Verhandlungsführer der Guerilla benannt

Durch ein Schreiben sind nun seit anderthalb Tagen alle Delegierten des Zentralen Generalstabs der FARC-EP bekannt, die mit der Regierung unter Präsident Petro die Friedensgespräche führen werden. Einige Namen waren zuvor schon bekannt gewesen, andere wurden nun ergänzt. Sie kommen aus den unterschiedlichen Strukturen der Guerilla. Für diese Delegierten wird der Haftbefehl temporär ausgesetzt und sie haben Bewegungsfreiheit im Land. Dies ist notwendig, weil in den letzten Friedensgesprächen neben den Verhandlungen den Delegierten auch die Funktion zukam, permanent Kontakt zu den Guerilleros zu halten und über die Fortschritte zu informieren.

Die Resolution vom 24. Juli, unterschrieben vom Präsidenten, enthält die Namen von Alexander Farfán Suárez, Leidy Tatiana Rojas Olaya, Jaime Muñoz Dorado, Jonathan Jair Narváez Quintero, Adolfo Ballesteros Fernández, Óscar Ojeda, José Luis Rodríguez Mora und Carlos Eduardo García Téllez. Dabei sind viele Leute, die schon in den Vorverhandlungen beteiligt waren. Alexander Farfán Suárez, bekannt als Gafas, gehört zur 1. Front der FARC-EP. Er ist schon lange bei der Guerilla und wurde im Zuge der Operation Jaque, der Befreiung der Präsidentschaftskandidatin Betancourt, im Jahr 2008 gefangengenommen. Im Jahr 2017 kam er frei und schloss sich erneut der Guerilla an.

Mit dabei ist auch wieder Leidy Tatiana Rojas Olaya alias Ángela, die bei der Front Adán Izquierdo im Westen des Landes aktiv ist und seit März 2021 Gefängnis von Jamundí inhaftiert ist. Auch Jaime Muñoz Dorado alias Sebastián ist in den Strukturen im Westen organisiert und derzeitig in Popayán inhaftiert. Auch der durch seine medialen Auftritte bekannte Carlos Eduardo García Téllez alias Andrey ist mit an den Verhandlungen beteiligt. Er kommt aus der Provinz Norte de Santander von der 33. Front und trat mehrmals öffentlich auf.

Gemäß der Resolution werden alle an der Vorbereitungsphase der Verhandlungen und am Verhandlungstisch teilnehmen, der am 8. Juli wieder aufgenommen wurde, nachdem die Gespräche wegen der Ermordung von drei Minderjährigen durch die Front Carolina Ramírez in der Provinz Putumayo, als diese von der Guerilla geflohen waren, ausgesetzt wurden. Die FARC-EP, Zentraler Generalstab, besteht aus mehr als 23 Fronten bzw. Strukturen und verfügt über rund 3200 bewaffnete Kämpfer. Sie untersteht dem Kommando von Iván Mordisco, der Gentil Duarte ersetzte. Sie beteiligten sich nicht am Friedensprozess der FARC-EP von 2016 und verkündeten frühzeitig die Weiterführung des Kampfes.

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Iván Márquez mit Kommuniqué zum 240. Geburtstag Simón Bolívars

Am gestrigen Montag, den 24. Juli, veröffentlichte die FARC-EP, Zweites Marquetalia, ein Kommuniqué, welches von Iván Márquez unterzeichnet wurde. Zuletzt spekulierte man ja, ob der Oberkommandierende der aufständischen Bewegung gestorben sei. Doch aus de, Umfeld der linken Wochenzeitung „Voz“ hieß es schon vor ein paar Tagen, dass er am Leben sei. Dieses Kommuniqué dürfte ein weiterer Beleg dafür sein, dass Iván Márquez als Kommandant am Leben ist.

Mit dem Titel „Ideen für eine kontinentale Vision“ feiert die FARC-EP, Zweites Marquetalia, die in der vergangenen Zeit an politisch-militärischen Einfluss zur FARC-EP unter Iván Mordisco und dem Zentralen Generalstab verloren hat, nun den 240. Geburtstag des Befreiers Simón Bolívar. Das Kommuniqué knüpft an die vergangene Zeit an, in der die Guerilla durch politische Öffentlichkeitsarbeit eine neue FARC-EP aufbauen wollte und durchaus gute Chancen hatte.

„240 Jahre nach der Geburt des Befreiers Simón Bolívar teilen wir als Hommage an den Helden, die auf dieser Hemisphäre und in anderen Breitengraden für die Menschenwürde und die Achtung der Selbstbestimmung der Völker kämpfen, diese Linien über die kontinentale Einheit und die bolivarische geopolitische Strategie“, heißt es in dem auf der Webseite des Zweiten Marquetalia veröffentlichten Schreiben.

Laut dem Oberkommandierenden Iván Márquez „ist es an der Zeit, das Schicksal unseres Amerikas zu bestimmen, das Eingeweihte zu vollenden, indem wir dem folgen, was der Befreier mit seiner eigenen Handschrift am Firmament geschrieben hat. Das Ende des Kampfes naht, die große Schlacht, die Bolívar nicht beendet hat, die der Kontinentaleinheit.“ Und weiter: „Zwei Jahrhunderte lang haben wir unter der Tyrannei der Oligarchien des Kontinents und den Fesseln der neuen kolonialen Sklaverei gelitten, insbesondere unter der Versklavung des Geistes, mit der die Vereinigten Staaten uns als unterwürfige Herde ohne Proteste und Volksaufstände ausplündern und beherrschen wollen.“

„Es war eine außergewöhnliche Idee des Befreiers, die Einheit zum bestimmenden Faktor seiner geopolitischen Strategie zu machen, denn ohne sie kann eine Macht, eine materielle und geistige Kraft nicht gebildet werden, die Unser Amerika zum Gleichgewicht zwischen Nord und Süd, zum Gleichgewicht des Universums, zu einer respektablen Kraft macht, die, auf der Liebe zur Menschheit gegründet, jeden Versuch anachronistischer Imperien, Völker zu unterwerfen und zu unterdrücken abbringt, auf welchem Breitengrad sie sich auch befinden mögen, wie auch an den Enden der Erde. Wir müssen, wie die Luft zum Überleben, den Untergang der ungerechten unipolaren, sklavischen und unmenschlichen Welt beschleunigen, die von Washington und dem Weltkapitalismus aufgezwungen wurde.“

„Die Liebe und der Humanismus von Bolívar gehen über den Kontinent seiner Freiheitskämpfe hinaus und fliegen mit seiner Zärtlichkeit, um den Kampf für Würde und Gerechtigkeit zu verstärken, die seit Jahrhunderten und Jahrhunderten unsere Brüder in Afrika, Asien, Ozeanien, Europa und das Volk der Vereinigten Staaten befreien, deren Herz sich nach einer anderen Regierung sehnt, fern von jeglicher Tyrannei in der Welt.“

„Wir rufen die Jugend der Welt auf, sich an die Front zu stellen, an die vorderste Front des Gefechtes und des Kampfes für eine neue Welt ohne Unterdrückung, gerecht, menschlich, solidarisch, respektvoll und beschützend für das Leben auf dem Planeten. Erwachsene und denkende Menschen, unsere Älteren und Großeltern, werden uns folgen, denn es wird ein gemeinsamer Kampf für die Menschenwürde sein, angeführt von einer unbesiegbaren und unwiderstehlichen Kraft, genannt Einheit.“

„Die Unterdrücker der Welt haben versucht, mit raffinierten Techniken Millionen und Abermillionen von menschlichen Gehirnen zu besänftigen, indem sie ihnen die Fesseln der mentalen Versklavung anlegen, mit dem hoffnungslosen Gedanken, dass wir glauben, dass nichts für eine bessere Welt getan werden kann und dass unser Schicksal die Resignation ist“, so dass Kommuniqué und am Ende zum bewaffneten Kampf aufruft: „Wir müssen uns mit der Waffe der Zukunft, der Waffe der Liebe, zusammenschließen, Schurken neutralisieren und die Grundlagen für Brüderlichkeit, Solidarität und Frieden in der neuen Welt legen. Alle zusammen, auf zum Angriff! Diesen Kampf für die Menschheit müssen wir gewinnen. Wir werden siegen!“

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Lebt Iván Márquez doch noch?

Die Realität über den Gesundheitszustand des obersten Kommandanten  der FARC-EP, Zweites Marquetalia, Iván Márquez, ist unklar und wird von Gerüchten genährt, die seit seiner schweren Verwundung in Venezuela kursieren.  Die kolumbianischen Behörden versicherten, dass er einen Splitter in seinem Kopf hatte, sein Magen schwer verletzt war und er sogar drei Finger verloren hätte. Die Nachrichtenagentur CM& hatte seinen Tod bestätigt, aber gestern erschien eine neue Version der linken Wochenzeitung „Semana“, wonach er doch noch leben solle.  Dies gehe aus einer sicheren Quelle hervor. Er befinde sich zudem auf dem Weg der Genesung.

Obwohl dieses Medium keine weiteren Einzelheiten preisgegeben hat, ist es wahr, dass die Zeitung über gute Kontakte zur aufständischen Bewegung und auch nach Venezuela hat. Als man von dem Angriff erfuhr, dem er angeblich zum Opfer gefallen war, gab es Gerüchte, dass Márquez nur in das Militärkrankenhaus von Caracas gebracht werden konnte, weil er wegen der Schwere seiner Verletzungen und der Pflege, die er brauchte, nur dort behandelt werden konnte. Seit dem gibt es immer wieder Gerüchte um den Kommandanten, der in Zeiten der alten Guerilla sogar ihr Verhandlungsführer während des Friedensprozesses war.

In den letzten Stunden kam es in der Provinz Putumayo zu Zusammenstößen zwischen den Einheiten der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco aus dem Zentralen Generalsstab und den Einheiten aus der FARC-EP, Zweites Marquetalia, genauer gesagt den alliierten Bolivarischen Grenzkommandos, die dem Kommando von Iván Márquez unterstehen. Bei den Kämpfen kamen mehrere Menschen ums Leben und in den letzten Stunden hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sieben Leichen geborgen.

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Kämpfe statt Frieden

Schwere Kämpfe erschüttern derzeit verschiedene Regionen des Landes, bei denen sich Einheiten der staatlichen Sicherheitskräfte diversen Strukturen der Guerilla gegenüberstehen.

So gab es Kämpfe zwischen der Armee und der Front Rodrigo Cadete in der Provinz Caquetá, die zwei tote Soldaten nach sich zogen. Nach Angaben der Armee fanden die Kämpfe im Dorf von Buenos Aires statt, einem ländlichen Gebiet der Gemeinde El Doncello, Caquetá.

In den letzten Stunden kam es in der Region von Puerto Rondón in der Provinz Arauca zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen drei mutmaßliche Mitglieder der FARC-EP aus der 10. und 28. Front bei Kämpfen mit der Armee ums Leben kamen. Auch aus der Provinz Nariño werden militärische Aktivitäten gemeldet.

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Präsenz der FARC-EP und Gegenaktionen

Auf einigen Videos, die gerade in den sozialen Netzwerken zirkulieren, sind Kämpferinnen und Kämpfer der FARC-EP von der Front Ismael Ruíz zu sehen, die durch einen Ort patrouillieren. In vielen Regionen, die der Staat aufgegeben hat, ist das keine Seltenheit, doch die Medien stürzen sich gerne auf solche Bilder. So laufen bewaffnete Kämpfer der Guerilla durch die Straßen des Dorfes Gallego, welches sich in der Gemeinde La Plata in der Provinz Huila befindet.

Während der Patrouille nahmen die Kämpfer der FARC-EP Kontakt zur Bevölkerung auf, forderten Geldzahlungen und Maßnahmen für die Instandhaltung der Infrastruktur und ordneten auch die Schließung von Spirituosenläden und Bars, die für das lange Feiern bekannt sind und erinnerten an das Fahrverbot nach 20 Uhr abends. Diese Maßnahmen werden von der Guerilla häufig verhängt, um die Kriminalität einzuschränken.

Die Front Ismael Ruíz ist vor allem in Huila und Tolima präsent und ist Teil des Bloque Occidental Comandante Jacobo Arenas (Westblock der FARC-EP Kommandant Jacobo Arenas), der sich aus dem Coordinador de Occidente (Westliches Koordinierungskommando) herausgebildet hat. Unter dem Westblock firmieren etwa 12 Strukturen der Guerilla, die zwischen Cauca und Nariño, aber auch Huila und Tolima operieren. Diese gehören zum Zentralen Generalstab der FARC-EP unter Iván Mordisco, die in Friedensgespräche mit der Regierung treten wollen.

Zu Gegenaktionen der staatlichen Sicherheitskräfte kam es daraufhin in dieser Gegend, aber auch in den Provinzen Caquetá und Putumayo. In den letztgenannten Provinzen ist das Ziel von Armee und Polizei, das Vordringen der Front Jorge Briceño der FARC-EP im Süden Caquetás zu verhindern sowie die Aktionen der Front Carolina Ramírez in Putumayo zu beschneiden. Dabei soll es auch zu zahlriechen Verhaftungen gekommen sein. Beide Fronten gehören dem Östlichen und Südlichen Block der FARC-EP des Zentralen Generalstabs an.

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Regierung und FARC-EP kündigen Wiederaufnahme der Friedensgespräche an

Die Ankündigung beider Parteien erfolgte am gestrigen Samstag in einem Kommuniqué, in dem es heißt, dass die Friedensgespräche, die Methodik und die Friedensagenda wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen mit der aufständischen Bewegung sowie der bilaterale Waffenstillstand in einigen Provinzen wurden im vergangenen Mai gestoppt, nachdem die Front Carolina Ramírez der FARC-EP in der Provinz Putumayo drei Minderjährige getötet hatte, die als Mitglieder der Struktur geflohen waren.

„Die nationale Regierung und der Zentralstab der FARC-EP geben bekannt, dass sie sich auf die Einrichtung eines Tisches für Friedensdialoge geeinigt haben. In der Anlage (…) werden die Parteien den bilateralen Waffenstillstand besprechen und billigen“, heißt es in dem gemeinsamen Kommuniqué. Wie aus dem Dokument hervorgeht, das auf den 7. Juli in der Provinz Caquetá datiert wurde, werden Delegierte beider Seiten von diesem Samstag bis zur Installation des Tisches eine Vorbereitungsphase beginnen, an der das Amt des Hohen Kommissars für den Frieden, Vertreter der internationalen Gemeinschaft, der katholischen Kirche und des Ökumenischen Rates der Kirchen teilnehmen werden.

In dieser Phase, so das Kommuniqué, werden die Parteien Folgendes besprechen: Anpassungen des Waffenstillstandsprotokolls und Schutz der Zivilgesellschaft, Umsetzung von Kontroll-, Überwachungs- und Verifikationsmechanismen auf nationaler und lokaler Ebene. Auch die Voragenda des Dialogtisches, seine Methodik und auch die Mechanismen der Beteiligung der Zivilgesellschaft werden besprochen. In dem Dokument heißt es, dass zu diesem Zeitpunkt ein nationales Team für Vertrauensbildung und Notfalllösung eingerichtet wird, dass sich aus den oben genannten Stellen zusammensetzt und dessen Ziel es ist, die Spannungen zu lösen, die durch den Bruch des Waffenstillstands entstanden sind.

„In den nächsten Tagen werden die Nationalregierung und der Zentralstab die Namen der Mitglieder ihrer Delegationen öffentlich bekanntgeben“, heißt es in der Erklärung. Die Treffen fanden vor allem in Catatumbo, Provinz Norte de Santander, und in der Ebene des Yari, Provinz Caquetá, statt. Zuletzt gab es von Seiten des Zentralen Generalstabs der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco wieder viele Bemühungen, für die Fortsetzung des Friedensprozesses. Auch wenn der Waffenstillstad brüchig war, ist eine Deeskalation des Konfliktes zu beobachten.

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Ist Iván Márquez gestorben?

Nach Angaben der Nachrichtenagentur CM& ist der Guerillakommandant Iván Màrquez, Oberkommandierender der FARC-EP, Zweites Marquetalia, an den Folgen seiner Verletzungen gestorben, die er nach einem Angriff im vergangenen Juni erlitten hatte. Damit würde die FARC-EP, Zweites Marquetalia, als aufständische Bewegung nicht nur ihren Oberkommandierenden, sondern die wohl auch charismatischste Figur verlieren. Die Informationen über den Tod von Iván Márquez wurden jedoch weder von der Regierung noch vom Militär bestätigt.

Zu diesem Zeitpunkt verdichten sich jedoch die Meldungen, dass Iván Márquez in Venezuela in seinem Camp gestorben ist. Genaue Informationen sind aus dem Nachbarland immer schwierig zu bekommen. Vermutlich in wenigen Tagen wird es verlässliche Informationen geben. Es ist jedoch so, dass am Nachmittag des 6. Juli die Nachrichtenagentur CM& seinen Tod bestätigte. Das hat sein eigener Journalist Yamit Amat in einem kurzen Video gemacht, das in den sozialen Medien verbreitet wird.

Iván Márquez überlebte einen Angriff Mitte 2022 fast wie durch ein Wunder. Bei dem Angriff verlor der Kommandant fast einen Arm und eines seiner Beine wurde schwer verletzt. Seine schwerste Verletzung war ein Splitter, der sich in sein Gehirn eingebettet hat. Mehrere Tage wurde Iván Márquez damals für tot gehalten. Doch später verlasen Angehörige des Zweiten Marquetalia ein Kommuniqué und bestätigten, dass ihr Kommandant noch am Leben war. „Zum Glück blieb er unverletzt, er erlitt nur geringfügige Verletzungen. Er ist bei guter Gesundheit. Und von seinem Schützengraben aus wird der Kampf der Ideen für ein neues Kolumbien weitergehen“, hieß es damals.

Die Verletzungen nach dem Angriff waren aber so schwerwiegend, dass er aus seinem Lager in ein Krankenhaus nach Caracas gebracht werden musste, da sein kritischer Zustand eine erstklassige gesundheitliche Betreuung erforderte. Wahrscheinlich im Dezember letztes Jahr wurde Iván Márquez aus dem Krankenhaus in Caracas entlassen und zu einem unbekannten Ort an die venezolanisch-kolumbianische Grenze gebracht. Seitdem blieb es jedoch vergleichsweise ruhig um den Oberkommandierenden und Kommuniqués von ihm und generell des Zweiten Marquetalia verringerten sich.

Zwar gab es immer wieder Kontakte zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-EP, Zweites Marquetalia, um die Organisation in Friedensgespräche einzubetten. Doch die letzten Monate zeigten kaum eine Aktivität bezüglich der Kommandoebene. Zwar sind die Strukturen des Zweiten Marquetalia in den Regionen weiterhin aktiv, teilweise alliiert mit der ELN, doch es ist erkennbar, dass ihre Kraft abgenommen hat und die verfeindete FARC-EP um Iván Mordisco eine stärkere Basis aufbauen konnte.

Luciano Marín, alias Iván Márquez, wurde im Jahr 1955 in der Provinz Caquetá geboren. In frühen Jahren schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband (JUCO) an. Im Rahmen des Friedensabkommens der 1980er Jahre und der Bildung der linken Partei Unión Patriótica (UP), übernahm er wichtige Funktionen im Kongress. Die systematische Gewalt gegen linke Strukturen führte in zur FARC-EP, wo er in der 14. Front des Südblocks der Guerilla politischer Kommissar wurde. Durch seine hervorragende politische Arbeit sendete man ihn in den Karibischen Block der Guerilla in den Norden des Landes.

Hier wurde er zum zweiten Kommandanten ernannt und übernahm mit seinem politisch-militärischen Aufstieg in der Guerilla weitere Funktionen, wie im Friedensprozess mit der Regierung von Andrés Pastrana als Unterhändler. 2003 ernannte ihn das Sekretariat der FARC-EP zum Oberkommandierenden des Nordwestblocks der FARC-EP und nach dem Tod von Raúl Reyes im Jahr 2008 wurde er internationaler Wortführer der Guerilla und schließlich Teil des höchsten Gremiums, dem Sekretariat der FARC-EP.

Nach dem Tod des Oberkommandierenden Alfonso Cano im November 2011 wurde Timoleón Jiménez alias Timochenko zum nachfolgenden Oberkommandierenden ernannt und nicht Iván Márquez. Beide traten in Konkurrenz zueinander. Innerhalb der Guerilla wurde die Zwistigkeiten  icht deutlich und gedeckelt, doch im Zuge des Friedensabkommens mit Santos wurde er Verhandlungsführer der Friedensdelegation der Guerilla und kritisierte Timochenko teilweise öffentlich.

Zwar was Iván Márquez Teil des Friedensprozesses und der Wiedereingliederung, doch die Erfahrungen der Nichteinhaltung, der Verhaftung seines Freundes und Genossen Jesús Santrich und seine drohende eigene Verhaftung führten ihn zurück zu den Waffen. Im Jahr 2019 erfolgte mit anderen bekannten Kommandierenden aus der ehemaligen FARC-EP die Gründung des Zweiten Marquetalia. Gespräche mit der anderen Fraktion der sich nicht entwaffneten FARC-EP um Gentil Duarte und Iván Mordisco zu einer Vereinigung scheiterten. Mehrere namenhafte Kommandierende starben zuletzt, darunter Kommandanten wie alias El Paisa, Romaña und Santrich.

Angesichts der Möglichkeit des Todes von Iván Marquez bleibt nun die Frage, wie es mit der FARC-EP, zweites Marquetalia, weitergeht. Die ohnehin etwas geschwächte Guerilla wird diese schillernde Person nicht adäquat besetzen können. Doch in ihren Reihen befinden sich Kommandierende mit jahrzehntelanger Erfahrung in der FARC-EP. Dazu gehören sicherlich Personen wie alias Zarco Aldinever sowie Walter Mendoza. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Guerilla zu einem neuen Oberkommandierenden, aber auch zu einem potenziellen Friedensprozess positioniert.

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Zwei Friedensunterzeichner Ende Juni getötet

Zwei tote Friedensunterzeichner aus der ehemaligen FARC-EP sind Ende Juni ermordet worden. So wurde Angel Miguel Ariza Rojas in der Gemeinde Tame der Provinz Arauca getötet, als Bewaffnete in sein Haus eindrangen. Seinen Prozess der Wiedereingliederung vollzog der ehemalige Guerillakämpfer in der ETCR Filipinas in der Provinz Arauca.

Luis Aníbal Martínez Higuita ist der andere getötete Friedensunterzeichner, der mit seinen gerade 41 Jahren in der Gemeinde Dabeiba der Provinz Antioquia sein Leben verlor. Den Prozess der Wiedereingliederung machte er in der ETCR Román Ruiz der Gemeinde Ituango, Antioquia. Aktuell war er in der Landwirtschaft tätig.

Mitte Juni starb bereits ein Friedensunterzeichner in der Gemeinde Balboa der Provinz Cauca. Damit sind in diesem Jahr bereits 19 ehemalige Kämpfer der FARC-EP umgebracht worden. Seit dem Friedensabkommen wurden 375 Personen aus der Guerilla getötet.

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Massenmedien verzerren das Bild

Es ist nichts Neues, aber wiederholt melden wir uns zu Wort, weil das Bild der soziopolitischen Lage und auch der Guerilla FARC-EP systematisch verzerrt wird. Lieder viel zu selten kommt es dann vor, dass ein vormals falsch dargestelltes Bild und unwahrer Fakt wieder richtig dargestellt wird. Die kolumbianischen Massenmedien haben selten ein Interesse daran, die Realität im Land darzustellen und schon gar nicht darzulegen, was politische Ziele der aufständischen Bewegung sind, wie sie in ihren Territorien agieren und wie das Leben mit der Guerilla auf dem Land ausschaut. Wenn die Guerilla im Fokus der Berichterstattung steht, dann als Drogenterroristen, die die Bevölkerung drangsalieren und rein kriminelle Ziele haben. Dieser Fakt zieht sich seit Jahrzehnten durch die großen Medien des Landes und nur selten gibt es eine alternative und kritische Berichterstattung.

Aktuell jedoch wird mal wieder klar, dass die Massenmedien jedes Mittel nutzen, um ein verzerrtes Bild der kolumbianischen Realität und der Guerilla vorzugeben. Im Mittelpunkt steht die Geschichte über die im Dschungel geretteten indigenen Kinder, die bei einem Flugzeugabsturz in der Provinz Guaviare nach 40 Tagen durch staatliche Sicherheitskräfte gerettet wurden. Nationale und internationale Medien berichteten über diese Sensation und sie nahmen jeden Strohhalm für ihre Geschichten, die sie gut verkaufen konnten. Darunter die Erzählungen des Vaters der Kinder, dass er vor den Drohungen der Guerilla FARC-EP aus dem Amazonas-Gebiet fliehen musste und er deswegen von Kindern und Mutter getrennt lebte. Eine gute Geschichte und wenn der Guerilla auch noch die Schuld gegeben werden kann, dann ist es umso besser.

Inmitten dieser erschütternden und doch erfreulichen Geschichte der geretteten Kinder, die jedoch ihre Mutter beim Absturz verloren haben, gibt es aber nun eine Wendung. Eine Reporterin reiste nach Puerto Sábalo, dem abgelegenen Ort im Dschungel, in dem die Familie der indigenen Gemeinschaft Ranoque Mucutuy lebte. „Eine Geschichte von Misshandlung, Angst und viel Schmerz inmitten des Paradieses“, erzählte die Journalistin zur Einführung und berichtet über die Freunde der Familie und indigene Anführer, die von der Hölle erzählen, die die Mutter durchlebt hat und die ihr Leben bei dem Versuch verloren hat, aus ihrem Zuhause zu fliehen. Die Reportage zeigt auf, dass die Kinder in einer Familie voller Probleme lebten und dass ihre Mutter Opfer der Gewalt ihres Vaters und Stiefvaters war.

Die Gemeinde ist so klein, dass jeder Bescheid weiß. Nur 140 Menschen leben in diesem kleinen indigenen Ort. Das Haus, in dem sie wohnten, war armselig: ein Zimmer von etwa zwei Metern, mit Stroh überdacht, in dem alle zusammenwohnten. Derjenige, der sich in den 40 Tagen der Suche als Held darstellte, nämlich der Vater, wird von seinen Nachbarn als Schurke dargestellt. „Für uns sollte er im Gefängnis sein: er hat ein Verbrechen begangen”, sagt Carlos Andrés Sánchez, ein Anführer der Ugoto-Indigenen, über den Vater der beiden jüngeren Kinder, Manuel Ranoque. „Die Guerilla hat ihn nicht vertrieben, (…), er wurde von niemandem vertrieben, er musste für eine Konsequenz innerhalb der Gemeinschaft zahlen“, sagt er. Dabei geht es um einen Vergewaltigungsvorwurf und innerfamiliäre Gewalt. Er ist abgehauen, weil er eine Strafe nicht verbüßt hat, so die Reportage.

Diese gestern dargestellte Version bestätigt unsere Ansicht zu vielen Berichten der Massenmedien, in dem die Guerilla systematisch diskreditiert wird und Personen in der Berichterstattung häufig eine Ausrede suchen, die sie mit der Guerilla gerne in Verbindung bringen. Auch die Medien nutzen gerne den Sündenbock Guerilla ohne eine kritische Berichterstattung anzustrengen. Vor drei Tagen gab es einen Zwischenfall in einer Militärbasis in Florencia, Provinz Caquetá, bei dem zwei Soldaten starben. Sofort wurde von einem Angriff einer bewaffneten Organisation berichtet und dass die FARC-EP hier sehr präsent seien. Zudem wurde von den Aktivitäten der Guerilla in der letzten zeit berichtet. Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Vorfall um einen Suizid unter Soldaten handelte. Eine Richtigstellung erfolgte in den Medien, die darüber berichteten, kaum.

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Im Südwesten nichts Neues

Warum die FARC-EP im Südwesten Kolumbiens so stark ist, werden wir immer wieder gefragt. Zwar ist der Osten des Landes mit seinen weiten Flächen und Wälder seit jeher die Basis der Guerilla, doch seit zwei Jahrzehnten ist der Fokus der politisch-militärischen Arbeit immer wieder in andere Landesteile gerückt worden, so auch in den Südwesten des Landes mit den Provinzen Nariño, Cauca und Valle del Cauca. Besonders aktuell, mit der Gründung des Bloque Occidental Comandante Jacobo Arenas (Westblock Kommandant Jacobo Arenas) und bereits Jahre zuvor mit der Tätigkeit des Westlichen Koordinationskommandos der FARC-EP, wurde deutlich, wie stark dort die aufständische Bewegung geworden ist, auch in der Neustrukturierung der FARC-EP nach dem Friedensabkommen von 2016.

Im Mai dieses Jahr verkündete die FARC-EP die Gründung des Westblocks „Kommandant Jacobo Arenas“ aus den Strukturen des Westlichen Koordinationskommandos. Damit verfügt die FARC-EP über diverse Blöcke, die ihrerseits verschiedene Strukturen wie Fronten und Mobile Kolonnen sowie Kompanien vereinen. Ebenso dazu zählen die politisch-militärischen Strukturen der Milizen, der Bolivarischen Bewegung (Movimiento Bolivariano) und der Klandestinen Kommunistischen Partei (Partido Comunista Clandestino). Neben des Westblock verfügt die FARC-EP auch über die sogenannten Blöcke im Osten, im Süden oder auch im Magdalena Medio. Der Westblock ist ein Ergebnis von mehr als sechs Jahren Arbeit.

Im Kommuniqué der Gründung heißt es dazu: „Wie es in unseren Statuten heißt, bestehen wir heute aus mehr als fünf Fronten, mehreren Kolonnen und Kompanien, voll von Männern und Frauen, die bereit sind, einen Dialog mit der nationalen Regierung unter der Führung unserer nationalen Führung, des Zentralen Generalstabs, aufzunehmen, die aber angesichts der Widrigkeiten und Risiken, die die Friedensaufgaben immer mit sich bringen, auch bereit sind, den Kampf für das Leben und den Frieden mit sozialer Gerechtigkeit fortzusetzen.“ Es wird deutlich, dass die Reorganisation der Guerilla voranschreitet und mit den Blöcken wieder die festen politisch-militärischen Einheiten durchgesetzt werden, streng untergeordnet unter dem Zentralen Generalstab mit seinem Oberkommandierenden Iván Mordisco.

Die FARC entstand aus bäuerlichen Selbstverteidigungseinheiten gegen die militärische Aggression eines korrupten Staates. Schnell wurde aus der sozialen Selbstorganisation ein nationales Projekt, was sich in dem revolutionären Agrarprogramm von 1964 ausdrückt. Allmählich wuchs dieses aufständische Projekt und in den Konferenzen der FARC wurden die Ziele festgelegt. Ein Meilenstein war sicherlich das Jahr 1971, in dem auch die Vierte Nationale Guerilla-Konferenz der FARC stattfand. In diesem Jahr begann das Wirken der 6. Front der FARC im Südwesten, vor allem im Cauca und Valle del Cauca, die den Namen Hernando González Acosta bekam. Dieser war studentischer Aktivist aus Bogotá, Mitglied im Kommunistischen Jugendverband und einer der zur Bauernguerilla gesendeten Abgeordneten. Er starb in Riochiquito, Cauca, im Jahr 1965.

In der Weiterentwicklung des so genannten „Strategischen Plans“ aus der 7. Konferenz wurde mit der 8. Konferenz neue „Mobile Blöcke“ geschaffen. Einer darunter war der Bloque Occidental, der Westblock. Er agierte vorrangig in den Provinzen Nariño, Cauca, Valle del Cauca, Tolima und Quindío. Zu ihm zählten die Fronten 6, 8, 29, 30, 60, die städtische Front „Manuel Cepeda Vargas“ in der Millionenstadt Cali und einige andere wichtige Strukturen wie der mobile Block „Arturo Ruiz“ und die mobilen Kolonnen „Gabriel Galvis“, „Daniel Aldana“, „Miller Perdomo“, „Jacobo Arenas“ und auch „Mariscal Sucre“. Damit festigte sich die Präsenz im Südwesten und diese Region wurde zu einer Hochburg der FARC-EP, so dass sich selbst der Oberkommandierende Alfonso Cano mit seinem Sicherheitsapparat hier niederließ.

Die Kommandanten des Westblocks waren Alfonso Cano, Pablo Catatumbo und Pacho Chino. Unter Alfonso Cano, der nach dem Tod von Manuel Marulanda im Jahr 2008 der Oberkommandierende der FARC-EP wurde, festigte die FARC-EP ihre Präsenz und politisch-militärische Arbeit. Durch neue Taktiken in kleineren operativen Einheiten konnten ganze Gebiete unter die Kontrolle der Guerilla gebracht werden. Alfonso Cano starb als brillanter politischer Kopf und Stratege durch eine Militäroperation im November 2011. Doch der Grundstein für die Strukturen war geschaffen, die teilweise bis heute existieren. Dazu zählten vor allem die Milizen und die Arbeit mit der lokalen Bevölkerung.

Im Zuge der Nichteinhaltung des Friedenabkommens und der Rückkehr zu den Waffen haben sich im Südwesten die Strukturen vor allem um die 6., 30. und 60. Front neu organisiert. Diese traten bereits 2018/19 zum Vorschein, jedoch zuerst nebenher agierten. Erst im August 2020 ist mit dem Westliches Koordinationskommando ein einheitliches Kommando der verschiedenen Gruppen entstanden, welches maßgeblich durch Abgesandte aus der 1. Front im Osten aufgebaut wurde und die sich schließlich den Strukturen aus dem Osten des Landes anschlossen. So gibt es hier nun die Mobilen Kolonnen Jaime Martínez, Dagoberto Ramos, Franco Benavides und Urías Rondón sowie die Fronten Rafael Aguilera, Carlos Patiño und Ismael Ruíz sowie die Kompanie Adan Izquierdo. Nichts Neues also, sondern Altbewährtes im Südwesten.

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Ein Land, dass seine Gebiete aufgibt

In dieser Woche wurde in den Medien polemisch über eine Eröffnung einer Landstraße von der aufständischen Bewegung FARC-EP in der Provinz im Norte de Santander berichtet. Aus einem Kommuniqué und Video der Guerilla wird klar, dass der Kommandant Andrey Avendaño von der 33. Front vor einer großen Menge diese Infrastrukturmaßnahme erklärt und die Straße, die durch die FARC-EP geschaffen wurde, freigibt. Zu dem Fest gab es noch weitere Aktivitäten in der vom Konflikt betroffenen Region Catatumbo.

Diese Infrastrukturmaßnahmen und Übernahme von eigentlichen staatlichen Aufgaben ist dabei nichts Ungewöhnliches für die Guerilla. In ihren Territorien versucht die FARC-EP seit jeher mittels eines Justizsystems für Ordnung zu schaffen, regelt den Warenverkehr, beeinflusst den Naturschutz und versucht, die öffentliche Infrastruktur auszubauen. Dazu gehören der Bau oder die Unterhaltung von Landstraßen, aber früher auch der Gesundheits- und Bildungssektor mit dem Bau von kleinen Schulen oder das Entsenden von mobilen Gesundheitsbrigaden in entlegene Gebiete.

Nun gibt es eine Aussage vom Hochkommissar für Frieden, Danilo Rueda, dass der Akt der FARC-EP in der Region Catatumbo „der Ausdruck unseres Landes ist.“ Und weiter berichtet der Staatsbeamte: „Dies ist ein echtes Land, ein Land, in dem viele Gebiete aufgegeben wurden, in dem es nur vorübergehend eine Präsenz der öffentlichen Gewalt oder der Polizeikräfte gab, aber in dem die gesamte Institution noch nicht angekommen ist und dann eine bewaffnete Gruppe diese Verantwortung übernimmt.“

Damit relativiert Danilo Rueda gewissermaßen den öffentlichen Skandal und bestätigt die Realität in diesem Land. In vielen Regionen ist der Staat, wenn überhaupt nur durch die staatlichen Sicherheitskräfte präsent, die gerne als Besatzungsarmee auftreten, denn als Unterstützer eines Rechtsstaates. Kein Wunder also, wenn eine Selbstorganisation stattfindet oder eine politisch-militärische Organisation ihre Aufgaben wahrnimmt, wo sie faktisch die Kontrolle ausübt.

In diesem Zuge wurde auch vor zwei Tagen skandalös über die Gemeinde Los Andes-Sotomayor im Nordwesten der Provinz Nariño berichtet. Hier patrouillierten Mitglieder der FARC-EP auf Motorrädern sowie uniformiert und bewaffnet durch die Straßen. Dabei ist auch das nichts Ungewöhnliches, sondern nur ein Spiegelbild des Landes, wo der Staat seine Regionen aufgibt und die Guerilla die Kontrolle übernimmt. Ein Friedensprozess, die Wiedereingliederung der FARC-EP in das soziale und politische Leben und eine wirkliche Reformbereitschaft könnten Abhilfe schaffen.

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FARC-EP schafft Infrastruktur

In der kolumbianischen Provinz Norte de Santander wurde durch die FARC-EP ein öffentlicher Akt abgehalten, bei dem es um die Einweihung einer wichtigen Verbindungsstraße und einer Brücke ging. Diese wurden unter Mithilfe der lokalen Bevölkerung, teilweise der ELN und vor allem der FARC-EP geschaffen. Den öffentlichen Festakt, der in den Dörfern Barrancas und Chiquinquirá stattfand und die nun mit der Infrastrukturmaßnahme ausgestattet wurden, eröffnete der Kommandierende der 33. Front, Andrey Avendaño, in der Region Tibú. Mitten am tag war von den staatlichen Behörden und Sicherheitskräften niemand zu sehen.

Nun sorgte dieses Video für Medienaufsehen, wobei sich selbst der Verteidigungsminister um Worte bemüht. Während die Armee in den ländlichen Regionen häufig als Besatzungsmacht auftritt, ist die aufständische Bewegung hier mit staatlichen Aufgaben betreut und baut in Konfliktzeiten Straßen und eine Brücke zum Wohl der Bevölkerung. Die Infrastrukturmaßnahme realisierte die FARC-EP im Rahmen der Feierlichkeiten zum 59. Jahrestag ihrer Gründung. So muss die Aktion in den zurückliegenden zwei Wochen stattgefunden haben.

„Es ist etwas, dass wir versprochen haben, wir haben das Wort gegeben, die Gemeinschaft hat nicht darum gebeten. Wir wollten zeigen, dass es möglich ist, etwas zu bewirken, wenn Entschlossenheit und Leistung vorhanden sind“, sagt Andrey Avendaño. „Ich sende einen besonderen Gruß an die Genossen der ELN, die heute hier sind, und sage ihnen, dass die FARC-Guerillas für sie ihre Kampfbrüder sind. Spürt in jedem der FARC-Guerillakämpfer einen Bruder, einen Sohn. Wir alle, die wir hier sind, sind die Kinder von einfachen Bauern aus katastrophalen Familien, deshalb dürfen wir in unserem noblen Bemühen, das Projekt so vieler Opfer zu verwirklichen, nicht nachlassen“, sagt er.

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