Die Guerillakommunikation ist ein Nachrichtenportal der FARC-EP, Zweites Marquetalia – Bolivarische Armee, welches kurz vor den Querelen um die Abspaltung zweier wichtiger Strukturen aus dem Süden Kolumbiens am 8. Oktober ihre neue Webseite https://smarquetalla-eb.com veröffentlicht hat. Das eigentliche Ziel war es, die Meinungen und Vorschläge des Zweiten Marquetalia für den Aufbau des Neuen Kolumbien zu verbreiten und die gerechten Volkskämpfe in Kolumbien und der Welt sichtbar zu machen. Nun ist alles anders gekommen und Iván Márquez hat sich ablehnend gegenüber dem aktuellen Friedensprozess und der Agenda gezeigt.
Was folgte war die Abspaltung zwei Strukturen, die vor allem militärisch ein großer Verlust für das Zweite Marquetalia darstellen dürfte. Umso wichtiger scheint es derzeit, dass die FARC-EP, Zweites Marquetalia, die sich nun Zweites Marquetalia – Bolivarische Armee (kurz SM-EB von Segunda Marquetalia – Ejército Bolivariano) nennt, eine eigene Gegen-Öffentlichkeit zu schaffen. Es ist kein Geheimnis, dass sich diese Guerilla um Iván Márquez in einer schweren Krise befindet. Der Verlust der Strukturen im Süden, aber auch der ermüdende Kampf gegen die FARC-EP unter Iván Mordisco sowie gegen die staatlichen und anderen Akteure sorgen für Verluste.
Um den Kämpfern, Anhängern und Sympathisanten noch näher zu kommen, wollen sie nun mittels der Webseite mit der Rubrik „Dialoge ohne Filter“ regelmäßig Interviews mit den Kommandanten und Mitgliedern der Einheiten der SM-EB zu veröffentlichen. Unter anderem steht dafür der Oberkommandierende selbst bereit. Sonst ist die Webseite mit zahlreichen Kommuniqués der Guerilla, Audio- und Videobeiträgen und anderen historischen Informationen bestückt. Auch die bekannten sozialen Kanäle werden neu bespielt. Damit ist das Zweite Marquetalia aber wie schon in der Vergangenheit zumindest medial und in der Öffentlichkeitsarbeit besser ausgerüstet, als die anderen verfeindeten Fraktionen der ehemaligen FARC-EP.
In dieser Woche gaben die Regierungsdelegation und die Mitglieder der FARC-EP, Zweites Marquetalia des Oberkommandierenden Iván Márquez bekannt, dass die am Verhandlungstisch verbliebene Struktur der Guerilla den Namen Nationale Koordination der Bolivarischen Armee, Spanisch: Coordinadora Nacional Ejército Bolivariano, tragen wird. Die Änderung betrifft nicht nur den Namen, sondern unter anderem auch die Verhandlungsagenda und die Orte, an denen die Dialogzyklen stattfinden werden. Diese am Verhandlungstisch verbliebene Struktur setzt sich aus den Bolivarischen Grenzkommando (Comandos de la Frontera) und der Guerillakoordination des Pazifiks (Coordinadora Guerrillera del Pacífico) zusammen. Diese beiden Strukturen fassen die weitaus größte Gruppe des ehemaligen Zweiten Marquetalias zusammen, rund 2000 Personen.
Der Frieden mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, die einst unter dem Kommando von Iván Márquez standen, rückt in weite Ferne. Denn zwei große Strukturen innerhalb dieser Allianz haben nun ihre Autonomie verkündet und sind nicht weiterhin Teil des Zweiten Marquetalia. Nach einem Schreiben von Iván Márquez an jene Strukturen, der nicht nur seine Unzufriedenheit im Friedensprozess verkündete, sondern ihnen auch nicht mehr erlaubte unter dem Namen des Zweiten Marquetalia aufzutreten, gaben die beiden Strukturen Comandos de la Frontera (Bolivarische Grenzkommandos) und die Coordinadora Guerrillera del Pacífico (Guerillakoordination des Pazifiks) ihre Entscheidung bekannt, unabhängig zu werden. „Wir distanzieren uns von der Bezeichnung Zweites Marquetalia und werden dieses Akronym von nun an nicht mehr verwenden“, heißt es in einem offenen Brief.
Droht die nächste Spaltung in einem Friedensprozess zwischen der kolumbianischen Regierung und einer sogenannten Dissidenz der FARC-EP? Diesmal wurde am gestrigen Sonntag ein Schreiben des Oberkommandierenden der FARC-EP, Zweites Marquetalia, Iván Márquez bekannt, in dem er die weitere Verwendung dieses Namens verboten und bilaterale Treffen im Rahmen des Friedensprozesses untersagt hat. Diese Die Zweite Marquetalia begann am 30. Juni einen Friedensprozess mit der Regierung. Diese Abspaltung der FARC-EP unter dem Kommando des ehemaligen Chefs der Verhandlungsgruppe der alten FARC-EP, demobilisiert im Jahr 2016, begann Friedensgespräche ab dem 30. Juni dieses Jahr und hat rund 1800 Guerilleros. Drei große drei Fraktionen bilden das Zweite Marquetalia: die Guerillakoordination des Pazifiks im Südwesten, die bolivarischen Grenzkommandos im Süden und die Nationale Direktion unter dem Kommando von Iván Márquez mit Fronten im Osten des Landes.
Laut verschiedener kolumbianischer Medien und vor allem auf Basis von Militärinformationen soll es am Wochenende bis zuletzt diverse Militäroperationen gegen Strukturen der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco in der Provinz Meta gegeben haben. Dabei sollen bis zu zehn Mitglieder der Organisation getötet und fünf weitere gefangen genommen worden sein. Einige der Guerilleros haben sich der Armee ergeben. Demnach handelt es sich um Mitglieder der neuen Mobilen Front Jaime Rodríguez, die aus der Provinz Cauca nach Meta überführt wurde, um hier die verfeindeten Strukturen der FARC-EP unter dem Oberkommando von Calarcá zu bekämpfen. Es wurde zuletzt immer mehr spekuliert, in wie weit Mordisco die in Bedrängnis geratene 1. Front Armando Ríos unterstützen kann, die sich territorial auch in Meta bewegt.
In Aipe, Provinz Huila, fand unter großer Beteiligung der lokalen Bevölkerung die Beerdigung des Guerillakommandanten Miller Ortiz Rivas, alias „Miller“, statt. Es war der Kommandant der Front 26. März des Zentralblocks Isaías Pardo der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco. Anfang November gab es ein Feuergefecht zwischen der FARC-EP und der Armee im Norden der Provinz Tolima, wo neben Miller auch andere Guerilleros ums Leben kamen. Der Trauerzug, der von einer großen Karawane, Feuerwerk und populärer Musik begleitet wurde, ist auf zahlreichen Videos zu sehen, was Polemik in den großen Medien auslöste. Die Bilder, die in den sozialen Netzwerken und Medien kursieren und für Kontroversen gesorgt haben, zeigen die Fahne der FARC-EP und andere Erinnerungen an den Guerillakommandanten, der aus Aipe stammte und zudem in der Bevölkerung anerkannt war.
In einem Kommuniqué des Zentralen Generalstabs des Westblocks Jacobo Arenas der FARC-EP, der unter dem Oberkommando von Iván Mordisco steht und welches am 2. November veröffentlicht wurde, wird zur Nichtteilnahme eines „Konzert des Krieges“ aufgerufen, welches das Verteidigungsministerium für die Bewohner in der großen Ortschaft El Plateado am 8. November durchführen möchte. Im Zuge der Militarisierung und Offensive der staatlichen Sicherheitskräfte will man nun offensichtlich die Herzen der lokalen Bevölkerung zurückerobern und bietet ein großes Konzert an. Darauf verweist auch die FARC-EP, die mit ihrer Front Carlos Patiño hier stark präsent ist und derer die Offensive gilt. So bezeichnet die FARC-EP das Konzert vom Minister Iván Velásquez geleiteten Verteidigungsministerium als einen Plan zur Rückeroberung dieses Teils des Landes.
Die 28. Front des Zentralen Generalstabs der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco, die sich im Krieg mit der Regierung befinden, hat der anderen Guerillabewegung ELN in der nordöstlichen Provinz Arauca den Krieg erklärt. Der Kommandant dieser Front, alias Antonio Medina, veröffentlichte ein Video, in dem er die Zivilgesellschaft der Kollaboration mit der Guerilla beschuldigt und der ELN mitteilt, dass sie angeblich mit den Streitkräften zusammenarbeitet. Damit verfestigt sich der Konflikt zwischen beiden Guerillabewegungen, der seit jeher in dieser Region schwelt. Auch unter der alten FARC-EP, 2016 in eine politische Partei umgewandelt und demobilisiert, gab es Konflikte um die Einflusszonen. Beide Guerillabewegungen haben hier eine Historie und auch soziale Basis, zudem ist die Region durch die Grenznähe zu Venezuela strategisch wichtig. Zuletzt gab es immer wieder Konflikte zwischen der 28. Front und auch der 10. Front der FARC-EP mit der ELN und auch der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter dem Kommando von Iván Márquez.
Die Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Generalstab der Blöcke, so der Eigenname des Zentralen Generalstabs der FARC-EP unter Calarcá, gehen voran. Am 18. Oktober wurde das gemeinsame Kommuniqué des VI. Verhandlungszyklus zwischen dem Generalstab der Blöcke und der kolumbianischen Regierung veröffentlicht. Eines der wichtigsten Ergebnisse dieses Verhandlungszyklus betrifft die Beteiligung der Zivilgesellschaft, in deren Rahmen eine Vereinbarung zur Gewährleistung der Gesellschaft und der Bevölkerung am Friedensprozess angenommen wurde. Bereits in den Prozessen der alten FARC-EP und mit anderen Guerillagruppen spielte die Beteiligung der Gesellschaft eine große Rolle.
In dem großen Ort El Plateado, gelegen im Herzen des Cañón del Micay, wächst die Angst vor neuen bewaffneten Akteuren und Übergriffen im Ort sowie in der Region. Mit der Militäroperation Perseo, welche die Dominanz der FARC-EP brechen will, kommen Soldaten und Polizisten in die Region als neue Schutzmacht, die jedoch von der Bevölkerung eher als Besatzungsmacht angesehen wird. Ohne gewachsene staatliche und soziale Strukturen wird es in diesen Orten, wo vorher die Guerilla ihre Macht ausübte, so schnell keinen gemäßigten Übergang zu Ordnung und Sicherheit geben. Stattdessen ist häufig erkennbar, dass nach der Militarisierung von ländlichen Regionen zwar die Guerilla aus den Orten vertrieben wird, aber im Rücken der Militärs andere bewaffnete Akteure versuchen, das scheinbare politische, soziale, ökonomische und auch militärische Vakuum zu füllen. Vor allem paramilitärische und kriminelle Strukturen waren dies in den zurückliegenden Jahrzehnten.