Calarcá Córdoba als Kommandant der FARC-EP

Viel wurde in den letzten beiden Wochen über den vermeintlichen Skandal geschrieben, dass sich Kommandierende der FARC-EP, darunter Calarcá Córdoba, mit Geheimdienstmitarbeitern und Militärs getroffen haben. Noticias Caracol veröffentlichte den Inhalt von Computern und USB-Sticks, die während einer Kontrolle von Fahrzeugen der FARC-EP beschlagnahmt wurden. Darauf waren mutmaßliche Informationsaustausche mit General Juan Miguel Huertas zu sehen, der derzeit Leiter des Personalkommandos ist – einem Bereich, der für die Ernennung, Entlassung und Versetzung von Militärangehörigen zuständig war. Mittlerweile ist er abgesetzt worden. Auch Inhalte von Gesprächen mit Wílmar Mejía, einem Beamten der Nationalen Geheimdienstbehörde waren darauf. Man witterte nun Geheimnisverrat und Infiltrierung der Guerilla in Mitarbeiter der staatlichen Sicherheitsorgane. Im Fokus steht dabei Alexander Díaz, bekannt als Calarcá Córdoba, ein Kommandant der FARC-EP, der aktuell mit dem Generalstab der Blöcke und Fronten (EMBF), einer Fraktion der FARC-EP, seit 2023 in Friedensgesprächen mit der Regierung von Gustavo Petro steht.

Doch wer ist dieser Alexander Díaz alias Calarcá Córdoba? Wir schauen einen kurzen Blick auf seine politisch-militärische Laufbahn. Calarcá trat 1998 im Alter von nur 16 Jahren der FARC-EP bei, als Mitglied der 40. Front. Diese operierte vor allem in der Provinz Meta und war Teil des Ostblocks der FARC-EP. Der Ostblock galt als einer der stärksten Blöcke der FARC-EP in jener Zeit. Darin war Calarcá am Anfang für städtische Einsätze und Geheimdiensttätigkeiten verantwortlich. Im Zuge des Friedensabkommens der alten FARC-EP mit der Regierung unter Santos im Jahr 2016 trat auch Calarcá in den Friedensprozess ein. Seine anfängliche Demobilisierung und Prozess der Wiedereingliederung setzte er in einer Wiedereingliederungszone in Meta durch. Doch wie Calarcá mehrfach erklärte, verließ er den Prozess und kehrte unter dem Kommando von Miguel Botache Santillana, bekannt als Gentil Duarte, zurück zur Guerilla, die sich mit der 1. Front Armando Ríos und ihr weiterfolgende Strukturen neu formierte. Gentil Duarte strukturierte den Zentralen Generalstab (EMC), der jetzt unter der Führung von Iván Mordisco steht.

Calarcá setzte sich erneut an den Tisch der Friedensgespräche mit dem EMC. Im März 2024 jedoch ordnete Präsident Gustavo Petro die Beendigung des Waffenstillstands mit der abtrünnigen Gruppe des Zentralen Generalstabs (zu der auch Mordisco und Calarcá gehörten) an, nach dem Angriff von Mordisco auf Toribío, bei dem die indigene Bürgermeisterin Carmelina Yule ums Leben kam. Die Haltung dieser bewaffneten Struktur zu diesem Waffenstillstand – Mordisco wollte die Gespräche abbrechen, während Calarcá im Prozess bleiben wollte – spaltete die Gruppe. Seitdem existieren zwei Abspaltungen: der Zentrale Generalstab (EMC) unter Mordisco, der den Prozess verließ, und der Generalstab der Blöcke und Fronten (EMBF), der in den Dialogen blieb. Dessen Kommando, auch wenn sie konföderiert ist, wird aber hauptsächlich von Calarcá getragen. Derzeit konzentriert sich die Macht von Calarcá auf den Block Jorge Suárez Briceño, der in Caquetá, Guaviare und Meta operiert. Der EMBF ist ebenfalls in mehreren Regionen des Landes präsent, hat jedoch vor allem in Catatumbo (mit Schwerpunkt in Tibú), im Norden, Nordosten und im Bajo Cauca von Antioquía sowie im Süden von Bolívar territoriale Kontrolle.

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Erneute Kämpfe mit Toten in Catatumbo

Bei Kämpfen, die in der Region Catatumbo in der Provinz Norte de Santander zwischen der 33. Front der FARC-EP und der ELN ausgebrochen sind, gab es mehrere tote Personen. Bereits am gestrigen Donnerstag sind Kämpfe im ländlichen Gebiet der Gemeinde El Tarra registriert worden, was die lokale Bevölkerung verunsicherte. El Tarra ist ein Gebiet, wo die FARC-EP sehr präsent ist. Schon seit Anfang des Jahres gibt es starke Konflikte zwischen beiden Guerillaorganisationen um Einfluss, wobei die ELN die FARC-EP angegriffen hatte. Bei den aktuellen Kämpgen soll es mindestens sieben Tote gegeben haben, zudem zahlreiche Verletzte. Unter den Toten befindet sich ein angeblicher Kommandant der ELN in der Region, bekannt unter Kampfnamen El Cuyo. Dies deutet darauf hin, dass der Zusammenstoß die Führungsstruktur der Guerilla in diesem Gebiet beeinträchtigen könnte.
 

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Zweites Marquetalia auf dem Vormarsch oder nicht?

Breitet sich die aufständische Bewegung des Zweiten Marquetalia – Bolivarische Armee in der Provinz Huila weiter aus oder nicht? Dies ist gerade die Debatte in der südkolumbianischen Provinz, nachdem erneut Banner der Guerillaorganisation aufgetaucht sind. So sind sechs Banner im ländlichen Gebiet der Gemeinde Campoalegre aufgetaucht, die auf das Zweite Marquetalia unter dem Oberkommando von Iván Márquez hinweisen. Gerade die Randregionen dieser Provinz sind für die Guerilla strategisch wichtig, so gibt es im Westen die Präsenz des Zentralen Generalstabs mit dem West- und Zentralblock unter dem Oberkommando von Iván Mordisco und im Osten zur Provinz Caquetá und Meta die Präsenz des Generalstabs der Blöcke und Fronten unter dem Oberkommando von Calarcá vor allem mit dem Block Jorge Suárez Briceño. Bereits seit 2020 operiert in der Gemeinde Algeciras das Zweite Marquetalia, dass jedoch Rückschläge erlitt, gerade nach dem Herauslösen verschiedener starker Strukturen im Süden des Landes wie den Bolivarischen Grenzkommandos. Das Zweite Marquetalia konnte vor allem auf ein Netzwerk der alten Mobilen Kolonne Teófilo Forero Castro zurückgreifen. Zuletzt blieb es jedoch ruhiger und eher andere Organisationen konnten an Boden gewinnen.

Auf den Bannern des Zweiten Marquetalia standen Botschaften wie „Der Kampf geht weiter!“ und zeigten Bilder von alias El Paisa, dem ehemaligen Kommandanten der Mobilen Kolone Teófilo Forero Castro. Diese war über das Land bekannt, weil sie als Spezialeinheit der Guerilla diente. Ihren operativen Mittelpunkt hatte sie in der östlichen Kordillere zwischen Huila und Caquetá. Nun will das Zweite Marquetalia wieder an Boden gut machen und versucht über kleine Gruppen von Süden über Palestina in den Süden von Huila vorzudringen, da sie in Caquetá, Putumayo oder in Cauca zuletzt zurückgedrängt worden sind. Ziel ist wieder in der Gemeinde Algeciras Fuß zu fassen, ehemals eine Hochburg, wo jedoch die Strukturen um Calarcá sehr präsent sind. Auch in der Gemeinde Acevedo gibt es eine Präsenz. Dass jedoch die Banner in Campoalegre aufgetaucht sind, kann auch von zwei Personen auf einem Motorrad verübt worden sein. Das bedeutet noch nicht, dass sie sich in dieser Gemeinde niedergelassen hätten. Es kann lediglich ein Hinweis auf eine mögliche Ankunft sein.

Eine andere Möglichkeit sollte in den Betrachtungen jedoch auch eine Rolle spielen. Zwar ist die Provinz Huila eine Provinz, die eine lange Geschichte mit der Guerilla hat, doch das Anbringen von Bannern der Guerilla und das Anfertigen von Propaganda unter dem Namen der Guerilla haben häufig auch die extreme Rechte als Strategie verfolgt, um Angst in der Bevölkerung zu schüren und anschließend eine Politik der demokratischen Sicherheit zu verkaufen. Diese Politik wurde maßgeblich unter dem rechten Präsidenten Uribe geprägt, die mit Aufstandsbekämpfung, Militarisierung und zahlreichen Menschenrechtsverbrechen einher ging. Getötete Zivilisten wurden als Guerillakämpfer verkauft und die linke Bewegung sowie Zivilbevölkerung eingeschüchtert. Es könnte sich also um einen Beitrag zur Verunsicherung im Rahmen dessen handeln, was als mediale Kampagne eines politischen Sektors kursiert, der die Linke mit Blick auf das Wahljahr 2026 ausmerzen wolle.

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Skandal um Verbindungen der FARC-EP in hohe Ämter

Die Medien zerreißen sich gerade um einen vermeintlichen Skandal, in dem es unterschiedliche Verbindungen der FARC-EP zu Personen in hohen Ämtern gibt. Dabei soll es um Personen des Geheimdienstes, des Militärs, aber auch zu Vertretern der jetzigen Regierung Petro gehen. Unter anderem soll die Guerilla dabei den Wahlkampf von Petro unterstützt haben. Selbst wenn sich dies bewahrheiten sollte, es ist nicht ungewöhnlich, dass eine aufständische Bewegung auch Kontakte in hohe Positionen besitzt und im Zuge von Wahlkämpfen oder Friedensprozessen verschiedene Personen trifft oder in ihrem territorialen Einflussgebiet einen Kandidaten unterstützt, der sich für den Frieden einsetzt. Man könnte nun denken, dass es gerade jetzt ein gefundenes Fressen für die Medien ist, da Petro eh in der Schusslinie der USA ist. Zudem nähern sich die Wahlen, Grund also, um ordentlich Feuer im Blätterwald anzuzünden.

Auch im Fokus steht die kolumbianische Vizepräsidentin Francia Márquez, der ebenso angebliche Verbindungen zur FARC-EP vorgeworfen werden. Dabei muss man rekapitulieren, dass sie aus der Provinz Cauca kommt, wo die FARC-EP besonders stark ist. Die kolumbianische Vizepräsidentin rief die Presse dazu auf, verantwortungsvoll zu handeln, forderte, keine Lügen zu verbreiten und Informationen zu überprüfen, bevor Gerüchte zu Schlagzeilen werden. Die Vorwürfe gegen sie tauchten auf, nachdem angebliche Chats beschlagnahmt wurden, die alias Calarcá, Oberkommandierender des Generalstabs der Blöcke und Fronten der FARC-EP (EMBF), zugeschrieben werden. Diese Chats sollen auf eine mutmaßliche Unterstützung dieser Gruppen für den Präsidentschaftswahlkampf von Gustavo Petro hindeuten.

Die angeblichen Gespräche zwischen alias Iván Mordisco, aktuell Oberkommandierender des Zentralen Generalstabs (EMC), und anderen Guerillakommandierenden enthalten Nachrichten wie: „Alles lief über Francia Márquez“, bezogen auf die erwähnte Unterstützung. Die Vizepräsidentin versicherte, dass diese Darstellungen böswillig seien und keinen einzigen stichhaltigen Beweis enthielten. Márquez erklärte, dass der einzige vorgelegte Beleg eine angebliche WhatsApp-Nachricht sei, die von der Guerilla stamme und der ihren Namen benutzen würde. Das in Laptops sichergestellte Material stammt aus dem Juli des vergangenen Jahres, als ein Konvoi der FARC-EP mit Friedensdelegierten vom Militär in Anorí, Provinz Antioquia, gestoppt wurde. Unter anderem sollen darin auch Beweise für einen Austausch von Militärs mit Guerillakommandanten zu Operationen in verschiedenen Regionen stattgefunden haben. Damals befand sich der Teil der FARC-EP unter alias Calarcá schon im Friedensprozess.

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Weitere Gespräche zwischen FARC-EP und Regierung

Die Regierung des Präsidenten Petro und die FARC-EP des Zentralen Generalstabs der Blöcke und Fronten, angeführt von Calarcá Córdoba, haben im siebten Verhandlungszyklus sechs Vereinbarungen erzielt. Zu den Punkten gehören die Deeskalation des Konflikts, Zugang zu Land, Umweltschutz und ein Pakt im Hinblick auf die Wahlen 2026. Die letzte Verhandlungsrunde fand unter völliger Geheimhaltung in der Ortschaft Campo Hermoso in San Vicente del Caguán, Provinz Caquetá, statt, unter der Aufsicht der Botschaften von Norwegen, Irland, der Schweiz und Venezuela als Garantenstaaten.

Die Vereinbarungen konzentrieren sich auf:
Deeskalation des Konflikts, mit Gesten und konkreten Schritten hin zum Frieden. Land und territoriale Transformation, die den Zugang zu Land und die Schaffung von Schutzzonen fördern. Umwelt und Bioökonomie ist ein weiterer Punkt, einschließlich der Eindämmung der Waldabholzung, des Ersatzes von Kokaanbauflächen und des Schutzes der Nationalparks. Zu den Wahlen im Jahr 2026 wurde ein Pakt vereinbart, der die freie Ausübung des Rechts der Bürger garantiert, zu wählen und gewählt zu werden.

Die Verhandlungen waren ins Stocken geraten. Der jüngste Schritt der Regierung, um Ergebnisse an den zahlreichen offenen Tischen mit illegalen Gruppen vorzuweisen, besteht in der Konzentration von Fronten oder Gruppen in bestimmten Gebieten. Im Fall der Gruppe von alias Calarcá lehnte der Oberkommandierende jedoch die Idee ab, während die Regierung mit der Stationierung der 33. Front, die im Catatumbo voranschritt. Hinzu kam seit Jahresbeginn das Vorrücken im Osten des Landes zwischen der ELN und dieser Front sowie der Krieg in der Provinz Guaviare zwischen den Strukturen von Calarcá und der von alias Iván Mordisco.

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Minderjährige beim Bombenangriff der Armee getötet

Der Angriff der kolumbianischen Luftwaffe auf ein Camp der FARC-EP mit ihren Strukturen des Amazonas-Blocks des Oberkommandierenden Iván Mordisco, hat unter den 19 Toten insgesamt 7 Minderjährigen das Leben gekostet. Präsident Petro verteidigte den Angriff, während es national und international harte Kritik hagelte. Diese Bombenangriffe auf Lager der Guerilla sorgen immer wieder für Tote unter den Opfern, die zivil oder minderjährig sind. In den letzten Jahren gab es Diskussionen, in wie weit diese Bombardierungen auch rechtmäßig sind, teilweise wurden sie sogar ganz eingestellt. Ausgerechnet Petro, der den Frieden im Land fördern will, machte nun seit anderthalb Jahren die Kehrtwende in der Sicherheitspolitik.

Der Angriff in Calamar, Provinz Guaviare, bei dem 7 Minderjährige am 10. November getötet wurden, hat nun den größten politischen und ethischen Sturm ausgelöst, dem sich die Regierung von Gustavo Petro bisher in Fragen der Sicherheit und der Menschenrechte stellen musste. Im August 2022 verdeutlichte man noch, dass die zwei Jahrzehnte intensiver Luftoperationen nun zu Ende seien und Petro mit seiner Politik des totalen Friedens ernst machen würde. Nun gibt es hier einen Rückschritt und Petro als auch die Führungsriege der Armee setzen auf die Konfrontation, auch auf Kosten von Minderjährigen, die sich unter welchen Umständen auch immer ebenfalls in den Lagern befinden.

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Dem Kriegsgeschrei folgt der Angriff

Nach dem Kriegsgeschrei des kolumbianischen Präsidenten Petro erfolgte der Angriff auf die Guerilla. Militär, Polizei und Geheimdienst griffen ein Lager des Zentralen Generalstabs der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco in der Provinz Guaviare an. Hier sollen sich Kämpfer der 1. und 49. Front der FARC-EP befunden haben. Man geht davon aus, dass es sich um Strukturen handelt, die sich in Nähe des Oberkommandierenden der FARC-EP befunden haben. Der Oberkommandierende ist das Hauptziel der staatlichen Sicherheitskräfte und man vermutete ihn zuerst im Amazonasgebiet, nun in der Provinz Guaviare.

Bei dem Angriff sollen mindestens 19 Guerillakämpfer getötet worden sein. Es gab zudem Festnahmen und einige, die sich den staatlichen Sicherheitskräften ergeben haben. Eine größere Menge an Kriegsmaterial konnte demnach sichergestellt werden. Bereits seit Tagen gab es Kämpfe in der Region rund um den Ort El Calamar. Daraufhin vermuteten die staatlichen Sicherheitskräfte eine gewisse Nähe zum Oberkommandierenden. Der kolumbianische Präsident höchst persönlich ordnete schließlich über die sozialen Netzwerke den Angriff au der Luft an. Diese Bombardierungen sind höchst umstritten, da auch Unbeteiligte oder Minderjährige getroffen werden können.

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Kriegsgeschrei des Präsidenten

Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro, eigentlich bekannt für seine Friedensinitiative, gibt sich öffentlich nun dem Kriegsgeschrei her. So gab er am gestrigen Montag, den 10. November, über seinen persönlichen X-Account eine deutliche Erklärung ab, in der er bekannt gab, dass die Streitkräfte eine Offensive gegen Iván Mordisco in der Provinz Guaviare durchführen. „Militäroffensive gegen Iván Mordisco in Guaviare. Ich habe den Bombenangriff und die militärische Auflösung der von den Streitkräften lokalisierten Front angeordnet“, erklärte das Staatsoberhaupt am Montagabend. Damit meint er die Tötung des Oberkommandierenden des Zentralen Generalstabs der FARC-EP, die hier unter anderem mit der 1. Front Armando Ríos präsent ist.

Diese Mitteilung des kolumbianischen Präsidenten erfolgte, nachdem Verteidigungsminister Pedro Sánchez in dem genannten sozialen Netzwerk einen Einsatz gegen die Guerilla seit den frühen Morgenstunden angekündigt hatte. „Unsere Streitkräfte und die Nationale Polizei führen in den Dschungeln von Guaviare eine entschlossene Offensivoperation gegen die narkoterroristischen Strukturen des Kartells von alias Mordisco durch, die Gemeinden und Bauern in dieser wunderschönen Provinz bedrohen und erpressen. Die Operation ist im Gange“, sagte Sánchez. In den Medien wird die Guerilla häufig mit Drogenterroristen gleichgesetzt, eine politische Abwertung. Bisher blieben die seit Monaten anhaltenden Militäroperationen im Amazonasgebiet gegen die FARC-EP erfolglos.

Ebenfalls gestern kam es im ländlichen Gebiet der Gemeinde Jamundí, Provinz Valle del Cauca, zu schweren Kämpfen, sie sich auch in bewohnte Gebiete zogen. Im Ortsteil Robles kam es zu Angriffen mit Sprengsätzen, teilweise durch Drohnen, die von der Front Jaime Martínez der FARC-EP abgefeuert wurden. Dies löste Panik unter der Bevölkerung aus. Aus diesem Grund mussten einige Bewohner evakuiert werden. In den Medien wird jedoch nicht erwähnt, dass sich die staatlichen Sicherheitskräfte im Ortzentrum verschanzten und sie bewohnte Gebiete häufig als Ausgangspunkt für Operationen oder gar für temporäre Basen nutzen. Nur deshalb zogen sich die Angriffe der Guerilla in den Ort hinein.

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Konflikt zwischen Guerillastrukturen fordert Tote

Ein neues Massaker im Norden der Provinz Cauca verdeutlicht den Konflikt einer Abspaltung der FARC-EP innerhalb der Guerilla. Wir berichteten bereits mehrmals über den Konflikt der 57. Front Yair Bermúdez mit dem Westblock der FARC-EP Kommandant Jacobo Arenas. Besonders die Front Dagoberto Ramos des Westblocks, unter dem Oberkommando von Iván Mordisco, ist in den Fokus der Auseinandersetzungen geraten. So hat sich die 57. Front vom Norden aus der Provinz Valle del Cauca, wo von Seiten des Westblocks die Front Jaime Martínez operiert, nach Süden in die Provinz Cauca verlegt, wo sie auf die Front Dagoberto Ramos trifft.

Der Kommandant der 57. Front Yair Bermúdez ist Luis Carlos Pinilla, alias Óscar Barreto. Er ist seit mehr als 15 Jahre in der aufständischen Bewegung aktiv. Er begann zuerst im Norden des Cauca seine politisch-militärische Laufbahn in den Reihen der ELN, schloss sich aber später den Strukturen der FARC-EP an. Mit der Reorganisation der FARC-EP nach dem für sie gescheiterten Friedensabkommen war er 2019 Mitinitiator und Kommandant der Kompanie Adán Izquierdo, die vor allem in Valle del Cauca in den Gemeinden Tuluá, Sevilla und Buga aktiv war. Im Jahr 2021 übernahm er die Führung der Struktur Urías Rondón des Zentralen Generalstabs der FARC-EP in der Provinz Nariño, an der Grenze zu Ecuador.

Zum Konflikt mit der FARC-EP und dem Zentralen Generalstab unter Gentil Duarte und Iván Mordisco kam es schließlich um das Jahr 2023, als er versuchte ein nicht autorisiertes Bündnis mit den Strukturen der anderen FARC-EP des Zweiten Marquetalia unter dem Oberkommando von Iván Márquez zu etablieren. Er brach mit seinen Befehlshabern, kehrte nach einer Verletzung nach Valle del Cauca zurück und gründete die 57. Front Yair Bermúdez. Dabei halfen ihm teilweise seine alten Gefolgsleute der Kompanie Adán Izquierdo. Er versuchte, die territoriale Kontrolle in den Gemeinden Sevilla, Bugalagrande, Tuluá, Buga und Guacarí zu festigen. In der letzten Zeit dehnte er sich jedoch nach Süden in die Provinz Cauca aus.

Nun wurde am Montag, den 3. November, ein weiterer Akt in der gewaltsamen Auseinandersetzung geschrieben. Eine Gruppe von Menschen, die den Tag der Toten feierten, sind in einer Bar im Zentrum der Gemeinde Corinto unter Beschuss geraten. Der Vorfall forderte vier Todesopfer und mehrere Verletzte. Alle Toten waren lokale Bewohner der Gegend und laut Zeugenaussagen, die vor Ort waren, betrat eine Gruppe schwer bewaffneter Männer das Lokal und eröffnete für mehrere Minuten wahllos das Feuer auf die Gäste, was unter den Anwesenden Panik auslöste. Laut lokalen Quellen soll eines der Opfer Bekannte innerhalb er Front Dagoberto Ramos haben. Dies könnte einer der Gründe für das Massaker sein.

Laut Informationen gab es bereits mehrere Hinweise, dass Mitglieder der 57. Front mögliche Gewalttaten in Corinto verüben könnten. Es gab eine Warnung von einem möglichen Massaker, das auf öffentliche Einrichtungen ausgerichtet war, die von Personen frequentiert wurden, die mit der Front Dagoberto Ramos in Verbindung standen. Schon seit längerem gibt es Warnungen und bereits erfolgte Auseinandersetzungen, zwischen den beiden verfeindeten Guerillastrukturen, der Front Dagoberto Ramos und der 57. Front Yair Bermúdez. Oftmals sind die Leidtragenden die Zivilbevölkerung, so auch in diesem Fall. Es zeigt aber auch, wie unsichtig die Strukturen um territoriale Macht kämpfen.

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Unterschiedliche Aktionen gegen Sicherheitskräfte

In Kolumbien gab es unterschiedliche Aktionen gegen die staatlichen Sicherheitskräfte, durchgeführt von Einheiten der FARC-EP. Der Ausgang der Aktionen ist höchst unterschiedlich, von toten Zivilisten bis hin zur Gefangennahme und Freilassung von Soldaten. Dies zeigt das Spektrum des Agierens der Guerilla in von ihr angestammten Territorien.

Die Gemeinde Suárez im Norden der Provinz Cauca war Schauplatz eines Angriffs, der mit Sprengsätzen und Gewehrsalven im städtischen Gebiet verübt wurde. Dabei kamen nach ersten Angaben zwei Menschen ums Leben und 13 Zivilisten wurden verletzt, darunter ein Minderjähriger. Der Angriff, der ursprünglich auf die Polizeistation abzielte, soll von einem Fahrzeug aus verübt worden sein, welches sich etwa 50 Meter entfernt befand. Von dort aus wurde eine Sprengladung über eine Rampe abgefeuert. Der Angriff der Front Jaime Martínez des Westblocks unter dem Oberkommando von Iván Mordisco hinterließ auch Dutzende beschädigte Häuser.

Ein anderen Vorfall gab es in der Ortschaft Getsemaní, in der Gemeinde La Macarena in der Provinz Meta. Dort wurden zwei Berufssoldaten des 12. Bataillons für direkte Aktionen und Aufklärung, einer Einheit der Task Force Omega, von der lokalen Bevölkerung festgenommen. Nach Angaben der Armee hielten etwa 400 Personen – offenbar beeinflusst von der regionalen Front Jorge Suárez Briceño der FARC-EO unter dem Oberkommando von Calarcá zunächst noch weitere Soldaten fest, ließen einen Teil aber wieder frei. Häufig richten sich diese Aktionen gegen die sinnlosen Militäreinsatze und die Repression, worunter die Lokalbevölkerung leidet. Die Gebiete befinden sich unter Kontrolle der Guerilla.

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Iván Cepeda Castro Kandidat der Linken

Es war ein guter Tag für die Linke und für den kolumbianischen Präsident Gustavo Petro. Die nationalen Wahlen der internen Konsultation des Pacto Histórico (Historischer Pakt) als linke Sammlungsbewegung sind der erste reale Indikator für den Wahlzyklus 2026. Sie zeigen einen starken und kohärenten politischen Sektor, trotz seiner eigenen internen Kämpfe und den Problemen im Nationalen Wahlrat. Nach monatelanger Erwartung und Unsicherheit wegen der Konsultation des Historischen Paktes ist nun Senator Iván Cepeda Castro der offizielle Kandidat der linken Petro-Bewegung. Cepedas Sieg mit 65 Prozent war nahezu sicher, bei nun mehr als 2,3 Millionen abgegeben Stimmen. Mit diesem Ergebnis kann Cepeda seine Kampagne als Nominierter der Petro-Bewegung starten, die mindestens fünf Monate dauern wird, bis er im März 2026 seine Kräfte mit anderen linken Kandidaten wie Roy Barreras, Camilo Romero und Clara López messen wird.

Vor vielen Jahren traf Iván Cepeda Castro eine der wichtigsten Entscheidungen seines Lebens: Keine Kinder zu haben. Er war überzeugt, dass in einem Land wie Kolumbien die Gewalttäter nicht zögern würden, die Familie eines politischen Führers zu bedrohen oder zu töten, um ihn zu erpressen und zu verhindern, dass er seine Ideen äußert. Dieses Leid erlebte er am 9. August 1994, als eine kriminelle Organisation von rechtsradikalen Militärs und Paramilitärs seinen Vater, den Senator Manuel Cepeda Vargas, ermordete. Manuel Cepeda Vargas, Präsident und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Kolumbiens, war eines der Opfer des Genozids gegen die Unión Patriótica (Patriotische Union), ein Verbrechen, das von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) als systematischer politischer Vernichtungsplan qualifiziert wurde. Die Patriotische Union war ein Projekt der FARC-EP mit linken Kräften, wurde aber von Paramilitärs systematisch torpediert.

Als Cepeda Vargas Sekretär der Kommunistischen Jugend (JUCO) war, heiratete er die ebenfalls engagierte Yira Castro. Aus dieser Ehe wurden Iván und María Cepeda Castro geboren. Der heutige Führer des Historischen Paktes wurde am 24. Oktober 1962 in Bogotá geboren. Er besuchte das Colegio Camilo Torres. Wie der Vater, so der Sohn. Schon früh trat er der JUCO bei. Aus Sicherheitsgründen wurde er nach Europa geschickt, wo er in Philosophie (1987, Universität San Clemente de Ohrid, Sofia, Bulgarien) graduierte und einen Master in internationalem humanitären Recht (2002, Universität Katholisch Lyon, Frankreich) erwarb.

Er strengte Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen rechten Präsidenten Álvaro Uribe Vélez an und war bekannt für die Verteidigung der Menschenrechte und die Suche nach Frieden. In Interviews und seiner parlamentarischen Arbeit zeigt er sich als ernsthafter, argumentativer und gelegentlich unerbittlicher Gesprächspartner. Dennoch sagen diejenigen, die ihn kennen, dass er auch eine sehr sensible Person ist. Diese Seite von ihm wurde während dieser Kampagne besonders deutlich, als er in verschiedenen Regionen das menschliche Leid erlebte, das durch Gewalt, Armut und den Mangel an Respekt für die Würde der Menschen verursacht wurde. So war er beispielsweise ein kontinuierlicher Verteidiger der Rechte von Jugendlichen und setzte sich intensiv für diejenigen ein, die den sozialen Aufstand von 2021 anführten, das Ereignis, das die politische Agenda des Landes veränderte.

Er hat keine Angst vor den Tätern der Gewalt. Ganz im Gegenteil, er fordert sie mutig heraus. So geschah es an jenem Tag im Juli 2004, als er zum Kongress ging und ein Foto seines ermordeten Vaters hochhielt, während etwa 60 Abgeordnete die unglaubliche Anwesenheit von Salvatore Mancuso, Ramón Isaza und Ernesto Báez, den Führern der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC als größte paramilitärische Organisation), bejubelten. Die Geste blieb nicht unbemerkt von den Kameras, auch wenn Mancuso ihm nur einen flüchtigen Blick zuwarf. Wenige Minuten später wurden Cepeda und seine Begleiterin Lilia Solano von der Polizei aus dem Raum entfernt, nachdem sie Slogans gegen das Eingreifen der Paramilitärs gerufen hatte. Dieses Bild des heutigen Präsidentschaftsbewerbers ist eines der denkwürdigsten Ereignisse. Er setzt sich für Frieden und für die einfachen Leute ein, der 63-jährige ist ein Gewinn für die kolumbianische Linke.

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Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft

Weiterhin gibt es eine ernste humanitäre Situation in der Gemeinde Briceño in der Provinz Antioquia, wo sich bis zu 2000 Menschen aus ländlichen Gebieten zwangsweise in das Stadtgebiet begeben haben. Grund dafür sind Kämpfe zwischen der 36. Front der FARC-EP mit paramilitärischen Gruppen, die in dieses Gebiet vordringen. Die Gemeinde Briceño ist seit Jahren eine Bastion der Guerilla und nun versuchen Paramilitärs Einfluss in dem Gebiet auszuüben. Kämpfer der 36. Front kommunizierten der Bevölkerung, dass sich diese in Sicherheit begeben sollten, bevor Kämpfe ausbrechen könnten. Antioquia ist eine Provinz, in der Paramilitärs große Kontrolle auf Bevölkerung und Politik ausüben.

Auch die Stadtverwaltung von Briceño hatte aufgrund der humanitären Krise in der Gemeinde eine Ausgangssperre verhängt, nachdem in den letzten Tagen über 2.000 Menschen in das Stadtgebiet gekommen waren. Die Ausgangssperre galt in der Nacht und zudem gab es ein Alkoholverbot sowie die Eistellung aller Aktivitäten ab 20 Uhr. Dazu gehörte auch das Hören von lauter Musik. Die 36. Front der FARC-EP galt zuletzt als das Zünglein an der Waage, nachdem diverse militärische Aktivitäten stattfanden, die den Friedensprozess der FARC-EP unter dem Oberkommando von alias Calarcá mit der Regierung, zu der die 36. Front sich unterordnet, passierten.

Aus der Provinz Cauca wurde zudem der Tod von Angie Paola Tovar Calpa, Studentin der Universidad Nacional de Colombia aus Medellín (Provinz Antioquia), bestätigt. Sie galt seit dem 27. August als vermisst. Sie war aus der Provinz Nariño nach Medellín unterwegs war als ihr Fahrzeug die Straße passierte, die Popayán mit Piendamó in der Provinz Cauca verbindet. An einem Checkpoint der Front Dagoberto Ramos der FARC-EP, die unter dem Oberkommando von alias Mordisco stehen, verlor sich dann die Spur. Nun wurde bekannt, dass im Zuge der Kontrolle und beim Umsteigen in ein Fahrzeug der Guerilla zu einem Feuergefecht mit der Armee kam.

In einer Mitteilung der Guerilla hieß es, das Fahrzeug sei infolge der Gefechte in Brand geraten und dort habe sich der Tod von Angie Paola, ihres Begleiters sowie eines Kämpfers der FARC-EP ereignet. In diesem Sinne veröffentlichten die staatlichen Sicherheitskräfte ebenso eine Mitteilung, in dem bestätigt wurde, dass ein Kampf stattgefunden habe und dass das Fahrzeug mit den drei Personen im Innern verbrannt worden sei. Nun konnte auf öffentlichen Druck dieser tragische Fall geklärt werden und zeigt, dass nicht nur die Guerilla allein für den Tod verantwortlich ist. Checkpoints im Gebiet der Guerilla sind normal und verlaufen nach der Kontrolle der Insassen on Fahrzeugen häufig problemlos.

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