Generalstab der FARC-EP zum Mord an Journalisten

Die FARC-EP um den Oberkommandierenden Calarcá haben sich in einem Kommuniqué vom 9. Mai zum Mord an den Journalisten Mateo Pérez Rueda geäußert, der in der Gemeinde Briceño der Provinz Antioquia stattfand. In dem Kommuniqué des Generalstabs der Blöcke und Fronten erklärt die bewaffnete Organisation, dass die Tat nicht von ihrer nationalen Leitung genehmigt wurde, und versucht, sich von einer direkten Verantwortung für das Verbrechen zu distanzieren. Ihr bewaffnetes Vorgehen im Rahmen des bewaffneten Kampfes sei ausschließlich gegen andere bewaffnete Akteure gerichtet und nicht gegen die Zivilbevölkerung oder Personen, die journalistisch tätig sind.

Als Struktur, die für den Mord verantwortlich ist, wird die 36. Front gesehen, die noch zum Generalstab der Blöcke und Fronten gehört und sich in einem Friedensprozess mit der Regierung befindet. Aus diesem Grund gab es wohl eine schnelle Antwort der Kommandoebene: „Der Mord an dem Journalisten Mateo Pérez Rueda wurde niemals von dieser nationalen Leitung genehmigt. Kein militärischer oder politischer Grund rechtfertigt einen Anschlag auf Menschen, die der Informationsarbeit nachgehen, selbst wenn sie politische Gegner sind. Der bewaffnete Konflikt richtet sich gegen bewaffnete Akteure, nicht gegen die Zivilbevölkerung.“

Darüber hinaus hält das Kommuniqué fest, dass es keine Benachrichtigung über die Festnahme des Journalisten gab und dass man dabei sei, die internen Kommunikationswege wiederherzustellen, um die Ereignisse aufzuklären. „Sollte die Beteiligung der 36. Front an diesem Mord zutreffen, haben die Täter dies auf eigene Faust, ohne Genehmigung und ohne Rücksprache getan.“ Der Generalstab besteht aus dem Block Jorge Suárez im Osten, dem Block Gentil Duarte im Magdalena Medio und der Front Raúl Reyes im Süden des Landes. Laut dem Kommuniqué hat die aktuelle Situation zu einer Verschlechterung der Beziehung zur Regierung geführt, insbesondere wegen des Fehlens von Garantien während des Prozesses.

Als Hauptverantwortlicher wird Jhon Edison Chala Torrejano, alias Víctor Chala, genannt. Er war Finanzchef der Front Darío Gutiérrez des Blocks Jorge Suárez im Norden von Huila. Doch über die Front Darío Gutiérrez gibt es schon seit einigen Monaten diverse Spekulationen, denn die politisch-militärische Arbeit der Front wurde vor geraumer Zeit eingestellt und durch die Front Iván Díaz ersetzt, die im zentralen und östlichen Huila agiert. Alias Víctor Chala ist aus der Region im Norden von Huila versetzt worden, zuerst in Richtung Cauca und Tolima. Bereits Ende letztes Jahr nahm die Front Iván Díaz die Arbeit in der Region auf, in der zuvor die Front Darío Gutiérrez ihre Präsenz ausübte.

Damals spekulierte man sowohl über das Eingreifen der Front Darío Gutiérrez gegen den vorrückenden Westblock der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco, als auch über Disziplinlosigkeit in der Struktur, die eine Zerschlagung bzw. Umstrukturierung notwendig machte. Fakt ist aber nun, dass alias Víctor Chala in Antioquia auftauchte. Ob jedoch seine Anwesenheit und der Mord dort eine Abkehr von seinem Generalstab der Blöcke und Fronten bedeuten und die 36. Front sich verselbständigt hat, bleibt abzuwarten. Jedenfalls zeugt dieser Vorfall davon, dass viele Fronten der beiden als FARC-EP agierenden Organisationen einen hohen autonomen Status besitzen und eine klassische Kommando- und Befehlsebene nur mäßig vorhanden ist.

Dieser Beitrag wurde unter General veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.