Am gestrigen Montag, den 27. Januar, bestätigten die Behörden und auch die FARC-EP selbst den Tod von Óscar Eduardo Sandoval, bekannt unter alias El Mocho oder Andrés Patiño, dem Kommandanten der FARC-EP im Südwesten Kolumbiens. Er war Kommandant der Front Carlos Patiño, die vor allem in der Gemeinde Argelia und in El Plateado im Süden der Provinz Cauca aktiv ist. Zudem war Andrés Patiño auch der Kommandant der Fronten und Mobilen Kolonnen, die im Westblock Kommandant Jacobo Arenas organisiert sind. Dies sind die aktivsten Strukturen der FARC-EP im ganzen Land. Bekannt wurde zuletzt die Front Carlos Patiño, weil diese große Gebiete unter ihre Kontrolle brachten und vor wenigen Monaten die Armee eine Großoffensive im Micay-Tal startete.
Mit dem Kommandanten Andrés Patiño starben zudem alias Paisa Marrano und zwei weitere Mitglieder der aufständischen Organisation, die unter dem Oberkommando von Iván Mordisco stehen. Nach den bisher bekannten Informationen befanden sich die vier Mitglieder in einem Fahrzeug, das mit Sprengstoffen beladen war und dass sie gegen das Militärbataillon von El Estrecho im ländlichen Gebiet des Landkreises Patía (Cauca) einsetzen wollten. Um einen Kontrollpunkt der Armee auf einer Landstraße zu umgehen, der im Zuge der Militäroffensive errichtet wurde, sollen die Guerilleros die Fahrzeugroute geändert haben. Auf dem Weg wurde die Sprengladung aktiviert und die vier Insassen kamen ums Leben.
Andrés Patiño war langjähriges Mitglied der FARC-EP und bereits Teil der Guerilla, bevor sich diese im Jahr 2016 im Rahmen des Friedensvertrages entwaffnete. Er gehörte zur Mobilen Kolonne Daniel Aldana und war hier für Kommunikation und die Installation von Sprengstoffen tätig. Später war er auch Teil der Front Oliver Sinisterra, die ebenso wie die Mobile Kolonne Daniel Aldana in der Provinz Nariño agierte. Der bereits gestorbene Oberkommandant der dissidentischen FARC-EP, Gentil Duarte, sendete Andrés Patiño in die Provinz Cauca zum Aufbau und zur Vernetzung der Strukturen der Guerilla, die heute im Westblock Kommandant Jacobo Arenas vereinigt sind.
Die Explosion hat eine Reihe von Reaktionen innerhalb und außerhalb der aufständischen Organisation ausgelöst. Einige Analysten stellen fest, dass der Verlust von Patiño zu einem internen Machtkampf um die Führung im Westblock führen könnte, während andere der Ansicht sind, dass dies ein weiteres Auseinanderbrechen der Strukturen bedeuten könnte. Lokale Behörden haben die Überwachung in der Region verstärkt, um mögliche Vergeltungsmaßnahmen oder Aktivitäten im Zusammenhang mit der Guerilla nach diesem Vorfall zu verhindern. Oftmals geht der Tod von Kommandierenden mit Angriffen der Guerilla oder auch größeren Propagandaaktionen einher.
Anbei dokumentieren wir das Kommuniqué des Sekretariats des Zentralen Generalstabs der FARC-EP vom 26. Januar 2025:
ÖFFENTLICHES KOMMUNIQUÉ ZUR HOMMAGE AN DEN KAMARADEN ANDRÉS PATIÑO
Es tut uns leid, der nationalen und internationalen Öffentlichkeit mitteilen zu müssen, dass der Kamerad Andrés Patiño, Kommandant des Westblocks Jacobo Arenas und Mitglied des Nationalen Sekretariats des Zentralen Generalstabes der FARC-EP, am gestrigen Tag, dem 26. Januar dieses Jahres, im Rahmen der revolutionären Aufgaben und bei einem Unfall mit Sprengstoffen ums Leben gekommen ist.
Für alle Mitglieder der FARC-EP ist es eine Ehre, die Kameradschaft, die Arbeit und die revolutionäre Moral, die der Kamerad Andrés in jede Aufgabe und Mission einbrachte, geteilt zu haben. Sein Beispiel für den Kampf und seine selbstlose Hingabe an die Sache der Befreiung des kolumbianischen Volkes für ein Land in Frieden und mit sozialer Gerechtigkeit machen ihn zu einem herausragenden Märtyrer dieser neuen Phase des Kampfes der FARC-EP.
Wir werden weiterhin die Aufgaben des Widerstands und des Aufbaus des Sozialismus in Kolumbien und Lateinamerika vorantreiben, unter dem Leuchtturm, den dieser und andere Kameraden, die im Kampf gefallen sind, uns als Vermächtnis hinterlassen haben – ein Vermächtnis für die Kommunisten der Welt.
Wir senden eine aufrichtige und solidarische Umarmung an seine Familie und die Kameraden des Westblocks Jacobo Arenas für den tiefen Verlust und die Leere, die unter seinen Liebsten schwer zu heilen sein wird.
Berge und Städte Kolumbiens
Nationales Sekretariat des Zentralen Generalstabs der FARC-EP
Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee, FARC-EP
Durch die Kämpfe der ELN gegen die 33. Front der FARC-EP unter dem Kommando von Andrey Avendaño und Jhon Mechas ist diese Struktur nun stark geschwächt. Der größte Schlag jedoch ging durch die Demobilisierung von 63 Mitglieder und einem umfangreichen Waffenarsenal voraus. Zudem demobilisierten bereits in den Tagen zuvor zahlreiche Guerillakämpfer der FARC-EP und ergaben sich der kolumbianischen Armee, man geht insgesamt von über 100 Personen aus. Dies wurde durch Meldungen von Präsident Petro und der staatlichen Sicherheitskräfte deutlich. „Allen Mitgliedern des Blockes des Magdalena Medio, die es wünschen, und gemäß dem Gesetz, werden ihre Menschenrechte garantiert und ihre Eingliederung in die Gesellschaft ermöglicht, um ein Leben als Friedens- und Lebensbauer zu führen“, sagte der Präsident dazu.
Die Situation in Catatumbo in der Provinz Norte de Santander ist weiter angespannt, wenn gleich die bewaffneten Kämpfe zurückgegangen sin. Doch der Ausnahmezustand, der von der Regierung aufgrund des Krieges ausgerufen wurde, bleibt bestehen, nachdem die ELN einen Konflikt mit bis zu 100 Morden und Zehntausenden Vertriebenen an der Grenzregion zu Venezuela entfesselt hat. Von Seiten der staatlichen Sicherheitskräfte gibt es jedoch weiterhin Zurückhaltung und keine Bestrebungen, offensiv vorzugehen. Die 33. Front der FARC-EP verhält sich ebenso defensiv und versucht, ihre Strukturen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Seit Monaten haben die führenden Köpfe dieser Guerillagruppe geplant, die Kontrolle über dieses Gebiet zurückzugewinnen. Dazu nutzten sie auch die geostrategische Lage und Verbindungen zum Nachbarland Venezuela, wo sie bewaffnete Fronten und Guerillakämpfer aus jenem Land haben.
Die Provinz Guaviare war lange Zeit ein relativ ruhiges Gebiet, da dort die FARC-EP mit der 1. und 7. Front der FARC-EP die territoriale Macht ausübten. Mit dem Auseinanderbrechen der FARC-EP in zwei Fraktionen unter Iván Mordisco und Calarcá ändert sich dies nun, denn die Provinz wird zum Schauplatz eines Konfliktes zwischen den einstigen Hegemonialmacht. Schon im Sommer und Herbst wurde darauf verwiesen, dass der Block Amazonas Manuel Marulanda Vélez unter Mordisco die Strukturen um Calarcá angreifen könnte. Er erklärte Calarcá und die Fronten im Block Jorge Suárez Briceño, die weiter in Friedensverhandlungen mit der Regierung standen, als Ziel. Mordisco lehnte Friedensverhandlungen ab und es spaltete sich die FARC-EP mit ihren unterschiedlichen Blöcken.
Mittlerweile wird das Ausmaß der Angriffe der ELN in der Provinz Norte de Santander und der Region Catatumbo deutlich. Zum Ende der letzten Woche gab es koordinierte Angriffe der ELN auf vermeintliche Strukturen der 33. Front der FARC-EP und alle, die nach ihrer Ansicht mit der FARC-EP kollaboriert haben. Momentan wird geschätzt, dass etwa 80 Menschen ums Leben gekommen sind, 20 verletzt wurden und rund 5.000 Menschen durch die Angriffe und Kämpfe vertrieben wurden. Die Auseinandersetzungen, die vor allem die Gemeinden Tibú, El Tarra und Teorama betroffen haben, haben sich in der Nacht von Freitag auf Samstag verschärft und führten zu Kriegsszenen, wie sie an paramilitärische Angriffe in den 1990er Jahren erinnern.
Die kolumbianische Partei Comunes, hervorgegangen im Rahmen des Friedensprozesses aus der alte FARC-EP, die sich 2016 demobilisiert hat und von der Guerillaorganisation zu einer Partei geworden ist, bleibt ihren internationalistischen Prinzipien treu. So erklärt sie sich solidarisch mit der Einführung der dritten Amtszeit von Nicolás Maduro im Nachbarland Venezuela. Seit Jahrzehnten ist nicht nur die Guerilla solidarisch mit dem bolivarischen Prozess in Venezuela gewesen, sondern auch die Partei Comunes, ehemals FARC, unterstützte die linke Ausrichtung.
Am 20. Dezember besuchte eine Delegation der ehemaligen FARC-EP, heute in der Partei Comunes organisiert, ihre Genossen, die unter politischen Vorwürfen wie der Rebellion noch immer in der Haftanstalt LaPicota inhaftiert sind. Während des Treffens konnte die Delegation der politischen Partei eine Werkstatt besichtigen, in der eine große Vielzahl von Handwerksprodukten hergestellt werden, mit denen die politischen Gefangenen in diesem Jahr an einer großen Kunstausstellung teilnahmen. Der Besuch fand im Rahmen einer Dezember-Kampagne der Solidarität und Unterstützung für politische Gefangene in Kolumbien statt. Das Gefängnis La Picota liegt im Süden von Bogotá und ist eines der größten Gefängnisse im Land. Es hat Trakte der mittleren und hohen Sicherheit sowie eine Kapazität von fast 3000 Personen.
In einem Kommuniqué des Zweiten Marquetalia – Bolivarische Armee, dass im Kontext einer Denunziation einer anderen bewaffneten Gruppe herausgebracht wurde, wird deutlich, wie diese Organisation in der Nachfolge der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Márquez im Osten Kolumbiens geschwächt wurde. Im Osten Kolumbiens kämpfen vor allem drei Nachfolgeorganisationen der FARC-EP um politisch-militärischen Einfluss, darunter auch die beiden auseinander dividierten Organisationen des ehemaligen Zentralen Generalstabs der FARC-EP. Aktuell gibt es hier die Fronten unter dem Kommando von alias Calarcá und noch einige verbliebene Strukturen unter dem Kommando von Mordisco, letzterer im Kriegszustand mit der kolumbianischen Regierung.
Aus verschiedenen Regionen des Landes werden teils schwere Kämpfe zwischen den staatlichn Sicherheitskräften und der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco gemeldet. Dieser Teil der FARC-EP, auch Zentraler Generalstab genannt, steht im Krieg mit der kolumbianischen Regierung, während die Strukturen unter Calarcá weiter verhandeln wollen. Seit Donnerstagabend werden schwere Kämpfe aus der ländlichen Gegend von Cajibío in Cauca gemeldet, wo die Front Jaime Martínez Einheiten der Armee mit modernen Waffen und auch Drohnen angegriffen haben soll. Dabei sollen sich Soldaten in dem kleinen Ort Ortega mang der Häuser verschanzt haben, weshalb die Zivilbevölkerung über drei Tage Leid tragen musste, da die Guerilla daher den Ort unter Beschuss nahm, um die Soldaten zu treffen. Bisher ist von mindestens einem toten Soldaten die Rede, deren Leichnam bereits mittels des Internationalen Roten Kreuzes übergeben wurde.
Verschiedene Strukturen der FARC-EP, sowohl unter dem Kommando von Calarcá als auch von Mordisco, haben in verschiedenen Landesteilen Geschenke vor allem an junge Menschen verteilt. Während es in Regionen, wo die Guerilla präsent ist, völlig normal ist, sorgten Fälle aus der Großstadt Cúcuta und auch aus der Hauptstadt Bogotá für Aufsehen. „Dies ist eine Geste des Friedens des Teils der Friedensdelegation der FARC-EP der 33. Front unter dem Kommando von Richard, Jhon Mendoza und Andrey, die mit der kolumbianischen Regierung verhandelt“, wurde beim Verteilen der Geschenke mittel Megaphon verkündet. Mehrere Personen aus dem Umfeld der 33. Front verteilten mitten im Zentrum von Bogotá, konkret an der Carrera Séptima mit der Avenida Jiménez, Weihnachtsgeschenke.