Gustavo Petro bei Sicherheitskonferenz

Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz, die in der süddeutschen Stadt mit der Teilnahme von fast 50 Staats- und Regierungschefs begann, hielt der kolumbianische Präsident Gustavo Petro seine Rede, in der er das Problem des Krieges ansprach, welches überall in der Welt fortbesteht, während Kolumbien versucht, den Dialog und die Friedensbildung zu fördern. Immerhin kommt Petro mit Erfahrung, in seinem Land versucht er mit der Guerilla und ihren verschiedenen Organisationen einen Friedensdialog. Darunter befinden sich die beiden verfeindeten Organisationen der FARC-EP.

„In einer Welt, die über Krieg spricht, spricht Kolumbien über Frieden“, sagte Petro, der die Eröffnungsdebatte der Veranstaltung in Anwesenheit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres und anderer Regierungschefs eröffnete. „Wenn Sie wissen wollen, was ich darüber denke, wie man sich versöhnen kann und wie man diese Idee sogar auf globaler Ebene umsetzen kann, dann muss ich sagen, dass wir soziale Gerechtigkeit schaffen müssen“, sagte Petro.

Der kolumbianische Regierungschef erklärte, dass sich Kolumbien seit 75 Jahren in einem bewaffneten Konflikt befinde: „Es gibt keine Nation auf der Welt, die sich selbst erhalten und aufbauen kann, indem sie sich 75 Jahre lang selbst tötet“, fügte er hinzu und sagte, dass die Gründe dafür darin lägen, dass es eines der sozial ungleichsten Länder der Welt sei und ein „schändliches Regime“ geerbt habe und „antidemokratische Strukturen in der Wirtschaft, in der Mentalität und in der Gesellschaft“ hinterlassen habe.

Gustavo Petro, der selbst Mitglied der Guerilla M-19 war und daher bestens mit dem bewaffneten Konflikt und seinen Folgen vertraut ist, versucht seit seiner Amtszeit den totalen Frieden in Kolumbien zu vollziehen. „Wenn Sie wissen wollen, was ich darüber denke, wie wir uns versöhnen können und wie wir diese Idee sogar auf eine globale Ebene projizieren können, dann muss ich sagen, dass wir soziale Gerechtigkeit schaffen müssen“, betonte Petro.

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Regierung beginnt Friedensprozess mit Zweites Marquetalia

Es war ein Paukenschlag an diesem Freitag, als sowohl die kolumbianische Regierung als auch die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez Friedensgespräche verkünden. Sie sind sich einig „über die Notwendigkeit, einen geordneten, zügigen, rigorosen und respektvollen Friedensprozess zu führen, der der kolumbianischen Gesellschaft Frieden und Sicherheit gibt“, so das gemeinsame Kommuniqué. Damit versucht Präsident Gustavo Petro seine umfassenden Friedensbemühungen zu vertiefen, in dem er die andere Organisation der FARC-EP an den Verhandlungstisch holt. Seit dem letzten Jahr gibt es bereits Friedensgespräche mit dem Zentralen Generalstab der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco. Beide Seiten stehen verfeindet gegenüber und sehen sich je in der Tradition der alten FARC-EP, die 2016 in einem Friedensprozess die Waffen niederlegte.

In einem gemeinsamen Kommuniqué, das vom Hohen Kommissar für den Frieden, Otty Patiño, und Iván Márquez selbst unterzeichnet wurde, kündigten die beiden Parteien die formelle Einleitung eines Prozesses sozio-politischer Dialoge an, „um unverzüglich Vorabvereinbarungen zur Deeskalation des Konflikts und zur Durchführung von Transformationen für den sozialen und ökologischen Aufbau des Territoriums, die Festlegung der Agenda und der Verhandlungsprotokolle zu entwickeln.“ Sie bitten auch Kuba, Norwegen und Venezuela – die als Vermittler an den Dialogen der Regierung mit anderen bewaffneten Gruppen teilgenommen haben – um „ihre guten Dienste für die Entwicklung dieses Prozesses“, sowie um die Begleitung durch Carlos Ruiz Massieu, den Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs in Kolumbien sowie der katholischen Kirche.

Sie verpflichten sich „alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um das Leben der Kolumbianer zu würdigen und zur Lösung der Probleme beizutragen, die die Bedingungen der menschlichen Existenz betreffen.“ Gleichzeitig stellen sie fest, dass „das Leben und die Sicherheit“ aller Akteure, die sich für den Friedensprozess engagieren, „ohne Nichteinhaltung oder Einschüchterung“ garantiert werden müssen, um „das notwendige Vertrauen zu schaffen und die gegenteiligen und wiederkehrenden Praktiken derjenigen, die den kolumbianischen Staat regiert haben, zu überwinden.“ Bemerkenswert: Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bekräftigt sofort ihre Verpflichtung, keine Verhaftungen aufgrund finanzieller Interessen durchzuführen. Diese Entscheidung schließt sich anderen an, die von der Guerillagruppe ELN und der anderen FARC-EP bereits getroffen wurden.

Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, ist eine politisch-militärische Organisation, die in mindestens fünf Regionen Kolumbiens präsent ist. Sie veröffentlichte ihr Gründungsmanifest am 29. August 2019, als Iván Márquez, Jesús Santrich, Romaña, El Paisa und andere bekannte ehemalige Guerillakommandeure ankündigten, dass sie trotz der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der Regierung zu den Waffen zurückkehren würden. Der Wiederbewaffnung dieser Gruppe ehemaliger Guerillakommandanten ging der Versuch voraus, eine einheitliche Organisation zu schaffen, der auch diejenigen angehören sollten, die das endgültige Abkommen nicht unterzeichnet hatten, darunter Iván Mordisco und Gentil Duarte. Doch außer Annährungen kam hier kein Bündnis zustande, man ging im Bruderkrieg auseinander. Heute stehen sich beide Akteure feindlich gegenüber, mit gegenseitigen Anschuldigungen.

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Bruderkonflikt der FARC-EP im Süden

Unsicherheit prägt derzeit die Mobilität der lokalen Bevölkerung in den Provinzen Caquetá und Putumayo im Süden Kolumbiens. Denn obwohl die FARC-EP, Zentraler Generalstab, mit ihrer Front Carolina Ramírez einen bewaffneten Streik mittels eines Kommuniqués an die Öffentlichkeit negierte, gibt es Angst aufgrund der Auseinandersetzungen und Gerüchte um den Konflikt zwischen den beiden verfeindeten Guerilla-Strukturen der FARC-EP. Die Konflikte gibt es seit einigen Jahren, sind jetzt aber erneut aufgeflammt.

Zum einen handelt es sich um die Front Carolina Ramírez, eine Front, die dem Zentralen Generalstab unter Iván Mordisco zugehörig ist. Sie ist dem sogenannten Südostblock zugeordnet, der noch die Mutterfront Iván Ríos in Guaviare, Vichada, Vaupés, Guainía und Amazonas besitzt. Dabei agiert die Front Carolina Ramírez zwischen Caquetá und Putumayo vor allem rund um den Fluss Caquetá. Ihren Ursprung hat sie in der 1. und 7. Front und sich später in zwei unterschiedliche Blöcke aufgespalten (Südostblock und Ostblock).

Zum anderen gibt es die sogenannten Bolivarischen Grenzkommandos, die sich der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter Iván Márquez angeschlossen haben. Bei dieser Struktur haben sich ehemalige Guerilleros und Paramilitärs zusammengeschlossen. Ihren Ursprung haben sie in der Provinz Putumayo im Grenzgebiet zu Ecuador. Doch in den letzten Jahren gab es einen stetigen Versuch des Vordringens hinein in die nördlich gelegene Provinz Caquetá.

Die Grenzkommandos mit ihrem Kommandanten Araña wurden den Ufern des Flusses San Miguel in Putumayo gegründet, wo sie ihre bewaffneten Aktionen mit der Übernahme von Gebieten begannen, die historisch zum Südblock der alten FARC-EP gehörten. Sie haben sich jedoch derart ausgebreitet, dass sie nun auch in die Provinz Caquetá und in Gebiete der Provinz Amazonas vorgedrungen sind.

Im Mai 2023 versicherte der Kommandant Araña, dass die Gruppe zum Dialog mit der Regierung im Rahmen der Bemühungen um einen vollständigen Frieden bereit sei. Araña erklärte, man sei bereit, die Gebiete zu begrenzen und Konfrontationen zu vermeiden. So wolle er seine Einheiten von Caquetá nach Putumayo verlegen. Doch zu einem Dialogtisch, wie mit dem Zentralen Generalstab, ist es zwischen dieser Guerilla und der Regierung bisher nicht gekommen. So verging die Zeit weiter, ohne dass Fortschritte oder einen Rückzug gab.

Dieser nicht vollzogene Rückzug in die Provinz Putumayo sorgt nun für den seit Wochen aufflammenden Konflikt in dieser Region. So verstärkte die Front Carolina Ramírez ihre Aktivitäten, muss jedoch diplomatisch vorgehen, immerhin befindet sich der Zentrale Generalstab in Friedensgesprächen. So sind die Gemeinden vor allem im Süden von Caquetá derzeit in einer angespannten Lage in diesem Bruderkonflikt der Guerilla.

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Zweites Marquetalia zollt Piedad Córdoba Dank

In einem Kommuniqué bedankt sich die FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung des Kommandierenden Iván Márquez bei der verstorbenen Senatorin und Friedenskämpferin Piedad Córdoba, die vor zwei Wochen in der Millionenstadt Medellín verstarb und bedauert ihren Tod zutiefst. Es ist nur logisch, dass jene Organisation der FARC-EP unter Iván Márquez den Dank zollt, denn immerhin bestanden sowohl unter der alten FARC-EP mit dem Kommandierenden Márquez und Cordoba, als auch zwischen Márquez und Venezuela – bis heute – starke Beziehungen. Mit Piedad Cordoba verlässt eine aufrichtige Friedenskämpferin die Erde gen Himmel. Aufgrund ihres Einsatzes und ihrer Kontakte zur Guerilla sah sie sich permanent den Angriffen von Rechts und Justiz ausgesetzt. Wir dokumentieren ausschnittsweise aus dem Kommuniqué der FARC-EP, Zweites Marquetalia, vom 20. Januar.

„Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, bedauert zutiefst den Tod von Senatorin Piedad Córdoba in der Stadt Medellín.

Wir zollen Piedad unsere aufrichtige Ehrerbietung, einer Frau, die konsequent für den Frieden in Kolumbien gekämpft hat, für die Befreiung der militärischen und polizeilichen Kriegsgefangenen der FARC-EP und auch der politischen Gefangenen in den Bergen, eine humanitäre Arbeit, bei der sie die außerordentliche und entscheidende Unterstützung von Hugo Rafael Chávez Frías, dem charismatischen Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, erhielt.

Als Kongressabgeordnete hatte Piedad immer ein offenes Ohr für die Armen in Kolumbien und stärkte die Stimme der sozialen Organisationen, die für ihre Rechte kämpften.

Ihr und dem bolivarischen Kommandeur ist es zu verdanken, dass 305 Soldaten und Polizisten, die in den Dschungeln der Aufständischen gefangen gehalten wurden, sowie einige führende Politiker wohlbehalten in die Freiheit zurückkehrten.

Das Land erinnert sich an den Kontrast zwischen dieser großmütigen Haltung und der niederträchtigen Geste des damaligen Präsidenten Andres Pastrana, der nur 14 in staatlichen Gefängnissen inhaftierte Guerilleros freiließ.

Wir werden uns an Piedad Córdoba als eine Frau erinnern, die sich unermüdlich für die Sache der Armen einsetzte, den Frieden aushandelte und den Austausch von Kriegsgefangenen zwischen den Parteien erreichte.“

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Konflikt zwischen Fronten in Valle del Cauca

Das Beispiel der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordsico, auch Zentraler Generalstab genannt, zeigt wie schwierig teilweise die interne Kontrolle über Einheiten der FARC-EP ist. So kam es in den zurückliegenden beiden Monaten zu Auseinandersetzungen zwischen der neugegründeten 57. Front Yair Bermúdez und der Front Adán Izquierdo, ebenso dem Zentralen Generalstab der FARC-EP zugehörig. Hierbei ging es vor allem um die territoriale Kontrolle bestimmter Gebiete sowie das Auftreten der Guerilleros. Zuletzt musste sogar die Mobile Kolonne Jacobo Arenas die Front Adán Izquierdo zur Raison bringen und Partei für die neugegründete Front ergreifen.

In einem Kommuniqué vom 19. November des letzten Jahres tritt erstmal medial die neue 57. Front in Erscheinung. Sie operiert in einem Gebiet nördlich der Millionenstadt Cali im ländlichen und bergigen Raum in der Provinz Valle del Cauca. In der Nähe ist der südliche Teil der Provinz Chocó. Auch die Kaffeezone ist nicht weit entfernt. Bisher gab es dort keine klaren Strukturen der FARC-EP, immer wieder mal war es Einflussgebiet der Adán Izquierdo, jedoch nicht das Hauptoperationsgebiet. So stieß die Front in ein Gebiet vor, wo sie sich neu aufbauen musste, aber auf alte Strukturen vor Ort zurückgreifen konnte. Sie sollte dem politisch-militärischen Block Magdalena Medio Kommandant Gentil Duarte zugeordnet werden, welcher mit seinen zahlreichen Strukturen in Zentralkolumbien agiert.

Die Front Adán Izquierdo erschien zuerst Anfang des Jahres 2020 im Norden der Provinz Valle del Cauca und hier besonders in den Gemeinden Tuluá, Buga und Sevilla. Sie war dem Westblock der FARC-EP untergeordnet. Der Konflikt dieser beiden Strukturen betrifft also eine Region, in der sich beide Fronten verorten, jedoch unterschiedliche weisungsberechtigte Blöcke haben und zudem anders politisch-militärisch auftreten. Die 57. Front wird von Oscar García und Ángela Izquierdo angeführt. Ángela Izquierdo ist einer der Sprecherinnen der Guerilla während der Friedensgespräche zwischen FARC-EP und kolumbianischer Regierung.

Erstaunlich ist es jedoch, dass die 57. Front nicht mehr dem Westblock angegliedert wird, sondern dem Block Magdalena Medio Kommandant Gentil Duarte, der sein Operationsgebiet weiter im Nordosten hat. Ob der generell schon starke Westblock damit eine Front abgibt, um den anderen Block poltisch-militärisch besserzustellen und damit ein noch größeres Ungleichgewicht der Blöcke zu verhindern, ist etwas Spekulation. Fakt aber ist, dass es innerhalb der Front Adán Izquierdo, die richtigerweise eine Kompanie ist, Probleme mit Disziplin und dem Auftreten gegenüber der Zivilbevölkerung gab.

So musste die Mobile Kolonne Jacobo Arenas mehrmals mittels Kommuniqués Partei für die neue Front ergreifen und der neugegründeten 57. Front auch militärisch Beistand leisten. Zudem wird an die revolutionäre Verantwortung appelliert. Es ist von Diebstahl die Rede und von Grenzüberschreitung der Kommandierenden bei der Eintreibung von Geldern. In den alten Zeiten der FARC-EP wurden solche Vergehen hart sanktioniert. Auch aktuell ist es interessant, dass ein interner Konflikt bis an die Öffentlichkeit gerät. Sichtbar ist allerdings, dass es für eine große politisch-militärische Organisation oftmals nicht einfach ist, in ihren Strukturen für Ordnung zu sorgen und zudem noch strukturelle Änderungen vorzunehmen, die Interessensgebiete von unterschiedlichen Fronten in einem Territorium betreffen.

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Einschüchterung der Polizei war Fehler

Die aufständische Bewegung FARC-EP, Zentraler Generalstab, hat am Wochenende auf X (ehemals Twitter) den Besuch von zahlreichen bewaffneten Guerilleros in der Polizeistation von Cumbitara (Provinz Nariño) und die Einschüchterung der Polizei durch Mitglieder als einen „Fehler“ angesehen. Dabei sollen die Guerilleros der Front Franco Benavides der Polizei mitgeteilt haben, dass sie hier die lokale Kontrolle haben und durch den Ort patrouilliert sein. Dies wurde anschließend vom kolumbianischen Verteidigungsminister und auch der kolumbianischen Massenmedien kritisiert. Dabei ist dies nichts Außergewöhnliches, denn in den ländlichen Regionen ist die Guerilla im Alltagsleben präsent.

„Wir sind selbstkritisch und berichten, dass in den vergangenen Tagen einige unserer Guerilla-Einheiten, die seit mehreren Monaten mit den Paramilitärs in dieser Region kämpfen, aufgrund von taktischen Mobilitätsfehlern in die Gemeindehauptstadt von Cumbitara eingedrungen sind (…) Wir erkennen an, dass dies ein Verstoß gegen die Protokolle des Abkommens war, aber wir betonen auch, dass es dank unseres Engagements für den Frieden in Kolumbien offensichtlich war, dass sie zu keinem Zeitpunkt physisch oder verbal angreifen wollten“, heißt es in der Erklärung auf X.

In einem Kommuniqué vom 26. Januar berichtet die FARC-EP zudem von zahlreichen Verstößen des Militärs gegen das Waffenstillstandsabkommen. Hierbei geht es um Vorfälle in den Provinzen Arauca, Bolívar, Cauca, Nariño und Valle del Cauca. In diesem Kontext prangern sie angebliche Allianzen zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der anderen Organisation der FARC-EP, dem Zweiten Marquetalia, an. Zuletzt gab es wieder Auseinandersetzungen um territoriale Kontrolle. Außerdem fordern sie in dem Kommuniqué auch die Freilassung gefangener Guerilleros und Zivilisten.

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Propagandaaktionen und Besorgnis

In der zurückliegenden Zeit sind Transparente der FARC-EP in der Gemeinde Silvania in der Provinz Cundinamarca in Zentralkolumbien aufgetaucht. Die Transparente gehören zu einer Front Jhon Linares des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño, die unter dem Kommando von Iván Mordisco steht. Bisher ist diese Front noch nicht in Erscheinung getreten. Interessant ist der Aspekt, dass diese Region, die Hochebene des Sumapaz, in den Zeiten der „alten“ FARC-EP zwar immer auch Einflussgebiet der Guerilla war, seit 2002 aber kaum noch Kontrolle ausgeübt wurde. Nun scheint sich die Guerilla hier wieder festigen zu wollen.  Die Region des Sumapaz liegt nur 44 km von der Hauptstadt Bogotá entfernt.

Ebenso für Aufsehen sorgten andere Propagandaaktionen der Guerilla in dieser Woche. So haben Mitglieder der Front Darío Gutiérrez des Ostblocks Kommandant Jorge Briceño in der Provinz Huila Schulmaterial an Kinder verteilt. Bei den Schulsachen handelt es sich um Schuhe, Schuluniformen, Schachteln mit Stiften, Schulheften und anderen Gegenständen. Zudem gab es Videos in diesen Tagen von 20 Guerilleros der Front Franco Benavides aus dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas aus der Kleinstadt Cumbitara, Provinz Nariño. Diese patrouillierten dort und sollen die örtliche Polizeistation aufgesucht haben. Alldies verdeutlicht die territorialen Machtansprüche der Guerilla in den ländlichen Regionen, rief aber Besorgnis in den Massenmedien hervor.

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Mord an Friedensunterzeichner und seiner Eskorte

In der Provinz Huila hat sich am Wochenende ein schwerwiegender Vorfall ereignet. So wurde der Friedensunterzeichner und ehemalige FARC-Kämpfer José Enrique Roa Cruz zusammen mit zwei Männern seiner Sicherheitseskorte während eines Treffens in einem Dorf der Gemeinde Pitalito entführt. Später fand man zuerst die Leichen der beiden Leibwächter, dann auch die Leiche des Friedensunterzeichners. Roa war Mitglied der Kommission zur Überwachung, Förderung und Überprüfung der Umsetzung des Friedensabkommens (CSIVI) und war der territoriale Verbindungsmann in der Provinz Huila.

Unklar sind die Hintergründe, warum Jorge Enrique Roa Cruz ermordet wurde. Es gibt Gerüchte, auch von nationalen Institutionen unterstützt, dass er sich als Mitglied der bewaffneten Organisation FARC-EP, Zweites Marquetalia, ausgab. Demzufolge könnte es eine Aktion der konkurrierenden FARC-EP, Zentraler Generalstab sein, die vor allem die Randregionen Huilas zur Provinz Cauca kontrolliert, wo das Treffen stattfand. Sollte wirklich eine Mitgliedschaft im Zweiten Marquetalia geäußert worden sein, wäre die der Grund der Aktion, bei der vermutet wird, dass es durch Personen der Front Ismael Ruiz verübt worden ist.

Tomás Ojeda, Mitglied des Verhandlungstisches der FARC-EP des Zentralen Generalstabs, zu der auch die Front Ismael Ruiz gehört,  sagte: „Wir weisen die Ereignisse, die sich im Dorf Guacacallo, Gemeinde Pitalito, ereignet haben, entschieden zurück, wo sie von Mitgliedern der Bande ‚Márquez‘, einer Hochburg der Zweiten Marquetalia, die noch immer in dieser Provinz operiert, abgefangen wurden. Wir lehnen jede Verbindung unserer Strukturen zu dieser Tat kategorisch ab und fordern Sie als Beweis und Garantie auf, die entsprechenden Überprüfungen bei den zuständigen nationalen und internationalen Stellen vorzunehmen.“

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Fortschritte bei Friedensverhandlungen

Nach einer Woche im dritten Gesprächszyklus der Friedensverhandlungen zwischen der FARC-EP unter Iván Mordisco und als Zentraler Generalstab (Estado Mayor Central – EMC) bekannt sowie der kolumbianischen Regierung haben beide Seiten über Fortschritte berichtet. Die wohl wichtigste Einigung wurde am vergangenen Sonntag bekannt gegeben, als eine sechsmonatige Verlängerung des bilateralen Waffenstillstands verkündet wurde. Das von Präsident Gustavo Petro unterzeichnete Dekret bestätigt die Verlängerung des Waffenstillstands bis zum 15. Juli 2024 und kam einen Tag vor dem Ende des ursprünglich vereinbarten bilateralen Waffenstillstands, der am 16. Oktober in der Kleinstadt Tibú eingerichtet wurde und für drei Monate vereinbart worden war.

Weiterhin werden aktuell auch die Stärkung des Friedensprozesses, die territorialen Veränderungen und die Abschaffung der illegalen wirtschaftlichen Aktivitäten, der Umweltschutz und die Beteiligung der Gesellschaft am Friedensprozess diskutiert. Bei den territorialen Veränderungen geht es um Substitution von illegalen Kulturen, Investitionen in die Infrastruktur und das Erstellen einer Umweltagenda, vorerst vor allem im Amazonasgebiet, wo auch die FARC-EP sehr stark ist. Zudem sollen, wie im Cauca, die Beteiligung indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften sowie die Zivilgesellschaft im Allgemeinen forciert werden.

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Allianz zwischen FARC-EP, Zweites Marquetalia und ELN

In einem Kommuniqué, dass per Video durch die sozialen Netzwerke geht, verkünden die Coordinadora Guerrillera del Pacífico (Guerillakoordination des Pazifiks), eine der wichtigsten Strukturen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez sowie eine Front der ELN eine Allianz. Bei der ELN handelt es sich um die Front „Comunero“. Die Allianz betrifft einige Regionen der südwestlichen Provinz Nariño. Während die FARC-EP, Zweites Marquetalia, in den letzten Jahren in der Provinz Nariño ihre Basis ausbauen konnte, hier vor allem in den Gemeinden Barbacoas und Maguí Payán, so musste die ELN Rückschläge einstecken, was vor allem am Ausbau der Strukturen durch die FARC-EP mit ihrem Westblock Kommandant Jacobo Arenas unter Iván Mordisco, aber auch an dem Vormarsch von paramilitärischen Kräften des Golfclans rund um Tumaco und anderen Gebieten zusammenhängt. Die Allianz ist deshalb als strategische Initiative gegen die paramilitärischen Kräfte und ihrem Vorrücken zu sehen. Ein Taktieren der beiden Guerillaorganisationen ist jedoch nicht neu, bereits zuvor gab es in der nordkolumbianischen Provinz Arauca gute Kontakte und auch die frühere sich 2016 entwaffnete FARC-EP hatte mit der ELN in bestimmten Regionen Abkommen geschlossen, um den revolutionären Bruderkampf zu beenden.

In der Aufnahme, die von Nariño Televisión veröffentlicht wurde, verlesen die Gruppen ein gemeinsames Kommuniqué vom vergangenen Freitag, den 12. Januar, in dem sie erklären, dass sie eine „Vereinbarung der Einheit und Koordination“ in der Provinz getroffen haben, da sie das gleiche Ziel verfolgen. In dem knapp vierminütigen Video ist mindestens ein Dutzend bewaffneter, uniformierter und teils vermummter Personen beider Organisationen zu sehen. „Die beiden politisch-militärischen Guerillakräfte verkünden, dass wir in der Provinz Nariño eine Vereinbarung der Einheit und Koordination getroffen haben, in dem Verständnis, dass beide historischen Wurzeln als Schwesterorganisationen das gleiche Ziel haben, das darauf abzielt, das ernste soziale Problem zu lösen, welches das kolumbianische Volk heimsucht und plagt“, sagte der Sprecher der ELN, der das Kommuniqué verlas. In dem Kommuniqué weisen sie auch darauf hin, dass sie sich „zum Dialog mit der Regierung und mit Gustavo Petros Totalem Frieden“ verpflichten und die Bevölkerung einladen, an den regionalen Friedensdialogen in Nariño teilzunehmen. Während sich die ELN bereits im Friedensprozess mit der Regierung befindet, ist es bei der FARC-EP unter Iván Márquez bisher nur zu Vorgesprächen gekommen.

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Kämpfe in Cauca flammen auf

In den letzten Tagen gab es Berichte über ein Aufflammen des bewaffneten Konfliktes und Kämpfe in der Provinz Cauca. So berichteten bereits vor einigen Tagen indigene Gemeinschaften, die in der Gemeinde Toribío ansässig sind, dass es im Norden der Provinz in einem Gebiet mit dem Namen Loma Linda Kämpfe zwischen der FARC-EP mit der Struktur Dagoberto Ramos und der ELN gab. Hierbei ging es vor allem um ein Eindringen von Kämpfern der ELN in das Territorium der FARC-EP.

Auch in der Gegend von El Plateado, Gemeinde Argelia, kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen den zwei Fraktionen der FARC-EP. So sollen Kämpfer der FARC-EP, Zweites Marquetalia, in die von der FARC-EP unter dem Zentralen Generalstab dominierten Region eingedrungen sein. Seit einigen Jahren manifestiert hier die Front Carlos Patiño aus dem Westblock der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco ihre politisch-militärische Macht.

Dazu kam vor zwei Tagen das Einrücken von staatlichen Sicherheitskräften in das Gebiet, welche sofort von der FARC-EP angegriffen wurden. Mittels von Eliteeinheiten soll immer wieder versucht werden, dass Gebiet unter Kontrolle der Armee zu bringen. Der Waffenstillstand wird von anderen bewaffneten Akteuren wie der ELN oder FARC-EP, Zweites Marquetalia, genutzt, um Gebiete streitig zu machen.

Unterdessen gab es am Freitag ein erstes Treffen zwischen dem kolumbianischen Präsident Petro mit der Verhandlungsdelegation der FARC-EP, Zentraler Generalstab. Mit dabei waren auch der Innen- und der Justizminister. Das Treffen fand im Rahmen des dritten Verhandlungszyklus der Friedensgespräche zwischen Guerilla und Regierung in Bogotá statt, wo bis zum 20. Januar unter anderem über eine Verlängerung des Waffenstillstandes und weitere Punkte debattiert wird.

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Neuer Gesprächszyklus zwischen FARC-EP und Regierung

Der Waffenstillstand zwischen der Regierung und der aufständischen Bewegung FARC-EP, Zentraler Generalsstab, läuft offiziell bis zum 15. Januar, so dass eine der Aufgaben im neuen und dritten Gesprächszyklus der Friedensverhandlungen darin bestehen wird, ihn zu verlängern. Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass die Kampfhandlungen erheblich zurückgegangen sind. Unter anderem sind jetzt auch die Gefangennahmen zu wirtschaftlichen Zwecken aufgehoben.

Der Waffenstillstand begann am 15. Oktober und wurde bis zum 15. Januar vereinbart, so dass seine Verlängerung am Verhandlungstisch diskutiert werden wird. Der dritte Zyklus der Friedensgespräche begann am gestrigen Dienstag und wird aller Voraussicht am 20. Januar enden. Zum ersten Mal finden die Gespräche in der Hauptstadt Bogotá statt. Neuer Delegationsleiter ist alias Leopoldo Durán, der Andrey Avendaño ersetzt.

Bei dem Treffen, das erneut hinter verschlossenen Türen stattfinden wird, soll auch die Umwandlung der von der illegalen Wirtschaft abhängigen Gebiete zur Sprache kommen, wie es zum Beispiel in Micay in Cauca geschieht. Auch Umweltfragen werden thematisiert. Zudem werden die Auswertung und Einhaltung des bilateralen Waffenstillstands und der unterzeichneten Abkommen im Hinblick auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu bewerten sein.

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