Vor einem Jahr geriet die Region Catatumbo in der Provinz Norte de Santander in eine Spirale der Gewalt, die bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Die militärische Offensive der ELN gegen die 33. Front der FARC-EP, unter dem Oberkommando Calarcá stehend und damit zum Generalstab der Blöcke und Fronten gehörend, löste die schwerste humanitäre Krise aus, die das Land in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Doch auch weiterhin schwelt der Konflikt und bricht der Krieg immer wieder aus. Frühzeitig tauchten Anzeichen auf, dass die Gewalt nicht nachlassen würde und auch wir wiesen darauf hin, dass die strategisch wichtige Region für beide bewaffneten Organisationen eine große Rolle spielt.
Obwohl die 33. Front anfangs einen schweren Rückschlag erlitten hatte und fast 90 % ihres Gebiets an die ELN hergeben musste, befand sie sich in einem Prozess der Reorganisation und Verstärkung. So kamen Kämpfer von anderen Fronten und auch innerhalb des Netzwerkes der 33. Front wurden Milizionäre reaktiviert. Unter anderem war die Politik der ELN dafür ausschlaggebend, dass sich Personen, die seit jeher der FARC-EP nahestanden, nun aus Angst und Repression selbst zu den Waffen griffen. Ende Dezember und Anfang Januar löste die Wiederaufnahme der Kämpfe die Zwangsvertreibung von fast 1.500 Menschen aus, ein weiteres Zeichen dafür, dass der Konflikt noch lange nicht beendet ist.
Seit dem Ausbrechen des Konflikts im Januar 2025 und bis zum Anfang Januar 2026 wurden mindestens 166 Menschen getötet. Darunter sind auch sechs Friedensunterzeichner der ehemaligen FARC-EP, die im Rahmen des Friedensvertrages von 2016 den Weg der Wiedereingliederung gegangen sind. Auch dieses Beispiel zeigt, wie unsicher sich Personen unter der Herrschaft und dem Krieg der ELN führten, denen einen Nähe zur FARC-EP vorgeworfen wurde. Die Gewalt hat fast 92.000 Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, um Sicherheit zu suchen. Die Konfrontation zwischen der ELN und der 33. Front konzentriert sich heute auf die Gemeinden Tibú und El Tarra, Bastionen der FARC-EP.
Unterdessen gab der Kommandant der 33. Front ein Interview vor einem großen kolumbianischen Nachrichtenportal. Aufhänger waren zwei von der FARC-EP festgenommene venezolanische Kämpfer der ELN, mit denen die ELN regelmäßig ihre Reihen auffüllt. Andrey Avendaño sprach vor den beiden ELN-Kämpfern. „Sie werden der Ombudsstelle, den Vereinten Nationen und der katholischen Kirche übergeben. Sie sollen medizinische Hilfe erhalten, das Wichtigste ist die Gesundheit“, sagte er. Dann schaute er einen der venezolanischen Kämpfer an und sagte: „Ab jetzt sind sie frei, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie müssen wissen, dass der Krieg nicht gerecht ist. Er ist niemandem gegenüber gut. Der Krieg, der in Catatumbo geführt wird, ist unnötig, es ist ein Krieg der Armen gegen die Armen. Wir haben ihn nicht begonnen, das war das ELN in der Region. Männer und Frauen, die es satt hatten, vom ELN unterdrückt zu werden, haben die Entscheidung getroffen, sich zu erheben und zu kämpfen, bis das Leben es zulässt.“
Avendaño drang zudem auf die Fortführung der Friedensverhandlungen, die derzeit mit der Regierung von Präsident Gustavo Petro ins Stocken geraten sind. Die derzeitige Situation lässt kaum an Frieden denken. Denn die 33. Front ist zwar geschwächt, doch mit ihren rund 500 Kämpfern verfügt sie immer noch über eine ausreichende Kampfkraft. Warum immer noch gekämpft wird und sich neue Kämpfer rekrutieren lassen ist auch auf die langsame Reaktion der staatlichen Behörden zur Kontrolle des Territoriums zurückzuführen. Die Gemeinden und ihre Bevölkerung wurden mitten im Konflikt ohne wirksamen Schutz zurückgelassen, so setzte eine neue Dynamik ein mit der Rekrutierung von Personen.
