Kommuniqué zu Diego Maradona und Fidel Castro

Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zum Tod von Diego Maradona und Fidel Castro:

Adiós Diego

Die Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, teilen ihren Schmerz wegen Diego Armando Maradonas Abgang mit dem argentinischen Volk und mit all denen, die ihn in der Welt liebten und bewunderten.

Seiner Familie unser tiefstes Beileid und unsere geistige Solidarität. Wir werden uns immer an ihn als einen Mann erinnern, der sich für gerechte Zwecke einsetzt und ein aufrichtiger Freund der von Washington verfolgten Regierungen und Völker ist.

Die Völker haben das Recht, eine soziale Ordnung der Menschlichkeit und Souveränität zu wählen. Wir werden uns an dich erinnern, Diego.

Der Fußballstar wird in Ewigkeit weiter glänzen.

 

Fidel Castro Ruz – ein Mensch, allzu menschlich

Vier Jahre nach dem physischen Verschwinden von Fidel, erinnern sich an diesem 25. November 2020 die Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, mit Respekt und Verehrung an den konsequenten Revolutionär, den großen Führer des 20. Jahrhunderts, der als Vermächtnis der Welt eine Revolution hinterlassen hat, die immer wieder Liebe und Menschlichkeit aus der Karibik ausstrahlt.

Der Stern Kubas am Himmel zeigt den Armen der Erde und der gesamten Menschheit immer die Richtung an, dass es einen Weg gibt, dass eine neue Welt keine Illusion oder Utopie ist. Die Einheit und Solidarität der Völker ist die Kraft, die eine neue Weltordnung auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Gerechtigkeit und Frieden schaffen kann, die das vorherrschende ungerechte und ungleiche System ersetzen wird.

Es ist immer noch möglich, Leben auf dem Planeten zu retten.

Fidel sagte, der Revolutionär sei ein Quijote und er sei sich sicher, dass er, wenn er in dieser Zeit gelebt hätte, dem schrecklichen Monster des Nordens gegenübergestanden hätte. Am Vorabend seiner Abreise forderte er seine Landsleute auf, bis zum letzten Tropfen Blut zu kämpfen, um die Revolution zu verteidigen, falls das Land angegriffen wird.

Im Kampf um die Würde kann es keine Kapitulation geben.

Vielen Dank, Fidel, dass du immer auf der Seite des Friedens in Kolumbien und des Weltfriedens warst.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

  1. November 2020
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Der Komplott gegen Jesús Santrich

Vor einer Woche veröffentlichte die Tageszeitung El Espectador, später dann auch andere Zeitungen, eine Nachricht, auf die das Land zwei Jahre warten musste. Es geht um die Vorwürfe gegen Jesús Santrich und auch Iván Márquez im Zusammenhang mit Drogenhandel. Jesús Santrich war als Unterhändler und Mitglied der FARC-EP am Friedensprozess beteiligt und in Havanna, dem Verhandlungsort der Friedensgespräche zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung.

Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien gab es schnell Vorwürfe von Seiten der Staatsanwaltschaft, die ihn mit Drogenhandel in Verbindung brachten. Damals schon äußerte Jesús Santrich, dass dies ein Komplott sei und die Vorwürfe konstruiert. Auch aus der FARC, nun politische Partei, und anderen Organisationen gab es Kritik an den Drogenhandelsvorwürfen, da Beweise unglaubwürdig erschienen und die Art und Weise der öffentlichen Brandmarkung eine Strategie der Regierung zur Diskreditierung der ehemaligen Guerilla war.

Nun zeigte sich in den Enthüllungen, mehrere Mitschnitte von Gesprächen, warum die Kritik an dem Auftreten der Regierung und ihres Kampfs gegen unliebsame Personen und Organisationen, der häufig illegal und unter Mithilfe von juristischen Inszenierungen passiert, berechtigt ist. Er hinterlässt aber auch Wut und Schmerz, dass ein sich als Rechtsstaat bezeichnendes Konstrukt so hinterlistig agiert und alle ihre zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um den politischen Gegner zu schaden.

Der Generalstaatsanwalt Néstor Humberto Martínez Neira, hauptverantwortlicher der Intrige, äußert sich bisher nicht dazu. Stattdessen werden wohl alle Verantwortlichen ihren Mund halten und keine Stellung beziehen. Der Wut und Schmerz über diese Verlogenheit und versuchte Beschädigung des Friedens bleibt, denn wieder einmal werden die Protagonisten aller Vorrausicht nach nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Dabei ist es notwendig, dass sich in Kolumbien mit diesen Lügen und Täuschungen, die als Ziel immer die Beschädigung des politischen Gegners haben, auseinandergesetzt wird. Und diese Lügen und Täuschungen, dieser Feldzug gegen den politischen Gegner, sorgt dafür, dass das Vertrauen in die Regierung weiter sinkt und sich zum Beispiel wieder der aufständischen Bewegung anschließen. Ob aus Frust oder der Gefahr, auch Opfer einer Verschwörung zu werden.

In diese Reihe von namenhaften Personen reihen sich unter anderem Simón Trinidad, der ohne schlagkräftige Beweise in die USA ausgeliefert wurde, aber auch linke Politiker wie Piedad Córdoba, Gustavo Petro oder eine Vielzahl von ehemaligen Guerillakämpfern oder Anhängern von linken Bewegungen. Die Aktion von Néstor Humberto Martínez, mit den Komplizen der US-amerikanischen Antidrogenbehörde, hat dafür gesorgt, dass Santrich und Márquez wieder zu den Waffen gegriffen haben. Viele andere werden folgen.

Wir verweisen anschließend auf einen weiterführenden Artikel von amerika21.de

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Wir sind der wahre bewaffnete Widerstand der FARC

Eine interessante Reportage hat die Stiftung für Frieden und Versöhnung (Pares) über die Strukturen der FARC-EP im Westen des Landes erstellt und dabei den führenden Kommandanten des sogenannten Westlichen Koordinationskommandos interviewt. Im Cauca sind mit dem Westlichen Koordinationskommando verschiedene Fronten und Strukturen der sich unter Waffen befindlichen FARC-EP entstanden und die eng mit den Strukturen der FARC-EP um die 1. und 7. Front von Gentil Duarte und Iván Mordisco kooperieren. Mittlerweile sind die Berge des Cauca wieder eine Bastion der aufständischen Bewegung geworden.

Die Stiftung für Frieden und Versöhnung mit ihrem stellvertretenden Direktor Ariel Ávila waren dabei in einem Camp der FARC-EP, wo sie in einem ausführlichen Interview den Kommandierenden alias Jonnier sprachen. In dem Lager sind rund 15 Kämpfer der FARC-EP, die aber unterschiedlichen Strukturen angehören. So gehören einige zur Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos und wiederum andere zur Kolonne Jaime Martínez. Dies tragen sie auf ihren Armbinden mit dem Logo der FARC-EP. Jonnier ist ein Mann von kleiner Statur, dickem Körper, dunkel, ruhig mit kleinem Oberlippenbart. Sein Gesicht und seine Art zu sprechen zeigen die Jahre, in denen er mehr als 30 Jahre im Krieg war.

Zum Westlichen Koordinationskommando gehören acht bewaffnete Strukturen: Die Kolonnen Dagoberto Ramos, Jaime Martínez, Franco Benavides und Urías Rondón sowie die Fronten Rafael Aguilera, Carlos Patiño und Ismael Ruiz sowie die Kompanie Adán Izquierdo. Im Kampf stehen sie gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen sowie gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, um Iván Márquez und Jesús Santrich, die bisher vergeblich versuchten im Cauca Fuß zu fassen. Auch die ELN wird in ihrem Vorrücken als Feind angesehen. In der zurückliegenden Zeit konnte das Westliche Koordinationskommando ihr Vormachtstellung im politisch-militärischen Kontext behaupten.

Die acht Strukturen befinden sich im Südwesten Kolumbiens, aber laut dem Kommandierenden haben sie auch Kommunikation mit Strukturen gleichen Ursprungs in Catatumbo und anderen Regionen Kolumbiens. Sie wollen die alte FARC-EP wiederbeleben. Zum Konflikt um die FARC-EP, Zweites Marquetalia, äußert er sich, dass es keine Vereinbarungen zwischen ihnen gibt, sondern die Konfrontation. Iván Márquez und die anderen hochrangigen Kommandierenden kamen sehr arrogant daher und stellten die Forderung, dass sie das Oberkommando wollten. Dabei verteilten sie wenige Truppen auf die Kommandierenden und wollten so ihre FARC-EP aufbauen bzw. über Emissäre ihre Strukturen aufbauen. Bisher sind diese Absichten aus militärischer Sicht erfolglos verlaufen. Vertrauen gibt es nicht, schließlich waren sie aktiv, Iván Márquez sogar als Verhandlungsführer, in den Friedensgesprächen beteiligt, die als Verrat angesehen wurden.

Das auf Spanisch aufgenommen Video-Interview gibt gute Einblicke in das Innenleben der sich als „wahren bewaffneten Widerstand der FARC“ Strukturen der FARC-EP, die wieder bzw. immer noch mit mittlerweile rund 2000 Kämpferinnen und Kämpfern unter Waffen stehen.

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Die Front Armando Ríos – Mutterstruktur der Guerilla im Osten Kolumbiens

Als am 16. Oktober 2012 die Dialoge zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung begannen, waren alle hell auf begeistert. Auch im Osten bei den großen Guerillakontingenten des militärischen Ostblocks waren viele für eine Verhandlungslösung, denn militärisch gab es eine Pattsituation gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und politisch wollte man so der Macht näher kommen. Unzufriedenheit gab es vor allem bei den Kämpferinnen und Kämpfern, die die harte Zeit ab 2003 unter dem Militärplan „Plan Colombia“ erlebte und in den zurückliegenden Jahren ab 2010 die Macht und Initiative gemäß der letzten großen Guerillakonferenz im Jahr 2007 durch eine neue Guerillataktik und politische Arbeit zurückgewinnen konnten. Besonders die Regionen im Westen im Cauca und im Osten, hier in Guaviare, Meta und Caquetá, wurden zu politisch-militärischen Bastionen der FARC-EP.

Die Friedensgespräche zeigten jedoch eine geringere Beteiligung der Basis als erwartet und auch die Guerillakräfte im Osten wurden nicht wie gewünscht in den Prozess einbezogen. Eine Entwaffnung wollte man vor allem nicht, wenn bestimmte Punkte des Friedensabkommens nicht erfüllt wären. Hierzu zählte vor allem die politische Beteiligung, die Umsetzung der Agrarreform und die Sicherheit der Kämpferinnen und Kämpfer. Die Unzufriedenheit in dem Friedensprozess führte im Juni zu Erklärung der 1. Front Armando Ríos, einer sogenannten Mutterstruktur der FARC-EP, aus der viele andere Fronten herausgebildet wurden.

In der Erklärung des Generalstabs des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño ging hervor, dass sich die Front Armando Ríos gegen das Friedensabkommen aussprach. Die Struktur, die sich als abweichend erklärte, wurde von alias Iván Mordisco geleitet, der dem Sekretariat der FARC folgende Erklärung übermittelte: „Wir haben beschlossen, nicht zu demobilisieren, wir werden den Kampf für die Machtergreifung durch das Volk und für das Volk unabhängig von der Entscheidung der übrigen Mitglieder der Guerilla-Organisation fortsetzen. Wir respektieren die Entscheidung derer, die den bewaffneten Kampf aufgeben, ihre Waffen niederlegen und sich wieder dem bürgerlichen Leben anschließen. Wir betrachten sie nicht als unsere Feinde.“

Bereits im Dezember gaben die sich im Friedensprozess befindlichen FARC den Ausschluss von fünf Kommandanten bekannt, die sich dem Friedensprozess entfernt hatten und im Rahmen der Erklärung der 1. Front die Weiterführung der Guerilla organisierten. Herbei handelte es sich um Gentil Duarte, Euclides Mora, John Cuarenta (40), Giovanny Chuspas und Julián Chollo. In der Erklärung heißt es: „Diese Entscheidung ist durch ihr jüngstes Verhalten motiviert, das sie dazu veranlasst hat, unserer politisch-militärischen Linie zu widersprechen.“ Am 21. Dezember erklärte die 7. Front unter dem Kommando von Gentil Duarte die Reorganisation der FARC-EP. Ebenso im Dezember erklärte die Front Acacio Medina, sicher der Reorganisation der Guerilla anzuschließen.

Seit dem findet im Osten Kolumbiens wieder ein revolutionärer Prozess statt, dem sich weitere Fronten aus der ehemaligen FARC angeschlossen haben. Zu der 1. Front und 7. Front kommen noch Strukturen der 16., 27., 33., 40., 42, 43., und 62. Front hinzu. Politisch geht es vor allem um die politisch-soziale Organisation des ländlichen Lebens, das Verhindern der Vernichtung von Koka-Pflanzungen ohne Alternativen und das Bekämpfen von paramilitärischen Einheiten und der staatlichen Sicherheitskräfte, die sich als Besatzungsmacht aufspielen und oftmals gemeinsam kooperieren. In vielen Gebieten des Ostens gibt es eine enge Kooperation zwischen den Dorfräten und der Guerilla FARC-EP.

Dabei wird von den staatlichen Stellen und den Medien häufig der politische Einfluss der Guerillastrukturen verkannt, die sogar Personen für die Wahlen aufstellen können, das soziale Leben im ländlichen Gebiet strukturieren, finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung bieten und ein eigenes System der Rechtsprechung aufrecht erhalten konnten. Nicht unerwähnt soll die Kooperation mit anderen Guerillastrukturen im Land sein, die sich vor allem auf den Westen und das Westliche Koordinationskommando. Somit ist die 1. Front Armando Ríos auch derzeit eine Mutterstruktur im Aufbau der neuen „alten“ FARC-EP.

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Die Hinrichtung von Alfonso Cano

In einem Kommuniqué fordert die unter Waffen stehende FARC-EP, Zweites Marquetalia, Aufklärung und Gerechtigkeit von den Verantwortlichen in Kolumbien, darunter der ehemalige Präsident Juan Manuel Santos, um die Hinrichtung von Alfonso Cano zu untersuchen. Der Oberkommandierende wurde inmitten von Sondierungsgesprächen der FARC-EP mit der kolumbianischen Regierung vom Militär auf Oberbefehl des Präsidenten ermordet. Noch immer fühlen viele linke Kräfte in Kolumbien Trauer um den ehemaligen Hochschulprofessor und politisch charismatischen Kommandanten der FARC-EP, zumal Santos später den Friedensnobelpreis bekam.

Hier einige relevante Passagen des Kommuniqué:

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, würdigt heute posthum mit aufständischer Zuneigung Kommandant Alfonso Cano, der vor 9 Jahren von der Armee nach einem brutalen Bombenangriff der Luftwaffe auf sein Lager in Chirriaderos, einem ländlichen Gebiet der Gemeinde Suárez in Cauca, ermordet wurde.

Alfonso wurde in der Nacht vom 4. November 2011 auf direkten Befehl von Präsident Juan Manuel Santos erschossen. „Ich habe den Befehl gegeben, ihn zu eliminieren, weil wir uns im Krieg befanden und immer noch im Krieg sind“, gab er bei einer Wahlveranstaltung in Bogotá am 13. Juni 2014 vor Fernsehen und Radio zu und zeigte stolz seine Brust für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Kommandant der FARC-EP war im Kampf gefangen genommen worden und befand sich verwundet und unbewaffnet in der Obhut von Armeeeinheiten. Diese Informationen wurden sofort an den Präsidenten der Republik weitergeleitet. In den Nachrichten wurden nur die Luftangriffe und Bodenoperationen erwähnt, nicht jedoch deren Ergebnisse. Währenddessen überlegte Santos mit seinen Generälen, was er mit dem Gefangenen anfangen sollte. Alfonso Cano war sein Gesprächspartner für den Traum, einen Friedensprozess für Kolumbien in Gang zu setzen. Aber der Verrat des törichten Präsidenten war stärker, als wenn er sich vorstellte, dass ein Friedensdialog mit Alfonso Cano am Leben keine Erfolgschance haben würde. So erließ er den Befehl um ihn zu erschießen. Als erfahrener Manipulator der Presse verübte er das Verbrechen spät in der Nacht und verbreitete die Nachricht vom Tod im Kampf gegen den FARC-Kommandanten.

Es gibt keine Seele, die so niederträchtig ist als die dieses ehemaligen Präsidenten. Alfonso, im Kampf gefangen genommen und bereits wehrlos, musste gemäß den internationalen Abkommen so behandelt werden, wie sie den kolumbianischen Staat binden.

(…)

Wir fordern, dass Juan Manuel Santos aufgefordert wird, vor der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden die vollständige und gründliche Wahrheit über diesen Fall zu liefern, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handelt, für das bisher verborgene Beweise gesammelt werden müssen, sowie forensische Untersuchung der Zeugen und Autoren oder Teilnehmer vor Ort, die die Entscheidung getroffen haben, ihn hinzurichten, und die auf Alfonso geschossen haben, nachdem sie zuvor seine Gefangennahme und seinen Zustand der Wehrlosigkeit gemeldet hatten, als er unbewaffnet und verwundet war.

(…)

Der Friedensnobelpreis wird Santos nicht ausreichen, um dieses Verbrechen des Staates zu vertuschen, das auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

04. November 2020

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Schläge gegen die Guerilla

In verschiedenen Landesteilen, besonders jedoch im Westen von Kolumbien, gab es strategische Schläge der kolumbianischen Sicherheitskräfte gegen die aufständische Bewegung. Die Operationen von Geheimdienst, Polizei und Militär führten zu empfindlichen Verlusten bei den verschiedenen Strömungen der sich als FARC-EP bezeichnenden Organisationen. Zum einen gab es einen operativen Erfolg gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bei ihrem Versuch, im Cauca Fuß zu fassen. Zum anderen gegen die unter FARC-EP unter Gentil Duarte und ihm angeschlossene Gruppen, sowohl im Süden als auch im Westen des Landes. Beide Strömungen sehen sich als die Nachfolger der sich entwaffneten FARC-EP, stehen aber im Dissens zueinander und kämpfen jeweils um die politische und militärische Deutungshoheit.

Zu den operativen Erfolgen der staatlichen Sicherheitskräfte gehörte das praktische Ausschalten der FARC-EP um Iván Márquez, ihren Einfluss in der Provinz Cauca zu festigen. So wurde der Anführer mit dem Alias-Namen „Pocillo“ oder „Grande“ Anfang Oktober in Popayán festgenommen. Er befehligte eine Gruppe, die zuletzt zur FARC-EP, Zweites Marquetalia, gehörte und um den Einfluss in der Region gegen seine ehemalige Struktur der FARC-EP „Jaime Martínez“ rang. Seit dem Jahr 2016 befehligte er dissidentischen Strukturen der FARC-EP, die sich zuletzt im Westlichen Koordinationskommando zusammenschlossen und unterstand direkt dem Kommandierenden alias „Mayimbú“, der die Mobile Kolonne Jaime Martínez befehligte.

Doch als alias „Pocillo“ Kenntnis nahm, dass sich um Iván Márquez eine neue FARC-EP bildete, wechselte er Anfang dieses Jahr die Seiten. Iván Márquez und andere Kommandierende entsandten sogenannte Emissäre, die Kontakt zu potenziellen Partnern suchten und sie mit Waffen und Personal unterstützen wollten. So war sein Auftrag nun, die anderen FARC-EP-Strukturen zu bekämpfen um den Einfluss des „Zweiten Marquetalia“ zu erhöhen und im Cauca Fuß zu fassen. Mit ihm wechselten einige andere Kämpfer aus der Mobilen Kolonne Dagoberto Ramos und der Mobilen Kolonne Jaime Martínez die Seiten. Ein Teil von ihnen, 12 Personen, konnten in einer Operation nur eine Woche nach seiner Festnahme ebenfalls im Cauca festgenommen werden. Zwischen den unterschiedlichen Strukturen kam es zu einem „Bruderkrieg“, über den wir berichteten.

Damit dürfte vorerst der Versuch der FARC-EP, Zweites Marquetalia, im Westen des Landes Fuß zu fassen gescheitert sein. Innerhalb dieses Bruderkrieges bzw. mit dem Erscheinen des Zweiten Marquetalia im Cauca festigte sich die Allianz des Westlichen Koordinationskommandos, dem neben der Jaime Martínez und Dagoberto Ramos auch die Front Carlos Patiño und die Kompanie Adan Izquierdo unterstehen. Sie hatten sich zuletzt in einem Bündnis zusammengeschlossen und näherten sich der FARC-EP unter Gentil Duarte und Iván Mordisco aus dem Osten des Landes mit ihren Fronten 1, 7 und 27 an. Sie bezeichnen sich als die „wahre“ FARC-EP, da sich bereits während des Friedensprozesses gegen das Friedensabkommen und die Entwaffnung stellten, während die FARC-EP, Zweites Marquetalia, erst später im Rahmen der Nichtumsetzung des Friedensabkommens entstand und ihr Kommandierender Iván Márquez als ehemaliger Verhandlungsführer als „Verräter“ gilt.

Schläge gab es aber auch gegen das erwähnte Westliche Koordinationskommando. So gab es Operationen gegen die Front Adan Izquierdo, die zuletzt mit einer bemerkenswerten Aktion und der Festnahme mehrerer Soldaten auf sich aufmerksam machte. Ihr Ziel ist die Konsolidierung ihres Einflusses in der zentralen Kordillere zwischen Valle del Cauca und Tolima. Zudem gab es eine Operation gegen die Front Carolina Ramírez in der Provinz Putumayo, bei dem einer ihrer hochrangigen Kommandierenden festgenommen wurde. Diese Einheit speist sich aus ehemaligen Kämpfern der 32., 48. und 49. Front sowie neurekrutierten Mitgliedern und ist mit der FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco alliiert. Auch über diese Struktur haben wir bereits in einem Artikel berichtet.

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Pilgerreise für Frieden und Leben in Bogotá angekommen

Hunderte ehemalige Kämpfer der FARC-EP, soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger aus allen Teilen des Landes haben am vergangenen Wochenende in Bogotá ein Ende der Gewalt und Garantien für Politik und Sicherheit für die Gebiete gefordert, aus denen sich die oben genannten Gruppen als Pilgerreisende auf den Weg nach Bogotá machten. Die Pilgerreise stand unter dem Motto „Für den Frieden und für das Leben“ und wurde von vielen solidarischen Menschen begleitet und unterstützt.

Mit dem Thema „Wir sind Unterzeichner des Friedens und wir wollen keine weiteren Toten“ sammelten sich Tausende Kolumbianer auf dem zentralen Platz in Bogotá, der Plaza Bolívar, um die Morde zurückzuweisen und gemeinsam bei der Wiederherstellung der Demokratie und der Umsetzung des Friedensabkommens im Land voranzukommen. Ursprünglich wurde die Pilgerreise von der Partei FARC organisiert, die mit dieser großen Mobilisierung ihre Garantien für Sicherheit und das Recht auf Leben fordern wollten und somit eine größere Öffentlichkeit erreichen konnten.

Zudem hinterließen die ehemaligen Guerilleros in verschiedenen Orten im Land Akte der Versöhnung und des Friedens. Auf den zentralen Plätzen der Städte und Orte gab es kulturelle Veranstaltungen unter Teilnahme von lokalen politischen und sozialen Bewegungen. Die Pilgerreise für den Frieden und das Leben begann am 20. Oktober in der Gemeinde Mesetas, Provinz Meta, mit der Ermordung von Albeiro Suarez. Mit seiner Ermordung, der sich zudem stark für die Wiedereingliederung und den Frieden einsetzte, wurde das Fass der Angst, Betroffenheit aber auch Wut, zum Überlaufen gebracht und die Mobilisierung geplant.

Im laufenden Jahr 2020 sind in Kolumbien bereits 246 soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger sowie 51 Unterzeichner des Friedensabkommens von der ehemaligen Guerilla FARC-EP getötet worden. International wurde die Regierung unter Präsident Duque mehrmals aufgefordert, das Friedensabkommen umzusetzen und sich für das Leben der ehemaligen Kämpfer im Prozess der Wiedereingliederung einzusetzen. Aufgrund der fehlenden Umsetzung steigt die Gewalt im Land an, agieren immer mehr paramilitärische Gruppen und wenden sich auch immer mehr Friedensunterzeichner vom sogenannten Frieden ab.

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Marsch für das Leben und den Frieden

Am 21. Oktober begann ein Marsch, der sogenannte Pilgermarsch für das Leben und den Frieden, von der Gemeinde Mesetas in der Provinz Meta mit dem Ziel der Hauptstadt Bogotá. Ziel des Marsches, der von der Partei FARC, den ehemaligen Kämpfer*innen der Guerilla im Prozess der Wiedereingliederung sowie von sozialen und politischen Organisationen initiiert wurde, ist es auf die bedrohliche Situation der Morde an ehemaligen Guerillakämpfer*innen und an sozialen Aktivist*innen aufmerksam zu machen. Bisher liefen die Teilnahmenden unter anderem durch die Orte Granada und Villavicencio, wo es je ein Programm von kulturellen und politischen Aktivitäten gab. Gemeinsam wollen die Kämpferinnen und Kämpfer aus verschiedenen Landesteilen am zentralen Platz in Bogotá, dem Plaza Bolívar, ankommen.

Warum nun dieses Pilgerreise stattfindet hat einen einfachen, wenn auch traurigen Grund. Nach den bereits hunderten von ermordeten Kämpfer*innen traf es nun vor wenigen Tagen mit Albeiro Suárez eine Führungsperson aus dem Osten des Landes. Mit ihm wurde auch sein Leibwächter getötet. Wie wichtig dieser Marsch und die Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigt sich an der brenzligen Situation des Landes und der Mitglieder der ehemaligen FARC. Erst am Wochenende wurde wieder zwei Personen getötet, eine Person in Balboa in der Provinz Cauca, die andere Person in San Vicente del Caguán in der Provinz Caquetá. Damit wurden nun schon seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens 236 ehemalige Kämpfer*innen ermordet.

Mit der Pilgerreise will die Partei FARC und auch die sich im Prozess der Wiedereingliederung befindlichen Guerilleros ihr Engagement für den Frieden bekräftigen und zugleich auch um Vergebung für die Opfer bitten. Zudem verlangen sie die Umsetzung des Friedensabkommens und Sicherheitsgarantien für die ehemalige Guerilla. Sie wollen eine öffentliche Mobilisierung der Bevölkerung für den Frieden erreichen. Die derzeitige Situation im Land mit dem Anstieg der Gewalt in vielen Landesteilen, neuen Massakern und der systematischen Vernichtung von linken Kräften, erinnert an die 1980er und 1990er Jahre, als vor allem paramilitärische Gruppen in Kooperation mit lokalen und regionalen politischen und wirtschaftlichen Eliten das Land terrorisierten. Die aktuelle Regierung unter Duque, einem Schützling des ehemaligen rechten Präsidenten Uribe, führt eine Politik der Ignoranz und Nichtanerkennung des Friedensabkommens.

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Kommuniqué zur Ermordung von Albeiro und Mandela

Übersetztes Kommuniqué der Partei FARC zu der Ermordung ihrer beiden Genossen Albeiro und Mandela in Meta (südöstliches Kolumbien):

Mit der Ermordung von Jesús Monroy (Albeiro Suarez) und seinem Leibwächter Luis Alexander Largo (Mandela) wurden bereits 234 ehemalige Guerillakämpfer getötet, 146 davon unter der derzeitigen Regierung.

Jesús Monroy war Mitglied der Nationalen Führung unserer Partei, er war an der Spitze des Wiedereingliederungsprozesses in der Provinz Meta und hatte den Rückhalt und die Unterstützung der Gemeinden in der Region gewonnen, die ihn als ihren natürlichen Anführer angenommen hatten. Er war Sprecher der Anhörung der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden am 22. August, um die Sicherheitsprobleme ehemaliger Guerilleros im Osten des Landes zu analysieren.

Luís Alexander Largo war sein Leibwächter, Mitglied des Schutzprogramms der spezialisierten Unterdirektion der UNP. Zwei Männer, die sich entschieden für Frieden und Fortschritt in der Region einsetzten.

Die Mordserie gegen die Friedensunterzeichner findet im Kontext einer Regierung statt, die ein Komplizenschweigen aufrechterhält, sicherlich in der Überzeugung, dass diese Morde ihren Zweck der Verhinderung der Friedenskonsolidierung begünstigen, so wie es das ausdrückliche Streben ihrer Partei ist, des Demokratischen Zentrums.

Diese Morde sind nicht isoliert angesichts des Ansturms gegen die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden, der Wahrheits- und Aufklärungskommission und die Vortäuschung der Umsetzung des Abkommens, das wir angeprangert haben.

Eine Konvergenz der Faktoren hat dazu geführt, dass die extreme Rechte, die heute das Haus Nariño besetzt, mit denen vereint ist, die das Friedensabkommen verraten haben, was die ehemaligen Guerilleros zu einem Ziel von Hass und lausigen Interessen auf beiden Seiten gemacht hat.

Seit 4 Jahren erleben wir einen makabren Tropfen für Tropfen zwischen der warmen Solidarität derer, die den Frieden verteidigen und der beunruhigenden Gleichgültigkeit einiger Sektoren des Landes, die immer noch nicht reagieren, obwohl sie den Frieden vor ihren Augen ermorden. Aus diesem Grund glauben wir, dass die größte Herausforderung für diejenigen von uns, die eine Nation in Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit anstreben, darin besteht, diese gleichgültigen Mehrheiten zu erwecken.

Wir können angesichts dieser Tragödie, die auch das Leben von Hunderten von sozialen Anführern und Menschenrechtsverteidigern mit selektiven Attentaten und Massakern im gesamten Staatsgebiet fordert, nicht unbeweglich bleiben.

Die indigene Minga und der Streik am 21. Oktober zeigen uns den Weg aus der Gleichgültigkeit. Wir müssen mobilisieren, bis wir Millionen sind, die das Ende der Vernichtung fordern, die mit der Selbstzufriedenheit der nationalen Regierung durchgeführt wird.

Nationaler Politischer Rat, Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes, FARC

  1. Oktober 2020
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Zum Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien

Seit mehreren Jahren hat sich in Kolumbien ein Gedenktag etabliert, der den ermordeten und vor allem allgemein der derzeitig inhaftierten politischen Gefangenen gilt. Auch wenn dieser Tag unserer Meinung nach in der zurückliegenden Zeit in Vergessenheit geraten ist, wollen wir kurz innehalten und all jenen gedenken, die für ihr politisches Engagement und ihren politischen Kampf vom kapitalistischen System eingekerkert sind.

Seinen Ursprung hat der Tag aufgrund einer staatlichen Sicherheitsoperation von Armee und Polizei mit dem Namen Anorí in Medellín, bei dem der Gewerkschaftsführer Luis Carlos Cárdenas am 15. Oktober 1973 durch Truppen der 4. Brigade der Armee ermordet wurde. Diese Operation, mit dem Ziel politische Gegner und vermeintliche subversive Kräfte zu eliminieren, war in seiner Durchführung nicht einzigartig. Es sollten weitere Operationen gegen politische Gegner folgen, bei denen nicht wenige getötet wurden.

Es ist eine Sache, ein sozialer Aktivist zu sein, und eine andere, eine Guerillakämpfer zu sein; es kann jeweils eine Gemeinsamkeit von Zielen geben; es ermutigt beide, für eine gerechte und demokratische Gesellschaft zu kämpfen, die den Bedürfnissen der einfachen Menschen dient. In dem Maße, in dem sich der soziale und wirtschaftliche Konflikt verschärft, indem die Ursachen nicht gelöst werden und der Protest und Kampf dagegen zunimmt, bemüht sich der Staat immer mehr, diese Protestausdrücke der sozialen Bewegungen zu zerstören, indem er auf sie die gleichen kriegerischen Modalitäten anwendet wie auf die Guerillaorganisationen.

Der Staat tut dies mit seinen eigenen verschärften Gesetzen, aber auch außerhalb des Gesetzes davon, wie bei der oben genannten Operationen und vielen weiteren hunderten, bei dem einfache Bürger hingerichtet und als im Kampf gefallene Guerillakämpfer präsentiert wurden. Dies sollte den vermeintlichen Erfolg des Staates gegen im antisubversiven Kampf ausdrücken. Seit den 1970er Jahren wird der Kriegszustand vom Staat angewendet, um die soziale Organisation und Proteste zu beenden. Der Staat lässt verschwinden, ermorden, massakrieren, bedrohen und kriminalisieren. Er greift auf immer dieselben Methoden zurück: Er macht juristische Inszenierungen, erfindet Anklagen, kauft Zeugen, erpresst und fälscht Beweise.

Diese antikommunistische Taktik des „inneren Feindes“ lässt er nicht nur gegen die Guerilla, wie der FARC-EP walten, sondern ebenso gegen alle, die sich kritisch gegenüber dem Staat präsentieren, Studierende, Bauern, Indigene, Frauen und all jene, die sich in Organisationen, Kollektiven oder in der Guerilla zusammenfinden. Eine Ausnahme, ob Alter, Geschlecht, Beruf, Herkunft, Ethnie, Organisierungsgrad und so weiter gibt es für den Staat nicht. Es ist ein Feind, es sind alle Terroristen. Der Staat verkennt hierbei den politischen Status aus guten Gründen, da dies bedeuten würde, die vorherrschende Antidemokratie und die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen dieses kollektiven Kampfes anzuerkennen.

Der kapitalistische Staat ist per Definition die Verwaltung des Gewalt- und Rechtsmonopols, um diejenigen zu unterwerfen, die gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufbegehren und die eigenen Eliten reicher zu machen. Wenn bewaffnete Subversion wie im Fall der FARC-EP, sowohl vor dem abgeschlossenen Friedensprozess, als auch heute, auftritt, sieht der Staat wo auch immer, dass seine etablierte Ordnung bedroht ist. Kolumbien war seit jeher ein repressiver Staat, verkleidet in einer Vorzeigedemokratie Lateinamerikas. Doch Tausende Ermordete und Inhaftierte sprechen eine andere Sprache. Neben den Terrorpraktiken der Folter, des Verschwindenlassens, der Massakrierung und des politischen Genozides wie im Fall der Unión Patriótica sind dies vor allem auch die Delegitimierung und Diskreditierung der politischen Akteure.

Der 15. Oktober ist ein Tag des Gedenkens, des Mahnens, aber auch des Kampfes. Neben den unzähligen sozialen und politischen Bewegungen im Land formiert sich die Guerilla neu, neu entstanden aus der Unfähigkeit und des Unwillens der Regierung, den abgeschlossenen Friedensvertrag einzuhalten. Noch immer sind über 170 offiziell akkreditierte Guerillakämpfer im Gefängnis. Stattdessen zieht der Staat mit Hilfe seiner paramilitärischen Kräfte erneut los und mordet im ganzen Land und überzieht das Land mit Verhaftungen und Gerichtsprozessen. Für alle jene Kämpfer, Aktivisten und Inhaftierten wollen wir am Tag des politischen Gefangenen in Kolumbien innehalten und den Kampf fortführen, für die Freiheit und den Wandel!

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Duque muss gehen

Duque muss gehen – Politische Erklärung der FARC-EP, Zweites Marquetalia

Der Traum der Kolumbianer, eine gute Regierung zu haben, hört nicht auf und zeigt sich von Mal zu Mal mit mehr Kraft, als Notwendigkeit, die dringend ein öffentliches Bewusstsein erfordert.

Diese vier Jahre Duque im Namen Uribes sind ein Fluch, der unsere Zukunft auf die irrationalste und absurdeste Weise beschädigt. Als wir uns die falsche Hoffnung machten, es wäre möglich, ein neues Zeitalter des Friedens zu beginnen, hat die Regierung Duque-Uribe die Zerstörung des schönsten Traums der Kolumbianer zum Hauptziel ihrer Strategie gemacht. Ein paar Irre, die gegen den gesunden Menschenverstand handeln und die nicht mehr nur das Land in Brand stecken sondern unter dem Einfluss Washingtons auch die Nachbarschaft.

Dieser Krieg, den wir erleben, ist ein Krieg, der uns von kriminellen Köpfen aufgezwungen wird, die glauben, dass sie, indem sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihre Schrecken lenken, die Verantwortung von Alvaro Uribe Vélez für jahrzehntelange staatlich geförderte paramilitärische Gewalt für immer in der Grube der Straflosigkeit und des Vergessens versenken und gleichzeitig die Wahrheit über seine Allianz mit dem Drogenhandel in den Hintergrund rücken können. Drogenhandel und Paramilitarismus, um an die Regierung zu kommen, um die Justiz zu behindern, die Staatskasse zu bestehlen, um der Korruption, der gewaltsamen Landenteignung und der Unverschämtheit, nur zum Nutzen der Mächtigen zu regieren, freien Lauf zu lassen. Uribe sollte auf dem Altar seines Herzens Kerzen anzünden, zum Dank an Pablo Escobar, Ochoa Vásquez und Chapo Guzmán… und an die Regierung der USA, die ihn beschützt.

Das Land weiß genau, dass Iván Duque dank des Geldes aus dem Kokainhandel zum Präsidenten der Republik gewählt wurde, das der Mafioso und Geldwäscher „El Ñeñe Hernández“(1), Freund Uribes und Freund Duques, von Generälen der Drogenbekämpfung und anderen, die ihm Luftwaffenflugzeuge für sichere Reisen zur Verfügung stellten, eingesammelt hat… Sie verfolgen den Kleinbauern, der Koka anbaut und arm ist, voller Hass, aber umarmen gleichzeitig den Kapo, singen und tanzen mit ihm und laden ihn in den Präsidentenpalast ein. Die aktuelle Regierung hat ihre Seele mit Drogenhandel, Wahlbetrug und Stimmenkauf infiziert und ihre Hände mit Blut befleckt.

Duque muss vorzeitig die Präsidentschaft der Republik verlassen, weil er ein illegitimer Mandatsträger ist, weil das höchste Amt der Nation zu groß für ihn ist,  weil er das Chaos verbreiten will, indem er das Gleichgewicht der Staatsgewalten durch Missachtung und öffentliche Infragestellung von Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zerstört, weil er die sozialen Mobilisierungen, die das Land heute erschüttern, zusammenschießen lassen will und weil Kolumbien keine Diktatur will.

Keine Nachsicht mehr mit Iván Duque. Wir müssen der Tyrannei, der Inkompetenz und der schlechten Regierungsführung die Tür verschließen. Das Coronavirus, das ihn vor der Explosion des Zorn und der Entrüstung des Volkes auf den Straßen bewahrt hatte, taugt nicht mehr dazu, die Unzufriedenheit des Volkes zu beschwichtigen, und noch viel weniger seine langweiligen und abgeschmackten täglichen Fernsehauftritte.

Seine scheinheiligen Worte sind nutzlos, wenn die Regierung, statt den Armen in der Quarantäne und ohne Nahrung zu helfen, den Unternehmern hilft, die alles besitzen. Die Regierung hat nicht einmal kostenlos Masken in den popularen Vierteln verteilt.

Jetzt will er, dass Samson stirbt und dass alle Philister sterben,  um seinen politischen Führer Álvaro Uribe vor Gefängnis und gerichtlicher Bestrafung zu retten, nicht so sehr wegen seines Status als Zar der falschen Zeugen, sondern wegen seiner Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb ist er so besessen davon, den Gerichtshof zu sprengen und will eine Justizreform, die es ihm ermöglicht, einen institutionellen Bereich zu schaffen, der seinem politischen Kapo Straffreiheit sichert und sich seiner Anwaltskanzlei des Teufels ergibt.

Die Wahrheit ist, Kolumbien will keine faschistische Regierung, sondern eine wirklich demokratische, inklusive Regierung des Volkes und für das Volk; eine neue demokratische Koalitionsregierung, die den vollständigen Frieden ohne Verrat garantiert sowie Landtitel für Bauern, die politische Reform und eine Außenpolitik des Friedens und der Brüderlichkeit mit Lateinamerika und der Karibik; eine Regierung mit sauberen Händen, die mit der Beseitigung des Krebsgeschwürs der Korruption beginnt, die auf die Studenten, die Frauen, die Indigenen, die Schwarzen, die LGTBI- Bevölkerung und die anderen diskriminierten Sektoren hört, die Gesundheit der Bevölkerung wiederherstellt und radikale soziale Maßnahmen durchführt, um die Menschen aus der Armut zu befreien.

Da wir aus der schlimmsten Zeit der Pandemie raus sind, müssen wir mit Demonstrationen, Kundgebungen und cacerolazos auf die Straßen zurückkehren, um die Unzufriedenheit eines ganzen Volkes gegen die schlechte Regierung herauszuschreien. Verlangen wir das Ende der Repression, die verfassungsgemäße Respektierung des sozialen Protestes, die Bestrafung der hochrangigen Staatsfunktionäre, die das Massaker an wehrlosen Bürgern in Bogotá am 9. September veranlasst haben, das Ende der Auslöschung von sozialen Anführerinnen und Anführern und von Ex-Kombattanten, es sind seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens bereits  über tausend Tote.

Fordern wir die vollständige Aufklärung des „Ñeñe-Politik“-Komplotts, und verlangen, dass Duque wegen der Finanzierung seiner Kampagne mit Mafiageldern vom Präsidentenamt zurücktritt.

Absetzung aller mit den kriminellen Geldern Ñeñe Hernández Korrumpierten, die heute mit der Exekutive, der Legislative und der Judikative verbunden sind, angefangen bei der Vizepräsidentin Marta Lucía Ramírez, wegen ihrer Verbindungen zum Paramilitarismus und mit dem Mafioso und Geldwäscher „Memo Fantasma“(2). Keine Straffreiheit mehr für Álvaro Uribe, den gewalttätigen Landenteigner und Urheber der entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschheit, wie Massaker und falsos positivos.

Verlangen wir auch das Ende der Straflosigkeit mit exemplarischen Verurteilungen der Familien Char und Gerlein (2) und aller Verbrecher, die sich mittels Wahlbetrug und Stimmenkauf in der Politik gehalten haben. Gefängnis und Verlust der politischen Rechte für diejenigen, die Aída Merlano (3) Cárcel gemeldet hat.

Einheit, Einheit, Einheit aller Kolumbianer für eine neue Regierung, und für das Aufblühen des Friedens mit sozialer Gerechtigkeit.

FARC-EP, Zweites Marquetalia

Edison Romaña, Oscar Montero, Aldinever Morantes, Walter Mendoza, Jesús Santrich, Iván Márquez

28. September 2020

 

(1) Der ermordete brasilianische Drogenboss José Guillermo Hernández alias Neñe hatte erklärt, den Präsidentschaftswahlkampf von Iván Duque und seinem Regierungsbündnis mit Stimmenkauf mitfinanziert zu haben.

(2) Memo Fantasma ist einer der mächtigsten kolumbianischen Paramilitärs und Dealer. Er soll aktuell unbehelligt von der Justiz als reicher Geschäftsmann in Madrid leben

(3) Die Gerleins und Chars gehören seit über 100 Jahren zu den mächtigsten Familien der Karibikküste. Mit dem jüngsten Sohn Alejandro, dem Ex-Bürgermeister der nördlichen Großstadt Barranquilla, streben die Chars an, den nächsten Präsidenten Kolumbiens zu stellen. Ein weiterer Sohn, Arturo, soll Senatspräsident werden. Den Chars gehört in der Region ein Wirtschaftsimperium. Ähnlich ist es bei den Gerleins. Roberto Gerlein war über 40 Jahre lang pausenlos Senator oder Minister. Sein Bruder Julio und dessen Kinder leiten das Bauunternehmen Valorcon, ein wichtiger Auftragnehmer staatlicher Bauaufträge.

(4) Die nach Venezuela geflüchtete kolumbianische Ex-Senatorin Aída Merlano hat Details eines Korruptionsgeflechts enthüllt, das Präsident Iván Duque und seinem Amtsvorgänger Juan Manuel Santos (2010-2018) zum Wahlsieg verholfen hat

 

Kommuniqué der FARC-EP im Original

 

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Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee

Demütigender Schlag gegen die kolumbianische Armee, als eine Front der FARC-EP-Front 20 professionelle Soldaten in den Bergen Caucas entwaffnete.

Wenig beachtet von den Medien, denn Schläge gegen die Armee passen nicht in das Bild der heldenhaften kolumbianischen Sicherheitskräfte, ereignete sich eine Operation in den Bergen Valle del Caucas, bei dem Kämpfer der Kompanie der FARC-EP Adán Izquierdo in Moralia, Gemeinde Tuluá, rund 20 Berufssoldaten festsetzten, die zu einer sogenannten humanitären Minenräumbrigade gehörten. Die Soldaten wurden von den Guerilleros entwaffnet, ihre Gewehre eingezogen und sie dann anschließend nach einer Belehrung freigelassen.

In zwei Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, spricht der Kommandant der FARC-EP und sagt, dass die Guerilla das Leben der Soldaten respektieren wird, während diese auf dem Boden eines Lagers liegen. Der Kommandant fügte hinzu, dass es eine Lüge ist, dass es in diesem Gebiet Antipersonenminen gibt. „Hier sind 17 Kämpfer. Sie sind alle Berufssoldaten verschiedener Bataillone. Sie dienen der humanitären Minenräumung in der Gegend, in der wir nie zum Minenlegen gekommen sind. Und die Zivilbevölkerung weiß, dass hier nicht gemint wurde.“

„Wir haben gelernt, dass es sich oft um falsche Positive handelt [falsos positivos sind gefälschte positive Ergebnisse der Armee, bis hin zu angeblichen im Kampf getötete Guerilleros, die jedoch in Wahrheit einfache Zivilisten sind]. Sie legen Minen und machen das ganze Schauspiel, um den Bericht zu geben, dass ja `ein Minenfeld´ gibt, nur damit sie ihren Job nicht wegnehmen. Wir verstehen die Situation eines jeden von euch. Einige tun es nicht, sie legen keine Minen und sie melden keine Minen. Aber die meisten tun es.“

„Dies ist ein landesweites Programm und sie lassen sie hier, damit die FARC sie töten kann, das war’s. Weil eure Chefs und Kommandeure sich nicht um euch kümmern. Wir haben einige von euch getötet und wisst ihr, was sie tun? Sie gehen in eine andere Stadt und rekrutieren die armen Leute, was das Traurigste ist. Wir werden das Leben respektieren, solange sie mit uns bei der Information zusammenarbeiten und uns alles Administrative geben, was sie haben. Wir sind die Kompanie [Compañía] Adán Izquierdo der FARC-EP.“

Der Vorfall wurde von der Armee heruntergespielt, zum Beispiel, dass es sich um eine Gruppe unbewaffneter Soldaten gehandelt habe. Aber dies ist eine Lüge, denn in einer Region, wo die FARC-EP präsent ist und in einem Bürgerkriegsland gibt es kein unbewaffnetes Militär. Stattdessen ist das Militär derzeit präsent, weil es die Bevölkerung nicht vor den Massakern schützt, paramilitärische Gruppen freien Lauf lässt und Zivilisten ermordet, wie zuletzt eine Frau im Cauca.

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