Paramilitärische Gewalt auch im Süden Kolumbiens

Wir berichteten bereits in einem vorangegangenen Artikel, dass die Gewalt auch zu Beginn des neuen Jahres in Kolumbien keinen Halt macht. Nun hat sich besonders im Nordwesten Kolumbiens (Chocó) und im Süden (Putumayo) der Konflikt verschärft, der insbesondere durch Paramilitärs vorangetrieben wird.

So findet in beiden Provinzen derzeit eine militärische Aktion von paramilitärischen Gruppen gegen die lokale Bevölkerung, als auch gegen die Guerilla statt. Vordergründig geht es um wirtschaftliche Interessen und die Sicherung von Machteinfluss im Interesse der legalen und illegalen Wirtschaft sowie um die Interessen der Großgrundbesitzer, die Vereinbarungen mit den paramilitärischen Gruppen haben.

Am vergangenen 8. Januar wurden insgesamt drei neue Morde an sozialen Aktivist*innen bekannt, eine Person in Algeciras (Huila) und zwei weitere in Puerto Guzmán (Putumayo). Hinzu kommt ein Mordversuch. Im Mittelpunkt des Konfliktes in Putumayo steht das Vordringen von paramilitärischen Einheiten gegen die dortige operierende dissidentische FARC-Front „Frente Carolina Ramírez“. Diese steht den Einheiten der Ersten Front der FARC nahe, die ihr Hauptoperationsgebiet in Caquetá, Guaviare und Meta haben.

Eine der Regionen, in denen das Friedensabkommen am meisten gefeiert wurde, war die Provinz Putumayo, die mit ihren nur 350.000 Einwohner*innen fast zwei Drittel davon betroffene des bewaffneten Konfliktes besitzt. Dies impliziert vertriebene oder verletzte Personen sowie erhaltene Drohungen oder Opfer einer Gewalttat. Doch bereits 2017 bildeten sich dissidentische Strukturen aus der 48. und 1. Front.

Während sich die ehemaligen Personen der 48. Front im Süden der Provinz an der Grenze zu Ecuador eher dem Drogenanbau und -handel verschrieben hatten, bildeten sich im nördlichen Teil von Puerto Guzmán politisch-militärische Strukturen unter Rodrigo Cadete heraus, der im Auftrag von Gentil Duarte und der 1. Front hier das neue Projekt der FARC aufbauen sollte. Dieser starb jedoch Anfang des Jahres 2019 im ländlichen Gebiet von San Vicente del Caguán in Caquetá.

Einer der neuen Kommandanten der sich wiederbewaffneten FARC-EP in Putumayo ist Danilo Alvizú, der die Frente Carolina Ramírez befehligt. Bei der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Jahr 2016 tauschte Alvizú seine Waffen gegen Kameras aus und wurde ab undl auf einer Pressekonferenz fotografiert. Er begann als Fotograf und Filmer in der Produktionsfirma zu arbeiten, die die ehemaligen Kämpfer*innen gründeten und Nueva Colombia Noticias nannten. Dann entschloss er sich, alleine zu arbeiten. Etwas, das seiner Meinung nach immer frustrierend war, weil es an Arbeitsmöglichkeiten mangelte.

Hinzu kommen seine Erfahrungen mit der Niederlegung der Waffen, die ein Großteil der Kämpfer*innen unsicher und ungeschützt hinterlassen sollte. Das Abkommen wurde nicht eingehalten und viele, die Frieden erhofften, wurden ermordet. Dieser Verrat trieb ihn und andere Kommandanten zur Widerbewaffnung. So entstand die Frente Carolina Ramírez unter seinem Kommando und mit Verbindungen zu den Strukturen der Fronten 1 (Armando Ríos), 7 (Comandante Jorge Briceño), 43 (Jacobo Arenas), 42 (Camilo Tabaco) und 27 (Manuel Marulanda).

Die Frente Carolina Ramírez hat die Aufgabe, Gebiete der ehemaligen 48. und 49. Front des Südblocks der FARC zu kontrollieren. Diese Gebiete befinden sich in den Provinzen Cauca, Caquetá, Huila und Putumayo. Für Schlagzeilen sorgten die Front durch internationale Berichterstattung im Kontext des neu aufflammenden bewaffneten Konfliktes aufgrund der Nichteinhaltung des Friedensabkommens. So gab es unter anderem eine Reportage im deutschen Magazin „Der Spiegel“.

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