Ich bin eine Kommunistin

„Ich bin eine Kommunistin, ich bin es immer gewesen und als solche bin ich auch Internationalistin, ich erkenne weder den bürgerlichen Begriff von Nation-Staat an, noch die künstlich gezogenen Grenzen, die meine Identität beschränken sollen. Ich bin ein Teil des Volkes, eine Bürgerin der Welt, die beschlossen hat, in einem globalen Krieg teilzunehmen, den vor langer Zeit die großen Kapitalisten den Rest der Menschheit erklärt hat.“

Diese Anfangssätze sind Teil eines Artikels, geschrieben von Natalie Mistral, seit 12 Jahren in der FARC-EP, unter dem Titel „Wir sind Internationalisten… Na und!“ in der sie ihren Status als internationalistische Kämpferin erklärt. In dem Interview spricht sie über ihre Gefühle, Solidarität, die Rolle der Frauen und über die internationale Politik, in der sie vor allem die Aufmerksamkeit der Welt für Kolumbien fordert und sich für die lateinamerikanische Integration ausspricht.

„Wir definieren den Feminismus als ein kritisches Denken und eine politischen Praxis, die die ungerechte Behandlung der Frauen und die Herrschaft des einen Geschlechts über das andere ablehnt. Vor allem aber bin ich eine Kommunistin. Ich glaube, dass der Klassenkampf von Natur aus antirassistisch, antihomophob und antipatriarchal ist und vor allem internationalistisch. Das ist nicht nur eine nette Grundsatzerklärung, es ist eine Notwendigkeit, weil das gleiche kapitalistische System in Völker, Geschlechter und sozialen Klassen unterscheidet und trennt. Deshalb ist es nicht möglich den Kapitalismus zu zerstören ohne diese Vorurteile und Konzeptionen überwunden zu haben. Die Gleichheit aller in jenen Punkten ist mein Bestreben für die Gesellschaft“ sagt sie zum Schluss.

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Die Last des Krieges

Die Provinzen Caquetá, Tolima und Huila stehen seit Jahren im Fokus von Militäroperationen. Die Last des Krieges und der Militäroperationen trägt die Bevölkerung.


Statistiken von Nichtregierungsorganisationen und mit der Regierung zusammen arbeitenden Institutionen gehen in Tolima von insgesamt 228.000 Vertriebenen, 7700 Bedrohungen und 16.500 Toten, sowie in Huila von 96.000 Vertrieben, 4200 Bedrohungen und knapp 13.000 Toten im Zusammenhang mit dem Konflikt aus. Die beiden Provinzen sind nicht groß, doch ihre Lage zwischen den Kordilleren und strategischen Einzugsgebieten der seit Jahrzehnten in der Bevölkerung verankerten Guerilla machten die beiden Provinzen neben Cauca im Westen und Caquetá im Osten zu einem Hauptaktionsgebiet der staatlichen Sicherheitskräfte.

Die Provinzen sind geprägt durch Berge, Hochplateaus und grüne Täler. Im Süden von Tolima und im Norden von Huila entstanden in der Mitte des letzten Jahrhunderts von Bauern organisierte und vom Staat unabhängige Regionen, in der eine Selbstorganisation, aber auch aufgrund der staatlichen Repression, eine Selbstverteidigung stattfand. Heute finden sich in den zerklüfteten Gegenden Fincas der Bauern, die je nach Lage und Höhe Kaffee, Bananen, Gemüse, Mais und Yucca anbauen. Was man aber auch sieht, sind verlassene Höfe und Häuser, die von Zerstörung gekennzeichnet sind. Besonders in den Jahren 2008 und 2009 stiegen die Kämpfe zwischen FARC-EP und der Armee an und sorgten für Vertreibung und Zerstörung.

Dabei trat die Armee in Zusammenarbeit mit der Polizei wie eine Besatzungsmacht auf. Die Interessen der lokalen Bevölkerung wurden nicht respektiert und die politisch-sozialen Gegebenheiten, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern als Grundlage für Repression und Einschüchterungen genommen. Die lange Tradition der Selbstorganisation und des Widerstandes gegen die imperiale Politik der korrupten Regierungen galt als Vorwand, alle Bauern als Terroristen zu behandeln und eine Region zu militarisieren, was zu erheblichen Einschränkungen für die Bevölkerung führte.

Somit sind die Berge und Täler von Tolima und Huila repräsentativ für den bewaffneten Konflikt in Kolumbien. Von einer ruhigen Bastion der Guerilla, zuerst den liberalen und kommunistischen Selbstverteidigungsverbänden in den 40er und 50er Jahren, bis zur sozialen Basis der FARC-EP ab den 70er Jahren, entwickelte sich beide Provinzen zu Kriegsgebieten. Die undurchdringlichen Berge und Wälder mit ihren kleinen und kaum zu passierbaren Wegen bilden ein hervorragendes natürliches Rückzugsgebiet der Guerilla FARC-EP. So war es nur selbstverständlich, dass sich nach den gescheiterten Friedensverhandlungen von Caguán im Jahr 2002 Alfonso Cano, einer der politisch-militärischen Denker der Guerilla, hierher zurückzog und schließlich im Jahr 2011 ermordet wurde.

Die Guerilla hatte hier so viel Kontrolle, dass die Region nie unter den Einflussbereich von Paramilitärs gelangte. Die Bauern lebten mit und in der Guerilla, die sich in den Bergen und Tälern zwischen ihren Einflussgebieten bewegte. Doch dann kam im Jahr 2005 das Militär und mit ihm die Komplikationen. Sie wollten die Guerilla bekämpfen und sahen jeden, der sich auf dem Land bewegte als Guerillero, als Terroristen, an. Man begann ein Wasserkraftwerk am Fluss Amoyá zu bauen. Die Soldaten sagten, sie kämen um die die Bevölkerung zu schützen. Doch in Wahrheit schützten sie das Wasserkraftwerk, das Geld der Geschäftsleute und die reichen Hacienderos.

Das Militär errichtete Basen und ein Netz von Informanten. Die Basen wurden auch inmitten der Ortschaften errichtet, ein Verstoß gegen die internationalen Menschenrechte. Die Spionage erreichte man durch das Verführen von Personen mittels Geld und Vergünstigungen. Mit dem Militär kamen Umweltverschmutzungen, permanente Hubschrauberflüge und wahlweise Beschießungen, sowie eine immense Kontrolle und Einschränkung des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel durch Checkpoints. Es war nunmehr unmöglich, sich frei bewegen zu können.

Anführer von bäuerlichen und indigenen Organisationen wurden ermordet und als Guerilleros präsentiert. So geschehen im Jahr 2006 in den Gemeinden El Limón und La Marina. Personen, die mit Medikamenten, technischen Geräten, Benzin oder Drogerieartikeln unterwegs waren, bezichtigte man als Guerilleros oder deren Unterstützer. Es kam zu Festnahmen, Einschüchterungen und Gerichtsverfahren gegen unschuldige Bauern. Dies betraf unter anderem 2008 und 2009 Personen, die in sozialen Bewegungen organisiert waren. Das Leben entwickelte sich unter den staatlichen Sicherheitskräften zu einem Alptraum, die wie eine Besatzungsarmee auftraten.

Eine andere Strategie war die totale Überwachung der Bevölkerung. Die Bauern mussten Listen von Familienmitgliedern, Beschreibungen von ihren Fincas, ihren Arbeitern und Anbauprodukten bei der Armee präsentieren. Wollten Bauern einen Kontrollpunkt auf einer Landstraße passieren, mussten sie sich den Soldaten erklären und alle Informationen vorlegen. Oftmals verweigerte man auch mit den Informationen die Weiterfahrt. Diese Punkte führten bis heute zu einem wachsenden Widerstand gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und ihr Auftreten. Tolima und Huila stellen bis heute eine typische Situation für viele kolumbianische Bauern und die Landbevölkerung im Allgemeinen dar.

Auch aus Caquetá erreichen uns dieser Tage Nachrichten von Bauern, die durch Einheiten der Armee schikaniert oder auch bombardiert werden. Besonders betroffen sind die Bauern im mittleren und nördlichen El Pato, einer Region, in der der Staat nur durch die Armee präsent ist, soziale Investitionen aber seit Jahrzehnten ausbleiben. Kein Wunder also, dass Bauern und Guerilleros der FARC-EP hier die Selbstverwaltung übernommen haben. Die Reaktionen des Militärs sind wie oben beschrieben. Die Bevölkerung wird unter Generalverdacht gestellt, weil sie sich selbst organisiert und gegen die diskriminierende Behandlung wehrt.
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Gruß der Guerilleras aus der FARC-EP an das ELN zum 50. Bestehen

Grußbotschaft von Guerillakämpferinnen der FARC-EP an ihre Genossinnen des ELN zum 50. Jahrestag ihres Bestehens. Folgend die übersetzte Grußbotschaft:

Die farianischen Guerilleras umarmen unsere Kampfesbrüder und -Schwestern des ELN zu ihrem 50. Geburtstag.

Der Widerstand der beiden aufständischen Kräfte ist ein Beispiel für die Würde und den Mut der Männer und Frauen, in dem wir der gewaltsamen Ausplünderung widerstanden und zu den Waffen griffen, um uns gegen die Angreifer zu verteidigen. Wir gestalteten diesen Krieg, der uns von der Oligarchie auferlegt wurde, in einen revolutionären Kampf und versuchten Änderungen zu erzeugen, die aus Kolumbien eine gerechte und souveräne Nation machen. Unser Kampf ist schon immer für den Sozialismus gewesen.

In diesem asymmetrischen Krieg sind unsere größten Waffen der Mut, die moralische Überzeugung und das Erbe unserer legendären Mentoren: Manuel Pérez, Manuel Marulanda, Camilo Torres, Jacobo Arenas, Manuel Vásquez, Alfonso Cano und Milton Hernández, außerdem die Liebe und Unterstützung unseres Volkes, ohne die es nicht möglich ist, weder den Widerstand noch die Machteroberung als unserer Ziele zu erreichen.

Unser Gruß ist speziell an unsere Genossinnen des ELN gerichtet, Frauen, die wie wir das gesamte Land mit all ihren Hoffnungen einnehmen, unter der Sonne und dem Regen, in mondhellen Nächten und ohne ihn, Schulter an Schulter kämpfend aufrecht mit Würde und Mut an der Seite ihrer männlichen Kollegen.

Wir würdigen dieses Jubiläum den Genossinnen Marta Helena Barón, Mariana Páez, Claudia Isabel Escobar Jerez, Lucero Palmera und all die Tausenden von Frauen, die ihr Leben gegeben haben, um das Land der Rebellion und Widerstandes gegen die Unterdrücker fruchtbar zu machen.

Lasst uns gemeinsam die Botschaft der Rebellion in den Ohren der populären Massen verbreiten und mit ihnen unser Neues Kolumbien erkämpfen und erbauen.  

Der Weg des Friedens mit sozialer Gerechtigkeit ist entworfen, die Zukunft gehört uns.

Gegen den Imperialismus, für das Vaterland!

Gegen die Oligarchie, für das Volk!
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FARC-EP antworten an Álvaro Uribe

Erklärung:

Am 26. Juni erklärte Herr Álvaro Uribe in verschiedenen Medien, dass in den letzten Präsidentschaftswahlen die FARC-EP „mit dem Gewehr um den Hals“ von der Bevölkerung in den ländlichen Gebieten in Kolumbien forderten, dass „sie für Präsident Santos zu stimmen hatten.“

Ohne Zweifel ist dies eine neue Episode von Verleumdungen und Wahnvorstellungen von diesem erklärten Feind des Friedens und der Versöhnung für alle Kolumbianer. Die Position der FARC-EP zu diesem Wahlkampf wurde öffentlich bekannt und ordnungsgemäß und deutlich in den Kommuniqués des Sekretariats und in mehreren Erklärungen des Oberbefehlshabers dargestellt.

Es ist der Gipfel des Zynismus und eine dumme Täuschung, dass ausgerechnet derjenige dies predigt, und ein und dieselbe Person ist, der die letzten Wahlen mit der berühmt-berüchtigten Methode der Einschüchterung und Erpressung gewonnen hat und der jetzt versucht, uns das zu unterstellen. Direkter Zwang der Wähler von Paramilitärs in seinen zwei Amtsperioden und in den letzten vergangenen Wahlen in dem er zum Senator gewählt wurde, ist eine Tatsache, die ausreichend bewiesen und bekannt ist, obwohl leider wenig oder gar nichts durch das Rechtssystem in dieser Angelegenheit getan wurde.

Solche unverantwortlichen und verleumderischen Beteuerungen ohne Anhaltspunkte, aber adressiert, um die Absicht des Friedens und der Versöhnung des kolumbianischen Volkes bei der Suche nach einer politischen Lösung des Konfliktes zu sabotierten und zu behindern, werden zu einer Gewohnheit dieser reaktionären Person. Gerade deshalb sollte es von denen beantwortet werden, die auf den demokratischen Frieden, den Wandel und soziale Gerechtigkeit für unser Volk gesetzt haben.

Sekretariat der FARC-EP.

Berge Kolumbiens, 28. Juni 2014.

Kommuniqué im Original (Spanisch)

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Raus aus der schwarzen Liste!

Das Jahr 2014, welches mit viel Kraft und neuen Anstrengungen begann, um mit den Verhandlungen und dem Suchen nach einer Lösung für den sozialen und bewaffneten Konfliktes fortzufahren, wird auch ein Jahr werden, in dem die FARC-EP und ihre Solidaritätsorganisationen die politische und diplomatische Arbeit auf dem sogenannten „alten Kontinent“ verstärken. Doch warum werden die politisch-diplomatischen Anstrengungen verstärkt?

Um zu verstehen, warum die FARC-EP und ihre Solidaritätsorganisationen ihre politisch-diplomatische Arbeit besonders in Europa verstärken, müssen wir den historischen und politisch-militärischen Kontext der aufständischen Organisation verstehen, die seit Jahren dafür kämpft, von der schwarzen Liste, der Liste der terroristischen Organisationen, entfernt zu werden. Ein Fokus dabei liegt in Europa, die im Vergleich zu den USA keine militärische Interventionspolitik in Kolumbien vollziehen und wo die Chancen auf Diplomatie und Anerkennung der FARC-EP als politische Organisation einen besseren Standpunkt haben. Auf der anderen Seite des Atlantiks besteht mehr Bewusstsein für die Realität Kolumbiens, das revolutionäre Projekt und den Kampf der FARC-EP für grundlegende Veränderungen im Land.

Die internationale Arbeit der FARC-EP erhielt ihren Aufschwung mit der Achten Nationalen Konferenz der FARC-EP im Jahr 1993, als Guerilleros und Kommandierende beschlossen, der internationalen Arbeit einen strategischen Charakter zu geben und eine Internationale Kommission zu installieren. Dies geschah im Kontext der Friedensgespräche von Cravo Norte, Caracas und Tlaxcala, die von 1991 bis 1992 stattfanden und in einer Periode, als der demokratische Weg durch den systematischen Massenmord von Politikern, Mitgliedern und Sympathisanten der linken Partei Unión Patriótica (Patriotische Union) durch Staat und Paramilitarismus versperrt wurde. Mit dem Ausscheiden des Realsozialismus 1989/90 aus der Weltpolitik und dem Aufschwung des Neoliberalismus vollzogen sich auch international wichtige Entwicklungen, die zu diesen strategischen Überlegungen führten.

So wurde der internationale Faktor ein wichtiger Punkt im strategischen Plan der FARC-EP von 1993, der die Machteroberung in Kolumbien vorsah. Die Widersprüche zwischen den ehemaligen Weltblöcken waren Geschichte, die weltweite revolutionäre Bewegung geschwächt und mit dem Ergreifen der Macht durch den Imperialismus auch die kolumbianische Gesellschaft und Politik stark beeinflusst. Doch war Kolumbien in Bezug auf den sozialen und bewaffneten Konflikt und seine aufständische Bewegung eine Ausnahme. Die FARC-EP konnte politisch und militärisch an Boden gewinnen und schien losgelöst vom geopolitischen Weltgeschehen ihre Basis in Kolumbien und damit auch ihre Existenzberechtigung auszubauen. Mit der Offensive der FARC-EP in den 1990er Jahren, mit dem Sieg von Hugo Chávez bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela 1998 und dem Beginn von Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung von Pastrana und der FARC-EP im selben Jahr erlebte die internationale Diplomatie der Guerilla einen Höhepunkt.

Schon einmal, im Jahr 1984, erreichte die FARC-EP den Status als anerkannte kriegsführende Partei. Dies geschah zu den Friedensgesprächen unter dem Präsident Belisario Betancur. Am Wesen der Guerilla hat sich nicht viel geändert und all jene Faktoren, die gemäß den Zusatzprotokollen der Genfer Konventionen, eine kriegsführende Partei ausmachen, sind weiterhin existent. Dazu gehört innerhalb der Organisation eine strenge Ordnung und Reglementierung. Es werden Uniformen und Waffen öffentlich getragen. Es gibt einen Zentralen Generalstab, der mit seinem Nationalen Sekretariat die politische und militärische Leitung innehat. Eine Kommandostruktur ist für die Normen und die Kontrolle darüber verantwortlich. Diese Argumentationsstruktur war in den 1990er Jahren, wie heute auch noch, elementar in der Debatte.

In den Jahren von 1998 bis 2002 webte die Internationale Kommission um Raúl Reyes und seine Kollegen ein Netz aus politischen Beziehungen und arbeitete diplomatisch mit der größtmöglichen Zahl von Regierungen und politischen und sozialen Kräfte in der Welt für die Anerkennung der FARC-EP als kriegsführende Kraft. Ziel war es in den ersten Jahren vor allem in Europa die Geschichte Kolumbiens, die Kolonialzeit, die Unabhängigkeit von Spanien, die Bürgerkriege der Oligarchie und die Ursachen des sozialen und bewaffneten Konfliktes der europäischen Öffentlichkeit zu erläutern. So fand zum Beispiel eine Rundreise von Mitgliedern der FARC-EP in Europa statt. Und es bestand vielseitiges Interesse an dem Kennenlernen und am Profil der ältesten Guerilla Lateinamerikas, die im Vergleich zu anderen Guerillabewegungen immer noch aktiv war.

Die Repräsentanten der FARC-EP konnten dabei nicht nur die Bewunderung von politischen und sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Parteien für ihre diplomatischen Fähigkeiten und die Kraft und Ausdauer ihres Kampfes gewinnen, sondern auch Regierungen zeugten der Guerilla Respekt für ihre Arbeit und politischen Ziele. Hunderte beteiligten sich an Tagungen, Foren, Konferenzen, Seminaren und Demonstrationen für die aufständische Bewegung, die dabei Beifall, internationale Solidarität und Unterstützung erhielt. Aber natürlich gab es auch diejenigen, die auf den Friedensprozess mit scharfer Munition schossen, jene, die durch Desinformation und Propaganda ein falsches Bild vom revolutionären Kampf in Kolumbien darstellen wollten.

Im Jahr 1998 veröffentlichte der amerikanische Geheimdienst eine Studie, wonach die FARC-EP in fünf Jahren die Macht erobern könnte. Dies galt als Anlass für die Aufrüstung Kolumbiens unter dem Deckmantel des Plan Colombia (Kolumbienplan). Vordergründig sollte ein Kampf gegen die Drogen geführt werden, doch noch während der Friedensverhandlungen begann der Krieg gegen die Guerilla und die Zivilbevölkerung. Besonders bedrohend wirkten dabei die Versuche der kolumbianischen Regierung und Washingtons, nicht nur den Friedensprozess zu torpedieren, sondern auch den politischen Charakter der FARC-EP abzusprechen und ihre Arbeit zu diskreditieren. Unter Ausnutzung der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA, der Militarisierung Kolumbiens und dem Plan Colombia, sowie dem Scheitern des Friedensgespräche von Caguán im Februar 2002, sah sich die FARC-EP plötzlich auf der Liste der „terroristischen“ Organisationen der EU und anderer Länder.

Nicht nur, dass die internationale politische Arbeit in Kolumbien dadurch geschwächt wurde, durch das Bennen der FARC-EP als „terroristische Organisation“ wurden Genossen und kolumbianische Flüchtlinge, Solidaritätsorganisationen und soziale Bewegungen selbst in Europa verfolgt und bedroht. Die Medien wurden neben der Armee zum Hauptkampfmittel. In einer internationalen Kampagne stellte man die Guerilla als kriminelle Drogenhändler und Entführer dar. Präsident Uribe behauptete, es gebe in Kolumbien keinen bewaffneten Konflikt, sondern ein Problem mit Terroristen. Damit negierte er einen politischen und sozialen Konflikt im Land. Die FARC-EP wurde für nachweislich nicht durchgeführte Massaker, schwarze Geschäfte, Entführungen und politische Verbindungen verantwortlich gemacht. Da wurden Bomben im öffentlichen Nahverkehr von Bogotá gelegt, der Präsidentschaftswahlkampf in Brasilien für Lula und seine PT mitfinanziert und in anderen Ländern Menschen entführt. Es war nicht nur ein Kreuzzug gegen die kolumbianische, sondern gegen die lateinamerikanische Linke.

Unter der „demokratischen Sicherheit“, wie der Präsident Uribe seine paramilitärische Politik von 2002 bis 2010 nannte, folgte der nun zur zweiten Amtszeit gewählte Präsident Santos. Auch wenn die Politik der politischen Isolierung unter Santos fortgeführt wurde, so konnte die Guerilla national und international neue Kontakte knüpfen und schließlich die politische Arbeit neu organisieren. Ziel der Internationalen Kommission war es, in Briefen und Mitteilungen die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass der soziale und bewaffnete Konflikt nur über den politischen Weg gelöst werden kann und die FARC-EP dafür als gleichberechtigter Partner und als kriegsführende politisch-militärische Organisation anerkannt werden müssen. Im Zuge der Friedensgespräche von Havanna in Kuba wird diese Aufgabe zur Erreichung des Ziels nun weiter intensiviert.

Auch wenn mit den Friedensgesprächen die FARC-EP als ein politischer Partner anerkannt und der Prozess international begleitet wird, so ergibt es keinen Sinn, dass die Aufständischen weiterhin als Terroristen gelten. Mit mehreren Maßnahmen in den letzten Jahren, wie die Einstellung von Entführungen auf finanzieller Grundlage, Freilassung von Kriegsgefangenen und einseitigen Waffenstillständen hat die FARC-EP ihren Willen für eine friedliche Lösung bekräftigt und gezeigt, dass sie als kriegsführende Partei anerkannt gehören. Nun ist es Zeit für die Europäische Union, die FARC-EP von der schwarzen Liste der „terroristischen Organisationen“ zu entfernen und damit die Diplomatie der Guerilla mit allen relevanten Garantien zu ermöglichen. Das wäre der beste Beitrag zum Frieden in Kolumbien.

Solidarität mit der aufständischen Bewegung FARC-EP!
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Selbstdarstellung: Wer ist die FARC-EP?

Wer ist die FARC-EP? (Eine übersetzte Selbstdarstellung der Friedensdelegation der FARC-EP von Englisch auf Deutsch What about the FARC; dieser Artikel findet sich auch unter der Rubrik Historie)

Wer ist die FARC-EP?
Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (FARC-EP) ist eine politisch-militärische Organisation, kolumbianische Aufständische, stolze Subversive. Wir haben nichts mit Kriminalität oder Banditen zu tun.
Wir sind marxistisch-leninistisch und bolivarisch, Kommunisten, nicht „pro-sowjetisch“ oder „pro-castristisch“, obwohl wir uns mit den Grundsätzen der beiden Revolutionen identifizieren, insbesondere mit der kubanischen Revolution, die die Welt mit Stolz und Würde erleuchtete. Darüber hinaus sind diese Begrifflichkeiten Teil der Kalten Krieg Terminologie.
Wir verwenden Pseudonyme als unsere „Kampfnamen“, was in der Regel der Name eines hervorragenden Kameraden oder geliebten Menschen ist. Der Begriff „alias“, wie er von der bürgerlichen Presse verwendet wird, hat negative Konnotationen und bezieht sich auf Banditen oder Kriminelle, die wir nicht sind.
Wir haben nie entführt. Wenn wir eine Person festgenommen haben, dann in der Regel wegen seiner Weigerung, revolutionäre Steuern zu zahlen, wir nennen es eine „finanzielle Inhaftierung“, nicht Entführung. Im Februar 2012 trafen wir die souveräne Entscheidung diese finanziellen Verhaftungen zu beenden.
Die Verhaftungen aus politischen Gründen können ebenso wenig als Entführung angesehen werden, sie sind Formen der Ausübung von Volksjustiz, vor allem gegen korrupte Politiker. Es ist die Umsetzung unseres Gesetzes 003 gegen die Korruption.
Im Kampf festgenommene Militärs und Polizisten werden auch nicht entführt, sondern sie werden nach den internationalen Gesetzen Kriegsgefangene genannt.
Als Volksarmee führen wir Militäraktionen gegen den Klassenfeind und seinen Repressionsapparat durch. Unsere Maßnahmen zielen nie darauf ab, die Zivilbevölkerung zu schaden. Generell werden unsere Aktionen als Teil ihrer kriegerischen Desinformation durch die Massenmedien als Angriffe gegen die Bevölkerung präsentiert.
Es ist bemerkenswert: Für die Massenmedien gibt es zwei Klassen von im Kampf Gefallenen, unsere sind Opfer, im Kampf gefallen, während ihre ermordet oder getötet werden.
Wir haben eine Gesetzgebung, die Unterordnung unter dem höheren Befehl und eine feste Befehlskette, diese Struktur und all die Eigenschaften legitimieren uns als kriegführende Kraft, abgesehen von der Unterstützung der Bevölkerung, die wir haben. Es ist absolut falsch, dass wir isoliert sind oder dass wir unsere politische Linie verloren haben.
Der Drogenhandel ist ein tödliches Problem für die Allgemeinheit, eine Eigenheit des Kapitalismus, in dem es darum geht, einfach und schnell Geld zu verdienen. Unsere Theorie und unsere Praxis zeigen, dass wir damit nichts zu tun haben. Aus dem Pentagon, verfolgen die Nordamerikaner eine Politik ihrer lokalen Vasallen und nutzen den Drogenhandel als eine Entschuldigung für ihre neuen Kolonisierungspläne.
Ein weiteres wiederkehrendes Thema in den desinformierenden Medien ist der Terrorismus. Es gibt keine Definition davon. Der große spanische Dramatiker und Schriftsteller Alfonso Sastre definiert die Situation sehr gut, wenn er sagt, dass der Widerstand der schwachen Terrorismus genannt wird, während die Empörung der Mächtigen als Gerechtigkeit benannt wird.
Der Guerillakampf ist ein legitimer Weg für die der Eroberung der Rechte von Menschen. In unserem Fall, hat der gewalttätige und repressive Charakter der Regierung, auf Befehl der Vereinigten Staaten, uns keine andere Wahl gelassen und seit dem Moment, als wir unseren Kampf begannen, haben sich die Gründe für die Auseinandersetzung nicht nur noch nicht gelöst, sondern sie sich erhöht.
Unser Ziel ist nicht der Krieg. Das ist es, warum wir immer unser Banner und unsere Vorschläge für den Frieden hochgehalten haben. Der Staat, die herrschende Klasse, das Weiße Haus und die verschiedenen Regierungen haben immer wieder die Versuche, den Frieden durch einen Dialog zu finden, unterbrochen, wenn ihnen bewusst wurde, dass eine bedingungslose Kapitulation der Guerilla, wie sie es vorgeben, nicht möglich geworden ist.
Nun gibt es einen neuen Versuch. Wir unterstützen ihn mit Sicherheit und Glauben. Es ist möglich eine Lösung zu finden, wenn die Ursachen des Krieges gelöst werden.
Friedensdelegation der Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee
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Kommunistische Parteien grüßen FARC-EP

Zum 50-jährigen Bestehen grüßen kommunistische Parteien und Organisationen aus aller Welt die FARC-EP. Anbei veröffentlichen wir die Grußbotschaft, die von der Webseite Redglobe übernommen wurde:

„Aus Anlass der Vollendung von 50 Jahren Kampf am 27. Mai richten wir einen herzlichen und solidarischen Gruß an die FARC-EP, ihr Zentrales Oberkommando und Sekretariat, an die Klandestine Kommunistische Partei Kolumbiens und an die Bolivarische Bewegung für ein Neues Kolumbien, die vom Marxismus-Leninismus inspiriert einen unermüdlichen Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse, der armen Bauern, der Jugendlichen und der Frauen, einen Kampf für den Sozialismus führen.
Wir ehren das Andenken Manuel Marulandas, der kommunistischen und kämpferischen Gründer und Märtyrer in den Kommandos und Kampfeinheiten, die in diesen Jahrzehnten ihr Leben für die Interessen des Volkes und der Arbeiter, für die Freiheit und ein Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gegeben haben.
Wir unterstützen die Anstrengung der FARC-EP um eine politische Lösung des gesellschaftlichen und bewaffneten Konflikts, die die Rechte und Freiheiten der Arbeiter und des Volkes garantieren wird. Wir sind solidarisch mit dem Kampf des kolumbianischen Volkes für ein neues Kolumbien ohne Hunger, mit Arbeit, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Bildung für alle. Wir fordern, dass alle politischen Gefangenen in den Gefängnissen Kolumbiens und der USA freigelassen werden.
Wir unterstützen das Recht aller Völker, die Kampfformen auszuüben, die sie selbst wählen, und die Macht einzufordern. Wir lehnen die Charakterisierung dieses Rechts als Terrorismus durch den Imperialismus und die bürgerlichen Kräfte ab.
Wir entsenden unseren Gruss allen Mitgliedern der FARC-EP in den Urwäldern, Bergen, auf den Feldern, in den Arbeitsstätten, Schulen, Gefängnissen oder in der Friedensdelegation, die den Kampf für ihre vor 50 Jahren formulierten Ziele und Ideale fortsetzen.“

Unterzeichner:
Algerische Partei für Demokratie und Sozialismus (PADS); Kommunistische Partei Australiens (CPA); Brasilianische Kommunistische Partei (PCB); Patriotische Bewegung Manuel Rodríguez (MPMR) Chile; Deutsche Kommunistische Partei (DKP); Kraft der Revolution (FR) Dominikanische Republik; Kommunistische Partei Ecuadors (PCE); Kommunistische Partei El Salvadors (PCES); Pol der kommunistischen Wiedergeburt Frankreichs (PRCF); Union der revolutionären Kommunisten Frankreichs (URCF); Kommunistische Partei Griechenlands (KKE); Kommunistische Partei Italiens (PCI); Kommunistische Partei Kanadas (CPC); Kommunistische Partei Mexikos (PCM); Sozialistische Volkspartei (PPS) Mexiko; Partei der Arbeit (PdA) Österreich; Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF); Kommunistische Arbeiterpartei Russlands (RKRP); Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens (NKPJ) Serbien; Kommunistische Partei der Völker Spaniens (PCPE); Kommunistische Partei der Türkei (TKP)

Link Redglobe 

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Afro-Gemeinden im Widerstand

Die Karibikküste, aber vor allem die Pazifikküste Kolumbiens, sind Regionen, in der eine große Anzahl von Gemeinden von Afroamerikanern leben. Von Tumaco im Süden über Buenaventura in Valle del Cauca bis hoch in das Department Chocó sind die Gemeinden der Afro´s zu Hause. Die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die besonders im 17. und 18. Jahrhundert über die Schiffswege ihrer Heimat entrissen und von Europäern zur Plantagenarbeit gezwungen wurden, haben zwar in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgreich für ihre Anerkennung und Selbstbestimmung gekämpft, doch noch immer gibt es Benachteiligung, Unterdrückung und fehlende Autonomie.
Unter anderem das Department Chocó, im Nordwesten Kolumbiens an der Grenze zu Panama und zum Pazifik gelegen, gehört zu den ärmsten und unterentwickelten Regionen des Landes. Kein Zufall besteht in dem Zusammenhang, dass ausgerechnet in einer der ärmsten Regionen rund 80 Prozent aller Afrokolumbianer zu Hause sind. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze und in permanenter Misere. Sie sind ausgeschlossen von kolumbianischen Sozial- und Fürsorgesystem. Stattdessen sind Vertreibung vom Land, strukturelle Ungleichbehandlung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung.
Es ist paradox, denn im Gegenteil dazu gehört der Chocó zu den naturreichsten Regionen des Landes mit einer immensen Anzahl an natürlichen Ressourcen, wie Flora, Fauna, Wasser und Bodenschätzen. Der Chocó gibt unzählige Flüsse, Wälder, ertragreiche Böden, aus der Region werden Gold, Fisch, Energie und Holz exportiert, während Hunger, Misere, Vertreibung, Gewalt und Tod für die Bevölkerung, für die Afrokolumbianer übrig bleiben. Nur eine Minderheit, der Teil der Oligarchie, profitiert vom Reichtum des Chocó. Die Gewalt und Ungerechtigkeit zeigt sich am deutlichsten bei den Zahlen der Binnenflüchtlinge im Land. Von den insgesamt 4 Millionen in ganz Kolumbien sind mehr als ein Drittel aus dem Chocó. 
So alt wie der soziale Konflikt der Afrokolumbianer ist, so alt ist auch der Widerstand. Afrikaner wurden wie Tiere gejagt und nach Lateinamerika verfrachtet. Afrikaner hatten keine Rechte und wurden zur Arbeit gezwungen. Palenques, sogenannte Gemeinden von geflohenen Sklaven, entstanden auch an der kolumbianischen Küstenregion. Meist waren sie in schwer zugänglichen Gegenden im Dschungel angelegt. Zu den palenques kam man nur über geheime Pfade und durch Sümpfe. Befestigt waren die palenques mit Palisaden, oftmals dienten diese Dörfer als Verpflegung- und Trainingslager für Kämpfe gegen die Ausbeuter und Unterdrücker.
Benkos Bioho gilt als einer der ersten und bekanntesten aufständischen Afro´s. Aus Cartagena de Indias von den Sklavengaleeren geflohen, versteckter er sich in den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts mit 30 Männern und Frauen in der Region Arabuco und Ciénaga, wo er zwei kleine spanische Expeditionsarmeen besiegte. Er ließ sich in einem palenque namens San Basilo nieder. Von hier aus forderte er die spanischen Kolonialherren heraus, die immer größere Truppen gegen ihn aufbieten mussten. Schließlich erreichte er in Verhandlungen, dass keine Weißen, außer der Priester, dort leben durften. San Basilo wurde zum Symbol des Widerstandes und zum ersten freien Dorf Amerikas.
In vielen kolumbianischen Regionen kam es immer wieder zu Aufständen, wie in Zaragoza (Antioquia) 1598. Doch auch in Marinilla, Río Negro und Giradota kam es im Jahr 1706 zu Rebellionen. In Popayán erreichte das palenque von Castillo Berühmtheit und im Jahr 1703 die Aufstände in der Nähe von Santa Marta an der Karibikküste. Doch auch im Chocó kam es zu regelmäßigen Unmutsbekundungen und Aufständen. Mit der Zeit sorgten die Einheit und der Anteil der Afro´s an den Unabhängigkeitskämpfen für eine erste formelle Freiheit, die in der Konstitution von 1821, der spanischen Unabhängigkeit, zum Ausdruck kamen.
Die wichtigsten Schritte zu einer Gleichberechtigung und Anerkennung der Afro´s als Kolumbianer wurden jedoch später gelegt. Zwar kam es mit dem Gesetz 21 von 1851 zum Verbot der Sklaverei, doch erst mit dem Gesetz 70 von 1993 wurde den Afrokolumbianern eine kulturelle Autonomie, die Anerkennung ihrer Kultur, ihrer Territorien, ihrer Rechte und Gleichheit gebilligt. In den vergangenen Jahren seit der Verabschiedung kam es immer wieder zu Modifikationen und zu Kämpfen der Afrokolumbianer, das Gesetz den Bedürfnissen der Afro´s anzugleichen. Doch zwischen Theorie und Praxis besteht oftmals ein Unterschied, so auch bei der sozialen Situation der Afrokolumbianer.
Der Widerstand der Afrokolumbianer drückt sich auch im Widerstand der Guerilla FARC-EP und der Beteiligung der Afro´s gegen das kolumbianische Regime aus. Signifikant hierfür ist die Organisierung der FARC-EP an der sozialen und politischen Mobilisierung von 2013 bis heute. Es ist kein Geheimnis, sondern aktive politische und militärische Arbeit, dass die Guerilla die Teilhabe in der Bevölkerung im Chocó ausgebaut hat und durch Streiks, Proteste, Straßenblockaden, Friedensmärsche und Veranstaltungen präsent ist. Kämpfende Strukturen der FARC-EP im Chocó sind die „Compañia móvil Limón“ sowie die „Compañia móvil Manuel Cepeda Vargas“, der „Bloque móvil Arturo Ruíz“ sowie die 57. Kampffront.
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Waffenruhe Nummer Zwei – Wahlen Nummer Zwei

Auch für die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen, die am kommenden Sonntag stattfinden, kündigt die Guerilla FARC-EP eine Waffenruhe an. Von heute, dem 9. Juni, bis zum 30. Juni wird die aufständische Bewegung keine offensiven militärischen Aktionen durchführen. Weiter heißt es in dem Kommuniqué vom Oberkommandierenden des Zentralen Generalstabs Timoleón Jiménez, gerichtet an den Präsidentschaftskandidaten der Ultrarechten Oscar Iván Zuluaga, dass sich die FARC-EP damit in die Pflicht nehmen, weiter an einer politischen Lösung des Konfliktes zu arbeiten.
Zuvor hatte Zuluaga die Guerilla aufgefordert, an einer Waffenruhe festzuhalten, sonst würden im Falle seines Wahlsieges die Verhandlungen eingestellt. Während die FARC-EP derzeit zu Eingeständnissen und politischen Kompromissen bereit ist, wird seitens der Ultrarechten und der Medien wiederholt eine Kampagne gegen die aufständische Bewegung gefahren. Mit einer Antistimmung versucht derzeit der Kandidat Zuluaga seine Wähler zu überzeugen.
Derzeit versucht die FARC-EP ihre politische Arbeit, auch in Bezug auf die Wahlen, weiter auszubauen. In den Gemeinderäten (Junta de Acción Comunal) fanden in den letzten Tagen Gespräche in vielen Regionen Kolumbiens statt. Dabei wurde den Bauern die Wichtigkeit der Wahlen erklärt und darauf hingewiesen, für was unter anderem der ultrarechte Kandidat Zuluaga steht. Bisher hat sich die FARC-EP in den vorhergehenden Wahlen zurückgehalten und sich nicht öffentlich positioniert, auch um eventuellen Schaden von der derzeitigen Regierung im Falle einer propagandistischen Ausschlachtung der Gegner abzuwenden. Des Weiteren würde eine öffentliche Positionierung der Guerilla für Santos auch die (öffentliche) politische Glaubwürdigkeit absprechen.
Trotzdem hat man bei der FARC-EP begriffen, dass der derzeitige Friedensprozess nur durch eine Wiederwahl von Santos zu retten ist. Darin sind auch die Bemühungen zu sehen, insgeheim Partei für diesen Kandidaten zu ergreifen. Zuluaga droht mehrmals an, die Friedensgespräche nicht fortzuführen. Selbst bei einer Fortführung, würden die Konditionen wohl deutlich schlechter für die aufständische Bewegung ausfallen. 
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FARC-EP erkennen Opfer des Konfliktes an

Am heutigen Samstag haben sich FARC-EP und kolumbianische Regierung auf eine weitere Zusammenarbeit bezüglich des Punktes der Opfer im Konflikt geeinigt. Dabei vereinbarten beide Seiten 10 Punkte für die weiteren Gespräche. Als wichtige Punkte erklärten sie dabei, eine Delegation von Opfern zu empfangen um mit ihren Vorschlägen zu arbeiten. Auch eine Wahrheitskommission, die sich mit der Geschichte der Opfer und des Konfliktes im Allgemeinen auseinandersetzen soll, wird gebildet werden.
Wie schon in früheren Punkten der Agenda werden wieder Foren zur breiten Partizipation der Gesellschaft gebildet. Drei Regionalforen sollen ab Juli in Villavicencio, Barrancabermeja und Barranquilla und ein nationales Forum in Cali stattfinden. In bekannter Weise werden diese Foren von den Vereinten Nationen und der Nationalen Universität Kolumbiens betreut. „Wir bereiten die ersten Schritte vor in einem Land voller Schwierigkeiten, großer Missverständnisse, Ignoranz der Geschichte, Herkunft, Ursachen, Entwicklungen und beteiligter Akteure im längsten internen Konflikt auf dem Kontinent“, sagte Iván Márquez, Chef der Friedensdelegation der FARC-EP in Havanna.
Weitere Punkte neben der Anerkennung der Opfer und ihrer Teilhabe an den Gesprächen ist die Anerkennung der Verantwortlichkeit, die Wiedergutmachung, der Schutz der Opfer sowie die Garantie universeller Rechte für die Opfer des Konfliktes. Die Bekanntmachung von Guerilla und kolumbianischer Regierung gilt als enormer Meilenstein in der Geschichte des bewaffneten Konflikts und ihrer zahlreichen Friedensprozesse. Seit vergangener Woche wird in Havanna der Punkt der Opfer diskutiert. In der Vergangenheit hat die FARC-EP in den Gesprächen und in verschiedenen Gesten ihre Haltung und den politischen Willen zur Beendigung des Konfliktes ausgedrückt. 
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11.000 politische Gefangene in Kolumbien

Elftausend Männer und Frauen, politische Gefangene und Kriegsgefangene, sind derzeit in den kolumbianischen Gefängnissen und sie werden wie die 115.000 anderen sozialen Gefangenen auch regelmäßig mit Menschenrechtsverstößen durch das kolumbianische Justiz- und Gefängnissystem konfrontiert. Physische und psychische Folter, angefangen von Überbelegung, schlechter Ernährung, verbalen Übergriffen durch Mitarbeiter im Dienst, schlechte Behandlungen von Familienmitgliedern, Tod durch schlechte Ernährung und Mangel an medizinischer Versorgung sind nur einige Beispiele, die die Gefangenen zu erleiden haben. Mehrmals schon hat die Friedensdelegation der FARC-EP auf diese Missstände hingewiesen und darauf verwiesen, dass die FARC-EP im Kampf festgenommene Polizisten oder Soldaten sofort freilässt, während die kolumbianische Regierung nichts gegen die unmenschlichen Zustände in den Gefängnissen unternimmt.
Wiederholt forderte die FARC-EP auch die Freilassung des Kommandanten Simón Trinidad, der sich in einem US-amerikanischen Gefängnis befindet und der von der Guerilla als ein Teil der Delegation für die Friedensgespräche bestimmt wurde. Dabei betrifft dieses Thema nicht nur die Gefangenen aus der FARC-EP und den sozialen Bewegungen, sondern auch die Zehntausenden anderen Gefangenen. Es geht hierbei schlicht um die menschliche Würde, Menschenrechte und Demokratie. Deshalb bedarf es in Kolumbien einer Reform des Justizsystems und Veränderungen in der von der Regierung abhängigen Institution zur Betreibung der Gefängnisse (INPEC). Doch nicht nur das Gefängnissystem an sich, auch die spätere soziale Rehabilitation muss zugunsten der Inhaftierten ausgebaut werden. Bisher hat die Regierung jedoch kein Interesse an grundlegenden Veränderungen für die miserablen Zustände, obwohl die Themen nicht neu sind und in Bezug auf den Friedensprozess mehrmals angesprochen wurden.
Die Guerilla FARC-EP solidarisiert sich mit ihren Gefangenen in und allen anderen sozialen Gefangenen, die unter anderem im Hochsicherheitsgefängnis Palogordo (Girón-Santander), im Gefängnis von Cómbita (Boyacá), im Gefängnis von Bellavista (Medellín), in Anayansi (Quibdó), im Gefängnis El Reposo Santa Helena (Uraba), in Santa Inés (Apartadó-Antioquia), in den Gefängnissen in Bogotá wie La Picota, El Buen Pastor oder im ERON einsitzen, im Frauengefängnis von Jamundí (Valle del Cauca), in El Barne (Boyacá), in Palmira (Valle), im Gefängnis Modelo (Bucaramanga) und Cúcuta, im ERON Cúcuta (Norte de Santander), in La Vega (Sincelejo), im Hochsicherheitsgefängnis Doña Juana La Dorada (Caldas), in Popayán (Cauca), im Gefängnis La Tramacúa (Valledupar), im Gefängnis El Pedregal (Medellín) und in den Gefängnisse Puerto Triunfo (Antioquia) und von Yopal (Casanare) gefangen gehalten werden.
Teilweise beträgt die Überbelegung in den Gefängnissen Kolumbiens bis zu 400 Prozent, so dass die Gefangenen gezwungen sind, auch die sanitären Räume wie Duschen und Toiletten als Schlafplätze zu nutzen. In den Gefängnissen ist es normal, dass infektiöse Krankheiten übertragen werden und eine adäquate medizinische Versorgung nur sehr selten stattfindet. Ein großes Problem ist die Wasserversorgung mit Trinkwasser. Oftmals gibt es nur wenige Stunden am Tag verfügbares Trinkwasser. Tausende sind in Gefängnissen inhaftiert, die sich weit von ihrem ursprünglichen sozialen Wohnort befinden. Besuche sind daher schwierig und werden oftmals aufgrund der schikanösen Bediensteten in den Gefängnissen nicht genehmigt. Unbeachtet bleibt auch die psychologische Situation und Betreuung der Gefangenen. Die Zahl der versuchten Selbstmorde und Suizide ist auf einem hohen Niveau.
Der Gebrauch von Dienstleitungen der Telekommunikation, aber auch der Kauf von Lebensmitteln wird durch marktwirtschaftliche Interessen des Gefängnissystems geleitet. Überteuerte und nicht zu bezahlende Preise sind die Folge. Auch ein Teil des Gesundheitssystems in den Gefängnissen wird mittlerweile marktgesteuert. Wer Geld hat, kann sich Medikamente leisten, wer kein Geld hat, muss auf die Gesundheitsfürsorge verzichten. Gezeichnet von fadenscheinigen Anschuldigungen, gerichtlichen Manipulationen, falschen Zeugen und langen Wartezeiten auf einen Gerichtsprozess, sowie die eben aufgezählten Bedingungen in den Gefängnissen ergibt sich ein Bild, das weder demokratisch noch human ist. Die Hoffnung liegt im derzeitigen Friedensprozess zwischen der Regierung und der Guerilla und in einer weiteren Sensibilisierung des Themas in der Öffentlichkeit.
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Die Wahlen zwischen Frieden und Krieg

Nach einer Studie der Stiftung „Paz y Reconciliación“ wurden ein Rückgang der bewaffneten Aktionen im kolumbianischen Konflikt und eine Dynamik festgestellt, in der die FARC-EP im Rhythmus der Verhandlungen militärisch aktiv werden. Bis Ende Mai gab es im Jahr 2014 382 bewaffnete Aktionen.
Insgesamt sind die Aktionen zwischen Januar und Mai dieses Jahr um 58% zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr 2013 (907 Aktionen) und 2012 (fast 1000). Der Rückgang wird unter anderem damit begründet, dass sich die FARC-EP mit jeder ihrer Aktionen in den Zeiten der Friedensgespräche vor der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen. Immer wenn die Verhandlungen stockten, gab es einen Zuwachs an bewaffneten Aktionen, während in Phasen des Fortschritts keine nennenswerten Angriffe zu verzeichnen waren. Ein Teil der Angriffe bezieht sich immer noch auf die Infrastruktur von Erdöl und Energie.
Man darf aber nicht vergessen, dass im Zeitraum 2014 bereits zwei unilaterale Waffenstillstände von der FARC-EP ausgerufen wurden. Die 23 Tage der Waffenruhe beziehen sich auf zwei Wochen im Januar, dem Waffenstillstand von Weihnachten und Neujahr, sowie auf eine Woche, die im Zuge der Präsidentschaftswahlen im Mai vereinbart wurde. Eine Waffenruhe seitens der Regierung konnte bisher noch nicht abgerungen werden. Die Militäraktionen werden auch während der Friedensgespräche unvermindert fortgesetzt.
Auf der anderen Seite steht der Friedensprozess aktuell auf wackeligen Beinen. Dies hat jedoch nicht mit der aktuellen Regierung oder der aufständischen Bewegung zu tun, sondern viel mehr mit den Präsidentschaftswahlen, in der sich in der zweiten Runde am 15. Juni Santos und sein ultrarechter Gegenkandidat und Spitzenreiter der ersten Runde Óscar Iván Zuluaga gegenüberstehen. Auch wenn die Aussagen von Zuluaga zum Friedensprozess ungenau sind, so gilt er doch nicht als Freund von Gesprächen und so betonte er bereits mehrmals, den bisher in der Geschichte Kolumbiens am weitesten fortgeschrittenen Friedensprozess sofort zu beenden. 
Gezeichnet ist auch der Wahlkampf zwischen Frieden und Krieg. Auf der einen Seite haben wir Santos, rechtskonservativer Kandidat, der die Friedensgespräche fortführen will und dadurch Unterstützung der Linken erhält. Auf der anderen Seite Zuluaga, gesteuert von Ex-Präsident Uribe, der für Krieg und Paramilitarismus steht. Deswegen erscheint es irrational, wenn linke Parteien und Bewegungen für Santos votieren, der ebenfalls in Skandale wie den „falsos positivos“, der Ermordung von „falschen“ Guerilleros gegen Prämien, sowie weiteren Menschenrechtsverletzungen verwickelt war. Eine weitere Aufgabe dürfte sein, die mehr als 60% Nichtwähler zu überzeugen, für den Frieden abzustimmen.
Man spricht in Kolumbien bereits von einer Friedenspädagogik und einer Politik für den Frieden, in der progressive Kräfte, Parteien wie Polo (Linke) und Alianza Verde (Grüne) sowie soziale Bewegungen den Kandidaten Santos unterstützen und Allianzen für die Fortsetzung einer Friedenspolitik gebildet werden. Eindringlich warnen Intellektuelle und viele demokratische Kräfte vor der Rückkehr Uribes in die Regierungspolitik. Derjenige, der das Land wie nie zuvor militarisierte und für eine Politik des Krieges und der Konfrontation steht. Die FARC-EP hingegen haben sich bisher mit Meldungen und Prognosen bezüglich der Präsidentschaftswahlen zurückgehalten.
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