Anschlag kurz nach Präsidentenbesuch

In der Gemeinde Cartagena del Chairá, Provinz Caquetá, gab es kurz nach dem Besuch des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro am zurückliegenden Wochenende zwei hintereinander folgende Detonationen von Sprengsätzen, die einige Schäden und fünf Verletzte verursachten. Die Sprengsätze befanden sich in unmittelbarer Nähe der Polizeistation. Die Sprengsätze zündeten um Mitternacht sowie wenig später und dienten wohl eher dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Zuvor war Präsident Petro hier, der sich unter anderem für die Rückgewinnung der Gemeinde Peñas Coloradas einsetzte. Im April 2004 wurden hier tausende Menschen von der Armee zwangsumgesiedelt, die hier einen Stützpunkt inmitten des von der Guerilla FARC-EP kontrollierten Territoriums installierte. Dieser Fall wurde in den letzten Jahren aufgearbeitet und festgestellt, dass die ehemaligen Bewohner wieder ihr Land zurückerhalten sollen.

Dieses Gebiet war im bewaffneten Konflikt von großem Interesse, weil es der zentrale Verbindungspunkt zwischen den Provinzen Meta, Guaviare und Caquetá war, wo der Süd- und der Ostblock der FARC-EP mit ihren Fronten und auch die mobile Kolonne Teófilo Forero operierten. Mit dem Militärplan „Plan Patriota“ gab es ab 2003 starke Kämpfe und auch Menschenrechtsverletzungen von Seiten der staatlichen Sicherheitskräfte.

Im Rahmen der sogenannten Aufstandsbekämpfung wurden Massenverhaftungen gegen die Bevölkerung vorgenommen, ganze Dörfer entsiedelt und einfache Menschen unter dem Vorwurf Guerilleros zu sein ermordet. Die Bevölkerung von Peñas Coloradas versucht seit zwei Jahrzehnten, in ihr Gebiet zurückzukehren und ihren Wiedergutmachungsprozess abzuschließen, von dem sie bereits anerkannt worden sind. Aktuell operieren hier Fronten der FARC-EP, die sich vom Friedensprozess losgesagt haben.

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Wo der Staat fehlt, hilft die Guerilla

Wir berichteten auf dem Portal Kolumbieninfo zuletzt mehrmals über die schwierige Situation und die Kämpfe im Südwesten Kolumbiens, vor allem in der Provinz Cauca. Hier gibt es seit längerer Zeit eine Offensive der staatlichen Sicherheitskräfte, um den Einfluss der verschiedenen bewaffneten Organisationen zurückzudrängen. Besonders der Westblock Jacobo Arenas der FARC-EP, Zentraler Generalstab, hat in den letzten Monaten versucht, seine Territorien zu festigen, was medial zu starker Kritik gegenüber Armee und auch Präsident Petro führte, der zwar den Waffenstillstand mit der FARC-EP unter Iván Mordisco aufkündigte, die hier operieren, jedoch mit seiner Politik des totalen Friedens bisher scheitert.

Das jedoch die Aufstandsbekämpfung nicht nur damit funktioniert, die bewaffneten Organisationen zu bekämpfen, sondern es grundlegende Reformen und staatliche Investitionen benötigt, die Aufschwung und Perspektiven im ländlichen Raum bringen, dürfte schon seit den letzten Jahrzehnten und Friedensprozessen klar sein. Doch sowohl die Umsetzung des Vereinbarten von Havanna im letzten Friedensprozess mit der FARC-EP, als auch die Reformen und Investitionen der staatlichen Infrastruktur kommen nur sehr schleppend voran. In diesem Vakuum und der strukturellen Ungleichheit können aufständische Bewegungen immer wieder ihre Politik erfolgreich durchsetzen.

So auch inmitten der komplexen und angespannten Situation des bewaffneten Konflikts in der Provinz Cauca, wo die bäuerliche Gemeinschaft des Dorfes San Juan de Mechengue in der Gemeinde El Tambo einen wichtigen Meilenstein erreicht, indem sie schwere Maschinen zur Verbesserung der Straßeninfrastruktur in der Region angeschafft hat. Diese Errungenschaft ist das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen der zwölf Dörfer der Landgemeinde, die angesichts der Vernachlässigung durch den Staat beschlossen haben, verschiedene Aktivitäten zu organisieren, um die erforderlichen Mittel für die schwere Maschinentechnik aufzubringen.

Die Anschaffung der schweren Baumaschinen ist nicht nur ein Fortschritt in Bezug auf die Anbindung und die lokale Entwicklung, sondern auch ein Symbol des Widerstands und der Selbstbestimmung angesichts der prekären Lage, in der sie sich täglich befinden. Der Kauf dieser Maschinen konnte dank gemeinschaftlicher Aktivitäten wie Bingos, Tombolas und Festen ermöglicht werden.  Doch nicht nur, wie sich zeigte und was nun medial wieder zu einem Aufschrei führte. Denn Fotos des Festaktes zeigen Guerilleros der FARC-EP, die in Uniformen bei der Übergabe der schweren Maschinen mit dabei sind. Dabei ist völlig klar, wo der Staat nicht präsent ist, da ist die Guerilla präsent und unterstützt die lokale Bevölkerung.

Der Mangel an staatlicher Unterstützung in der Region Cañón del Micay ist kein neues Phänomen, sondern ein konstantes Merkmal der Geschichte der Region. Die Gemeinden mussten sich organisieren und selbst verwalten, um zu überleben und ihre Lebensbedingungen zu verbessern, trotz der vielen Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Der Erwerb der Maschinen stellt einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der lokalen Infrastruktur dar, ist aber auch Ausdruck der Abwesenheit des Staates in Gebieten, die vor allem vom Westblock der FARC-EP kontrolliert wird und wo die FARC-EP seit Jahrzehnten stark präsent ist und faktisch Kontrollmacht war.

Auch die Einweihung einer Brücke über den Micay-Fluss im Juli, die ebenfalls von der Front Carlos Patiño der FARC-EP finanziert wurde, sorgte ebenso für Aufregung, was für die ländlichen Regionen und überall dort, wo die Guerilla präsent ist und selbstverständlich unterstützt, jedoch nur das alltägliche Leben ist. Dort wo der Staat fehlt gibt es Selbstverwaltung und eine Guerilla, die diese Aufgaben übernehmen. Das war schon vor Jahrzehnten so und wird auch in den nächsten Jahren so sein, wenn es keine strukturellen Veränderungen in einem Land gibt, das von Ungleichheit und Ungerechtigkeit geprägt ist.

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Weitere Kämpfe in Cauca mit Toten

In den letzten Stunden bestätigte die Armee, dass im Rahmen der Operation Mantus, die im Südwesten des Landes durchgeführt wird, die staatlichen Sicherheitskräfte in Form der Armee der Front Rafaél Aguilera der FARC-EP, die zum Westblock des Zentralen Generalstabs gehört, der Guerilla einen schweren Schlag versetzt wurde. Die Militäroperation fand in einem ländlichen Gebiet der Gemeinde Timbiquí, Cauca, statt, wo sich die Truppen ein Gefecht mit der aufständischen Bewegung lieferten. Allerdings ist unklar, wieviel Tote es tatsächlich gab, da Leichen von Guerilla und Zivilbevölkerung abtransportiert worden sind. Die Armee geht von acht toten Guerillakämpfern und einigen Verletzten aus.

Die 30. Front Rafaél Aguilera gehört zum Westblock Jacobo Arenas die unter dem Generalkommando von Iván Mordisco stehen. Sie operiert vor allem im Südwesten an der Pazifikküste und hat die Aufgabe, den Korridor Richtung Micay und Kordillere zu sichern. Auch in El Tambo, Cauca, wurde ei Vorfall gemeldet, wo bei Auseinandersetzungen zwischen Guerilla und Polizei mindestens ein Guerillero starb. Seit einige Zeit gibt es eine Zuspitzung der kriegerischen Auseinandersetzung in der Provinz Cauca. Zuletzt konnte die Guerilla mit Attacken auf sich aufmerksam machen, nun versuchen die staatlichen Sicherheitskräfte die Initiative zurückzugewinnen.

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Schwere Kämpfe im Süden Caucas

Bei einer Operation der kolumbianischen Armee sind laut Angaben des Militärs acht Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, getötet worden. Dies geschah in der Gemeinde Argelia, Provinz Cauca, die zu den konfliktreichsten Regionen des Landes gehört. Zuvor soll es zwischen den beiden verfeindeten Strukturen der FARC-EP Kämpfe gegeben haben. Auf der einen Seite der Westblock Kommandant Jacobo Arenas mit der Front Carlos Patiño des Zentralen Generalstab und auf der anderen Seite die FARC-EP, Zweites Marquetalia, die unter dem Kommando von Iván Márquez steht. Während die Front Carlos Patiño vor allem den Ort El Plateado kontrolliert, versucht das Zweite Marquetalia auch außerhalb in der im südlichen Cauca gelegenen Region Fuß zu fassen.

Um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern, beschoss die Armee einen Ort, von dem Mitglieder des Zweiten Marquetalia Drohnenangriffe vorbereiten wollten. Das Zweite Marquetalia versucht, teilweise in Allianz mit der ELN, die Situation der Spaltung des Zentralen Generalstabs auszunutzen und eine potenzielle Schwäche der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco auszunutzen. Während der Norden von Cauca vor allem von der FARC-EP, Zentraler Generalstab, dominiert wird, ist der Süden weit umkämpfter durch die unterschiedlichen Guerillabewegungen. Die Region Cañón del Micay gilt als strategisch wichtig zwischen den Provinzen Cauca und Nariño, mit einer Verbindung von den zentralen Bergen zum Pazifik.

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Medien für Bedrohungen verantwortlich

Ohne Informationen nachzuprüfen, verbreitete das Journalistenteam des renommierten Radiosenders W eine unbegründete Meldung über angebliche Häuser in der Gemeinde Argelia in der Provinz Cauca der lokalen Bevölkerung, die als Waffen- oder Sprengstofflager für die Front Carlos Patiño des Westblocks der FARC-EP genutzt werden. So sollen laut der Falschmeldung, die auch andere große Medien ohne Nachprüfung verbreiteten, die Anbringung weißer Fahnen in mehreren Häusern im Sektor Pueblo Nuevo oder Puertas del Río dazu dienen, um Orte für die Lagerung von Waffen und Sprengstoff der FARC-EP vor Angriffen der Armee zu sichern. Hierbei berief sich das Journalistenteam des bekannten Radiosenders auf der Grundlage eines von der Nationalen Armee zur Verfügung gestellten Videos. Ohne die Informationen des Militärs zu überprüfen, verbreitete W Radio den Bericht und beschuldigte die Familien, die in den in den Videos gezeigten Häusern wohnen, Mitglieder der aufständischen Organisation zu sein.

Eine lokale Tageszeitung nahm sich dem jedoch an und brachte an das Tageslicht, dass es sich um eine Falschmeldung handelte. „Sie verletzen uns sehr, denn wir sind unschuldige Menschen, zum Beispiel ist das Haus, das in dem Film gezeigt wird, meins, sie beschuldigen mich, dass ich hier Sprengstoff der FARC-Dissidenten aufbewahre, das stimmt nicht, der erste Stock ist an einen Geschäftsmann vermietet, im ersten Stock lebe ich mit meiner Tochter und meiner Enkelin und der dritte Stock ist unbewohnt (…)“, sagt María Zoraida Villamil. Aus diesem Grund und um die Informationen zu überprüfen, reiste der unabhängige Journalist Camilo Fajardo in die Gegend, um die Aussagen der Familien einzuholen, die in den Häusern leben, die in dem Zeitungsbericht erwähnt werden, und bestätigte, dass es sich um ehrliche und hart arbeitende Familien aus diesem Dorf handelt.

Dieses aktuelle Beispiel der großen nationalen Medien ist typisch für die Berichterstattung in Kolumbien, nicht nur über die ländlichen Regionen, sondern auch über die aufständische Bevölkerung. Schlimmer wiegt jedoch, dass mit solchen Meldungen die lokale Bevölkerung einer ernsten Gefahr ausgesetzt wird. Der Stigmatisierung folgen häufig Bedrohungen, unrechtsmäßige Prozesse oder gar Verfolgung und Tod durch staatliche Sicherheitskräfte oder paramilitärische Gruppen, die häufig mit dem Staat Hand in Hand in der sogenannten Aufstandsbekämpfung agieren. Es wird nun eine Stellungnahme von W Radio zu dieser Situation und zu der Frage, wie sie die Familien entschädigen werden, erwartet, die von den falschen Informationen betroffen sind. Aber ob von dort was kommt, steht in den Sternen. Stattdessen ist die kolumbianische Bevölkerung wieder einmal in die Irre geführt worden im medialen Krieg gegen die Guerilla.

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Konflikt zwischen FARC-EP verschärft sich

Der Amazonas-Block der FARC-EP, die unter dem Kommando von Iván Mordisco steht, hat am gestrigen 21. August ein Kommuniqué veröffentlicht, welches den Beginn eines internen Konflikts zwischen den Strukturen der FARC-EP markieren könnte. In den Regionen Caquetá, Guaviare und Meta operiert der Block Kommandant Jorge Suárez Briceño, der zu den Friedensgesprächen tendiert und unter dem Kommando von Calarcá steht. Über die Frage des Friedensprozesses hat sich eine Spaltung innerhalb des Zentralen Generalstabs der FARC-EP vollzogen. Mit dem Kommuniqué kann es nun eine erhebliche Verschärfung der Spannungen innerhalb der aufständischen Bewegung geben

Das Kommuniqué beginnt mit der Beschreibung, dass diese Entscheidung getroffen wurde, nachdem „ein zersplitterter Sektor unter der Führung von Calarcá und anderen Kommandanten der Organisation den Dialogtisch mit der Regierung von Gustavo Petro attackiert und sich selbst zu Delegierten ernannt haben; dies, um eine Fraktionsbildung zu legitimieren, die sie seit mehreren Jahren betrieben haben“. Nun soll es komplexe Allianzen geben, die eine Vielzahl von Akteuren umfassen, die als feindlich vom Amazonas-Block angesehen werden.

„Diese Allianz ist in unseren Gebieten durch die Schritte der Fraktionalisten spürbar geworden, die einerseits den Paramilitärs und der offiziellen Armee sehr nahekommen. Dies stärkt die Allianz gegen die Guerilla der FARC EP, die sich als einzige revolutionäre Volksalternative konsolidiert, der alle ein Ende setzen wollen“, heißt es in dem Dokument. „Wir haben den Menschen gesagt, dass sie, wenn sie schon nicht mit uns zusammenarbeiten wollen, wenigstens neutral bleiben sollen, ohne die Fraktionisten zu unterstützen, aber mit großem Bedauern stellen wir fest, dass einige die Krümelchen, die ihnen die Faktionisten versprechen, der Würde des Kampfes für ein freies und souveränes Kolumbien vorziehen.“

Und weiter: „In dieser Woche haben die Fraktionalisten ihr wahres Gesicht gezeigt, indem sie unsere Guerillaeinheiten zweimal angegriffen haben, wobei vier Kameraden getötet wurden, darunter ein unbewaffneter Kamerad in Zivil, der bei dieser paramilitärischen und feigen Aktion, die sie auszeichnet, ums Leben kam“. Damit verschärft sich der Ton um Einfluss in dieser großen Region, wo die aufständische Bewegung einen permanenten Einfluss hat. Oft sind auch die sozialen Organisationen eng mit der Guerilla verbunden.

„Unter diesen Bedingungen können wir nicht mehr zur Neutralität aufrufen. Wenn jemand in der Region mit den Sektierern zusammenarbeitet oder sein Land oder seine Geschäfte verwaltet, sagen wir ihm, dass er besser gehen sollte, bevor die Konfrontation ihn einholt. Wir wollten nicht, dass dieser Verrat zu einer bewaffneten Konfrontation führt, die Guerilleros, Milizionäre oder die Zivilbevölkerung treffen würde. Wir hofften, dass die Guerilleros, die mit den Fraktionalisten zusammenarbeiten, zur FARC EP zurückkehren würden, aber diese Kommandanten zogen den Krieg vor.“

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Wieder Soldaten in Guaviare festgehalten

Zum wiederholten Male sind Soldaten der kolumbianischen Armee von der lokalen Bevölkerung in großem Maße festgehalten worden. Damit wehrt sich die Bevölkerung gegen die Militarisierung der Region La Macarena, die zwischen den Provinzen Caquetá, Guaviare und Meta liegt. Dies ist eine Region, in der schon immer die Guerilla, aber auch die regionale Selbstverwaltung von Bauern und Indigenen aktiv ist. Die Armee wird daher als Besatzung empfunden, häufig in Verbindung mit Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen. So wird die Bevölkerung stigmatisiert und ist stetigen Kontrollen, Zerstörungen und auch wahllosen Verhaftungen ausgesetzt. Kämpfe finden schließlich mit Einheiten der Guerilla statt, die sich aus der Bevölkerung rekrutiert.

Nach Angaben der Bevölkerung war die Umzingelung der Armeeeinheit eine Reaktion auf die jüngsten Sprengungen von Brücken in dem Gebiet, angeblich zum Zwecke des Naturschutzes in einem Nationalpark. Am Morgen des Sonntags wurde bekannt, dass etwa 32 Soldaten in der Nacht zum Samstag von der Gemeinde zwischen den Gemeinden Meta und Guaviare festgehalten worden waren. Das Zerstören der Straßen und Brücken, von der Bevölkerung und teilweise auch in Zusammenarbeit mit der Guerilla als Infrastrukturmaßnahme errichtet, soll als Schutzmaßnahme dienen, zerstört jedoch auch die Bewegungsfreiheit und den Transport der Bevölkerung.

Dies ist das zweite Festsetzen von einer großen Anzahl von Soldaten in weniger als zwei Wochen. Zuvor hatte, ebenfalls in der Provinz Guaviare, eine Gruppe der so genannten Bauerngarde fast 100 Soldaten, die sich in der Gegend aufhielten, festgehalten. Die Bevölkerung will die Umsetzung der vereinbarten Punkte in den Friedensgesprächen mit der FARC-EP. Die Führungsebene des Militärs machte hingegen die Guerilla selbst für die Aktion verantwortlich. „Die fortgesetzte Entführung von Soldaten in San José del Guaviare wird uns dazu zwingen, den Waffenstillstand mit dem Block Jorge Suárez Briceño zu überdenken“, sagte Verteidigungsminister Iván Velásquez. Es ist jedoch diese Kriegsrhetorik, die zu solchen Anlässen führt.

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Soldaten von Bauern festgehalten

Als Zeichen des friedlichen Protests gegen die Militarisierung ihrer Region haben Bauern und ihre Bäuerliche Wache 98 Soldaten der kolumbianischen Armee festgehalten. Die Soldaten der Eingreiftruppe Omega verrichten seit einiger Zeit ihren Dienst im nördlichen Gebiet der Gemeinde San José del Guaviare, Provinz Guaviare. Dies jedoch stört die lokale Bevölkerung, die sich laut ihrem Kommuniqué seit dem 7. August in einer friedlichen Mobilisierung befinden. So haben sie nicht nur mit Diskriminierungen zu kämpfen, sondern vor allem mit wahllose Durchsuchungen durch die Soldaten, mit permanenten Kontrollen und dass das Vorrücken der Soldaten die Ruhe, den Frieden und die Harmonie, die wir mit der Unterzeichnung des bilateralen Waffenstillstands in dem Gebiet erreicht haben, unmittelbar gefährdet. Mittlerweile sind 40 Soldaten bereits freigelassen worden.

Die sozialen Organisationen aus den Regionen Guaviare, Guayabero und auch dem Süden der Provinz Meta schildern in dem Kommuniqué die alltäglichen Beeinträchtigungen, die sie mit der Militarisierung erleben. Immer wieder kommt es zu diesen Vorfällen und auch dem Festsetzen der Soldaten als Zeichen des Protestes. Häufig erlebt die lokale und ländliche Bevölkerung die Armee als Besatzungsmacht, die einzig und allein Aufgaben der sogenannten Aufstandsbekämpfung im Zuge des Antidrogenkrieges vollzieht. Der Staat ist sonst kaum präsent und vernachlässigt die ländlichen Regionen. Kein Wunder also, dass auch hier die Guerilla FARC-EP diese Funktion übernimmt, so wie hier die Strukturen aus dem Ostblock Kommandant Jorge Suárez Briceño unter dem Kommando von alias Calarcá.

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Außerordentliches Treffen zu Verhandlungen

Nachdem es zuletzt zwischen der kolumbianischen Regierung der Abspaltung der FARC-EP unter dem Kommando von alias Calarcá Córdoba zu einer Reihe von Spannungen kam, endete am Freitag das außerordentliche Treffen zwischen den Friedensdelegationen der Regierung und der FARC-EP, die weiterhin am Verhandlungstisch bleiben. Als Ergebnis des dreitägigen Treffens in Cúcuta im Nordosten Kolumbiens einigten sich die Parteien auf 11 Maßnahmen zur Lösung verschiedener Situationen, die die Friedensverhandlungen ins Stocken gebracht haben. Sie kündigten außerdem eine neue Gesprächsrunde an, die in der letzten Septemberwoche stattfinden soll.

Der Zentrale Generalstab der FARC-EP hatte sich wegen gegensätzlicher Vorstellungen zur Führung und Friedensfrage in zwei Fraktionen aufgespalten. Auf der einen Seite steht Néstor Gregorio Vera, alias Iván Mordisco, mit einer starken Präsenz in Cauca und im Südwesten, aber auch im Osten des Landes, der derzeit nicht mit der Regierung weiter verhandeln will. Auf der anderen Seite steht Alexander Díaz Mendoza, alias Calarcá, in Begleitung von Carlos Eduardo García, alias Andrey Téllez, der zwei große Blöcke mit Strukturen in den Provinzen Meta, Caquetá, Santanderes, Bolívar und Antioquia kommandiert. Beide stehen sich mittlerweile unversöhnlich gegenüber, zu kämpferischen Auseinandersetzungen ist es bisher aber noch nicht gekommen.

Die Strukturen von alias Calarcá sind in zwei Blöcke unterteilt: den Block Magdalena Medio Kommandant Gentil Duarte, der in Bolívar, Süd-Bolívar, Antioquia und Norte de Santander vertreten ist, und den Ostblock Kommandant Jorge Suárez Briceño, der sich in Meta, Huila, Tolima, Caquetá, Guaviare und Putumayo befindet. Hierzu zählt auch die ehemalige sich in zwei Teile gespaltene Front Carolina Ramírez, die nun Front Raúl Reyes heißt. Es wird geschätzt, dass die Strukturen von alias Calarcá schätzungsweise 1.750 Mitglieder haben. Die Regierung will einen Waffenstillstand für drei statt der angekündigten sechs Monate gewähren, um die Bereitschaft der FARC-EP unter Calarcá zum Frieden zu prüfen. Dazu gehört der Verzicht auf Konfrontation, die Nicht-Präsenz in bewohnten Zentren, die Deeskalation des Konflikts und der Verzicht auf die Rekrutierung von Minderjährigen.

Die Regierungsdelegation muss zudem die Friedensbotschafter, die während der Friedensverhandlungen inhaftiert wurden, bei den entsprechenden Instanzen einreichen und die Anträge auf Verlegung in Haftanstalten unter Bedingungen, die ihre Sicherheit garantieren, unverzüglich bearbeiten. Diese Verpflichtung ist der erste Punkt der dringenden humanitären Fragen, die vereinbart wurden. Der Naturschutz bzw. das Verhindern der Abholzung wurde ebenso thematisiert wie der Fall von David Fernández Soler. Dieser junge Mann wurde laut Zeugenaussagen als Deserteur getötet. Hier soll die Familie mit der Bitte um Informationen kontaktiert werden. Der Fall, über den auch wir berichteten, sorgte für mediale Aufmerksamkeit.

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Das Ende eines jungen Kämpfers

Der revolutionäre Kämpfer David Estíven Fernández Soler ist vermutlich von einem Kriegsgericht der FARC-EP unter dem Kommando von alias Calarcá verurteilt und getötet worden. Dies wird aus einem Kommuniqué der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco deutlich, der sich klar gegen die Abspaltung von Guerillastrukturen von Calarcá positioniert und unter anderem diesen Fall veröffentlicht. Beide Kommandierende sind mittlerweile verfeindet. Bekannt war David Estíven Fernández Soler als sozialer Anführer und Kämpfer der sogenannten „Ersten Linie“ im Hauptstadtviertel Kennedy. Aufgrund von paramilitärischen Drohungen und um den Kampf mit der Waffe fortzuführen, schloss er sich später medienwirksam der FARC-EP an. Nun ist die revolutionäre Karriere des jungen Revolutionärs wohl beendet, über den wir bereits auch hier im Dezember 2022 berichteten.

Im Jahr 2021 wurde er als einer der Anführer und politischen Köpfe in der Primera Línea (Erste Linie) bekannt, hier am Portal Américas, einem der großen Protestpunkte in der Hauptstadt Bogotá. Der junge David Estiven wurde zusätzlich zu seiner Arbeit bei der Ersten Linie zu einem sozialen Anführer in seinem Viertel. Mit einem kleinen Schild auf der Brust ging er auf eigene Faust auf die Straße, um die notwendigen Unterschriften zu sammeln, was ihn schließlich zum Gemeinderatsmitglied der Gemeinde Kennedy machte. Bereits hier hat er Kontakt zu Personen aus der aufständischen Bewegung FARC-EP, damals noch von Gentil Duarte geführt und vereint. Doch zunächst bleibt er in Bogotá, wird der Öffentlichkeit bekannt, lässt sich mit Politikern ablichten.

David Estiven war jung, als er schließlich Ende 2022 in die Berge zur Guerilla geht. Sofort behaupten Medien, er sei entführt oder zwangsrekrutiert worden. Doch die Guerilla veröffentlicht im Dezember 2022 ein Video mit ihm, in Guerillakleidung und mit Gewehr in der Hand. Er betont hier, dass er freiwillig hier sei, die Revolution auch mit der Waffe geführt werden müsse. Kurze Zeit später sah man ihn an der Seite von Iván Mordisco bei dem Beginn der Friedensgespräche in den Ebenen des Yarí. Sicherlich führte man David Estiven auch vor, er war den Medien und der Öffentlichkeit bekannt und dient als politische Legitimation des bewaffneten Kampfes.

Im Juni 2023 kommuniziert er wohl das letzte Mal mit seiner Familie. Er äußert Unzufriedenheit, will weg. Doch dieser Weg ist nicht leicht, schon gar nicht, wenn er fliehen will. Dies gilt laut den Statuten als Desertion. Er befand sich in der Provinz Caquetá, in einem von der Guerilla kontrollierten Gebiet. Der Block Jorge Briceño der FARC-EP unter Calarcá kontrolliert diese Struktur mit verschiedenen Fronten, die in Meta, Huila und Caquetá operieren. Auf Desertion steht das Kriegsgericht. Er ilt als Verräter. Am 31. Juli 2024 gab Iván Mordisco in dem Kommuniqué bekannt: „Der von Calarcá angeordnete Mord an dem jungen David Steven Fernández Soler, einem Mitglied der Front, der vor der paramilitärischen Repression Zuflucht suchte und der als Deserteur ausgegeben wurde, um ihn zu ermorden.“

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Neues Kommuniqué von Iván Mordisco

Drei Monate nach der regionalen Aussetzung des von Präsident Gustavo Petro verkündeten Waffenstillstands mit den Strukturen der FARC-EP, Zentraler Generalstab, im Südwesten Kolumbiens, die unter dem Kommando von Iván Mordisco stehen, wurde am Dienstag ein Video veröffentlicht, in dem Iván Mordisco einen neuen Zentralen Generalstab verkündet und sich auch zur Umweltkonferenz COP16 äußert.

Hauptnachricht in dem Kommuniqué per Video betrifft die Ernennung eines neuen Kommandos des Zentralen Generalstabs. „Nach Beratungen und Treffen mit dem nationalen Kommando haben wir den neuen Zentralen Generalstab mit seinen 21 Mitgliedern sowie das Sekretariat der FARC-EP ernannt.“ Das Video von Mordisco wird von einem ausführlichen Kommuniqué begleitet, in dem sie sich auf die Anschuldigungen der anderen Fraktion der EMC vom 17. Juli beziehen. An diesem Tag hatte die von Calarcá Córdoba und Andrey Avendaño angeführte Gruppe eine scharfe Mitteilung an Mordisco geschickt, in dem sie ihn beschuldigten, einen Krieg zwischen den Fronten anzetteln zu wollen.

Wir fordern Iván Lozada (auch bekannt als Iván Mordisco) auf, sich ganz objektiv zu fragen: „Haben Sie sich hingesetzt, um die Folgen einer Konfrontation mit denjenigen von uns zu analysieren, die die Schauplätze des Kampfes und sogar die Schützengräben des Kampfes geteilt haben? Haben Sie sich gefragt, wie erschütternd ein möglicher Konflikt mit denjenigen von uns sein könnte, die diese Regionen mit Blut verteidigt haben? Haben Sie sorgfältig geprüft, wie profitabel dies für die wirklichen Feinde des Volkes sein könnte? Haben Sie mit realen Zahlen das Blut berechnet, das vergossen werden könnte, und die Toten, die dies zur Folge haben könnte? Haben Sie den Guerillas erklärt, bevor Sie sie losschicken, um uns anzugreifen, ob es eine gerechte Sache ist, diesen Krieg zu beginnen, oder ob es Ihre Laune ist?“

Darauf antwortet das Kommuniqué des neuen Zentralen Generalstabs unter Mordsico: „Sie sagen, dass wir die Guerilla angreifen werden, die bei den Verhandlungen bleibt. Das ist absolut falsch, zu keinem Zeitpunkt haben wir daran gedacht, die Guerilla anzugreifen, die dort unter den Befehlen dieser Fraktionisten getäuscht oder bedroht wird. Unsere militärische Aktion richtet sich gegen die Feinde der Klasse und gegen den Paramilitarismus, der in Kolumbien noch latent vorhanden ist. Wir haben Pläne, die von den Guerillakonferenzen und dem strategischen Plan bestimmt werden, der uns bestimmt, auf die Gebiete jedes Blocks auf nationaler Ebene vorzudringen. Wir werden nur auf die Kräfte reagieren, die sich diesem Vormarsch widersetzen. Die Türen stehen den Guerilleros offen, die bei den Sektierern geblieben sind. Wir wissen, dass viele gezwungen waren, bei ihnen zu bleiben, andere haben es geschafft, sie zu verlassen und sind an die Fronten zurückgekehrt“, sagen sie.

Sie weisen auch darauf hin, dass Calarcá immer die Absicht hatte, die bewaffnete Gruppe zu spalten. „Von Anfang an hatten wir Hinweise auf Pläne von ihm, in Koordination mit den Márquez den Genossen Iván Losada zu ermorden und die Kontrolle über die Organisation zu übernehmen, Tatsachen, die wir nach dem Putsch der Faktionisten durch verschiedene Nachrichtenquellen verifiziert haben“, bekräftigen sie in dem Video.

Und zuletzt fügen sie hinzu: „Ein weiteres Problem, das seit der Ankunft von Calarcá und den ihn begleitenden Kommandanten sehr schwer zu bewältigen ist, ist die Zahl der Verstöße gegen die Disziplin, gegen die Politik und die Statuten der FARC-EP. Dies hat uns Probleme mit der Bevölkerung im Allgemeinen und mit den Unterzeichnern des Abkommens im Besonderen bereitet. Die Bedrohungen gegen diese Gemeinschaften unter der Führung von Calarcá waren umfangreich“. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf die jüngste Vertreibung der Friedensunzerzeichner aus der Wiedereingliederungszone von Miravalle.

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Erste Bombardierung seit 2 Jahren

In dieser Woche fand nach Kämpfen im Süden der Provinz Cauca und nach dem Tod eines Minderjährigen bei der Explosion von Sprengstoff, bei dem die FARC-EP in einem Kommuniqué die Verantwortung übernahmen, das erste Mal seit August 2022 wieder ein Bombenangriff auf ein Lager der FARC-EP statt. Die Richtlinie zur Nichtbombardierung wegen zahlreicher Kollateralschäden und Tötung von Unschuldigen und Minderjährigen durch Luftangriffe wurde nur wenige Tage nach dem Amtsantritt von Präsident Gustavo Petro im August 2022 bekannt gegeben. Nun kann die Aufnahme der Bombardierung als ein Einschnitt in der bisherigen Sicherheitspolitik des Landes gesehen werden, auch im Kontext der Friedensverhandlungen und der Strategie eines so genannten totalen Friedens in Kolumbien, den Petro favorisiert.

Deshalb war es überraschend, als die kolumbianische Luftwaffe am Mittwoch die erste Bombardierung in Cauca während der Regierung Petro durchführte. Hier befinden sich mit den Strukturen des Westblocks Kommandant Jacobo Arenas die Strukturen der FARC-EP, Zentraler Generalstab, die sich nicht mehr in Friedensverhandlungen mit der Regierung und unter dem Kommando von Iván Mordisco stehen. Getroffen wurde ein Lager der Guerilla, dass sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Tal Micay befindet, umrahmt von Minenfeldern, so dass eine Einnahme durch Soldaten nur sehr schwer möglich wäre. Hier in El Plateado in der Gemeinde Argelia ist die FARC-EP mit ihrer Front Carlos Patiño sehr stark präsent.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Bombardierung auch dem Kommandanten des Westblocks Andrés Patiño oder El Mocho, sowie dem Kommandanten der regionalen Front gegolten habe. Bisher konnte eine großangelegte Militäroffensive die Aktivitäten der FARC-EP in diesem Tal nicht einschränken. Die Guerilla ist hier weiterhin sehr politisch-militärisch präsent und hat faktisch die territoriale Macht. Der Angriff aus der Luft ereignete sich wenige Stunden nachdem in El Plateado mittels einer Drohne Sprengsätze gezündet wurden, bei der es mehrere Verletzte und einen toten Minderjährigen gab. Kämpfer der FARC-EP hielten dann in einer Gedenkzeremonie eine Schweigeminute zusammen mit der Zivilbevölkerung ab, so ist es auf zahlreichen Videos zu sehen.

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