Die Generalstaatsanwaltschaft der Nation führt die Ermittlungen zu dem Entführungsversuch der Senatorin Aida Quilcué am vergangenen 10. Februar, als sie mindestens drei Stunden lang von unbekannten Personen auf der Straße, die Inzá mit Popayán (Cauca) verbindet, festgehalten wurde. Die ersten Aussagen der staatlichen Sicherheitskräfte verwiesen auf die Front Dagoberto Ramos des Westblocks der FARC-EP unter dem Oberkommando von Iván Mordisco. Dies ist eine typische Reaktion, gerade auch in Zeiten von Wahlen, um der Bevölkerung zu suggerieren, wie gefährlich die Guerilla ist. Nachdem die Senatorin Aida Quilcué am 10. Februar in der Provinz Cauca als entführt gemeldet worden war, wurde einige Stunden später jedoch gemeldet, dass sie gefunden wurde. Der Verteidigungsminister Kolumbiens, Pedro Sánchez, erklärte in einem Post auf seinem X-Account, dass die Abgeordnete von der Indigenenwache gefunden wurde.
Nach dem Vorfall äußerte sich die indigene Führerin öffentlich und erklärte, dass stark bewaffnete Männer sie festhielten, aber es ist noch unklar, wer hinter dem Angriff steckt. Die Aktion der Indigenen Wache aus Cauca und der Sicherheitskräfte führte dazu, dass die mutmaßlichen Entführer von der Entführung absahen und die Senatorin freiließen. Nach dem Bericht über die angebliche Entführung und anschließende Befreiung der Senatorin Aida Quilcué veröffentlichte dann aber am 11. Februar der Zentrale Generalstab der FARC-EP ein Kommuniqué, in der er seine Verantwortung für die Vorfälle zurückweist und scharfe Kritik an den Versionen äußert, die von der Senatorin und den Behörden abgegeben wurden. Dies fand jedoch in den Medien keine Berücksichtigung, stattdessen wurde weiter von einer terroristischen Aktion der FARC-EP berichtet.
Das Kommuniqué der FARC-EP bezeichnet den Vorfall als ein Ereignis mit „mehr Zweifeln als Gewissheiten“ und betont, dass verschiedene Sektoren sie vorschnell als Verantwortliche bezeichnet hätten. Der Hauptpunkt der Erklärung liegt in dem, was die bewaffnete Gruppe als „mehrere Widersprüche“ im Zeugnis von Senatorin Quilcué bezeichnet. Laut Kommuniqué gibt es zwei gegensätzliche Versionen, die von der indigenen Führerin innerhalb von weniger als 24 Stunden abgegeben wurden. Zum einen die Version der Dritten Brigade der Armee: Vor dem Militär und der Indigenenwache soll sie erklärt haben, dass die Entführer „sich niemals identifizierten“. Bei der Version im nationalen Radio Blu: In Radiokommentaren am 11. Februar soll die Senatorin erklärt haben, dass sich die Angreifer als Mitglieder der „Dagoberto Ramos“-Kolonne identifizierten.
Für die FARC-EP ist diese Änderung der Erzählung vor allem der Hinweis, ihrem Ruf zu schaden und Verunsicherung in einer politisch und wahltechnisch sensiblen Zeit erzeugen. Die Guerilla erklärt in dem Kommuniqué, dass sie nach Bekanntwerden des Verschwindens der Senatorin von der internationalen Gemeinschaft und indigenen Behörden kontaktiert wurden. Sie haben dann Einheiten zur Unterstützung bei der Lokalisierung des Fahrzeugs bereitgestellt. Sie hinterfragen jedoch direkt die Durchführung der Rettungsaktion, die von der Indigenenwache angeführt wurde, und halten es für verdächtig, dass bei der Befreiung in einem Gebiet mit hoher Präsenz bewaffneter Gruppen keine Festnahmen vorgenommen wurden. Die Guerilla betont, dass sie nichts gegen die Senatorin habe und ihren Einsatz zur Anzeige im Kongress schätze.
