Wie steht es um die Partei Comunes, die noch zwei Jahre so sein darf, wie es im Friedensabkommen bestimmt wurde? Im Jahr 2026 wird die Partei Comunes nach den normalen Regeln des politischen Systems gemessen werden, womit die im Abkommen vereinbarte historische Übergangszeit zu Ende geht. Hört sie dann auf zu existieren? Wie sieht es mit dem wichtigsten Projekt der Partei, der Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpfer aus? Hat die Partei überhaupt noch eine Überlebenschance, wenn sie selbst unter ihren ehemaligen Mitstreitern umstritten ist?
Comunes ist die kolumbianische politische Partei, die ursprünglich unter dem Namen Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común (FARC) im August 2017 von ehemaligen Kämpfern der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (FARC-EP) gegründet wurde, nachdem im Jahr 2016 das Friedensabkommen zwischen der Regierung von Juan Manuel Santos und der FARC-EP unterzeichnet worden war. Im Januar 2021 änderte sie offiziell ihren Namen in Comunes, um Assoziationen mit der aufgelösten Guerillaorganisation zu vermeiden. Dieser Punkt war höchst umstritten, ebenso wie ihr Führungspersonal und politische Ausrichtung
Im Juli 2026 wird die Partei Comunes nach den ordentlichen Regeln des politischen Systems gemessen. Damit geht eine Übergangszeit von zwei Wahlperioden zu Ende, die den Übergang der FARC-EP zu einer legalen politischen Bewegung und mittelfristig ihre Teilnahme am Kongress der Republik mit zehn direkten Sitzen, fünf in der Kammer und fünf im Senat, garantieren. Daran gebunden ist für die politische Partei auch die Finanzierung und andere für Parteien mögliche Vereinfachungen im politischen Leben. Doch wie soll eine Partei überleben, die nur wenig Rückhalt, sowohl im politischen System durch Wahlergebnisse, als auch innerhalb der linken Bewegung besitzt?
Die Wiedereingliederung ihrer ehemaligen Kämpfer dürfte auch weiterhin, gegebenenfalls auch ohne Partei, funktionieren. Schon jetzt sind nicht alle Friedensunterzeichner automatisch Mitglied der Partei Comunes, eher weniger. Aber alle Friedensunterzeichner und ehemalige Kämpfer befinden sich auf einem Weg der Wiedereingliederung, der neben der politischen auch eine wirtschaftliche und soziale Dimension umfasst. Mit bemerkenswerten Fortschritten, wie der Schaffung eines Netzes von Genossenschaften, und mit großen Enttäuschungen, wie der der Umzug aus ihren Dörfern aufgrund der Bedrohungslage, die immer noch existent ist. Der legale Status garantiert lediglich den Fortbestand im Parteiensystem als nationale politische Kraft. Nicht mehr und nicht weniger.
Ein Weg des Überlebens könnte darin bestehen, sich dem Parteienbündnis von Colombia Humana (Menschliches Kolumbien) anzuschließen, wodurch sie de facto ihren Rechtsstatus verlieren und nur eine Strömung innerhalb des Parteienbündnisses wäre. Dies würde bedeuten, dass ihre Spitzenpositionen mit den anderen Strömungen verhandeln müssten, und zwar in Bezug auf die Gewährung von Unterstützungen, die Position auf den Listen – ob offen oder geschlossen -, die Verteilung von Finanzmitteln für bestimmte Aktionen und den Sitz in den Führungsgremien. Erstens würde sie ihre Autonomie verlieren und in einen permanenten Verhandlungszustand auf der Grundlage eines gemeinsamen Rechtsstatus eintreten.
Der zweite Punkt betrifft eine eventuelle Beteiligung an „Unitarios“, einer Plattform für den Zusammenschluss eher kleiner politischer und sozialer Sektoren – Zwerge unter Zwergen -, die den Vorschlag der Einheitspartei – von der man annimmt, dass sie eine bloße Erweiterung von Colombia Humana ist – nicht kopieren und im Vorfeld des Jahres 2026 versuchen werden, eine eigene Liste für den Senat zu präsentieren. Wenn Comunes sich dieser Liste anschließt und die Wahlhürde – die 2026 bei etwa 650.000 Stimmen liegen wird – überschreitet, würde sie ihren Rechtsstatus und ihren Status als nationale politische Partei behalten, wenn auch mit einem geringeren Prozentsatz ihrer Finanzmittel und ihrer Vertretung im Kongress – die sie durchaus mit einem oder zwei Abgeordneten beibehalten könnte.
Die dritte Möglichkeit besteht darin, dem Senat eine eigene Liste vorzulegen, in der Erwartung, die Wahlhürde zu überschreiten. Dies jedoch scheint sehr unwahrscheinlich zu sein, spiegeln die Wahlergebnisse eine andere Realität wider. Bei den Wahlen von 2018 und 2022 konnte Comunes nur 55.587 bzw. 25.708 Stimmen vereinen, zu wenig für den Fortbestand als Partei. Hinzu kommen die Unstimmigkeiten der letzten Jahre, selbst ein Teil der ehemaligen Basis hat sich von der Partei abgewendet.
Am 25. August 2024 trat die Nationale Direktion von Comunes zu einer Plenarsitzung zusammen, um die nationale politische Lage und in diesem Rahmen den Fortschritt der Einheit der sozialen und politischen Sektoren, die die Regierung des Wandels unterstützen, zu analysieren. Das XVIII. Plenum hat einstimmig seine Unterstützung für die von Präsident Petro geförderte Agenda des Wandels bekräftigt und gleichzeitig seine Entscheidung zum Ausdruck gebracht, sich für die Einheit aller sozialen und politischen Sektoren einzusetzen. Doch für die Wahlen im Jahr 2026 wollen sie wieder eine breite Front garantieren und mit anderen Kräften zusammengehen. Es wurde sich zudem zu den Unitarios positioniert.
Comunes ist keine nationale politische Partei und kann nur aufgrund des im Friedensabkommen vereinbarten Übergangs als nationale politische Partei betrachtet werden. Die Misserfolge sind erkennbar, ihre Wählerbasis ist durch die Konzentration auf die großen städtischen Zentren – Bogotá, Medellín und Cali – gekennzeichnet, ohne dass sie über eine solide regionale Verankerung oder einen identitätsstiftenden Faktor verfügt. Zu schnell gab es mit den Unstimmigkeiten innerhalb der Partei und auch der Gefährdungslage für linke Aktivisten einen Rückzug der Basis, vor allem in den ländlichen Regionen. Das Wachstum von oben nach unten, bei dem Abgeordnete und Senatoren als Medienakteure oder mit Managementkapazitäten eine entscheidende Rolle spielen würden, hat nicht stattgefunden.
Zu einem Großteil ist die Partei nicht präsent und auch vom Bündnis „Historischer Pakt“ im Jahr 2022 aufgefressen worden. Die eigene Sichtbarkeit ist weg und man hat es versäumt, Strukturen aufzubauen, gerade auf lokaler und regionaler Ebene. Dies jedoch dauert Jahre und zuletzt hatte man wenig den Eindruck, dass es um die Förderung einer nachhaltigen sozialen Bewegung geht und nicht nur um den Kampf der eigenen Posten und Macht. Die Rückkehr auf die nationale politische Bühne hängt vom Engagement und der Verbreiterung dieser Basis ab. Das könnte die Zukunft der Partei jenseits des Fortbestands oder Nichtbestehens eines Rechtsstatus sein. Doch dafür muss langsam die Arbeit beginnen.
Erneut gibt es mediale Diskussionen, weil die Guerilla staatliche Aufgaben in ländlichen Regionen übernimmt. Diesmal sind es die Bolivarischen Grenzkommandos, die der FARC-EP, Zweites Marquetalia, alliiert sind. Giovani Andrés Rojas, alias Araña, ist der oberste Kommandant von den Grenzkommandos und in einem in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Video erscheint der Guerillakommandant in einem ländlichen Gebiet von Ipiales in der Provinz Nariño und kündigt die Übergabe eines Infrastrukturprojekts an die Gemeinde an.
Die Gespräche im Rahmen des Friedensprozesses zwischen der FARC-EP unter der Führung von Calarcá Córdoba in Zentral- und Ostkolumbien sowie der kolumbianischen Regierung gehen weiter. Zuvor machten bereits die Bauernorganisationen aus den Provinzen Guaviare, Caqueta und Meta Druck, die Gespräche zwischen den Akteuren fortzuführen, sonst würden sie ihrerseits in den unbefristeten Streik gehen. Beide Delegationen planten bereits seit Wochen Treffen in der Region La Macarena, dass aber mehrmals verschoben wurde. Dies führte zum Stocken, dass bis heute anhält und für Unzufriedenheit bei der lokalen Bevölkerung sorgt.
In einem Kommuniqué des Westblocks Kommandant Jacobo Arenas der FARC-EP wird eingestanden, dass sie die Stadträtin Sandra Milena Betancourt am 14. September 2024 um Mitternacht verhaftet haben. Dies passierte in der Gemeinde Argelia, bzw. im Ort El Plateado der Provinz Cauca, wo die Front Carlos Patiño der FARC-EP unter dem Generalkommando von Iván Mordisco operiert. Laut dem Kommuniqué vom gestrigen Freitag zufolge ist die Stadträtin in eine Reihe von Ermittlungen verwickelt, die mit dem Tod von Miller Silva Rosero, einem lokalen Anführer in El Plateado, der Ende 2023 ermordet wurde, zusammenhängen.
Wir haben lange überlegt, wie wir diese Entwicklung einer Dissidenz innerhalb der sogenannten dissidentischen FARC-EP betrachten, die nun schon fast ein Jahr lang andauert. Noch ist vor allem politisch nicht ganz klar, wohin die Dissidenz der 57. Front will. Seit November vergangenen Jahres gibt es die 57. Front Yair Bermúdez, eine Abspaltung aus der FARC-EP des Zentralen Generalstabs. Ursprünglich ist es ein Teil der Kompanie Adán Izquierdo des Zentralen Generalstabs der FARC-EP, die im Westen Kolumbiens operierte. Aus ideologischen und dann auch territorialen Gründen kam es zu einer Spaltung, was Auswirkungen auf die Konfliktregionen in Cauca und Valle del Cauca hat, wo die Front Yair Bermúdez aktiv ist. Ursprünglich operierte sie nur in Valle, kämpft nun aber gegen den Westblock Jacobo Arenas der FARC-EP auch im Norden von Cauca, angestammtes Gebiet der Front Dagoberto Ramos.
In der Gemeinde Cartagena del Chairá, Provinz Caquetá, gab es kurz nach dem Besuch des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro am zurückliegenden Wochenende zwei hintereinander folgende Detonationen von Sprengsätzen, die einige Schäden und fünf Verletzte verursachten. Die Sprengsätze befanden sich in unmittelbarer Nähe der Polizeistation. Die Sprengsätze zündeten um Mitternacht sowie wenig später und dienten wohl eher dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Wir berichteten auf dem Portal Kolumbieninfo zuletzt mehrmals über die schwierige Situation und die Kämpfe im Südwesten Kolumbiens, vor allem in der Provinz Cauca. Hier gibt es seit längerer Zeit eine Offensive der staatlichen Sicherheitskräfte, um den Einfluss der verschiedenen bewaffneten Organisationen zurückzudrängen. Besonders der Westblock Jacobo Arenas der FARC-EP, Zentraler Generalstab, hat in den letzten Monaten versucht, seine Territorien zu festigen, was medial zu starker Kritik gegenüber Armee und auch Präsident Petro führte, der zwar den Waffenstillstand mit der FARC-EP unter Iván Mordisco aufkündigte, die hier operieren, jedoch mit seiner Politik des totalen Friedens bisher scheitert.
In den letzten Stunden bestätigte die Armee, dass im Rahmen der Operation Mantus, die im Südwesten des Landes durchgeführt wird, die staatlichen Sicherheitskräfte in Form der Armee der Front Rafaél Aguilera der FARC-EP, die zum Westblock des Zentralen Generalstabs gehört, der Guerilla einen schweren Schlag versetzt wurde. Die Militäroperation fand in einem ländlichen Gebiet der Gemeinde Timbiquí, Cauca, statt, wo sich die Truppen ein Gefecht mit der aufständischen Bewegung lieferten. Allerdings ist unklar, wieviel Tote es tatsächlich gab, da Leichen von Guerilla und Zivilbevölkerung abtransportiert worden sind. Die Armee geht von acht toten Guerillakämpfern und einigen Verletzten aus.
Bei einer Operation der kolumbianischen Armee sind laut Angaben des Militärs acht Guerilleros der FARC-EP, Zweites Marquetalia, getötet worden. Dies geschah in der Gemeinde Argelia, Provinz Cauca, die zu den konfliktreichsten Regionen des Landes gehört. Zuvor soll es zwischen den beiden verfeindeten Strukturen der FARC-EP Kämpfe gegeben haben. Auf der einen Seite der Westblock Kommandant Jacobo Arenas mit der Front Carlos Patiño des Zentralen Generalstab und auf der anderen Seite die FARC-EP, Zweites Marquetalia, die unter dem Kommando von Iván Márquez steht. Während die Front Carlos Patiño vor allem den Ort El Plateado kontrolliert, versucht das Zweite Marquetalia auch außerhalb in der im südlichen Cauca gelegenen Region Fuß zu fassen.
Zum wiederholten Male sind Soldaten der kolumbianischen Armee von der lokalen Bevölkerung in großem Maße festgehalten worden. Damit wehrt sich die Bevölkerung gegen die Militarisierung der Region La Macarena, die zwischen den Provinzen Caquetá, Guaviare und Meta liegt. Dies ist eine Region, in der schon immer die Guerilla, aber auch die regionale Selbstverwaltung von Bauern und Indigenen aktiv ist. Die Armee wird daher als Besatzung empfunden, häufig in Verbindung mit Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen. So wird die Bevölkerung stigmatisiert und ist stetigen Kontrollen, Zerstörungen und auch wahllosen Verhaftungen ausgesetzt. Kämpfe finden schließlich mit Einheiten der Guerilla statt, die sich aus der Bevölkerung rekrutiert.