FARC-EP schränkt Zugang humanitärer Organisationen ein

Die FARC-EP unter Iván Mordisco haben in einem Kommuniqué bekanntgegeben, den Zugang von humanitären Organisationen einzuschränken und damit Besorgnis in den ländlichen Gemeinden ausgelöst. Die Entscheidung wurde in einem Kommuniqué des Zentralen Generalstabs der FARC-EP am 18. März mitgeteilt. Darin teilt die Guerilla mit, dass Organisationen wie die Überprüfungsmission der Vereinten Nationen, die Unterstützungsmission für den Friedensprozess der OAS und die Menschenrechtsorganisation mit der Ombudsstelle Gebiete nicht betreten dürfen, die unter Kontrolle der Guerilla stehen. Das ist vor allem der Südwesten wie in den Provinzen Cauca und Nariño der Fall.

Laut dem Kommuniqué basiert die Maßnahme auf angeblichen „Vertrauens- und Neutralitätsverletzungen“ durch diese Organisationen. Die Guerilla argumentiert, dass einige humanitäre und überprüfende Maßnahmen dazu genutzt worden seien, Informationen über ihre Positionen zu sammeln, was militärische Operationen gegen sie erleichtert habe. Im Gegensatz dazu gab die FARC-EP an, dass sie die Koordinationskanäle ausschließlich mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz offenhalten werden, vorausgesetzt, dass nach ihrer Auffassung Vertraulichkeit, Neutralität und vorherige Abstimmung bei jedem Einsatz gewährleistet sind.

Die Ankündigung hat in sozialen und gemeinschaftlichen Sektoren Alarm ausgelöst, die auf die Auswirkungen hinweisen, die diese Entscheidung auf den Schutz der Zivilbevölkerung haben könnte. Die Einschränkung des Zugangs für humanitäre Organisationen könnte die Notfallversorgung, die Überwachung der Menschenrechte und die Vermittlung in Konfliktsituationen erschweren. Unterdessen bleibt Unsicherheit darüber bestehen, wie humanitäre Maßnahmen in diesen Gebieten durchgeführt werden und welche Auswirkungen diese Einschränkung auf die Gewährleistung grundlegender Rechte für die Gemeinden haben wird, die mitten im bewaffneten Konflikt leben.

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Angriff auf Angriff

Im Südwesten Kolumbiens ereignen sich derzeit wieder starke Angriffe der Guerilla auf Stationen der staatlichen Sicherheitskräfte. Im Fokus steht die Provinz Cauca, wo der Westblock Kommandant Jacobo Arenas der FARC-EP unter anderem Polizeistationen angreift und sich gegen Militärangriffe zur Wehr setzt. Diese Region wird vor allem im ländlichen Gebiet stark von der Guerilla kontrolliert. Leidtragende im militärischen Konflikt ist die Zivilbevölkerung. Bei einem Angriff der Front Carlos Patiño an der Panamericana wurde ein Soldat der kolumbianischen Armee getötet, weitere Soldaten verletzt. Zudem wurden aus Drohnen mehrere Sprengsätze gegen die Polizeistation in der Gemeinde Cajibío abgeworfen. Auch im Ort Mondomo, ebenfalls in der Gemeinde Cajibío, kam es zu einem Angriff mit Drohnen und Sprengsätzen.

Außerdem wurden starke Kämpfe in der ländlichen Region von der Gemeinde Suárez gemeldet, wo Einheiten der Armee militärische Operationen zur territorialen Kontrolle durchführten. Diese wurden aus mehreren Hinterhalten heraus von Einheiten der FARC-EP angegriffen. Hierfür war die Front Jaime Martínez verantwortlich, die ebenso zum Westblock unter dem Oberkommando von Iván Mordisco steht. Zuletzt wurde ein Angriff auf die Polizei in der Gemeinde Morales gemeldet. Währenddessen konnte die Armee gegen die Front Jaime Martínez in der ländlichen Gegend um Buenaventura, Provinz Valle del Cauca, vorgehen, wo einige Guerilleros starben. Bei einer Bombardierung in der Provinz Antioquia, Gemeinde Ituango, wurden neben dem Befehlshaber auch weitere Guerilleros der 18. Front der FARC-EP getötet.

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Partei Comunes wird verschwinden

Sandra Ramírez, ehemalige Guerillera und Lebensgefährtin vom ehemaligen Oberkommandierenden der alten FARC-EP, konnte für die linke Partei Comunes nicht die erforderliche Grenze erreichen, um als Partei anerkannt zu bleiben. Die Partei Comunes ging nach einem Namenswechsel aus der Partei FARC hervor, die sich im Zuge des Friedensabkommens aus dem Jahr 2016 gründete. In diesen Wahlen zeigt sich nun deutlich, dass die eh schon marginalisierte Partei damit keine Rolle mehr spielen wird. Schon zuvor spielte sie bei Wahlen keine Rolle, konnte aber in der Öffentlichkeit eine vergleichsweise gute Präsenz erzielen. Doch in den Jahren zuvor gab es immer wieder Streitereien und auch den Rückzug der Basis.

Die Kongressabgeordnete Sandra Ramírez versuchte, sich in einer gemeinsamen Liste mit Fuerza Ciudadana wiederwählen zu lassen – ein Versuch der Partei der ehemaligen FARC-Mitglieder, ihren rechtlichen Status als Partei zu behalten. Bisher hat sie jedoch nur etwa 0,55 % der Stimmen erreicht. Bei den beiden letzten Wahlen hatten sie wie eine traditionelle Partei teilgenommen und aufgrund des Punktes der politischen Partizipation im Friedensabkommen zehn garantierte Sitze im Kongress erhalten. Die garantierten Sitze im Kongress und im Senat waren im Friedensabkommen für zwei Legislaturen vereinbart worden.

Die Partei Comunes prangerte mutmaßliche Unregelmäßigkeiten an: Behinderungen beim Zugang zu Wahllokalen, Identitätsdiebstahl bei Wählern, Stimmzettel ohne Unterschriften sowie fehlendes Wahlmaterial. Die Koalition warnte, dass diese Situationen in Bogotá, Caquetá, Cauca, Antioquia, Bolívar und Atlántico aufgetreten seien. Doch nach Ansicht viele Wahlbeobachter verliefen die Wahlen normal. Die Mindestzahl an Stimmen, die eine Partei benötigt, um an der Verteilung der Sitze teilzunehmen, entspricht 3 % der gültigen Stimmen. Wenn eine Partei diese nicht überschreitet, bleibt sie außerhalb des Kongresses.

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Bauern gegen Armee und ihre Festnahmen

Die bäuerlichen Gemeinschaften des Tal des Flusses Micay, zusammen mit den kommunalen Aktionsräten, sozialen Vereinigungen und der politischen Kommission des Gebiets, haben eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der sie ihre Ablehnung der Festnahme der sozialen Führer Juan Pablo Giraldo und Duverney Galvis zum Ausdruck brachten. Diese waren im Zuge von Militäroperationen der staatlichen Sicherheitskräfte gegen die FARC-EP im Micay-Tal festgenommen worden. Zudem verurteilten sie die Stigmatisierung und Kriminalisierung der lokalen Bevölkerung mitsamt ihrer sozialen Anführer und Menschenrechtsverteidiger in der Region. Das Micay-Tal liegt im Südwesten der Provinz Cauca und ist eine Bastion der Guerilla. Hier operiert der Westblock Jacobo Arenas der FARC-EP.

In der Erklärung äußern die Organisationen ihre Besorgnis über das, was sie als Verfolgung von Gemeinschaftsführern bezeichnen, die im Gebiet bekannt sind und das historische Opfer von bewaffnetem Konflikt, aber auch staatlicher Ausgrenzung. Sie weisen auch darauf hin, dass die Festnahmen Ungewissheit und Angst unter den Gemeinschaften verursacht haben, die ihre organisatorischen Prozesse begleitet haben, weshalb sie Garantien für die Durchführung von Gemeinschaftsprozessen fordern. Laut der Erklärung haben Juan Pablo Giraldo und Duverney Galvis eine Führung ausgeübt, die auf interinstitutionellen und sozialen Dialog fokussiert ist, humanitäre Begleitmaßnahmen fördert, die umfassende Verteidigung der Menschenrechte unterstützt und nach würdigen Bedingungen für die Bevölkerungen des Micay-Tal strebt.

Außerdem werden nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen dazu aufgerufen, den Prozess zu begleiten und auf den Respekt vor dem Leben, der Freiheit und der Würde der sozialen Führer zu achten. Schließlich betonen sie, dass die Verteidigung des Gebiets und der Rechte der Gemeinschaften kein Grund für Verfolgung sein darf und dass Frieden und soziale Gerechtigkeit mit Beteiligung, Dialog und wirksamen Garantien für die ländlichen Bevölkerungen im Südwesten Kolumbiens aufgebaut werden müssen. Die Armee wirft beiden Personen vor, gegen die staatlichen Sicherheitskräfte agiert zu haben. Dabei treten Armee und Polizei häufig wie Besatzungsmächte auf, es gibt Anschuldigungen gegen die Bevölkerung, wahllos Verhaftete und teilweise auch gezielte Tötungen.

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Weitere Bombardierungen trotz Kritik

Die kolumbianische Armee hat weitere Militäroperationen und Bombardierungen von Lagern der Guerilla durchgeführt, obwohl es in der Vergangenheit laute Kritik an diesem Vorgehen gab. Immer wieder sterben dabei auch unschuldige Menschen oder Minderjährige, weil nicht klar ist, wer sich in den Lagern aufhält. Neben der Regel, dass auch unter 18-jährige Personen in der Guerilla aktiv sein können und sich somit in den Lagern aufhalten, haben auch Personen aus der lokalen Bevölkerung Kontakt zur Guerilla. Die Bombardierung von Lagern führt häufig zu Toten nicht nur unter der Guerilla.

Dieses Mal traf es ein Lager der Struktur Martín Villa vom Block Amazonas der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco im ländlichen Gebiet von El Retorno, Provinz Guaviare. Der auch sogenannte Zentrale Generalstab der FARC-EP kämpft in dieser Region gegen den Generalstab der Blöcke und Fronten der FARC-EP unter dem Oberkommando von Calarcá. Mehrere Personen sollen festgenommen worden sein, von Toten ist bisher nichts bekannt. Häufig gehen Militäroperationen und Bombardierungen mit Menschenrechtsverletzungen einher, die lokale Bevölkerung verurteilt häufig Militäreinsätze und die Präsenz von staatlichen Sicherheitskräften in ihren Territorien.

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Festnahme und Freilassung von Chefunterhändler

Die Festnahme und anschließende Freilassung von FARC-EP-Mitglied Óscar Ojeda, alias Leopoldo Durán, der Mitglied des Generalstabs der Blöcke und Fronten (EMBF) ist, hat laut FARC-EP keinerlei Auswirkungen auf den Friedensverhandlungstisch. Die EMBF führt derzeit mit der Regierung Petro Friedensverhandlungen und steht unter dem Oberkommando von Calarcá Córdoba. „Gemäß dem Mandat der Bolivarischen Plattform und seit Beginn der marquetalianischen Bewegung von 1964 teilt die Friedensdelegation der FARC-EP Kolumbien und der Welt mit, dass wir die Aktivitäten am Verhandlungstisch fortsetzen werden“, schrieben sie in einem Kommuniqué. Die Guerilla dankte außerdem für die Begleitung des Friedensprozesses und betonte, dass dieser „geschützt, abgesichert und unter Beteiligung aller Gemeinschaften und sozialen Organisationen vertieft werden“ müsse.

Die Freilassung Duráns erfolgte größtenteils aufgrund seiner Rolle seit Dezember 2023 als Chefunterhändler der bewaffneten Organisation. Noch vor der Spaltung zwischen dem Zentralen Generalstab (kurz EMC) unter dem Oberkommando von Iván Mordisco und dem EMBF war er Teil der Friedensdelegation. Nun wurde er von der Polizei an einer Kontrollstelle in San José del Guaviare in der Provinz Guaviare festgenommen, dann aber zügig wieder freigelassen. Durán befand sich tatsächlich unter Personenschutz wegen eines Treffens, das er in den kommenden Tagen mit dem Verhandlungstisch haben sollte. Durán kommt aus der alten FARC-EP, wo er im Ostblock Jorge Briceño vor allem in der Provinz Meta aktiv war. Er schloss sich dem Friedensabkommen von 2016 an, griff dann aber wieder zu den Waffen.

Prekär ist die Situation in der Provinz Guaviare, weil es dort derzeit zu Kämpfen zwischen der FARC-EP (EMBF) und der Armee kommt. Bei den Kämpfen, die von Seiten der Guerilla von der Struktur Isaías Carvajal durchgeführt werden, sind auch mindestens ein Soldat getötet und viele weitere verletzt worden. Die Kompanie Isaías Carvajal des Blocks Jorge Suárez Briceño unter dem Oberkommando von Calarcá kämpft hier nicht nur gegen die Armee, zuletzt wurden auch starke Kämpfe gegen die Struktur Martín Villa vom Block Amazonas unter dem Oberkommando von Iván Mordisco gemeldet und zahlreiche tote Guerillakämpfer gefunden. Wohl auch deshalb agieren die staatlichen Sicherheitskräfte gegen die aufständische Bewegung.

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FARC-EP an Entführung von Senatorin im Cauca nicht beteiligt

Die Generalstaatsanwaltschaft der Nation führt die Ermittlungen zu dem Entführungsversuch der Senatorin Aida Quilcué am vergangenen 10. Februar, als sie mindestens drei Stunden lang von unbekannten Personen auf der Straße, die Inzá mit Popayán (Cauca) verbindet, festgehalten wurde. Die ersten Aussagen der staatlichen Sicherheitskräfte verwiesen auf die Front Dagoberto Ramos des Westblocks der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco. Dies ist eine typische Reaktion, gerade auch in Zeiten von Wahlen, um der Bevölkerung zu suggerieren, wie gefährlich die Guerilla ist. Nachdem die Senatorin Aida Quilcué am 10. Februar in der Provinz Cauca als entführt gemeldet worden war, wurde einige Stunden später jedoch gemeldet, dass sie gefunden wurde. Der Verteidigungsminister Kolumbiens, Pedro Sánchez, erklärte in einem Post auf seinem X-Account, dass die Abgeordnete von der Indigenenwache gefunden wurde.

Nach dem Vorfall äußerte sich die indigene Führerin öffentlich und erklärte, dass stark bewaffnete Männer sie festhielten, aber es ist noch unklar, wer hinter dem Angriff steckt. Die Aktion der Indigenen Wache aus Cauca und der Sicherheitskräfte führte dazu, dass die mutmaßlichen Entführer von der Entführung absahen und die Senatorin freiließen. Nach dem Bericht über die angebliche Entführung und anschließende Befreiung der Senatorin Aida Quilcué veröffentlichte dann aber am 11. Februar der Zentrale Generalstab der FARC-EP ein Kommuniqué, in der er seine Verantwortung für die Vorfälle zurückweist und scharfe Kritik an den Versionen äußert, die von der Senatorin und den Behörden abgegeben wurden. Dies fand jedoch in den Medien keine Berücksichtigung, stattdessen wurde weiter von einer terroristischen Aktion der FARC-EP berichtet.

Das Kommuniqué der FARC-EP bezeichnet den Vorfall als ein Ereignis mit „mehr Zweifeln als Gewissheiten“ und betont, dass verschiedene Sektoren sie vorschnell als Verantwortliche bezeichnet hätten. Der Hauptpunkt der Erklärung liegt in dem, was die bewaffnete Gruppe als „mehrere Widersprüche“ im Zeugnis von Senatorin Quilcué bezeichnet. Laut Kommuniqué gibt es zwei gegensätzliche Versionen, die von der indigenen Führerin innerhalb von weniger als 24 Stunden abgegeben wurden. Zum einen die Version der Dritten Brigade der Armee: Vor dem Militär und der Indigenenwache soll sie erklärt haben, dass die Entführer „sich niemals identifizierten“. Bei der Version im nationalen Radio Blu: In Radiokommentaren am 11. Februar soll die Senatorin erklärt haben, dass sich die Angreifer als Mitglieder der „Dagoberto Ramos“-Kolonne identifizierten.

Für die FARC-EP ist diese Änderung der Erzählung vor allem der Hinweis, ihrem Ruf zu schaden und Verunsicherung in einer politisch und wahltechnisch sensiblen Zeit erzeugen. Die Guerilla erklärt in dem Kommuniqué, dass sie nach Bekanntwerden des Verschwindens der Senatorin von der internationalen Gemeinschaft und indigenen Behörden kontaktiert wurden. Sie haben dann Einheiten zur Unterstützung bei der Lokalisierung des Fahrzeugs bereitgestellt. Sie hinterfragen jedoch direkt die Durchführung der Rettungsaktion, die von der Indigenenwache angeführt wurde, und halten es für verdächtig, dass bei der Befreiung in einem Gebiet mit hoher Präsenz bewaffneter Gruppen keine Festnahmen vorgenommen wurden. Die Guerilla betont, dass sie nichts gegen die Senatorin habe und ihren Einsatz zur Anzeige im Kongress schätze.

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Kommandierende im Westen

Im September berichteten wir als Informationsportal zur kolumbianischen Guerilla über zwei Kommandierende, die sich von der Front Carlos Patiño des Westblocks Kommandant Jacobo Arenas der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco den staatlichen Sicherheitskräften ergeben hatten. Die Front Carlos Patiño ist eine der stärksten der FARC-EP und hat große Territorien unter ihrer Kontrolle, so dass Tal von Micay. Nach interner Unruhe in der Front, unter anderem wegen der Offenlegung eines Depots der Guerilla durch die staatlichen Sicherheitskräfte, waren alias „Kevin“ und alias „Giovanni“ übergelaufen bzw. ergaben sich. Anderson Andrey Vargas, alias „Kevin“, der als Kommandant der Fronts Carlos Patiño galt, war mehr als 16 Jahre Teil der Guerilla. Nach der Aufgabe von „Kevin“ fiel die Führung der Struktur an alias „Giovanni“, der sich ebenfalls entschied, sich den Behörden zu stellen, nachdem er Konsequenzen seitens der Guerilla durch ein Revolutionsgericht vermutete. Das Überlaufen beider Kommandierenden stellt einen Rückschlag in der Kontrolle der Front Carlos Patiño dar und gab Spekulationen für Brüche im Westblock.

Doch die Strukturen des Westblocks der FARC-EP in den ländlichen Gebieten und Gemeinden von Cauca und Nariño sind weiterhin gefestigt und Spekulationen über ein Zusammenbrechen nicht eingetroffen. Kommandierender des Westblocks Jacobo Arenas ist weiterhin Iván Jacobo Idrobo Arredondo, alias Marlon Arenas. Er ist einer der engsten Vertrauten von Néstor Gregorio Vera Fernández, alias Iván Mordisco. Er tat sich in der Konsolidierung der territorialen Kontrolle hervor, dem Zurückdrängen des Zweiten Marquetalia, der ELN und der staatlichen Sicherheitskräfte aus strategisch wichtigen Gebieten. Er gehörte einst der 6. Front der alten FARC-EP an, die sich 2016 entwaffnete. 2017 erhielt er die Amnestie im Rahmen des Friedensabkommens, 2019 griff er wieder zu den Waffen und wurde ab 2023 Kommandant der Front Jaime Martínez, wo er sich einen guten Ruf als Guerillakommandant erarbeitete. Anfang 2025 stieg er zum Kommandanten des Westblocks Jacobo Arenas auf.

Sein Stellvertreter, also zweiter Kommandant, ist Jaime Aguilar Ramírez, alias Dionisio Rayo, der in den 1990er Jahren der FARC-EP beitrat. In wenigen Jahren stieg er aufgrund seiner Kenntnisse im Umgang mit Sprengstoffen zum Kommandanten der 26. Front auf, die im Ostblock der alten FARC-EP integriert war. Seine Erfahrung und das Vertrauen, das er im Ostblock gewann, führten dazu, dass er im Juni 2006 zum politischen Strategen von alias Zarco Aldíver, dem Kommandanten der 53. Front, ernannt wurde. Seitdem leitete er die marxistisch-leninistische politische Schule des Ostblocks. Auch er wurde amnestiert und arbeitete zwei Jahre in der Wiedereingliederungszone von Icononzo, Provinz Tolima, wo er beim Bau von Häusern half und Elektrizitätskurse für ehemalige Guerilleros gab. Aus der Provinz Guaviare heraus begann er 2022 erneut seine politisch-militärische Laufbahn, stellte sich jedoch nicht an die Seite des Zweiten Marquetalia, sondern der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco.

Von der Front Jaime Martínez ist der Kommandant nun alias Jairo Ramírez. Diese Front operiert vor allem im Norden des Cauca, im Süden des Valle del Cauca und in Richtung Pazifikküste. Alex Vitongo Andela, alias Mi Pez, ist Kommandant der Front Dagoberto Ramos, die im Nordosten des Cauca und im Westen von Huila operiert. Die Front Carlos Patiño wird von John Alexander Jiménez Marín, alias Zamora, kommandiert, der über eine langjährige Erfahrung in der aufständischen Bewegung verfügt. Besonders im Tal des Micay im Süden des Cauca ist diese bereits eingangs des Artikels erwähnte Front aktiv. Die Front Franco Benavides befindet sich unter dem Kommando von Deison Rodrigo Ortíz, alias Don Mata. Sie operiert vor allem in der Provinz Nariño. Jedoch haben alle Fronten und Strukturen gemein, dass Kommandanten zwar wichtige Posten innehaben, aber im Notfall austauschbar sind. Dies zeigt sich in den Jahrzehnten des Bestehens der Guerilla, was für das Überleben einer aufständischen Bewegung elementar ist.

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Sicherheit der Friedensunterzeichner in Gefahr

Die Umstrukturierung der Nationalen Schutzeinheit (UNP) hat einen unerwarteten Riss zwischen der Regierung und der Partei Comunes geöffnet. Die Aufhebung des Dekrets was auch elementarer Bestandteil des Friedensabkommens war und mit dem mehr als 1300 Stellen für Unterzeichner des Friedensabkommens geschaffen worden waren, hat Ängste, juristische Forderungen und Aufrufe zur Mobilisierung neu entfacht, während die UNP darauf beharrt, dass das Schutzsystem nicht abgebaut wird. Die Entscheidung der nationalen Regierung, das Dekret 301 von 2017 aufzuheben, mit dem auch ein Sicherheitskonzept mit Beteiligung von Unterzeichnern des Friedensabkommens geschaffen worden waren, hat nun zur Konfrontation zwischen der Partei Comunes, ehemals FARC, und der Regierung von Präsident Petro geführt.

Die Maßnahme erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die UNP eine Umstrukturierung ihres Personalbestands vorantreibt. Die im Dekret vorgesehenen Stellen umfassten Beratungs- und Schutzfunktionen und wurden von Unterzeichnern des Friedensabkommens sowie Mitgliedern von Comunes besetzt. Mit der Aufhebung könnten einige dieser Stellen aus der Behörde ausscheiden. Rodrigo Londoño, Vorsitzender der Partei Comunes, erklärte, dass die Partei rechtliche Schritte eingeleitet habe, um die mit dem Schutzsystem verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten. Nach seinen Worten ist die Partei der Ansicht, dass die Entscheidung Verpflichtungen beeinträchtigt, die sich aus dem mit dem Staat unterzeichneten Abkommen ergeben.

Dazu sagte er: „Wir führen diesen Kampf weiter. Wir befinden uns in einer Regierung, für die wir gestimmt haben, die wir unterstützt haben und die wir verteidigt haben und weiterhin verteidigen werden. Leider ist diese Situation eingetreten, die wir nicht verstehen“, sagte er. Die Unzufriedenheit schließt auch die Möglichkeit von Mobilisierungen ein. Londoño erklärte, dass seine Partei erwäge, zu Protesten als Druckmittel zu greifen, um die Einhaltung der Vereinbarungen einzufordern. „Der Ausweg ist, den Kampf fortzusetzen. Und uns bleibt die Mobilisierung auf den Straßen, um zu verlangen, dass das Abkommen respektiert wird, und wir hoffen, dass diejenigen, die den Frieden verteidigen, uns begleiten“, betonte er.

Die Kontroverse entsteht in einem Kontext, in dem der Schutz der Unterzeichner des Friedensabkommens eines der zentralen Themen auf der Sicherheitsagenda war. Die Diskussion über die Kontinuität und die Bedingungen dieser Stellen hält die Differenzen zwischen der aus der Demobilisierung der FARC hervorgegangenen Partei und jenen Regierungssektoren offen, die für die administrative Reorganisation der UNP verantwortlich sind. Die Friedensunterzeichner sind überall im Land mit dem Leben bedroht, daher ist ihr Schutz enorm wichtig. Die fehlenden Sicherheitsgarantien und mangelnde Umsetzung des Friedensabkommens waren auch der Grund zur Gründung von neuen Gruppen der FARC-EP, die sich in verschiedene Strukturen aufgesplittet haben.

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Guerilla wächst an

Kolumbien beginnt dieses Wahljahr mit einer unsichereren Sicherheitslage und einem Wachstum der Guerilla, so eine Studie der Stiftung Ideen für den Frieden (FIP). So hat sich der bewaffnete Konflikt verschärft, die Guerilla und andere Gruppen sind an Zahl und Macht gewachsen und der Staat hat weiterhin Schwierigkeiten, die Kontrolle in weiten Gebieten zurückzugewinnen. Der Anstieg betrifft sowohl bewaffnete Personen, also Guerilleros, um mehr als 20 %, als auch die Unterstützungsnetzwerke, also zum Beispiel Milizionäre, um mehr als 27 %. Diese beiden Gruppen erfüllen unterschiedliche Funktionen. So nehmen die bewaffneten Akteure direkt an militärischen Aktivitäten teil, während die Unterstützungsnetzwerke die grundlegende Säule der Überwachung bilden und die Einhaltung der Normen des bewaffneten Akteurs auf dem Territorium gewährleisten. Dabei könne sich die Fronten und Strukturen auf die Milizen verlassen, die auch Propagandaarbeit übernehmen und vormilitärische Arbeiten wie Spionage.

Die FARC-EP des Zentralen Generalstabs (EMC) unter der Führung von Iván Mordisco wuchs von 3.279 auf 4.019 Mitglieder, was einen Anstieg von 23 % bedeutet, während die FARC-EP des Generalstabs der Blöcke und Fronten (EMBF), unter dem Kommando von Calarcá Córdoba, um 22 % wuchs, also von 2.415 auf 2.958 Mitglieder. Beide profitieren von großer territorialer Kontrolle in den ländlichen Landesteilen. Disput zwischen beiden Organisationen gibt es derzeit unter anderem im Osten in der Provinz Guaviare. Andere Guerillaorganisationen wie das Nationalkommando der Bolivarischen Armee (CNEB), unter dem Kommando von Walter Mendoza, verzeichneten einen Anstieg von 25 % auf 2089 Personen insgesamt und das Zweite Marquetalia unter Iván Márquez wuchs um 15 % auf 534 Personen insgesamt, wobei hier fast die Hälfte Milizionäre sind. Die solitär agierende 57. Front in Cauca und Valle del Cauca wird mit insgesamt 90 Personen beziffert.

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Kämpfe zwischen Zweiten Marquetalia und FARC-EP unter Calarcá

Seit wenigen Tagen gibt es Mitteilungen über teils schwere Kämpfe an der Grenze der beiden Provinzen Huila und Caquetá in der Region El Pato. Schon seit Jahrzenten ist diese Region nicht nur geostrategisch wichtig, sondern auch eine Bastion der Guerilla und bäuerlichen Selbstverwaltung. Nun gibt es Kenntnisse, dass das Zweite Marquetalia unter dem Oberkommando von Iván Márquez nach eine längeren Schwächephase in die Region drängt, wo sich Strukturen des Blocks Jorge Suárez Briceño unter dem Oberkommando von Calarcá Córdoba befinden. Es gibt Berichte über mehrere Tote, die Auseinandersetzungen drehen sich um die Kontrolle des Territoriums im Gebiet von Guayabal, einem Hauptort in der Region El Pato.

Dabei drängt nun die Kolonne Teófilo Forero unter dem Kommando von alias Cristóbal des Zweiten Marquetalia in die Region, die sie ursprünglich auch mal kontrollierte. In diesem Gebiet hat der Block Jorge Suárez Briceño mit der Front Iván Díaz unter dem Kommando von alias Sergio Carvajal eine starke Präsenz und konnte zuletzt diese Region kontrollieren. In den Jahren der alten FARC-EP war dies die Hochburg der Mobilen Kolonne Teófilo Forero vom Südblock, die hier mehrere Kompanien hatte. Große Teile liefen nach dem Friedensabkommen im Kontext der Neubewaffnung der Guerilla zum Zweiten Marquetalia über. Es entwickelte sich hier ein Kampf, bei dem sich die Strukturen um den ehemaligen Guerillakommandanten Gentil Duarte gegen die Strukturen von Iván Márquez und El Paisa, ehemaliger Kommandant der Mobilen Kolonne und zu den Waffen zurückgekehrt, durchsetzen konnten.

Die Informationen besagen, dass das Zweite Marquetalia die Absicht hat, die Kontrolle über das Gebiet zurückzuerlangen, was Spannungen in der Bevölkerung verursacht hat. Denn die Front Iván Díaz will die Kontrolle nicht hergeben. Die Kämpfe zwischen den beiden Fraktionen sollen seit Sonntag, dem 25. Januar 2026, in der Region um Guayabal stattfinden und haben mehrere Guerilleros getötet. Auch Personen aus der lokalen Bevölkerung wurden verletzt. Viele Menschen verlassen ihre Häuer nicht, es gibt aufgrund er Kämpfe keinen Unterricht und die Mobilität ist eingeschränkt. Anfang Januar drang die Kolonne Teófilo Forero in die Region ein und nahm wohl auch Personen fest, die sie als Milizionäre der FARC-EP unter dem Kommando von Calarcá Córdoba bezichtigte.

Die Gefangennahmen wurden vom Zweiten Marquetalia in einem Kommuniqué bestätigt. „Vor einigen Tagen, genau am Samstag, den 3. Januar dieses Jahres, haben wir den Herrn Velisario Yate Burgos, einen Bewohner des Dorfes Vera Cruz, im Beisein seiner Familie, der Gemeinschaften und des Roten Kreuzes übergeben.“ Das Dokument fügt hinzu: „Am Dienstag, den 13. dieses Monats und Jahres, haben wir die Brüder Benjamín Ibarra Toro und Luis Bladimir Ibarra Toro, Bewohner des Dorfes Linderos, im Bezirk Guayabal, Gemeinde San Vicente del Caguán-Caquetá, festgenommen. Wir beschuldigen sie, Mithelfer, Informanten, Späher zu sein, die die Zivilbevölkerung eingeschüchtert und bedroht haben und den Invasoren logistische Unterstützung geleistet haben. Mit anderen Worten, sie haben als Milizionäre gehandelt, was sie direkt in den Konflikt verwickelt. Heute übergeben wir diese beiden Milizionäre wohlbehalten an das Rote Kreuz im Beisein der Gemeinschaften als Zeichen des guten Willens.“

Das gesamte Gebiet von El Pato-Balsillas ist für die Guerilla von großer Bedeutung, weil es Zonne und Korridore sind, die von San Vicente del Caguán und Balsillas in Caquetá nach Neiva in Huila und weiter nach Cundinamarca und schließlich nach Bogotá führen. Im Süden gibt es Verbindungen in die Provinzen Guaviare und Amazonas. Um die Macht der Kolonne Teófilo Forero zu unterstreichen, wurden an den Straßen und Masten Banner und Plakate mit dem Bild von Hernán Darío Velásquez Saldarriaga, alias El Paisa, angebracht, der bei der Bevölkerung als ehemaliger Kommandant bekannt ist. Zudem wurde umfangreich Propagandamaterial verteilt. Es ist erstaunlich, wie schnell die Präsenz hier vom Zweiten Marquetalia aufgebaut wurde, was jedoch eine Reaktion der FARC-EP erwarten lässt.

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Polizei raus aus dem Süden von Cauca

In der Ortschaft El Plateado, Gemeinde Argelia, im Süden von Cauca, gibt es derzeit massive Proteste der lokalen Bevölkerung gegen die staatlichen Sicherheitskräfte. Seit mehreren Tagen gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und den Uniformierten der Nationalen Dialog- und Ordnungseinheit (UNDMO), früher ESMAD, die zur Verstärkung der Sicherheit in diesem Gebiet der Provinz geschickt wurden. Die Region Argelia und besonders El Plateado ist eine Hochburg der FARC-EP mit der Front Carlos Patiño aus dem Westblock Kommandant Jacobo Arenas. Häufig arbeitet die Guerilla eng mit der Bevölkerung zusammen, während die Polizei und Armee als Besatzung angesehen werden.

Die Vorfälle ereigneten sich, nachdem die Bevölkerung von den Behörden Erklärungen zum Mord an zwei Jugendlichen verlangte, der am vergangenen Wochenende in El Plateado stattgefunden hatte. Die beiden Jugendlichen — ein Kolumbianer und ein Venezolaner — sind vor der Polizei getötet worden, beide junge Menschen waren in der Bevölkerung bekannt und anerkannt. Der Mangel an offiziellen Informationen hat in der Bevölkerung Empörung und Unmut ausgelöst, sodass sich die Bewohner bis zu den Punkten, an denen sich die Militärbasis und die Polizeiposten befinden, mobilisierten, um Antworten zu fordern. Natürlich ist auch davon auszugehen, dass die Guerilla die Proteste unterstützt.

Eine große Gruppe von Personen umzingelte unter anderem das Militär, die sich in eine Bildungseinrichtung zu verschanzen suchten. Auch die Polizeikräfte wurden mehrmals belagert und angegriffen. Dabei wurden auch Molotov-Cocktails eingesetzt. Die Polizisten konnten daraufhin tagelang nicht verpflegt werden. Die Polizei wiederum setzte Tränengas und Blendgranaten ein, um die Demonstranten zu zerstreuen und ihre eigenen Einrichtungen zu schützen. Dieses Vorgehen ist in Kolumbien kein Unbekanntes, immer wieder gibt es Proteste der Bevölkerung gegen die staatlichen Sicherheitskräfte, die die Bevölkerung terrorisieren und als Unterstützer der Guerilla ansehen.

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