Wiedereingliederung und Morde

Die nationale Regierung wird die monatliche Einnahme, die die ehemaligen Kämpfer*innen der FARC erhalten, um bis zu acht Jahre verlängern. Diese Entscheidung ist Teil eines Maßnahmenpakets zur Stärkung des Wiedereingliederungsprozesses derjenigen, die ihre Waffen niedergelegt haben und die dringend auf weitere ökonomische Unterstützung angewiesen sind. Immerhin sind ein Teil der produktiven Projekte der FARC immer noch nicht juristisch anerkannt oder von der Regierung unterstützt und fehlen so die Einnahmen für eine sozioökonomische Absicherung.

Die Zahlung des monatlichen Lohns beträgt nur 90% des kolumbianischen Mindestlohns und wäre demnächst ausgelaufen. Es wird aber nur für diejenigen bereitgestellt, solange sie Nachweise für ihr Engagement für den Friedensprozess unter Beweis stellen und mit produktiven Projekten verbunden sind. Ein Großteil der produktiven Projekte ist in der Assoziation ECOMUN von der FARC vereinigt, ein Zusammenschluss von verschiedenen Kooperativen.

Eine weitere Entscheidung vollzog die Regierung unter Duque bezüglich der sogenannten Territorialen Ausbildungs- und Wiedereingliederungsräume (ETCR), in denen immer noch viele ehemalige Kämpfer*innen und Familien leben. Sie sollen demnächst in normale Dörfer umgewandelt und der jeweiligen nächstliegenden Gemeinde zugeordnet werden. Damit sollen sie längerfristig gesichert werden und nicht nur als temporäre Orte gelten.

Erfolge im Rahmen der Wiedereingliederung gab es für die ehemalige Guerilla und einiger ihrer produktiven Projekte auch auf der Agroexpo in Bogotá, der Agrarmesse. Mit einem eigenen Stand vertreten konnten verschiedene Projekte und Kooperativen ihre Produkte ausstellen. Die Gruppe von Männern und Frauen der FARC präsentierten Kunsthandwerk, Projekte im Ökotourismus sowie von ihnen gefertigte Kleidung oder Kaffee und Bier. Viele Kontakte konnten dort geknüpft werden. Noch immer braucht es auch von den Märkten Unterstützung für die Kommerzialisierung.

Doch mit einem Blick auf die aktuelle Situation in Kolumbien zeigt sich auch die dunkle Seite. So wurden am vergangenen 20. Juli drei soziale Anführer in verschiedenen Regionen des Landes ermordet: Yamile Guerra in Floridablanca, Provinz Santander, Arbey Ramón in Montañita, Provinz Caquetá und Humberto Días in Gigante, Provinz Huila. Diese Tatsachen ereigneten sich just, als das neue politische Programm von Duque in einem Parlamentsdiskurs vorgestellt wurde, Oppositionsabgeordnete zum Protestmarsch für die sozialen Aktivisten einluden und Duque kund tat, dass während seiner Regierung die Mordrate gegen jene Menschen gesunken war.

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