Am 29. April des Jahres 2000 gaben die FARC-EP die Gründung einer neuen politischen Organisation mit dem Namen „Movimiento Bolivariano por la Nueva Colombia“ (kurz: MB) bekannt. Damit reagierten sie auf ihr Problem, keinen politischen Arm mehr nach außen zu haben. Die auf Deutsch heißende „Bolivarische Bewegung für das Neue Kolumbien“ sollte eine klandestine, aber in allen Bevölkerungsschichten – vor allem in der jungen Generation – breit aufgestellte Plattform aus vielen Zellen sein. Sie sollte die Politik der aufständischen Bewegung in der Bevölkerung verankern. Über viele Jahre bestimmte sie in weiten Kreisen die politische Diskussion der Guerilla in Schulen, Universitäten, Fabriken und auf der Straße.
Anbei dokumentieren wir eine Erklärung der FARC-EP, Zweites Marquetalia, zum Gründungstag der Bolivarischen Bewegung für das Neue Kolumbien mit dem Aufruf, diese weiter aufzubauen. Zudem gibt es einen Weblink zur Online-Ausgabe der „Nueva Colombia“ (Neues Kolumbien), der Zeitschrift der Bewegung.
Erklärung:
21 Jahre Bolivarische Bewegung für das Neue Kolumbien
Am 29. April 2000 kündigte Kommandant Alfonso Cano in Begleitung von Manuel Marulanda Vélez und seinem Generalstab auf dem Podium von San Vicente del Caguán, mit dem wiedergeborenen Befreier im Gelb, Blau und Rot der Heimat im Hintergrund, die Entstehung der Bolivarischen Bewegung für ein Neues Kolumbien an, ein Raum der nationalen Unzufriedenheit, ein Treffen unserer Träume von einer neuen Heimat und der Einheit und des Kampfes für eine alternative Regierung, die unsere Zukunft mit Menschlichkeit erfüllt.
21 Jahre später geht der Kampf weiter, denn nichts hat sich zugunsten der verarmten und schlecht behandelten Mehrheiten geändert. Es gibt keine wahre Demokratie, die Menschen haben weder eine Stimme noch ein Votum, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen und sozialen Strategien zu definieren, die sich auf ihre Zukunft auswirken werden. Das Wahlsystem ist unzuverlässig, toleriert Betrug durch politische Haie und bestraft den Kauf von Stimmen und Gewissen nicht. Der Nationale Wahlrat (CNE) ist keine unparteiische Institution, es ist ein untergeordnetes Organ der Regierungspartei. Es ist eine Schande, dass Iván Duque die erste Amtszeit erreicht hat, die mit Geldern aus dem Drogenhandel finanziert und dass sein Mandat weder sanktioniert noch widerrufen wurde. Auf jeden Fall wurde die ñeñe-Politik zu den Altären der Straflosigkeit erhoben und wurde zu einer unaussprechlichen Angelegenheit für die Staatsanwaltschaft. Wir Kolumbianer leben den Albtraum des von Álvaro Uribe Vélez gegründeten Narco-Staates.
Der Kampf geht weiter, weil diese träge Oligarchie, die das Leid der Untergebenen nicht spürt, weiterhin an der Macht ist und den Armen immer mehr Steuern und den großen Reichen immer mehr Befreiungen auferlegt. Warum wird jedes Mal, wenn der Mindestlohn für Arbeiter ausgehandelt wird, diese Oligarchie, die mit der Mafia zusammen regiert, mit der Gier und dem Geiz der Geschäftsleute in Einklang gebracht? Machen wir uns nichts mehr vor. Die kolumbianische Regierung ist eine Regierung der Oligarchie und für die Oligarchie. Es ist nicht die Regierung aller Kolumbianer, nein. Angesichts der Angst der Menschen ist sie taub und hat keine Ohren, aber sie befriedigt schnell die maßlose Gier des Unternehmertums. Nur das Gesetz des Trichters erfüllt ihre Gier. Diese Regierung ist die Pandemie, die die Armen tötet und die mittleren Schichten der Gesellschaft tödlich verletzt. Sie machten Gesundheit, Bildung zu einem privaten, kapitalistischen Geschäft und nicht zu einer Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern. Das Recht auf Land, Wohnen, Beschäftigung, Kleidung, Trinkwasser, Markt, gute Straßen und Vernetzung ist für die Demütigen zunehmend unerreichbar. Wir müssen ihnen nicht nur Steuern für die Nutzung der Straßen zahlen, sondern auch, wenn wir sie für Reisen in den Städten bezahlen sollen. Selbst die öffentliche Gewalt, die von ihrem Gründer, dem Befreier Simón Bolívar, mit dem Ziel, Unabhängigkeit und soziale Garantien zu verteidigen, eingesetzt wurde, soll heute als Privatarmee der Oligarchie zur Verteidigung ihrer wirtschaftlichen Interessen und ihrer Machtbeständigkeit eingesetzt werden. Wir müssen diese krankhafte Situation ändern.
Wie der Führer der großen Masse, Jorge Eliécer Gaitán, sagte, versuchen die plutokratischen Oligarchien des Landes nur, die Interessen der Wenigen über das Leben der meisten zu stellen. Ihre Politik ist nutzlos, weil sie sich nicht auf die Würde des menschlichen Lebens konzentriert. Und das ist es und in dieser Ungerechtigkeit sind sie seit mehr als zwei Jahrhunderten, obwohl wir das populäre Sprichwort wiederholen: „Es gibt nichts Schlechtes, was hundert Jahre anhält und auch keinen Körper, der es aushält.“ Schluss damit. Wir werden nicht auf Dauer ein Land der Ausgestoßenen sein, die sich den Verbrechen der Oligarchie beugen und unterwerfen. Das kolumbianische Volk sollte nicht länger der Spielplatz der Tyrannei des Kapitals sein. Es ist an der Zeit, den Menschen zuzuhören und dem Willen des Volkes zu gehorchen.
Wir fordern die klandestinen Mitglieder der Bolivarischen Bewegung für ein Neues Kolumbien auf, die im April 2000 von Alfonso Cano gegründet wurde, ihre Bemühungen um die Sensibilisierung für die Einheit der Bevölkerung und den Kampf für eine neue Regierung zu verdoppeln. Eine neue demokratische Koalitionsregierung, hervorgehend aus einem politischen Abkommen oder Pakt, dass die Rechte des Volkes vollständig wiederherstellt, beginnend mit dem wichtigsten von allen: dem stabilen und dauerhaften Frieden. Eine Regierung, die die historischen Schulden mit dem kolumbianischen Land bezahlt und nicht mehr bei Agrarreform und der Landbetitelung der Bauern trickst. Eine Regierung, die immer die Würde des Lebens aller Kolumbianer und nicht nur einer Handvoll selbstsüchtiger Oligarchen anstrebt, die kein bisschen Menschlichkeit oder Liebe für das einfache Volk Kolumbiens empfunden haben, das sie verachten. Eine neue Regierung, die eine freie Einschreibung für Studenten und eine kostenlose und qualitativ hochwertige Bildung auf allen Ebenen garantiert, die in den ersten 100 Tagen ihres Verwaltens einen Sozialplan gegen die Armut umsetzt und ein Grundeinkommen formalisiert, das den Vergessenen des Heimatlandes die Hand gibt.
Es ist jetzt oder nie. Lasst uns gemeinsam für ein Neues Kolumbien arbeiten, aus den sozialen und politischen Bewegungen heraus, aus den Parteien, aus den Kasernen oder wo immer wir sind. Das Ziel ist die Mobilisierung und der Kampf und die Unterstützung der demokratischen Koalition für eine neue Regierung, die eine lange Ära von Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und Souveränität einleitet.
Es lebe der 29. April!
Viva el Movimiento Bolivariano por la Nueva Colombia!
Es lebe die Bolivarische Bewegung für das Neue Kolumbien!
FARC-EP
Zweites Marquetalia
- April 2021
Die FARC-EP, Zweites Marquetalia, hat nun das Projekt der Zeitschrift Resistencia wiederbelebt. Wenn auch nur in digitaler Form und von den Fronten im nördlichen wiederbelebten Block „Martín Caballero“, die maßgeblich vom politischen Kommandierenden Jesús Santrich geprägt sind. Die Zeitschrift Resistencia hat eine lange Tradition in der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der aufständischen Bewegung. Neben der nationalen Ausgabe gab es über viele Jahre auch eine internationale Ausgabe sowie das Projekt in den 2000er Jahren, einer deutschsprachigen Ausgabe.
Neben den militärischen Schlägen verstärken die staatlichen Sicherheitskräfte auch durch Festnahmen und andere Operationen ihren Kampf gegen die FARC-EP. So gab es in einer kontrollierten Operation „Apolo“ in der letzten Woche mehrere Festnahmen von Mitgliedern der mobilen Kolonne Dagoberto Ramos. Die Operationen wurden teilweise zeitgleich durch Armee und Polizei an verschiedenen Orten durchgeführt.
Bei schweren Kämpfen im Cauca sind nach Armee- und Medienberichten bis zu 14 Guerilleros der FARC-EP getötet worden. Die Kämpfe fanden inmitten einer Militäroperation in der Gemeinde Argelia im Südwesten Kolumbiens in der Provinz Cauca statt. Im Fokus der Militäroperation ist dabei die Front Carlos Patiño der FARC-EP, die im Comando Coordinador de Occidente (Westliches Koordinationskommando) zusammengefasst sind. Diese sind mit den Strukturen im Osten unter Gentil Duarte und der 1. und 7. Front verbündet.
In einem mittlerweile gelöschten Video bei Youtube fordern die ranghohen Guerillakommandierenden Nicolás Rodríguez Bautista (ELN) und Jesús Santrich (FARC-EP, Zweites Marquetalia) die Einheit. Konkret fordern sie, die „Feindseligkeiten und umstandsbedingten Unterschiede“ zu beenden und sich für die Einheit der Revolutionäre einzusetzen. Zu finden ist der Aufruf auf einem der wenigen Kanäle, die derzeit für die Guerilla für kommunikative Zwecke erreichbar sind, nämlich Telegram (A Contracorriente PCCC). Auf diese Kanäle wollen wir auch hinweisen, da sich die kommunikativen Probleme mit Sperrungen von Konten und Beiträgen der aufständischen Bewegung seit geraumer Zeit hinziehen.
Die unter dem Namen Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común (FARC) gegründete und nun umbenannte politische Partei Comunes befindet sich weiter in einer schweren Krise. Davon zeugt der Austritt und die Äußerungen von Ramiro Durán, politischer Leiter der Partei in der Provinz Huila. Damit verschärft sich die Krise der Partei und immer mehr ehemalige Guerillakämpfer verlassen diese, weil sie mit der Führung und der politischen Ausrichtung nicht einverstanden sind. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die politische Partei eines der wesentlichen Säulen im Rahmen des Friedensprozesses war. Nun sind nur noch wenige ehemalige Guerilleros in der Partei, die eigentlich ihre Interessen vertreten und den politischen Kampf ohne Waffen fortsetzen wollte. Die Mehrheit hat der Partei Comunes mittlerweile den Rücken gekehrt.
An diesem Mittwoch bildete die Partei Comunes (ehemals FARC-Partei) ihren neuen Nationalen Politischen Rat (CPN). Laut Rodrigo Londoño, Präsident der Partei, trafen sich die 15 Mitglieder des Rates am vergangenen 27. und 28. März persönlich, um die jüngsten Veränderungen innerhalb der Organisation zu gestalten. Außenstehende meinen, dass die Partei Comunes, was so viel wie Partei der Gemeinschaft heißt, sich erneut nach den politischen Vorstellungen ihrer Führungselite organisiert und kritische Personen in ihren Reihen ausschließt. Mehrfach berichteten wir über die interne Spaltung der Partei.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Provinz Cauca im Südwesten Kolumbiens haben zuletzt stark zugenommen. In den Fokus rückte die Provinz und der Krieg in die Medien durch ein Bombenattentat, das an die 1990er und 2000er Jahre erinnerte. Damals gehörten Sprengstoffanschläge und Autobomben zum alltäglichen Krieg in Kolumbien, die auch von der Guerilla eingesetzt wurden. Damals auf dem militärischen Höhepunkt trug die Guerilla den Krieg in die Städte.
An diesem Freitag, dem 26. März, jährt sich zum 13. Mal der Todestag des legendären kolumbianischen Guerillero Manuel Marulanda Vélez. 13 Jahre sind nach seinem Tod aus natürlichen Gründen vergangen. Zu seinen Ehren und als Erinnerung berief die Bolivarische Kontinentalkoordination CCB dazu auf, dass dieses Datum als „Internationaler Tag des Rechts der Völker auf bewaffnete Rebellion“ in Erinnerung an die Konsequenz und Entschlossenheit des lebenslangen Kampfes des kolumbianischen Bauernguerilleros begangen wird, der seit Marquetalia als junger Revolutionär ein Leben lang den Kampf der Bauern, Guerilla und Kommunisten-Kampf führte.
Im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Venezuela ist es zu schweren Kämpfen zwischen der Guerilla FARC-EP und den Bolivarischen Nationalen Streitkräften (FANB) gekommen. Dabei wurden mindestens zwei Soldaten der venezolanischen Armee getötet, mehrere verletzt und, je nach Angaben, bis zu 32 Kämpfer der FARC-EP festgenommen. Die Operation mit dem Namen „Escudo Bolivariano 2021“ fand im venezolanischen Grenzstaat Apure statt, der auf kolumbianischer Seite an Arauca grenzt.
In der Region Sumapaz, eine Region in der Nähe von Bogotá, die historisch gesehen eine der Wiegen der FARC-EP ist, kam es in der letzten Zeit zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Iván Márquez sowie um die Strukturen der FARC-EP, die unter dem Kommando von Gentil Duarte stehen. Dabei wurden bisher drei Personen ermordet. Es gibt die Gerüchte, dass die ermordeten Bauern früher mit der FARC-EP zusammengearbeitet haben und sich nun einer erneuten Zusammenarbeit, der ein oder anderen Struktur, verweigert haben. Doch wie immer ist eine genaue Verifizierung nur schwer möglich. Fakt ist, dass beide Strukturen vor allem von der Provinz Meta aus in die Region des Sumapaz eindringen und um territoriale Kontrolle kämpfen.
Eine illegalisierte und bewaffnete Gruppe mit dem Namen „Comandos de frontera“, zu Deutsch „Grenzkommandos“, die um die territoriale Kontrolle in Putumayo kämpft, machte durch ein Video ihre Nähe zur FARC-EP, Zweites Marquetalia, bekannt. Wenn sich diese Neuigkeiten bewahrheiten, dann werden sie für reichlich Gesprächsstoff sorgen, denn bisher war nicht genau klar, in wessen Ideologie die Gruppe auftrat. Bisher wurden sie eher als paramilitärische Gruppe eingestuft.