Die Front Rodrigo Cadete in Caquetá

Zuletzt standen die FARC-EP in der Provinz Caquetá wieder im Fokus der Berichterstattung. Denn nach Angaben des Geheimdienstes von Armee und Polizei ist der Ostblock Jorge Suárez Briceño mit der Front Rodrigo Cadete für den Mord an zwei Polizisten in Cartagena del Chairá verantwortlich. Mehrmals haben wir bereits über die Provinz Caquetá geschrieben, die eine Bastion der Guerilla ist. Auch nach der Neuformierung der FARC-EP im Zuge des gescheiterten Friedensprozesses 2016 bildeten sich hier sofort neue Strukturen, teilweise in Fortführung der alten Strukturen. Im Jahr 2024 kam es zu einer Spaltung, in deren Folge sich alias Calarcá und der von ihm geführte Ostblock Jorge Suárez Briceño unabhängig machten, was zur Entstehung dessen führte, was heute als EMBF, der Generalstab der Blöcke und Fronten, bekannt ist. Sie wolle den neuen Friedensprozess mit der Regierung unter Petro fortführen, während der andere Part unter dem Oberkommando von Iván Mordisco bisher die militärische Lösung befürwortet. Unter Calarcá ist der territoriale Einfluss in der Provinz weiterhin ungebrochen.

Die Guerilla hat mit ihrem politisch-militärischen Einfluss neue Handbücher des Zusammenlebens erstellt, in denen Regeln festgelegt sind, die die Gemeinschaften einhalten. Als Teil ihrer militärischen territorialen Kontrolle hat sie die lokale Bevölkerung beauftragt, Ausweise zu benutzen sowie sich der Junta de Acción Comunal (Kommunalrat) anzuschließen. Zudem hat sie die Menschen angewiesen, auf ihrem Land Nahrungsmittel anzubauen, was für die Guerilla und den Wirtschaftssektor notwendig ist. Damit wird eine Abhängigkeit von anderen Regionen vermieden und dem Drogenanbau der Riegel vorgeschoben. Auch Naturschutzvorgaben gibt es, so dürfen nicht wahllos Wälder gerodet werden. Der EMBF setzt eine aus seiner Sicht verstandene „Agrarreform“ um, indem er Land parzelliert und an bäuerliche Familien vergibt, die aus Regionen nahe Caquetá hergebracht werden. Parallel dazu hat er ein eigenes Kataster eingeführt. Infolge all dessen erhebt der EMBF Steuern auf zahlreiche Aspekte der Landnutzung, des Umweltschutzes und der Entwaldung in Caquetá.

In den Medien werden die Strukturen der Guerilla immer als Terrorzellen und Drogenterroristen beschrieben. Die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Funktionen der Guerilla, die hier staatliche Aufgaben übernimmt weil der Staat dem nicht nachkommt, werden jedoch unter den Tisch gekehrt. Zu den aktiven und größten Strukturen gehört die Front Rodrigo Cadete, die unter der Führung von Juan Agudelo Salazar, alias Cotiz oder Urias, steht. Zwei Unterstrukturen hat diese Front, die auch als Kommissionen genannt werden. Diese zwei Kommissionen heißen Miller Perdomo und Diómedes Galvis, die direkte Befehle vom Kommandierenden der Front erhalten. In der erstgenannten Kommission ist Wilber Andrés Lugo Olaya, alias Darwin Núñez, der Anführer, während die zweite von Dairo Parra Morales, alias Sebastián oder Champollo, geleitet wird. Benannt ist die Front nach dem im Jahr 2019 getöteten Kommandanten, der in der alten FARC-EP vor 2016 die 27. Front in Caquetá und Meta befehligte und später ein wesentlicher Verbindungsmann der sogenannten dissidentischen FARC-EP nach 2016 wurde. Hier ein alter Artikel zu seinem Tod und seiner Biographie.

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