Bericht zu aufständischen Organisationen

Die Stiftung CORE (Conflict Responses) aus Kolumbien hat jüngst eine Studie zur Situation der aufständischen Organisationen in der Zeit der Präsidentschaft von Gustavo Petro und nun mit dem Beginn der neuen Präsidentschaft von Abelardo de la Espriella herausgebracht. Das Land steht demzufolge vor großen Herausforderungen, da ein Teil der aufständischen Organisationen aus der alten FARC-EP heraus in den letzten Jahren gewachsen und die Macht konsolidiert hat. Wir geben einen Überblick über die derzeitige Situation der aufständischen Bewegungen, die sich in einer mehr oder weniger starken Linie aus der alten FARC-EP heraus gespeist haben.

Zentraler Generalstab (EMC)

Der EMC unter dem Kommando von Iván Mordisco tritt laut dem Bericht von CORE mit 4.176 Mitgliedern und Präsenz in 131 Gemeinden in die Regierung von De la Espriella ein. Den Forschern zufolge hat sich die Gruppe während der Regierung Petro in mehreren Teilen des Landes gestärkt, insbesondere in den Regionen Amazonas, Huila, Tolima und Valle del Cauca. Während der Regierung von Iván Duque konzentrierte sich ihre Expansion vor allem auf Guaviare, Vaupés, Arauca, Cauca und Nariño – Gebiete, in denen sie bis heute erheblichen Einfluss ausübt.

Dem Bericht zufolge zeigt sich dies darin, dass der EMC seine Mitgliederzahl, seinen Einflussbereich in den Gemeinden, seine wirtschaftliche Stärke und seine Herrschaftsstrukturen ausgebaut hat. Einer der Faktoren, die zu diesem Wachstum beitrugen, war der Verhandlungsprozess mit der Regierung zwischen September 2022 und April 2024. Während dieses Zeitraums, in dem eine bilaterale Waffenruhe galt, gelang es der Gruppe, ihre Herrschaftsstrukturen in verschiedenen Teilen des Landes – etwa in Cauca, Nariño und Guaviare – zu festigen und ihre Mitgliederzahl zu erhöhen.

CORE führt die Expansion außerdem auf die von ihr kontrollierten kriminellen Wirtschaftszweige, die Verlegung von Kämpfern zwischen ihren Einflussgebieten sowie darauf zurück, dass sie in vielen ihrer Einflusszonen über lange Zeit keine größeren Konflikte mit anderen bewaffneten Gruppen hatte. Dies galt unter anderem für Guaviare, das Gebiet am Río Naya zwischen Valle del Cauca und Cauca, Huila und den Süden von Tolima. In Guaviare – einer der wichtigsten Hochburgen Mordiscos – hat sich der EMC in den vergangenen zwei Jahren jedoch aufgrund der Auseinandersetzungen mit dem Generalstab der Blöcke und Fronten (EMBF) unter dem Kommando von Calarcá Córdoba sowie mit den staatlichen Sicherheitskräften geschwächt.

Der EMBF unter Calarcá entstand aus einer internen Spaltung des EMC, die laut Bericht im Jahr 2024 zu einer organisatorischen Schwächung führte. Der Bruch erfolgte, als die von Calarcá geführten Strukturen mit Mordisco brachen, weil sie unterschiedlicher Auffassung darüber waren, ob der Friedensprozess nach der Entscheidung von Präsident Petro, die Waffenruhe aufzuheben, fortgesetzt oder beendet werden sollte. Seitdem ist der EMC nicht mehr Teil der Politik des Totalen Friedens, und sein oberster Kommandeur gilt als vorrangiges Ziel militärischer Operationen.

Generalstab der Blöcke und Fronten (EMBF)

Der Generalstab der Blöcke und Fronten (EMBF), der mit der Regierung Petro Friedensgespräche führt, umfasst 2.837 Mitglieder und ist in 104 Gemeinden präsent. Neben Calarcá Córdoba zählen Danilo Alvizú, Jhon Mechas und Andrey Avendaño zu den wichtigsten Kommandeuren der bewaffneten Gruppe. Dem CORE-Bericht zufolge ist der EMBF vor allem im Amazonasgebiet, in den Llanos Orientales (östliche Ebenen) sowie in Antioquia aktiv, wo die Gruppe in jüngster Zeit mehrere militärische Aktionen verübt hat.

Obwohl seine Entstehung auf die interne Spaltung des früheren Zentralen Generalstab (EMC) zurückgeht, stellt der Bericht fest, dass der EMBF während der Regierung Petro vielleicht das deutlichste Beispiel für eine Stärkung geworden sei – maßgeblich begünstigt durch den Verhandlungsprozess mit der Regierung. CORE weist darauf hin, dass die Organisation die bilaterale Waffenruhe nutzte, um ihre territorialen Gewinne auszuweiten und zu sichern, insbesondere in der Provinz Huila.

Der geringe militärische Druck des Staates hat die Konsolidierung ihrer territorialen Kontrolle vor allem im Amazonasgebiet und in den östlichen Ebenen erleichtert, was sie genutzt hat, um ihre Herrschaftsstrukturen weiter auszubauen. Zudem ermöglichte das Fehlen klar definierter roter Linien und spürbarer Konsequenzen für ihr Verhalten vor Ort, dass die Verhandlungsgespräche eher ihre Stärkungspläne begünstigten als sie einzudämmen, heißt es im Bericht.

CORE erinnert jedoch daran, dass einige ihrer Strukturen zuletzt Rückschläge erlitten haben. So hat beispielsweise die Frente 33 seit Januar 2025 aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzungen in Catatumbo an Stärke verloren. Konsolidieren konnte sie ihren politisch-militärischen Einfluss hingegen in Provinzen wie Caquetá, seit jeher eine Hochburg der Guerilla.

Nationale Koordination der Bolivarischen Armee (CNEB)

Die (CNEB) unter dem Kommando von Walter Mendoza gehört zu den Verhandlungsparteien mit den größten Fortschritten im Friedensprozess. Am 18. Juni traten 99 ihrer Mitglieder in die Eingliederungszone in Valle del Guamuez (Provinz Putumayo) ein, wo sie ihren Übergang ins zivile Leben begannen. Trotz dieses Schrittes – eines der wenigen konkreten Ergebnisse von Petros Politik des Totalen Friedens – verfügt die Gruppe weiterhin über 2.045 bewaffnete Kämpfer (ursprünglich 2.144, abzüglich der 99 Mitglieder in der ZUT) und ist in 42 Gemeinden präsent. Laut CORE stammen ihre wichtigsten Finanzierungsquellen aus dem Drogenhandel, dem illegalen Bergbau und der Erpressung.

Diese illegale Organisation, die sich vom Zweiten Marquetalia abgespalten hat, besteht aus den Grenzkommandos mit Präsenz in Putumayo sowie der Guerillakoordination des Pazifiks in Nariño. Neben Mendoza zählen Allende und Araña zu ihren wichtigsten Kommandeuren. Dem Bericht zufolge erfolgte die militärische Stärkung der CNEB hauptsächlich während der Regierung Duque, als die Grenzkommandos ihre Präsenz auf Caquetá, Amazonas und sogar Huila ausweiteten. Während der Regierung Petro hat sie sich in geringerem Maße ausgedehnt – vor allem in Nariño, in Gemeinden wie Ricaurte, Andes Sotomayor, La Llanada, Samaniego und einigen weiteren Gemeinden – im Rahmen eines Bündnisses mit anderen bewaffneten teils paramilitärischen Gruppen, um dem EMC entgegenzutreten, heißt es im Bericht.

Im Rahmen der seit Juni 2024 geführten Gespräche mit der Regierung hat es keine formelle bilaterale Waffenruhe gegeben. Dennoch stellte CORE fest, dass die militärischen Operationen gegen die Gruppe in einigen ihrer Einflussgebiete zurückgegangen sind – teilweise bereits vor Beginn der Verhandlungen. Dies habe, so die Forscher, zur Festigung ihrer territorialen Präsenz beigetragen.

Zweites Marquetalia

Die von Iván Márquez geführte Organisation Zweites Marquetalia verfügt über 573 Mitglieder und ist in 21 Gemeinden präsent, hauptsächlich in Grenzgebieten zu Venezuela. Neben Márquez gehören Jhon 40 und Gerson González zu ihren wichtigsten Kommandeuren. Laut CORE hat sich die Organisation in den vergangenen Jahren nicht gestärkt. Obwohl sie versuchte, die Verhandlungen zu nutzen, um durch interne Treffen den Zusammenhalt ihrer drei Flügel zu stärken, blieben diese Bemühungen erfolglos und das interne Bündnis zerbrach, heißt es im Bericht.

Das Dokument stellt außerdem fest, dass ihre militärische Dynamik innerhalb Kolumbiens hauptsächlich von der Front Acacio Medina und der Kolonne Teófilo Forero getragen wurde; andere Einheiten sind verschwunden. Dies erklärt sich unter anderem dadurch, dass das Zweite Marquetalia ihre Präsenz und ihren Einfluss in Venezuela priorisiert hat, wo mehrere ihrer wichtigsten Kommandeure leben. Schon in den letzten Jahren gingen durch die Abspaltungen, durch den Tod verschiedener Kommandeure, aber auch durch das eigene Agieren der Einfluss merklich zurück.

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