Mehrere Tote bei Kämpfen zwischen FARC-Gruppen

In der südwestlichen Provinz Cauca in der Gemeinde Balboa, die an der Grenze zur südlichen Provinz Nariño liegt, gab es bei Kämpfen zwischen den beiden rivalisierenden Gruppen der FARC-EP mehrere Tote zu beklagen. Dabei handelt es sich aller Voraussicht nach um Kämpfe zwischen der Front Carlos Patiño, die dem Westlichen Koordinationskommando untersteht sowie der Einheit Diomer Díaz, die zur FARC-EP, Zweites Marquetalia unter Iván Márquez gehört. Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, soll dabei Unterstützung vom ELN erhalten.

Bei den Kämpfen wurde zuerst ein Lastwagen angegriffen, auf dem sich Personen befanden und der später verbrannt wurde. Auch andere Fahrzeuge wurden angezündet. Andere Versionen wiesen darauf hin, dass es nach dem Angriff auf den Lieferwagen zu einem Kampf zwischen diesen bewaffneten Strukturen kam, weil sie um diesen Teil des Territoriums streiten. Laut einigen Meldungen sollen die vier Toten, die mit Händen auf dem Rücken gefesselt durch einen Kopfschuss getötet wurden, zur Front Carlos Patiño gehören.

Es ist derzeit noch nicht klar, wie sich die Kämpfe vollzogen haben, da die Situation vor Ort immer noch gefährlich ist. Zudem wurden zwei weitere getötete Personen im ländlichen Gebiet der Gemeinde Balboa gemeldet. Eine Kommission des Roten Kreuzes ist damit beauftragt, die beiden Leichen im Sektor La Roca des Dorfes La Palma zu bergen. Bisher sind die Personen nicht bekannt, was darauf schließen lässt, dass auch sie einer bewaffneten Struktur angehören. Bisher war das Territorium in der Hand der Front Carlos Patiño, wenn gleich auch immer wieder Auseinandersetzungen von der lokalen Bevölkerung gemeldet wurden.

Informanten gehen davon aus, dass derzeit das ELN n Verbindung mit dem Zweiten Marquetalia, die über größere Strukturen im Süden in der Provinz Nariño verfügen, ihren Einfluss nach Norden in die Provinz Cauca ausdehnen wollen. Bisher kontrolliert das Westliche Koordinationskommando große Gebiete im Cauca, muss sich jedoch immer wieder in Kämpfen dem ELN hingeben, dass den operativen Einfluss in einigen Gemeinden nicht hergeben will. Schon seit geraumer Zeit gibt es dabei eine Allianz zwischen der FARC-EP unter Iván Márquez und dem ELN.

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Militäroperationen und Gegenangriffe

Im kolumbianischen Territorium ereignen sich fortlaufend Militäroperationen gegen die aufständische Bewegung und die Zivilbevölkerung. Häufig jedoch kommt es zur Gegenwehr, so auch jetzt. Bei einem Angriff der Guerilla auf eine Militäreinheit in der Gemeinde La Uribe in der Provinz Meta sind mindestens vier Soldaten gestorben, weitere wurden verletzt. Zudem wurde eine größere Anzahl an Waffen und Kriegsmaterial erbeutet. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet der Provinzen Caquetá, Huila und Meta zu Militäroperationen, denn hier ist seit Jahrzehnten ein Epizentrum der aufständischen Bewegung.

Spätestens seit den 1970er Jahren sind hier im weiten bergigen und grünen Territorium Einheiten der FARC-EP präsent. Derzeit ist vor allem die FARC-EP unter der Linie von Gentil Duarte und Iván Mordisco in der Region aktiv, auch wenn es eine kleine Einheit des Zweiten Marquetalia unter Iván Márquez in der Gemeinde La Uribe gibt. So operiert hier die neu geschaffene Front Comandante Jorge Briceño Suárez sowie Teile der 7. Front und der 62. Front. Das Zweite Marquetalia ist vor allem mit der Einheit Oscar Mondragón der ehemaligen mobilen Kolonne Teófilo Forero Castro aktiv, die jedoch eher südlich operieren.

Auch in der Region La Macarena kam es wieder einmal zu einem Angriff auf eine Militäreinheit durch die aufständische Bewegung. Auch diese Region im Grenzgebiet Caquetá und des südlichen Meta ist seit jeher eine Bastion der Guerilla, aktuell der Linie um Duarte und Mordisco. Tage zuvor kam es zu einem Angriff von Einheiten der FARC-EP in der nordkolumbianischen Provinz Antioquia, bei dem drei Soldaten starben. Hier vermutet man die 18. Front der FARC-EP hinter dem Angriff. In Antioquia sind nur Einheiten der FARC-EP unter der Linie von Iván Márquez, also des Zweiten Marquetalia, aktiv. Hier gibt es Teile der 5., 18. und 36. Front der FARC-EP.

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Über das Massaker der Armee in Putumayo – Kommuniqués der FARC-EP

Die Aufarbeitung des Massakers in Putumayo, wo bei einer vermeintlichen Militäroperation gegen die Guerilla auch Zivilisten ermordet wurden, geht weiter. Immer mehr Informationen gelangen an das Licht der Öffentlichkeit, so auch, dass die Armee nach Augenzeugenberichten bei ihrem Angriff auch Utensilien der aufständischen Bewegung FARC-EP benutzten. So sollen sie neben den klassischen Armbinden der Guerilla auch mehrmals betont haben, dass sie zur Front Carolina Ramírez gehören. Diese Front der FARC-EP ist tatsächlich in dieser Region aktiv und ist mit den Strukturen um Duarte und Mordisco alliiert. Die Front Carolina Ramírez kämpft hier gegen die staatlichen Sicherheitskräfte, gegen paramilitärische Gruppen sowie gegen die Grenzkommandos (Comandos de la Frontera), die sich zur FARC-EP, Zweites Marquetalia, um Iván Márquez zugehörig fühlen.

Vor wenigen Tagen, am 5. April, hatte sich bereits die FARC-EP, Zweites Marquetalia, in einem Kommuniqué „Die falschen Positiven sind nicht tot“ zu dem Angriff der Armee geäußert. Dabei schildern sie, wie unter Gebrüll der Soldaten alle Zivilisten aus ihren Häusern entführt wurden und sie auf einem Sportplatz unter praller Sonne zusammengetrieben sowie gefangen gehalten wurden. Darunter waren auch schwangere Frauen und Kinder. Die Männer sollten ihre Shirts ausziehen, ihre Telefone wurden weggenommen und sie einzeln verhört. Die Häuser wurden geplündert und kollektiv gesammeltes Geld gestohlen. Anschließend wurde tote und verletzte Personen ohne ein Ziel zu nennen abtransportiert.

Diese Form des Militärangriffs und auch des Auftretens danach wird auch weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Es zeigt, wie das Militär auf dem Land gegen die Bevölkerung vorgeht und wie wenig ihnen Menschenrechte bedeuten. Eine Aufarbeitung von staatlicher Seite scheint nicht gewollt. Erschwerend für die Zivilbevölkerung kommt der Konflikt zwischen den aufständischen Bewegungen hinzu, die hier mit ihren zwei Linien der FARC-EP präsent sind. In der vergangenen Zeit werfen sich beide gegenseitig vor, mit den Militärs zu kooperieren. Das es hin und wieder zu Allianzen bzw. zu einem Informationsaustausch kommt, kann nicht ausgeschlossen werden. Aus wissenschaftlichen Zwecken veröffentlichen wir das untenstehende Kommuniqué der Front Carolina Ramírez.

Diese Front etablierte sich vor wenigen Jahren im Süden Kolumbiens als Allianz zur 1. Front Armando Ríos, die sich nie dem Friedensabkommen angeschlossen hatten und unter Waffen blieb. Die Front Carolina Ramírez, die sich aus ehemaligen Kämpfern der 32., 48. und 49. Front sowie neurekrutierten Mitgliedern speist, hat ihr Aktionsfeld vor allem in Putumayo und gehört zu einem Konglomerat von Strukturen unter dem Einheitskommando von Gentil Duarte und Iván Mordisco. Zuletzt konnte die andere FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter Iván Márquez eine strategische Allianz mit anderen bewaffneten Akteuren der Region eingehen, um die Dominanz der Front Carolina Ramírez zu brechen. Daraus entstand der Zusammenschluss von Comandos de la Frontera mit der FARC-EP unter Márquez.

 

Kommuniqué:

Massaker der nationalen Armee in Putumayo beabsichtigter unsere Organisation zu beschuldigen

„Faschismus definiert sich nicht über die Zahl der Opfer, sondern über die Art und Weise, wie er tötet“ (Jean Paul Sartre)

Die Gewalt gegen das kolumbianische Volk durch den narko-paramilitärischen Staat hört nicht auf, wieder einmal steht die Amazonas-Provinz Putumayo aufgrund des Staatsterrorismus durch seinen militärischen und paramilitärischen Apparat im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Genauso wie wir in unserem Kommuiqué vom Februar dieses Jahres (Kommuniqué der Front Carolina Ramírez an die Öffentlichkeit, Februar 2022 – YouTube) über die makabre Allianz zwischen den öffentlichen Streitkräften angeprangert haben: Nationalarmee, Marinestreitkräfte, Luftwaffe und Nationalpolizei und paramilitärische Gruppen und Drogenhändler zur Bekämpfung der FARC-EP in allen Regionen des Landes; im Fall von Putumayo mit der narko-paramilitärischen Gruppe, die sich Comandos de la Frontera nennt.

Das Massaker, das von Mitgliedern der kolumbianischen Söldnerarmee im Dorf Alto Remanso im Bezirk Puerto Ospina der Gemeinde Puerto Leguízamo am vergangenen Montag, dem 28. März, verübt wurde, hatte das Ziel, unsere Organisation für dieses Verbrechen verantwortlich zu machen und für Verwirrung und Angst in den Gemeinden zu sorgen, die die Kriegslust unseres revolutionären Kampfes verringern. Diese gewalttätige Aktion ist kein Zufall, sondern eine ständige Praxis innerhalb der Streitkräfte, die in vielen Fällen neben dem Tragen von schwarzer Kleidung und Kapuzen auch Armbänder mit dem FARC-EP-Logo verwendet haben, um ihre kriminellen Aktionen glaubwürdiger zu machen und unsere Organisation zu diskreditieren. Unglücklicherweise für sie konnten die Überlebenden dieses brutalen Massakers miterleben, wie ein Hubschrauber der Armee die Mörder aufnahm, die sich als Front Carolina Ramírez der FARC-EP identifiziert hatten, bevor sie das Feuer auf die Gemeinschaft eröffneten.

Dieses entsetzliche Verbrechen, bei dem elf Menschen ermordet werden, darunter bekannte Anführer indigener und bäuerlicher Gemeinschaften, verdient die ganze Ablehnung des kolumbianischen Volkes und erfordert nicht nur die Verantwortung seitens der Institutionen des Regimes, sondern auch ein sofortiges Eingreifen der internationalen Justiz, da es sich um einen klaren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und die internationalen Menschenrechtsgesetze handelt, mit dem Ziel zu verhindern, dass es ungestraft bleibt, wie es in Kolumbien üblich ist. Diesmal hat die Söldnerarmee ihren Plan, uns zu belasten, nicht ausgearbeitet, und wir sagen ihnen, dass die FARC-EP niemals so gehandelt hat und auch nicht so gegen unser Volk vorgehen wird, weil wir ein Volk unter Waffen sind. Die Bauernschaft weiß, wie die farianische Guerilla handelt und sie können absolut sicher sein, dass wir niemals gegen sie vorgehen werden. Sie müssen jedoch wachsam sein, denn die Absicht der nationalen Armee in Komplizenschaft mit den Comandos de la Frontera ist es, diese Art von Gewalttaten im Namen unserer Organisation fortzusetzen.

Wir sprechen allen Familien der vom Militärapparat des Regimes Getöteten unser aufrichtiges Beileid aus und übermitteln der gesamten bäuerlichen und indigenen Gemeinschaft von Puerto Leguízamo und Putumayo einen aufrichtigen Gruß der Solidarität.

Wir sind keine Dissidenten, wir sind ein Volk in Waffen; wir sind FARC-EP!

Generalstab der Front Carolina Ramírez

Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes

Berge und Dschungel von Putumayo

April 2022

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Wieder zwei Friedensunterzeichner ermordet

Der ehemalige Guerillakämpfer Edwin Sánchez wurde an diesem Samstag, den 2. April, im Zentrum der Gemeinde La Libertad in der Provinz Guaviare ermordet, während sich ein weiterer Ex-FARC-Kämpfer, Carlos Siabato, in der Hauptstadt Bogotá hingerichtet wurde. Beide befanden sich im Prozess der Wiedereingliederung in das zivile Leben. Sánchez wurde bereits im Oktober 2020 in der Provinz Guaviare angegriffen. Ihn ermordeten Motorradfahrer, die mitten in einem Dorf sechs Mal auf ihn schossen. Carlos Siabato erschoss ein Mann, der ohne Worte zu sagen in sein Haus eindrang. Er verstarb in einem Krankenhaus. Mit Carlos Humberto Siabato und Edwin Sánchez sind nun schon 13 Friedensunterzeichner im Jahr 2022 ermordet worden, insgesamt sind es nach unterschiedlichen Quellen über 310 seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens.

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Keine getöteten Guerilleros, sondern Zivilisten

Bei dem Angriff der Armee auf vermeintliche Strukturen der FARC-EP vor wenigen Tagen gibt es nun Meldungen, dass Zivilisten durch die Armee getötet und verschleppt wurden. So habe sich der Angriff nicht etwa, wie von der Regierung und Armee behauptet, gegen Guerilleros gerichtet, sondern gegen die zivile Bevölkerung. Die Nationale Organisation der indigenen Völker des kolumbianischen Amazonas (OPIAC) forderte den Verteidigungsminister auf, seine Erklärungen zurückzuziehen, in denen er berichtete, dass sogenannte Dissidenten der FARC-EP bei Kämpfen in Puerto Leguízamo, Putumayo, getötet worden sind. Die Organisation besteht darauf, dass es sich um eine indigene Führungsperson und Bauern handele, von denen sie den Verbleib ihrer Leichen noch nicht kennen.

Die Organisation OPIAC hielt eine Pressekonferenz ab und betonte, dass dieser Vorfall ein weiterer Fall von sogenannten falsos positivos sei. Unter falsos positivos (falsche Positive) werden Personen bezeichnet, die der Öffentlichkeit als Guerilleros präsentiert werden, es sich in Wirklichkeit aber um Zivilisten handelt. Unter den Opfern ist die indigene Führungsperson Pablo Panduro Coquinche und zahlreiche Bauern, die einen Basar auf einer öffentlichen Fläche in einem Dorf veranstalteten, um Geld für gemeinnützige Zwecke des Dorfes zu sammeln. Auch Kinder befanden sich demnach bei diesem öffentlichen Akt, als es zum Überfall der Armee kam. In der Erklärung wies die Organisation darauf hin, dass es sich bei diesen Angriffen nicht um Einzelfälle handele.

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Schlag gegen FARC-EP im Süden, Anschlag auf Polizei in Bogotá

Einen herben Schlag erlitt eine Struktur der FARC-EP im Süden des Landes bei einer Militäroperation. Nach Angaben der Regierung wurden dabei mindestens 11 Guerilleros des sogenannten Grenzkommandos getötet sowie weitere Kämpfer festgenommen. Die Operation führte die Armee in der Gemeinde Puerto Leguizamo in der Provinz Putumayo durch. Dies ist eine Hochburg der FARC-EP. Hier operiert unter anderem das Grenzkommando, das mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, alliiert ist. Hierbei handelt es sich um Strukturen der ehemaligen 48. Front der FARC-EP. Der Konflikt in der Provinz Putumayo ist besonders stark, weil es Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen bewaffneten Akteuren gibt. Unter anderem ist hier der Bruderkrieg zwischen den beiden unterschiedlichen Organisationen der FARC-EP sehr ausgeprägt. Neben dem Grenzkommando, das dem Zweiten Marquetalia um Iván Márquez zugehörig ist, existiert hier noch die Front Carolina Ramírez, die sich den Strukturen der 1. und 7. Front um Duarte und Mordisco untergeordnet haben.

In der Hauptstadt Bogotá gab es unterdessen vor wenigen Tagen ein Sprengstoffanschlag auf eine Polizeistation im Süden der Stadt. Auch wenn noch nicht klar ist, wer die Urheber des Anschlages sind, bei dem ein Kind getötet und weitere Personen verletzt wurden, so bezichtigt nun die Polizei die FARC-EP. Sie beruft sich auf ein Video des Generalstabs des Blocks Magdalena Medio der FARC-EP, dem unter anderem die 33. Front und die 45. Front untergeordnet sind. Der Kommandant der 33. Front, John Mechas, ist bekannt für die Durchführung von spektakulären Aktionen. In dem Kommuniqué per Video werden verschiedene Aktionen benannt, die in Ehrung an den Jahrestag des Todes vom ehemaligen Guerillaführer Manuel Marulanda Vélez durchgeführt worden sind. In dem Video wird auch ein Anschlag auf die Polizei in Bogotá benannt. Diese Fronten gehören zu den Strukturen um Duarte und Mordisco und sind besonders im Nordosten des Landes aktiv.

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Der Weg des Facundo Morales

Aktuell gibt es wieder einen Artikel über den Argentinier Facundo Morales, der als „Camilo“ oder „der Argentinier“ in der Guerilla der FARC-EP aktiv war und zuletzt durch sein Verschwinden in Kolumbien und Auftauchen bei der Dokumentation der Proteste in Bolivien in der Öffentlichkeit stand. Als Mitglied der Kommunistischen Jugend in Argentinien schloss er sich nach dem Friedensprozess von Caguán im Jahr 2003 der FARC-EP in Kolumbien an, welches er im Jahr 2002 erreichte und schaffte es aufgrund seiner universitären Ausbildung bis zum politischen Kommandanten der mobilen Kolonne Teófilo Forero. Immer wieder gab es vielseitige Gerüchte um internationale Kämpfer in der Guerilla, so auch zu Camilo, zu dem erst im Jahr 2010 Materialien auf einem Computer der FARC-EP gefunden wurden. In der Region El Pato, wo die Teófilo Forero ihre Basis hatte, war er bekannt, wenn auch kaum gesehen.

Im Rahmen des Friedensprozesses zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung gab es unterschiedliche Gerüchte zu seinem Verbleib. Nach und nach lichteten sich die Erkenntnisse, auch wenn es immer noch Unklarheiten gibt. Vordergründig war in der zurückliegenden Zeit jedoch die Solidarität zu ihm, denn durch bestimmte Faktoren landete er auf einer Interpol-Liste, wurde festgenommen und droht nun – weit nach dem Abschluss des Friedensvertrages – seine weitere Inhaftierung und Auslieferung. Dabei gibt es eine Amnestie für die ehemaligen Kämpfer und hat er sich aus dem bewaffneten Kampf zurückgezogen. Es ist die Geschichte eines Kämpfers und Internationalisten, die zum Schluss mit Missverständnissen gespickt ist.

Eines dieser Missverständnisse ist seine Degradierung in der FARC-EP. Als politischer Kommandant der mobilen Kolonne Teófilo Forero im Südblock war er eine wichtige Person in der Hierarchie der aufständischen Bewegung. In seinen offiziellen Meldungen heißt es, dass er aufgrund einer kritischen Haltung zur Führungsriege der FARC-EP während des Friedensprozesses, von seiner Funktion entbunden wurde. Dies hat nichts mit der Abkehr vom Friedensprozess im Allgemeinen zu tun. Interne Quellen sagen jedoch, dass er wegen einiger disziplinarischen Vorfälle und seiner hohen Führungsebene und politischen Funktionen für die FARC-EP nicht mehr tragbar war. Unter anderem geht es um eine Feier und Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit mit Bauern in der Region El Pato. Sicherlich war er zum Schluss aber auch ein Kritiker in bestimmten Dingen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte.

Facundo Morales erklärt, während der Gespräche in Havanna eine kritische Meinung entwickelt zu haben. Er widersprach offen der Art und Weise, wie die FARC-Führung den Prozess durchführte. Er wurde in ein Gebiet versetzt, zu welchem er und seine ehemalige Einheit keinen Bezug hatten. Alle, die damals mit Facundo sprachen, stimmen darin überein, dass er die FARC-Führung in Bezug auf den Prozess ernsthaft in Frage gestellt hat. Er galt als ein unbequemer Charakter in den eigenen Reihen. Seiner Meinung nach ließ die Führung der FARC-EP die Basis im Stich, während sie alle Privilegien genossen. Es ist keine neue Kritik, sondern sie wurde oftmals von verschiedenen mittleren ehemaligen Kommandierenden geäußert. Aus diesem Grund wurde er einem Prozess unterzogen, in dem er von seiner Führung degradiert und aus den Einheiten und Gebieten entfernt wurde, in denen er Einfluss hatte. Der Befehl stammte angeblich von Joaquín Gómez, Oberbefehlshaber des Südblocks.

Sicher ist nur, dass Facundo Morales auch in dem neuen Gebiet die Führung der FARC-EP kritisierte, was ihn eine weitere Überwachung kostete und die Trennung von der Guerilla. Zwar gliederte er sich ab 2017 wie alle anderen ehemaligen Guerilleros in der Wiedereingliederungszone in La Carmelita in der Provinz Putumayo in das zivile Leben ein, doch er sah hier keine Zukunft mehr. Es gab wohl Probleme mit Papieren und Dokumenten, die damalige Regierung Argentiniens von Mauricio Macri sendete nie jemanden, um ihn beim offiziellen Prozess der Wiedereingliederung zu unterstützen. Zwar stand er auf der Liste der sich entwaffnenden Personen in der Guerilla, jedoch ohne Dokumentennummer. Die Partei FARC betont im November 2019, dass er freiwillig den Rückzug antrat. Dies wird jedoch den Umständen als persona non grata geschuldet sein.

Am 3. Juli 2017 verließ Facundo Molares La Carmelita, überquert ohne Papiere die ecuadorianische Grenze und kommt nach ein paar Wochen auf dem Landweg in Argentinien an. Als er Kolumbien verließ, gab es weder ein Gerichtsverfahren gegen ihn, noch wurde er von einer Behörde gesucht. Jahre später reiste Facundo nach Bolivien und wurde bei den Unruhen in Santa Cruz de la Sierra nach dem von Jeannine Yáñez geförderten Staatsstreich im Jahr 2019 schwer verletzt. In Bolivien wurde er ein Jahr lang inhaftiert, erkrankte zweimal an Covid-19, entwickelte Nierenversagen und Herzprobleme, die ihn an den Rand des Todes brachten, bis die argentinische Regierung seine Rückführung erwirkte und ein Flugzeug schickte, um ihn zurückzuholen. Nach Kolumbien ist er nie zurückgekehrt, noch gibt es Beweise dafür, dass er nach der Friedensunterzeichnung im Jahr 2016 Verbrechen im Land begangen hat.

Dies wird sogar im Auslieferungsersuchen klargestellt, dass die Staatsanwaltschaft von Florencia, Caquetá, im Oktober 2021 gestellt hat. Das Verbrechen, für das er gesucht wurde, war die Entführung des Ratsmitglieds Armando Acuña im Jahr 2009, bei dessen Freilassung Facundo zwei Jahre später intervenierte und in der Öffentlichkeit auftrat. Für diese Ereignisse war bereits der Kommandant der mobilen Kolonne Teófilo Forero alias El Paisa vor Gericht gestellt und verurteilt worden. „Wir waren wirklich überrascht, als wir am 7. November von einem Familienessen zurückkamen und eine Interpol-Delegation mit Haftbefehl und Auslieferungsersuchen vor uns stand“, sagt Hugo Molares, mit Blick auf die Aktion, mit der sein Sohn im vergangenen Jahr festgenommen wurde.

Dass die Staatsanwaltschaft in Kolumbien den Fall neu aufrollt, wird zwiespältig gesehen. Normalerweise gilt auf Grundlage des Friedensabkommens und des Amnestiegesetzes für Verbrechen in den Jahren 2010 und 2011 begangen wurden, dass die Gerichtsbarkeit bei der sogenannten Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) liegt, die Teil des Friedensprozesses ist. Nun behauptet die Staatsanwaltschaft, Molares sei nicht vor dem JEP akkreditiert. Hier kommt das Problem, dass er ohne Papiere im Land unterwegs war und keine ordentliche Akkreditierung im Rahmen des Friedensprozesses hat. Die Blockade durch die rechte Regierung Duque sorgte ebenfalls dafür, dass keine weitere Aufarbeitung und auch Erfüllung des Friedensprozesses stattfanden. Dies ist hinlänglich bekannt.

Dieser Umstand sorgt dafür, dass Facundo Molares in einem Gefängnis am Stadtrand von Buenos Aires weiterhin inhaftiert ist und auf eine Anhörung wartet. Dabei soll ein argentinischer Richter über seine Auslieferung entscheiden. Facundo Morales, seine Familie und seine Unterstützer wollen, dass sich die JEP dem Fall annimmt. Dies ist die Geschichte, der Weg, eines internationalen Kämpfers, die bisher in einer Tragödie landete. Der Ausgang ist offen. Wir als Solidaritätsnetzwerk berichteten regelmäßig über Facundo Morales alias Camilo und solidarisieren uns auch hiermit. Er mag als Person sehr streitbar und jähzornig gewesen sein, aber er war ein internationaler Revolutionär, der für eine gerechte Sache kämpfte. Freiheit für Facundo Morales! Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Weitere Artikel:

Ein Argentinier in der Guerilla (Okt 2012)

Camilo – ein argentinischer Internationalist (Nov 2019)

Facundo Morales zurück in Argentinien (Dez 2020)

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26. März – Tag des universellen Rechts auf die bewaffnete Rebellion

Am 26. März 2008 starb nach einem Schlaganfall um 18:20 Uhr, umgeben von der Zuneigung seiner Krieger und seiner Gefährtin Sandra, in den Bergen im Süden Kolumbiens der heldenhafte und legendäre Manuel Marulanda Vélez, oberster Kommandant der FARC-EP. Er war eine revolutionäre Größe, nicht nur in Lateinamerika, sondern überall auf der Welt. Die Revolutionäre und Bolivarianer in der Welt drückten der FARC-EP in diesem Augenblick der Trauer und ihre bedingungslose Solidarität aus. Am 26. September, sechs Monate nachdem der Guerillakommandant seinen Weg in die Ewigkeit angetreten hatte, wurde seine Büste auf dem nach ihm benannten Platz im Viertel „23 de Enero“ in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, eingeweiht.

Dieser Tag, in Gedenken an den Tod des Genies des Guerillakrieges und der internationalen Solidarität, erklärte man zudem, den 26. März zum „Tag des universellen Rechts auf die bewaffnete Rebellion“ zu erklären. Dies geschah auf die Initiative der bolivarischen Revolutionäre des Kontinents, aus Europa und anderen Teilen der Welt. Somit wurde Manuel Marulanda Vélez nicht nur durch das Denkmal ein Symbol des Widerstandes, sondern der Tag als ein Tag der Würde und des Kampfes. An dieses Tag wollen wir erinnern und zugleich das historische Kommuniqué des Sekretariats des Zentralen Generalstabes der FARC-EP veröffentlichen, was kurz nach seinem Tod veröffentlicht wurde.

 

Kommandant Manuel Marulanda Vélez

Wir schwören, dass wir gewinnen werden!

AIs die Oligarchie vor sechzig Jahren in unserem Land mit dem Staatsterrorismus und dem Hass der Parteien untereinander den Bruderkrieg auslöste und den Grundbesitz sowie die politische Macht neu verteilen wollte, unterschätzte sie die enorme Widerstandskraft unseres Volkes und die kolossale Größe seiner Würde.

Wie Hunderttausende anderer Bauern wurde Pedro Antonio Marín von der Regierung und den paramilitärischen Meuchelmördern verfolgt. Er musste sein ruhiges Leben, seine Arbeit und seinen Besitz aufgeben und versuchen, die staatlichen Grausamkeiten zu überleben, in einer unheilvollen Zeit, die etwa 300.000 Landsleuten das Leben kostete und in der ungestraft Millionen Hektar fruchtbaren Landes geraubt wurden, welche in die Hände mächtiger liberaler und konservativer Politiker im ganzen Land gerieten.

Dieser Mann, der sich zu Ehren eines ermordeten Gewerkschaftsführers später in Manuel Marulanda Vélez umbenannte, verfügte über Führungskraft und eine enorme politische und militärische Begabung, er eignete sich militärische Erfahrung an und entwickelte ein revolutionäres und kommunistisches Weltbild mit einem umfassenden Verständnis der tiefen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge, nicht nur was seine persönlichen Verhältnisse betraf, sondern auch der tiefen Missverhältnisse, Gewalttätigkeiten und Ungerechtigkeiten der kolumbianischen Gesellschaft überhaupt.

Als die Oligarchie 1964 südlich von Tolima eine neue kriminelle Offensive mit dem Namen Plan LASO unter der offensichtlichen Leitung des amerikanischen Pentagons gegen die Bauern anzettelte, griffen Manuel Marulanda Vélez und 47 Bauern zu den Waffen, um sich bis zur einzigen Lösung gegen den Angriff zu wehren: um die politische Macht zu erkämpfen, für eine Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit auf dem Weg zum Sozialismus. Die vorhergehenden zahlreichen politischen Friedensangebote der Bauern verhallten ungehört.

Weil Washington und die Oligarchie den revolutionären Kampf auf demokratischen Weg nicht zuließen, haben wir uns für den einzig möglichen Weg entschieden: Die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia — Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) waren geboren!

In dem sechzig Jahre währenden Kampf war Marulanda ein unerreichter Stratege, genialer Führer, unbesiegbarer Kämpfer und ungeschlagener Anführer tausender politischer und militärischer Kämpfe. Er setzte sich für die Rechte der Armen ein und bekämpfte die Gewalt der Machthabenden, ein Vollblut-Revolutionär, der sich die Theorie der großen Denker zu eigen machte und sie mit der eigenen praktischen Lebenserfahrung verband – was ihn zum größten revolutionären Anführer aller Zeiten machte.

Es gibt in der Geschichte der Menschheit kein Vorbild für die Charakteristika von Manuel Marulanda Vélez, der sechzig Jahre ununterbrochener Kämpfe in der bewaffneten Opposition unbeschadet überstand und aus den immensen militärischen Offensiven der „verbrannten Erde“ gestärkt hervortrat, wie dem Plan Laso in Marquetalia, der Operation Sonora in den mittleren Kordilleren, den Operationen Casa Verde, Destructor 1 und Destructor 2, Plan Patriota und Plan Colombia. Unbeschadet und gestärkt ging er auch aus den politischen Schlachten strategischer Art mit dem kolumbianischen Staat in den Gesprächen in Casa Verde, Caracas, Mexiko und Yari hervor. In jenen Gesprächen wurde verlangt, dass die FARC ohne jedwede Änderung der gesellschaftlichen Strukturen und der politischen Machtverhältnisse ihren politischen Willen aufgeben sollte. Bei allen Auseinandersetzungen sowohl politischer als auch militärischer Art hat unser Kommandant seine

Weisheit und seine Überlebenskraft bewiesen und allen Gefahren und Mühen auf unserem Weg getrotzt.

Mit großem Schmerz geben wir bekannt, dass unser oberster Kommandant Manuel Marulanda Vélez am 26. März 2008 nach kurzer Krankheit an einem Herzstillstand verstorben ist, in den Armen seiner Lebensgefährtin, umgeben von seiner Leibwache und allen, die zu seinem persönlichen Schutz eingesetzt waren.

Wir haben ihm alle Ehrenbezeigungen erwiesen, die ein solcher Kommandant verdient und ihn würdig begraben. Wir haben ihn verabschiedet im Namen tausender FARC-Kämpfer und bolivarischer Milizen und der Millionen von Kolumbianern und Weltbürgern, die ihn ungeachtet der verleumderischen Medienkampagnen gegen die FARC geschätzt, bewundert und geliebt haben.

Ihnen allen und ihren Angehörigen drücken wir unsere Solidarität und Anteilnahme aus.

Der große Anführer ist gegangen. Von seinen unerschöpflichen Lehren, die uns in den Jahren an seiner Seite haben reifen lassen, möchten wir heute im Abschiedsschmerz – aufgrund der hohen Wertes und der Aktualität — folgendes hervorheben: sein tiefes Vertrauen in unsere revolutionären Grundsätze, in die Pläne und Vorschläge sowie in den Sieg der Sache, sein Temperament bei der Bewältigung von Schwierigkeiten und die besondere Bedeutung der soliden inneren Einheit, die uns in jeder Lebenslage eine stärkere Entwicklung ermöglichte.

Mitten in der größten reaktionären Offensive gegen eine revolutionäre Organisation in der lateinamerikanischen Geschichte erfüllen wir unsere Aufgaben nach den beschlossenen Plänen, in enger Einheit und trotz aller Widrigkeiten zutiefst optimistisch – auf unserem Weg nach vorne.

Unter den wehenden Fahnen von Bolívar, Jacobo und Manuel schreiten wir unermüdlich vorwärts in unserem Kampf bis zum Erreichen unseres Zieles: das Neue Kolumbien, das Große Lateinamerikanische Vaterland und der Sozialismus. Dies schwören wir am Grabe unseres Kommandanten!

Die Auseinandersetzungen hören nicht auf und der Kampf geht weiter. Wir haben einstimmig vereinbart, dass der Genosse Alfonso Cano das Sekretariat leiten und unser neuer Kommandant sein soll. Genosse Pablo Catatumbo wird Vollmitglied im Sekretariat, die Vertreter sind die Genossen Bertulfo Álvarez und Pastor Alape.

Wir werden den Kampf des Volkes, die Gestaltung der Bolivarischen Bewegung für das Neue Kolumbien und der Klandestinen Kommunistischen Partei fortsetzen, ebenso wie die Annäherung an alle, die für die soziale Gerechtigkeit, die nationale Souveränität und die wahre Demokratie kämpfen.

Alle FARC-Kräfte werden sich voll einsetzen für die Fortführung aller Pläne in jedem Gebiet und im ganzen Land, in enger Verbindung zur zivilen Bevölkerung als Erfolgsgarantie.

Unsere Vorschläge für humanitäre Vereinbarungen und politische Lösungen sind weiterhin gültig, was wir bei verschiedenen Gelegenheiten bereits bestätigt hatten, ebenso wie auch die Vorschläge im Manifest und in der Bolivarischen Plattform. Sie fließen mit in die gemeinsame Bemühung um die Eroberung des demokratischen Friedens und der Ruhe ein, derer uns die Oligarchie vor sechzig Jahren beraubt hat.

Am 44. Jahrestag der FARC ehren wir aufrichtig unsere Kommandanten Manuel Marulanda Vélez, Jacobo Arenas, Raúl Reyes, Iván Rios, Efrain Guzmán und alle, die selbstlos ihr Leben der Sache der Armen gewidmet und geopfert haben, in der Überzeugung, das Gemeinwohl als Merkmal ihrer revolutionären Verpflichtung anzustreben.

Kommandant Manuel Marulanda Vélez: Für das Volk zu sterben bedeutet das ewige Leben!

Vor dem Altar des Vaterlandes schwören wir, dass wir gewinnen werden!

Sekretariat des Zentralen Generalstabes der FARC-EP

In den kolumbianischen Bergen, Mai 2008

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Korruption und Wahlen im Fokus der FARC-EP

Die ersten Wahlen im Kontext des kolumbianischen Wahlmarathons sind nun vorübergegangen und die Linke mit der Liste des Pacto Histórico konnte dabei durch ihre Kandidaten Gustavo Petro und Francia Márquez sehr gute Ergebnisse einfahren. Im Vorfeld gab es Erstaunen, dass es keine direkte Aufforderung der aufständischen Bewegung gab, sich den Wahlen zu enthalten oder für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Insgeheim war klar, dass sich innerhalb der Guerilla auch alles auf die Liste des Pacto Histórico fokussierte, mit der Hoffnung, dass es endlich einen politischen Wechsel in der Regierung gibt. Auch wenn natürlich generell kritisch gesehen wird, dass sich die Parteien in einem etablierten politischen System befinden, dass in den zurückliegenden 200 Jahren für die Ausbeutung der Menschen bekannt war. Aber in der Guerilla der FARC-EP hatte sich in der Geschichte festgesetzt, dass die Macht mit der Waffe oder auch politisch erreicht werden könne.

So gab es diesmal keine Einschränkungen an die Bevölkerung wählen zu gehen, jedoch Drohungen gegen politische Funktionäre, sollten diese die Wahlen für ihre Zwecke missbrauchen. Und so wurde in einem Kommuniqué des Comando Coordinador de Occidente (Westliches Koordinationskommando) deutlich gemacht, dass im Zuge des Wahlkampfes Stimmenkauf und nach den Wahlen auch politische Misswirtschaft und Korruption bestraft werden. Dabei berufen sie sich auf das Gesetz 003 aus dem Mai 2000, in dem behördliche Korruption unter Strafe gestellt und verfolgt wird. In dem Gesetz werden diejenigen zur Haftung gezogen, die sich widerrechtlich öffentliche Güter oder Gelder aneignen oder gleichermaßen Dritten diese Aneignung erleichtert. Diese Personen müssen die je nach Schwere des Verbrechens die Mittel mit Zinsen zurückzahlen oder werden in Haft genommen.

Vor Wahlen ist es in Kolumbien üblich, dass Feste von Politikern und Parteien veranstaltet werden, die teilnehmenden Menschen vergütet und verköstigt werden und sie dezent darauf hingewiesen werden, ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Auch Geldschenkungen vor den Wahlen, teilweise direkt vor den Wahllokalen sind keine Seltenheit. Auf dem Land hat es Tradition, dass pünktlich vor den Wahlen Maßnahmen und Bauarbeiten in der Infrastruktur vorgenommen werden. Häufig sind es Arbeiten an Straßen und Wegen, in dem Gelder und Baumaschinen zur Verfügung gestellt werden. Diese Verhaltensweise setzt sich nach den Wahlen fort, so dass eine kleine Elite um die Politiker herum vom Reichtum profitiert, während die allgemeine Bevölkerung leer ausgeht. Diese Korruption und der Stimmenkauf haben eine lange Tradition und werden selten zur Rechenschaft gezogen. Die damalige Beschlussfassung des revolutionären Gesetzes 003 der FARC-EP sorgte für Jubelstürme in der früheren demilitarisierten Verhandlungszone von San Vicente del Caguán, als zwischen 1999 und 2002 der Friedensprozess stattfand.

Vom 7. März resultiert ein Kommuniqué des Westlichen Koordinationskommandos mit dem Titel „Über den Wahlkampf und die Anwendung des Gesetzes 003 von 2000 oder des Antikorruptionsgesetzes“, welches wir hier auszugsweise dokumentieren. Dieses Kommuniqué kann als weiterer Fakt für die politische Arbeit der aufständischen Bewegung im Südwesten Kolumbiens gesehen werden. Wir schon in den Jahrzehnten zuvor, wird die Guerilla in der Öffentlichkeit als Drogenmafia gebrandmarkt und ihr jegliche politische Substanz abgesprochen. Das Westliche Koordinationskommando besteht unter anderem aus den Fronten und mobilen Kolonnen Dagoberto Ramos, Jaime Martínez, Adan Izquierdo, Franco Benavides und Urías Rondón und sind mit den Strukturen um Iván Mordisco und Gentil Duarte im Osten des Landes verbündet.

 

Kommuniqué: Über den Wahlkampf und die Anwendung des Gesetzes 003 von 2000 oder des Antikorruptionsgesetzes

„Das kolumbianische Volk hatte sich in seinem Wunsch nach Veränderung daran gewöhnt, die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens mit Verzweiflung zu sehen, die wir als eine solche Armee des Volkes bezeichneten, aber zu Wahlzeiten es wir zuließen, dass Plünderungen und Korruption im Land zu Ende gingen in von unseren Einheiten politisch und militärisch kontrollierten Gebieten, und dass wir in einigen Momenten dieser Geschichte auf Sabotage, das Verbrennen von Wahlurnen oder die Motivation zur Stimmenthaltung zurückgegriffen haben, Situationen, die aus Selbstkritik wenig oder gar nichts zur Transformation der kolumbianischen Gesellschaft beigetragen haben.“

„In diesem Moment der politischen Wahlen möchten wir das kolumbianische Volk und insbesondere die Provinzen Cauca, Valle, Nariño, Tolima und die Gemeinden im Einflussbereich des Westlichen Koordinationskommandos darüber informieren, dass wir beginnen werden, das Gesetz 003 von 2000 einzuhalten, das von unserer Organisation verabschiedet wurde, die sich auf Korruptionshandlungen aufgrund des Missbrauchs staatlicher Gelder oder Vermögenswerte bezieht. Und so haben wir mehrere Monate lang damit begonnen, relevante Informationen zu sammeln, die Leiter öffentlicher und privater Einrichtungen und Privatpersonen in Akte der Wahlkorruption mit Ressourcen der Kommunen oder der Nation und mit paramilitärischem Kandidaten verwickelt sind.“

So fordert die FARC-EP in ihrem Kommuniqué weiter, dass alle Personen in öffentlichen und politischen Funktionen, von den Bürgermeisterns über die Dorfräte bis hin zu den Wahljurys sich nicht dazu eignen, „die Maschinerie der Regierungsparteien weiter zu unterstützen.“ Es soll kein Druck mehr aufgebaut werden und an die politischen Führer wird gerichtet, „den Dialog und den Kauf von Stimmen oder die Verteilung von Baumaterialien oder Straßenreparaturen auszusetzen, die Senatoren in diesen Tagen in verschiedenen Gemeinden Westkolumbiens auf der Suche nach Stimmen geplant haben.“ In Kolumbien gibt es eine jahrhundertealte Tradition des Stimmenkaufs und der Korruption, so die Guerilla, so dass das kolumbianische Volk durch eine Elite ausgeraubt wird.

„Es gibt einen erklärten Krieg gegen das kolumbianische Volk und unsere Organisation durch die Regierung, den Regierungsparteien und ihren Institutionen. An diejenigen, die besonders die Kandidaturen des paramilitärischen Senators Juan Carlos Martinez Sinisterra oder Frau Dilian Francisca Toro fördern, die Drahtzieher vieler Massaker in Westkolumbien sind, fordern wir auf, diese Wahlkampfhandlungen und die Verteilung von Geschenken auszusetzen. Vermeiden Sie es, der Anwendung des Gesetzes 003 von 2000 unterworfen zu sein, wir werden das Gesetz 003 von 2000 oder Anti-Korruptions-Gesetz durchsetzen und die entsprechenden Prozesse durchführen.“

„Wenn die Institutionen des kolumbianischen Staates ihre Funktion nicht erfüllen, indem sie mit der nationalen Regierung zusammenarbeiten, die beabsichtigt, weiterhin an der Macht zu bleiben, wird unsere Organisation das Gesetz 003 von 2000 in allen Bereichen durchsetzen, in denen wir als Westliches Koordinationskommando der FARC-EP präsent sind.“

 

Dokumentiert: Gesetz 003 Behördliche Korruption

1. Kolumbien wird von der Geisel der Korruption geplagt, besonders von der Plünderung der öffentlichen Finanzen, die von den Möchtegern-Politikern und den Beamten der Nation, der Bundesstaaten, der Gemeinden und der dezentralisierten Institute in eine persönliche Bereicherungsquelle verwandelt wurden.

2. Dieser perverse Brauch ist doppelt schädlich, weil er die Moral des Landes verletzt und es stets tiefer in wirtschaftliche Rückständigkeit und soziale Ungerechtigkeit versinken lässt.

3. Die herrschende Straflosigkeit ist eine direkte Folge der Solidarität der politischen Kaste des Landes untereinander, in der einer den anderen deckt, je nachdem, wer gerade der jeweiligen Regierung vorsteht. Deren Meinungsverschiedenheiten sind nur Streitereien, um festzulegen, wer sich den Kuchen des Staatshaushaltes teilt.

4. Trotz aller Rhetorik hat keine Regierung wirksame Maßnahmen zur Ausrottung dieses Übels getroffen.

5. Für die FARC-EP steht fest, dass die endgültige Beseitigung der behördlichen Korruption nur durch die Ersetzung des Staates und seines politischen Regimes mit einem Staat, der tief im Wesen des Volkes verankert ist und auf der Grundlage von Ethik und Moral des Gemeinwohls erzielt werden kann.

Der Oberste Generalstab der FARC-EP beschließt daher angesichts der Bedeutung und der Wirkung des Phänomens in der aktuellen Krise

§1

Wer sich widerrechtlich öffentliche Güter oder Gelder aneignet oder gleichermaßen Dritten diese Aneignung erleichtert, muss diese Mittel dem gesetzlichen Eigentümer vollständig zurückerstatten, zuzüglich entsprechender Zinsen zum bei der Rückgabe geltenden Bankzinssatz.

§2

Derjenige muss außerdem entsprechend der Höhe und der Schwere des begangenen Verbrechens eine Strafe bezahlen, die umso höher ausfällt, je höher die administrative Position angesiedelt ist, in der die Straftat begangen wurde. Diese Buße kann bis zur Enteignung gehen.

§3

Derjenige wird entsprechend den vorherigen Kriterien in Haft genommen.

§4

Diejenigen im Privatsektor, die Belohnungen, Entschädigungen oder Anteile an Beamte ausschütten, um dadurch Vorteile zu erlangen, werden nach den gleichen obigen Kriterien bestraft.

§5

Dieses Gesetz tritt am Tag seiner Veröffentlichung in Kraft.

Zur Befolgung

Plenum des Obersten Generalstabes der FARC-EP

In den kolumbianischen Bergen, Mai 2000

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Partido Comunes bleibt Kleinstpartei

Die Ziele, die man sich innerhalb der Partei Comunes gesteckt hatte, waren hoch. Die Partei, die aus dem Friedensabkommen der FARC-EP mit der kolumbianischen Regierung heraus entstanden ist, wollte wesentlich mehr Stimmen als bei den letzten Wahlen einholen. Damit wollten sie ihre Partei auf einem sicheren Fundament aufbauen. Man spekulierte sogar über eine Erweiterung ihre bisherigen Sitze im Kongress. Doch während des gestrigen Wahltages zum Kongress der Republik wurde klar, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde und die Partei weiterhin ein Nischendasein fristet.

Bei den Wahlen konnte die Partei nur knapp über 50.000 Stimmen im gesamten Land erreichen. Dies ist ungefähr die gleiche Anzahl an Stimmen, wie bei den letzten Wahlen im Jahr 2018. Damit ist die Partei weiterhin nicht gefestigt in der politischen Landschaft Kolumbiens. Es ist bemerkenswert, dass diese Partei mit neuem Namen und Programm bei den Wahlen 2018 nach über fünf Jahren seit Unterzeichnung des Friedensabkommens und nach Beginn ihrer politischen Präsenz nicht in der Lage ist, ihre Teilnahme am Kongress auszuweiten und an politischen Einfluss zu gewinnen und somit weiterhin mit 10 Sitzen vertreten sein wird.

Die Partei entstand aus dem Friedensabkommen heraus und garantierte je 5 Sitze für den Kongress und für das Repräsentantenhaus. Dabei wurde festgelegt, dass ihnen diese Anzahl für 10 Jahre garantiert wurde, egal wie niedrig ihre Wahlergebnisse sein würden. Die Wahlen in diesem Jahr sind damit noch eingeschlossen. Bei den Wahlen 2026 müssen sie also in den offiziellen Wahlkampf und von den tatsächlich abgegebenen Stimmen leben. In der zurückliegenden Zeit machte die Partei jedoch vor allem von Abspaltungen und politischen Grabenkämpfen von sich reden, so dass sich auch ein Teil ihrer Basis von der Partei zurückzog.

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Militäroperationen gegen die Zivilbevölkerung

Am Wochenende gab es erneute Militäroperationen im Norden von Caquetá, bei dem die Zivilbevölkerung attackiert wurde. Diese Angriffe des Militärs und die Stigmatisierung der lokalen Bevölkerung sind kein neues Thema, jedoch waren die Angriffe der Militärs dieses Mal so gravierend, dass unzählige regionale Organisationen einen Aufruf verfassten. Im Mittelpunkt steht die seit Jahren andauernde Operation Artemisa, die unter dem Deckmantel des Umweltschutzes durchgeführt wird um Waldrodungen zu verhindern, jedoch häufig angewendet wird, um im Kontext der Aufstandsbekämpfung Vertreibungen der Bevölkerung durchzuführen und damit der Guerilla den Nährboden zu entziehen.

Dabei ist die lokale Bevölkerung gut organisiert und versucht auf ihre Weise, den Umweltschutz durchzusetzen. Früher schon hat dies die Guerilla mit ihren Regeln und Anweisungen praktiziert. Bei der aktuellen Militäroperation am vergangenen Wochenende waren vor allem das Dorf El Triunfo und das indigene Schutzgebiet La Esperanza betroffen. Hier führten die Soldaten einen Militäreinsatz durch, bei dem nur die Zivilbevölkerung betroffen war und die Stunden des Terrors erlebte.

So gab es den Einsatz von Granaten gegen die Häuser und Hütten der Bauern und Indigenen, die Landung von Truppen aus Hubschraubern, das Zerstören von Straßen und sozialer Infrastruktur und die willkürliche Gefangennahme von Personen. Häufig verschwinden diese Menschen spurlos, ohne jegliches juristisches Verfahren. Neben Verletzten gab es wohl auch eine getötete Person zu beklagen. Das Verhalten zeigt deutlich, wie das Militär auf dem Land auftritt und die Bevölkerung drangsaliert. Diese Erlebnisse sorgen dafür, dass die aufständische Bewegung oftmals als Schutzmacht angesehen wird und das Militär als das was es ist, eine Besatzungsmacht.

Mehr hier: Fortschreitende Militarisierung in Caquetá und Caquetá und die Operation Artemisa

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8. März – Internationaler Frauenkampftag

Vor 10 Jahren veröffentlichten die Genossinnen und Genossen des Portals dieses Musikstück von Julián Conrado mit dem Titel „Lächeln der Guerillera“ zum Internationalen Frauenkampftag. Wir haben uns entschieden, dieses Lied erneut zu veröffentlichen. Es ist für uns ein Stück Zeitgeschichte, denn kurze Zeit nach dem Beginn dieses Informationsportals über die kolumbianische Guerilla, ein Jahr später, befand sich Kolumbien immer noch in einem Krieg zwischen verschiedenen FARC-EP und kolumbianischem Staat. Inmitten dieses Konfliktes, wo an Frieden oder ein Friedensabkommen noch nicht zu denken war, spiegelt dieses Lied das alltägliche Leben der Frauen in der Guerilla. Wir blicken damit zurück und halten inne, für den Kampf der Frauen in Kolumbien und überall in der Welt. Auf das auch heute die Frauen für Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden kämpfen.

https://www.youtube.com/watch?v=q7kghmZRtIE&t=1s

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