Friedens-Karawane der FARC-EP festgehalten

Zuletzt gab es Aufregung und vor allem eine suggestive Berichterstattung über eine Karawane er FARC-EP, die im Zuge der Friedensverhandlungen in Antioquia unterwegs war. So wurde an einem militärischen Kontrollpunkt an der Straße von Medellín nach Anorí die Karawane der FARC-EP, Zentraler Generalstab, gestoppt, die sich auch neun stark gesicherten Fahrzeugen der Nationalen Schutzeinheit (UNP) befanden. Jene Gruppe, die am Dienstag gestoppt wurde, befindet sich in Friedensverhandlungen und darf sich im Land in Abstimmung mit der Regierung bewegen. Aber der Vorfall zeigt wieder einmal, wie fragil der Frieden ist und wie sofort über die Medien eine negative Meinung geschürt wird, ohne die Hintergründe zu erfragen. So ging es in den Medien vor allem um Geld, Waffen und um Terroristen, die per Haftbefehl gesucht wurden.

Obwohl die Mitglieder der Delegation der FARC-EP in diesen Fahrzeugen reisen dürfen, kam es zu dem Halt und der kurzzeitigen Festnahme von Personen. Anscheinend gibt es hier tatsächlich Probleme der Kommunikation, wo beide Seiten und vor allem die des Amtes des Hohen Kommissars für den Frieden und der staatlichen Streitkräfte in Frage gestellt werden müssen. So ist es logisch, dass Guerillaanführer, denen von verfeindeten Gruppen wie der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco oder auch der ELN mit dem Tod gedroht wird, bewaffnet unterwegs sind, teilweise mit autorisierten Waffen. Auch dass die Gruppe mit Geld unterwegs, ist jetzt nicht unlogisch. So müssen in einer noch immer illegalisierten Bewegung bestimmte Aufgaben mit Geld finanziert werden. Darüber Rechenschaft abzulegen ist natürlich manchmal nicht leicht.

Insgesamt befanden sich mehrere Kommandierende von Fronten der FARC-EP in der Karawane, die im Rahmen der Friedensverhandlungen und Runden Tische unterwegs waren. Diese Runden Tische finden zum Teil mit den Strukturen der Guerilla statt, um Friedenspädagogik und Aufklärung über die Verhandlungen zu leisten. Auch mit der lokalen Zivilbevölkerung gibt es Runde Tische, die in den territorialen Transformationen als Punkt der Verhandlungen festgelegt worden sind. Für diese Aktivitäten haben die Kommandierenden die Aufhebung der Haftbefehle oder eine temporäre Erlaubnis für freies Geleit, wie in unserem Fall eine 45-tägige Erlaubnis, um am Runden Tisch und an den Koordinierungssitzungen teilzunehmen. Eine Person hatte keinen Ausweis, da diese als Sohn von Mitgliedern der FARC-EP keine staatliche Registrierung vornehmen konnten.

Als einzige Person, bei der es juristische Probleme gab und wo wohl der Haftbefehl aktiv vorlag, war alias Firu von der 36. Front der FARC-EP in Antioquia. Am Tisch vertreten sind Leopoldo Durán, Calarcá Córdoba, Andrey Avendaño, Tomás Ojeda, Robinson Caicedo Ríos, Javier 33, Cipriano Cortés, Danilo Albizú und Erika Castro. Diese sind unter anderem Kommandanten der Front Rodrigo Cadete, der Front Raul Reyes und der Front John Linares, alle im Südosten des Landes präsent. Dies verdeutlicht, dass es sich um hochrangige Personen handelt, die vor allem aus den Blöcken Jorge Briceño und auch des Blocks Magdalena Medio Gentil Duarte kommen, jenen Blöcken, die weiter am Verhandlungstisch bleiben wollen.

Erstaunlich ist, dass sich der Kommandierende Calarcá Córdoba selbst in der Karawane befand. Dieser befindet sich seit April in einer Konfrontation mit Iván Mordisco. Mordisco als Kommandierender aus den Provinzen Cauca, Nariño und Valle del Cauca, ist nicht daran interessiert, den Verhandlungsprozess mit der Regierung weiter zu verfolgen, was ihn mit Calarcá, der die Strukturen im Südosten befehligt, und Andrey Avendaño, der seine Macht in Catatumbo konzentriert, in Konflikt gebracht hat. Vor einer Woche kündigten Avendaño und Calarcá in einem Kommuniqué per Video an, dass ein Angriff von Mordisco auf die beiden Abspaltungen des Zentralen Generalstabs bevorstehe. Dies verdeutlicht zusätzlich die gefährliche Situation, neben den Unstimmigkeiten mit den staatlichen Sicherheitskräften.

Trotzdem sieht es derzeit so aus, als könnten diese Schwierigkeiten überwunden werden. Calarcá und Andrey Avendaño sind bereit, weiterzumachen, auch wenn der Verhandlungsprozess mit großen Herausforderungen verbunden ist. Nach dem Tod des bekannten Oberkommandierenden Gentil Duarte löste Calarcá die Strukturen in Caquetá als oberster Befehlshaber ab. Er wurde 1983 in Mesetas, Meta, geboren. Er ist seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied der aufständischen Bewegung FARC-EP. Im Jahr 2016 unterzeichnete er das Friedensabkommen zwischen der Regierung Santos und der Guerilla, zog sich später jedoch aus dem Prozess der Wiedereingliederung zurück, nach dem das Abkommen nicht eingehalten wurde. Zusammen mit Gentil Duarte, John Mechas, Andrey Avendaño und Iván Mordisco kehrte er zu den Waffen zurück. Sein Haftbefehl wurde im Februar 2024 aufgehoben. Nun ist er der Oberkommandierende der Abspaltung des Zentralen Generalstabs.

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Standorte der Guerilla an Regierung

Inmitten der Friedensgespräche und der Vereinbarungen, die diese Woche in den Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den am Verhandlungstisch gebliebenen Strukturen der FARC-EP, Zentraler Generalstab – EMC, die unter der Führung von Calarcá getroffen wurden, ist eine der Verpflichtungen die interessanteste. Die Aufständischen müssen nun den staatlichen Streitkräften den Standort ihrer Strukturen mit Hilfe eines Georeferenzierungsmodells übermitteln.

Diese Ankündigung war Teil des Abkommens über die Verlängerung des Waffenstillstands, der vorerst für drei Monate und nur mit dem Block Jorge Suárez Briceño (bestehend aus acht Fronten mit Präsenz in Meta, Caquetá, Guaviare), dem Block Magdalena Medio Gentil Duarte (mit sieben Fronten) und der Front Raúl Reyes (Putumayo und Caquetá), die noch am Verhandlungstisch sitzen, gelten wird.

Bisher gibt es diese Vereinbarung nur mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia, die auch bis zum aktuellen Zeitpunkt ihre Standorte mitteilen muss. Diese Vereinbarung kommt der Guerilla entgegen, die anscheinend kein Interesse hat, sich in bestimmte Zonen zu begeben. So einigte man sich auf dieses Prozedere. Die Strukturen unter Calarcá machten zudem deutlich, dass sie unter Bedrohungen und Angriffen ihrer Feinde wie ELN, aber auch der FARC-EP unter Iván Mordicso leiden. Diese widersetzen sich einem Verhandlungsprozess und befinden sich besonders im Südwesten Kolumbiens im Krieg mit der Regierung.

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FARC-EP greift Regierung wegen Naturschutz an

Im Oktober soll in der Millionenstadt Cali die sogenannte 16. Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen stattfinden, kurz COP16. Nun veröffentlichte die FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco, die sich im bewaffneten Konflikt mit der kolumbianischen Regierung befinden, eine Nachricht über ihren neuen Account auf X, ehemals Twitter, in der sie die Regierung für ihre Scheinheiligkeit angreifen. Auf X @FARC_EP1964 heißt es dazu: „Die COP16 wird scheitern, auch wenn sie die Stadt mit Gringos militarisieren. Herr Gustavo Petro, Ihr Gerede vom Schutz der Natur wird scheitern“.

In der Veröffentlichung erhebt die Guerilla Anschuldigungen gegen Präsident Petro: „Ihr Diskurs über den Schutz der Natur wird zusammenbrechen, wenn das kolumbianische Volk erfährt, was ihr Militär im Amazonasgebiet tut, wenn es das große Abkommen erfährt, dass sie mit Deutschland über die Aneignung und Ausbeutung von Wasserquellen abschließen wollen, wenn ihre Rolle im Streit mit Antioquia über Goldexportlizenzen aufgedeckt wird oder wenn sie die Satellitenüberwachungsbasis des südlichen Kommandos auf der Insel Gorgona einrichten.“

Damit greift der Zentrale Generalstab der FARC-EP Themen auf, die auch in der Bevölkerung höchst umstritten sind. In den Medien wird hingegen von einem Bedrohungsszenario durch die aufständische Bewegung fabuliert. Richtig ist, dass der Waffenstillstand zwischen FARC-EP, hier besonders die Fronten des Westblocks, und der Regierung nicht mehr existent ist. Seit Monaten gibt es eine Offensive der staatlichen Sicherheitskräfte, die Guerilla wiederum antwortet mit Angriffen auf Militär und Polizei.

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Verstärkte Angriffe mit Drohnen durch Guerilla

Neue Angriffe der Guerilla FARC-EP mit ihren Strukturen aus dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas sorgen für Unbehagen, vor allem bei den staatlichen Sicherheitskräften in der Provinz Cauca. Zum einen richten sich die Angriffe gegen Polizei und Armee, zum anderen werden dabei verstärkt Drohnen mit Sprengstoffen eingesetzt. Dies führt dazu, dass innerhalb des Militärs eine Anto-Drohnen-Einheit für die Provinz Cauca geschaffen werden soll.

Mitte der Woche gab es einen Angriff auf die Polizeistation in Mondomo, Gemeinde Santander de Quilichao im Norden von Cauca. Dieser ereignete sich am Abend und fand in unmittelbarer Nähe der Hauptverbindungsstraße Panamericana statt. Wenig später griff eine Einheit der Front Jaime Martínez den Sicherheitskonvoi der Vizepräsidentin Francia Márquez im ländlichen Gebiet der Gemeinde Buenos Aires im Norden Caucas an.

Unter anderem mit Drohnen wurden die staatlichen Sicherheitskräfte im Ort Tunía in der Gemeinde Piendamó angegriffen. Hier an der ehemaligen Mautstelle gab es neben Schüssen auch Detonationen von Sprengsätzen zu hören, die offenbar von Drohnen abgeschossen wurden. Auch in El Plateado sind bereits Drohnen bei Angriffen durch die Front Carlos Patiño eingesetzt worden. Am gestrigen Donnerstag griff die FARC-EP die Polizeistation in Suárez an, wobei es verletzte Polizisten gab.

Die Angriffe zeigen deutlich, dass seit der Beendigung des Waffenstillstandes im Südwesten durch die Regierung der Konflikt auf hoher Intensität schwelt. Trotz einer großen Militäroperation wirkt die Guerilla hier nicht geschwächt. Im Gegenteil durch neue Kampftaktiken und den Einsatz von Drohnen kann sie immer wieder empfindliche Schläge gegen die staatlichen Sicherheitskräfte durchführen. Die Strukturen unter Iván Mordisco als Oberkommandierenden verweigern sich aufgrund der Militäroffensive den Friedensgesprächen.

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Neuer Gesprächszyklus mit FARC-EP

Die Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und Teilen der FARC-EP, Zentraler Generalstab, hier unter der Führung von Calarcá Córdoba, gehen weiter. Da sich der Zentrale Generalstab in zwei rund gleichgroße Fraktionen dividiert hat, sitzen bei den derzeitigen Gesprächen nur die Fronten der Guerilla am Tisch, die ihre Bereitschaft bekundet haben, fest im Friedensprozess zu bleiben. Diese stehen unter dem Kommando von alias Calarcá und beinhalten vor allem die Fronten aus Caquetá, Teile von Putumayo, dem südlichen Meta, Norte de Santander und Antioquia. Am gestrigen Dienstag, den 9. Juli, wurde der fünfte Gesprächszyklus offiziell begonnen und soll bis Freitag, den 12. Juli, andauern.

Die übrigen Fronten in Cauca, Nariño, Valle del Cauca, Guaviare und Amazonía, die ihre Unterstützung für den aus den Gesprächen ausgeschlossenen Iván Mordisco zum Ausdruck gebracht haben, werden in diesem Zyklus nicht anwesend sein. Gegen jene Strukturen gibt es eine Offensive der staatlichen Sicherheitskräfte, vor allem im Südwesten des Landes. In diesem Zyklus, der in Bogotá stattfindet, sollen mindestens drei Schlüsselthemen behandelt werden: die Achtung der Zivilbevölkerung, die territorialen Veränderungen in den Regionen und die Ausarbeitung einer Agenda für die Beendigung des Konflikts.

Eines der dringlichsten Themen wird zweifellos die Festlegung der Zukunft des Waffenstillstands (gültig bis zum 16. August) sein, der zwar in Nariño, Cauca und Valle del Cauca ausgesetzt wurde, der Knackpunkt wird jedoch sein, dass er in Gebieten wie Guaviare nicht ausgesetzt wurde, obwohl dort mittlerweile auch Strukturen sind, die sich unter Iván Mordisco unterordnen, also nicht den Friedensgesprächen. Der fünfte Gesprächszyklus war ursprünglich für den 20. Juni geplant. Er musste jedoch auf den 9. Juli verschoben werden, damit er nicht mit den Friedensgesprächen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der Führung von Iván Márquez kollidiert.

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Zusammenarbeit hier, Konflikte dort

Die FARC-EP, Zentraler Generalstab, die mittlerweile in zwei Fraktionen dividiert ist, hat unterschiedliche Beziehungen zur Guerilla ELN. In bestimmten Regionen existiert eine Zusammenarbeit zwischen FARC-EP und ELN, doch in anderen wird erbittert um die Territorien und die jeweilige politisch-militärische Macht gekämpft. Schon seit Jahrzehnten gab es, je nach Gebiet und teilweise auch je Kommandanten, unterschiedliche Verfahrensweisen zwischen beiden aufständischen Bewegungen. Teilweise gab es sogar regionale Abkommen zwischen beiden Guerillagruppen, so unter anderem in den Provinzen Arauca oder Cauca. Diese wurden damals von der alten FARC-EP, die sich im Friedensprozess von 2016 entwaffnete, durchgeführt.

Aktuell gibt es vor allem eine Zusammenarbeit der ELN mit der FARC-EP, Zweites Marquetalia. Doch in Regionen, wo das Zweite Marquetalia unter der Führung von Iván Márquez nicht präsent ist, aber die FARC-EP, Zentraler Generalstab, dividieret in eine Führung unter Iván Mordisco und in eine Führung unter Calarcá Córdoba, gibt es eben jene Zusammenarbeit, wie in der Provinz Antioquia. Hier kooperiert die FARC-EP mit ihrer 18. und 38. Front zusammen mit der Front Darío Ramírez Castro der ELN. So gab es am Donnerstag Valdivia einen Vorfall, bei dem sechs Soldaten getötet worden sind. Die Soldaten waren auf dem Weg, um einen Schlag gegen den paramilitärische Golf-Clan durchzuführen, trafen jedoch auf eine kombinierte Einheit der Guerilla. Bei den Kämpfen zogen sich die Soldaten in ein Minenfeld zurück, wo sechs von ihnen starben.

Anders hingegen ist es im Osten der Provinz Cauca, wo sich vor allem in der Gemeinde Páez-Belalcázar Kämpfe zwischen der Front Dagoberto Ramos der FARC-EP des Westblocks mit der ELN ereignen. Seit mehreren Tagen schon kämpfen beide Organisationen um die Kontrolle des Gebietes. Die Kämpfe sind so heftig, dass die Mitglieder der indigenen Nasa-Gemeinschaft beschlossen haben, ihre Dörfer zu verlassen und sich an sichere Orte zu begeben, immer in Begleitung der indigenen Wache. Die ELN will die Mitglieder der Front Dagoberto Ramos beseitigen, die seit langem Gebiete wie Río Chuiquito und El Guayabero kontrollieren. Mit dabei ist die wohl erst vor kurzem gegründete Front der ELN Juan Carlos Chilhueso Pazú, die hier neu operieren will. Dies ist eine Abspaltung von der Front der ELN Manuel Vasquez Castaño.

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Ein Skandal der keiner ist

Wieder einmal berichtet die nationale Presse über die Ungeheuerlichkeit, dass sich die aufständische Bewegung FARC-EP an Infrastrukturmaßnahmen beteiligt. Und dies auch noch in einer Region, die jahrzehntelang vom Staat vernachlässigt wurde und wo die Guerilla deren Funktionen übernommen hat. Wir sind im Tal des Flusses Micay, Provinz Cauca, wo die FARC-EP, Zentraler Generalstab mit der Front Carlos Patiño seit Jahren präsent ist und das öffentliche Leben regelt. Dies geschieht deswegen, weil der Staat faktisch nicht präsent ist und so das Vakuum durch die FARC-EP besetzt wird. Sie regeln das Zusammenleben, versuchen die Kriminalität einzuschränken, diesen als Ordnungsmacht und unterstützen bei eigentlich staatlichen Aufgaben, wie dem Bau von sozialen Einrichtungen und auch Infrastruktur. So wurde vor wenigen Tagen eine Brücke in der Ortschaft Honduras über den Micay-Fluss eingeweiht, die auch mit Geld der Guerilla gebaut werden konnte.

Bei der Einweihung der Brücke, die auch für Kraftfahrzeuge genutzt werden kann, ließen sich bei der Zeremonie der Übergabe Guerilleros der Front Carlos Patiño blicken. Straßen und Brücken werden häufig im ländlichen Kolumbien von den lokalen Gemeinschaften gebaut oder instandgesetzt. Dort wo die Guerilla präsent ist, gibt es häufig Unterstützung. Zudem wurden Mautgebühren zum Passieren der Brücke erhoben. Fünf Monate dauerten die Bauarbeiten der Brücke, die nun die Gemeinden El Tambo und Argelia verbindet. El Plateado war in der letzten Zeit vor allem durch die Militäroffensive in den Fokus der Berichterstattung gerückt, die einzige staatliche Präsenz. Die Region ist stark von der Regierung vernachlässigt, kein Wunder also, dass die FARC-EP hier eine große soziale Basis besitzt. Für die Medien und Öffentlichkeit jedoch ist es ein Skandal.

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Waffenstillstand mit FARC-EP, Zweites Marquetalia

Am 24. Juni begann in Caracas (Venezuela) die erste Runde der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung von Gustavo Petro und der FARC-EP, Zweites Marquetalia, die unter dem Kommando von Iván Márquez steht. Dieser war bereits Chefunterhändler des Friedensabkommens von 2016 zwischen der alten FARC-EP und der kolumbianischen Regierung. Der erste Gesprächszyklus endete am gestrigen Samstag mit einer „Vereinbarung über frühzeitige Maßnahmen zur umfassenden und schrittweisen Deeskalation des Konflikts in den Gebieten“.

Die aus neun Punkten bestehende Vereinbarung sieht die Einrichtung einer technischen Unterkommission vor, die für die „Georeferenzierung der Gemeinden, Dörfer und Ortschaften“ zuständig sein wird, in denen sich das Zweite Marquetalia befindet. Der Bericht wird am 15. Juli von Vertretern der Regierungsdelegation und der bewaffneten Organisation vorgestellt. Spätestens am 20. Juli wird in Tumaco (Provinz Nariño) ein Treffen mit den Gemeinden und Vertretern der Parteien stattfinden, um „die Methodik und den Zeitplan für die Identifizierung von sozialen und wirtschaftlichen Projekten mit schneller Wirkung festzulegen“.

Am Ende dieses ersten Zyklus verpflichtete sich die Guerilla, nicht bewaffnet oder in Uniform „in Gemeindehauptstädten und städtischen Zentren oder auf primären und sekundären Land- und Flusswegen“ unterwegs zu sein. Es wurde auch vereinbart, dass sie sich verpflichten, die von ihnen festgenommenen Personen freizulassen. Die Parteien einigten sich auch auf einen „einseitigen Waffenstillstand“, der die verfassungsmäßigen und gesetzlichen Befugnisse der Sicherheitskräfte nicht einschränken soll, wie sie sagten.

Außerdem vereinbarten sie, „eine Reihe von Maßnahmen zu entwickeln, um frühzeitig einen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Opfer des Konflikts zu leisten“, wo sie präsent sind. Im Rahmen der Deeskalation des Konflikts wird die nationale Regierung Programmen zur integralen Agrarreform und Landrückgabe Vorrang einräumen, die von Strukturen der bewaffneten Organisation in den Gebieten, in denen sie sich befinden, respektiert werden. Am Ende dieses ersten Zyklus erklärte das Zweite Marquetalia, dass sie nicht für die Angriffe auf die Friedensunterzeichner in der Wiedereingliederungszone Miravalle in San Vicente del Caguán, Provinz Caquetá, verantwortlich sei.

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Vertreibung aus Miravalle wegen dem Krieg

In der letzten Zeit berichteten wir über den Konflikt in der östlichen Kordillere und vor allem den Konflikt zwischen den beiden Fraktionen der FARC-EP, die hier um Einfluss kämpfen. So gibt es einen Disput um territoriale Kontrolle zwischen der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter der FÜrung von Iván Márquez sowie der FARC-EP, Zentraler Generalstab, unter der Führung von Iván Mordisco, der hier auf die Struktur des Südostblocks Jorge Suárez Briceño unter dem Kommando von Calarcá allerdings keinen Einfluss mehr ausübt. Zuletzt geriet die lokale Bevölkerung und die Friedensunterzeichner der alten FARC-EP aus Miravalle in den Konflikt. Der Zentrale Generalstab bedrohte diese aufgrund einer vermeintlichen Zusammenarbeit mit dem Zweiten Marquetalia und forderte diese zum Verlassen ihrer Zone auf.

„Es ist kein Abschied, es ist ein Wiedersehen für immer“, schreibt nun eine Gruppe von Friedensunterzeichnern und sich in das zivile Leben wiedereingegliederte Kollektiv in ihren Abschiedsbrief aus Miravalle in der östlichen Kordillere zwischen Huila und Caquetá. Bei den Unterzeichnern des Briefes handelt es sich um ehemalige Kämpfer der Gruppe Remando por la Paz, die als Vertreter Kolumbiens an einem internationalen Rafting-Turnier teilgenommen hat und deren Mitglieder nun die Zone verlassen werden. „Unser Weggang aus dem Dorf Miravalle, das in der Bäuerlichen Schutzzone des Pato-Flusses und des Balsillas-Tals liegt, ist eine reale und unmittelbare Tatsache. Wir sind gezwungen, das Gebiet, den Raum der Wiedereingliederung, unsere Heimat, unseren geliebten ‚Bergkamm‘, unser Mutterland, die Wiege der natürlichen Inspiration für unsere Projekte zu verlassen“, heißt es in dem Kommuniqué.

„Der Grund für diese Entscheidung ist die Unmöglichkeit, nach 7 Jahren der Rückkehr in unsere Gebiete mit dem Krieg, mit der bewaffneten Konfrontation, weiter zu leben und zu koexistieren. Wir sind in einen absurden Streit zwischen der Guerilla des Zentralen Generalstabs und der des Zweiten Marquetalias hineingezogen worden, der uns die Möglichkeit nimmt, unsere touristischen und sportlichen Aktivitäten in unserem Dorf fortzusetzen“, schreiben die Mitglieder dieser Gruppe. Das Schreiben wurde auch von der Gruppe Caguán Expeditions unterzeichnet, einer Vereinigung von Friedensunterzeichnern, die sich für touristische Aktivitäten in der Region einsetzen. Sie sagen jedoch, dass sie angesichts des Konflikts in der Region nach neuen Zielen suchen müssen. Das Angebot könne bei dem Konflikt nicht weiter fortgeführt werden, die Existenz ist nicht gesichert

„Wir bedauern und finden es schwierig, diesen Sprung zurück in die Vergangenheit zu verstehen, diese durchschlagende Unfähigkeit und Trägheit der Akteure, den Krieg zu beenden und die Gemeinden, die Anführer und die gemeinschaftlichen Entwicklungs- und Regierungsprozesse, die wir mit großer Anstrengung gegen den Strom steuern, nicht einzubeziehen oder zu unterwerfen“, fragten die Friedensunterzeichner in ihrem Abschiedsbrief an das Gebiet, das in den letzten Jahren ihre Heimat war. „Wir fordern den Staat, allen voran die nationale Regierung, auf, Leben und Sicherheit in den Gebieten zu garantieren. Die bewaffneten Akteure müssen dringend ihren Willen und ihr Engagement für den Frieden unter Beweis stellen, um den absurden Krieg zu beenden und die Gemeinschaften zu schützen, die so viele Jahre lang gelitten haben.“

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Zuspitzung des Konfliktes in El Pato

 

Erst vor wenigen Tagen haben wir eine Zusammenfassung über die bewaffneten Strukturen der FARC-EP, Zentraler Generalstab (EMC), in der östlichen Kordillere geschrieben. Dort konnte der Ostblock der FARC-EP unter dem Kommando von Calarcá zuletzt die Strukturen ausbauen. Schon seit Jahrzehnten ist die Gebirgskette, die zu den weiten Ebenen des Yarí wird, eine Hochburg der Guerilla. Doch die sich befeindeten Fraktionen der FARC-EP, einmal der EMC, auf der anderen Seite das Zweite Marquetalia, stehen her auch in einem Konflikt zueinander, obgleich der EMC zuletzt die Initiative gewinnen konnte. Doch Iván Márquez als Kommandierender des Zweiten Marquetalia genießt großen Zuspruch unter Teilen der Bevölkerung und der sozialen Organisationen. Ist er doch schließlich aus der Region und war er hier immer gut vernetzt. Dies führt immer wieder zu Spannungen in der Region El Pato in der östlichen Kordillere zwische den Provinzen Huila und Caquetá.

Zuletzt wurden unterschiedliche Kommuniqués der beiden Fraktionen der FARC-EP bekannt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zivilbevölkerung und die sich in das zivile Leben wiedereingegliederten ehemaligen Guerillakämpfer aus Miravalle. Dort in Miravalle war eine der Wiedereingliederungszonen der Guerilla. Neben alias El Paisa war dort auch kurzzeitig Iván Márquez, bis beide von dort in Richtung Osten aufbrachen und die neue FARC-EP, Zweites Marquetalia, aufbauten, nachdem der Prozess einer geeinten FARC-EP gescheitert war. Bis zuletzt gab es dort auch kleine bewaffnete Strukturen des Zweiten Marquetalias, obwohl der Südöstliche Blocks Jorge Suárez Briceño des Zentralen Generalstabs hier die Initiative erlangen konnte. So entstanden neue Fronten in der Kordillere, die wesentlichen Einfluss auf die Regionen haben.

In der Nähe der Wiedereingliederungszone von Miravalle gibt es derzeit es eine Auseinandersetzung zwischen der Mobile Kolonne Teófilo Forero des Zweiten Marquetalia und der Front Iván Díaz des Zentralen Generalstabs, die hier operiert. Das Zweite Marquetalia veröffentlichte ein Kommuniqué, in dem vor der Front Iván Díaz gewarnt wird, da diese sich ausbreiten und die Bevölkerung bedrohen, sich ihren Befehlen unterzuordnen. Darauf veröffentlichte die Front Iván Díaz ein Kommuniqué, in der sie die Befürchtung äußert, dass das Zweite Marquetalia Teil der Wiedereingliederungszone ist bzw. die dortigen ehemaligen Guerillakämpfer instrumentalisieren möchte. Nun fordern sie diese auf, das Gebiet aufgrund der Anwesenheit des Zweiten Marquetalia in dieser Zone zu verlassen.

So hat die Front Iván Díaz den Bewohnern 40 Tage Zeit gegeben, um ihre Häuser zu verlassen, nachdem sie sie zu Versammlungen in das Dorf Puerto Amor eingeladen hatte. Dieses befindet sich an der Landstraße zwischen Neiva und San Vicente del Caguán, wo in der Mitte Miravalle etwas abseits der Straße und eben auch Puerto Amor in der Nähe von San Vicente del Caguán liegen. Damit liegt die Zivilbevölkerung und die Bewohner von Miravalle im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen den beiden Fraktionen der FARC-EP, die um ihren Einfluss in der Region kämpfen. Selbst die demobilisierte und in eine Partei konvertierte FARC-Comunes bzw. dessen Vorsitzender Rodrigo Londoño alias Timochenko, bestätigte, dass die ehemaligen Kämpfer, die ein ziviles Leben angenommen haben, aufgrund der Streitigkeiten zwischen den bewaffneten Gruppen in der Region in unmittelbarer Gefahr sind.

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Angriffe im Südwesten – teilweise mit Drohnen

Im ländlichen Gebiet der Gemeinde Taminango in der Provinz Nariño kam es am Freitag bei einem Angriff mit einer Autobombe auf die Polizei zu drei getöteten und mindestens neun verletzten Menschen. Unter den Toten befindet sich ein Polizist. Der Angriff fand in dem Dorf El Remolino statt und richtete sich gegen einen Kontrollpunkt der Nationalpolizei. Hier ist die Front Franco Benavides der FARC-EP, Zentraler Generalstab, aktiv. Auch aus Robles der Gemeinde Jamundí, Provinz Valle del Cauca, wurde ein Angriff im Herzen des Ortes mit Sprengstoff gemeldet, der sich gegen die staatlichen Sicherheitskräfte richtete. Dieser wurde maßgeblich von der Front Jaime Martínez ausgeübt.

Bereits Mitte der Woche gab es diverse Angriffe auf die staatlichen Sicherheitskräfte, so zum Beispiel auf die Polizeistation von Morales, Provinz Cauca. Immer öfter wurden zuletzt auch Drohnen durch die aufständische Bewegung eingesetzt, so unter anderem in der Gemeinde Argelia, wo die Front Carlos Patiño operiert. Dies wird unweigerlich zu einem Umdenken bei Armee und Polizei führen, die bisher kaum für Drohnenangriffe gerüstet ist. Zuletzt verschärfte sich hier die öffentliche Debatte um Aufrüstung und Abwehrmittel gegen Drohnen. Die FARC-EP, Zentraler Generalstab, ist im Südwesten Kolumbiens im Krieg mit den staatlichen Sicherheitskräften, nachdem ein Waffenstallstand und der Friedensprozess auf Eis gelegt wurden.

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Die östliche Kordillere als Guerillahochburg

In der östlichen Kordillere Kolumbiens, die vor allem zwischen den Provinzen Huila, Cundinamarca, Caquetá und Meta seit jeher eine Hochburg der Guerilla war, befinden sich heute die Strukturen des Südöstlichen Blocks der FARC-EP, Zentraler Generalstab, mit dem Namen „Jorge Suárez Briceño“. Benannt sind sie nach dem ehemaligen Oberkommandierenden des Ostblocks der alten FARC-EP, die 2016 das Friedenabkommen mit der kolumbianischen Regierung unterzeichnete und sich entwaffnete. Jorge Suárez Briceño alias Mono Jojoy war eine schillernde Figur und jahrelanger Kommandant im Osten, wo die Guerilla ihre kampfstärksten Strukturen hatte. Er selbst starb 2010 bei einem Bombenangriff im kolumbianischen Dschungel.

Der Zentrale Generalstab hatte sich unlängst in zwei Teile gespalten. Auf der einen Seite die Blöcke des Südostens und des Magdalena Medio, die weiterhin Friedensgespräche mit der Regierung unter Petro führen möchten. Auf der anderen Seite die Blöcke im Westen und Zentralkolumbien sowie im Osten des Landes, die noch unter dem Kommando von Iván Mordisco stehen. Aktuell ist nicht klar, inwieweit die Spaltung konkret aussieht, ein geeintes Kommando gibt es nicht mehr zwischen allen Blöcken. Stattdessen wird abzuwarten sein, wie sich auch die Fronten innerhalb des Südostblocks verhalten oder es nicht auch hier Tendenzen zur Weiterführung des Krieges gibt.

Bisher scheint der Oberkommandierende Alexander Díaz alias Calarcá noch die Kontrolle über die Strukturen im Südosten zu haben. Er gilt als politisch kompetent mit guten Kontakten in die politischen und sozialen Organisationen der Provinzen Caquetá, Meta und Huila. Was den Friedensprozess hindern könnte? Die Angst vor einem Bruderkampf mit den anderen Fraktionen der FARC-EP unter dem Kommando von Iván Mordisco. So gibt es wohl wenig Interesse an einer Entwaffnung. Zudem muss die Regierung eines der Hauptziele einhalten, die Transformation der Territorien, wo die Guerilla über viel macht und ihre Basis verfügt.

Dies ist auch der Unterschied zu den Strukturen im Westen des Landes. Mit dem Südostblock gibt es seit dem Bestehen der ersten neuen Fronten ab 2016 und später dann mit der Gründung des Zentralen Generalstabs eine gute politisch-militärische Arbeit. Dies bedeutet, dass die Guerilla enger mit der lokalen Bevölkerung vernetzt ist, als im Westen. Calarcá war in dem Prozess des Neuaufbaus der FARC-EP von Anfang an mit dabei und kritisierte zum Schluss den Fokus auf illegale Wirtschaft und Krieg, wie im Westen des Landes. Doch er selbst gilt auch als autoritär. Es bleibt also abzuwarten, ob er die Fronten in seinem Machtbereich und den politischen Weg zu einem (Teil-)Frieden halten kann.

Der Südostblock Jorge Suárez Briceño besteht heute aus den Fronten:

  • Front Jhon Linares (bestehend aus Personen der ehemaligen Fronten 7, 40, 62 – vor allem im Süden von Meta und Caquetá aktiv)
  • 62. Front „Kommandant Rodrigo Cadete“ (Westen von Caquetá bis in die Llanos del Yarí aktiv)
  • Front Carolina Ramírez (aktiv im Süden von Caquetá)
  • Front Darío Gutiérrez (aktiv im Norden von Huila, Norden von Caquetá und westlichen Teil von Meta – ehemals Front Angelino Godoy)
  • Front Iván Díaz (Mitte von Huila und Westen Caquetás im ehemaligen Gebiet der Mobilen Kolonne Teófilo Forero)
  • Front Gaitán Gutiérrez (aktiv im zentralöstlichen Huila und auch in Meta)
  • Mobile Kolonne Miller Perdomo (Caquetá)
  • Front Edison Cinco Mil (Caquetá)
  • Front Jorge Suárez Briceño (Caquetá und Meta)
  • Front Marco Aurelio Buendía (Meta)

Dabei gibt es selbstverständlich Kontinuitäten in der politisch-militärischen Arbeit mit der alten FARC-EP. Schon damals agierte im Norden von Huila in der östlichen Kordillere die 17. Front „Angelino Godoy“. Früher war im Süden und Osten Huilas die 13. Front „Cacica Gaitana“ und eher zentral im Osten im Bereich von Gigante und Garzón die 61. Front „Cacique Timanco“ aktiv sowie die Mobile Kolonne Teófilo Forero entlang der östlichen Kordillere im Osten Huilas, vor allem in Algeciras. Diese hatte auch Milizen in der Großstadt Neiva. Die östliche Kordillere war immer ein Epizentrum des aufständischen Kampfes, doch bleibt sie es auch?

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