Die aktuelle Rolle des Zweiten Marquetalia

Das Zweite Marquetalia – Bolivarische Armee spielt als Guerilla in Kolumbien nur noch eine kleine Rolle. Zuletzt war sie eigentlich nur noch in den Nachrichten, als die Hintergründe zur Ermordung des Senators Miguel Uribe im Juni 2025 in Bogotá aufgedeckt wurden, die zu eben genannter Guerilla unter dem Oberkommando von Iván Márquez führten. Dabei hegten anfangs viele Hoffnungen auf diese Guerilla, die mit zahlreichen bekannten Kommandierenden das Licht der Welt erblickte und bereits 2018 in Venezuela gegründet wurde, jedoch erst im August 2019 öffentlich auftrat. Kommandierende aus der alten FARC-EP und eben auch der ehemalige Verhandlungsführer des Friedensprozesses von 2016, Iván Márquez, zeigten sich nun wieder mit Waffen und erklärten das Friedensabkommen für gescheitert. Aktuell ist sie eigentlich nur noch medial und durch ihre Propagandakanäle präsent, politisch-militärisch hat sie stark an Bedeutung verloren.

Kurz nach der öffentlichen Erklärung zu ihrem Bestehen verfügte sie bereits über eigene Einheiten in Caquetá, Catatumbo, Meta, Cesar und La Guajira. Gespräche zu den anderen dissidentischen Strukturen der FARC-EP bezüglich einer Vereinigung, damals unter dem Oberkommando von Gentil Duarte, schlugen fehl. Zu groß war die Skepsis aufgrund der Rolle von Iván Márquez in den Friedensverhandlungen und zu groß die dominante Rolle zu den bereits schnell wachsenden anderen Strukturen der FARC-EP. Zwischen 2019 und 2022 wuchs das Zweite Marquetalia vor allem durch den Beitritt anderer bereits existierender bewaffneter Strukturen: Grenzkommandos, die damals hauptsächlich in Putumayo operierten; die Fronten Oliver Sinisterra und Iván Ríos sowie der Westblock Alfonso Cano in Nariño; die Front Acacio Medina zwischen Vichada, Guainía und Venezuela; und die 18. Front in Antioquia. Später gründete sie 2021 eine weitere eigene Front, die Front Diomer Cortés, in der Gemeinde Argelia, Cauca.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Beitritt verschiedener bereits existierender bewaffneter Gruppen zum Projekt des Zweiten Marquetalia nicht bedeutete, dass all diese Gruppen bereits eine einzige bewaffnete Organisation bildeten. Tatsächlich existierte zu Beginn der Regierung von Petro ein „Dachverband“ mit drei inneren Flügeln, die nur wenig miteinander koordiniert wurden: Ein erster Flügel war die FARC-EP, wie sie sich selbst nannte, unter der Führung von Iván Márquez. Sie umfasste nur sehr wenige Fronten: die Mobile Kolonne Teófilo Forero in Caquetá und Huila; die Front Acacio Medina in Vichada, Guainía und Venezuela sowie die 53. Front in Meta. Es gab einen weiteren Flügel der Grenzkommandos in Putumayo und Caquetá sowie einen Flügel namens Guerillakoordination des Pazifiks zwischen Nariño und Cauca. Diese drei Flügel operierten unabhängig voneinander, hielten jedoch einige Treffen ab, um ihre interne Einheit zu stärken.

In den ersten beiden Jahren der Regierung Petro erlebte jeder Flügel eigene Dynamiken von Stärkung und Schwächung. Der Flügel der FARC-EP unter Iván Márquez schwächte sich deutlich: Er verlor Einheiten in Catatumbo, Meta, Cesar und Antioquia. In den ersten drei Gebieten hörten die dort operierenden Einheiten auf zu existieren und in Antioquia wechselte die 18. Front die Seite (wie sie es im Oktober letzten Jahres erneut tat). Dies geschah alles nach den Todesfällen von Jesús Santrich, Edison Romaña und El Paisa im Jahr 2021 in Venezuela. Es wurde nur eine sehr kleine Einheit, die 12. Front in Barrancabermeja, geschaffen, die man mit Unterstützung aus Venezuela stärken wollte, was jedoch nicht gelang. Ansonsten war, hingegen zur öffentlichen Selbstdarstellung, dieser Teil unter Iván Márquez relativ blass.

Die beiden anderen Flügel expandierten und stärkten sich zwischen 2022 und Ende 2024: die Grenzkommandos begannen ihren Einfluss in Putumayo, Caquetá, Amazonas und in Richtung Cauca zu konsolidieren. Die Guerillakoordination des Pazifiks in Nariño weitete sich auf die Gemeinden Ricaurte und die Unterregion Abades aus, teilweise in Allianz mit anderen bewaffneten Strukturen, um gegen die mittlerweile größer gewordene FARC-EP mit ihrem Zentralen Generalstab unter Iván Mordisco zu kämpfen. Die Front Diomer Cortés gewann in Argelia und Balboa, Provinz Cauca, sogar an Terrain.

Im Juni 2024 begannen Verhandlungen des Zweiten Marquetalia mit der Regierung, an denen alle drei Flügel teilnahmen. Im November desselben Jahres jedoch schickte Iván Márquez ein Schreiben, in dem er ankündigte, dass Walter Mendoza die Gruppe nicht länger vertreten würde, was tatsächlich zu einer internen „Spaltung“ führte. Der FARC-EP-Flügel verließ den Verhandlungstisch, die anderen beiden blieben jedoch dort. Die Versuche einer Vereinigung scheiterten, und das, was heute als Zweites Marquetalia bezeichnet wird – bestehend ausschließlich aus dem Flügel „FARC-EP“ – blieb vom Friedensprozess ausgeschlossen, während die neu ernannte Nationalkoordination – Bolivarische Armee (CN-EB), die die anderen beiden Flügel vereint, weiter verhandelte. Diese kontrollieren weiterhin großflächige Gebiete im Süden des Landes.

Seit dieser Trennung hat sich das von Iván Márquez geführte Zweite Marquetalia innerhalb Kolumbiens nicht gestärkt. Kürzlich startete die Mobile Kolonne Teófilo Forero eine Gegenoffensive in der Region El Pato, Caquetá, nachdem sie dort zuvor Gelände verloren hatte. Die Front Acacio Medina operiert weiterhin wie gewohnt, mit etwas größerem Einfluss in Vichada, befindet sich jedoch hauptsächlich in Venezuela und in La Guajira wechselt die Gruppe manchmal auf die venezolanische Seite, um kleinere Aktionen durchzuführen. Eine Front Iván Merchán, die in Meta gieren soll, jedoch eher medial eine Rolle spielt statt politisch-militärisch, soll sich ebenso der Nationalkoordination CN-EB angeschlossen zu haben, was jedoch noch nicht bestätigt wurde. Es zeigt sich also, dass der Einfluss des Zweiten Marquetalia am Schwinden ist.

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