Schwere Krise im Süden Caucas

Der Süden der Provinz Cauca wurde am Dienstag erneut Schauplatz einer schweren humanitären Krise. Bewohner mehrerer Dörfer im Micay-Canyon in der Gemeinde Argelia berichteten, dass Angehörige der Nationalarmee auf eine Gruppe von Zivilisten geschossen hätten. Diese hatten sich den Truppen friedlich genähert, um deren Abzug aus dem Gebiet El Filo zu fordern – einer Zone, in der die militärische Präsenz zu Auseinandersetzungen mit der Guerilla der FARC-EP und anderen bewaffneten Gruppen geführt hat und dadurch das Leben der Einwohner gefährdet.

Bei dem Vorfall wurden mehrere Personen verletzt, und vier Zivilisten befinden sich in der Gewalt der staatlichen Sicherheitskräfte. Ein von den Bewohnern selbst aufgenommenes Video zeigt den Moment, in dem einer der Zivilisten, der den Soldaten den Rücken zugewandt hatte, von einer Kugel getroffen wurde. Die Aufnahmen verbreiteten sich rasch in den sozialen Netzwerken und werden bereits von Menschenrechtsorganisationen im Rahmen ihrer Untersuchungen des Vorfalls ausgewertet. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts waren keine Todesopfer bestätigt, die Lage wird jedoch weiterhin beobachtet.

Der Micay-Canyon zählt zu den Regionen mit den schwerwiegendsten humanitären Problemen im Süden Kolumbies. Die dort lebenden bäuerlichen Gemeinschaften beklagen seit Jahren, zwischen die Fronten der bewaffneten Konfliktparteien zu geraten. Ihnen fehlen Sicherheitsgarantien, Bewegungsfreiheit sowie ein rechtzeitiger Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und humanitärer Hilfe. Der Vorfall vom 16. Juli verdeutlicht die anhaltenden Spannungen, unter denen diese Gemeinschaften leben, sowie die Fragilität jeglicher Dialogversuche in einem Gebiet, in dem der Krieg weiterhin den Alltag bestimmt. Präsent ist hier vor allem die Front Carlos Patiño des Westblocks der FARC-EP, wobei mit der Operation Perseo der Armee immer wieder auch Angriffe und Einschränkungen für die Zivilbevölkerung verbunden sind, anstatt das eigentliche Ziel zu treffen.

Aus der Region wurden zuletzt Kämpfe verschiedener bewaffneter Akteure gemeldet. Neben der Front Carlos Patiño des Westblocks der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco sind hier auch noch die ELN und das Zweite Marquetalia aktiv. Kämpfe gab es neben dem Micay-Canyon auch aus dem Macizo Colombiano, eine bedeutende Region in den Anden im Südwesten Kolumbiens. Es erstreckt sich über die Departements Cauca, Huila und Nariño. Hier teilt sich das Andengebirge in die drei großen Kordilleren Kolumbiens und es entspringen einige der wichtigsten Flüsse Landes. Seit zwei Jahren versucht hier die Front Andrés Patiño des Westblocks der FARC-EP die Dominanz der ELN zu brechen. Zuletzt gab es wieder starke Kämpfe und auch selektive Morde.

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