinweise, die von offiziellen Stellen jedoch nicht endgültig bestätigt sind, dass Iván Márquez als Oberkommandierender der FARC-EP, Zweites Marquetalia, bei einem Angriff getötet wurde. Sollte sich dies bestätigen – und selbst aus Venezuela treffen immer mehr Meldungen dazu ein, dann wäre das der nächste Schlag gegen die aufständische Bewegung.

Nach bisherigem Kenntnisstand wurde am Samstag im Morgengrauen auf venezolanischem Territorium eine Militäroperation durchgeführt, bei der Luciano Marín Arango alias Iván Márquez, ums Leben kam. Bisher sind alles nur Spekulationen, ob es sich um eine verdeckte Militäroperation Kolumbiens handelte oder um ein Attentat der Strukturen der FARC-EP um Iván Mordisco, die sich wiederum für die Ermordung an Gentil Duarte rächen wollten.

Beide politisch-militärischen Linien der FARC-EP stehen in einem Krieg gegeneinander und zögern nicht, gezielte Angriffe gegen die jeweiligen Mitglieder Linien durchzuführen. Zuletzt ist ein Großteil der Kommandierenden aus den beiden Linien der aufständischen Bewegung getötet worden, wobei oftmals nicht ganz klar ist, wer die Verantwortlichen der Anschläge auf venezolanischem Territorium sind.

Mit einem Tod von Márquez würde die aufständische Bewegung die wohl derzeit schillerndste Persönlichkeit verlieren. Er ist einer der Köpfe der alten FARC-EP gewesen und in seinem politischen Diskurs anerkannt. Zudem verfügte Márquez über viele nationale und internationale Kontakte. Sein politischer Stellenwert wird nicht zu ersetzen sein. Unter Márquez gab es eine strategische Allianz zwischen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, mit der ELN.

Luciano Marín Arango alias Iván Márquez ist mittlerweile 67 Jahre alt und hat mehr als vier Jahrzehnte in der aufständischen Bewegung verbracht. Er ist ausgebildeter Rechtsanwalt und stammt au der Provinz Caquetá, wo er am 16. Juni 1955 in Florencia geboren wurde. Schon in jungen Jahren begann er seine politische Laufbahn, zuerst in den Kommunistischen Partei. Er engagierte sich in der Kommunalpolitik der Provinzhauptstadt Florencia.

In den frühen 1980er Jahren schloss er sich der 14. Front der FARC-EP an, kurz vor dem Friedensprozess während der Regierung des ehemaligen Präsidenten Belisario Betancur, der schließlich zur Geburt der Patriotischen Union (UP) führte. Auch dort wurde er Mitglied, sogar im kolumbianischen Kongress, ging aber nach den gescheiterten Friedensbemühungen wieder zurück zur Guerilla.

Márquez wurde nach dem Tod von Jacobo Arenas im Jahr 1990 Mitglied des Sekretariats der FARC-EP. Zuletzt war er der Oberkommandierende des sogenannten Karibischen Blocks der FARC-EP im Nordwesten, wozu er abkommandiert wurde. In den letzten Friedensverhandlungen mit der Regierung von Santos war er der Hauptunterhändler in Havanna, Kuba, und sorgte schließlich zum noch gültigen Friedensabkommen.

Im April 2018 reiste Márquez jedoch in die Wiedereingliederungszone von Miravalle, Caquetá, und verließ sie dann zusammen mit Hernán Darío Velásquez, alias „EL Paisa“, die beide dem Friedensprozess den Rücken kehrten. Im August 2019 gaben „Márquez“, „Santrich“ und „El Paisa“ in einem Video bekannt, dass sie zu den Waffen gegriffen hätten, um die FARC-EP neu aufzubauen. Sie waren der Ansicht, dass das Friedensabkommen nicht umgesetzt werden würde. Nun endet jedoch die Geschichte von Iván Márquez und dem Zweiten Marquetalia.

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Provinz Cauca ist Schauplatz von schweren Kämpfen

Einheiten der Guerilla FARC-EP stehen wiederholt seit einigen Tagen in schweren Kämpfen mit den staatlichen Sicherheitskräften in verschiedenen Regionen der im Südwesten Kolumbiens gelegenen Provinz Cauca. Dabei handelt es sich unter anderem um einen Vorfall am 22. Juni, bei dem ein indigenes Mitglied verschwand, bei dem die Medien kommunizierten, dass die Ursache in einer Aktion der FARC-EP lag. Nun gab die FARC-EP mit ihrem Westlichen Koordinationskommando jedoch ein Kommuniqué heraus in der die Sache anders dargestellt wird. Tatsächlich kommt es häufig vor, dass sich bewaffnete Akteure als Guerilleros ausgeben, um der aufständischen Bewegung zu schaden. Zuletzt sorgte da ein Vorfall in Putumayo für Aufsehen. Untenstehend ist das übersetzte Kommuniqué.

In der Gemeinde Caldono gab es Anfang der Woche starke Kämpfe zwischen Einheiten der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos und der staatlichen Polizei. Dabei wurde aus dem Ort und der Umgebung die Polizeistation angegriffen. Hierzu gibt es mehrere Videos, die von der lokalen Bevölkerung aufgenommen wurden und die in ihren Häusern Schutz suchen mussten. Zudem gab es zahlreiche Diskussionen mit der indigenen Wache und den Einheiten der Guerilla über ihre Präsenz und das Verlassen des indigenen Territoriums. Aus anderen Orten der Gemeinde wurden mindestens zwei Tote gemeldet. Einer der Toten soll vorher von Einheiten der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos an einem Kontrollpunkt festgehalten werden.

An einer alten Mautstelle der Panamericana am Ort Tunía; Gemeinde Piendamó, gab es ebenso Kämpfe beziehungsweise einen Angriff von Einheiten der Guerilla auf eine Patrouille von Armee und Polizei, der über 30 Minuten dauerte. Die Panamericana als strategischer Korridor und Verkehrsachse ist immer wieder Ziel von Auseinandersetzungen. Zuletzt, vor zwei Tagen, starben bei Kämpfen mindestens zwei Guerilleros der FARC-EP. So kam es in der Gemeinde El Tambo zu Kämpfen zwischen der Front Carlos Patiño der FARC-EP und der Nationalen Armee. Die Auseinandersetzungen im Süden Caucas setzten sich auch in den folgenden Tagen fort und zeigen deutlich, wie stark die Provinz vom bewaffneten Konflikt betroffen ist. Besonders stark präsent ist die FARC-EP mit ihren verschiedenen Strukturen des Westlichen Koordinationskommandos.

 

Hier das Kommuniqué der FARC-EP:

 

Über die Kämpfe in Buenos Aires, Cauca, und die Ermordung des Gemeindemitglieds Jeison Dizú Güetio

  1. Juni 2022

Wir informieren die nationale und internationale Gemeinschaft, die Medien und insbesondere die indigenen Gemeinschaften von Cauca über die Situation, die sich seit gestern im indigenen Schutzgebiet Las Delicias, Gemeinde Buenos Aires, abgespielt hat.

Gestern wurden wir von Mitgliedern der Gemeinde über die Festnahme am Nachmittag und die anschließende Ermordung in den nächtlichen Stunden des als Jeison Dizú Güetio identifizierten Gemeindemitglieds aus Las Delicias durch bewaffnete Personen, die sich als Mitglieder der ELN ausgaben, informiert. Außerdem machten sie einen Kontrollpunkt in der Zeit, fragten nach Jeisons Vater, um ihn mitzunehmen.

Wir wurden sofort informiert, unsere Einheiten begannen mit der Suche nach der Gruppe, die das Gemeindemitglied festgehalten hatte und es begannen gestern gegen 21:00 Uhr Konfrontationen, und die Luftwaffe war um 2:00 Uhr morgens anwesend, um die Flucht der bewaffneten Gruppe zu unterstützen. Von dem Moment an, in dem Mitglieder der Nationalen Armee, mit denen wir derzeit Konfrontationen führen, am selben Ort anwesend sind, möchten wir sie darüber informieren, dass es sich nicht um eine Konfrontation zwischen illegalen bewaffneten Gruppen handelt, wie von den Medien berichtet, sondern zwischen Einheiten der Mobilen Kolonne Jaime Martínez und der Nationalen Armee.

Basierend auf falschen Informationen, die beabsichtigen, die Aufmerksamkeit von dem abzulenken, was passiert ist, stehen wir vor einem möglichen Fall von einem falschen Positiven [falso positivo – Person die unschuldig Repression erfährt oder eine als vermeintliches Mitglied der Guerilla ermordete Person] gegen ein Mitglied der indigenen Gemeinschaft von Las Delicias.

Wir fordern die Medien auf, das Territorium zu betreten und die Informationen persönlich zu überprüfen, wir fordern die Angehörigen auf, entsprechende Beschwerden einzureichen, und wir fordern die indigenen Behörden auf, jegliche Aggression durch staatliche Kräfte zu achten. Wir müssen uns daran erinnern, dass es bereits viele Fälle von Identitätswechseln von Gruppen durch die Nationale Armee gibt, die von den Gemeinden angeprangert werden. Die Wahrheit kann nicht eingeschüchtert werden, um die Kriegstreiber dieses Landes zu begünstigen.

Volk und Würde, Manuel Marulanda lebt, der Kampf geht weiter!

 

Mobilen Kolonne Jaime Martínez

Westliches Koordinationskommando

Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens, Armee des Volkes

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Über 50 Tote bei Aufstand im Gefängnis Tuluá

Bei einem Aufstand und Fluchtversuch von Insassen im Gefängnis Tuluá in der westlichen Provinz Valle del Cauca sind bisher 51 Tote und Dutzende Verletzte zu verzeichnen. Der Fluchtversuch, so die staatlichen Medien, sollte in der Nacht von Montag zu Dienstag stattfinden und brach in einem Gefängnistrakt aus. Laut der staatlichen Medien gab es eine große Auseinandersetzung unter den Insassen und dann wurden Matratzen angezündet. In dem Trakt saßen mehr als 200 Insassen, im gesamten Gefängnis mehr als 1200. Es ist mit 17% überbelegt und offenbart ein seit Jahrzehnten existierendes Problem in Kolumbien. Die Gefangenen leiden unter unmenschlichen Bedingungen, es gibt eine permanente Überbelegung, Gewalt, kaum medizinische Versorgung und keine soziale Infrastruktur wie Rehabilitationsprogramme.

Schon in den Jahren zuvor gab es immer wieder Meldungen und Kampagnen von sozialen Organisationen zu den unmenschlichen Bedingungen in den kolumbianischen Gefängnissen. Davon betroffen waren auch politische Gefangene, die teilweise weit weg von ihrem zu Hause und teilweise isoliert untergebracht werden. Oftmals haben kriminelle und paramilitärische Strukturen innerhalb der Gefängnisse unter Mithilfe der korrupten Beamten die Macht übernommen. Zu Zeiten der alten FARC-EP konnten wenigstens politische Häftlinge vereint in Trakten untergebracht werden. Aufgrund ihrer Sozialisation in der aufständischen Bewegung versuchte man, einen politisch strukturierten Tagesablauf und auch Unterstützung von außen zu organisieren. Individuelle Häftlinge haben oftmals nur ihre Familien und sonst keine Unterstützung.

Der neugewählte Präsident Gustavo Petro sagte, die Regierung müsse ihre Gefängnispolitik neugestalten. „Der kolumbianische Staat hat das Gefängnis als einen Ort der Rache und nicht der Rehabilitation angesehen“, schrieb er auf Twitter. Petro, der sein Amt im August antreten wird, wies auf frühere Vorfälle hin, die zum Tod von Gefangenen im maroden und überfüllten Gefängnissystem Kolumbiens geführt hatten, darunter im Jahr 2020 in der größten Einrichtung des Landes, La Modelo in Bogotá. „Was in Tuluá passiert ist, wie das Massaker in La Modelo, zwingt zu einem vollständigen Umdenken in der Gefängnispolitik“, schrieb Petro. Bei diesem Vorfall wurden während der Coronavirus-Pandemie bei Protesten gegen unhygienische Bedingungen in ihrer Einrichtung mindestens 23 Gefangene getötet und über 80 verletzt.

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Erste Diskussionen zu Gesprächen mit FARC-Gruppen

Nach der Wahl von Gustavo Petro zum neuen Präsidenten Kolumbiens gibt es erste Stimmen für Gespräche mit den sogenannten dissidentischen Gruppen der FARC-EP, die sich dem im Jahr 2016 unterzeichneten Friedensabkommen zwischen FARC-EP und Regierung entzogen haben. So unterbreitet unter anderem der Senator Iván Cepeda diesen Vorschlag, der sogleich von großen Medien aufgegriffen wurde und zu zahlreichen Diskussionen führte. So entzogen sich mehrere Kommandierende aus der FARC-EP, Zweites Marquetalia, dem Friedensprozess, weil sie weder mit den Vereinbarungen noch mit der Umsetzung zufrieden waren. So tauchten der ehemalige Verhandlungsführer Iván Márquez sowie Jesús Santrich, Romaña und El Paisa, im August 2019 in einem Video auf, bei der sie die Widerbewaffnung verkündeten. Ein Teil der hochrangigen Kommandierenden wurde bei Militäroperationen bereits getötet.

Der ehemalige Präsident Iván Duque hielt immer an seiner Position fest, dass diese Dissidenten Kriminelle seien und verweigerte jegliche Verhandlungsoption. Senator Iván Cepeda, der ab dem 20. Juli den Sitz des Historischen Pakts übernehmen wird, hat jedoch einen Vorschlag vorgelegt. Eine der Prioritäten des gewählten Präsidenten Gustavo Petro besteht darin, den allumfänglichen Frieden in Kolumbien zu erreichen, wofür er persönlich vorschlug, dass die sogenannten Dissidenten eine zweite Chance bekommen. So meinte dazu Cepeda: „Ich denke, es könnte dazu dienen, die Dissidenten, die aus der Nichtumsetzung des Abkommens hervorgegangen sind, wieder in das Friedensabkommen aufzunehmen und auf diese Weise die FARC-Dissidenten zu beenden.“

So könnten die Meinungsverschiedenheiten durch die langsame und teilweise nicht vorhandene Umsetzung des Friedensabkommens ausgeräumt werden und die FARC-EP, Zweites Marquetalia, wieder in den Friedensprozess eingegliedert werden. So fehlen bisher wichtige Aspekte in der Umsetzung des Friedensabkommens, die auch aktuell in der neu entstandenen aufständischen Bewegung eine große Rolle spielen. Darunter zählen zum Beispiel die Agrarreformen, politische Reformen und Aspekte der Drogenhandelspolitik. Allerdings spielte dieser Vorschlag in der Kommunikation von Gustavo Petro bisher noch keine Überlegungen. Jedoch wird mit der Öffnung der Debatte durch Cepeda zumindest eine gesellschaftliche Diskussion geführt werden, wir man zukünftig mit Teilen der FARC-EP umgeht.

Im Zuge des Wahlerfolges von Gustavo Petro erfolgte die Veröffentlichung eines Kommuniqués der FARC-EP, Zweites Marquetalia, in der sie ihre volle Unterstützung für Gustavo Petro und Francia Márquez (afrokolumbianische Vizepräsidentin) zum Ausdruck brachten und bezeichneten die Ankunft des neuen Präsidenten im Regierungspalast Casa de Nariño als das Zeichen für den Wandel, den die Kolumbianer seit einigen Jahren fordern. So heißt es darin: „Lasst uns die Regierung des Lebens und der Hoffnung unterstützen (…) Die Politik der Liebe ist angekommen.“ Und weiter: „Lasst uns mit Leib und Seele alles tun für das gemeinsame Ziel, den vollständigen Frieden für Kolumbien zu erreichen. Wir müssen reden, um den Krieg zu beenden.“ Von Vorteil könnte zudem sein, dass die kooperierende ELN bereits ein Angebot für Gespräche an Gustavo Petro und seine Regierung unterbreitet hat. Sollte es also zu Gesprächen mit der ELN kommen, dann wäre die FARC-EP sicher politisch unter Zugzwang.

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Studie zur Situation in Provinz Arauca

Die Provinz Arauca war Anfang des Jahres von einem schweren bewaffneten Konflikt zwischen Akteuren betroffen, der immer noch weiter schwelt. Zudem herrscht eine kritische humanitäre Situation, die auf eine erhebliche Eskalation der Gewalt zurückzuführen ist, die die Bevölkerung betrifft. Dazu hat die Stiftung Pares eine kurze Studie zur aktuellen Situation veröffentlicht.

Wichtig ist es demnach, den erbitterten Krieg hervorzuheben, der sich zwischen den bewaffneten Strukturen, die auf dem Territorium operieren, hervorzuheben. Dies betrifft auf Seiten der FARC-EP die 10. und 28. Front sowie die Strukturen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN). Gerade zu Beginn des Jahres 2022 war Arauca aufgrund der zahlreichen Morde im Grenzgebiet zwischen Arauca und Venezuela das Epizentrum der Gewalt und das Thema in den Nachrichten. So vor allem die Morde, bei denen nach Angaben des Verteidigungsministeriums die Hauptopfer Mitglieder der FARC-EP und Mitglieder der ELN waren, mit insgesamt 27 Morden in den ersten Tagen dieses Jahres.

Zudem gab es in den ersten 100 Tagen in der Provinz insgesamt 12 Vorfälle von Entführungen, gefolgt von Sprengstoffanschlägen (9) und bewaffneten Konfrontationen (5). Die häufigste Gewalt in Arauca waren Morde, da bis April insgesamt 159 Fälle gemeldet wurden, wobei der Januar mit insgesamt 65 Morden am gewalttätigsten war. Beim Vergleich der ersten vier Monate mit dem Jahr 2021 ist ein durchschlagender Trend der mörderischen Gewalt in der Provinz festzustellen, der darauf hindeuten kann, dass 2022 sicherlich das gewalttätigste des letzten Jahrzehnts, also seit 2012, sein wird. In dem Jahr, also 2012, begannen die Friedensverhandlungen der Regierung mit der FARC-EP.

In Bezug auf die am stärksten von der Eskalation der Gewalt betroffenen Gemeinden sind Saravena mit insgesamt 71 Tötungsdelikten betroffen, gefolgt von Arauquita mit 29 und Tame mit 26. Das zeigt, dass die Gemeinde Saravena weiterhin am stärksten von der Eskalation betroffen ist und hier die territorialen Kämpfe zwischen FARC-EP und ELN eine große Rolle spielen. Neben der Tötung von acht sozialen Anführern sind auch die Zwangsvertreibung eine der alarmierenden Formen der Gewalt. Mit einer Zahl von 1.120 Personen im Januar und 2.400 im Februar weist die Ombudsstelle darauf hin, dass dieses Phänomen größtenteils auf die bewaffneten Konflikte in Arauca sowie im Grenzgebiet zu Venezuela zurückzuführen ist.

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