Freiheit und Asyl für Julián Conrado!
Freiheit und Asyl für Julián Conrado!
Doch ist die FARC-EP eine undurchdringliche Wand, die das Vordringen von linken Tendenzen in Kolumbien verhindert?
Die Frage stellt sich, aus Sicht Pablo Catatumbos und der FARC-EP aus zweierlei Sicht: Die Unwissenheit über die Geschichte als eine revolutionäre Organisation samt Aktivitäten auf der einen Seite und zweitens, einer offensichtlichen Absicht, die linke Geschichte Kolumbiens losgelöst von der Guerilla zu betrachten. So, als ob de FARC-EP einfach nur eine militärische Entstehung und Entwicklung gehabt hätten.
Die Realität ist jedoch anders zu dem oben geschriebenen. Die Geschichte der FARC-EP ist das Produkt aus der Übereinstimmung der verschiedenen Ausdrucksformen der sozialen Kämpfe des kolumbianischen Volkes. Als Beispiel hierfür stehen die beiden Anführer Manuel Marulanda Vélez und Jacobo Arenas, die dem Kampf aus zwei verschiedenen Hintergründen, einer aus den liberalen Bauernvereinigungen und der andere aus dem kommunistischen Proletariat heraus, beitraten und sich in Marquetalia vereint im Schützengraben wiederfanden. Im Prozess der Entstehung der verschiedenen Fronten der FARC-EP spiegeln sich die verschiedenen politischen und kulturellen Traditionen des kolumbianischen Volkes wieder. Es sind Indigene, Bauern, Studierende, Personen afrikanischer Abstammung, Frauen, Intellektuelle, Künstler oder Arbeiter.
In der Erklärung beschreibt er die Entstehung der FARC-EP anhand wichtiger historischer Ereignisse. Angefangen vom Mord an oppositionellen Politikern in der Jahrhunderte alten politischen Geschichte des Landes bis hin zur Repression gegen Arbeitende und Bauern in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Diese Gewalt gegen Andersdenkende und Oppositionelle beschreibt er als regelrechte Konstante in der Regierungspolitik. Die Verantwortung für die Gründung von Selbstschutzvereinigungen der Bauern und anderer politisch engagierter Personen, aus denen später die Guerilla entstand, liege eindeutig beim kolumbianischen Regime. Ebenso könne die systematische Verfolgung der Unión Patriótica, die stetige (Para-)Militarisierung des Landes und die neoliberale und pseudo- pazifistische Politik ab den 90er Jahren, die in der Verfassung von 1991 festgeschrieben wurde, nicht losgelöst vom bewaffneten Konflikt und der Guerilla betrachtet werden.
Die FARC-EP können nicht die Alleinschuldigen am Zustand der Linken sein. Sicherlich tragen sie ihren Teil dazu bei, wie alle anderen Parteien und Bewegungen auch, aber hier geht es, wenn überhaupt, um eine Gesamtkrise der kolumbianischen Linken, die ihren Ausdruck auch in der parlamentarischen Vertretung und der Popularität in den Umfragen findet. Doch die Linke besteht eben nicht nur aus einer parlamentarischen Vertretung, sondern auch aus den vielen Gruppen und Bewegungen, die derzeit aus dem Boden sprießen. Und hierin sieht die FARC-EP keinen Gegner, sondern Partner im täglichen Kampf.
Die Region Catatumbo liegt im Nordosten Kolumbiens und sie besteht aus neun Gemeinden im nördlichen Teil des Bundesstaates Norte de Santander: Convención, El Tarra, Hacarí, Teorama, San Calixto, La Playa, Sardinata, El Carmen und Tibú. Die Region hat ihren Namen von den Gewässern des Flusses Catatumbo, der in den Maracaibo-See auf der Seite Venezuelas mündet. Die Region ist aufgrund der politisierten Bauernbewegungen eine der sozialen Heimstätten der beiden Guerillabewegungen FARC-EP und ELN. Seit Jahren wird die Region durch kolumbianische Sicherheitskräfte aufgerüstet, was zu Konflikten mit Guerilla und Bevölkerung führt.
In einem Interview mit dem unabhängigen Journalisten Karl Penhaul, welches im ländlichen Südwesten Kolumbiens aufgenommen und in den Nachrichten des Senders Caracol ausgestrahlt wurde, sagte der Anführer des militärischen Südblocks der FARC-EP, dass der Krieg beendet werden müsse. Jedoch betont er auch, dass die Möglichkeiten eines Friedens von den politischen und wirtschaftlichen Interessen abhängen. Zum Frieden reiche es nicht nur zu sagen, dass nun die Waffen niedergelegt werden und dass man aufhöre Posten von Militär und Polizei anzugreifen. Vielmehr müssen die Dinge beendet werden, welches die Gründe für den bewaffneten Konflikt sind. Die Regierung, so scheint es, will aber keinen Frieden.
Fabián Ramírez macht auch darauf aufmerksam, dass die FARC-EP keine Entführungen aus finanziellen Gründen durchführen werden, es muss jedoch zwischen Entführungen und Gefangennahmen im Krieg unterschieden werden. So sei es weiterhin möglich, Soldaten oder Polizisten in Gefechten gefangen zunehmen. Er spricht sich gegen eine Humanisierung des Krieges aus, seiner Meinung nach müsse der Krieg beendet werden: „Humanisieren, wofür? Um ihn weiter fortzuführen?“ sagt er.
In Kolumbien wird seit jeher versucht, das Völkerrecht sowie das Menschenrecht für die Interessen des Staates und ihrer Oligarchie zu verletzen. Während Staat und Paramilitarismus im Einklang mit den neoliberalen Interessen den Terror im Land walten und die politische und soziale Opposition verfolgen lassen, werden die revolutionären Gueriller@s mit dem Vorwurf des Terrorismus, der Entführung und der Verschwörung konfrontiert. Der bewaffnete Konflikt soll hierdurch entpolitisiert werden. Tatsächlich sitzen aktuell bis zu 9500 politische Gefangene in den kolumbianischen Gefängnissen, ihr Status ist jedoch ungeklärt, da der Staat den Status von politischen Gefangenen und Kriegsgefangenen nicht anerkennen will. Und doch gibt es eben viele in den Gefängnissen, weil ihre Motivation darin bestand, gegen einen Staat zu rebellieren, der selbst die einfachsten Menschenrechte verletzt und der keinen Raum für eine friedliche Opposition zulässt. Als Beispiel sei hier der systematische Massenmord an der „Unión Patriótica“ mit mehr als 5000 Toten, der Mord an führende Politiker und Präsidentschaftskandidaten wie Jaime Pardo Leal, Carlos Pizarro, Bernardo Jaramillo oder Luis Carlos Galán, sowie die Tausenden von ermordeten Gewerkschaftern, Mitgliedern der sozialen Bewegungen und Guerilla-KämpferInnen. Der Widerstand mit der Waffe gegen ein zutiefst undemokratisches und ungerechtes Regime ist also legitim.
Was die Menschen in Cauca und ganz Kolumbien fordern ist, dass der Krieg gegen sie aufhört. Der Krieg bestehend aus Operationen des Militärs und der Paramilitärs, der Bombardierungen und Maschinengewehrfeuer, der militärischen Besetzungen und massiven Festnahmen, der Krieg der Plünderungen und leichten Intensität. Was Santos und die ganze Oligarchie vor dem Kapital mittels ihrer Medien beschwören ist, dass die FARC für die Probleme verantwortlich seien und sie nach Cauca gekommen seien, um das Leben der Bewohner zu zerstören. Deshalb proklamieren sie, dass uns alle Welt angreifen solle und verteufeln jene, die dem ablehnend gegenüberstehen. Aber die Wahrheit ist ganz anders, sie, Militär und Oligarchie sind die Aggressoren, sie sind die Diebe und sie sind gewalttätig.
Derzeit ist die Region Cauca, und hier insbesondere die Gemeinden im Norden der Region wie Toribio, Miranda, Jambaló, Corinto, Suarez und andere, aufgrund des bewaffneten Konflikts in den Blickpunkt der Medien geraten. Dabei haben die Indígenas eine neue Machtposition gegenüber der kolumbianischen Politik gefunden…
Das dieser Aufstand gerade jetzt zur vollen Entfaltung kommt, liegt neben der militärischen Situation auch an der wachsenden Unzufriedenheit in Kolumbien. Viele sehen die Politik des Staates als gescheitert an, gerade in den ländlichen Regionen und bei stigmatisierten Bevölkerungsgruppen wie den Indígenas, sind die sozio-politischen Errungenschaften relativ gering. Mitbestimmung, auch auf lokaler Ebene, ist sehr schwierig, und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Trinkwasser und Elektrizität, zum Gesundheits- und Bildungssystem und zur finanziellen Förderung von speziellen und lokalen Wirtschaftsprojekten kaum der Rede wehrt. Stattdessen werden die natürlichen Ressourcen ausgebeutet, ohne das die finanziellen Gewinne der Unternehmen in die Region investiert werden. Die über die letzten Jahre forcierte Militarisierung der Region hat aktuell ihren Höhepunkt erreicht. Neben Schikanen gegen die Bevölkerung, denn die Armee sieht in den Indígenas potentielle UnterstützerInnen für die Guerilla, sind es vor allem die Landinbesitznahme durch Militärs für neue Kontrollstellen und Stützpunkte. Teilweise ist die Vertreibung zielgerichtet, um Landstriche zu entvölkern und somit der Guerilla die Überlebensgrundlage zu entziehen.
Indígena in den Reihen der FARC-EP
Im Norden und Osten von Cauca finden wir, wie in den Gebieten Catatumbo, La Macarena, San Vicente del Caguán, aber auch in Montes de María, Tumaco, in den Zentral-Kordilleren oder in Putumayo Gebiete, die sich der kolumbianischen neokolonialen Politik nicht unterordnen wollen und die seit Jahrzehnten die Basis für die Aufständischen der FARC-EP bilden. Seit Februar können wir in Cauca eine neue militärische Offensive des Militärs beobachten, mit dem Ziel, die Guerilla zu besiegen. Cauca ist eine von zehn Schwerpunktregionen, in der die Operation „Sword of Honour“ mit dem Ziel die Guerilla-Basen zu vernichten, durchgeführt wird. Von Bogotá aus gesteuert, von den USA unterstützt und durch paramilitärische Einheiten vervollständigt, muss die Bevölkerung den Bürgerkrieg ertragen. Auf der anderen Seite gibt es die Guerilla, die ihre Gebiete verteidigen will.